Sonntag, Februar 28, 2010

Schnurri-Liesel

Ich hab ja eine ganze Sammlung aufregender Wimpern, die als Taschenkostuem ueberall hin mitreisen koennen und einen im Handumdrehen verkleiden. Gestern hab ich der Sammlung der Anklebkostueme eine neue Dimension hinzugefuegt. Ich sag nur: "Ist der kleine Mann da Will's Frau?" (fragten mehrere Gaeste auf der verspaeteten Karnevalsparty)

Es ist schon erstaunlich, wie verkleidet man mit Anklebeschnurri ist. Um das Kostuem perfekt zu machen, hab ich mir noch nen Schatten auf die Wangen und das Kinn gemalt, nen Hut aufgesetzt, Anzug und Kravatte angezogen und mir die Hose mit ner Rolle Klopapier ausgepolstert.

Frauen, die mich nicht leiden koennen, waren ploetzlich freundlich zu mir, ein Freund von uns, der ein ausgewiesener Frauenheld ist, ist an mir vorbeigegangen und hat nur gedacht: Noch'n kleiner Mann... und erst beim dritten hingucken gesehn, wer der kleine Mann ist. Ich sag bloss: Nie mehr reisen ohne Schnurri. Das einzige Problem: Der Zwirbelschnurrbart war so lang, dass ich meinen Wein nur mit Strohhalm trinken konnte.

Freitag, Februar 26, 2010

Mietspielzeug

Im Internet gibt es alles. Zum Beispiel Spielzeugleihdienste. Wo man sich immer wieder neue Spielzeuge aussuchen, zuschicken lassen und zurueck schicken kann, sobald's einen langweilt.

http://www.babyplays.com.

Das ist nicht nur deshalb toll, weil man sich weniger langweilt oder Geld spart, sondern vor allem, weil man den ganzen Mist dann nicht ewig in der Wohnung rumliegen hat... Ausserdem ist es toll, Paeckchen zu kriegen.

Ach ja, zum Thema Paeckchen. In unserer Nachbarschaft ist das anscheinend im Moment der neuste Trend, dass Drogendealer das Marihuana per UPS verschicken. Nicht zu sich nach Hause, da waeren die ja ganz schoen bloed, sondern zu einem dieser Haeuser, wo tagsueber keiner zu Hause ist. Der Kurrier (Drogenkurrier im wahrsten Sinne) liefert das Paeckchen auf der Veranda ab (das machen die hier wirklich, wenn keiner die Tuer oeffnet, legen die die Paeckchen einfach so davor) und der Dealer kommt und holt es ab, bevor Mama und Papa von der Arbeit nach Hause kommen.

Wie gesagt, es ist toll, Paeckchen zu kriegen...

Donnerstag, Februar 18, 2010

Schneeheeeheee


Ok, alle schimpfen ueber's Wetter. Immer, das gehoert sich so. Aber irgendwie ist das auch toll, wenn man ein Wetter erlebt, das krasser ist, als normal. Ich war noch nie irgendwo, wo's so geschneit hat. Ich hab mich daran erinnert, wie wir als Kinder mit dem Vater den Wetterbericht geguckt haben und uns dann immer ganz klammheimlich ueber Schnee freuen mussten, weil fuer einen Steinmetz Schnee natuerlich Mistwetter ist. Und so war ich hier umgeben von Leuten, die diesen Schnee scheusslich fanden (und unpraktisch war er ja auch) aber sobald ich draussen war, war ich verzaubert.

Zum Valentinstag sind wir dann Schlitten gefahren. Das war besser als Schokolade und Rosen. Hand in Hand den Hang runter rasen und unten angekommen nebeneinander im Schnee liegen und in die Sonne gucken (hoffend, dass einem keiner in den Kopp rast...). Eine Kleinigkeit beunruhigte mich nur: Wenn man nun also mit seinem Allerliebsten (nicht dem Allerwertesten) mit zwei unkontrollierbaren runden Plastikschuesseln den Hang runter pfeift und die ganze Zeit schreit: "Lass meine Hand los, Du brichst mir den Arm." und er das nichtmal zu hoeren scheint und immer fester zupackt... ist das ein Zeichen unverbruechlicher Liebe und Leidenschaft, oder muss ich mir Sorgen machen?

Mittwoch, Februar 10, 2010

Eingeschneit

Sieht cool aus. Kann einem aber unheimlich auf den Geist gehn. Vor allem, wenn man kein Hoehlenmensch ist. Und ein Baby hat, das (eigentlich) zu schwer ist, um getragen zu werden, aber natuerlich niemand die Buergersteige genug freischaufelt, dass man mit dem Kinderwagen durchkommt. Nach einem Sonnentag (und ein wenig Schlittenfahren) und einem grauen Tag, hat heute abend der Schnee schon wieder angefangen, auf den gut Knie- bis Oberschenkelhohen Schnee drauf soll es nochmal 20-30 cm schneien. Die Supermarktkassenschlangen winden sich bis zum Eingang raus, die ersten Daecher in der Nachbarschaft haben nachgegeben und Schulen und Regierungsstellen sind geschlossen. Zum Glueck weckt Sarah mich frueh genug auf, dass ich heute morgen um halb acht einer der ersten Kunden im Supermarkt war und wir haben's lecker warm.

Freitag, Januar 29, 2010

Die neusten Tricks

Heute abend hat sich Sarah im Badewanneneimer hingesetzt, nachdem ich sie fragte :"Na, willst Du Dich setzen?" und ist aufgestanden, als sie sah, dass ich das Handtuch holte. Ihre Tagesmutter Ingrid sagt, dass Sarah sie "Grid" nennt und ihren besten Freund Collin (ihren "Bruder" in der Familie, mit der wir die Tagesmutter teilen) nennt sie "Co".

Dienstag, Januar 26, 2010

Sich noch einmal wie 17 fuehlen...

Na, wer wollte das nicht?!

Nun, deutsche und amerikanische Buerokratie machens moeglich. Ich hab meinen Fuehrerschein verloren. Also tatsaechlich, das kleine Dokument ist mir abhanden gekommen. Nicht Fuehrerschein verloren im Sinne von: Besoffen gefahren, abgenommen bekommen.

Als ich in Deutschland war, dachte ich, kein Problem, Fuehrerschein in Deutschland ist ja auf Lebenszeit, lass ich mir einfach nochmal einen ausstellen. Von wegen. Wenn man nicht mehr in Deutschland gemeldet ist, ist kein Amt zustaendig und kann einem deshalb auch keinen ausstellen. Doch doch, eine Aktennotiz koennen sie einem ausdrucken, in der (auf Deutsch natuerlich) steht, dass ich (theoretisch) einen Fuehrerschein habe, die Tatsache, dass ich (praktisch) aber keinen habe, koennen sie nicht beheben. "Da muessen sie zu dem Amt gehn, wo sie jetzt wohnen. Auf Wiedersehn."

Die Amerikaner akzeptieren zwar deutsche Fuehrerscheine (dann muss man nur die theoretische Fahrpruefung machen, nicht die praktische), aber - also ein grosses ABER - nur das tatsaechliche Dokument, nicht so'n komischen Brief den 'ne Bochumer Sachbearbeiterin (sagte ich grade Schnepfe? Das kann nicht sein, wuerde ich nie tun!) ausgedruckt hat. Also, obwohl ich ihn habe, hab ich ihn nicht und werde nun sowohl die theoretische als auch die praktische Fahrpruefung in Amerika machen. Muss ich wohl doch noch seitwaerts einparken lernen. Ist ja unwahrscheinlich, dass ich schon wieder so einen netten Pruefer hab, wie beim ersten Mal, der mir jede Lenkerbewegung beim zweiten Versuch vorgesagt hat...

Einen Vorteil hat das Amerikanische System: Hier kann man sich sogar von Grossonkel Willi das Fahren beibringen lassen und muss keine Fahrschule besuchen und Millionen dafuer bezahlen.

Eins zwei Polizei

Grade hab ich zum ersten Mal, seit ich in den USA wohne, die Polizei gerufen. Komisches Gefuehl. War aber ganz einfach. Warum? Ohne grossen Grund, eigentlich. Die Herrschaften und Damenschaften, die hinter uns in den Sozialwohnungen wohnen, hatten mal wieder eine Schreiveranstaltung. Vielleicht war's Spass, vielleicht Ernst, jedenfalls schrie im Hof schoen jeder jeden an, dann sind die dicken Frauen mal alle in diese Richtung gerannt, dann kam einer mit'm Auto und jemand anders hat den angeschrien, so ging das hin und her. Man koennte fast sagen: Wie immer.

Aber. Im Zuge der vielen Einbrueche und Diebstaehle in der letzten Zeit hat die Polizei darum gebeten, sie auch dann zu rufen, wenn noch nichts passiert ist, sondern irgendwas nur komisch oder unangenehm aussieht. Also, jetzt ist es offiziell (naja, nicht ganz, denn ich hab der Dame bei der Polizei meinen Namen dann lieber doch nicht gesagt): Ich gehoere nun zu den Spiessern, die den Nachbarn die Polizei auf den Hals hetzen.

Zwei Polizeiwagen waren dann auch innerhalb von Minuten da, haben mal kurz geguckt, was da los ist, jetzt sind sie wieder unterwegs und die Nachbarn sind alles wieder in ihre Loecher gekrochen.

Ich muss sagen, mein Verhaeltnis zur Polizei hat sich sehr veraendert, seit ich nicht mehr in Deutschland wohne. Zu Hause waren Polizisten die Leute, die einem Strafzettel schreiben fuer auf dem Buergersteig radfahren oder einen auf ner Anti-Atomkraft-Demo wegtragen (das sogenannte "Bullenschwein"...). Hier bin ich immer froh, wenn ich sie seh und an kalten Regentagen bin ich versucht, den Streifenpolizisten im Donut-Shop was Suesses und nen Kaffee zu holen.

Montag, Januar 25, 2010

Am Wasser gebaut...

Kinderhalter und Hundehalter lernen immer alle kennen. Weil nun mein Kind Hunde liebt, und ich gerne mit Fremden rede, verdoppelt und -dreifacht sich der Effekt. Letzte Woche gerieten Sarah und ich so durch Zufall in eine Gruppe Leute, die alle mit Hunden an der Leine auf dem Buergersteig standen. Eine Hundeadoptionsgruppe, die den Passanten heimatlose Hunde ans Herz legen wollte. Wir haben uns dann auch gleich verquatscht, Sarah mit einem Hund und ich mit einer Englaenderin. Nach einer Viertelstunde waren wir so weit, dass sie mich einlud, Mitglied ihres Intellektuellen Damen Salons zu werden, einer Gruppe von Frauen, die sich einmal im Monat treffen, um jeweils ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Beim naechsten Treffen (das war letzten Freitag) ginge es um "Weinen" und ob ich Lust haette, dabei zu sein.

Also hab ich letzten Freitag mit 12 fremden Frauen in einem Wohnzimmer gesessen und ueber's Weinen geredet: Weinen bei der Arbeit und zu Hause, von Maennern, Frauen und Kindern, bei Fernsehwerbung und dem Frisoer, aber nicht beim Einsatz im Irak usw.

Als ich meinem Mann begeistert davon erzaehlte, meinte er nur: "Du willst was? Dich am Freitag Abend mit Fremden treffen und ueber Heulen reden? Und darauf freust Du Dich?"

Samstag, Januar 09, 2010

Dass ich das noch erleben darf...

Unglaublich, aber wahr, der Stadtrat (oder wie auch immer man das hier nennt) hat tatsaechlich beschlossen, dass von nun an jede Plastiktuete im Supermarkt 5 Cent kostet. Die Amis sind verwirrt und ich laechel, weil ich mich in meine Jugend zurueckversetzt fuehle...

Freitag, Januar 08, 2010

Eva's kleine heile Welt

Manchmal seh ich auch hier Eckchen davon. Zum Beispiel, wenn ich an meine Muetterliste eine email schreibe: "Sarah braucht einen Schlafsack." Und eine mir fremde Mutter sagt: "Klar, ich hab da noch einen, den leg ich vor meine Haustuer, brauchst Du nur abholen kommen." Und weil mich das so begeistert, hab ich als naechstes geschrieben: "Sarah passt ihr Schneeanzug nicht mehr." Und werde ihn gleich, bevor wir spazieren gehn, auf die Veranda legen, damit die Mutter eines kleineren Kindes kommen und ihn mitnehmen kann.

Mittwoch, Januar 06, 2010

Danke

Beim Meditieren muss man zu lange still sitzen, fuer Yoga braeucht ich nen Babysitter, aber irgendwas will ich doch tun, um mich der Erleuchtung naeher zu bringen. Dieses Jahr fangen wir mal ganz klein an: Jeden Tag eine Liste mit drei Dingen, fuer die ich dankbar bin. Das dauert etwa eine Minute und kann sogar zwischen gugugagaheiteitei geschrieben werden.

Falls ich das durchhalte, werdet Ihr mich am Ende des Jahres nur noch mit entruecktem Laecheln zwei Zentimeter ueber der Erde dahinschweben sehen. Darauf freu ich mich schon. Dann werd ich nur noch superhochhackige Schuhe tragen, das tut ja beim Schweben dann gar nicht mehr weh.

Aber ach, solange ich meinen Geist mit so banalen Dingen wie Damenschuhabsaetzen belaste, bin ich wohl von Erleuchtung und Schweben noch weit entfernt...

Sonntag, Januar 03, 2010

Frohes Neues Jahr auf Amerikanisch (also Haeppi Niu Jia)

Und vorher hab ich noch gross rumerzaehlt: "Ja und Silvester nehmen wir uns nen Babysitter und tanzen dann wild und romantisch und bis zum Umfallen" (dazu summen wir im Hintergrund aus der Dreigroschenoper:" Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein grosses Licht, und mach dann noch nen zweiten Plan, gehn tun se beide nicht...)

Statt dessen waren Sarah und ich erbrechlich gebrechlich und sind schoen um acht Uhr abends schon eingeschlafen und, den Jahresanfang verschlafend, erst wieder aufgewacht, als morgens um drei die Polizei an die Tuer haemmerte. Warum hat ein Land, das behauptet, Menschen auf den Mond schicken zu koennen, eigentlich die Erfindung der Tuerklingel verschlafen? Nun, verschlafen waren wir auch und fragten uns ausserdem, was da so eilig war. Ok, grossartige Neuigkeiten, die hatten unser vor drei Wochen geklautes Auto wiedergefunden. Aber wir haetten uns darueber um acht Uhr morgens ebenso gefreut und es war ja nicht so, dass wir in diesem Moment etwas tun konnten...

Am naechsten Morgen aber sind wir gleich ueber die Bruecke in den wilden Westen gefahren, wo das Auto inzwischen beim Abschleppheini im Hof stand. Gleich nebenan lief ein Pitbull herrenlos ueber die Strasse und auch sonst war das eine sehr einladende Gegend. Nun, unsere Autodiebe waren vermutlich Rabauken aus der Nachbarschaft, die mit dem Auto rumfahren und darin ihre Rabaukensachen machen wollten. Zu unserem Glueck kam einen Tag nach dem Diebstahl einer der groessten Wintereinbrueche der lokalen Geschichte, das Auto verschwand unter 60 cm Neuschnee und die Kids haben wohl in der Zwischenzeit ein neues Spielzeug gefunden ("Sind sie nicht suess, die lieben Kleinen?"). Sie hatten uebrigends weder ein Interesse an deutscher Literatur, noch teilten sie unseren Musikgeschmack, und so ist ausser Navi, Schlafsack und Kindersitzbasis noch alles drin. Ein neues Zuendschloss braucht's. Und irgendwas anderes, was wir noch nicht rausgefunden haben.

Das Jahr kann kommen, wir sind bereit (und alle wieder gesund).

Donnerstag, Dezember 31, 2009

Also, niemand kotzt so ungern wie ich...

Klar, ich hab noch selten jemanden getroffen, der sich gerne uebergibt, aber glaubt mir, so ungern wie ich, kotzt niemand. Dieser ganze Quatsch von wegen: "Dann hat man's wenigstens hinter sich und ist es los..." bleibt mir damit vom Leib, da ist mir lieber tagelang uebel. Ich hab einmal im Leben so viel getrunken, dass ich kotzen musste, da war ich 16 und wollte rausfinden, wieviel reingeht, danach wusste ich, wieviel reingeht und dass ich selbst im betrunkenen Kopf kotzen fies finde. In der Schwangerschaft hab ich mich einmal uebergeben, das hat mir nicht gefallen, hab ich nicht wiederholt.

Gestern abend sass ich deshalb mit Sarah auf dem Arm im Flugzeug und hab ganz langsam im Kopf gezaehlt, alphabetische Listen gemacht und mich darauf konzentriert, meine Fluguebelkeit zu ignorieren. Denn ausser dass ich, sagte ich das schon, kotzen echt nicht leiden kann, konnte ich mir das auch logistisch irgendwie schwierig vorstellen, wie ich Kind und Kotz koordiniere, ohne dass beide sich miteinander mischen. Vorsorglich hatte ich die Brechtuete in der kinderlosen Hand, aber ich wusste, das einzige, was Zukunft hat, ist feine Zurueckhaltung und Minuten zaehlen.

Sarah dagegen sieht das ganz anders. Seit vier Uhr morgens (was sich ja, wegen Zeitverschiebung, bei ihr wie mitten am Tag anfuehlt), hat sie schon viermal in hohem Bogen alles ausgespuckt, was in ihr drin war (ich wusste gar nicht, dass da so viel rein passt), und dann mit gutem Appetit gleich weitergetrunken, nur um ein paar Minuten spaeter das gleiche Schauspiel von vorne zu beginnen.

Das gab mir die Gelegenheit, Heidi auszuprobieren, die Kinderkrankenschwester, die Hausbesuche macht. Wie viel toller, als mit Kotzkind durch die halbe Stadt fahren, dann mit 10 anderen kranken Kindern zwei Stunden im Wartezimmer zu sitzen etc. pp.. Heidi war in ner halben Stunde da, hat abgehoert und -gestastet und ueberall mal reingeguckt und gesagt: Weiter kotzen lassen (vielleicht noch nen Tag), rehydrieren, Windeln zaehlen und hoffen, dass wir von ein oder zwei Wochen Durchfall (die da auch typisch drauf folgen koennen) verschont bleiben.

Und zu mir und meiner Brechweigerung: "Da hat man's wenigstens hinter sich und ist es los..."

Montag, Dezember 28, 2009

Reisen fuer Fortgeschrittene

So, im Lernprozess, den man Eltern sein nennt, ist ja das Reisen ein extra Kapitel. Zum Beispiel: Bestelle im Flugzeug vegetarisch, damit Du Dein Essen vor allen anderen bekommst und nicht der Babyfuss in anderleuts Tellerchen landet, waehrend Du Kind und Kuchen zu baendigen versuchst. Oder: Reise ohne Reissverschluss - denn das erleichtert die einhaendige Toilettenbenutzung mit schreiendem Kind im anderen Arm ungemein. Und nun, neu im Programm: Verschicke alles mit der Post, was Du nicht sofort brauchst, statt Dich mit Gepaeck abzuschleppen. Und, ein alter Klassiker neu belebt: Wenn Du mal wieder so deppert warst, einen Vormittagsflug zu buchen und dann ploetzlich ein vereitelter Anschlag dazu fuehrt, dass Du schon drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein musst: Nimm Dir ein Zimmer im Flughafenhotel, statt morgens um vier aufzustehn.

Und dann: Ruhe bewahren, laecheln, Augen auf und durch. Uebermorgen fliegen wir...

Mittwoch, Dezember 23, 2009

Wir sind die Zukunft der 80er

Manchmal komme ich mir vor wie in nem Sience Fiction Film der 80er. Zum Beispiel heute morgen: Sarah, ihr Papa und ich haben zusammen gefruehstueckt. Er sass dabei in Washington in seinem Keller vorm Computer, wir hatten das Laptop auf den Fruehstueckstisch gestellt, und ueber Kamera und Skype hat er sich angeguckt, wie Sarah gegen den Loeffel und mit dem Eigelb kaempfte, wenn er Fratzen schnitt, hat sie gelacht, besonders bei solchen, in denen seine weissen Zaehne im schwarzen Gesicht zu sehen waren und wir haben davon profitiert, dass er, so kurz nach der Rueckkehr, noch immer zwischen den Zeitzonen ist und deshalb um vier Uhr aufwacht, waehrend wir uns nen schoen langsamen Schludermorgen gegoennt haben.

Montag, Dezember 21, 2009

Wenn's so nicht geht, geht's anders

Oder: Vom verborgenen Wert des Hexenschusses.
Diese Geschichte ist lang - aber kurz erzaehlt. Sie besteht aus sehr vielen Naechten mit sehr wenig Schlaf. Seit neun Monaten schlaeft Sarah gerne an der Brust und ungern anderswo ein. Unsere Versuche, ihr anderes beizubringen, waren teilweise halbherzig, oft voll von schlechtem Gewissen gegenueber den Nachbarn und nie von Erfolg gekroent. Vorgestern war klar: Mit diesem Hexenschuss kann ich nicht mit ihr rumhantieren, wie ich das normalerweise machen wuerde. Also, schweren Herzens und ueberzeugt, dass das nicht funktionniert, hab ich der Mutter erlaubt, sie in ihr Bettchen zu legen, und wir haben uns dann beide (Mutter und ich) im Wohnzimmer verschanzt. Sicher, dass nun wieder eine Stunde Geschrei anstuende. Natuerlich gab es Proteste und sie drohte damit Amnesty International anzurufen. Aber in ner Viertelstunde war sie eingeschlafen. Heute, Tag drei der neuen Zeitrechnung, war sie schneller eingeschlafen, als ich den Computer hochfahren konnte, um diese Geschichte aufzuschreiben.

Sonntag, Dezember 20, 2009

Vorsicht, Ausbruch! "Du hast ja sonst nix zu tun" und "Was machst Du denn den ganzen Tag"

Ich gebe zu, ich konnte mir das vorher auch nicht vorstellen. Deshalb kann ich das meinen kinderlosen Freunden und Verwandten gar nicht uebelnehmen.

Und darum hier eine kleine Erklaerung: Baby haben heisst 24 Stunden Bereitschaft. Und davon die meiste Zeit, Tag und Nacht, auch Einsatz. Ja, das ist anstrengend und manchmal auch schrecklich langweilig. Das heisst zum Beispiel (fangen wir mit dem Unwichtigsten an), dass man sich nicht einfach mal betrinken kann - selbst wenn man fuer die Zeit des Ausgehens einen Babysitter hat - denn sobald man nach Hause kommt, ist man wieder im Einsatz. Oder dass man sich nicht einfach einen Hexenschuss leisten kann (wie mein Koerper grade versucht), denn die Tatsache, dass jede Armbewegung wehtut, ist dem Kind doch egal, will trotzdem hin und her getragen und gestillt werden (ein anderes Hindernis fuers Betrinken...). Nein, man kann nicht (wie eine Freundin vermutete) von zu Hause arbeiten, waehrend das Kind schlaeft. Waehrend das Kind schlaeft? Also nachts von 22 bis 24 von 1 bis 4 und von 4:30 bis 6 Uhr? Aeh... nein, da will man ja selber schlafen. Und: Ja, wir geben zu, ins Buero gehn wir zur Entspannung. Das nennt man Arbeiten. Haha. Wenn wir verreisen, packen wir nicht mehr einfach nur die Badehose ein und das kleine Schwesterlein und los geht's. Nein, wir verpassen regelmaessig beinah den Flug, weil alle Vorbereitung einhaendig doppelt so lange und dann noch ne Stunde dauert. Wenn man durch die Sicherheitskontrolle geht, muss man nicht nur Schuhe ausziehn und Computer aus der Tasche holen, sondern auch einhaendig (im anderen Arm ein schreiendes schlagendes Kind) den Kinderwagen auseinandernehmen und auf's Fliessband wuchten, waehrend hinter einem die Geschaeftsleute ungeduldig mit dem Fuss wippen, statt zu helfen. Die gleichen Geschaeftsleute (zu denen ich vor nem Jahr ja auch noch gehoerte), die einen Horror kriegen, wenn sie sehen, dass man mit dem Knatschpott auf dem gleichen Flug ist und wegen derer man die ganze Nacht mit Kinderbespielung verbringt, damit Knatschpott seinem Namen nicht alle Ehre macht. Und wo wir einmal dabei sind: Sein Kind drei Tage die Woche acht Stunden zu einer liebevollen Kinderfrau zu geben, bedeutet nicht, dass man in die Kategorie "Warum kriegt man denn Kinder, wenn man sie dann nie sieht?" faellt. 24 - 8 = 16. Denn selbst an diesen Tagen bin ich 16 Stunden in Bereitschaft und davon mindestens 8 im Einsatz. Entfremdung zwischen Mutter und Kind eher unwahrscheinlich.

Ich beklag mich ja nicht (also, ausser grade in diesem Hexenschussbericht) und liebe meinen Knatschpott abgoettisch, vielen Dank. Aber falls irgendein kinderloser Freund das hier liest und nicht glaubt, ich freu mich immer ueber Angebote zum Babysitten und koennte fuer meine Rueckreise noch einen Reisebegleiter gebrauchen. Zu aller sonstigen Freude muss ich in Atlanta beim Umsteigen auch noch alles eingecheckte Gepaeck entgegennehmen und neu einchecken, sicherheitshalber, damit ich keine Bombe in die USA mitnehme. Da koennte ich eine oder zwei extra Haende gut gebrauchen. So. Jetzt reg ich mich wieder ab und mache gugugu und Sarah grinst breit und zeigt zwei kleine Mausezaehnchen.

Donnerstag, Dezember 17, 2009

Im Westen nix Neues (geschrieben)

Gestern schaute ich meiner Mutter ueber die Schulter, als sie auf diesen blog klickte, und mal wieder nichts Neues las, immer noch "Jetzt geht's los". Dabei haben wir in der Zwischenzeit eine halsbrecherische Jagdt zum Flughafen hingelegt, um unseren Flug zu kriegen, in einer irren Woche in Deutschland Hochzeit und Taufe organisiert (inclusive neuem Lokal, Anzug fuer ihn, Schuhe, Tasche, Haarschmuck fuer mich etc. pp.) und durchgefuehrt und inzwischen ist er wieder zurueck in den USA, wo er sich gestern unser Auto hat klauen lassen und ich fange langsam wieder an, normal zu atmen...

Meine Guete, denke ich, wie viel Zeit ich uebrig hatte, bevor ich ein Kind hatte, da hab ich oft wenig erlebt und viel geschrieben. Inzwischen ist das eher umgekehrt...

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Jetzt geht's lohoos!

Den Kuehlschrank leergegessen, 6 Outfits zum Wechseln ins Handgepaeck gestopft (wer moechte schon mitten im Flug mit einem beschissenen Baby rumsitzen und nichts mehr zum Anziehen haben?), das Haus verwuestet und wieder aufgeraeumt, das Hochzeitskleid halbwegs knittersicher verpackt, einen ganzen Koffer mit Geschenkchen fuer die Hochzeitsgaeste vollgepackt, noch schnell den Vermieter ins Haus gelassen, der in unserer Abwesenheit Gitter vor die Fenster montieren lassen will und jetzt geht's tatsaechlich los. Bis gleich in Deutschland.

Mittwoch, Dezember 02, 2009

Pack die Badehose ein...

Naja, die Badehose ist so etwa das Einzige, was wir ohne Probleme zu Hause lassen koennen, wenn wir morgen mit Kind und Kegel nach Deutschland aufbrechen. Vom Hochzeitskleid ueber die Windelwundcreme bis zur Geburtsurkunde muss alles dabei sein, damit wir naechste Woche (NAECHSTE WOCHE????!!!!! AAAAAAHHHHHH!!!!) im heimatlichen Dueren heiraten und Sarah taufen lassen koennen.

In der Vorbereitung sind wir unter anderem folgender Frage begegnet: Wie kann man beweisen, dass man etwas nicht getan hat? Also, wie kann mein Mann beweisen, dass er noch nie kirchlich getraut war? Denn das muss er, damit unser katholischer Pastor ihn traut... Die Antwort ist so altmodisch, dass sie fast aus dem vorvorherigen Jahrhundert sein koennte. Sein Vater muss eine eidesstattliche Erklaerung abgeben... klar, das koennte ja niemals vorkommen, dass ein Sohn heiratet, ohne seinem Vater Bescheid zu sagen, oder?