Donnerstag, Mai 08, 2008

Kleiner Tipp aus dem Bueroleben (Kategorie: Versuch macht kluch)

Setz Dich nicht in Schokolade. Sieht Scheisse aus.

(aber wenigstens haben meine Kollegen was zu lachen...)

Mittwoch, Mai 07, 2008

Eva in der Welt wohin?

Die meiste Zeit bin ich ja ganz gluecklich und zufrieden "Eva in der Welt", schwimme so durch meine Tage und bin erfreut, dass meistens Gutes meines Wegs geschwommen kommt. Aber Mann, ab und zu frag ich mich dann schon, ob das denn immer so weiter gehn kann. Und wenn ich dann auch noch auf meinen Kalender schau, wo sich die uebrigen Tage meines jetzigen Arbeitsvertrages an den Fingern einer Kleinfamilie abzaehlen lassen, komm ich dann schon mal ins Schwitzen. Ja, bald (also Ende Juni) werdet Ihr hier vermutlich viel Neues lesen, nur hab ich noch keine Ahnung, was das sein wird. Ein Tangofreund, der fuer seine Einfuehlsamkeit beruehmt ist, sagte letztens: "Also ich an Deiner Stelle waere ja echt nervoes." Hm, danke fuer die Einsicht, da waer ich ja von selbst so gar nicht drauf gekommen, dass es jetzt Zeit ist, um nervoes zu sein...

Aber dann muss ich an eine entfernte Kollegin denken, die das arbeitet, was ich in Zukunft machen will und die sagt, dass sie als erfolgreiche Freiberuflerin nicht laenger als 3 Monate planen kann und dass sie zwei Sichtweisen der Welt unterscheidet: Fuelle oder Knappheit. Wer Huelle und Fuelle sieht und bereit ist, zu teilen (Wissen, Kontakte, Ideen), wird in einer Welt der Fuelle leben. Wer ueberall Knappheit sieht und alles fuer sich behaelt und ne Mauer drum baut, wird in einer Welt der Knappheit leben. Was man sieht, ist eine Frage des Tempraments, aber auch der Selbstdisziplin, denn die Knappheits-Sicht kann einen wie ein Strudel erfassen. Ich hoffe, dass ich das in den naechsten Monaten weiter glauben kann...

Montag, Mai 05, 2008

Glueck - Unglueck - Gleichzeitigkeit

Waehrend ich hier mein kleines persoenliches Glueck in vollsten Zuegen geniesse, bekomme ich ueber Umwege eine email aus Nordghana, die mich endlos traurig macht. Eine Forscherkollegin fragt: Jetzt wo der Konflikt in Bawku ist wieder aufgeflammt ist und die Geruechte sagen, dass die Kaempfenden wild und ohne Ansehen der Person in der Gegend rumschiessen, soll ich meine Feldforschung in dieser Gegend weiterfuehren oder lieber nicht? (Antwort: "Aeh, lieber nicht?")

Es macht mich so wuetend, dass in der aermsten Gegend Ghanas, wo ueber 75% der Kinder unter 5 mangelernaehrt sind, jeder Haushalt sich eine Waffe leistet und die meisten davon Maschinengewehre und aehnliche Spielzeuge sind. Ein Freund, der eine Initiative fuer nachhaltigen Frieden im Norden gegruendet hat, sagt, dass dieser Konflikt alle 5-7 Jahre mit dieser Gewalt ausbricht und als ich im Januar da war, waren alle ueberzeugt: Solange die Mitglieder der verfeindeten Voelker da leben, wird die Gewalt weitergehn.

Gluecklicherweise sind die, die mitten in einem Konflikt stecken nicht immer in der Lage, den realistisch einzuschaetzen (so wie sich unsere Grosseltern in ihrer Jugend das Ende der Erbfeindschaft mit Frankreich schwer vorstellen konnten) und ich hoffe, dass meine Freunde sich irren.

Kindisch? Egozentrisch? Gluecklich!

Das ganze Wochenende ueber haben mich meine Freunde Prinzessin und Geburtstagskind (Birthday-Girl) genannt und ich hab's aus vollstem Herzen genossen. Auf meiner kleinen feinen Party wurde bis in die fruehen Morgenstunden getanzt, meine Arbeitsfreunde und Tanzfreunde haben sich auf's praechtigste gemischt (vor allem meine Kolleginnen fanden das gut, dass meine Taenzer sie mal ordentlich aufgetanzt haben...). Gestern abend tanzen im Freien und mit Blick auf's Capitol (wenn ich denn mit offenen Augen tanzen wuerde) war noch schoener und romantischer und cooler, als es auf dem Foto aussieht. Was fuer ein glueckliches Geburtstagswochenende. Eine Kollegin sagte, als sie um drei Uhr morgens mein Haus verlies: Eva, ich bin beeindruckt, was fuer ein zu Hause Du Dir hier geschaffen hast (und meinte damit nicht nur unser Haus).

Freitag, Mai 02, 2008

So werde ich meinen Geburtstag verbringen


(Photo by Marty Katz)
Wie gesagt, am 4. Mai fangen wir wieder an mit Tango auf dem Freedom Plaza.

Wir machen's im Freien

Diesen Sonntag zum ersten Mal, weil der Fruehling endlich sein blaues... gruenes... wie war noch die Modefarbe der Saison... Band ueberall rumflattern laesst, koennen wir Tangotaenzer nun nicht mehr an uns halten:

Diesen Sonntag zum ersten Map "Tango auf dem Freedom Plaza", einem grossen oeffentlichen Platz mit glattem Steinboden, bluehenden Baeumen und freier Sicht auf die Regierung. Ich werde berichten.

Donnerstag, Mai 01, 2008

Und ausserdem sind die Temperaturen ideal

Man glaubt es kaum aber in Ghana sind viele meine Koch- und Backvorhaben am Wetter gescheitert. Das war ideal fuer Hefeteig, aber das war's dann auch schon. Muerbeteig, der zu Gummi backt und, sehr lustig, Cremes mit Gelantine, die einfach weglaufen und in den Ritzen verschwinden, wenn man sie aus dem Kuehlschrank holt. Ich traeume schon seit Tagen von Himbeeren und werde glaube ich irgendein Dessert machen, dass einfach damit angibt, wieviele verschiedene Beeren es gibt...

Endlich sind alle reich

Als ich noch in Deutschland feierte, lebte ich in einem reichen Land, hatte aber selbst kein Geld zu verschwenden. Als ich in Ghana lebte, hatte ich mehr Geld als Verstand aber es gab nichts Aufregendes zu kaufen, weil (fast) alle anderen arm waren.

Als ich gestern im Bio-Supermarkt um die Kaesetheke schlich und ein aufregendes Stueck nach dem anderen in meinen Einkaufswagen fallen liess, wurde mir klar: Dies ist die erste Party, bei der ich fuer meine Gaeste alles kaufen kann, was ich will! Komisches Gefuehl. Muss ich mich erst noch dran gewoehnen und bis dahin schleiche ich weiterhin und tu so, als haette ich gar nicht bemerkt, dass da noch ein Ziegenkaese in meinen Einkaufswagen stolpert...

Und wer mir glaubt, dass ich fuer meine Tango-Freunde nichts kochen wuerde, weil die sowieso zu tanzversessen sind, um das Essen zu bemerken, der hat sich geschnitten - mit dem Kaesemesser.

Und wer sich (liebe Petra) fragt, wo Eva nun genau in der Welt aushaengt und feiert: In der Hauptstadt (der Welt oder des Landes? Dazu gibt es hier unterschiedliche Meinungen...). Obwohl sich Washington ja eher wie ein Haupt-Dorf anfuehlt.

Dienstag, April 29, 2008

Schoen und schrecklich

In der franzoesischen Altstadt (French Quarter) ist New Orleans so schoen und alt und eigenartig mit Balkonen wie Haekelspitze, von denen die Topfpflanzen ueberschwaenglich runterranken, ausladenden Baeumen, Voodoo-Kram an Treppengelaendern oder in Baeumen, hervorragendem Essen (einen Fisch hab ich in andaechtigem Schweigen verzehrt vor lauter Begeisterung), Musikanten in jeder Ecke und entsprechend vielen Touristen, die sich netter Weise vor allem auf den zwei Hauptstrassen tummeln, so dass wir in der naechsten Nebenstrasse schon wieder verzaubert sind.

Aber ins Herz getroffen hat mich die Stadt erst, als wir Sonntag Morgen die Spuren von Katharina suchen und mit dem Auto in die Gegenden fahren, wo der Hurrikan vor drei Jahren die schlimmsten Verwuestungen angerichtet hat. Selbst vor der Flut war das hier runtergekommen, winzige billige Holzhaeuser, die ein Sturm so leicht zusammenfalten kann. Da, wo der Damm brach, kann man durch gruene Wiesen und Buesche fahren und wenn man genau hinschaut, sieht man noch die Fundamente, die Einfahrten der Haeuser, die hier mal gestanden haben. Noch viel trauriger aber ist die Gegend, wo die meisten Haeuser noch stehen, einige Besitzer haben es sich leisten koennen, ihr Haus wieder aufzubaun, viele Huetten stehn aber wie Altersschwache Gerippe verlassen und ueberwuchert in der Nachbarschaft, an einigen Haeusern wird gearbeitet.

Wenn ich mit Leuten in New Orleans ueber den Hurrikan rede, muss ich an New York denken, wo jeder Dir genau sagen kann, wo er war, was er tat und was er verloren hat, als die Flugzeuge in die Twin Towers flogen. Natuerlich ist eine Naturkatastrophe etwas ganz anderes, aber auch hier hat jeder seinen eigenen Schock, wenn ich Leute danach frage, reden sie ploetzlich mit so einer emotionalen Intensitaet, selbst wenn sie nicht sehr persoenlich werden. Und sie wissen, dass viele dieser besonders tief gelegenen Gegenden der Stadt letztlich nicht zu retten sind. Deshalb kann ich mich nicht entscheiden, ob ich ueber die Menschen heulen soll, die ihr Heim verloren haben und entwurzelt in einer neuen Nachbarschaft leben, oder ueber die, die zurueckgekommen sind und trotzig unter dem Meeresspiegel ihr Haus wieder aufbaun, mit Gottvertraun oder Verzweiflung den Tisch im Angesicht ihrer Feinde bereiten...

Als wir von hier wieder zurueck in die Innenstadt fahren schuettel ich meinen Kopf wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt, weil ich den Sprung von der dritten in die erste Welt in dieser Geschwindigkeit kaum ertragen kann.

Alligatortragik: Will Huhn - kriegt Marshmellow

In den Suempfen um New Orleans wimmelt es nur so von Alligatoren. Ausserdem haben die da ganz viel Landschaft. Als guter Tourist geht man also auf Alligator Bootstour und wir hatten das Glueck, dass wir so spaet kamen, dass der groesste Teil des international organisierten Tourismus schon vorbei war und wir mit einer angenehm kleinen Gruppe in die Suempfe fuhren.

Waehrend die maennlichen Alligatoren sich tagsueber von ihren naechtlichen Paarungsaktivitaeten ausruhten, trafen wir einige der durchaus imposanten Damen an. Und die werden vom Bootskapitaen mit Marshmellows angelockt. Warum Suesskram und kein Huhn? In Louisiana ist es verboten, wild lebenden Alligatoren Fleisch zu fuettern. Aus gutem Grund, wie uns unser Fuehrer erzaehlt: Einer seiner Kollegen hatte wohl angefangen, die Tiere mit Huehnerfleisch anzulocken und war damit auch sehr erfolgreich. Bis er dann eines Tages ohne Huhn auf dem Wasser war, aber seine Hand (also seine zukuenftige Ex-Hand) anscheinend noch nach Huhn roch. Fuer Marshmellows wuerden die Tiere niemals versuchen, ins Boot zu kommen und nicht dazu verlockt werden, eine Menschenhand als Snack zu verspeisen.

Freitag, April 25, 2008

Burtstagspaaty - Und Ihr seid herzlich eingeladen...

Juhuu, endlich mal wieder eine richtige Geburtstagsparty. Und jetzt, wo ich in die Tangoszene eingetaucht bin, werde ich es vielleicht zum ersten Mal schaffen, tatsaechlich eine Tanzparty und nicht nur eine Fressparty zu organisieren. Einige meiner Tangofreunde haben den Ruf, dass sie immer mit einem Auto voller Taenzer mitbringen, wenn man sie einlaed. Da bin ich ja mal gespannt. Und vor lauter Tanzerei vergessen die dann zu essen und trinken, das macht die Vorbereitung viel einfacher.

Donnerstag, April 24, 2008

Halt Dir die Nase zu und sag : Naarlins

So sagen das die, die wissen wie man's ausspricht. Die anderen denken, dass hiesse New Orleans. Ich geh mir das mal ansehn. Dieses Wochenende. Da kann ich nur sagen: Aetschbaetsch und Euch ne lange (zugehaltene) Nase machen. Hihi.

Mittwoch, April 23, 2008

Verzoegert

In Aethiopien konnte ich aus irgendeinem Grund nicht an meinen blog ran. Deshalb hab ich die meisten Geschichten einfach mal auf Papier aufgeschrieben, um sie spaeter (also heute) ins Netz zu setzen. Guckt mal weiter nach unten... Die zwei Posts, die schon vorher drin waren, hat Schwester P. fuer mich veroeffentlicht. Dankeschoen dafuer...

Ei wo is se denn?

Mein Fahrer auf dem Weg zum Flughafen lacht, als ich ihm erzaehle, dass in Ghana die Maenner ihre Frauen fett lieben. Aethiopien scheint eines der wenigen Laender auf dem Kontinent zu sein, wo schlank schoen ist. Der Fahrer war mal bei einer ghanaischen Party und unterhielt sich mit den anderen Fahrern, die sich beklagten: "Die Aethiopischen Frauen sind ja so winzig, wenn Du mit denen im Bett bist, findest Du sie nicht zwischen den Kissen."

Nach einem langen, langsamen Samstag Nachmittag in Addis

Freundschaft und Faulheit machen mich doesig im Kopf, als haette ich harmlose und freundliche Drogen genommen. Den Nachmittag im Haus meines Kollegen und seiner Aethiopischen Frau verschlunzt, einen langen Mittagsschlaf gehalten, anderleuts Buecher gelesen, ueber Gott und die Welt geplaudert, gegessen, eingeatmet, ausgeatmet, noch was gegessen, weiter geatmet. Morgens waren wir in einer groesseren Gruppe auf einem Kunsthandwerkerbasar, der in dem Garten stattfand, den reiche Aethiopier fuer ihre Hochzeitsfeiern mieten. Da hab ich genug Trubel und Sonne mitbekommen und quasi nix von Aethiopien gesehn, denn das war hauptsaechlich fuer Diplomaten, Entwicklungshelfer und andere ortsansaessige Fremde. Ich hatte den Plan, am Nachmittag auf Abenteuer zu gehn und endlich die Stadt zu erkunden, aber als wir in D's Haus ankamen, hatte der so einen gemuetlichen Stuhl auf seiner schattigen Veranda stehn und nachdem ich mich einmal hingesetzt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich traute zu fragen: Darf ich vielleicht einfach hier in der Ecke sitzen bleiben und die Augen zumachen, waehrend Ihr alle Euren eigenen Geschaeften nachgeht?
Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so komplett und vollstaendig verlangsamt faul war. Deshalb gibts hier ueber Addis nix Neues. Wie ich zu D's Frau Z sagte: Wenn meine Freunde wissen wollen, wie Addis ist, muessen sie halt selbst kommen und es sich ansehn...

Donnerstag, April 17, 2008

Wild

Kniehohe Gazellen schlendern mit der gleichen Selbstverstaendlichkeit ueber den Campus, wie Karnickel in unserem staedtischen Gruen rumhoppeln. Ich glaube, das sind die gleichen, die in Namibia Damara Dikdik heissen - oder deren Cousinen. Das sag ich nur, weil das der schoenste Tiername ist, den ich kenne.

Herz auf!

In meinem ersten blogpost ueber Aethiopien schreibe ich von meinen Vorurteilen gegenueber arroganten und kalten Aethiopiern und dass ich versuchen werde, so zu leben als haette ich die nicht, um den Leuten hier eine faire Chance zu geben.
Heute hatte ich dann meinen “Herz auf!” Moment, bin immer noch amuesiert und frage mich, woher dieses Stereotyp ueberhaupt kommt. Von Anfang an ist jeder hier nett und freundlich zu mir, selbst wenn sie nicht so laut lachen, wie die Ghanaer, laecheln sie doch und lachen eben leise. Heute in der Mittagspause wollte ich in der Cafeteria wieder feige das Europaeische Essen bestellen, als der Koch mit schlichtem Englisch und deutlichen Gesten darauf hinwies, dass das doch langweilig ist und ich mich gefaelligst mal an das Aethiopische Essen ranwagen sollte. Recht hat er. Besonders einfach ist das, weil im Moment Fastenzeit ist und deshalb besonders viele fleischlose Tunken und Eintoepfe im Angebot sind. Also gut. Meine einzige Einschraenkung ist, dass ich nichts von dem Brot will, dass wie feuchtes saures Klopapier normalerweise die Unterlage fuer die recht fluessigen Speisen bietet. Liebe Koch, kannst Du mir statt dessen Reis geben und darauf einen kleinen Stupfer von jeder vegetarischen Speise, die Du anbietest?

Nach dem Essen, das nicht nur “nicht-eklig” war, sondern richtiggehend lecker, wollte ich meinem Berater dafuer danken, dass er mich im richtigen Moment von der Klippe geschupst hat. Da der aber irgendwo in seinen Toepfen versteckt war, hatte ich die gesamte Kellner und Kuechenmannschaft (alle mit unterschiedlich gebrochenem Englisch) aktiviert, bevor er endlich gefunden war, um meinen Dank entgegen zu nehmen. Und das war eben der Moment, wo mir die Aethiopier ins Herz krochen: Waehrend sie beobachteten, wie diese eigenartige white lady sich einerseits fuer den Aufstand schaemt, den sie verursacht und andererseits ihren Dank unbedingt an den Mann bringen will. Als ich sagen will : “Ist nicht so wichtig, richtet es ihm halt aus.”, bestehen sie drauf, dass ich stehen bleibe, waehrend sie mir belustigt einen Koch nach dem anderen aus der Kueche holen und fragen: “War’s der?”

Heute muss ich also zweimal Abbitte tun: Einmal dafuer, was ich ueber die Menschen hier gedacht hab (und amuesanterweise ist das Vorurteil groesstenteils von Aethiopiern selbst gemacht, denn die waren es, die mir am meisten von der Arroganz ihrer Landsleute erzaehlt haben). Und dann dafuer, was ich von ihrem Essen hielt.

Angekommen aber noch nicht angekommen (12. April nachts)

Was ich vorher von Aethiopien wusste, ist dass die Leute hier spitze Nasen haben und stolz sind, weil sie nie Kolonie waren – die Italiener sind hier zwar mal vorbeigekommen, haben das aber nicht wirklich geschafft, sich das Land anzueignen und ihr Erbe hier ist vor allem kulinarisch, denn sie hatten Nudeln im Gepaeck. Was sonst. Es gibt hohe Berge, weshalb das Klima den Malariamoskitos nicht gefaellt und in ihrer speziellen uralten Version des Christentums haben Aethiopier viele Fastentage, an denen sie vegetarisch essen muessen, weshalb es eine ausgekluegelte vegetarische Kueche gibt. Ansonsten stehn sie auf ein Gericht aus rohem Fleisch, das jeder Macho-Besucher aus Europa mal gegessen haben will. Ach ist es schoen, kein Macho zu sein.

Weil ich nach Einbruch der Dunkelheit angekommen bin, weiss ich nicht, wie’s hier aussieht, der Flughafen ist verschlafener als der in Accra, eher wie in Ouagadugu (hahaha, diese Information ist fuer meine zwei Leser, die schon in Accra UND in Ouaga angekommen sind), die Taxifahrer sind zurueckhaltend und vor dem Flughafen riecht es nach Namibia in der Regenzeit, nach frischen Kraeutern und irgendwie trocken (ja, selbst in der Regenzeit ist Namibia trocken), nicht wie in Accra, wo man aus dem gekuehlten Flugzeug aussteigt und einem die feuchtwarme Nachtluft wie Brei in die Nase kriecht. Morgen ist Sonntag und ich werd mir alles genau ansehn. Nun, nach einem Abendessen aus Salzbrezeln und einer zermatschten alten Puddingschnecke aus dem Bodensatz meines Rucksacks, werde ich noch ein paar Saetze in der in Frankfurt erstandenen ZEIT lesen und dann: Ratzikovski!

P.s.: Ehrlich gesagt habe ich den Aethiopiern gegenueber viele Vorurteile. Alle sagen, dass die so arrogant sind und sich fuer das grossartigste Volk der Welt halten. Ich moechte in meiner Woche hier gerne vor mir selbst so tun, als haette ich diese Vorurteile nicht, und ihnen eine Chance geben, von mir nett gefunden zu werden. Denn ich weiss, wie schnell das geht: Wenn Du in nen Raum kommst und ueberzeugt bist, die sind hier alle arrogant und koennen mich nicht leiden, dann werden sie alle arrogant wirken und als wenn sie Dich nicht leiden koennten.

Angekommen aber noch nicht angekommen (12. April nachts)

Angekommen aber noch nicht angekommen (12. April nachts)
Was ich vorher von Aethiopien wusste, ist dass die Leute hier spitze Nasen haben und stolz sind, weil sie nie Kolonie waren – die Italiener sind hier zwar mal vorbeigekommen, haben das aber nicht wirklich geschafft, sich das Land anzueignen und ihr Erbe hier ist vor allem kulinarisch, denn sie hatten Nudeln im Gepaeck. Was sonst. Es gibt hohe Berge, weshalb das Klima den Malariamoskitos nicht gefaellt und in ihrer speziellen uralten Version des Christentums haben Aethiopier viele Fastentage, an denen sie vegetarisch essen muessen, weshalb es eine ausgekluegelte vegetarische Kueche gibt. Ansonsten stehn sie auf ein Gericht aus rohem Fleisch, das jeder Macho-Besucher aus Europa mal gegessen haben will. Ach ist es schoen, kein Macho zu sein.

Weil ich nach Einbruch der Dunkelheit angekommen bin, weiss ich nicht, wie’s hier aussieht, der Flughafen ist verschlafener als der in Accra, eher wie in Ouagadugu (hahaha, diese Information ist fuer meine zwei Leser, die schon in Accra UND in Ouaga angekommen sind), die Taxifahrer sind zurueckhaltend und vor dem Flughafen riecht es nach Namibia in der Regenzeit, nach frischen Kraeutern und irgendwie trocken (ja, selbst in der Regenzeit ist Namibia trocken), nicht wie in Accra, wo man aus dem gekuehlten Flugzeug aussteigt und einem die feuchtwarme Nachtluft wie Brei in die Nase kriecht. Morgen ist Sonntag und ich werd mir alles genau ansehn. Nun, nach einem Abendessen aus Salzbrezeln und einer zermatschten alten Puddingschnecke aus dem Bodensatz meines Rucksacks, werde ich noch ein paar Saetze in der in Frankfurt erstandenen ZEIT lesen und dann: Ratzikovski!

P.s.: Ehrlich gesagt habe ich den Aethiopiern gegenueber viele Vorurteile. Alle sagen, dass die so arrogant sind und sich fuer das grossartigste Volk der Welt halten. Ich moechte in meiner Woche hier gerne vor mir selbst so tun, als haette ich diese Vorurteile nicht, und ihnen eine Chance geben, von mir nett gefunden zu werden. Denn ich weiss, wie schnell das geht: Wenn Du in nen Raum kommst und ueberzeugt bist, die sind hier alle arrogant und koennen mich nicht leiden, dann werden sie alle arrogant wirken und als wenn sie Dich nicht leiden koennten.

Sonntag, April 13, 2008

Wer's glaubt wird seelig - und den Teufel los

Auf meiner Sonntags Tour fahre ich zur Kirche auf dem hohen Berg (Entoto Mariam). Dahinter gibt es eine Siedlung von AIDS Kranken. Denn in dieser Kirche werden Exorzismen veranstaltet und die Priester und ihre Anhaenger sind ueberzeugt, dass sie nicht nur Teufel und Daemonen austreiben koennen, sondern auch AIDS.

Waere es dann nicht logischer, wenn diese Kirche KEINE Siedlung mit AIDS Kranken haette?