Donnerstag, November 01, 2007

Es ist schwierig, die Welt zu veraendern,


wenn Du Deine Schluessel nicht finden kannst...
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Halloween is ja etwa so wie Karneval

Dachte ich mir gestern in meiner naiven rheinischen Seele. Hatte ein Prinzesschen-Kroenchen gebastelt aus einer zerschnittenen Plastikflasche mit Alufolie und Glasjuwelen, mir im Kleiderschrank alles zusammengesucht, was rosa ist, mir morgens vor der Arbeit schoen meine regenbogenfarbigen extralangen Wimpern angeklebt und war bereit. In der U-Bahn war ich die einzige mit Regenbogenwimpern. Die anderen hatten sich alle sehr ueberzeugend als Geschaeftsleute und Buerohengste verkleidet. Im Buero war ich die einzige mit Regenbogenwimpern. Die anderen hatten sich sehr ueberzeugend als Agraroekonomen verkleidet.

Also hab ich die Krone in der Tasche gelassen, gelaechelt, mit den Wimpern geklimpert, dass es in den Ohren rauschte und so getan, als sei das mein ganz normales Buero-Outfit.

Unterlassungssuende der Eltern

Gestern vermutete eine Kollegin: "Weisst Du Eva, als Du ein kleines Kind warst, haben Deine Eltern vermutlich vergessen, Dir zu sagen, dass Sachen auch schief gehn koennen und dass Du davor Angst haben musst. Deshalb laeufst Du einfach los und guckst was geht..."

Dienstag, Oktober 30, 2007

P.s. (zu s.u.)

Grade sagte eine Kollegin: "Wann gehn wir denn heute abend los?" "Aeh, wie, heute abend?" "Ja, Du hast doch zugesagt, zum Kabaret in der Deutschen Botschaft mitzukommen" "Jetzt wo de's sagst..."

Quot erat demonstrandum

Dabei wollte ich doch heute abend ein Kroenchen fuer mein Prinzessinnenkostuem morgen basteln...

Der Hunger von Bolga

und das Angebot von Washington, das kann ja nicht gut gehn...

Man sagt, dass Leute, die eine Hungersnot ueberstanden haben, beim Essen kein Mass und keinen Verstand kennen. Ich hab mich zum Glueck in Bolgatanga immer satt essen koennen. Aber was kulturelle Highlights angeht... nun, da war einmal der Schoenheitswettbewerb der Friseusen. Und dann dieses Konzert eines Ghanaischen Hip Life Stars, das um halb neun anfangen sollte und als der Star um zwei Uhr nachts endlich erschien, waren die Boxen von so schlechter Qualitaet, dass alles quietschte, rauschte und knakste. Ja und einmal im Jahr konnten wir in Tongo zu den Regentaenzen gehn. Das war so quasi alles. Ihr erinnert Euch, naechster Buchladen 13 Stunden mit dem Auto entfernt.

Wen wundert es, dass ich einfach nicht nein sagen kann, wenn eine Kollegin, eine Bekannte, meine Mitbewohner oder unsere Katzen sagen: Eva, kommst Du mit in die Oper, ins Theater, ins Kino, zum Tango, aufs Konzert und auf die Halloween-Party. Also geh ich Donnerstag in die Oper, Freitag ins Theater und Samstag vermutlich wieder Tango tanzen.

Und in ein oder zwei (oder vielleicht drei) Wochen, werde ich wie Max und Moriz mit dem Huehnerknochen fettgefressen an Kultur auf dem Ruecken liegen und nicht mehr Papp sagen koennen. Aber bis dahin sag ich nur: Hast Du morgen abend schon was vor?

Kaugummi am Schuh

Ich kann's nicht glauben, aber es gibt tatsaechlich Amerikaner, die sich ihr Halloweenkostuem selbst basteln. Und nicht kaufen. Die Kollegin von mir, die als Kaugummi am Schuh geht, hat meinen persoenlichen Kostuemwettbewerb schon gewonnen, bevor ich sie ueberhaupt gesehn hab: Sie wird sich ganz rosa anziehn (schliesslich ist sie der Kaugummi) und sich nen Schuh auf den Kopf binden.

Fuer Nichttaenzer

Beim Tango treffen sich all die Gruppen, die nicht gemeinhin fuer ihre Tanztalente beruehmt sind. Berlin hat nach Buenos Aires die groesste Tangoszene der Welt (sagt man mir), die Finnen sind verrueckt danach, Tango ist der letzte Schrei in Japan und mein Tanztee am Wochenende war ueberlaufen von Computerprogrammierern, Oekonomen, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren, mehr als zwei Hand voll praktische Asiaten, denen ich den Kopf auf die Schulter legen kann und kein einziger Latino. Ok. Einer. Oder anderthalb.

Wie kann das sein, dass ein Tanz und eine Musik, die im Herzen armer Argentinier in heruntergekommenen Slum-Kaschemmen entstanden ist, nun ingenieurswissenschaftlich perzipiert wird (da ist Tango so aehnlich wie Jazz)? Wem Tanzen im Blut liegt - so scheints - tanzt richtige Taenze, wo's vor allem darum geht, rumzutanzen und sich zu amuesieren.

Weil ich am Wochenende reihum getanzt hab, hatte ich am Ende die ganze Bandbreite, vom koreanischen Kampfsportlehrer bis zum langhaarigen Buchhalter. Besonders beeindruckt hat mich ein amerikanischer Ingenieur mit deutschen Wurzeln, der nach vier Jahren immer noch wie ein Ingenieur tanzt und mir ausfuehrlich darlegte, dass das alles ein Neuronenproblem ist und die Synapsen eine Bewegung erst automatisieren, wenn man sie 10 000 Mal (oder Stunden?) gemacht hat. Dann fing er an auszurechnen, wieviele Jahre jemand trainieren muss, der ausserdem noch einen Job hat, um irgendwann so gut zu sein, dass er es zulassen kann, mit dem Herzen und zur Musik zu tanzen. Ich hab ihn ermutigt, mich zu kritisieren, denn das konnte er besonders gut und hoffe, dass mir seine Kritik dabei hilft, recht bald (und nicht erst in 10 000 Stunden) an ihm vorbei zu tanzen...

(Hahaha, bei der Ueberschrift habt Ihr wahrscheinlich aufgeatmet und gedacht: "Oh, jetzt mal was anderes, ich bin Tango ja schon satt, ohne einen einzigen Schritt getanzt zu haben!" Pustekuchen, hier bin ich der Boss, oder, wie man bei uns so schoen singt: Isch han de Musik bestellt darum bestemme isch och wat se spellt...)

Montag, Oktober 29, 2007

Psychologen spinnen doch selber!

Oeffentliche Selbstverpflichtung (s.u. "Jeden zweiten Morgen") funktionniert nicht, ich will mein Geld zurueck! Und geniesse morgens lange schlafen...

Tango till they're sore (Tango bis es weh tut)

Zu diesem blog empfehlen wir folgende Hintergrund Musik... http://www.youtube.com/watch?v=zlW1nyICawI

Ich hab nen Tango-Kater. Das ganze Wochenende durchgetanzt, meine letzten Ocken aufn Kopp gehauen, und es gab noch nicht mal nen Tangogeiger zum Hinschielen. Das ist die Entsinnlichung des modernen Computerzeitalters. Ok, es gab nen attraktiven tuerkischen DJ, der ab und zu auch ganz hinreissend tanzte, so hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Nun wuerde ich gern meine Fuesse abschrauben und an der Rezeption abgeben und braeuchte mal ein Wochenende...

Sonntag, Oktober 28, 2007

Da hab ich mir wohl was gefangen...

Tangovirus. Ich wusste ja schon, dass ich gefaehrdet bin. Aber nun Folgendes: Ich hab in einem reiseintensiven Monat meine Kreditkarte ans Limit gebracht und deshalb nur noch einen begrenzten Betrag, um ueber's Wochenende zu kommen. Ich beobachte mich selbst beim Denken und was ich seh, laesst ziemlich wenig Hoffnung: Ich gehe den Vorrat an Lebensmitteln durch, die in meinem Schrank sind, um mich zu ueberzeugen, dass ich kein Geld fuer Essen ausgeben muss. Fahrrad reparieren lassen, Buegeleisen kaufen und andere Plaene, die ich fuer's Wochenende hatte, koennen doch genausogut noch ne Woche warten... Dann kann ich naemlich den Bodensatz meines Geldbeutels zusammenkratzen und mir heute noch eine oder zwei Tanzstunden leisten...

Samstag, Oktober 27, 2007

Samstag Mittag

So, schnell noch die Lippen rot malen und die geliehenen Tanzschuhe einpacken, dann geh ich zu den fremden Tangotaenzern. Fuehl mich gleichzeitig total mutig und aengstlich und muss mich daran erinnern, dass ich zu einer Tanzstunde geh, wo es dazu gehoert, dass man nicht alles kann, schliesslich bezahlt man ja dafuer, es beigebracht zu kriegen. Mein Tanzpartner kommt aus Burma und kann an nichts anderes als Tango denken. Sagt er in seinen emails.

Freitag, Oktober 26, 2007

Amerikaha

Ein Kollege waere beinah wegen unangemessener Sprueche am Arbeitsplatz verklagt worden. Was ihn rettete, war, dass die Dame ihn gleich verklagen wollte, ohne ihm vorher je gesagt zu haben, dass ihr seine Art nicht behagt. Das geht nicht. Und ich bin froh eine Frau zu sein. Frauen werden hier zwar schnell fuer Schlampen gehalten und verurteilt - aber ohne Gerichtsverfahren.

Jeden zweiten Morgen

geh ich frueh vor der Arbeit joggen. Egal ob's regnet oder schneit, weil ich naemlich eine Sportskanone bin. Dass ich das erst seit vorgestern mache und nach einer Runde um den Block (halb laufen, halb gehen), so kaputt bin, dass die Verandastufen ne echte Herausforderung sind, sind nebensaechliche Details.

Warum das nun im Internet steht?

Psychologen nennen das oeffentliche Selbstverpflichtung und haben rausgefunden: Wenn man jedem davon erzaehlt hat, ist es wahrscheinlicher, dass man's macht, weil's einfach zu peinlich waere, zuzugeben, dass man nur heisse Luft versprueht hat. Ganz schon schlau diese Psychologen.

Eigentlich brauche ich dieses Druckmittel natuerlich nicht, schliesslich bin ich - s.o. - eine Sportskanone.

...

...

... gibt's eigentlich auch Sportssteinschleudern oder so?

He Du! Komm! Tanz!

Wie gesagt, im Internet gibt es alles, was Du brauchst, von der Ohrbanane bis zum Tanzpartner. Also hab ich mir eine Tanzpartnerseite gesucht und mich da quasi traditionell an die virtuelle Bar gesetzt, schoen geguckt, gelaechelt und gewartet, dass mich jemand auffordert. Nach eineinhalb Wochen hatte ich keinen Schritt getanzt und war dem Tanzen auch keinen Schritt naeher gekommen. Also hab ich beschlossen, dass Traditionen schoen und gut sind, wenn man zum Trachtenfest in Oberammergau geht. Ab gestern wird zurueckgeschossen. Also hab ich geschrieben: Du! oder Du! oder vielleicht auch Du! Komm! Lass tanzen! Die Strategie funktionniert besser und morgen werde ich zu meinem ersten Tango in Washington gehn.

Donnerstag, Oktober 25, 2007

Juhuu!

Heute hab ich wieder was erfunden. Vor etwa eineinhalb Jahren war hier mal ein blog darueber, wie selten Forscher wirklich Neues denken, und wieviel Spass das macht, sich etwas Neues auszudenken. Heute ist es wieder passiert. Ich habe etwas Neues gedacht. Und wenn's funktionniert und Ihr alle schoen brav seid, erzaehl ich Euch irgendwann, was das ist.

Mittwoch, Oktober 24, 2007

Foederale Jazz Kommission

Seit 25 Jahren spielt die Federal Jazz Commission jeden Dienstag in Colonel Brook's Bar bei mir um die Ecke. Ihre Groupies sind mit ihnen erwachsen geworden...

Ok, ich geb's zu, als die Commission anfing, bei Brook's zu spielen, waren die Kommissionsmitglieder (und Groupies) schon im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Jetzt kommen einige mit Rollator in die Bar, andere hoeppen noch quietschfidel ueber die Tanzflaeche, waehrend sie sich mit arthritischem Klammergriff aneinander festhalten. Und wenn der Dixiland Jazz besonders dramatisch wird (ja, ja, ich weiss auch nicht, woran man das merkt, aber die Herrschaften Groupies wissen immer genau, wann es an der Zeit ist), zuecken die Fans ihr rotes Taschentuch und wedeln damit voller Begeisterung in der Luft rum.

Da hab ich gestern meinen Abend verbracht und mich geaergert, dass ich mein Taschentuch zu Hause vergessen hatte...

Montag, Oktober 22, 2007

Warnung


Jacken, Taschen, Kappen, die man mir schenkt und sei es nur als Scherz, werden irgendwann in den Alltagsschrank eingeordnet und ich denke ploetzlich, es sei normal, mit dem Koelner Stadtwappen am Arm in der Stadt rumzulaufen. Eine neue deutsche Freundin sagt: Kindergartentasche. Aber cool. Na also...
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Sonntag, Oktober 21, 2007

Da gibt's nix was es nicht gibt

Wo? Na im Internet. Das ist quasi die Fortsetzung der Grossstadt (s.u.) mit anderen Mitteln, also wenn man von allein in seiner Grossstadt nicht die passenden Freaks findet, kann man immer noch im Internet nach ihnen Suchen. Ihr wisst ihr natuerlich, und das Internet ist voll mit Foren fuer Maenner, die sich Bananen ins Ohr stecken und das geil finden, oder Frauen, die Fliegen beim Sex zusehn und darueber reden wollen.

Meine Interessen sind da etwas anders gelagert (so ne Banane ist einfach zu gross fuer mein zartes Oehrchen) und da hab ich eine web-site gefunden, die ich super finde und die vielleicht auch fuer einige von Euch genau das Richtige ist. Die Idee hinter www.humanitariandating.com ist, dass es fuer Leute, die im Bereich Entwicklungshilfe arbeiten, so wichtig ist, aehnliche Leute zu treffen (als Freunde, Partner, Kollegen) aber aufgrund ihrer Arbeit sind sie oft in Sudanesischen Doerfern versteckt oder nur fuer ein paar Wochen in der Stadt. Und sowas funktionniert natuerlich um so besser, je mehr Leute in diesem Netzwerk sind, also, eintragen, weitersagen.

Falls Ihr eher zu denen mit der Banane im Ohr gehoert, auf dieser Seite, gibt es zu dem Thema ein klassisches bahnbrechendes Video (mit neuem Text, vorsicht, etwas eklig):
http://www.youtube.com/watch?v=wUINIHNXT_w

In der Grossstadt muss man nicht cool sein

Man denkt das ja immer, in den Kleinstaedten ist es irgendwie familiaerer und ein wenig zurueckgeblieben und in der grossen Stadt muessen alle immer so cool sein. Aber spaetestens seit MTV ist in den Kleinstaedten international normierte coolheit angesagt, und wer da nicht reinpasst ist ein Freak. In einer Grossstadt wie Washington dagegen, gibt es von jeder Art von Freak gleich ne ganze Sub-kultur und es macht ueberhaupt nichts, wenn man auf der allgemeinen internationalen Coolheitsskala nicht mal 1,5 erreicht, denn man kann sich in seiner kleinen freakigen Ecke wohlfuehlen und ein ganzes zufriedenes Leben lang der coolste Spezialfreak sein. Gestern abend zum Beispiel bin ich mit meiner Mitbewohnerin auf ein Konzert gegangen, ein dunkler Keller, eine Frau und eine Gitarre. Das war rauchig, charmant, herb und wunderschoen. Aber meine Gedanken zum Thema cool sein, wurden von den beiden Rock-n-Roll Bands angestossen, die danach spielten. Der Raum fuellte sich mit Leuten in ihren 20ern und 30ern, die mit rotkarrierten Jackets mit Rose im Knopfloch oder auftoupierten Haaren und aufwaendigem Make-Up oder Jeans, Karohemd und Cowboyhut, mit dem Fuss wippten, Rock-n-Roll tanzten und so cool waren, dass es eine Freude war.

Samstag, Oktober 20, 2007

Viele Schwarze Nachbarn zu haben


hat den Vorteil, dass hier viel mehr coole Autos rumfahren. Meistens mit Fahrern, die ihre Musik gern grosszuegig mit der ganzen Nachbarschaft teilen und bei denen man im Vorbeifahrn auf der fetten goldenen Armbanduhr, die aus dem Fenster haengt, mal kurz gucken kann, wie spaet es ist.
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