Freitag, Oktober 12, 2007
Der dramatische Performer (s.u.) hat mich an ein anderes Lieblings-T-Shirt von mir erinnert:
Ueber dem gekreuzigten Jesus steht: This I did for you (das hab ich fuer Dich getan).
Und darunter: And what have you done for me? (Und was hast Du fuer mich getan?)
Dramatic Performer!
In meiner Sammlung eigenartiger Traeger eigenartig beschrifteter Kleidungsstuecke nimmt dieser dramatische Darsteller einen der forderen Plaetze ein...
Alles gut mit Mary
Gestern bin ich endlich zu Mary durchgekommen. Alles ist gut in Bolga. Mary geht nun wieder taeglich zu meinem alten Haus um fuer mein ehemalige Mitbewohnerin zu arbeiten. Und grade gestern hat sie ihren Mann in die Stadt geschickt um im Geschaeft nachzufragen, ob man denn wohl noch an ihrem Brot interessiert sei, sie sei bereit, wieder mit dem Backen zu beginnen. Mein Enkelkind ist wohlauf, die Schlaganfallschwiegermutter bessert sich von Tag zu Tag und Mary vermisst mich zum Heulen. Was soll ich sagen...
Donnerstag, Oktober 11, 2007
So ganz bestimmte Fantasien
Im Bus von Talca nach Santiago konnte ich mir nicht mehr helfen, ich hatte diese ganzen voll krassen Fantasien und vielleicht gibt's ja den ein oder anderen, der sich an den gleichen Dingen aufreizt und fuer Euch hab ich das aufgeschrieben:
Was ich kochen und backen werde, wenn ich wieder ein zu Hause hab:
Erbsen und Fruehlingskartoffeln geduenstet und dann zusammen in reichlich Butter mit viel Petersilie, wenig Minze und etwas Limettenschale geschwenkt. Dazu einen Quark mit viel Kresse und wenig Fruehlingszwiebel. Und einen Salat aus Moehrenstiften, Apfelstiften, Mandelstiften mit einem dezenten Dressing aus Limettensaft und zurueckhaltenden Oel, bestreut mit schwarzem und weissem Sesam.
Pflaumenchutney, wozu ich Pflaumen mit ganz kleingeschnetzelten Moehren, Kokosnuss (hauchduenn geschnitten und angeroestet), Ingwer, Zwiebel, Chilli und Cumin weichkoche und vielleicht ganz am Ende noch etwas frischen Koriander dazutu. Etwas Saures noch, falls die Pflaumen zu suess sind, Balsamico, Limette oder Zitrone. Wenn Limette dann auf jeden Fall Koriander. Das ganze hat wahrscheinlich einen so komplizierten Geschmack, dass ich das zu einem schlichten weissen Reis und geduenstetem oder pfannengeruehrtem Gemuese essen will, das noch knackt und in dem entweder Stangenselerie oder Fenchel eine wichtige Rolle spielen.
A propos Fenchel: Fenchel und Zwiebeln (etwa doppelt so viel Fenchel wie Zwiebel) in feine Scheiben geschnitten und mit Oel, Zitronensaft, koernigem Senf und ganz wenig Honig verwirbeln und im Ofen so lange backen, bis die Ecken und Kanten dunkelbraun sind aber noch nicht schwarz. Vor dem servieren mit Fenchelgruen, frischem schwarzem Pfeffer und zerbroeckeltem Feta bestreuen. Mit guten Pellkartoffeln oder Brot.
Eine grosse Schuessel Salat mit bitteren Blaettern und suess-sauren Fruechten. Dazu gegrillter Ziegenkaese auf Brot.
Ein warmer Salat aus Radiccio, die ganze Kugel in sechzehntel oder so geschnitten, die jeweils am Strunk noch zusammenhaengen. In Olivenoel oder Butter oder beidem angebraten, mit ein bisschen Zitrone betraeufelt und mit grobem Meersalz und gehobeltem Parmesan bestreut. Vielleicht ein paar ganze Kirschtomaten ebenfalls angebraten, bis die Schale braune Flecken hat und auf der ganzen Pracht verteilt. Dazu getoastetes feines Roggenbrot mit gesalzener Butter und Petersilie.
Frischer Rotkohl sehr fein geschnitten und in einer Pfanne rumgeruehrt, Mandeln und recht fein geschnittene weiche getrocknete Aprikosen dazu und mit Apfelsaft oder Cidre abloeschen und ein Bisschen einkochen. Vielleicht mit Nelke, aber nur einer ganz leisen Ahnung...
Kichererbsen in einer indisch angehauchten Tomatensauce, in der ich alles Gemuese verstecke, das noch in der Kueche rumliegt, inclusive ein oder zwei olle Kartoffeln, alles freundlich weich gekocht und ein ganz kleines Bisschen scharf, mit frischem Chappatti-Brot mit den Fingern zu essen.
Zum Nachtisch einen Pflaumenkuchen mit ganz duennem knusprigem Hefeteigboden und sehr sauren Pflaumen, dazu recht suesse Schlagsahne und guten altmodischen Filterkaffee mit Kaffeesahne wie bei OmmaausGeich.
Oder einen Kuchen, der unten anfaengt mit einem schlichten Muerbeteigtaler als Boden, mit schwarzer Schokolade bestrichen, darauf einen Huegel aus Vanillecreme und aufrecht in die Creme gestellt einen Wald von selbstgepflueckten Brombeeren.
(Das PS zu diesem Blog war mein Ueberfall auf einen Bio-Laden an meinem ersten Morgen in Washington. Danach hatte ich Haengearme wie ein Affe - von den schweren Taschen - und war 80 Dollar aermer...)
Was ich kochen und backen werde, wenn ich wieder ein zu Hause hab:
Erbsen und Fruehlingskartoffeln geduenstet und dann zusammen in reichlich Butter mit viel Petersilie, wenig Minze und etwas Limettenschale geschwenkt. Dazu einen Quark mit viel Kresse und wenig Fruehlingszwiebel. Und einen Salat aus Moehrenstiften, Apfelstiften, Mandelstiften mit einem dezenten Dressing aus Limettensaft und zurueckhaltenden Oel, bestreut mit schwarzem und weissem Sesam.
Pflaumenchutney, wozu ich Pflaumen mit ganz kleingeschnetzelten Moehren, Kokosnuss (hauchduenn geschnitten und angeroestet), Ingwer, Zwiebel, Chilli und Cumin weichkoche und vielleicht ganz am Ende noch etwas frischen Koriander dazutu. Etwas Saures noch, falls die Pflaumen zu suess sind, Balsamico, Limette oder Zitrone. Wenn Limette dann auf jeden Fall Koriander. Das ganze hat wahrscheinlich einen so komplizierten Geschmack, dass ich das zu einem schlichten weissen Reis und geduenstetem oder pfannengeruehrtem Gemuese essen will, das noch knackt und in dem entweder Stangenselerie oder Fenchel eine wichtige Rolle spielen.
A propos Fenchel: Fenchel und Zwiebeln (etwa doppelt so viel Fenchel wie Zwiebel) in feine Scheiben geschnitten und mit Oel, Zitronensaft, koernigem Senf und ganz wenig Honig verwirbeln und im Ofen so lange backen, bis die Ecken und Kanten dunkelbraun sind aber noch nicht schwarz. Vor dem servieren mit Fenchelgruen, frischem schwarzem Pfeffer und zerbroeckeltem Feta bestreuen. Mit guten Pellkartoffeln oder Brot.
Eine grosse Schuessel Salat mit bitteren Blaettern und suess-sauren Fruechten. Dazu gegrillter Ziegenkaese auf Brot.
Ein warmer Salat aus Radiccio, die ganze Kugel in sechzehntel oder so geschnitten, die jeweils am Strunk noch zusammenhaengen. In Olivenoel oder Butter oder beidem angebraten, mit ein bisschen Zitrone betraeufelt und mit grobem Meersalz und gehobeltem Parmesan bestreut. Vielleicht ein paar ganze Kirschtomaten ebenfalls angebraten, bis die Schale braune Flecken hat und auf der ganzen Pracht verteilt. Dazu getoastetes feines Roggenbrot mit gesalzener Butter und Petersilie.
Frischer Rotkohl sehr fein geschnitten und in einer Pfanne rumgeruehrt, Mandeln und recht fein geschnittene weiche getrocknete Aprikosen dazu und mit Apfelsaft oder Cidre abloeschen und ein Bisschen einkochen. Vielleicht mit Nelke, aber nur einer ganz leisen Ahnung...
Kichererbsen in einer indisch angehauchten Tomatensauce, in der ich alles Gemuese verstecke, das noch in der Kueche rumliegt, inclusive ein oder zwei olle Kartoffeln, alles freundlich weich gekocht und ein ganz kleines Bisschen scharf, mit frischem Chappatti-Brot mit den Fingern zu essen.
Zum Nachtisch einen Pflaumenkuchen mit ganz duennem knusprigem Hefeteigboden und sehr sauren Pflaumen, dazu recht suesse Schlagsahne und guten altmodischen Filterkaffee mit Kaffeesahne wie bei OmmaausGeich.
Oder einen Kuchen, der unten anfaengt mit einem schlichten Muerbeteigtaler als Boden, mit schwarzer Schokolade bestrichen, darauf einen Huegel aus Vanillecreme und aufrecht in die Creme gestellt einen Wald von selbstgepflueckten Brombeeren.
(Das PS zu diesem Blog war mein Ueberfall auf einen Bio-Laden an meinem ersten Morgen in Washington. Danach hatte ich Haengearme wie ein Affe - von den schweren Taschen - und war 80 Dollar aermer...)
Dienstag, Oktober 09, 2007
Kein Bock mehr auf heimatlos
Jajaja, ich bin ja bereit, Washington zu meinem zu Hause zu machen. Von mir aus auch Frauwuellesheim oder Kinshasa. Wenn ich nur irgendwo endlich meinen Koffer auspacken und neue Freunde finden darf. Vor ueber einem Monat hab ich meine Haeuser in Ghana eingepackt und abgeschlossen und seitdem treibe ich mit meinem Koffer in der Welt herum, schlafe in Hotels und bei Kollegen, esse, was auf den Tisch kommt und fuehle, wie meine Haut duenner und duenner wird, weil sie sich vom Reisen abnutzt.
Morgen endlich werde ich in das Haus mit den zwei schuechternen Katzen, dem Gemuesegarten und dem besten Freund (der Mitbewohnerin) im Nachbarhaus ziehn. Und ich weiss, dass ich mich fuer dieses Haus entschieden hab, weil Tiere, Garten und bester Freund von so einem Vertrauen in die eigene Haeuslichkeit sprechen und das beruehrt meine Sehnsucht...
Morgen endlich werde ich in das Haus mit den zwei schuechternen Katzen, dem Gemuesegarten und dem besten Freund (der Mitbewohnerin) im Nachbarhaus ziehn. Und ich weiss, dass ich mich fuer dieses Haus entschieden hab, weil Tiere, Garten und bester Freund von so einem Vertrauen in die eigene Haeuslichkeit sprechen und das beruehrt meine Sehnsucht...
Montag, Oktober 08, 2007
Tengo gana
Im Spanischen hoert es sich komisch an, wenn ich sage, dass ich aus Ghana komme. Denn "gana" ist Begehren. Na gut, ich kann sagen "tengo gana de comer", "ich habe Lust zu essen". Aber "tengo gana" allein heisst einfach nur "ich habe Lust" im schlichtesten Sinne des Wortes. Wenn ich versuche, mit meinem verstuemmelten Spanisch zu erklaeren, dass ich in Ghana gelernt habe, scharf zu essen, liegt die Tischgesellschaft vor Lachen auf dem Boden, und ich hoere schnelle hin und her gedrehte spanische Wortspiele, in denen Begehren, scharf und was die Ghanaer mir so alles beigebracht haben, vorkommen. Da denk ich mal wieder: Manchmal ist das gar nicht so schlimm, wenn man nur die Haelfte versteht...
Zu stur zum Aussterben
Waehrend ich durch diese ehemaligen Kolonien hier reise, wird mir klar, was fuer Sturkoeppe die Afrikaner sind: Die lassen sich einfach nicht ausrotten. Waehrend die Ureinwohner Nord-, Mittel- und Suedamerikas sich von Kreuz, Schwert und Grippevirus so in die Ecke draengen liessen, dass die Spanier oder Amis inzwischen das Gefuehl haben, sie waeren die urspruenglichen Bewohner dieser Laender, waren die Afrikaner einfach zu robust. Wenn ueberhaupt wer wie die Fliegen starb, dann waren das die Kolonisatoren, die Malaria, Schlafkrankheit und Colera nicht vertrugen. Und mit all seinen Modernisierungen, Veraenderungen und Vergewaltigungen ist Afrika immer noch Afrika und wird hauptsaechlich von Afrikanern bewohnt...
Chile geht so:
Von links nach rechts: Argentinien, Anden, fruchtbare Ebene, Cordilieren, Strand, eiskaltes Meer. Talca liegt in der Mitte (also: fruchtbare Ebene) und diese Gegend ist nicht nur die Kornkammer, sondern auch der Obstkorb, der Weinkeller und die Gemuesekiste des Landes. In den letzten 20 Jahren hat sich die Landwirtschaft Chiles massiv veraendert und wo die Bauern fruehre vor allem Weizen und Mais anbauten, gibt es heute bluehende Landschaften - Obstbaumplantagen so weit das Auge reicht. Und Weinebenen. Ja, ich weiss auch, dass die Dinger bei uns Weinberge heissen, aber hier werden die Weinplantagen schlicht und flach in die Ebene gepflanzt. Traditionell hat das was damit zu tun, dass es im Sommer nicht regnet und dass es viel einfacher ist, die Ebene zu bewaessern, als die Huegel.
Samstag, Oktober 06, 2007
Friedlich
Obwohl wir erst um drei im Bett waren, bin ich um neun wieder auf. Vor allem, weil die Sonne so hell schien und so viel Bewegung um´s Haus war, dass ich dachte, es sei schon spaet. Meine Gastgeber ruhen noch und ich sitze in einer dicken Daunenjacke auf der Veranda in der Fruehlingssonne, in der Kueche kocht die Kuechenfrau einen grossen Topf voll Artichoken, der Gaertner reinigt den Pool und ich schreibe Tango-blogs in mein gelbes Notizbuch. Zwischendurch doese ich ein wenig und hoer den Voegeln zu. Ein Kaefer fliegt an meiner Nase vorbei, da hinten tollen die Pferde in der Sonne, die schuechterne Dogge will wissen, wer ich bin und am Horizont verschwimmen die schneebedeckten Berge im Dunst. Dann kommt die Kuechenfrau raus und fragt, ob ich vielleicht ein Kaffeechen will und meine Gastgeberin sagt, dass die Weinbertour fuer halb ein gebucht ist und wenn ich wiederkomme wird das Essen auf dem Tisch stehn. Und nachdem sie den Kaffee gebracht hat, kommt die Kuechenfrau noch einmal und sagt "Permeso. Un dulce." "Verzeihung, eine Suessigkeit!¨und bringt eines der Schokoladenpastetchen, die meine Gastgeberin selbst macht. Das verzeih ich doch gerne und frage mich, womit ich es verdient hab, dass es mir so gut geht...
So n Gefuehl
Salsa und Merengue sind sexy. Du wackelst mit den Hueften, er wackelt mit den Hueften und dann koennt Ihr ja sehn, was dabei rauskommt. Aber Tango? Nix da Hueften. Du lehnst Dich an eine starke Maennerbrust (wenn Du so klein bist, wie ich, ansonsten Maennerschulter), atmest ein und atmest aus und folgst ihm dahin, wohin er Dich fuehrt. Und fuer den kurzen Augenblick des Tanzes ist das wie Liebe, egal, ob es der massige Friseur im altmodischen grauen Anzug ist, der Eintaenzer in glaenzender Weste, der vom Tangolokal dafuer bezahlt wird, mit einsamen Frauen zu tanzen oder der schmalbruestige Junge mit den Aknenarben. So lange er nur gut riecht und weiss, was er tut.
Alles tanzt
Gestern waren wir in Santiago in der Tango-Bar und das war so:
Wie im Film.
Nicht wie in einem kitschigen Hollywood Film sondern wie in einem Dokumentarfilm, was natuerlich keinen Sinn macht, denn dann koennte ich natuerlich genausogut sagen: Wie in Wirklichkeit...
Alle waren da, in diesem schlichten niedrigen Raum an dem nichts besonders ist, ausser dem Boden und der Musik: Maedchen und Jungs im Kaputzenpulli, junge geschmeidige Schoenheiten in weichfallenden knielangen Kleidchen (meist im Arm eines mittelalten Herrn), lebenslange pummelige Paare, die so vertraut miteinander tanzen, als waeren sie eins und nicht zwei, ein verliebtes Paar, das nicht tanzen kann, es aber trotzdem mit viel Vergnuegen tut. Und weil nicht jeder alles perfekt tanzte, erlaubte ich mir auch, mich vom Eintaenzer, vom Friseur und vom Juengelchen ueber die Tanzflaeche schieben zu lassen und fuer einen Moment zu vergessen, dass alle mir beim Stolpern zusehn...
Wie im Film.
Nicht wie in einem kitschigen Hollywood Film sondern wie in einem Dokumentarfilm, was natuerlich keinen Sinn macht, denn dann koennte ich natuerlich genausogut sagen: Wie in Wirklichkeit...
Alle waren da, in diesem schlichten niedrigen Raum an dem nichts besonders ist, ausser dem Boden und der Musik: Maedchen und Jungs im Kaputzenpulli, junge geschmeidige Schoenheiten in weichfallenden knielangen Kleidchen (meist im Arm eines mittelalten Herrn), lebenslange pummelige Paare, die so vertraut miteinander tanzen, als waeren sie eins und nicht zwei, ein verliebtes Paar, das nicht tanzen kann, es aber trotzdem mit viel Vergnuegen tut. Und weil nicht jeder alles perfekt tanzte, erlaubte ich mir auch, mich vom Eintaenzer, vom Friseur und vom Juengelchen ueber die Tanzflaeche schieben zu lassen und fuer einen Moment zu vergessen, dass alle mir beim Stolpern zusehn...
Freitag, Oktober 05, 2007
Da kommt Bewegung in traege Materie
Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt (weil ich wenig Interessantes schreibe), ist meine Zeit hier in Chile vor allem Ahbeit, Ahbeit, Ahbeit. Abends geh ich ins Hotel, esse und schlafe. Kein Damenprogramm.
Aber! Auf los geht´s los! Dieses Wochenende wird genug Freizeit gestaltet fuer drei Wochen und das meiste davon hab ich einer Frau zu verdanken, die ich erst eine halbe Stunde kenne und die mir nichts schuldet: Die Tangotante!
Ich sitze im Zug nach Santiago, wo wir morgens unser letztes Interview machen werden. Heute nachmittag Stadtbummel, danach treff ich Soledad, die mich abends in ein Tango-Lokal ausfuehren wird (vor! meinem Treffen mit dem tanzenden Friseur), dann werde ich bei ihr uebernachten, Samstag morgen eine Weinbergfuehrung machen, dann vegetarisch (juhuu) zu Mittag essen, Tangostunde, dann wird sie mich in den Bus nach Chillan setzen, wo andere Kollegen auf mich warten, um mit mir auszugehn und am Sonntag eine Tour in´s Gruene zu machen. Danach brauch ich erstmal n Wochenende...
Aber! Auf los geht´s los! Dieses Wochenende wird genug Freizeit gestaltet fuer drei Wochen und das meiste davon hab ich einer Frau zu verdanken, die ich erst eine halbe Stunde kenne und die mir nichts schuldet: Die Tangotante!
Ich sitze im Zug nach Santiago, wo wir morgens unser letztes Interview machen werden. Heute nachmittag Stadtbummel, danach treff ich Soledad, die mich abends in ein Tango-Lokal ausfuehren wird (vor! meinem Treffen mit dem tanzenden Friseur), dann werde ich bei ihr uebernachten, Samstag morgen eine Weinbergfuehrung machen, dann vegetarisch (juhuu) zu Mittag essen, Tangostunde, dann wird sie mich in den Bus nach Chillan setzen, wo andere Kollegen auf mich warten, um mit mir auszugehn und am Sonntag eine Tour in´s Gruene zu machen. Danach brauch ich erstmal n Wochenende...
Jeder Tag sollte mit einer feurigen Liebeserklaerung beginnen. Z.B. heute morgen im Taxi. Der Taxifahrer gehobenen mittleren Alters, der sich bekreuzigt, bevor wir losfahren, versucht auf dem Weg zum Bahnhof ein wenig harmlos zu plaudern. Ich erklaere laechelnd, dass mein Spanisch winzig ist jaja und ich komme aus Deutschland soso und er sag mit einem stolzen Grinsen aus Deutsch: Isch liebe Disch.
Das ist ja an sich nicht ungewoehnlich. Schliesslich bin ich unwiderstehlich und ausserdem ist Isch liebe Disch der eine deutsche Satz den jeder kann.
Nachdem ich freundlich zu Ende gelacht hatte, waren wir einen Moment still und dann fragte er mich auf Spanisch: ¨Was heisst das eigentlich?¨
Als ich ihm das uebersetzte, war es ihm so peinlich, dass es schon suess war und ich sehr versucht war, zu gestehen: Isch liebe Disch auch!
Das ist ja an sich nicht ungewoehnlich. Schliesslich bin ich unwiderstehlich und ausserdem ist Isch liebe Disch der eine deutsche Satz den jeder kann.
Nachdem ich freundlich zu Ende gelacht hatte, waren wir einen Moment still und dann fragte er mich auf Spanisch: ¨Was heisst das eigentlich?¨
Als ich ihm das uebersetzte, war es ihm so peinlich, dass es schon suess war und ich sehr versucht war, zu gestehen: Isch liebe Disch auch!
Donnerstag, Oktober 04, 2007
Vorfruehlingsfreude
Stellt Euch vor, ich habe diese Jahreszeit vor drei Jahren das letzte Mal erlebt. Diese wunderbare Zeit, wo jeder Sonnentag ein seltenes Geschenk ist, die Kirschbaeume und alle anderen bluehn und die Luft voll ist von Verheissung. Natuerlich war es toll, in Ghana niemals zu frieren und die ewig langen grauen Duerener Winter hab ich auch selten vermisst. Trotzdem, mein mitteleuropaeischer Koerper fuehlt sich, als sei ich fuer drei Jahre aus der Zeit gefallen und nun wieder zurueck in der Realitaet. Obwohl das natuerlich auch eine Luege ist, denn wer hat schon Vorfruehling im Oktober...
Superschlau hilft nicht
Bauernschlau hilft.
Gestern haben wir zwei Interviews gemacht. Einmal mit einer Gruppe von Bauernvertretern und einmal mit Gesetzesexperten vom Landwirtschaftsministerium. Die Frage drehte sich darum, wer die Aenderung des Bewaesserungsgesetzes wie beeinflusst. Waehrend die Bauern das Roessel einspannen, sitzen unsere Ministeriumsherren in Gesetzesverhandlungen, also ist klar, wer uns mehr dazu sagen kann.
Jaaa. Denkste. Von den schlauen Herren haben wir vor allem gelernt, dass man das so oder so sehen kann, dass es wirklich drauf ankommt ob und eigentlich je nach Standpunkt auch genau andersrum sein kann, ausserdem sind sie natuerlich bei allem, was ausserhalb ihres Bueros passiert, auf Vermutungen angewiesen und dazu wollen sie sich lieber nicht hinreissen lassen.
Die Bauern dagegen haben uns den Gesetzgebungsprozess und die politischen Einfluesse praegnant schlicht und einfach aufgemalt, hatten hitzige Debatten darueber, wer denn nun am einflussreichtsten ist und fertig war der Kuchen.
Als der Tag vorbei war und wir erschoepft auf dem Ministerium stolperten, haben Carlos (mein Kollege und Uebersetzer) und ich erst mal laut gelacht, denn natuerlich sind wir als Forscher noch viel schlimmer als diese Beamten und kommen monatelang nicht in die Poette, waehrend die Bauern die Welt regieren und permanent pragmatisch und voller Selbstvertrauen Entscheidungen treffen und durchboxen.
Gestern haben wir zwei Interviews gemacht. Einmal mit einer Gruppe von Bauernvertretern und einmal mit Gesetzesexperten vom Landwirtschaftsministerium. Die Frage drehte sich darum, wer die Aenderung des Bewaesserungsgesetzes wie beeinflusst. Waehrend die Bauern das Roessel einspannen, sitzen unsere Ministeriumsherren in Gesetzesverhandlungen, also ist klar, wer uns mehr dazu sagen kann.
Jaaa. Denkste. Von den schlauen Herren haben wir vor allem gelernt, dass man das so oder so sehen kann, dass es wirklich drauf ankommt ob und eigentlich je nach Standpunkt auch genau andersrum sein kann, ausserdem sind sie natuerlich bei allem, was ausserhalb ihres Bueros passiert, auf Vermutungen angewiesen und dazu wollen sie sich lieber nicht hinreissen lassen.
Die Bauern dagegen haben uns den Gesetzgebungsprozess und die politischen Einfluesse praegnant schlicht und einfach aufgemalt, hatten hitzige Debatten darueber, wer denn nun am einflussreichtsten ist und fertig war der Kuchen.
Als der Tag vorbei war und wir erschoepft auf dem Ministerium stolperten, haben Carlos (mein Kollege und Uebersetzer) und ich erst mal laut gelacht, denn natuerlich sind wir als Forscher noch viel schlimmer als diese Beamten und kommen monatelang nicht in die Poette, waehrend die Bauern die Welt regieren und permanent pragmatisch und voller Selbstvertrauen Entscheidungen treffen und durchboxen.
Montag, Oktober 01, 2007
Selber schuld
Heute morgen bin ich ehrlicher mit mir und den Chilenen: Aus lauter Angst, sie koennten mich auf Spanisch ansprechen, und ich wuesste nicht, was ich antworten soll, laechel ich hier niemanden an. So ist das naemlich. Und ich boeser Mensch, mach sie dann hinter ihrem Ruecken (und natuerlich auf Deutsch) schlecht und beschwer mich, dass mich keiner anspricht, mit meiner Motzfresse. Also wirklich, dass ich mich nicht schaeme...
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