Dienstag, November 28, 2006

Long live the King!

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Lang lebe der Koenig!

Werde ich mich trauen, diesen Blog zu schreiben, obwohl ich noch auf Thailaendischem Boden bin, in der winterjackenkalten Abflughalle des Bangkoker Flughafens?

Also: Ich kenne einen solchen allgegenwaertigen Koenig nur von Janosch, wo die Schatzfinder andauernd dem Beamten des Koenigs begegnen, der selbstbewusst deklamiert: „Die Haelfte allen Goldes gehoert dem Koenig!“ kassiert, einmal um den Wald rennt, die Haelfte allen uebrigen Goldes verlangt usw. bis die beiden so arm sind wie zuvor.

Hier ziert der Koenig Plakatwaende gross wie Coca Cola, haengt an Geschaeften, Wolkenkratzern, Bueros und selbst die Gangway des Flugzeugs sagt: Lang lebe der Koenig. Daneben ein psychodelisches Bild des Herrschers vor orangenen Sonnenstrahlen. Der zierliche Mann mit der Eulenbrille schaut in Denkerpose am Volk vorbei oder begibt sich im Lotussitz in eine andere Dimension. Auf den Bildern, wo er auf seinem wahrhaft koeniglichen goldenen Thron sitzt, scheint er sich nicht sehr wohl zu fuehlen, er verzieht den Mund als saesse er auf einer Erbse. Die meisten dieser Bilder wuerden sich mit Gold und Strahlen und Prilblumen-Optik hervorragend auf einem Plattencover der 60er machen. In seiner Goldrobe sieht er aus, wie ein Schaffner des Magic Mystery Trains.

Es handelt sich hier natuerlich nicht nur um ein optisches, sondern vielmehr um ein politisches Phaenomen. Da ich nichtmal vorgeben will, davon eine Ahnung zu haben, nachdem ich einen Tag lang durch Chinatown gelaufen bin, muesst Ihr Euch die politischen Gedanken anderswo holen. Ich kann Euch nur sagen, was ich gesehn habe: Die Haelfte aller Plakatwaende gehoeren dem Koenig!

Die Haelfte allen Muells gehoert dem Koenig (s. Plakat auf Wolkenkratzer)

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Mannerwuensche in Bangkok

Wofuer fahren glatzkoepfige mittelalte schuechterne Maenner mit Bauch nach Bangkok? Auf dem grossen Markt traf ich einen, der es mir im Detail erklaerte: Haartransplantation. Sie schneiden einen fingerbreiten Streifen Haut mit Haarwurzeln aus dem Nacken heraus, teilen den in tausende winzige Quadrate, die jeweils ein paar Wurzeln haben und pflanzen diese wie Setzlinge auf die erweiterte Stirn. Mein neuer Bekannter war aufgeregt wie ein Kind nach Weihnachten und musste seine Haarplantage unbedingt jemandem zeigen. Stundenlang hat die Operation gedauert und schmerzhaft war sie auch. Jetzt sieht der Kopf so aus, wie eine Kreuzstickerei. Nach Bangkok ist er gekommen, weil man den Service hier fuer 3000 statt 10 000 US $ bekommt. Ich haette ihm gerne gesagt, wie attraktiv ich Maenner mit Glatze finde (ungelogen). Nur fiel er leider in die Kategorie, die weder glatzkoepfig noch mit Fell sonderlich sexy sind und es tat mir leid, dass er so seine Zeit und sein Geld verschwendete...

Kulturschock im Nachbarland

Ward Ihr schonmal in einem Hotel, das Euch zu Traenen geruehrt hat? Heute ist mal wieder so eine Nacht. Wir praesentieren: Das Grand Inn Come (Das Grosse Zum Kommen) 15 Minuten vom Flughafen Bangkok. Ich hatte mich auf den Luxus des leicht ueberkandidelten Novotels gegenueber des Flughafens gefreut. Da das ausgebucht ist, zahl ich zwar fast genauso viel fuer die Nacht, habe aber eine viel eindrucksvollere landestypische (?) Erfahrung. Super. Der Taxifahrer verlangt schnoede 100 Bat obwohl das Taxameter 57 sagt. Als ich ihn darauf hinweise, dass das Quatsch ist, hat er kein Wechselgeld fuer meinen Hunderter. Ich bleibe einfach mal stehn, lass mich von besoffenen Gaesten der hoteleigenen Karaokebar beglotzen und warte, dass das Problem geloest wird. Der Page, der schliesslich Wechselgeld findet, kriegt spaeter ein dickes Trinkgeld. Die Hotel-Lobby stinkt nach Qualm. Der Portier nimmt meine Visa Karte und moechte, dass ich ihm eine Abbuchung unterschreibe, wo die Zeile fuer den Betrag noch offen ist. Sonst noch was offen?

Zum ersten Mal sehe ich in einem Hotelzimmer Trinkglaeser die in Plastik eingepackt ist, auf dem steht: „Zu Ihrer Sicherheit sterilisiert“ Ich bin dankbar, denn mich laechelt von allen Waenden der Gedanke „Puff“ an. Und wenngleich ich nicht weiss, was man da Fieses mit Trinkglaesern anstellt (und mir das auch bitte nicht naeher vorstellen will), fuehle ich mich doch viel sicherer, wenn sie nach dieser Benutzung sterilisiert werden.

Der Notausgang ist gleich die naechste Tuer, und ein Schild sagt „Exit – 5D“. Ausgang aus oder in die fuenfte Dimension? Es ist 24:22, ich habe morgen den ganzen Tag in Bangkok, es wuerde mich wundern, wenn es mir gut gefiele, aber ansehn werd ich es mir trotzdem. „Un wenn es misch Kopp un Kragen koss!!“ Wie der Vater sagen wuerde.

(P.s. Ich bin Euch allen so dankbar. Weil ich weiss, dass Ihr das lest, kann ich einen blog darueber schreiben, statt in Traenen auszubrechen. Wenn ich nicht aufpass, heul ich noch vor Dankbarkeit...
P.p.s: Bei Tageslicht betrachtet sah das Hotel nicht mehr ganz so schlimm aus. Ich war schon geneigt, meine Einschaetzung zu revidieren. Als ich abends vor dem Abflug noch Zeit fuer eine Massage hatte wurde ich dann wieder verwirrt: In einem fensterlosen Raum sassen die aufgemachten Maedels in einem grossen Glaskasten, der ganz von einer rosafarbenen Treppe ausgefuellt war. Sie sahen fern und machten sich gegenseitig die Haare, waehrend sie auf Massagekundschaft warteten. Im Massageraum stand ein voller Aschenbecher und die Waende waren angegilbt. Aber: Meine Masseurin – wenngleich aufgetakelt und angemalt - war tatsaechlich hervorragend und verabreichte mir eine ziemlich brutale und aeusserst effektive Massage, die in mir sofort das Beduerfnis nach Tiefschlaf hervorrief .)

Hier entlang

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Superlearning

Heute hat mir ein laotischer Popstar nachgepfiffen. Und das ging so. ER sass in einem Gartenlokal am Mekong und klimperte fuer etwa 17 Zuhoerer auf seine Gitarre (da seht Ihr, was fuer ein bedeutender Star...) als ich vorbei ging. Er sagte was auf Laotisch, worauf ich leicht erroetend laechelnd zu Boden schaute, als habe er mich gemeint. Daraufhin drehten sich alle 17 grinsend zu mir um und dachten: „Wow, die kann ja Laotisch!“ Mein Popstar pfiff und ich dachte: „Wow, ich kann ja sogar Laotische Gedanken lesen!“

Der Welt abhanden gekommen

Jaja, werdet Ihr denken, eben laestert sie noch ueber Hollaenderinnen und im naechsten Moment sehen wir sie selbst im Autoschlauch glueckseelig dahinplaetschern. Nee! Seht Ihr eben nicht. Mit meinem Schlauch schwimm ich naemlich in eine Hoehle, da ist’s dunkel und niemand sieht gar nix. Ausser ein bisschen, denn wir haben Hoehlenlampen um den Kopf geschnallt. Wir hangeln uns an einem Seil durch die Dunkelheit, ab und an glitzert und blitzt es an der Decke, wenn wir in ein paar tausend Jahren wiederkommen, wird das eine formidable Tropfsteinhoehle sein. Unser Laotischer Fuehrer hat es uebernommen, meinen Schlauch durch die Dunkelheit zu schieben (Prinzessinnenservice) und singt und pfeift die ganze Zeit laotische Lieder, die von den Waenden widerhallen – wie ein Kind im dunklen Keller (und wie die Ghanaer im Regenwald, aber das ist eine andere Geschichte). Schliesslich biegen wir um eine Ecke, er zeigt auf einen langen dunklen Gang vor uns und sagt: „So. Jetzt schwimmen.“ Und nimmt uns die Schlaeuche ab. Also schwimmen wir, wie in einem kalten magischen Traum. Ich will immer tiefer in die Dunkelheit hinein in diesem unterirdischen Fluss, der keine Ufer hat, nur steile Waende. Es ist still. Nur hier und da tropft Wasser von der Decke auf die glatte Oberflaeche. Wir sind aus der Welt gefallen. Und doch bin ich erleichtert, als der Fuehrer ruft, dass wir zurueckkommen duerfen. Das Tageslicht ist so leicht und heiter.

Der Berg rief

Ich hatte vor, von Luang Prabang direkt zurueck nach Vientiane zu fahren, acht Stunden im Bus und dann noch zwei Tage in der Hauptstadt sein, damit ich endlich die Freunde meiner Freunde kennenlernen koennte, die da wohnen. Waehrend der ersten fuenf Stunden meiner Reise schaute ich unentwegt aus dem Fenster und dachte: „Eine Schande! Eine rechte Schande, dass Du Dir das nicht genauer ansehn kannst!“ Dann hielt der Bus, ein paar Passagiere verliessen uns auf halber Strecke. Ich stieg aus, um meine Beine zu auszustrecken, schnupperte, drehte mich zweimal um mich selbst, begruesste die Berge und – stieg nicht wieder ein. Die Freunde meiner Freunde werden wohl nach Accra kommen muessen, denn ich blieb bis zum letzten Morgen in meinem Bungalow mit Blick aufs Auenland. In der fruchtbaren Ebene am Fluss fahren Reisbauern ihre Ernte ein, im Hintergrund ragen scharfkantige Berge auf, die Bauern wohnen in Haeusern, die aus Bambus geflochten sind und auf Stelzen stehen. Von meiner Veranda aus kann ich die Fischer beobachten, die in langen flachen Booten den Fluss auf und ab fahren. Ein Mann mit Chinahut und Sohn sammelt Mekon-Algen, die mit Sesam und getrockneten Tomatenstuecken bestreut getrocknet werden und fritiert eine Delikatesse sind. Eine geflochtene Bruecke aus Holz und Bambus fuehrt Fussgaenger ueber den Fluss.

All diese Schoenheit laesst mich darueber hinweg sehn, dass die dazugehoerige Kleinstadt von travelern befallen ist wie von Heuschrecken und dass zwischen den Fischerbooten fette rotverbrannte Hollaenderinnen in Autoschlaeuche gepresst den Fluss runter plantschen. Aus Lautsprecherbocken plaerrt Chillout-Musik ueber den Mekong... das heisst: Wir fuellen diese Stille und Schoenheit mit Musik, weil das dann beruhigender ist. Naja. Zum Glueck nehmen die Laoten ihre Sperrstunde ziemlich ernst und ausserdem bin ich von der Schoenheit wie auf Drogen und kriege eh nur die Haelfte mit.

Sonntag, November 26, 2006

Was gar nicht geht

Sind travellers. Ihr koennt mich schlagen wenn ihr wollt, aber mir ist jeder einfache ehrliche Tourist lieber, als diese travellers, also „Reisende“, die sich ein Jahr freigenommen haben, um ohne Ziel und Sinn durch Asien zu taumeln, um jeden Cent zu feilschen, Drogen zu nehmen und abends in traveller bars abzuhaengen, Reisestories auszutauschen und „Friends“ (das ist sowas wie Lindenstrasse) zu gucken und sich zu beschweren, wenn die lokale Kultur sich nicht ihrem Beduerfnis nach chill-out anpasst.

Was fuer ein Glueck, dass man in Ghana nicht meditiert und kaum Drogen anbaut, so dass die uns da erspart bleiben. Touristen haben ein Leben zu Hause, geniessen die knappen ein-zwei-drei Wochen, die sie sich frei machen konnten, man kann mit ihnen ueber das Land und die Leute und das Reisen reden, aber auch ueber ihr Leben, ihre Familien, die Wahlen in den Niederlanden, ihre Jobs als Fabrikbauer in China, Freizeitsbootskapitaen in Schweden oder Kampfflugzeugingenieurin in England... Warum musst Du Dich von oben bis unten in orangene Moenchsklamotten schmeissen und Deinen Bart wachsen lassen, nur um dem Busfahrer hinterherzulaufen und ihn anzuranzen, weil er mehr Passagiere sucht, statt – wie vereinbart – puenktlich um neun loszufahren. Du hast ein ganzes Jahr Zeit! Relax. Chill!

Religioese Beduerfnisanstalten

Damit meine ich nicht betende Toiletten. Sondern Orte, die religioese Beduerfnisse wecken und stillen. Hoehlen voller Buddha Figuren am Flussufer in Laos, heilige Fische und weissagende Schlachthuehner in Burkina Faso, charismatisch-christliche Kirchen in Ghana und anderswo, wo sich Glaeubige in Verzueckung zuckend auf dem Boden waelzen. Bei Buddhas zu Hause ueberkam mich wieder dieses zehrende Gefuehl: Anderleuts religioese Anstalten beruehren mein Herz mit ihrer Heiligkeit und wecken spirituelle Beduerfnisse – koennen sie aber nicht stillen. Ich weiss nicht, was das geschlachtete Huhn mir sagen will und was ich zu denken oder fluestern habe, waehrend ich Raeucherstaebchen vor dem laechelnen goldenen Mann anzuende. Gestern erzaehlte mir ein Reisender, wie am Ganges zum Lichterfest die Touristen Lichter und Blumen kaufen und sie in der Abenddaemmerung auf den Fluss hinausschicken. Ein paar hundert Meter weiter fischen die Inder die Opfergaben wieder aus dem Wasser, um sie ein zweites, drittes, viertes Mal zu verkaufen. Opfer-Recycling. Sind Erstopfer den Goettern gefaelliger oder sind das alles Oekos? Ich sehne mich nach den kalten katholischen Kirchen in Europa, die nach feuchtem Stein, Kerzenwachs und alter Tante riechen, wo ich jeden Schritt und jedes Wort auswendig weiss und sicher fuehle, wo ich herkomme. Das alles hat viel mit Heimat und wenig mit Gott zu tun.

(Zur Illustration meiner Verwirrung gibt es heute ein paar Beispiele buddhistischer Ikonographie – Pornographie? – die mir mal wieder klar gemacht haben, dass ich nichts versteh.)

Samstag, November 25, 2006

Ohne Worte Posted by Picasa
Was der Mann an der Fischfraubrust sucht, ist offensichtlich. Warum und warum das in der heiligen Elefantenhoehle dargestellt wird, kann uns der Fuehrer leider nicht erklaeren,dafuer reicht sein Englisch nicht. Posted by Picasa
Frauen wehtun: Dieses Bild stammt von einem kleinen Tempel, den kaum ein Tourist besucht, der rein der lokalen Erbauung dient Posted by Picasa
Frauen hauen: Mosaik-Detail eines Tempels in Luang Prabang Posted by Picasa
Ruebe ab: Mosaik-Detail eines Tempels in Luang Prabang Posted by Picasa

Freitag, November 24, 2006

Moenchlein schuechtern

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Moenchszwinkern

Die Moenchsdichte in diesem Land ist so gross, dass ich an Rom denken muss. Nur tragen die Moenche hier nicht schwarz oder braun sondern ein strahlendes Orange und zeigen eine nackte Schulter. Es gibt sie in allen Groessen und Altersklassen, sie radeln durch die Stadt, zwei kleine Jungs in orange teilen sich ein Fahrrad, und der auf dem Gepaecktraeger sitzt, haelt fuer beide den Sonnenschirm. Sie sitzen im Internet-Cafe und plaudern mit Altersgenossen in Jeans und T-Shirt. Um die Tempel rum wohnen sie in Holzhuetten so klein wie Umkleidekabinen an der Ostsee. Morgens vor sechs wecken sie ganz Luang Prabang mit ihren dumpfen Trommeln auf, die die Betten vibrieren lassen. Dann gehen sie in langen Schlangen durch die Strassen, an den Ecken hocken Frauen, die Almosen geben: Die Reihe Moenche geht zuegig an der Reihe Frauen vorbei und zackzack wie in einer Kantine der Ehrfurcht packen sie jedem Moench eine Handvoll Klebreis und ein Bananenblatt voll Leckereien in die Tasche.

Anders als in Rom, braucht mich hier aber nicht die Wehmut befallen: So viele junge schoene Maenner, die ihr Leben an die Kirche wegwerfen und sich von der Welt abwenden... Die Laotischen Moenche sind durchaus weltlich, werfen einer Frau die charmantesten laechelnden Blicke zu und die wenigsten sind lebenslaenglich. Jungen aus armen Familien treten fuer ein paar Jahre einem Orden bei, um zur Schule zu gehn. Junge Maenner dienen fuer drei Monate bevor sie heiraten. Familien schicken einen der Soehne fuer ein paar Jahre in den Orden, weil das ihr soziales Netzwerk und ihr Ansehn in der Gemeinschaft staerkt.