Dienstag, Oktober 25, 2005


Mary in disaster Posted by Picasa

Positive Gesundheitseffekte des Nachmittagsschlafs

Gestern nachmittag erwachte Mary von einem lauten Krachen aus ihrem wohlverdienten Schlaf. Was fuer ein Glueck, dass die Baeckerei grade Pause hatte. Sonst waere Mary von meinem riesigen Kuechenhaengeschrank inclusive all meinem Geschirr, Besteck, Oel- und Essigflaschen und der ganzen Herrlichkeit begraben worden. Der hatte sich aus heiterem Himmel den gestrigen Nachmittag ausgesucht, um die Wand fuer immer zu verlassen... Und da komm ich nach Hause mit einer Bestellung fuer sechs Brote und die Kuchen und Plaetzchen, die gestern bestellt waren, sind noch nichtmal begonnen. Mary im Schockzustand. Show must go on. Und ich fand den Schrank eh immer haesslich (wogegen ich mein Geschirr, das komplett zerdeppert ist, eigentlich ganz gut fand...)

Den bin ich los Posted by Picasa

Donnerstag, Oktober 20, 2005


Sehr ernsthaft... Posted by Picasa

... und voller Leidenschaft  Posted by Picasa

Mensch Aerger Dich Nicht spielen (in Bolga weit verbreitet) Posted by Picasa

HochTief

Heute kam mir der Gedanke, dass ich meine regelmaessigen Tiefs brauche, um mich von diesen Hochs zu erholen. Und ich vermute, dass es meiner Umgebung genauso geht (also sie brauchen meine Tiefs um eine Pause von meinen Hochs zu haben). Im Moment jedenfalls ist alles los und ich werde sicher bald mal wieder Zeit in einem Loch haben, mich davon zu erholen...

Als ich grade von einem Dinner bei den neuen Kanadierinnen nach Hause kam, sass der Radiomann noch auf der Mauer gegenueber und tat ganz nebensaechlich so, als haette er nicht seid Stunden da gesessen und auf mich gewartet. Um mir zu sagen: Er kriegt den Kredit um sein Radio aufzumachen.

Der Mann im Supermarktgaesteklo hat sich damit einverstanden erklaert, Mary’s Brot auf Kommission ins Sortiment zu nehmen. Vor dem Dinner haben Mary, Debbie und ich hier ein Management-Meeting abgehalten (Geschaeftsfuehrung: Mary, Marketing-Abteilung: Eva, Consultant: Debbie), um dem Unternehmen einen Namen zu geben, denn wenn wir Montag die erste Ladung Brot liefern, muss ein Zettel mit Logo, Kontakt und allem drum und dran in der Tuete stecken. Das Unternehmen heisst jetzt Bread Winner (also sowohl „Der die Broetchen verdient“ als auch „Brot Sieger“) und wir liefern German Brown Bread, Italian Flat Bread und English Toast. Heute hat eine unbekannte Europaerin hier bei Mary angerufen, zwei Brote bestellt und sich den Weg beschreiben lassen, um sie morgen abzuholen. Mein Assistent verhandelt heute abend mit seinem Grossvater, ob der eine Bestellung fuer sein Hotel aufgeben will.

Ausserdem verbringe ich meine Tage damit, seit langem nochmal ernsthaft wissenschaftlich zu denken, um einen Artikel ueber den Einfluss von Wissensaustausch auf Wasserpolitik zu schreiben. Und in die letzten Winkel des Distrikts zu fahren, um zu organisieren, dass unsere Helfer in ausgewaehlten Doerfern jeden Haushalt zaehlen. Oder um Leute zu befragen, was sie mir den Nomaden / Viehhirten anstellen, die fuer alles Uebel verantwortlich gemacht werden und daher regelmaessig vom Mop vertrieben (Oh, dankeschoen, macht die Tuer zu, wenn Ihr geht und bitte, die Kuehe und was Ihr sonst besitzt koennt Ihr gerne hier lassen. Hier entlang, etwas schneller laufen, dann kriegen wir Euch nicht um Euch zu erschlagen).





Mary liefert Brot aus... Posted by Picasa

Dienstag, Oktober 18, 2005

Wie Du mir so ich Dir

Einer meiner Freunde hier hat endlich den Financier gefunden, der ihm die fehlenden 24 Mio (2400 Euro) leihen will, um eine private Radiostation aufzumachen. In den letzten Tagen hat er mich haeufiger besucht und die Plaene im Detail erklaert. Was fuer mich spannend ist und natuerlich Gruende hat. Hier reden die Leute viel weniger ziellos und einfach nur aus Spass ueber ihre Plaene.

Nun braucht er also fuer seinen Financier einen 10 seitigen Antrag, der handschriftlich schon fertig ist, aber seine Tippse ist nicht in der Stadt und er hat keinen Computer - aber gesehn, wie schnell ich tippe. Na, ich helfe gerne. Nicht, wie hier ueblich, waehrend der Arbeitszeit. Also haben wir uns fuer heute morgen um sieben verabredet.

Und jetzt kommt, warum ich die ganze Zeit denke: HAHAHAHAHA!

Inzwischen ist mir ja klar, dass ich mindestens genau so viel Hilfe und Unterstuetzung brauche, wie alle anderen. Seit Tagen ueberlege ich, wie unsere Baeckerei die Supermaerkte in der Stadt ansprechen kann (Supermarkt = Raum von der Groesse eines Gaesteklos, in dem ganz viele verschiedene Sachen verkauft werden). Wenn ich das selbst mache, hab ich das Gefuehl, dass ich einfach zu weiss bin, also einerseits reich ausseh, andererseits keinen Schimmer hab, wie man hier nen Deal macht. Mary sagt, wenn sie das macht, denken alle: „Oh, was kann das kleine Maedchen schon zu bieten haben?“

Kamal (Radiomann) hat das dann auch gleich eingesehn. Oder zumindest nach einer Weile. Zufaellig ist der Besitzer meines Lieblingssupermarktes (der mit den Oliven) ein guter Freund von ihm. Also wird Mary heute die drei schoensten und paradisischsten Brote backen, die Westafrika je gesehn hat. Morgen frueh kommen die nochmal kurz in den Ofen, damit sie diesen unwiderstehlichen Duft haben, wenn wir Kamals Freund sein Fruehstueck bringen. Alles schoen im Ghanaischen Stil, Brot mit Margarine und Tee.

Wie man nen Deal macht, ist mir dabei noch immer nicht klar. Kamal sagt: „Die erlauben Dir dann, Dein Brot bei ihnen zu verkaufen – das heisst Du gibst es auf Kommission. Einige wollen dafuer gar nichts haben (???). Aber Du kannst ihnen zum Beispiel fuer alle zehn Brote eins extra geben.“ „Ja aber, wie machen die denn Profit, wenn die alles fuer umsonst verkaufen?“ „Oh Eva, pflanz denen doch nicht solche Gedanken in den Kopf wenn Du mit ihnen verhandelst. You want to maximise your own profit not your cost (Du moechstest doch Deinen Profit maximieren, nicht Deine Kosten).“

Nun, wir werden sehn. In meinem Kopf blinkt mit Leuchtbuchstaben eines meiner rheinischen Lieblingswoerter:

MAGGELN!

(was heist das? S.o.)

Sonntag, Oktober 16, 2005


Wuermer nackt Posted by Picasa

Omlett mit Bratwurm

Gestern war ich mit Mary auf dem Markt, Hirse fuers Brot kaufen und beim Backformenmacher Backformen bestellen. Das ist ein alter Mann der auf einem Stein sitzt, umgeben von seinen Freunden und ein paar Stuecken alten Blechs. Wir haben ihm unsere Form mitgebracht, damit er sie ausmessen kann um dann drei Formen zu falten die alle groesser sind als das Orginal.

Im Markt zeigt Mary auf einen der vielen Poette mit unbekannten Dingen und fragt: „Kennst Du das? Schmeckt wie Suesskartoffeln. Nur nicht suess. Heisst Pessa“ Nee, kenn ich nicht, sieht aus wie braune Wuermer oder Koettel aber wie Suesskartoffel ohne Suess heisst: wie Kartoffel! Das musst Du mir zeigen. Also haben wir ne Schuessel voll gekauft. Die Leute hier wuerden im grossen Holzmoerser so lange auf die Dinger einschlagen, bis die Schale abfaellt. Man kann sie aber auch in Wasser legen und die Schale abfriemeln, als wuerde man Mandeln haeuten. Dann in Wasser kochen und mit einer Sauce aus zerriebenen getrockneten Chilies und Palmoel betraeufeln. Wenn man Ghanaer ist. Einzig moegliche Zubereitung.

Wenn man Eva ist, kann man die gekochten Wuermer in der Pfanne mit lecker Zwiebeln anbraten und ein Omlett draus machen und stoehnen vor Wonne. Oder sie mit Alafu (sowas wie Spinat) servieren. Die schmecken tatsaechlich wie kleine frische erdige Kartoeffelchen. Und weil sie direkt vom Dorf auf den Markt kommen, sind sie bei weitem nicht so doof und alt wie die weichen mehligkochenden europaeischen Kartoffeln, die man hier fuer teuer Geld bei Madam Grace kaufen kann. Mary sagt, das ist arme-Leute-Essen und ihre Mutter war schockiert, dass die weisse Frau das essen kann.

Auf dem Markt zum Wuermer kaufen Posted by Picasa

Wuermer in der Schale Posted by Picasa

Omlett mit Bratwurm Posted by Picasa

Freitag, Oktober 14, 2005

Winterreise

Ich bin noch immer klein Eva aus Dueren. Waehrend meine Kollegen das nach einigen Jahren im Geschaeft eher laestig finden, bin ich ganz aus dem Haeuschen. Irre Reiseplaene. Mitte November werde ich fuer 3 Wochen zu unserem Partnerprojekt in Chile fliegen, einen Workshop besuchen und mir angucken, was die so machen. Angucken mehr als anhoeren, denn mein Spanisch ist ja leider groesstenteils meiner Faulheit anheimgefallen. Jetzt liegt wieder das Spanischlehrbuch aufm Klo und ich hoffe, dass ich es durch regelmaessiges Kurztraining wieder zum Leben erwecken kann (nein, weder das Klo – iihh, lebendiges Klo, das is ja mal n fieser Gedanke - noch das Buch! Mein Spanisch!). In der ersten Dezemberwoche flieg ich dann von Chile nach Washington um im Hauptquartier meine Nase zu zeigen und darzustellen, was ich alles Tolles gemacht hab im letzten Jahr. Um den 15. Dezember rum komm ich nach Hause um endlich wieder klein Eva aus Dueren zu sein. Und zurueck nach Ghana etwa am 3. Januar. Dann mach ich Puh! Und brauch erstmal Urlaub.

Wie ein armer schwarzer Mann hier seine kaputte goldfarbene Uhr stolz am Handgelenk traegt, damit jeder sie sieht, denk ich (in meinem Provinzkaff): „Harharhar, Weihnachtseinkaeufe in New York!“ Ihr koennt Euch also freuen, es wird nicht nur Koerbe und Masken geben.

Donnerstag, Oktober 13, 2005

Kicker

Samstag Abend hat sich Ghana fuer die Teilnahme an der Fussballweltmeisterschaft qualifiziert. Danach hatte das ganze Land drei Stunden Stromausfall. Der Eierbraeter im Traveller’s Inn sagt, die Regierung hat den Strom ausgeschaltet, damit die Ghanaer nicht so wild feiern und randalieren.

Mittwoch, Oktober 12, 2005


ohne Worte (aber mit Milch) Posted by Picasa

Dienstag, Oktober 11, 2005

Geschaeftseroeffnung

Seit Samstag gibt es in meinem Haus eine Baeckerei. Ich war mit Mary in der Kueche und brachte ihr Fochaccia (salziges italienisches Brot) bei. Und meinte: Debbie wuerde sich freuen, wenn sie Dir ab und zu Brot abkaufen koennte. Denn Debbie kommt haeufig zu Besuch, weil ich am Telefon sage: Ich hab gebacken.

Aus diesem Gedanken entwickelte sich ueberm Hefeteig eine Baeckerei: Mary backt europaeisches Brot und ich versuche alle meine Freunde suechtig zu machen, so dass sie es ihr abkaufen. Samstag abend hab ich wie ein guter Drogendealer das Brot fuer umsonst in die Kneipe mitgenommen. Koeder. Der sofort weggefressen war.

Und seitdem waechst das Geschaft. Sonntag hat sie ein deutsches Brot (Graubrot mit Weizen, Hirse und Leinsamen) fuer Debbie gebacken. Montag zwei Brote fuer meinen Assistenten. Heute sechs fuer drei Besucher aus Accra. Und eins fuer die Chinesen. Und grade waehrend ich das schreibe kommt ein Maedchen von der Schule in unser Haus gestuermt und sagt, dass sie Hunger hat und Brot kaufen will. Und will Mary das Chinesenbrot abquatschen.

Ein kleines klaerendes Gespraech darueber, dass mein Haus eine Baeckerei aber kein oeffentliches Geschaeft sein kann, wo jedwede Kundschaft ein und aus geht. Und sich auf dem Weg gleich ausguckt, was sie nachts klauen kommt.

Die Mutter meines Assistenten sagt: Kauf eins fuer Deinen Opa, wenn er es mag, will er es vielleicht in seinem Hotel zum Fruehstueck servieren. Und ich frage Debbie, ob sie Mary die Grundzuege der einfachen Buchfuehrung beibringen mag.

Mein Beitrag zum Geschaeft sind die Geheimrezepte fuer deutsches und italienisches Brot (so nennen wir die beiden Sorten, die wir im Angebot haben). Und ich schaerfe Mary ein, dass wir ein grosses Geheimnis darum machen muessen, damit wir von Konkurrenz verschont bleiben. In der ganzen Region verkauft keiner europaeisches Brot. Vorerst uebernehme ich die Kosten fuer Gas. Sie darf meinen Herd benutzen und ihre Arbeitszeit in meinem Haus, die sie bis jetzt groesstenteil verschlafen hat, weil so wenig zu tun war. Ich bin ehrenamtliche Marketing-Abteilung und erzaehle allen von den wunderbaren Heilkraeften des Leinsamens. Und habe ihr einen Kredit von 50 000 Cedis (5 Euro) gegeben, damit sie Mehl kaufen kann. Die Zutaten fuer ein Brot kosten 2500 und sie kann es fuer 10 000 verkaufen. Juhuu!

Brot, Brot, Brot... Posted by Picasa

.... und Mary lacht Posted by Picasa