Montag, März 14, 2005


Botanischer Garten Posted by Hello

Blog weg. Mist!

Eigentlich gaebe es noch einen ganz hinreissenden, lustigen, literarisch natuerlich hoechst bedeutenden Blog ueber meinen wunderbaren Sonntag. Aber leider ist der im Prozess des Publizierens geschreddert worden. Mistikack. Dann behalt ich das halt alles fuer mich. So. Nur damit Ihr wisst, wo die Fotos herkommen: Wir waren auf einem hohen Berg etwa eine Stunde von Accra entfernt im alten botanischen Garten. Futter fuer die Seele.

Jajaja, das sagt sich so einfach, bau doch auch mal Fotos von Dir ein. Das sagen auch immer nur die mit den langen Armen. Wenn ich Koch Mohammed und mich fotografieren will... kurze Arme, keine Kekse Posted by Hello

Sehr grosser Baum (Ach so... haette man sonst nicht gemerkt. Sinnvolle Bildunterschrift) Posted by Hello

Freitag, März 11, 2005

Essen 5: Strassenessen

Ich bin noch immer gesund. In Bolga hatte ich einen ernsthaften Anfall von Kulturallergie und hab einen Moment lang ueberlegt, aus Trotz und Erschoepfung krank zu werden, um es denen mal so richtig zu zeigen... Aber gezeigt haette ich niemandem nix und dann waere ich zu allem Uebel auch noch krank gewesen.Also gesund bleiben trotz Strassenessen. Auf dem ganzen Weg wird rechts und links Essen verkauft. Maenner halten frischgefangene kleine Pelztiere an den Beinen in die Luft. Es gibt Staende, an denen man das kaufen kann, was in der jeweiligen Gegend am besten waechst, Palmfruechte und rotes Palmoel, haarige Yamswurzeln, Tomaten, Bananen, Holzkohle (ok, die gibt es eher in der Gegend wo kaum noch was waechst und die meisten Baeume irgendwie nicht mehr da stehen, wo man sie erwartet haette...). Wir fahren an einem Tag von den feuchten Tropen (wo es Regenwald gaebe, wenn es den noch gaebe) in die staubtrockene Savanne. Meine Mitreisenden halten ab und zu an, um Vorraete da zu kaufen, wo sie am guenstigsten und am besten sind.

Von rechts nach links: Yams, Eimer, Verkaeuferin, Fahrer Salisu, Tomaten, Forscher Felix, Avocado Posted by Hello

Bananen, Avocado, Palmoel und Orangen Posted by Hello

was weiss ich, was man hier kaufen kann... Posted by Hello

Raststaette Posted by Hello

Wuerstchen am Spiess mit Gemuesestuecken und Currypulver Posted by Hello
Dann gibt es noch die Stellen, die man vage als Busparkplaetze oder Raststaetten bezeichnen koennte. Da gibt es Toiletten zum Bezahlen. Super System: die Pipi-Huette ist so viel billiger als die echte Toilette (2 Euro Cent im Gegensatz zu 10), dass die Toiletten unbenutzt und sauber sind. Dann Staende, die lokales Obst verkaufen. Andere, die quasi Europaeisches Kiosksortiment haben mit Butterkeksen, Club Cola, Pringles usw. Und Garkuechen, wo es Ghanaisches Essen gibt.

Auf dieser Reise hab ich einiges an Essen gesammelt, was sich als „local“ gibt aber sehr harmlos zu essen ist (fuer „Ich ess Wuermer“ muesst Ihr echt irgendnen Superstar losschicken). Ganz gross in dieser Kategorie ist: Omelette, gerne mit Paprika, Zwiebeln, Tomaten und in ein bloedes Broetchen gepappt. Gibts ueberall. Nummer zwei auf dieser Hitliste ist jede Bestellung, die mit „Plain Rice“ (einfacher Reis) anfaengt. Dann weiss man, selbst wenn der Rest Scheisse schmeckt oder verwirrend, hat man immer noch den Reis. Manchmal bedeutet Plain Rice auch, dass man halb Reis, halb Spaghetti bekommt. Plain Rice with Vegetables (Gemuesereis) ist Reis mit Kohl, Moehren, gruener Paprika und Zwiebeln in einer Sauce, die aussieht wie beim Chinamann, nur ist das Gemuese weniger lappig und die Sauce ist weder so suess noch so sauer. Plain Rice with Gravy (Reis mit Sauce) ist ein Essen, das nach dem Prinzip der hundertjaehrigen Suppe sehr gut geeignet ist, jeglichen Rest zu verstecken. Mir wurde erklaert, dass man aus Tomaten und Zwiebeln eine Paste macht, die man zusammenkoechelt, bis sie ein brauner und leicht koerniger Syrup ist. Das Koernige kommt, wenn man genau hinschmeckt, von irgendwelchen Fleischfasern, die dem Gravy im Laufe dieses Prozesses untergekommen sind. Ausser mir wuerde natuerlich niemand diese beiden Gerichte so essen. Denn wenn man das bestellt, kommt immer die Frage, mit welchem Fleisch man das moechte, Huhn oder... was auch immer sonst da ist. Huhn ist sicher.

Mein Lieblingsgericht der Kategorie „Was echt bloed schmeckt“ sind im Moment Yams Chips. Das sind Dinger, die aussehn wie Pommes, auf den ersten Biss wie mehlige Pommes schmecken, bevor man sie runterschluckt verdammt trocken im Mund liegen... und danach hat man so einen Nachgeschmack im Mund, als haette man eine alte Alupfanne ausgeleckt.

Innehalten im Gebet Posted by Hello

Donnerstag, März 10, 2005

Waenn et Baedde sisch lohne daet...

wat mingste woll wat isch dann baedde daet (fuer unsere internationalen Leser: Das ist Koelsch, das ist BAP und das heisst: Wenn das Beten sich lohnen taete, was meinst Du wohl was ich dann beten taete).

Ihr wisst inzwischen, dass fast alle Taxis und Minibusse religioes sind. Auf meinem Weg nach Bolga hatte ich genug Zeit, die Gemeinde der religioesen Mystiker auf Raedern, der Lastwagen, zu bestaunen. Deren staerkstes Dogma: Glaube ueberwindet die Schwerkraft. Und ihr Erfolg gibt ihnen recht. Auf der ganzen Strecke nach Bolga haben wir nur etwa 20 Lastwagen gesehen, die frisch umgekippt waren, ohne dass irgendwelche Materie ausserhalb des Lasters selbst in diesen Unfall verwickelt gewesen waere. Die Gueter am Strassenrand verstreut, die Fahrer, sofern noch einsatzfaehig, in stoischer Ruhe im Schatten liegend oder das sortierend, was noch brauchbar war. Im Vergleich zu den hunderten Lastwagen, die mit unglaublicher Ladung dahinkrochen und noch nicht umgekippt waren, sind diese 20 beinahe nichts. Das waren wohl die, deren Glaube an der Steigung nachliess. Oder auf der Bruecke. Oder einfach so, auf grader Strecke.

Bus nach innigen aber erfolglosen Gebeten  Posted by Hello

Kohlenlasterhintern Posted by Hello

Kohlenlastergesicht Posted by Hello

Donnerstag, März 03, 2005

Gruppendynamische Uebung in afrikanischer Geduld

Meine Lieben,
Ihr sitzt zwar alle im blitzschnellen Europa aber ihr duerft natuerlich auch an der interkulturellen Erfahrung afrikanischen Zeitverstaendnisses teilhaben.

Hae?!!! Was will sie uns sagen???

Morgen frueh verlasse ich Accra. Natuerlich ist in Afrika inzwischen jeder Baum ans Internet angeschlossen... dennoch befuerchte ich, dass Ihr von nun an etwas laenger auf meine Berichte warten muesst, denn die meisten Baeume haben permanent Stromausfall... Vor allem fuer die von Euch, die mich besuchen werden: Ihr koennt gar nicht frueh genug anfangen, warten zu lernen.

A propos Zeit und Geschwindigkeit: Ich merke, dass ich langsam (Ha!) auch anfange, mich in der Brise treiben zu lassen, statt stetig und zielstrebig voranzuschreiten. Man darf niemals schneller gehn als der leise Luftzug. Warum ich mich da anpasse? Weil ich so interkulturell sensibel bin. Weil ich es bloed finde, meinen Gespraechspartnern davonzulaufen und jeden ueber den Haufen zu laufen, der vor mir geht. Weil es bei dieser Hitze die einzige angenehme Gangart ist. Und weil ich gehoert hab, dass schlaffes Schlurfen bei Frauen als besonders erotisch angesehen wird.

Raus

Patricia schrieb mir ganz begeistert davon, wie mir der Wind um die Nase wehen wird, frisch und sauber, wenn ich endlich aus der Stadt raus bin und die Landstrassen dieses neuen Landes erkunden werde.

Die Klima-Anlage meines geliehenen Autos funktioniert endlich wieder, also war der Wind um meine Nase tatsaechlich frisch. Strahlende Augen? Leidenschaft? Nun, ich wusste, ich bin in offizieller Mission unterwegs, neben Felix kam noch eine Deutsche mit, die in der Gegend forschen wird, die wir besucht haben. Ich hatte sie eingeladen, da sie den Basin Officer ohnehin kennenlernen muss. Sie gab mir dann auch gleich zu verstehn, dass ich die ganzen Fragen stellen soll und sie mich beobachtet - mit so ner kritischen Falte auf der Stirn...

Die Hinfahrt hab ich also groesstenteils damit verbracht, ihr unser Projekt zu erklaeren, Dokumente zu lesen, die ich kennen sollte und ein paar Fragen zu entwickeln, falls der Officer nicht wie das Duracell-Haeschen immer weiter rappelt (was er als guter Politiker aber tat, kein Problem also...).

OK, ich gebs zu, ich hab auch ab und zu aus dem Fenster geguckt. Die Landschaft war wunderbar huegelig. Mein Oekologiestudium hat mich verdorben: Ich will Ich hab mich selbst dabei beobachtet, wie ich das, was da waechst, gut oder schlecht finden wollte und mir nicht ganz sicher war (ich werd halt die Oekologin doch nicht los). Natuerlich kann ich mich irren, aber das ist es, was ich gesehn hab: Riesige Baeume, denen man ansieht, dass sie in einem dichten Wald grossgeworden sind, sie sind grade und schlank und ohne unnoetige Verzweigung in Richtung Licht gewachsen und haben ganz hoch oben eine kleine Krone. Nur haben sie leider ihren dazugehoerigen Wald verloren und stehen weit verstreut ueber kleinen Feldern mit Kochbananenstauden, Oelpalmen und anderen Nutzbaeumchen, die ich nicht kenne. Das gibt der Landschaft so nen Touch von Haarausfall waehrend Chemotherapie. Andererseits: Ich hab nur einen einzigen Huegel gesehn, auf dem quasi gar nichts mehr wuchs ausser Felsen und Gestruepp, der Rest war gruengruengruen...

Wir sind auf den Weg durch kleine Staedte gefahren, die sich so anfuehlten, als haette man Stuecke aus Accra rausgeschnitten und aufs Land gepackt. Einer der Orte ist die Ghanaische Brothauptstadt, rechst und links der Strasse Stapel von Toast - man sagt, das beste des Landes. Also Deutsche frag ich mich natuerlich: Was hat das mit Brot zu tun?

Dienstag, März 01, 2005

Reiseplaene

Morgen frueh werde ich mit meinem Kollegen Felix (und meinem Fahrer und einer Studentin aus Deutschland) einen Ausflug zum Densu River Basin machen. Meine Aufgabe hier ist es, mir die Implementierung von staatlichen Wasserkommissionen genauer anzuschauen, die jeweils fuer das Einzugsgebiet eines Flusses zustaendig sind.

Die Ghanaer versuchen das erst in ausgesuchten Gebieten als Pilotprojekte, um dann aus den Erfahrungen zu lernen, wie sie das national umsetzen koennen. Densu ist der erste Fluss, wo es seit 4 oder 5 Jahren so eine Kommission gibt, am weissen Volta, wo ich arbeiten werde, wurde die Kommission grade etabliert. Dieser erste kleine Field-Trip soll vor allem dazu dienen, dass ich mir einen Eindruck verschaffe, wie sowas aussehn kann und mit dem Basin Officer, also mit dem Chef des ganzen, rede. Ich werde also morgen zum ersten Mal aus Accra rauskommen - wenn auch nicht weit, wir planen etwa 1 1/2 Stunden Fahrtzeit ein.

Viel laenger fahren werde ich am Freitag. Dann geht's mit Felix nach Bolgatanga. Wir fahren morgens um sechs los und falls wir vor sechs Uhr abends in Tamale sind, fahren wir durch - ansonsten uebernachten wir da und fahren die restlichen zwei Stunden oder so am Samstag. Urspruenglich war der Plan gewesen, dass er mich da hoch karrt, ablaed und da bleib ich dann fuer immer. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass die Autofrage noch nicht wirklich zu meiner Zufriedenheit geklaert ist... momentan gibt es fuer drei Kollegen (also zwei Ghanaer und mich) ein kaputtes Auto. Bis ich mein Projektauto kaufen kann, brauche ich noch Zustimmung aus Washington und von den Philippinen (nein, die Geschichte dahinter ist uninteressant, was interessiert ist einfach: Ich hab kein Auto), und wie lange das dauert ist noch nicht klar.

Also gibt es einen neuen Plan und darin werde ich nicht im Busch ausgesetzt und muss zu Fuss nach Hause finden. Huraaa!

Neuer Plan: Ich fahre mit Felix in den Norden, dann beobachte ich, was er so forscht und organisiert, lasse mich von ihm allen vorstellen, schau mir an, wieweit die vorlaeufigen Bueros gestrichen sind und wo die endgueltigen gebaut werden sollen, lasse mir von Aaron zeigen, was fuer Wohnhaeuser er fuer mich gefunden hat und was daran noch zu renovieren ist und miete, was mir gefaellt, lerne Wilson kennen, den dritten Kollegen vor Ort (Aaron, Wilson, Eva) und fahre dann Mittwoch oder Donnerstag mit Felix zurueck nach Accra.

Ghanaisch ausgehn mit George

Das war mein Ziel am Samstag Abend. Eigentlich Ghanaisch ausgehn mit George und Charlotte aber sie war zu muede, da sie den ganzen Samstag auf einer Fortbildung war. George ist Pays Ziehsohn und Pay hatte ihn mir als Ausgeher empfohlen, weil er einerseits weiss, wie man ausgeht und sich amuesiert, andererseits aber auch gut auf mich aufpassen wuerde.

Bevor wir allerdings richtig in den Samstag Abend starten konnten, mussten wir bei seinen Freunden vorbeifahren, die mit ihrem Auto liegengeblieben waren. Und dann noch bei der niederlaendischen Hochzeit, wo er den Tag verbracht hatte und versprochen hatte, sich noch einmal zu verabschieden, nachdem er mich abgeholt hatte. Da trafen wir eine Niederlaenderin, die bei der gegenseitigen Vorstellung gleich fragte: Did you tell her about us (Hast Du ihr von uns erzaehlt)? Und ihn quasi dazu zwang, zu sagen, dass sie seine Freundin sei... Was er spaeter im Auto heftig abstritt, das sei wohl eine Wunschvorstellung dieser armen Dame... Er hatte mir grade vorher naemlich von den Schrecken der interkontinentalen Beziehungen erzaehlt und dass er damit endgueltig aufgeraeumt habe in seinem Leben...

Wie auch immer, jetzt gehts los. Sein klapprige Karre fuehlt sich schon viel ghanaischer an als die ganzen fetten Jeeps, in denen ich hier normalerweise gefahren werde. Ich waere niemals nachts allein in die Gegend gefahren, in die es nun ging. Die Haeuser wurden immer kleiner und schliesslich Huetten, vorbei am Stadtausgangsschild aber immer noch dichte Bebauung rechts und links der Strasse. Schliesslich halten wir an einem dreistoeckigen Klotz, wo unten Restaurant und Spielhalle oder so drin sind und oben drauf ist das Roof Top (Dach), so heisst unsere location des Abends: Ein grosses Flachdach mit Plastiktischen und Stuehlen, knapp beleuchtet, eine Bierbude, ein DJ mit fetten schlechten Boxen, ein Fernseher auf dem europaeischer Fussball laeuft. Ausser den Jungs von Real Madrid bin ich die einzige Weisse auf diesem Dach (spaeter seh ich noch drei weisse Hippies in ner Ecke). Es gibt laute Musik, warme Getraenke und alle tanzen. Ich beschliesse, mich zu amuesieren und es gelingt mir tatsaechlich - sobald der Programmpunkt "tanzen" beginnt.

Da man in Afrika nichts alleine macht, gibt es auch zu Rap und Techno Paartanz. Und da es auch um Mitternacht noch so heiss ist, dass einem der Schweiss nur so runterlaeuft, tanzen wir ganz langsam und bewegungsarm... Oh nein, wenn Ihr Euch jetzt Klammerblues (Hallo Mutter) oder irgendwas lasziv Geschmeidiges vorstellt... naja, langsam und mit kleinen Schrittchen von einem Fuss auf den anderen wackeln triffts wohl eher. Noch dazu wurde mein Tanzpartner immer wieder von den neusten Entwicklungen des Fussballspiels abgelenkt... Aber zwischen diesen Phasen desinteressierten Wackelns und Schweissabwischens gab es auch ein paar Minuten echt schoenen und harmonischen Tanzens. Und obwohl ich natuerlich auffiel, hatte ich das Gefuehl, gar nicht aufzufallen, niemand hat mich angemacht oder besonders unfreundlich angeguckt, ich war einfach jemand, der in Begleitung von jemand anders nen netten Abend verbringt...