Montag, April 15, 2013

Koloniale Gefuehle

Krieg ich immer, wenn ich irgendwo bin, wo ich nie im Leben mit dem Kellner die Rolle tauschen koennte. Und wo alle schockiert waeren, wenn sie wuessten, dass ich waehrend des Studiums jahrelang gekellnert hab...

Und hier in Harare, Simbabwe, wo ich im feinsten Haus am Platze wohne, ist das sicher der Fall. Habe grade allein diniert (Abendessen kann man das nicht nennen), von schwarzen livrierten Kellnern umscharwenzelt, Stuhl zurechtruecken, Stoffserviette auf den Schoss platzieren, ueber alle meine Scherze lachen, das ganze in einem plueschigen Raum mit Klavierspieler und dieser Atmosphaere, die versucht, englischer als die Englaender zu sein. In so einem Moment kann ich mir so gut vorstellen, wie das hier vor 50 oder 80 Jahren war. Und versuche mir dann auch vorzustellen, wie diese dienstfertigen Maenner aussehn und sich benehmen, wenn sie Feierabend haben, mit Schlabberhemd und Hose auf nem Plastikstuhl an der Strasse sitzen, ein Bierchen trinken, den Frauen hinterherpfeifen und ueber den Job laestern.

Wenn man mit der Weltbank reist, ist das als haette man seinen eigenen massgeschneiderten goldenen Kaefig mit dabei. Also werde ich in meiner kurzen Woche hier auf keinem Plastikstuhl sitzen und wenig davon mitkriegen, wie dieses Land wirklich aussieht. Was kann ich tun? Taxifahrer ausfragen. Augen auf im Strassenverkehr. Tief einatmen. Aber erstmal die 20 Stunden Anreise (ueber Aetiopien) aus dem Koerper schlafen... Ach ja, und trotz allem, mich freuen, dass ich nach 3 Jahren endlich nochmal in Afrika bin... 

Freitag, Januar 25, 2013

Lauf Jaeger lauf Jaeger lauflauflauf...

Gestern morgen hab ich David bei der Kita abgegeben und bin einfach ein halbes Stuendchen im frischen Schnee spazieren gegangen, hab im Cafe gefruehstueckt und haette mir auch noch ne Massage gegoennt, wenn die Damen denn da gewesen waeren. Und waehrenddessen hab ich mich so komisch gefuehlt, wie ein Schulschwaenzer, als waere das ganz verboten und ich muesste aufpassen, nicht erwischt zu werden. Ist das Washington, ist es typisch fuer mein Alter, meine Art von Job, die Tatsache, dass ich arbeite und Kinder hab... oder 'ne Mischung? Mein Leben besteht aus Laufschritt und Erschoepfung. Letzten Sommer hab ich mit meiner Freundin Lena einmal nen ganzen Tag rumgehangen. Einfach so. Das war krass. Wir sind zwar wohin gefahren (an nen mittelmaessigen Strand), aber sobald wir da waren, haben wir nur rumgesessen und geredet. Ohne Ziel und Zweck. Guter Vorsatz fuer 2013: Oefter mal schwaenzen.

Montag, Januar 14, 2013

Alles quasi gut - nur untypisch kuschlig

Mir wurde ja schon vorgeworfen, dass ich sage "Kind krank" und mich dann ewig nicht melde. Also, melde erleichtert: Spuckt nicht mehr, schlaeft viel und morgen haben wir sowieso einen Arzttermin.

Samstag, Januar 12, 2013

Kotzeputze

Das Schoene daran, ein zweites Kind zu haben, ist dass viele Problems gelassener angeht. Also David heute Nacht erst sein Bett, dann unseres in hohem Bogen vollkotzte, mussten Will und ich einander noch nichteinmal angucken, schon waren wir eine wohlgeoelte Kotzeputzemaschine. Spass macht das nicht. Obwohl, als David mit seinem Beitrag fertig war, hat er uns angegrinst und wollte spielen. Nachts um drei. Dankeschoen.

Dienstag, Oktober 30, 2012

Alles gut (zumindest bei uns...)

Die Nacht ueberstanden, alles gut, es war noch nicht mal schrecklich windig. In den Nachrichten kann man dann sehn, dass es anderen nicht so gut ergangen ist...

Immer noch trocken...

Um halb elf bin ich im Haus die letzte, die schlafen geht, draussen ein wenig Wind und Regen, drinnen Schnarchen und Babypupse, alles wie immer.

Montag, Oktober 29, 2012

Etwas Regen und Wind und dramatische Fernsehnachrichten

Meine Lieben, bislang haben wir hier den Hurrikan vor allem im Fernsehn. Die Nachrichtensprecher reden darueber, als waere der Sturm irgendwie sexy, die Supermaerkte sind leergekauft (aber nicht so schlimm wie vor dem grossen Schneechaos vor zwei Jahren) und wir haben eine Liste der Notfallunterkuenfte. Aber bislang haben wir nur windigen Nieselregen und die Hoffnung, dass der Sturm vor allem noerdlich von New York und an der Kueste zuschlaegt.

Donnerstag, Oktober 18, 2012

Babyschule

So hab ich das Sarah erklaert, David geht jetzt in die Babyschule. Sie hat ihm dann gleich gute Ratschlaege gegeben: "Wenn Du den ganzen Tag weinst, wird Deine Lehrerin traurig!" Gestern war sein zweiter Tag in der Kita, und der war schon viel besser als der erste. Da haben wir gleich rausgefunden, dass er ein Rassist, Sexist und Haarfarbist ist. Er hat eine grosse Vorliebe fuer blonde Frauen und schwarze Maenner. Wo er das wohl her hat? Die Kita-Frauen sind alle schwarz und er hat sie lautstark diskriminiert. Am Nachmittag kam eine Aushilfe, ein schwarzer Mann. Und mit dem hat er sich, so wird berichtet, den ganzen Nachmittag so angeregt unterhalten, als wuerde er ihn schon seit seiner Geburt kennen.

Mittwoch, Oktober 10, 2012

Juhuu ich bin ne Nummer!

Heute habe ich meinen Weltbankausweis abgeholt, jetzt bin ich also endlich wieder ein kleines Raedchen im grossen Betrieb. Juhuu sage ich und lache doch ueber mich selbst...

Ich hab mich damals selbstaendig gemacht und zwei Wochen spaeter rausgefunden, dass ich mit Sarah schwanger bin, also, an den Fingern abgezaehlt, seit vier Jahren berate ich selbstaendig Huehnerzuechter in Aethiopien und Waschmittelhersteller in den USA und alles dazwischen. Das Thema ist immer: Wie sehen Eure Netzwerke aus und wie koennt Ihr die verbessern.Und es ist erstaunlich, wieviel aethiopische Bauern und amerikanische Manager da gemeinsam haben... Aber das ist ein anderes Thema.

Letzten Sommer hab ich mich dann entschieden, dass ich lieber wieder langfristiger planen will, mal ne Weile im gleichen Projekt arbeiten, etwas von Anfang bis Ende begleiten, Kollegen haben und einen Chef ueber den ich mich aufregen kann (und der nicht im gleichen Koerper wohnt...). Und wissen, wieviel am Anfang des Monats auf meinem Konto ist. Die guten Feen haben sich etwas Zeit gelassen, mussten wohl erst was Passendes finden.

Die Gruppe, mit der ich bei der Weltbank arbeiten werde, trainiert Fuehrungskraefte in Staedten in der ganzen Welt und meine Methode (http://netmap.wordpress.com) ist das Herzstueck dieses Trainings. Waehrend der Jobsuche hab ich mich oft beschwert: "Es gibt halt keine Stellenangebote, in denen steht: Muss Net-Map Experte sein." Das ist das Problem, wenn man Experte in etwas ist, was man sich selbst ausgedacht hat. Nun, dies ist tatsaechlich eine Stelle, bei der ich den ganzen Tag Net-Map Experte sein kann. Aber nur die halbe Woche... und erstmal ein paar Monate. Dann sehen wir weiter.

Donnerstag, August 30, 2012

Schulkind

Selbstbewusst und gelassen. Das beschreibt wohl am besten, wie mein kleines grosses Maedchen heute bei ihrem ersten Schultag war. "Tschuess Mama, bis spaeter." Kein "Lass mich nicht allein, noch eine Umarmung, noch ein Kuesschen und bleib bitte hier!!!!" Ich haette das alles und noch viel mehr gemacht und musste mich wirklich beherrschen, nicht zu zeigen, wie gerne ich noch eine letzte Umarmung und dann noch eine gehabt haette. Andererseits bin ich natuerlich ungemein stolz auf mein grosses Maedchen.

Die Schule beginnt hier fuer die Dreijaehrigen, das ist also eher sowas wie Kindergarten, aber im gleichen Gebaeude wie die Grundschule. Und Lesen, Schreiben und Rechnen sind durchaus schon Teil des Programms. Ausserdem spielen, Geschichte vorlesen und Mittagsschlaf... Ach ja, und Mrs. Taubman, die Lehrerin, spricht mit den Kindern nur Spanisch. Sarah guckt sie ganz ernst an und nickt an den richtigen Stellen, so als verstuende sie jedes Wort. Seit Wochen behauptet sie ja, dass sie schon Spanisch spricht und denkt sich dafuer schoene Woerter aus.

Ohne viel Tamtam hat der erste Schultag einfach so angefangen, keine Begruessungsrede, keine Schultuete, ein paar Fotos auf dem Handy, nach zehn Minuten war ich wieder draussen - der eigentliche erste Schultag kann eben erst anfangen, wenn die Eltern draussen sind, es ist ja schliesslich die Schule der Kinder, nicht der Eltern...

Donnerstag, August 23, 2012

Auf Pump

Manchmal denke ich, dass ich einen ganzen Blog zum Thema Milchpumpen fuellen koennte. Ich weiss ja nicht, wie das anderswo ist, aber hier wird Stillen schnell zum Pumpen, damit auch andere den kleinen Wurm fuettern koennen...

Da gaeb es dann meine Erlebnisse am Flughafen von Los Angeles, wo Pontius mich zu Pilatus geschickt hat, aber niemand einen Raum mit Tuer und Steckdose hatte, in dem ich pumpen konnte, bevor ich mich auf einen langen Flug begebe. Schliesslich bin ich in die Business Lounge von Virgin Australia gegangen (nicht die Airline, mit der ich unterwegs war) und hab die Ladies da bequatscht, bis ihre Chefin ihr Buero fuer mich geraeumt hat.

Oder meine Arbeit bei der Weltbank in den letzten Wochen, wo ein phillipinischer Kollege die fragwuerdige Ehre hatte, mein inoffizieller Pumpbeauftragter zu sein. Der hat den anderen dann immer gesagt: Eva geht in mein Buero, sich ausruhen, wenn ich in der Mittagspause pumpen ging, weil es ihm zu peinlich war, zu sagen, was ich wirklich machte. Als ob das nicht viel eigenartiger waere, dass jemand nicht zum Mittagessen kommt, weil sie sich "ausruhen" muss. Als wir spaeter in einem anderen Gebaeude waren, musste der gleiche Kollege mir dabei helfen, den Schluessel fuer den Pumpraum zu kriegen und hat dabei so fluesternd gestottert, dass die armen Sicherheitsleute keine Ahnung hatten, worum es ging: "Wir brauchen den, aeh, Schluessel, fuer, wissen Sie, Frauen, wenn, also zum Pumpen, fuer, wie sagt man gleich..."

Nun, mein Leben auf Pump hat einen neuen Hoehepunkt erreicht: Auf unserer Rueckreise von einem Kurzurlaub am Meer, habe ich mit der Pumpe unsere Autobatterie geleert, die Jungs, die uns mit Starterkabel helfen wollten, haben das leider falschrum angeschlossen, dann fing's an zu qualmen.... Jetzt haben wir also einen extra Tag (mindestens) am Meer, leider ohne die dazugehoerigen Urlaubslaune, das Auto in die Werkstatt geschleppt, noch wissen wir nicht, ob und wie teuer es repariert wird und natuerlich regnet's draussen...

Montag, Juli 30, 2012

Mischn Impossible (oder: nix mix)

Am Samstag waren Sarah und ich auf einer Geburtstagsfeier bei den Toechtern unserer Nanny. Ich weiss, ich sollte mich da inzwischen dran gewoehnt haben, aber ab und zu find ich das immer noch krass. Natuerlich war ich die einzige Weisse da. Das kenn ich ja aus Ghana, da hatte ich genug Zeit, mich dran zu gewoehnen. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich in Ghana die einzige Weisse war, weil ich eben wirklich die EINZIGE Weisse (oder eine von 10 in der Stadt) war. In der Strasse, in der meine Nanny wohnt, gibt es Familien jeglicher Hautfarbe (naja, gruen und lila vielleicht nicht). Auf der Schule, auf die die beiden Maedchen gehn, sind die Haelfte der Schueler weiss. Aber dass man viel Zeit mit Leuten anderer Hautfarbe verbringt, dass man im gleichen Buero arbeitet, in der gleichen Strasse wohnt oder auf die gleiche Schule geht, heisst eben doch nicht, dass man sich wirklich nahekommt, befreundet,freiwillig Zeit miteinander verbringt, mischt. Wir leben hier auf einem Schachbrett, jeder in seinem kleinen weissen oder schwarzen Kaestchen... Alles schoen geordnet. Ach ja, dann gibt es noch Familien wie unsere, wir erkennen einander von Weitem, zwinkern einander von der anderen Strassenseite zu und sagen nichts dazu, denn wir wollen so gerne so tun, als sei das normal.

Freitag, Juli 27, 2012

Muddy Puddles (Dreckspfuetzen)

In Washington bedeutet schlechtes Wetter was ganz anderes als in Dueren. Ich weiss, die Duerener, die das jetzt lesen, wollen mich bestimmt hauen, aber: Regen ist doch kein schlechtes Wetter! Sarah konnte jetzt endlich endlich mal die von Patentante Penny geschickten Gummistiefel ausprobieren und war ganz hin und weg. Ich hab mich fast so gefuehlt, als wuerde ich ihr etwas vorenthalten, dass sie mit 3 1/2 zum ersten Mal so richtig ausgiebig in muddy puddles (Matschpfuetzen) spielt. Aber hier regnet es so selten und wenn dann richtig, dass es sich einfach nicht anbietet, im Regen rauszugehn. Man kann ja rausgehn, wenn die Sonne scheint. Naja, und da kommen wir dann zu der Frage, was denn in Washington schlechtes Wetter ist... Genau, Sonnenschein. Also, nicht irgendein Sonnenschein, sondern schwuele 40 Grad im Schatten. Nur was fehlt, ist der Schatten. Also unser typisches wochenlanges Sommerwetter. Und da die Mutter uns diesen Sommer zum ersten Mal waehrend so einer Hitzewelle besucht hab, habe ich es nun auch klar und deutlich aus dem Mund einer Sonnenanbeterin: Das ist zu heiss. Ich hab ja immer gedacht, ich wuerde mich anstellen...

Dienstag, Juni 19, 2012

Betteln im 21. Jahrhundert

Eben vor dem Schnellimbiss: "Hey, haste mal n Groschen?" (natuerlich auf Englisch) "Nee, ich trag kein Bargeld mit mir rum." Zeigt auf den Imbiss: "Da drinnen nehmen sie auch Kreditkarte, kannste Geld holen."

Der frechste Bettler seit Tini: "Haste manne Maak?" (man gibt ihr was) "Haste nich nowas?"

Montag, Mai 21, 2012

Gemuetlichkeit

Zum Schreiben komm ich nicht so viel, dafuer aber um so mehr zum Kuscheln. Man kann halt nicht alles haben. Ach, wenn die mal fiese Teenager sind, wie werde ich das vermissen. Selbst wenn ich jetzt manchmal verzweifelt sage: Ich bin doch kein Octopus, wie soll ich das mit zwei Haenden nur alles schaffen... David liegt am liebsten auf Baeuchen und da Sarah in allem gerne eine kleine Mama waere, will sie auch sein gemuetliches Bauchkissen sein. Von mir aus gerne...

Freitag, Mai 18, 2012

Farbenblind

Ich hab mich lange gefragt, warum Sarah, die alle Farben gut auseinander halten kann, und sogar darauf besteht, helllila und dunkellila zu unterscheiden (dunkellila ist ihre Lieblingsfarbe, helllila die des Maedchens, mit der sie die Nanny teilt - ein Kompromiss, der den dritten Weltkrieg abgewendet hat...), also, warum Sarah mit ihren guten Augen den Unterschied zwischen weiss und gelb nicht zu sehen scheint. Sie benutzt die beiden Woerter als wenn sie das gleiche bedeuteten... Als sie dann gestern mal wieder auf das Thema Hautfarbe zu sprechen kam, wurde mir ploetzlich klar, dass ihre Verwirrung nicht daher kommt, dass sie die Farben nicht erkennt, sondern dass wir im allgemeinen Sprachgebrauch Sachen weiss nennen, die ganz offensichtlich eher gelb sind. Naemlich Mama's Hautfarbe. Wenn ich weiss bin, dann ist klar, dass Sonnenblumen auch weiss sind. Gut, ich habe nicht die Farbe von Sonnenblumen. Aber ich eben auch nicht die von Schnee oder Papier...

Donnerstag, Mai 10, 2012

Uebermuedungserscheinungen...

Vor dem Badezimmerspiegel stehen, die Zahnbuerste unter den Arm halten. Es dauert zwei Sekunden, bis die Augen dem Hirn und das Hirn der Hand mitteilen: "Dieses Geraet ist nicht dafuer geeignet, sich die Achseln zu rasieren."

Montag, Mai 07, 2012

Diese Bild weigert sich, richtigrum gedreht zu werden, aber Ihr koennt Euch ja einfach beim Angucken hinlegen. Oder den Computer ein bisschen kippen. Sarah, David und ich haben letztes Wochenende bei unserer alten Freundin Jenny (wo ich frueher gewohnt hab) den Garten umgepfluegt und unter Wasser gesetzt. Sarah war begeistert.

Samstag, Mai 05, 2012

David

Er hat noch keine email Adresse, ist noch nicht auf facebook und irgendwie bin ich sogar zoegerlich, seine Ankunft auf diesem Blog zu verkuenden. Als wollte ich sagen: Er ist da, aber er gehoert ganz uns, in der wirklichen Welt, nicht im Internet. Jetzt ist er einen Monat alt und ich denke jetzt schon, dass er ganz erwachsen aussieht, im Vergleich zu diesen ersten Bildern, als er grade zwei Tage alt war...


Freitag, März 30, 2012

Wenn Du brav bist, darfst Du staubsaugen...

Manchmal muss ich laut lachen, wenn ich mir selbst zuhoere. Aber es funktionniert: Wenn eine Taetigkeit (oder eine Speise) als Belohnung in Aussicht gestellt wird, oder wenn jemand anders das einem beinahe wegnimmt, dann ist das viel begehrenswerter. Gestern hab ich Sarah, nach langem Betteln ihrerseits, endlich ein nasses Tuch gegeben, mit dem sie den Kuechenboden wischen durfte. Es gab ein kleines Drama, weil ich ihr versprochen hatte, dass sie vor dem ins Bett gehn auch noch ihr Zimmer staubsaugen duerfte, aber es dann doch schon zu spaet geworden war. Beim Abendessen muss sie immer aufpassen wie ein Luchs, damit Papa ihr nicht die gruenen Bohnen oder den Broccoli klaut. Und das beste Versteck fuer dieses Gruenzeug ist halt ihr Mund... "Wer zuerst mit offenem Mund auf dem Bett sitzt, kriegt die Zaehne geputzt", haben wir irgendwann aufgehoert, weil das haeufig zu Schlaegen und Schreien gefuehrt hat (also, Sarah schlaegt den, der sich mit offenem Mund neben sie setzt).

Donnerstag, März 22, 2012

Obama's (Oster-) Eier

Jedes Jahr nehmen Familien aus ganz Amerika an der Osterlotterie des Weissen Hauses teil. Die Gewinner sind eingeladen, auf dem Rasen des Weissen Hauses Ostereier zu suchen, rollen und sich ganz besonders zu fuehlen. Dieses Jahr haben wir doch tatsaechlich Tickets gewonnen! Und was fuer ein tolles Timing! Ostereiersuchen ist am 9. April, das Baby ist fuer den 10. angesagt.

Ich hab mir die Regeln angesehn und schon der erste Satz war genug: Bitte kommen Sie 45 Minuten vor der Einlasszeit und bringen Sie nur eine kleine Tasche mit dem Noetigsten - Klappstuehle sind nicht erlaubt.

Nun, ich weiss wer dieses Jahr nicht mit Obama auf Eiersuche geht...

Freitag, Januar 20, 2012

Kaffeerassenlehre

Vorgestern Abend sagt Sarah: "Mama, Du bist gelb, ich bin gelb, was ist Papa, braun oder schwarz?" "Geh doch mal gucken." Laeuft zu Papa, guckt, ruft: "Braun! Papa ist braun!" Mein Erklaerung, dass Mama weiss ist und Papa braun und Sarah eine Mischung aus weiss und braun, ist unverstaendlich. Also beim Fruehstueck den Kaffee und die Milch zur Hilfe genommen: "Guck mal, welche Farbe hat der Kaffee?" "Braun" "Wie Papa. Und die Milch?" "Weiss." "Wie Mama. Und wenn ich die beiden zusammenschuette? Das ist Sarah!" Und tatsaechlich, die Farbe ist ihrer Hautfarbe sehr aehnlich, Sarah, Du bist mein liebster Milchkaffee.

Heute morgen dann: "Sarah, soll ich wieder Papa, Mama, Sarah Kaffee machen?" "Jahaaa" Also, Kaffee gekocht, Milch in die andere Tasse. Ich: "Kaffee ist braun, wie Papa und Milch?" Sarah: "Milch ist weiss, wie Mama und Sarah!" O.k., wir arbeiten dran. Ich trink ja jeden Morgen Kaffee. Und ich sag ihr noch nicht, dass sie hier im allgemeinen Verstaendnis gar nicht hellbraun oder gemischt ist, sondern einfach nur schwarz. Denn das versteh ich ja noch nicht mal, wie soll sie es dann verstehn.

Dienstag, Januar 17, 2012

Wie, nur spielen???

Neulich auf meiner Muetter-Email-Liste:

"Meine Tochter ist 13 Monate alt und in ihrer Kita spielen die nur. Kann jemand eine Kita empfehlen, in der es mehr strukturiertes Programm und akademisches Lernen gibt?"

Nur keine Zeit verschwenden. Ich bin ja froh, dass es nun mehr und mehr wissenschaftliche Studien gibt, die den erzieherischen Wert des freien Spiels untermauern - denn einfach nur spielen weil's Spass macht, das waere doch arge Zeitverschwendung fuer einen Einjaehrigen.

Mittwoch, Januar 11, 2012

Wem gehoert dieses Kind?

Vor ein paar Tagen an der Brottheke: Sarah saust mit ihrem Kindereinkaukswagen da hin, weil es da immer was zu probieren gibt. Die Baekerin begruesst sie und schaut dann suchend in der Gegend rum, durch mich durch, als sei ich nicht da. Obwohl ich gleich hinter Sarah steh. Als ich Sarah frage:"Willst Du Brot, Schatz?" Guckt die Verkaeuferin verwirrt: "Oh, ich dachte sie waere allein." Denn es ist wohl wahrscheinlicher, dass eine 2 1/2 jaehrige allein einkaufen geht, als dass ein braunes Kind und eine weisse Frau zusammengehoeren.

Als ich das einer schwarzen Freundin erzaehle, lacht sie: "Und wenn ich irgendwo im 5 Meter Radius eines Kindes auftauche, egal welche Hautfarbe, gehen alle davon aus, dass ich fuer es verantwortlich bin, entweder als Mutter oder als Nanny."

Freitag, Dezember 23, 2011

Die Fuzzies sind los!

Wer denkt, dass ein Kleinkind ganz schoen wild sein kann, laed am besten mal ein zweites ein. Und dann vielleicht noch ein Baby? Aber das kommt erst morgen...

Die Bude meiner Mutter sieht fast schon wieder so aus wie frueher, als wir sie noch bewohnten und taeglich verwuesteten und es toenet durch die Luefte froher Schall (auch Laerm genannt). Sarah und ihr kleiner Cousin (2 1/2 und 1 1/2) rennen hintereinander her, raeumen Tannenzapfen von der Schuessel auf den Stuhl in die Schuessel auf den Stuhl und suchen ueberall Gefahren. Bislang sind sie noch nicht wirklich fuendig geworden und hoffentlich bleibt das auch so.

Ach ja, einen Laufstall haben wir auch neben den Weihnachtsbaum gestellt. Da drin wohnt jetzt das Telefon, weit weg von Kinderhaenden... und die beiden sind nun verzweifelt auf der Suche nach einer Moeglichkeit, in den Laufstall einzubrechen, damit sie endlich mal ein paar Ferngespraeche fuehren koennen.

Samstag, Dezember 17, 2011

Angekommen ist gut angekommen...

Und das ist wohl alles, was ich zum Thema Anreise erzaehlen sollte. Ich fuehle mich ja inzwischen schon als Expertin zum Thema Langstreckenfluege mit Kindern. Aber dafuer ist Sarah auch Expertin zum Thema Langstreckenfluege mit Muettern. Diesmal gab's wie fast immer eine schlaflose Nacht und einschlafen in der letzten Stunde. Dazu eine groesstenteils hervorragend brave Sarah(nicht wie immer), die mit allen Stewardessen und sogar den Piloten geflirtet hat (als wir in London zwei Stunden auf dem Rollfeld standen und warteten, haben die Stewardessen uns eine Tour des Cockpits zur Unterhaltung angeboten). So richtig schwierig wurde es nur, als wir in Duesseldorf ankamen und der Kinderwagen nicht, wie normalerweise, am Flugzeug auf uns wartete. Sarah war zuerst zu schlaefrig und dann zu wuetend zum Laufen und ich bin zu schwanger, sie zu tragen. Wir haben so ein Drama hingelegt, dass wir am Ende sogar von wildfremden Frauen Schokolade gekriegt haben. So hat halt jeder Zusammenbruch auch seine Vorteile. Aber, wie gesagt, angekommen ist angekommen. Jetzt sind wir in Dueren und das ist gut.

Montag, Dezember 12, 2011

New York wie Afrika

Mein Lieblingsbuch in Ghana war "Where there is no doctor" (Wo es keinen Arzt gibt), ein reicht illustriertes Werk, in dem in einfachen Worten erklaert wurde, wie man allein ein Baby gebaert (oder einer Gebaerenden hilft) oder wie man einen gebrochenen Arm schient. Spannende Lektuere und unglaublich nuetzlich. In Bolgatanga hatten wir zwar ein Krankenhaus, aber alle waren sich einig: Um das zu ueberleben, musst Du ganz schoen gesund sein.

Was hat das mit New York zu tun? Dieses Wochenende sind wir zum Weihnachtslichter gucken nach New York gefahren. Und gestern Morgen hat sich Sarah dann den Ellenbogen ausgerenkt. Das war nun das vierte Mal, eine Verrenkung, die bei Kindern ihres Alters schnell passiert, unglaublich schmerzhaft ist und, wenn man nur weiss wie, mit einem beherzten (noch schmerzhafteren) Handgriff wieder einzurenken ist. Nur, um dieses beherzten Handgriffs anteilig zu werden, muss man (Sonntags!) einen Arzt oder eine Notaufnahme finden, stundenlang im Wartezimmer sitzen, weil man ja nicht grade dabei ist, zu verbluten und deshalb kein wirklicher Notfall ist, 100 Dollar Eigenbeteiligung zahlen und hat keine Zeit mehr irgendwas von dem zu tun, wofuer man doch eigentlich die 5 Stunden auf der Autobahn gehangen hat.

Oder... oder man nimmt seinen ganzen Mut zusammen und sagt sich: In Afrika haette ich das auch selbst gemacht. Ok, tief durchatmen. Und Schwester Heidi anrufen. Das ist die Krankenschwester, die Sarah's letzten Ellenbogen eingerenkt hat. Und fragen: "Kannst Du mir Schritt fuer Schritt erklaeren, wie das geht?" "O.k., das ist nicht einfach..." faengt sie an. Na dankeschoen. Waehrend sie erklaert, hab ich das Telefon auf Lautsprecher gestellt und uebe an Will's Arm: "Setzt Dich genau gegenueber von jemandem, der das Kind ganz gut festhaelt, Knie and Knie. Dann nimm die Hand in die eine Hand und den Ellenbogen in die andere. Beuge den Ellenbogen, indem Du die Hand nach oben hebst. Und dann, waehrend Du den Ellenbogen gut festaelst, eine beherzte Drehung der Hand nach vorne - zu Dir - und aussen, von der Mitte des Kindes weg. Viel Glueck."

"O.k. Sarah, Mama und Papa werden Deinen Arm jetzt wieder besser machen. Das tut erst ein bisschen mehr weh und dann ist das wieder gut." Sarah nickt tapfer. Und setzt sich auf meinen Schoss. Will zieht und dreht und Sarah schreit. "Lass mich mal." Mutter zieht und dreht und Sarah schreit. Nochmal. Pause. "Sarah, kannst Du hier den Apfel nehmen?" (anderen Arm festhalten) Arm bewegt sich wieder! Kind schreit nicht mehr! Sagt: "Bist Du Mama und Papa oder bist Du Doktor? Ich will Du bist Mama und Papa." Wir auch. Und sind doch stolz auf uns, als wir raus in die Kaelte und zum Central Park schieben.

Dienstag, Dezember 06, 2011

Wer hat Angst vor'm roten Mann?

Also, ein fremder Mann, der nachts in unser Haus kommt und uns Suessigkeiten in die Schuhe tut, und sogar Mama sagt, dass sie den noch nie gesehn hat?! Also Sarah ist vielleicht erst zwei Jahre alt, aber sicher schon gross genug, um zu wissen, dass das nicht mit rechten Dingen zu geht. "Mama, ich nicht mag den Mann im Haus!" Andererseits, diese Suessigkeiten, das hoert sich ja schon gut an... Schliesslich findet sie die Loesung: "Mama, Nikolaus hat Kinder, mach die Kinder kommen zu uns mit Sachen." "O.k. Sarah, ich haenge einen Zettel an die Tuer: Lieber Nikolaus, bitte komm nicht selber, sondern schick eins von Deinen Kindern zu uns mit den Suessigkeiten."

Jetzt will Sarah ganz schnell schlafen, damit bald morgen frueh ist und wir sehn koennen, was die Kinder vom Nikolaus in ihre allergroessten Stiefel (danke Tante Penny) gesteckt haben. Ob Papa wohl auch ein braves Kind war? Und Mama? Na, die ist heute Nacht vor allem "Kind vom Nikolaus" und bringt Sachen...

Donnerstag, Dezember 01, 2011

Windpockenparty?

Gibt's das in Deutschland auch? Hier werden die meisten Kinder gegen Windpocken geimpft. Wenn die Eltern gegen Impfungen sind, warten sie, bis ein Kind in der Umgebung die Krankheit hat, dann gibt's ne Party, wo alle ungeimpften Kinder versuchen, sich anzustecken, und schon hat man diese Kinderkrankheit auch hinter sich gebracht...

Mittwoch, November 30, 2011

Hat Papa einen neuen Job?

"Ich bin schon gross, ich kann das boleine. Geh weg. Ich bin Dein kleines Baby. Umarmung. Ich lieb Dich." So geht das im Moment den ganzen Tag. Und dazwischen viel markerschuetterndes Geschrei, weil ich den Reissverschluss zugemacht hab, oder keine Zeit fuer die fuenfte Umarmung, wenn wir ohnehin schon spaet sind. Es ist fast laecherlich zu fragen: "Warum schreit sie?", weil dem aussenstehenden die Gruende so minimal scheinen. Heute morgen wollte ich ihr doch tatsaechlich das Nachthemd aus und ein Kleid anziehn. Und dann, als sie sich lautstark weigerte, bin ich lieber duschen gegangen, als mich anschreien zu lassen. Irgendwann waren wir dann so laut, dass ich mir anfing, Sorgen zu machen: "Sarah, wenn Du weiter so laut schreist, rufen die Nachbarn die Polizei, dann kriegen wir beide Aerger." Und das ist nicht wie die leere Drohung "dann holt Dich der schwarze Pit", ich denke wirklich, dass ich bald mal zu meinen kinderlosen Nachbarn gehn muss, denen Schokolade schenken und erkaeren, dass das eine normale Entwicklungsstufe ist und keine Kindesmisshandlung. Als wir uns endlich beruhigt hatten, rief Sarah's Papa an, um zu sehn, ob wir denn schon aufgestanden sind. Als er auflegt, fragt Sarah: "Mama, ist Papa die Polizei?"

Freitag, November 25, 2011

Danke sagen, dann schwarzer Freitag

Thanksgiving ist so ein wunderbares Fest, keine Geschenke, nur mit Familie und den Freunden, die sonst keiner haben will, rumsitzen und sich den Bauch vollschlagen. Um die typischen Familienfeststreitigkeiten zu entschaerfen, hat man sogar die Tradition eingefuehrt, dass man nach dem Essen mit dickem Bauch auf dem Sofa sitzen und American Football gucken muss.

Und am naechsten Morgen kann man dann die Konsumvermeidung des Feiertages damit ausgleichen, dass man ganz ganz frueh aufsteht und bis zum Umfallen shopt. Black Friday, der Freitag nach Thanksgiving, ist ein Feiertag des Einzelhandels, viele Geschaefte machen schon um Mitternacht oder sehr frueh am Morgen auf und haben dann fuer einen halben oder ganzen Tag unglaublich reduzierte Waren. Und, wie ich eben im Radio hoerte, dieses Jahr gab es keine ernsthaften (nur leichte) Verletzungen bei Black Friday Pruegeleien um, was weiss ich, den letzten reduzierten Flachbildfernseher. Jetzt hat also die Vorweihnachtszeit begonnen.

Freitag, November 04, 2011

Ein Augenblick in meiner Nachbarschaft

Letztens ging ich hier ganz unschuldig die Strasse runter, als eine Pennerin auf mich zukam und fragte: "Entschuldigung, haben Sie vielleicht ein bisschen Kleingeld fuer mich?" "Nein, tut mir leid." Ich ging weiter und ich ein paar Schritte weg war, bruellt sie mir nach: "Luegnerin."

Sonntag, Oktober 30, 2011

Freitag, Oktober 07, 2011

Deutschlaenderwurstchen

Vor drei Monaten auf unserer Europatournee hat sich Sarah standhaft geweigert, Deutsch zu sprechen. Sie hatte kurz davor im Englischen so einen grossen Sprung gemacht, dass ihr Deutsch einfach zu einfach war... Sehr zur Verwirrung meiner Mutter. Nun da die Oma zu Besuch ist, hat das Deutsch aufgeholt und Sarah erzaehlt und in langen und gewunden gestotterten Saetzen, dass Papa kein Baby im Bauch und keine Brueste hat, weil er keine Lady ist, sondern ein Mann. Oder dass nachts der Mond und Tags die Sonne scheint, um draussen Licht zu machen, nicht drinnen. Aehnlich kompliziert sind ihre Anforderungen an ihre Bediensteten (also Oma und Mutter). Ja, Joghurt schon, aber wenn Du den Loeffel da schon reintust, muss ich entsetzt schreien, das wollte ich doch machen. Stuehlchen in die Ecke stellen, aber doch nicht so rum, anders rum, heul, schrei! Zum Ausgleich hat sie sich auch zur Kussexpertin entwickelt, die direkte, gepustete und mit der Hand ins Gesicht gehauene Kuesschen kann, ausserdem noch Schweine- und Vogelkuesse mit entsprechender Geraeuschuntermalung. Wir schmelzen dahin.

Freitag, September 23, 2011

Columbus, Ohio

Bis vor kurzem war mir nicht mal bewusst, dass es diesen Ort gibt. Dabei ist das eine Grossstadt (800 000 Einwohner) und auch sonst ist hier einiges los. Ich bin hier auf einer Konferenz mit lauter Leuten, die Sachen machen, von denen ich nichts versteh (Agile Programming? Ich waere erstaunt, wenn auch nur einer von Euch wuesste, was das ist...) und habe eben beschlossen, mich davon nicht weiter einschuechtern zu lassen, sondern Augen und Ohren offenzuhalten, und eine Faehigkeit zu nutzen, die ich waehrend der vorletzten Fussballweltmeisterschaft an Ghanaischen Taxifahrern erprobt habe. In jedem Taxi hab ich ueber Fussball geredet und zugehoert und dann auf der naechsten Fahrt dem Taxifahrer genau das erzaehlt, was mir seine Kollegen vor ihm gesagt haben.

Jaja, viele Faehigkeiten, die fuer meine berufliche Laufbahn entscheidend sind, habe ich in Ghana gelernt und einen Grossteil davon von Taxifahrern...

Freitag, September 16, 2011

Surfer bums (Surfpenner)

Hawaii ist so ein Ort zum Haengenbleiben. Es ist ja auch viel einfacher, irgendwo Penner zu sein, wo es immer warm ist. Und viele scheinen in grauer Vorzeit vom Festland ruebergekommen zu sein, mit dem einen Ziel: Die hoechsten Wellen zu surfen. Und sich zwischen den Wellen irgendwie durchzuschlagen. Das ist ja auch irgendwie cool, wenn man 20 ist... Nicht alle von denen sind zu ausgewachsenen Pennern gealtert (obwohl doch erschreckend viele am Strand schlafen). Vermutlich typischer ist der Mann, der im Bus einem anderen seine Geschichte erzaehlte: Unternehmer sei er, sagt er stolz und mehrfach, Unternehmer! Er hat ein Fahrradtaxi und damit faehrt er die Touristen rum. Tagsueber ist das Geschaeft eher schleppend, aber abends kommen die Besoffenen, und die haben offene Geldbeutel. Ja, letztens hat er drei fette Araber gefahren, die sich irgendwie in die zwei Sitze seines Taxis gequetscht haben, ein Mann mit zwei Frauen, jede gut 120 kg schwer... er lacht. Er ist 45 Jahre alt, in den 80ern ruebergekommen, hat die 80er und 90er versurft, und jetzt ist er wie gesagt Unternehmer. Was er machen will, wenn er keine fetten Touristen mehr fahren kann, hat er nicht gesagt. Als ich ihn sah, hatte er einen Arm im Gips, da ist wohl auch nicht viel mit Radeln.

Immer schoen langsam

In Deutschland geht man nicht bei Rot ueber die Strasse, weil's verboten ist. Und wenn man's doch tut, guckt einen irgendwer schief an oder sagt vielleicht sogar was zum Thema "Vorbild" und "Kinder". In Washington DC geht man immer bei Rot ueber die Strasse, wenn auch nur die geringste Chance besteht, das zu ueberleben, weil man wichtig ist und keine Zeit hat, auf so ein bloedes gruenes (weisses in diesem Fall) Maennchen zu warten. Wenn man nicht bei Rot ueber die Strasse geht, obwohl kein Auto kommt, wird man schief angeschaut und manchmal hab ich das Gefuehl, dass jemand kurz davor ist zu sagen: "Ja hast Du es denn nicht eilig? Bist Du nicht wichtig?" Hier auf Hawaii geht keiner bei Rot ueber die Strasse. Wohin soll man denn so schnell, der Strand ist gleich auch noch da, Aloha...

Dienstag, September 13, 2011

Hawaii, Waikiki, da denk ich an...

Hochhaeuser.

Ja, ich war auch erstaunt. Und mein Mann war erstaunt, dass ich erstaunt war und meint ich guck nicht genug Fernsehn und schon als Elvis hier rumhing in den 60ern, sah das so aus. Na gut, na gut, aber trotzdem, in meinem Kopf hatte Waikiki Hulamaedchen, Haengematten an Kokospalmen und rosa Cocktails an ner verschlafenen Beachbar. Kann man sich beschweren, dass ein Staat der USA zu amerikanisiert ist?

OK, und jetzt, wo das raus ist, kann ich anfangen, das ganze Schoene aufzuzaehlen. Die knallblauen hohen Wellen, die grade richtig warm/kalt sind. Natur von mediterraner Kargheit zu knallgruenem Regenwald, voneinander getrennt durch scharfe Berggrate. Surfer, die genau so aussehn, wie Du Dir das vorstellst, braungebrannt, taetowiert und mit nichts als Wellen im Kopf. Und sobald ich mit Bus ( oder, wenn Maenne von der Arbeit kommt, mit dem Auto) aus der Stadt raus bin, gibt es kleine Haeuschen, Doerfer, Krabbenbuden am Strassenrand. Manche Ecken sehn mir aus wie Afrika, mit freilaufenden Huehnern und Haeusern, die aus irgendwas zusammengezimmert sind. Aber dann faehrt man ein paar Kilometer weiter und ist mitten in einem Parkplatzschoppingcenter feinster Amerikanischer Vorstadtart.

Freitag, September 09, 2011

Hawaiiiiiiii!

Dahin geht's jetzt los. Ich werde berichten.

Dienstag, August 30, 2011

Sarah mit bester Freundin Lina


... deren Mutter auch aus dem Koelner Raum kommt und die auch einen schwarzen Ami zum Vater hat.

Schnutenkoenigin


Unsere kleine Schoenheit



...die immer ganz stolz sagt: "Ich is gross." und "Ich is alt. Zwei!"

Sonntag, August 28, 2011

Ruhe vor (und waehrend) dem Sturm

In Vorbereitung auf den grossen Sturm sind hier alle ein bisschen durchgeknallt. Will und ich haben uns gedacht: Die hamse doch nicht mehr alle... Aber man moechte ja nicht am Ende der Einzige sein, der im Dunkeln sitzt, also bin ich am Freitag losgegangen, um Trinkwasser, Batterien und Kerzen und haltbares Essen zu kaufen. Im Supermarkt war alles angespannt und ausverkauft. Ich bin aufs Regal geklettert, um ganz hinten die letzten Flaschen Wasser zu angeln, Batterien waren schon lange keine mehr da und Kerzen... da gab es nur noch die edelen teuren.

Will hat im Keller alles auf Tische gelegt, das vom Wasser zerstoert werden koennte, denn unser Keller hat ein Garagentor, das nicht richtig schliesst.

Und dann ging's los.

Also, nicht wirklich. Dann kam halt ein bisschen Wind und Regen. Und dann war's auch schon vorbei. Ist es nicht wunderbar, nicht am Meer zu wohnen? Jetzt haben wir einen aufgeraeumten Keller und einen Trinkwasservorrat und koennen uns fuehlen, als haetten wir's ja eh gewusst. Alles Panikmache.

Schwiegereltern in North Carolina dagegen sind Hurrikan-gewoehnt, die haben das dauernd (also, viermal in 15 Jahren oder so...). Denen ist das Gartenhaus weggeblasen worden, ansonsten aber auch alles unversehrt.

Mittwoch, August 24, 2011

Erdbeben verpasst - oder: Ich bin keine Prinzessin auf der Erbse

Gestern hab ich Sarah im Kinderwagen den steilen Berg am Capitol hochgeschoben. Ploetzlich sahen wir all die Buerofritzen aus den Gebaeuden laufen und fragten uns, was das wohl sein koennte: Bombendrohung?

Als ich nachfragte, wurde ich nur mit verwundertem Kopfschuetteln bedacht. Schliesslich hatten die alle grade ihre Tische und Waende wackeln sehn, wie kann ich auf der gleichen Erde rumlaufen und nicht gespuert haben, dass die Erde gebebt hat?

Hab ich aber nicht. Vielleicht, weil meine Knie von der Anstrengung ohnehin zitterten. Also, an alle, die sich Sorgen machen: Hier liegt noch jeder Stein auf dem anderen und nix ist passiert.

Montag, August 22, 2011

Virginia Beach

In dieser Reihenfolge angeordnet: Wellen, Strand, Promenade, Hochhaushotels, Fressgass, Hinterland. Darin verteilt: Sonnenhungrige Horden. Inklusive meiner Schwiegerfamilie, Mann, Kind und ich. Da war dann fuer jeden etwas. Fressen tun wir alle gerne. Schwiegermama freut sich, dass die Promenade, der Strand, das Hotel und sogar der Spielplatz rollstuhlgerecht sind (schonmal ne Rollstuhlwippe gesehn?), ich schmeiss mich in die Wellen und lache wie ein Kind, Maenne geniesst vor allem das Ausschlafen und die Grosseltern (Schwiegermutter und -vater) sind ja ueberall gluecklich, wo Sarah ist. Die sich ueberigends vor allem fuer Sand interessiert und nur mit groessten Ueberredungskuensten dazu zu bringen ist, ihren Fussdaumen (so heisst das bei ihr) ins Wasser zu stecken. Ein Wochenende ist genau die richtige Zeitspanne fuer so einen Familienurlaub, dann ist man ordentlich traurig, dass man wieder fahren muss, statt sich schon gegenseitig auf den Geist zu gehn. Das haben wir also letztes Wochenende gemacht und ich frage mich immer noch: Sind Leute, die am Meer leben, gluecklicher als andere? Oder nutzt sich das ab?

Freitag, August 19, 2011

Erinnerungen

Sarah's Lieblingsgeschichten sind im Moment: "Mama, sag Sarah Baby." Also: "Mama, erzaehl mir nochmal, wie das war, als Sarah ein Baby war." oder: "Sag Sarah Welt." also: "Erzaehl mir wie Sarah auf die Welt gekommen ist." Das ist besonders beliebt, weil sie sich da unter die Decke auf meinen Bauch legen darf (als waere sie noch in meinem Bauch) und dann irgendwann sagen: "Langweilt" und aufsteht, also geboren wird. Ich erspare ihr dann doch lieber die Einzelheiten...

Montag, August 15, 2011

Endlich Herbst?

Es gibt da dieses wunderschoene Lied: "Autumn in New York", in dem der Herbst in New York als die schoenste und goldenste Jahreszeit besungen wird. Als ich noch in Deutschland wohnte, hab ich immer gedacht: Die spinnen doch. Wir kennen den deutschen Herbst. Und den deutschen Sommer, so er denn vorkommt... Hier hat dieses Wochenende der Sommer endlich eine Atempause eingelegt, es hat geregnet, juhuu und heute sitze ich doch tatsaechlich bei offenem Fenster und ohne Klimaanlage am Computer. Und erinner mich daran, wie wunderbar das Wetter in Washington ist. Es sei denn, es ist Sommer (35-40 Grad und schwuel, nachts keine Abkuehlung). Ich kenne einige, die jetzt sagen wuerden: Immer noch besser als 30 Tage Regenwetter. Die koennen mich gerne mal am Abend besuchen. Also am Abend im Juli, wenn es immer noch zum umkippen heiss ist und die Suppe nur so runterlaeuft...

Dienstag, August 02, 2011

Achtung, Mannfrau!

Sarah hat eine ganz besonders ausgepraegte Abneigung gegen aeltere Maenner mit Bart. Im Restaurant, wenn einer an einem Tisch in der anderen Ecke sitzt, faengt sie an zu schreien und wenn er dann auch noch laechelt oder winkt, wird es ganz schlimm. Ab und zu kann sie Frauen auch nicht leiden und ich hab mich immer gefragt, wie sie die aussucht.
Vorgestern auf dem Spielplatz war so eine und da hat Sarah mir das endlich erklaert. Nun, "erklaert" hoert sich an, als haette sie sich vernuenftig mit mir hingesetzt, nen Tee aufgesetzt, damit wir mal drueber reden koennen. Aber wenn eine 2jaehrige einem was erklaert, sieht das anders aus: "Mama! Mama! Da! Mannfrau!" und dann ganz schnell zwischen meinen Beinen verstecken. Und ich muss zugeben, die Dame hatte nicht nur eine tiefe Stimme, sondern auch einen gewissen Bartflaum auf den Wangen. Ein Glueck, dass hier keiner Deutsch spricht.

Freitag, Juli 22, 2011

Die Welt war dann doch nicht untergegangen...

Echt? Ist das der letzte Blog-Post fuer Wochen? Eva schreibt vom Weltuntergang und dann verschwindet sie? Schrecklich. Vor allem weil ja die Welt noch da ist und Eva in ihr. In der Zwischenzeit sind wir (Sarah und ich, die Mutter im Gepaeck) durch Europa gesprintet, waren in Deutschland, Italien und den Niederlanden, haben alle Schwestern besucht und mit dem kleinen Neffen gespielt und sind nun wieder in den USA. Unsere Nanny hat Urlaub, also haben Sarah und ich eineinhalb Wochen ganz viel Zeit miteinander. Was soll ich sagen: Es ist wunderbar und ich liebe Mittagsschlaefchen.

Samstag, Mai 21, 2011

Wenn dann alles vorbei ist...

Ein Radioprediger hier hat ausgerechnet, dass die Welt morgen untergehen wird. Dann werden die wahren Glaeubigen zum Himmel fahren und fuer die anderen kommen Monate des Armageddon, apokalyptische Reiter usw. Eine Atheistische Gruppe hat diese Vision in eine Geschaeftsidee umgewandelt: Da sie offensichtlich noch ein paar Monate auf der Erde verweilen werden, nachdem die Rechtglaeubigen sich schon gen Himmel aufgemacht haben, bieten sie an, sich um die zurueckbleibenden Haustiere zu kuemmern. Fuer eine ueberschaubare Summe (zu zahlen vor dem 21. Mai)kann der Apokalyptiker sicher sein, dass sein Fiffi oder seine Mauzi auch waehrend des Weltendes gut gefuettert und gassi gefuehrt wird.

Und das krasseste ist, dass ich mir das nicht ausgedacht hab.

Freitag, Mai 20, 2011

Auf Worte Taten folgen lassen

So hat sich Sarah das wohl gedacht: "Auf Mamas und Papas Worte lasse ich mal Taten folgen." Wir reden schon seit Wochen davon, das Gitter von Sarahs Bettchen zu entfernen, weil sie bald gross genug ist, rauszuklettern und weil ihr Kopf schwerer ist, als ihre Fuesse, dann vermutlich kopfueber auf dem Teppich landet.

Vor ein paar Tagen war sie wirklich nicht damit einverstanden, ihren Mittagsschlaf zu halten. Erst hoerte ich lautes Geschrei. Dann "BUMP" und sofort danach "taptaptap" kleine Fuesse, die zur Tuer laufen. Also, entweder ist sie nicht auf den Kopf gefallen, oder sie war so wuetend, dass ihr das auch nichts ausmachte.

Aber das ist ja nicht der einzige Bereich, in dem Sarahs Eltern leere Versprechungen machen und ihnen mal auf die Spruenge geholfen werden muss. Schon am Anfang des Jahres haben wir ein schoenes froschfoermiges Toepfchen gekauft und reden schon so lange davon, dass Sarah bald lernen wird, wie ein grosses Maedchen Pipi und A-A zu machen. Nun, da nichts dergleichen geschah, hat Sarah die Sache selbst in die Hand genommen. Also, die Sache, die sie, statt einen Mittagsschlaf zu halten, aus ihrer Windel ausgegraben hat. In beide Haende, ins Gesicht, in die Haare, aufs Bett und die Stueckchen, die sich zum Werfen eignen hat sie dann noch so weit es ging im Zimmer rumgeworfen.Als ich sie aufwecken wollte, stand sie stinkvergnuegt in ihrem Bettchen, einen Finger im Mund (lecker!) und wusste gar nicht, warum wir uns so aufregen...

Freitag, April 22, 2011

Entspannung pur

Es regent in Stroemen. Ich sitze im Auto vor meiner Haustuer. Sarah ist nach einem wilden Spieltag ohne Nickerchen endlich eingeschlafen. Ich koennte sie ins Haus tragen und dabei sicher aufwecken. Oder nicht. Entscheide mich erstmal fuer " Oder nicht". Entspannung pur.

Freitag, April 15, 2011

Persoenlichkeitchen

Vor ein paar Tagen hab ich mit meinem Mann darueber geredet, wie Sarah inzwischen eine richtige kleine Person geworden ist. Dann fragte ich sie: "Sarah, bist Du jetzt eine kleine Person?" "Nein" "Bist Du jetzt eine grosse Person?" "Nein!" "Was bist Du dann?" "Sarah Person."

Donnerstag, April 07, 2011

Noch ein Vorteil der zuckerarmen Ernaehrung

Sarah muss jetzt abends immer Heuschnupfenmedizin nehmen. Nein. Anders: Sarah darf jetzt abends endlich mal Heuschnupfenmedizin nehmen. Sie denkt das ist der tollste suesseste Nachtisch. Ich frage sie: "Bist Du denn auch schon zwei Jahre alt? Das hier darf man erst kriegen, wenn man schon zwei ist." Sie schaut mich ganz ernst und erwartungsvoll an: "Ja. Sarah twei." Und dann schluerft sie voller Begeisterung einen halben Loeffel fies suesser Medizin und heult, dass ich ihr nicht mehr gebe. Ich vertroeste sie auf morgen.

Montag, April 04, 2011

Mehr Hymne, please!

Sarahs neustes Lieblingsspiel: Amerikanische Freunde haben uns eine kleine deutsche Fahne geschenkt. Nun steht Sarah gerne auf der Treppe und schwenkt die Fahne, waehrend ich ihr die deutsche Nationalhymne vorsinge. Wenn ich fertig bin, huepft sie auf und ab und ruft: "Mehr Hymne! Mehr Hymne! PLEASE!"

Donnerstag, März 17, 2011

Ja wo simma denn hier, ja wo sind wir denn hier?

Gestern hab ich mit Bekannten zu Mittag gegessen, irgendwie driftete die Unterhaltung in Richtung Schulen, und ich fuehlte mich ploetzlich ganz Auslaender. Es ging um die ganzen Schwierigkeiten, den Aufwand und die Zeit, die darein fliessen, den besten Kindergartenplatz zu kriegen, damit die Kinder danach in die beste Grundschule kommen. Als eine Frau von der Freundin erzaehlte, die ihr Haus in einem bestimmten Stadtviertel gekauft hat, in der Hoffnung, dass ihre dreijaehrige Tochter dann in dem Kindergarten in diesem Viertel bessere Chancen hat, drehte sich nun die ganze Debatte darum, ob das nun tatsaechlich ihre Chancen erhoeht, oder ob dieser Kindergarten sich ganz auf das Lotterieverfahren verlaesst.

Waehrend ich da sass und dachte, wir sollten lieber darueber reden, ob wir nicht ein bisschen durchgeknallt sind...

Ich bin noch unentschlossen, ob ich nun denken soll, dass diese ueberehrgeizigen Eltern nen Schaden haben, wenn sie denken der richtige Kindergarten entscheidet, ob ihr Kind im Leben erfolgreich ist. Oder ob ich eher fuerchten muss, dass das System kaputt ist und die Kindergaerten und Grundschulen, die nicht in die engere Wahl meiner Freunde kommen, so grauenhaft schlecht sind, dass ich in einem Jahr ploetzlich auch bereit bin, nach Posemuckel zu ziehn, wenn der Kindergarten da gut ist.

In so Momenten muss ich mich dann immer zurueckhalten, nicht ganz grundsaetzlich zu werden und europaeische Glaubenssaetze zu predigen, wie z.B. Steuern sind gut (obwohl sie keiner zahlen will), weil sie dem Staat ermoeglichen, so Institutionen wie Kindergaerten und Grundschulen fuer alle gleichermassen zu finanzieren. Oder: Wenn jeder eine Waffe haben darf, ist es kein Wunder, wenn die Jungs sie mit zur Schule nehmen.

Montag, März 14, 2011

Der gerettete Igel rettet uns

Ist das nicht komisch, wenn mir jemand eine Geschichte zweimal erzaehlt, rolle ich (innerlich) die Augen und denke: "Das schon wieder!" Als Kind dagegen hatte ich Geschichten, die wollte ich immer wieder hoeren, und die mussten immer wieder genau gleich erzaehlt werden. Ich kriegte einfach nie genug von der Geschichte, wie mein Papa sich mit seinem Taschenmesser aus dem Sack von Knecht Ruprecht befreite (ehrlich gesagt, ich wuerde sie auch jetzt gerne nochmal hoeren, aber das ist eine andere Geschichte...) oder wie meine Mama einen Klassenkameraden am Stuhl festgeklebt hat.

Sarah faengt langsam an, eine Vorliebe fuer bestimmte Geschichten zu entwickeln und ihre momentane Lieblingsgeschichte ist "Wie Mama den Igel rettete". Das ist eine sehr kurze Geschichte, in der nicht viel mehr vorkommt, als dass ich dicke Handschuhe anziehe und einen Igel aus dem Garten einer Freundin meiner Mutter in den Park trage. Aber wenn es Sarah nicht gut geht, zum Beispiel letzte Nacht, als sie ohne offensichtlichen Grund schreiend aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte, da nehm ich sie auf den Schoss, zeige auf den Igel auf ihrer Bettdecke, frage sie: "Soll ich Dir nochmal erzaehlen, wie ich den Igel aus Lollos Garten gerettet hab." Und sie sagt mit einer kleinen vertrauensvollen Stimme "Ja." und dann ist fuer ein paar Minuten alles gut, und das Einzige was zaehlt, ist wie man einen Igel hochhebt, ohne gestochen zu werden und wie schnell sein kleines Herzchen schlaegt.

Mittwoch, Februar 23, 2011

Nehmt Euch in Acht Pickelboys, jetzt kommen die Rentner!

In Tante Ruths Altenwohnheim gibt's jetzt ein Wii (so ein bewegungsintensives Computerspiel, bei dem man wie wild in die Luft boxt etc. damit der Computercharakter den anderen k.o. haut). Die Rentner haben jetzt regelmaessige Kegelwettbewerbe und koennen so manchen Gruenschnabel das Fuerchten lehren. Letztes Wochenende konnte ich Tante Ruth dabei beobachten, wie sie ihren 40jaehrigen Neffen (meinen Mann) und ihre 9jaehrige Nichte immer wieder in Grund und Boden kegelte. Und das von einer Frau, die am Stock geht und eine ganze Minute braucht, um sich unter angestrengtem Keuchen in's Auto zu hieven. Ich bin mir aber nicht sicher, was bei ihr den groessten Fitness Effekt hat: Die Fernbedienung wie eine Kegelkugel in der Luft rumschwingen oder die Siegestaenze, die sie danach auffuehrt, waehrend sie singt: "I've got that mojo coming!"

Samstag, Februar 12, 2011

Ich liebe Skype

Sitze in Florida in meinem Hotelzimmerbett und singe "Wer hat die Kokosnuss geklaut", waehrend Sarah auf den Fuessen ihres Vaters steht und beide zusammen durch die Kueche tanzen.

Dienstag, Februar 08, 2011

Alleinreisen

Wann hab ich das letzte Mal am Flughafen zwei (!) Romane gekauft, nur weil ich weiss, dass ich beide Haende frei haben werde?

Sind 17 Grad zu kalt zum Baden?

Dann muss ich vielleicht bis uebermorgen warten, wenn es 23 Grad warm ist? Ach nee, ich fliege ja morgen fuer eine Konferenz nach Florida und nicht zum Spass. Ich kann halt nix dafuer, dass das Ganze in einem Hotel am Strand stattfindet. Und den Organisatoren ist das sicher auch nur aus Versehen passiert, naechstes Jahr machen sie das bestimmt in Wanne-Eickel im November...

Montag, Februar 07, 2011

Naechstes Jahr will ich mehr Steuern zahlen!

Ich komme grade von meinem Steuerberater, letztes Jahr ist das erste, in dem ich als Selbstaendige so richtig Steuern zahlen muss. Das ist kein Spass. Mein Steuerberater ist gross und stark und sieht ein bisschen einschuechternd aus. Deshalb hab ich ihn gefragt, ob er vielleicht mitkommen will, eine Bank ueberfallen. Leider hat er abgelehnt und allein seh ich einfach nicht furchteinfloessend genug aus. Nach dem Termin bin ich erstmal essen gegangen. Denn, wie eine Freundin meiner Mutter so schoen sagte: "Essen gehn ist toll, da fuehlt man sich immer so reich..." (zumindest bevor man zahlt)

Aber trotz allem, und obwohl ich noch nicht recht weiss, wo ich das Geld fuer die Steuern zusammenkratzen kann, mein Ziel fuer dieses Jahr ist: Mehr Steuern zahlen. Denn schliesslich bedeutet das: Mehr Geld verdienen.

Freitag, Februar 04, 2011

"Mama, ausziehn, Pupu."

Sagte Sarah heute morgen zu mir, als wir gemuetlich im Bett rumrollten. Sie hatte ein Stueck Toilettenpapier in der Hand und war fest davon ueberzeugt, dass sie mir nun die Windel wechseln wuerde. Ich musste sie enttaeuschen und auf spaeter vertroesten. Ob sie wohl, wenn ich alt und inkontinent bin, noch die gleiche Begeisterung dafuer aufbringt?

Mittwoch, Januar 19, 2011

Mein Mann kriegt das coolste Geburtstagsgeschenk!

Das muss doch mal gesagt werden. Denn das war gar nicht einfach. Er (mein Mann) ist der musikalischste Mensch, den ich kenne, hat aber kaum musikalische Vorbildung. Und was er immer mal machen wollte (aber nie die Zeit hatte), war einen Music Appreciation Kurs besuchen, also einen Kurs, in dem man Musik verstehen lernt, nicht spielen. Und am liebsten nicht klassische Musik, sondern Jazz. Als ich mich nach solchen Kursen in Washington umsah, musste ich herausfinden, dass sie sich hauptsaechlich auf klassische Musik spezialisieren, ueber Wochen hinziehn und groesstenteils nur an der Uni fuer eingeschriebene Studenten angeboten werden. Mist. Und persoenlich kenn ich keine Musiker oder Musiklehrer...

Also hab ich meinen Buerokollegen eine Email geschrieben: "Wer kann meinem Mann den Jazz erklaeren?" Und jetzt geht er diesen Samstag fuer vier Stunden zu einem erfahrenen Jazzmusiker, der ihm ganz speziell auf seine Wuensche zugeschnitten seine Lieblingsmusik vorspielen, erklaeren, auseinanderklamuesern wird. Er ist begeistert, ich bin begeistert und der Musiker freut sich ueber Extraeinkommen.

Mittwoch, Januar 12, 2011

Wir reden ueber jeden Scheiss!

Ausfuehrlich!
Das Wetter eignet sich nicht fuer lange Spaziergaenge, also hat unsere Nanny beschlossen, es ist Zeit fuer Potty Training (Sauberkeitserziehung, oder wie das auf Deutsch heisst). Also reden wir die ganze Zeit davon, wie alle immer A-A machen, setzen die Maus auf's Toepfchen und putzen ihr den Po ab, als naechstes ist der Affe dran und sogar Ernie, der eine Fingerpuppe ist und keinen Po hat und so klein ist, dass das Toepfchen fuer ihn ein Schwimmbecken ist, wird nicht verschohnt. Die harte Arbeit (also Sarah auf's Toepfchen kriegen) ueberlassen wir der Expertin (Nanny). So ein Luxus. Ach ja, und falls Sarah Dich kennt, kannst Du sicher sein, dass wir im Moment viel ueber Dich reden. In Saetzen die alle mit "... macht A-A." enden. Denn jeder, wirklich jeder macht A-A.

Dienstag, Januar 11, 2011

Jeder ist Boss - Keiner ist Boss

Ich liebe mein Buero, das ich mit ganz vielen anderen Verrueckten teile. Und weil wir hier alle unsere eigenen Bosse sind, koennen wir machen, was wir wollen. Als ich grade zur Mittagspause ging, hatte ich so einen Sekundeneindruck: Einer meiner Kollegen machte es sich auf einer Couch zum Mittagsschlaf gemuetlich, waehrend ein anderer neben seinem Tisch Liegestuetze machte.

Montag, Januar 10, 2011

Nicht allein nach Hause gehn

Eben haben Sarah und ich uns mit zwei (erwachsenen) Bekannten im Cafe getroffen. Sarah hat mir den Gefallen getan, die meiste Zeit zu schlafen und nur kurz vor dem Abschied aufzuwachen. Das war eine seltsame Mischung von Arbeit (die zwei sind Kolleginnen) und Familie.

Nach ganz viel Winken und Bye Bye sagen, sind Sarah und ich dann Hand in Hand zum Auto gegangen und haben den Tannenbaeumen zum Millionsten Mal ein Staendchen gebracht (Oh Tannenbaum ist unser Lied des Jahres). Und ploetzlich war ich so unglaublich gluecklich, dass ich diejenige war, die mit diesem Kind an der Hand durch die kalte Nacht gehn und schief singen darf.

Sonntag, Januar 09, 2011

Rattenkalt

Ich dachte, die Ohrenklappen an meiner neuen Russenmuetze seien nur modische Dekoration. Auf dem Weg vom Supermarkt fuehl ich mich wie eine russische Babuschka, dick eingepackt, Ohrenklappen unterm Kinn zusammengebunden, tuetenweise Lebensmittel nach Hause zerrend. Der rattenkalte Wind, der direkt aus dem wilden Westen hier her weht, zeigt sich wenig beeindruckt und weht mir dennoch direkt durch die Knochen.

Sonntag, Dezember 19, 2010

Elterliche Zauberpflicht

Natürlich ist es unmöglich, durch ein Schlüsselloch um die Ecke zu gucken. Trotzdem hingen meine grosse Schwester und ich immer wie festgeklebt an der Wohnzimmertür meiner Grosseltern, wenn wir wussten, dass da drinnen das Christkind die Krippe und den Weihnachtsbaum aufbaut. Wir konnten es ja genau hören. Vielleicht, wenn wir unsere Augen nur genug anstrengten, würden wir es doch einmal erwischen. Die Wohnung roch nach leicht angebrannten Minikinderkeksen (mit dem Apfelentkerner ausgestochen) und ausgepusteten Streichhölzern, und es war die tollste Zeit des Jahres.

Das hatte ich alles vergessen. Sogar, was für eine wunderbare Weihnachtsoma sie war. Da haben sich so viele Jahre drübergelegt, in denen ich nicht mehr an's um die Ecke gucken und das Christkind geglaubt hab und aus der Weihnachtsoma eine vermiedene Verpflichtung und schliesslich Vergangenheit wurde.

Als wir mit Sarah den Weihnachtsbaum des Präsidenten bestaunen gingen und wir alle mit strahlenden Augen "Oh! Tannebau!" und "Licht! Licht!" riefen, hab ich mich plötzlich wieder an den Adventskalender erinnert, der ein Papphaus war, das von innen von einer Kerze erleuchtet wurde und den Geruch des Ledersofas, auf dem wir sassen und den lieben Advent ansagten. Und plötzlich wurde mir klar, dass dieser ganze Kinderweihnachtszauber, die wunderbaren Erinnerungen, etwas sind, was nicht automatisch entsteht, sondern das von liebenden Erwachsenen gebastelt und gezaubert wird. Und dass Weihnachtszauber machen nun eine meiner elterlichen Pflichten ist. Pflicht ist vielleicht das falsche Wort, denn es ist so viel angenehmer als Windeln wechseln oder Teenager von der Party abholen.

Heute haben wir mit Oma das neue Weihnachtsliederbuch dreimal von vorne bis hinten durchgesungen, Papiersterne ausgeschnitten (Sarah's Aufgabe war es, zu jedem Stern begeistert "Boooar!" zu sagen und ihn Oma zu bringen, die ihn ans Fenster klebte). Dann hab ich eine Schüssel Schnee vom Balkon geholt, damit sie uns Schneesuppe füttern konnte. Zum Einschlafen hab ich ihr zugeflüstert, dass vielleicht das Christkind heute Nacht kommt, wenn wir alle schlafen, um die Kugeln an unseren Weihnachtsbaum zu hängen. Nun muss ich mir noch den Goldstaub von den Fingern waschen und dann schlafen gehn, damit das Christkind hier freie Bahn hat.

Dienstag, Dezember 14, 2010

Hier spricht Ihr Kapitaen: Herzlich willkommen in Ihrem ganz persoenlichen Kotzorama!

Nein, das hat der Pilot nicht gesagt, bevor wir losflogen, sonst waere ich wohl vorgewarnt gewesen. Statt dessen hat Sarah einfach so, etwa eine Stunde nach Abflug (bei einem 7 1/2 Stunden Flug) den Mund aufgemacht, einmal gehustet und dann in hohem Bogen auf ihre Klamotten, meine Klamotten, in meine Schuhe, auf den Boden, auf die Decke und den Videobildschirm gekotzt. Und jedes Mal, wenn ich dachte: "Ok, jetzt ist vorbei, jetzt kann ich anfangen, was Anderes zu tun als hilflos ein kotzendes Kind zu halten, kam die naechste Welle".

Aber das Krasse ist: Wenn jemals jemand behaupten konnte, sowas sei eine wunderbare Erfahrung gewesen, dann ich. Also nicht, weil ich da eine besondere ganz persoenliche Vorliebe haette, die mir vorher nicht bekannt war. Sondern weil die Familie neben mir sofort aufgesprungen ist und geholfen hat. Der Ehemann sagte nur: Ich bin der aelteste von 9 Kindern und hab in meinem Leben schon viel Kotze gesehn und fing an mit Feuchttuechern den Boden, mein Hosenbein, meine Fuesse und Schuhe sauber zu machen. Die Stewardessen (ich liebe KLM) haben da gleich mitgemacht. Dann haben sie zwei Pakete Kaffeepulver ueber den Teppich gestreut und ne Decke drueber geworfen (Kaffee gegen den Gestank), mir geholfen, Muell und Dreckswaesche in verschiedene Plastiktueten zu sortieren und danach immer noch gelaechelt. Der hilfreichen Familie haben sie als Dankeschoen ne Flasche Wein geschenkt. Die hatten uebrigends dieweil mit ihrem eigenen fiebrigen Kind ihre Not... Im Landeanflug, als Sarah voller Erschoepfung auf mir eingeschlafen war, kniete sich eine Stewardess vor mir auf die Kotzdecke und meinte: "Kommen Sie, ich zieh Ihnen schnell die Schuhe an, dann muessen Sie das Kind nicht aufwecken." Ach ja, noch bevor das alles passierte, hatten sie ein vegetarisches Essen von der Personalverpflegung fuer mich geopfert, weil meine vegetarische Bestellung bei der Buchung verschuett gegangen war. Und boten dann an, es fuer mich warm zu halten, bis ich bereit war, es zu essen.

Also, ich kann nur sagen, wenn Eure Kinder mal kotzen wollen und nicht wissen, wohin: Fliegt KLM. Es lohnt sich...

Donnerstag, Dezember 09, 2010

Ueber’n Rhein (in Cincinnati)


(eine kleine Notiz von meinem ein-Tages Trip letzte Woche)

Hinter dem Kanal (den sie vor Jahren zugeschuettet und zur Strasse gemacht haben) liegt die Gegend, die “Ueber’n Rhein” heist. Weil die Deutschen Siedler dachten, dass e shier genauso aussieht wie uebern Rhein. Huegel und alte Haeuser, ein bisschen Wald, ein Kloster und ganz unspektakulaer, noch mehr Huegel und alte Haeuser. Das alles sieht man wunderbar vom Dach des Gebaeudes, in dem ich heute arbeite. Und dass ich danach Sehnsucht hab, merke ich erst, als ich ploetzlich Traenen in den Augen hab, beim Anblick von Ueber’n Rhein in Amerika.

Internetbanking zu Fuss

Ich bin absolut ueberzeugt, dass die Mondlandung in einem Studio in Hollywood gefilmt wurde. Ein Land, dass in den 60ern den Mond eroberte kann nicht so sehr hinter ihm (also dem Mond) leben, oder? Also, ich hab jetzt internet banking. Und das geht so: Wenn ich eine Ueberweisung online taetigen will, gebe ich den Namen und die Adresse (nicht die Bankverbindung) des Empfaengers ein. Dann fuellt in meiner Bank jemand einen Papiercheck aus, steckt den in einen Briefumschlag, leckt eine Briefmarke an und bringt ihn zur Bank. Dann laeuft der Brieftraeger durch die Kaelte und wirft den Check in den Briefkasten meines Glaeubigers, der schoen aussen am Haus angebracht ist, so dass jeder reingreifen und sich bedienen kann. Die Bank warnt: Wir empfehlen, dass Sie Ihre Ueberweisung 7-10 Tage vor dem Faelligkeitstag ausfuehren. Ach... schoene neue online Welt.

Freitag, Dezember 03, 2010

Shine'em up!

Das sieht so sklavenhaltermaessig aus, oder wie aus einem Dickens Roman. Und ich ware mir sicher, dass ich niemals dazu gehoeren wuerde, zu den fetten weissen Businessleuten, die sich am Bahnhof oder Flughafen fuer ein paar Dollar von einem Schwarzen die Schuhe putzen lassen und dabei gemuetlich die Financial Times lesen. "Shine'em up!" rufen sie, also "Blankpoliert!". Aber ach, keine Schuhcreme im Haus, am Flughafen wird keine verkauft, die Stiefel haben noch Schneeraender vom letzen Jahr, so kann ich nicht bei meinem Termin aufkreuzen, "Shine'em up!" Und nachdem ich mich windend versucht hab, die Frage zu beantworten:"Was machen Sie denn beruflich, Ma'am?", konnte ich ploetzlich sogar die Financial Times verstehn, hinter der sich die Geschaeftsmaenner verstecken.

Montag, November 29, 2010

Endlich nochmal reisen

Ok, es ist nur fuer einen Tag (heute morgen hinfliegen, heute abend zurueck) aber ich war noch nie in Cincinnati und ich habe heute morgen ein paar Stunden frei, bevor ich anfange zu arbeiten. Ich bin gespannt und hoffe auf Sonnenschein.

Samstag, November 27, 2010

Wilde Freiheit

Sarah ist ueber Nacht bei den Grosseltern und was wir am meisten geniessen, ist nicht das Ausgehen am Abend, sondern morgens schlafen wie Teenagers...

Montag, November 08, 2010

Bettel-Baby...

Oder: Der tollste Feiertag des Jahres (fuer Zuckerschnuten).

Die Mutter ist ja hier zum Englischkurs. Folgendes haben wir ihr ganz schnell beigebracht: "Trick or treat?" ("Suesses oder Saures!"). Warum das eine nuetzliche kleine Frage ist? Das geht so: Man verkleidet ein Kind (wenn man ein solches besitzt) und laeuft dann in der Nachbarschaft mit den anderen verkleideten Horden von Haus zu Haus, haelt den Bewohnern besagtes Kind vor die Nase und ruft "Trick or Treat?". Da keiner Saures will, schuetten die einem dann Snickers und Kitkat in's Eimerchen, waehrend man schon mit einem Auge Ausschau nach dem naechsten vielversprechenden Opfer haelt. Sarah hat sich ganz gut gemacht, verkleidet als Elfe in einem superkitschigen Kostuem, das sie sich selbst ausgesucht hatte. Sie weiss schon, wie man in eine Schuessel greift und mehr als ein Bonbon grabscht. Und nur die ganz fiesen Geister mit Masken haben ihr Angst gemacht.

Wenn da nur nicht der Vater und die Oma waeren, die einem immer was aus dem Eimerchen klauen (das muss doch mal festgehalten werden!!!). Aus lauter Sorge um ihre Schaetze, haette sie Eimer und Schnuetz am liebsten mit ins Bett genommen. Und ach, sie weiss ja nicht, dass die wirklich boese die Mama ist, die nach dem Einschlafen das Zuckerzeug gegen Spielzeug austauscht. Und seufzt, denn eins ist klar: Naechste Jahr werden wir nicht so leicht davon kommen...

Donnerstag, Oktober 28, 2010

Mo ko Atta!

Jeden abend sagen wir treu den Bildern von Atta, Gaga, O-O, Fi und den anderen Familienmitgliedern gute Nacht. Wie, Ihr wusstet nicht, dass wir mit den Teletubbies verwandt sind? Ich auch nicht, bevor mir Sarah beigebracht hat, wie ihre Grossmuetter (Atta und Gaga), ihr Grossvater (O-O) und ihr Cousin (Fi) heissen. Man lernt halt nie aus. Und wir sind ganz begeistert: Mo ko Atta! Man koennte auch sagen: Morgen kommt Oma...

Dienstag, Oktober 19, 2010

Zumba!

Ich hasse Sport, bei dem man ausser Atem kommt. Laufen zum Beispiel. Schrecklich, so viel Anstrengung und ich komme doch nicht von der Stelle. Es sei denn... ja, es sei denn, jemand macht Musik an. Nach etwa einem Jahr Vorbereitung (ich kann sehr sehr langsame Entscheidungsprozesse haben...) bin ich gestern endlich zum ersten Mal zur Zumba Klasse gegangen, und schon nach dem ersten Song war ich so erschoepft, dass ich nicht wusste, wie ich bis zum Ende der Stunde ueberleben sollte. Aber eigenartigerweise erfuellte mich diese Todesahnung mit Freude und nicht mit Verzweiflung. Was ist Zumba? Rumhuepfen und die Hueften hin und her schmeissen zu Latino Musik, waehrend ein unglaublich gutgelaunter Vorturner "Yeah!" bruellt, in die Haende klatscht und einen dazu anhaelt "Fun" zu haben. Und den hat man dann auch.

Donnerstag, Oktober 07, 2010

Erwachsen werden. Schnell.

Gestern morgen kam ploetzlich Musik aus Sarah's Zimmer. Als wir nachguckten, hatte sie den CD Player angestellt und sich dann wie Graf Rotz breitbeinig auf den grossen Sessel gesetzt und genoss die Musik. Gestern abend haben wir zum ersten Mal gemeinsam gekocht: Sie hat den Salat ganz ganz klein gerissen (und nur ein einziges Stueckchen in den Mund getan und entsetzt ausgespuckt - mein Kind isst gerne Dreck und Kippen, aber bei Salat ist dann doch Schluss), die Salatsauce geruehrt und das zu roestende Gemuese im Olivenoel rumgewaelzt. Heute morgen hat sie dann zum ersten Mal eine Tuer alleine aufgemacht. Naechste Woche zieht sie vermutlich in eine Studenten-WG und ist genervt, dass ich wie ne Klette an ihr haenge und immer noch ihre Waesche machen will.

Montag, Oktober 04, 2010

Da bin ich doch gerne ein bisschen glaesern

Meine Bank ruft an. Ob ich tatsaechlich im Prollsupermarkt in Virginia Beach 413 $ ausgegeben haette. Das mach ich doch sonst nicht.

Danke fuer den Anruf. Und dass Sie immer genau wissen, wo ich grade wieviel fuer was ausgebe und was ich doch sonst nicht mache. Denn so haben wir schnell rausfinden koennen, dass meine Kartendaten von boesen Jungs geklaut worden sind, die sich nen schoenen Tag am Strand machen wollten. Schon vor ihrem Anruf hatten sie die Karte vorsorglich gesperrt, um erstmal rauszufinden, ob ich nen Sonnenstich hab oder was los ist.
Natuerlich finde ich das normalerweise gruslig, zu denken, dass meine Bank weiss, wieviel ich im Monat fuer Kaese ausgebe. Aber ab und zu, wenn sie Diebe daran erkennen, dass die Scheibletten kaufen, dann denk ich nur: Weiter so!

Sonntag, September 26, 2010

Wo jetzt?

Man koennte meinen, wir waeren immer noch in Rom. Schliesslich ist das das letzte, was von uns im Blog steht. Dabei sind wir laengst zurueck in Deutschland. Mein Computer hat inzwischen den Geist aufgegeben, wir sind aber alle noch putzmunter. Morgen frueh geht's zurueck nach Amerika.

Eben, als ich sie in's Bett gebracht hab, hab ich versucht, das Sarah zu erklaeren: Morgen fahren wir von Adda (also Oma) weg zum Flughafen, dann fliegen wir eine ganze Nacht und wenn wir ankommen, ist da Papa und wird uns ganz lange umarmen und kuessen. "Adda" sagt Sarah und "Papa". Dann will sie noch ein Schlaflied fuer Baby Flint singen. Und ich weiss, nach zwei Monaten, in denen ich ihr jeden Tag erklaeren musste, dass Papa bei der Arbeit ist, werden wir ab morgen immer folgendes Gespraech haben:
Sie: "Adda."
Ich: "Ist bei der Arbeit. Kommt uns aber bald besuchen."

Freitag, September 10, 2010

Rom, Rom, es geht nach Rom!

Wie kann man da nicht wie ein Angeber klingen: Heute fliegen wir nach Rom, wo ich beruflich zu tun habe. Baby und Mutter (als Babysitter) nehm ich einfach mit. Und weil die Organisation, mit der ich ne Woche arbeiten werde, in einem kleinen Ort am Meer (vor den Toren Roms) ist, werden wir nicht in Rom selbst, sondern in Fregene wohnen, dann koennen mein Baby und sein Sitter schoen die Zehen im Sand vergraben und den Spaetsommer geniessen, waehrend ich die Kohle ranschaffe. Die Auftraggeber haben es in diesem Fall so richtig spannend gemacht: Im August ist in Rom ja jeder in Urlaub, deshalb konnten sie erst letzte Woche zusagen und so haben wir bis gestern nach einer passenden Unterkunft gesucht. Jetzt gehts in die Ferienwohnung einer Schwedin, die hoffentlich gestern den erfolgreichen Besuch eines Klemptners hatte, der ihr (also unser) Klo reparieren sollte. Das war der einzige Grund, warum ihre Wohnung ueberhaupt noch frei war, denn Fregene ist fuer Roemer ein beliebtes Sommerziel und die Wohnungen sind auf lange Sicht ausgebucht...

Donnerstag, September 02, 2010

Mein Cousin der fiese Fisch (eine Zigarettenkippe?)

Bevor wir hier in der Schweiz ankamen, war Sarah mehr als begeistert von Babies. In ihrer Wertschaetzung rangierten sie irgendwo zwischen Wauwau und Miau und wurden immer mit begeistertem "Babybaby" Geschrei begruesst, auch wenn es sich um Kinder handelte, die doppelt so alt waren wie sie.

Ich denke, dass ihre Sicht nun durch Erfahrung mit ihrem 7 Wochen alten Cousin etwas differenzierter geworden ist. Gar nicht mal einfach, wenn man eineinhalb Jahre ist und rausfinden muss, was es heisst, gemischte Gefuehle zu haben. Wenn er schreit, sagt sie eindringlich und immer weiter "MamaBabyMamaBaby!" nur fuer den Fall wir haetten's nicht gehoert. Oder schreit gleich selber mit. Sie kuesst ihm die Fuesse zur guten Nacht und grinst - und sobald wir in unserem Schlafzimmer sind, kuesst sie sich erstmal ausfuehrlich ihre eigenen Fuesse. Wir hatten aber auch schon einen Abend, wo sie immer entnervt abgewinkt und nein gebruellt hat, sobald meine Schwester schon wieder mit diesem bloeden Baby um die Ecke kam. Ach ja, und natuerlich wird mit Leidenschaft aus der Babyflasche getrunken und ab und an faengt sie wieder an zu krabbeln. Vielleicht mit der Hoffnung, dann auch so viel Babyaufmerksamkeit zu kriegen?

Da Sarah ja noch nicht so viele Woerter kann, muss sie immer eins fuer mehr als eine Sache benutzen und so steht "Fi" fuer Baby Flint, Fisch und fies. Fies ist uebrigends der Name von Zigarettenkippen auf dem Spielplatz. Die muessen alle aufgehoben und der Mutter gezeigt werden, wobei man dann "Fi! Fi!" ruft.

Montag, August 23, 2010

Aber Sarah geht es gut...

So hab ich angefangen, als ich meinem Mann davon erzaehlte. Schliesslich ist das nicht der Sonntagabendkrimi, und man kann auf Spannung ganz gut verzichten, wenn dem eigenen Kind so weit weg was passiert. Das Schreckliche an Unfaellen ist ja, dass sie unvorbereitet und ohne Grund von jetzt auf gleich das Normale beenden und man ploetzlich Schmerzen und Verletzungen hat. In diesem Fall sind sich Unfall und Umfallen ganz aehnlich: Sarah an Hand, wollte nicht mehr an Hand sein, aber Mutter hielt fest. Kind wirft sich auf Boden, "Knack!" im Arm, Kind schreit. Aus Wut oder Schmerz?

Das war zuerst nicht ganz klar, denn als ich sie trug hoerte sie auf zu schreien, auch auf unserer Rueckfahrt von Bonn, war sie auf einmal wieder ganz still und froehlich. Bis auf die kleine Tatsache, dass sie den linken Arm halt nicht mehr bewegte und nun nur noch einhaendig spielte. "Wann geht man denn mit nem Kind ins Krankenhaus?" Nun, Ermessenssache. aber lieber zu oft als zu spaet, und wenn ein Arm sich nur unter Geschrei bewegen laesst, ist das vermutlich ein guter Zeitpunkt.

Unser erster Arzt sah aus wie ein kleiner Junge (oh, ich werde alt...) und hatte Angst, dem Baby weh zu tun. Das waere fuer mich eine grossartige Lernmoeglichkeit gewesen, denn er wollte mir beibringen, wie ich den Arm meines Babys einrenken kann, weil er sich selbst nicht traute... Drehen Sie den Arm des vor Schmerzen schreienden Babys einmal um sich selbst und dann ganz stark ziehen. Hm, das wuerde ich lieber nicht selbst machen. Deshalb bin ich ja ins Krankenhaus gekommen...

Also hat er uns erstmal zum Roentgen geschickt und die Zwischenzeit dazu genutzt, sich auf 'ner Station zu verstecken. Dafuer bin ich ihm dankbar, denn an seiner Stelle sass nun eine Aerztin, die aussah, als wenn sie in ihrer Freizeit viel reitet und einen vertrauenserweckend robusten Eindruck machte, ohne uebermaessig viel zu laecheln. Man stellt sich das so vielleicht nicht vor, aber um Babys zu behandeln, die tatsaechlich ein Problem haben (nicht der Routine Besuch beim Kinderarzt), ist es gar nicht von Vorteil, wenn man Babys suess findet und gerne Heiteitei macht. Denn man muss ja die Seelenruhe haben, ihnen schmerzhafte Behandlungen zukommen zu lassen, ohne sich in der Ausfuehrung von ihrem Geschrei auch nur im Geringsten ablenken zu lassen. Also hat unsere Heldin Sarahs Hand umgedreht, am Arm gezogen und "Knack!", wie ein Unfall rueckwaerts, von jetzt auf gleich war alles wieder gut.

"Jaja, in den naechsten Jahren wird ihnen das vermutlich noch oefter passieren, der Ellenbogen war so halb ausgerenkt, die Knochen sind da in den ersten vier (!) Lebensjahren so weich, dass das ganz leicht passiert, wenn Sie an deren Arm ziehen." Na das ist ja beruhigend. Aber, wie gesagt, Sarah geht es gut.

Mittwoch, August 18, 2010

Mein Bauch der Baum

Grade zeigte ich Sarah die Baeume hinterm Haus: "Baum. Baum. Baum." Sie guckte mich verwirrt an. "Bau?" Dann piekst sie mich in den Bauch. "Bau?" und guckt wieder die Baeume an. Ist ja auch verwirrend, die sehen ja ganz anders aus als mein Bauch, wie koennen die denn gleich heissen? "Bau? Bau?"

Sonntag, August 15, 2010

Ja, steht dadrauf etwa Leihwagen???

Nun ist unser Auto also in weniger als einem Jahr zweimal geklaut worden. Beim ersten Mal hat mein Mann dann gleich in der nächsten Woche Ersatz gekauft, irgendwie musste er ja zur Arbeit kommen und weg ist weg, wie man singt und lacht... Zwei Wochen später hämmerte nachts die Polizei an unsere Tür, um uns mitzuteilen, dass das Auto wieder aufgetaucht war (nein, ich weiss auch nicht, warum man dafür nachts an die Tür hämmern muss). Deshalb hatten wir also zwei Autos, die sich ziemlich ähnlich sahen, zwei heruntergekommene goldene Minivans. Als ebenjene Karre nun vor ein paar Tagen wieder gestohlen wurde, hatte mein Mann dazu gelernt (was sollen wir denn auch mit DREI heruntergekommenen goldenen Minivans?Und wie bescheuert würde das aussehn, wenn die Schwiegereltern zu Besuch kommen, denn was fahren die? Dreimal darfste raten...).

Und siehe da, zwei Tage später kommt der Anruf (Anruf! Kein Hämmern! Fortschritt!). Der Leihwagen (ausgeliehen ohne unsere Erlaubnis) ist zwei Strassen weiter wieder gefunden worden, und die Diebe waren sogar zu blöd, den Kindersitz abzukriegen. Letztes Mal hat das Schneechaos die Diebe davon abgehalten, sich weiter mit unserem Auto zu beschäftigen. Ob es ihnen diesmal zu heiss war? Also, die Diebe von heute sind auch nicht mehr, was sie mal waren... Als nächstes springen sie wahrscheinlich depressiv von 'ner Brücke, denn das Einzige, was sie erbeutet haben, war eine Kiste alter The Smith und The Cure Kassetten...

Affenliebe

Wenn ich mit Sarah auf dem Schoss ihren Vater in Washington anrufe, holt er alles moegliche Spielzeug dazu, worueber sich Sarah natuerlich sehr freut. Vor allem, wenn er den Stoffaffen ranholt. Dann bruellt sie voller Begeisterung und Sehnsucht: Mamaaaa!

Muss ich mir Sorgen machen?

Mittwoch, August 11, 2010

Reisemeise

Es gibt viele Muetter, die behaupten, dass 1 1/2 Jahre ein besonders bescheuertes Alter fuer lange Flugreisen sei. Ich hab da ja nicht viel Vergleich und schlimmer geht immer, aber es lohnt sich sicherlich, im Moment besonders lange Auslandaufenthalte einzuplanen, da hat man dann wenigstens was fuer sein Geld. Also sind wir gleich fuer 5 Wochen nach Europa gekommen. Und, ach ja, weil's so schoen ist, wollen wir dann auch gleich ein paar kuerzere Fluege einschieben, zum Beispiel in die Schweiz zum neuen Neffen und vielleicht noch irgendwo anders hin fuer Urlaub und Arbeit (hoere ich da irgendwen "Rom" fluestern? Ach, schoen waer's, da warten wir mal ab). Zunaechst bin ich also bis Mitte September in Dueren zu erreichen.

Freitag, Juli 30, 2010

Farbenpolitik

Das ist ein Wort, das sich auf Deutsch ganz bescheuert anhoert, politics of color hingegen ist ein ganz normaler Ausdruck hier. Die meisten Amerikaner, vor allem Weisse, ziehen die Schultern zusammen, atmen gepresster und senken die Stimme, wenn die Rede auf das Thema Hautfarbe kommt, und ich denke daran kann man mich dann immer als Auslaenderin erkennen, dass ich diese automatischen Koerperreflexe (noch?) nicht habe.

Heute hab ich Sarah ihre erste Puppe gekauft (komisch, alle schenken Stofftiere, davon haben wir zu viele, niemand schenkt Puppen) und war ganz erfreut, dass es in dem chaotischen Spielzeugladen um die Ecke eine Puppe gab, die genau Sarah's Gesichtsfarbe hat. Als ich mit der (weissen) Ladenbesitzerin darueber sprach, wie viel weniger schwarze Puppen, Kinderbuchcharaktere etc. es gibt, zog sie die Schultern zusammen, schaute sich um (niemand sonst im Laden) und senkte die Stimme - vermutlich, ohne es zu merken. Dann erzaehlte sie, dass es eine franzoesische Firma gibt, die richtig pechrabenschwarze Babypuppen macht, weil die Schwarzen in Frankreich (erste oder zweite Generation aus Afrika) viel dunkler sind, als die in Amerika. Sie wuerde die ja gerne anbieten, aber in Amerika verkaufen die sich einfach nicht, Puppen, die dunkler als Milchkaffeebraun sind, werden hier diskriminiert... oder gar als rassistische Karrikatur angesehn. Sie erinnern zu sehr an die Weissen mit schwarzgemalten Gesichtern, und knallroten Lippen, die Anfang des 20sten Jahrhunderts in "lustigen" Buehnenshows zu sehen waren.

Die Puppe habe ich uebrigends zum Ueben gekauft, denn bald wird Sarah ihren kleinen neugeborenen Neffen zum ersten Mal sehn, und davor muessen wir noch ganz oft "Ei, ei Baby" ueben, damit die Liebesbekundungen nicht gar so stuermisch werden.

Montag, Juli 19, 2010

Die Gefahren des Grossstadtdschungels...

Jaja, wenn man Washingtonern sagt, man wohnt im Suedosten der Stadt, zucken sie immer ein wenig zusammen und denken oho, der wilde Suedosten (weil sie nicht wissen, wie viel sich in den letzten 15 Jahren veraendert hat - ist ja viel zu wild um hier mal hinzukommen und nachzugucken... aber das ist eine andere Geschichte). Waehrend die meisten an die wilden zweibeinigen Bewohner des Grossstadtdschungels denken, musste meine Nanny heute mit einer wilden Katze kaempfen. Zum Glueck kann sie Felltiere nicht besonders leiden und nimmt Sarah immer auf den Arm, wenn sich Hund oder Katze naehern. Deshalb hat der Tiger nur ihren (und nicht Sarahs) Knoechel attackiert. Ich hab diese Katze dann spaeter auch gesehn und tatsaechlich, die schleicht sich fauchend von hinten an, zeigt ihre Zaehne und ist zu allem bereit...

Also haben wir den Morgen damit verbracht, von einem Arzt und Krankenhaus zum naechsten zu fahren, um endlich da anzukommen, wo man Tollwutimpfungen bekommt, da haben wir dann stundenlang das volle Wartezimmer mit Sarahs Gesangskuensten maltraetiert, waehrend Ingrid 8 Spritzen bekam. Am fruehen Nachmittag endlich wieder zu Hause hab ich die Katzenfaenger angerufen und hoffe, dass sie sich dem Problem annehmen. Hinter'm Haus gehn wir erstmal nicht mehr spazieren...

Freitag, Juli 16, 2010

Kleiner Liebling...

Entwicklungspsychologen wuerden das vermutlich fruehkindliche Abgrenzung nennen, ich finde das nur abwechselnd extrem anstrengend und lustig - manchmal beides gleichzeitig. Sarah hat jetzt den boesen Blick gelernt und mitten im Spielen guckt sie ploetzlich sehr boese und haut einen. Schmerzhaft. Oder schiebt den Unterkiefer vor und man weiss, die bereitet sich aufs Beissen vor. In dem Fall sorge ich immer dafuer, dass sie am Ende aus Versehen die eigene Hand im Mund hat und nicht meine. Da kann sie dann beissen, was sie will.

Nun dachte ich gestern, dass wir einen Durchbruch zum Thema Freundlichkeit hatten, weil sie mir so lieb und ausdauernd, ei-ei, den Arm gestreichelt hat. Bis mir dann auffiel, dass sie vor jedem "Ei" ihre Hand grossflaechig anleckte und dann die Spucke froehlich auf mir verschmierte. Das kleine Biest ist mir doch immer einen Schritt voraus...

Montag, Juli 05, 2010

Oeffentliche Kuehlschraenke

Diese Woche soll es bis ueber 38 Grad heiss werden. In Vorbereitung darauf hat die Stadt New York oeffentliche Kuehlraeume eingerichtet, in denen die Menschen ueberleben koennen, die keine Klimaanlage haben. Obdachlose und andere Uncoole.

Unser Haus ist zwar gekuehlt, aber Sarah wird irre, wenn sie den ganzen Tag niemanden sieht ausser ihre langweiligen Eltern. Also hat mein Mann sie heute morgen um halb acht zum Spielplatz gebracht, damit sie die Morgenkuehle (die eigentlich auch schon stickige Morgenwaerme ist, aber eben noch nicht Mittagshitze) nutzen kann. Und fuer tagsueber gibt es dann Museen, Einkaufszentren und andere oeffentliche Raeume, wo wir rumhaengen und alle Fremden gruessen koennen. Heute ist Montag (Museen zu) und Feiertag (Geschaefte zu oder nicht?), was unsere Optionen ungemein einschraenkt. Also verwuesten wir jetzt erstmal das Haus...

Donnerstag, Juli 01, 2010

Babies die bellen, beissen auch

Gestern sind Sarah und ich nach der Arbeit auf einen langen kurzen Spaziergang gegangen. Weil Sarah selbst gelaufen ist, war er lang: 1 Stunde und kurz: 50 Meter. In unserer Nachbarschaft, gleich gegenueber der Kirche, deren Treppe Sarah zehnmal raufklettern will, lebt ein Pitbull, der einen Grossteil des Tages im Vorgarten bellt. Also hat Sarah zurueckgebellt. Etwa genauso laut wie ihr neuer Hundefreund and voller Begeisterung, dass er lauter und lauter bellte, als sie lauter und lauter bellte. Ja, der Hund hat dabei die ganze Zeit mit dem Schwanz gewedelt, aber was heisst das schon bei einem Pitbull: "Ich mag Dich, Du siehst aus wie ein koestlicher Snack"

Naja, wenn ich's mir recht ueberlege, Sarah hat immer noch die unangenehme Angewohnheit, ihre Zuneigung durch ziemlich brutale Liebesbisse zu zeigen. Wahrscheinlich war ihr Gespraech mit dem Pitbull ein Erfahrungsaustausch unter Feinschmeckern.

Meine Freundin Noora fragt: "Haben alle Babies so einen ausgepraegten Charakter?"

Montag, Juni 28, 2010

Schwimmen, schlafen, Zaehne klappern, Mondscheintango im Hafen

Das alles und noch viel mehr kann man machen, wenn die amerikanischen Grosseltern ein Wochenende lang Haus und Kind hueten. Also sind mein Mann und ich zum ersten Mal seit wir Eltern sind allein zu zweit unterwegs gewesen, zur Hochzeit unserer Freunde, die die Freundlichkeit besassen diese am Meer zu feiern (zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen). Am schoensten an der Hochzeit war der Abend davor, wo wir in kleiner Runde im Hof der Familie sassen und sie Fische und Muscheln und Maiskolben auf den Grill warfen und keiner steif in Hemd und Krawatte gezwaengt war. Ach ja, und natuerlich im eisigen Meer schwimmen und dabei mit einer dicken fremden Frau plaudern, die gar nicht (wie ich) mit den Zaehnen klapperte.

Aber, egal wie schoen Hochzeit und Meer waren, New York ist New York. Da kann kein Fisch gegen anpupen (Pupen Fische?). Und waehrend Sarah auf unserer letzten New York Reise unentwegt geschrieen hat, konnten wir nun jeglichen schreienden Babies den Ruecken kehren und Harlem, ueber Central Park und Pier 16 (Tango im Mondschein neben riesigen Segelboten) alles in Ruhe und grinsend geniessen. Eine neue Sehenswuerdigkeit, die sich unbedingt lohnt, schon weil's so ungemein entspannend ist: Die Highline, ein Park, der auf einer ehemaligen Hochbahntrasse angelegt ist. Vom vierten Stock (oder so) schaut man auf den etwas rauen Meatpacking District, waehrend man auf skandinavisch anmutenden Holzplanken mit kunstvoll-wilden Blumen und Liegebaenken Richtung Sonnenuntergang lustwandelt.

Dienstag, Juni 15, 2010

Stille Post auf Bahasa mit verbundenen Augen...

Verstehst Du Bahasa? Ich auch nicht. Trotzdem werde ich dafuer bezahlt, dass ich Sonntag Nacht zwischen 10 und 2 einer Gruppe Indonesier dabei zuhoere, wie sie auf bahasa diskutieren und etwas malen, was ich nicht sehen kann. Das nennt man online training, bei denen ist schon Montag Morgen und wenn die diskussion sich gar zu lang hinzieht, ist es verlockend, mich ein wenig in Sarah's Laufstall langzulegen, Telefon mit Bahasa auf Lautsprecher neben mir und vielleicht nur einen klitzekleinen Augenblick die Augen zu zu machen. Das waere dumm, denn obwohl wir einander nicht sehen koennen, sollen sie mich nicht schnarchen hoeren. Und alle 10 Minuten sagt einer auf Englisch: "Eva, we have one question" oder "We are ready" Und dann muss ich hellwach klingen und ihnen sagen, was sie als naechstes tun sollen. Das ganze erinnert mich an das Kinderspiel, bei dem man mit verbundenen Augen zu malen versucht und alle muessen raten, was das ist. Am Ende schicken sie mir ein Foto und ich kann sehn, wie gut sie meine Instruktionen verstanden haben.

Wenn ich beim Friseur sitze und der mich fragt, was ich denn beruflich mache, weiss ich nie, was ich sagen soll... "Ich werde dafuer bezahlt, dass ich nachts Leuten am anderen Ende der Welt dabei zuhoere, wie sie in Sprachen, die ich nicht spreche, Dinge diskutieren, von denen ich keine Ahnung habe."

Echt? Und damit kann man Geld verdienen? Wo kann ich mich bewerben?

Montag, Juni 07, 2010

Eva's kleine Lebensweisheiten

Wenn die Klemptner im Haus sind um gleichzeitig beide Toiletten auszuwechseln... NICHT TRINKEN! KEINEN SCHLUCK!

(Wie kann man nur so bloed sein. Nu sitz ich hier und versuche nicht an plaetscherndes Wasser zu denken...)

Freitag, Juni 04, 2010

Heldentag

Letztes Wochenende war Memorial Day, also Kriegsheldengedenktag. In Deutschland dreht sich so ein Tag um eine Generation, die inzwischen groesstenteils an Altersschwaeche (wenn nicht im Krieg) gestorben ist und die ausserdem auf der Seite der Boesen war und deshalb nicht als Helden verehrt wird. Hier ist das anders, weil die Amis ja immer die Guten sind (hm...) und weil jede Generation mindestens einen Krieg hat, der sie mit neuen Veteranen versorgt, Korea, Vietnam, Irak eins und zwei, Afganistan... Und mit staendig verbesserter medizinischer Versorgung steigt die Zahl der extrem verstuemmelten Veteranen, die ueberleben und nun mit Anfang 20 ohne Arme, Beine und Gesicht wieder zurueck zu Hause sind.

Weil jede Familie ihre eigenen Kriegshelden hat oder kennt, ist der Heldengedenktag nicht einfach nur ein freier Tag und ein langes Wochenende, sondern fuer die meisten Amerikaner ein emotional patriotisches Ereignis. Wir waren beim Capitol, wo hunderttausende Harley Davidson fahrende Vietnam Veteranen ihre jaehrliche Motoratdemonstration fuer bessere Veteranenversorgung und Unterstuetzung der Kriegsgefangenen fuhr. Keiner weiss warum, aber Harley Davidson und Vietnam Veteranen gehoeren zusammen als waeren sie aneinander geschweisst. Fransen, graue Baerte, Leder, Baeuche, Amerikanische Flaggen ueberall und die Zuschauer rufen "Danke! Danke! Danke!"

Waehrend ein Grossteil des dieser Demonstration wie ein farbenfroher familientauglicher Umzug aussieht, gab es ein Bild in der Mitte des Ganzen, das sich mir ins Gedaechdnis eingebrannt hat und da einfach nicht mehr raus will. Ein Wagen zog einen kleinen Bambuskaefig, in dem man weder aufrecht stehen, noch ausgestreckt liegen konnte. Darin hockte ein langhaariger, halbnackter Mann.

Mein Mann sagte: "Einer meiner Kollegen war zweieinhalb Jahre in so nem Kaefig gefangen."