Montag, Mai 17, 2010

Menopause Salto Mortale rueckwaerts

Also, wir wissen ja fast alles ueber fast jedes Thema. Ausser den eigenen Koerper. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass Stillen dem Koerper vormacht, er (also sie) waere in den Wechseljahren? Also hab ich jetzt schon ne Ahnung davon, dass ich in den Wechseljahren vermutlich arge Knochenschmerzen haben werde.

Aaaaber... wusstet Ihr denn auch, dass aufhoeren zu Stillen ist wie Menopause Salto Mortale rueckwaerts ohne Netz und mit schreiendem Blag im Hintergrund? Natuerlich nicht. Ich auch nicht. Und dass das alles auch noch mit zwei Monaten Verspaetung einsetzt... Deshalb renn ich auch wie'n Bloed zum Arzt, um einen Malaria Test zu machen. Von wegen Fieberschuebe. Hitzewallungen! Der Arzt sagte mir nicht ins Gesicht, dass ich ein Simulant sei, aber deutetet an, dass manche Leute auch Schweissausbrueche haben, wenn sie Panikattacken haben. Ich hab ihn dann nicht gefragt, ob diese Leute dabei auch Panik fuehlen... schliesslich hatte ich zwar den Schweiss aber nicht die Angst.

Was mich auch auf Malaria schliessen lies, war dass ich so gar keinen Hunger mehr hatte. Ich hab ja jetzt zwei Jahre lang bei jeder Mahlzeit fuer drei ausgewachsene Maenner gegessen. Und dann noch Nachtisch. Jetzt leg ich nach einer Voegelchenportion damenhaft die Gabel nieder und bin geschafft. Ja klaaar, sag ich jetzt, natuerlich auch ein Effekt des Abstillens, schliesslich fuettert mein Koerper nicht mehr dieses kleine Wesen, was wie drei ausgewachsene Maenner bruellen kann. Also, seit einer Woche kann man sich mit mir wieder ne Pizza teilen und satt werden. Der Scheunendrescher ist sicher geparkt.

(Warum ich solche doch recht koerperlich-privaten Details ins Internet schreibe? Weil's mir geholfen haette, wenn mir das alles vorher - oder waehrenddessen klar gewesen waere...)

Dienstag, Mai 11, 2010

Und ausserdem...

sind wir umgezogen. Das hat so viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, dass ich nicht dazu gekommen bin, darueber zu schreiben. Die Tochter unserer ehemaligen Vermieter war 2 Jahre im Kloster und hat nun ploetzlich beschlossen, dass sie doch nicht zur Nonne taugt, sondern lieber fuer konservative Politiker Reden schreibt. Und wieder in unser Haus ziehen will. Ungluecklicherweise hatte sie es so eilig und hat im Prozess recht wenig christliche Naechstenliebe gezeigt dass wir schliesslich umziehn mussten, waehrend ich in Afrika war. Mein Mann behauptet zwar immer, dass er gerne umzieht und das auch allein gewuppt kriegt, aber in den Geschichten der glorreichen Vergangenheit, gab es keine einjaehrigen schreienden Babys und keine Babysittermissverstaendnisse... Das es sich bei diesem Blog nicht um eine Horrorseite handelt, werde ich Euch Details ersparen. Nun sitzen wir zwischen Kisten in unserem neuen Haus und sind eigentlich ganz zufrieden. Wenn sich diese Kisten nur von selbst auspacken wuerden...

Was ist in der Windel drin?

Nein nein, nicht NACHDEM Sarah sie ne Nacht lang getragen hat... Ich hatte mir ja immer vorgestellt, dass Windeln sowas sind wie aufgeblasene Damenbinden und aus Papier, Watte, Plastik oder so bestehn. Nun hat Sarah das irgendwie geschafft, ueber Nacht eine durchgeweichte Windel aufzuknibbeln, und was sich da in ihrem Unterhemd knubbelte, sah nicht wie Papier, Watte oder Plastik aus, sondern wie... hm, vielleicht kleingehackter Wackelpudding? Kleine Geleeknuebbelchen, mit Urin vollgesogen, die irgendwie ungemein High Tech aussahen. Wer haette das gedacht...

Mittwoch, Mai 05, 2010

Geburtstagsvergesser...

Falls Du mit mir verwandt oder bekannt bist, habe ich bestimmt schon mal Deinen Geburtstag vergessen. Das ist quasi eine Spezialitaet von mir. Aber gestern hab ich das dann doch zu weit getrieben... und meinen eigenen Geburtstag vergessen. Frueh am Morgen sind wir aufgestanden, haben Sarah bei Ingrid abgeliefert und uns in den Umzugswahnsinn gestuerzt. Um zwanzig nach zehn hab ich ne Fruehstueckspause gemacht und nur mal so in meinen Kalender geguckt. Die Uhrzeit weiss ich genau, denn da wurde mir ploetzlich klar, dass heute mein Geburtstag und ausserdem Sarah's Arzttermin war. Um elf. Was unmoeglich einzuhalten war, denn zu Ingrid laufen dauert ne Viertelstunde, zum Arzt von da ne gute halbe Stunde. Also hab ich mir schnell selbst herzlichen Glueckwunsch gewuenscht und bin losgelaufen. Zehn Minuten darf man zu spaet sein, und das hab ich, mit hechelnder Zunge in den Knien exakt geschafft.

Beim Arzt rausgefunden, dass Sarah in den letzten 6 Wochen gewachsen und schwerer geworden ist. Dann Sarah wieder abgeliefert und weitergeschuftet. In der Zwischenzeit hatte sich mein Mann auch an meinen Geburtstag erinnert und gratuliert.

Als wir endlich bereit waren, schoen essen zu gehn, waeren wir beinah beide am Tisch eingeschlafen und waren nach zwei Stunden wieder zu Hause.

Aber trotz allem, das war kein schlimmer Geburtstag. Mein schlimmster Geburtstag war irgendwann Anfang 30 auf einer Konferenz in Korfu, wo ich niemanden wirklich kannte und nur voller Selbstmitleid auf's Meer gestarrt hab und gedacht: Ich hab keinen Mann und kein Kind und auch sonst keinen, der sich um mich schert. (Entschuldigung an alle, denen ich was bedeute, aber wenn man im Selbstmitleid versinkt, ist man selten fair). Heute hab ich vielleicht vergessen zu feiern, aber ich bin an dem Punkt, nach dem ich mich in Korfu gesehnt hab und das fuehlt sich gut an.

Und jetzt guck ich mir (mit einem Tag Verspaetung) meine Geburtstagspost an.

Samstag, Mai 01, 2010

Afrikagruss

Malawier scheinen mir irgendwie zurueckhaltender als der typische Ghanaer. Aber was heisst das schon, jeder (ausser vielleicht dem typischen Nigerianer) ist zurueckhaltender als der typische Ghanaer. Aber obwohl vieles ein bisschen anders aussieht, ist der staerkste Eindruck doch, wie aehnlich es ist. Ich war seit eineinhalb Jahren nicht mehr in Afrika, das scheint nicht lang, aber in der Zwischenzeit ist so viel passiert... Zum Beispiel hab ich heute zum ersten Mal einem afrikanischen Verehrer gesagt, dass er mich nicht anrufen kann, weil mein Ehemann das nicht mag, ohne zu luegen. Also ich hab das immer gesagt. Aber bislang war das immer eine Luege, weil besagter Ehemann nicht existierte...

Als wir heute ueber Land und an den riesigen Malawi See fuhren, der so endlos aussieht, wie das Meer, hab ich viel und voll Sehnsucht an die Afrikareisen mit meinen Eltern gedacht.

Mittwoch, April 28, 2010

Wie ist Malawi?

Es gibt einen Flughafen, ein kleines Hotel mit Garten und Pool, ein Landwirtschaftsministerium, ein Gartenlokal mit europaeischem Essen und viel zu viele Forscher. Zumindest in dem Teil von Malawi, den ich bislang gesehen habe. Zum Glueck haben wir am Freitag ein Interview mit jemandem, der nicht in der Hauptstadt wohnt und werden deshalb tatsaechlich ein wenig Landschaft und vielleicht sogar ein paar echte Malawier (die nicht im Landwirtschaftsministerium oder der Gastronomie arbeiten) sehn. Vielleicht kann ich danach mehr berichten.

Montag, April 26, 2010

Uebermuedete Kurzmittteilung

Nach ueber 24 Stunden Anreise und nach eineinhalb Jahren Abwesenheit, habe ich heute zum ersten Mal wieder einen Fuss (und dann den anderen) auf den afrikanischen Kontinent gesetzt. Eben in Malawi angekommen. Hier war ich noch nie und werde wohl bei diesem kurzen Besuch (eine Woche) von Land und Leuten nicht viel mitbekommen, weil wir zu viele Interviews mit Buerositzern vorhaben... Es riecht nach Afrika und die Voegel kommen mir auch bekannt vor. Was mich erstaunt, ist wie feuchtkuehl es ist. So, jetzt werde ich mich dem Rat aller Jet-Lag-Experten wiedersetzen und mitten am Tag schlafen gehn. Meine Kollegin hat versprochen, mich zum Abendessen wieder aufzuwecken.

Freitag, April 23, 2010

Na endlich...

Wir hatten uns schon Sorgen gemacht. Seit fast zwei Monaten kann Sarah laufen und kein Fortschritt. Aber diese Woche wird sie endlich ihrem Erbe gerecht und faengt an zu tanzen. Den Tango hat sie noch nicht gemeistert aber dafuer einen hinreissenden Knie-Po-Wackler, sobald ich Musik anmache.

Donnerstag, April 22, 2010

Tierchenschutzgesetz

Hier gibt es ein Gesetz, das verbietet, Videos von Frauen in hochhackigen Schuhen zu machen, die kleine Tiere tottreten. Anscheinend gibt es fuer sowas einen Markt im Internet, aber das Tottreten kleiner Tiere mit Pumps (also nicht "Tiere mit Pumps" sondern "Tottreten mit Pumps") gilt den Amis als Tierquaelerei. Deshalb das Gesetz. Aber was, wenn die Frauen Turnschuhe tragen, oder groessere Tiere tottreten? Eine juristische Grauzone.

In die Zeitung kam dieses Gesetz im Zusammenhang mit einem Mann, der Hundekaempfe filmte und die Videos verkaufen wollte. Auf den, so hat das oberste Gericht entschieden, kann man dieses Gesetz nicht anwenden, weshalb er nicht drei Jahre ins Gefaengnis muss. Na, ein Glueck fuer ihn, dass keiner der Beteiligten (weder er noch die Hunde) hochhackige Schuhe trug...

Dienstag, April 20, 2010

Polizeistaaten

In Dueren hatten die Polizisten Schnurrbaerte und ihre wichtigste Aufgabe war es, uns Knoellchen zu geben, wenn wir mit dem Fahrrad auf dem Buergersteig oder ohne Licht fuhren. In Lueneburg trafen sich Hundertschaften aus ganz Deutschland, um Atomkraftgegner nasszuspritzen und wegzutragen. In Ghana gab es eine spezielle Polizistendichte vor Feiertagen, sie hielten einen fuer alle moeglichen eingebildeten und wirklichen Verkehrssuenden an und forderten "a little Christmas" oder "a little Easter" also einen Beitrag zu den Kosten des Feiertags. Netterweise sagten sie dem Uneingeweihten auch gleich wann und wieviel Bestechungsgeld an wen abzudruecken sei.

Und hier? Hier hielt eben unser Streifenpolizist an, als ich grade ueber die Strasse gehn wollte. Er staute den Verkehr hinter sich, um mir zu sagen: "Ich hab mal fuer Euch im Internet gesucht und ein paar nette Haeuser gefunden, die zu vermieten sind."

Montag, April 19, 2010

Afrikaha

Tatsaechlich, der Abreisetermin rueckt immer naeher, dieses Wochenende (wenn denn die Fluege gehen) werde ich zum ersten Mal nach Afrika fliegen, seit ich Mutter bin. Sarah wird mich vermutlich weniger vermissen, als ich sie. Maenne arbeitet diese Woche Ueberstunden, damit er naechste Woche mehr Zeit hat, die Nanny ist vorgewarnt und ich bin gespannt, wie es sich anfuehlt.

Aber jetzt gehen Baby und ich erstmal zu Mr Skip, Kindermusik am Morgen, dann kann Sarah mit dem Hintern wackeln, waehrend ich mir mit den anderen Muettern nen Kaffee trinke. Ich liebe es, in einer Grossstadt zu wohnen...

Montag, April 12, 2010

Sie hat sich nicht mal weh getan...

Das ist ein Satz, mit dem ich nun Geschichten ueber Sarah's neuste Erkundungen von Schwerkraft und Geschwindigkeit einleiten muss. Denn obwohl wir alle Spannung moegen, will von denen, die sie lieben, keiner einen Bericht lesen, der anfaengt mit:
"Sarah ist kopfueber aus ihrem Hochstuhl gefallen." und wo man bis zum Ende lesen muss, um zu sehn, wie schlimm die Verletzungen sind.
Also, Sarah hat, wie so oft, im Hochstuhl in der Kueche gesessen und mir beim Kochen zugesehn. Sie hat ein bisschen gequaekt, ich hab die Pfannkuchen umgedreht und ploetzlich seh ich im Augenwinkel eine Bewegung, die zu schnell ist, um gut zu sein und als ich mich umdreh, haengt nur noch ein Fuss im Stuehlchen fest und der Rest des Kindes haengt kopfueberverdreht knapp ueber dem Boden und schreit. Ich hab mich schon tausendmal geaergert, dass sich in dem Stuhl ihre Fuesse immer so verhaken, wenn ich versuche, sie rauszuheben. Aber eigentlich ist das doch gut...
Was es so schwierig macht, kleine Kinder heil zu grossen Kindern werden zu lassen, ist dass sie einen nie vorwarnen, wenn sie etwas neues gelernt haben, sondern es einem immer ganz stolz zeigen.
"Mama! Mama! Ohne Zaehne!"

Dienstag, April 06, 2010

Sprachgenie


Sarah hat ihren ersten Satz gesagt. Und, falls Ihr da beunruhigt ward, auf Deutsch:

"Wawa ei."

Ok, auf Baby Deutsch. Und vielleicht auch nur der stolzen Mutter verstaendlich: "Ich will den Hund (Wawa) streicheln (ei)."

Zum Thema Ei gibt es auch noch mehr herausragendes zu erzaehlen: Sie hat ihr erstes Osterei gefunden. Und war davon so begeistert, dass sie sich damit begnuegt hat, und die anderen Eier den anderen Kindern ueberlassen hat. Grosszuegig... oder bescheuert?

Sonntag, März 28, 2010

Wo ist Baba?

Baba ist wieder abgereist. Ich hatte ja den Ehrgeiz, dass Sarah in den zwei Wochen das Wort Oma lernt. Und haette darueber fast uebersehen, dass sie meiner Mutter ihren eigenen Namen, Baba, gegeben hat. An einem der letzten Tage, waehrend es in Stroemen regnete, waren wir in der grossen Halle des Hauptbahnhofs. Sarah und ich sind Hand in Hand spazieren gegangen, waehrend meine Mutter auf unsere Sachen aufpasste. Als wir fast die Ausgangstuere erreicht hatten, drehte sich Sarah ploetzlich um, zeigte in Richtung Oma und sagte: "Baba". Was in Babysprache vermutlich hiess: "Wir koennen doch die Oma nicht einfach hier lassen." Und nachdem ich den Namen einmal erkannt hatte, hoerte ich sie ihn immer wieder benutzen. Gestern bin ich mit Sarah auf Omas Rennstrecke (von uns zum Capitol) spazieren gegangen. Weil der Kinderwagen nach vorne zeigt, konnte sie mich nicht sehn und war fuer lange Strecken des Weges ueberzeugt, ich sei ihre Baba...

Montag, März 22, 2010

Hundeleben

Schweinehunde, Huehnerhunde, Hasenhunde, Hundehunde... alles Wawa.

Gestern waren wir mit der Familie auf einer kleinen alten Streichelfarm vor den Toren Washingtons. Das historische Farmhaus (seit 16schlagmichtot von Einwandern besiedelt) lag auf einem Huegel eingequetscht zwischen Autobahnen. Aber solange man nicht nach rechts guckte (auf die naechste Autobahn), war der Ausblick romantisch und Sarah war begeistert von den ganzen Hunden, die sie hatten. Hund (also Wawa) ist eines ihrer ersten Woerter und sie wird immer ganz aufgeregt gluecklich, wenn sie einen sieht. Und damit sie sich noch mehr freuen kann, hat sie einfach alles, was Fell oder Federn hat, und worauf sie runtergucken konnte, zum Hund gemacht. Nur die Kuehe waren ganz sie selbst.

"Sarah, guck mal, Schweine!"
"Wawa!"
"Und Huehner!"
"Wawa! Wawa!"
"Und kleine Hoppelhaeschen"
"Wawa"
"Oh, und eine Muhkuh"
"Mah"

Mittwoch, März 17, 2010

Elefantenrennen




Wir hatten ja das Geruecht schon gehoert, dass gestern die Elefanten los sein sollten... haben es aber einfach geflissentlich ignoriert und sind zum Spielplatz gegangen. Und da packten dann ploetzlich alle Muetter ihre Kinder und fingen an zu rennen: "Die Elefanten sind da, die Elefanten sind da!" Wir natuerlich hin.

Und tatsaechlich, da sind se. Halten einander Schwanz in Ruessel und laufen in Richtung Capitol. Wir hinterher. Schon eigenartig, niemand wuerde mich je dazu bringen, joggen zu gehn. Noch dazu mit nem fetten Baby im Arm. Ausser zehn Elefanten. Zum Glueck haben sie vor dem Capitol fuer ein paar Minuten angehalten, um jedem die Moeglichkeit zu geben, ein gutes Foto zu schiessen. Also jedem, der drei Meter gross ist, dann meine Fotos haben leider vor allem Hinterkoepfe und wenig Elefanten. So gross sind die dann doch nicht. Aber Sarah war begeistert und Mutter und ich hatten Traenen in den Augen. Nicht vor Erschoepfung, sondern vor Ruehrung. Was will man mehr.

Was die Elefanten in Washington zu tun hatten? Anscheinend gibt es jedes Jahr im Fruehjahr diese Elefantenparade wenn der Zirkus in der Stadt ist.

Donnerstag, März 11, 2010

Geburtstagskinder

Heute ist Sarah's erster Geburtstag.

Sie kann laufen (seit drei Wochen oder so).

Sie sagt Mama, Dada, Ingrid, Co(llin), tickletickle (das heisst: "killekille" und wenn sie das sagt "Tkltkl!", streckt sie dabei die Zunge raus und kitzelt sich selbst am Bauch. Oder ihren Papa. Nie ihre Mama und das ist auch gut so. Ratet mal, wer ihr das beigebracht hat...), Wa (fuer Wauwau), da (und zeigt unermuedlich auf Baueme, Briefkaesten, Katzen und Dinge, die nur sie selbst sieht).

Vor ein paar Tagen haben wir zusammen ihr erstes Bild gemalt. "Da!"

Ihr absolutes und ungeschlagenes Lieblingsessen sind Blaubeeren. Die verschlingt sie mit einer solchen Geschwindigkeit (wenn man nicht aufpasst), dass viele unzerkaut und unverdaut in ihrer Windel landen.

Wenn ich ihr eine Nudel mit Sauce fuetter und sie die Sauce nicht mag, kann sie die mit ihren kleinen Fingerchen entfernen und in ihr Haar schmieren, und dann die Nudel solo geniessen.

Sie weiss, wie man von abends 7 bis morgens 6 durchschlaeft. Obwohl sie von dem Wissen nicht immer Gebrauch macht.

Sie ist fasziniert von Buechern. Zuerst wollte sie sie immer essen. Jetzt ist ihre Obsession: Umblaettern. Manchmal guckt sie sich sogar die Bilder an.

Ihr neustes Spiel ist: Taschentuch zerreissen. Die kleinere Haelfte kriegt Mama, die groessere Haelfte wird nochmal zerrissen. Die kleinere Haelfte kriegt Mama usw. Bis das letzte Fitzelchen zu klein zum Zerreissen ist. Dann ist sie am Ziel angekommen, denn dieses Fitzelchen muss ganz schnell in den Mund gesteckt werden, bevor Mama das merkt.

Ueberhaupt, in den Mund stecken... Wir hatten mal eine Nachbarin, die den (hinter dem Ruecken) Spitznamen "Staeubchen" hatte, weil sie ihr sehr sauberes Auto jeden Tag putzte und immer noch ein Staeubchen fand. Nicht dass unsere Wohnung oder der Spielplatz ebenso sauber waeren wie jenes Auto. Aber Sarah findet auch die kleinsten Staeubchen, Steinchen, Hundescheisschen schneller als man gucken kann und ZACK in den Mund damit.

Wer sind die anderen Geburtstagskinder des Tages? Mama und Papa. Beide sind auch heute ein Jahr alt geworden und wurden im gleichen Moment geboren, als Sarah das Licht des Kreisssaals erblickte. Natuerlich sind die Koerper, in denen die beiden sich aufhalten, schon ein wenig aelter, aber sie waren vor einem Jahr etwa genauso verwirrt wie ein Neugeborenes und haben im letzten Jahr ebenfalls verdammt viel gelernt.

Wenn ich mich einen Moment ruhig hin setze und ueber dieses eine Jahr nachdenke und was das fuer mich bedeutet, wie wichtig und schoen und schwer und aussergewoehnlich es war, dann kommen mir die Traenen... aber ich finde keine Worte, die wirklich beschreiben, was ich fuehle.

Mittwoch, März 03, 2010

Ein Buero fuer Eva?

Oder vielleicht eher: Eine Ecke in einem Buero fuer Eva? Heute schau ich mir Affinity Lab an, http://www.affinitylab.com/ ein Buero, in dem man einen Schreibtisch ganz oder halb oder weniger als halb mieten kann, und dann sitzt man mit lauter anderen zusammen und jeder arbeitet an seinem eigenen Projekt, und keiner sitzt einsam im ausgewaschenen Maenner-T-Shirt am eigenen Kuechentisch.

Einmal die Woche haben sie ein Mittagessenseminar, das geht von Rechtsanwaltsvortraegen bis Hulahoop Unterricht. Es gibt Konferenzraeume, die ich zum Beispiel nutzen koennte, um Seminare abzuhalten.

Nachdem der Manager mir die Raeumlichkeiten gezeigt und ein bisschen was erzaehlt hat, kann ich heute probearbeiten, um zu sehn, wie sich das anfuehlt. Und ich muss sagen: Fuehlt sich gut an. Jetzt muss ich nur noch warten bis mein Einkommen regelmaessiger ist, so dass ich mir das auch wirklich leisten kann. Ach ja, noch was Gutes: Man mietet hier von Monat zu Monat, falls man also zu gross oder zu klein wird, kann man schnell wieder raus. Oder wenn man mal einen Monat oder zwei unterwegs ist.

Eine halbe Stunde Anfahrt mit der Metro ist ungefaehr das Gleiche, was ich bei meinem letzten Buerojob hatte und fuer den durchschnittlichen Washingtoner eine kurze Anfahrtszeit (weil so viele hier in den Vororten leben). Gelegen ist das ganze in der leicht wilden U-Street, die auf der einen Seite Ausgehmeile, auf der anderen Seite runtergekommen ist. Das Buero ist auf dieser anderen Seite...

Sonntag, Februar 28, 2010

Schnurri-Liesel

Ich hab ja eine ganze Sammlung aufregender Wimpern, die als Taschenkostuem ueberall hin mitreisen koennen und einen im Handumdrehen verkleiden. Gestern hab ich der Sammlung der Anklebkostueme eine neue Dimension hinzugefuegt. Ich sag nur: "Ist der kleine Mann da Will's Frau?" (fragten mehrere Gaeste auf der verspaeteten Karnevalsparty)

Es ist schon erstaunlich, wie verkleidet man mit Anklebeschnurri ist. Um das Kostuem perfekt zu machen, hab ich mir noch nen Schatten auf die Wangen und das Kinn gemalt, nen Hut aufgesetzt, Anzug und Kravatte angezogen und mir die Hose mit ner Rolle Klopapier ausgepolstert.

Frauen, die mich nicht leiden koennen, waren ploetzlich freundlich zu mir, ein Freund von uns, der ein ausgewiesener Frauenheld ist, ist an mir vorbeigegangen und hat nur gedacht: Noch'n kleiner Mann... und erst beim dritten hingucken gesehn, wer der kleine Mann ist. Ich sag bloss: Nie mehr reisen ohne Schnurri. Das einzige Problem: Der Zwirbelschnurrbart war so lang, dass ich meinen Wein nur mit Strohhalm trinken konnte.

Freitag, Februar 26, 2010

Mietspielzeug

Im Internet gibt es alles. Zum Beispiel Spielzeugleihdienste. Wo man sich immer wieder neue Spielzeuge aussuchen, zuschicken lassen und zurueck schicken kann, sobald's einen langweilt.

http://www.babyplays.com.

Das ist nicht nur deshalb toll, weil man sich weniger langweilt oder Geld spart, sondern vor allem, weil man den ganzen Mist dann nicht ewig in der Wohnung rumliegen hat... Ausserdem ist es toll, Paeckchen zu kriegen.

Ach ja, zum Thema Paeckchen. In unserer Nachbarschaft ist das anscheinend im Moment der neuste Trend, dass Drogendealer das Marihuana per UPS verschicken. Nicht zu sich nach Hause, da waeren die ja ganz schoen bloed, sondern zu einem dieser Haeuser, wo tagsueber keiner zu Hause ist. Der Kurrier (Drogenkurrier im wahrsten Sinne) liefert das Paeckchen auf der Veranda ab (das machen die hier wirklich, wenn keiner die Tuer oeffnet, legen die die Paeckchen einfach so davor) und der Dealer kommt und holt es ab, bevor Mama und Papa von der Arbeit nach Hause kommen.

Wie gesagt, es ist toll, Paeckchen zu kriegen...

Donnerstag, Februar 18, 2010

Schneeheeeheee


Ok, alle schimpfen ueber's Wetter. Immer, das gehoert sich so. Aber irgendwie ist das auch toll, wenn man ein Wetter erlebt, das krasser ist, als normal. Ich war noch nie irgendwo, wo's so geschneit hat. Ich hab mich daran erinnert, wie wir als Kinder mit dem Vater den Wetterbericht geguckt haben und uns dann immer ganz klammheimlich ueber Schnee freuen mussten, weil fuer einen Steinmetz Schnee natuerlich Mistwetter ist. Und so war ich hier umgeben von Leuten, die diesen Schnee scheusslich fanden (und unpraktisch war er ja auch) aber sobald ich draussen war, war ich verzaubert.

Zum Valentinstag sind wir dann Schlitten gefahren. Das war besser als Schokolade und Rosen. Hand in Hand den Hang runter rasen und unten angekommen nebeneinander im Schnee liegen und in die Sonne gucken (hoffend, dass einem keiner in den Kopp rast...). Eine Kleinigkeit beunruhigte mich nur: Wenn man nun also mit seinem Allerliebsten (nicht dem Allerwertesten) mit zwei unkontrollierbaren runden Plastikschuesseln den Hang runter pfeift und die ganze Zeit schreit: "Lass meine Hand los, Du brichst mir den Arm." und er das nichtmal zu hoeren scheint und immer fester zupackt... ist das ein Zeichen unverbruechlicher Liebe und Leidenschaft, oder muss ich mir Sorgen machen?

Mittwoch, Februar 10, 2010

Eingeschneit

Sieht cool aus. Kann einem aber unheimlich auf den Geist gehn. Vor allem, wenn man kein Hoehlenmensch ist. Und ein Baby hat, das (eigentlich) zu schwer ist, um getragen zu werden, aber natuerlich niemand die Buergersteige genug freischaufelt, dass man mit dem Kinderwagen durchkommt. Nach einem Sonnentag (und ein wenig Schlittenfahren) und einem grauen Tag, hat heute abend der Schnee schon wieder angefangen, auf den gut Knie- bis Oberschenkelhohen Schnee drauf soll es nochmal 20-30 cm schneien. Die Supermarktkassenschlangen winden sich bis zum Eingang raus, die ersten Daecher in der Nachbarschaft haben nachgegeben und Schulen und Regierungsstellen sind geschlossen. Zum Glueck weckt Sarah mich frueh genug auf, dass ich heute morgen um halb acht einer der ersten Kunden im Supermarkt war und wir haben's lecker warm.

Freitag, Januar 29, 2010

Die neusten Tricks

Heute abend hat sich Sarah im Badewanneneimer hingesetzt, nachdem ich sie fragte :"Na, willst Du Dich setzen?" und ist aufgestanden, als sie sah, dass ich das Handtuch holte. Ihre Tagesmutter Ingrid sagt, dass Sarah sie "Grid" nennt und ihren besten Freund Collin (ihren "Bruder" in der Familie, mit der wir die Tagesmutter teilen) nennt sie "Co".

Dienstag, Januar 26, 2010

Sich noch einmal wie 17 fuehlen...

Na, wer wollte das nicht?!

Nun, deutsche und amerikanische Buerokratie machens moeglich. Ich hab meinen Fuehrerschein verloren. Also tatsaechlich, das kleine Dokument ist mir abhanden gekommen. Nicht Fuehrerschein verloren im Sinne von: Besoffen gefahren, abgenommen bekommen.

Als ich in Deutschland war, dachte ich, kein Problem, Fuehrerschein in Deutschland ist ja auf Lebenszeit, lass ich mir einfach nochmal einen ausstellen. Von wegen. Wenn man nicht mehr in Deutschland gemeldet ist, ist kein Amt zustaendig und kann einem deshalb auch keinen ausstellen. Doch doch, eine Aktennotiz koennen sie einem ausdrucken, in der (auf Deutsch natuerlich) steht, dass ich (theoretisch) einen Fuehrerschein habe, die Tatsache, dass ich (praktisch) aber keinen habe, koennen sie nicht beheben. "Da muessen sie zu dem Amt gehn, wo sie jetzt wohnen. Auf Wiedersehn."

Die Amerikaner akzeptieren zwar deutsche Fuehrerscheine (dann muss man nur die theoretische Fahrpruefung machen, nicht die praktische), aber - also ein grosses ABER - nur das tatsaechliche Dokument, nicht so'n komischen Brief den 'ne Bochumer Sachbearbeiterin (sagte ich grade Schnepfe? Das kann nicht sein, wuerde ich nie tun!) ausgedruckt hat. Also, obwohl ich ihn habe, hab ich ihn nicht und werde nun sowohl die theoretische als auch die praktische Fahrpruefung in Amerika machen. Muss ich wohl doch noch seitwaerts einparken lernen. Ist ja unwahrscheinlich, dass ich schon wieder so einen netten Pruefer hab, wie beim ersten Mal, der mir jede Lenkerbewegung beim zweiten Versuch vorgesagt hat...

Einen Vorteil hat das Amerikanische System: Hier kann man sich sogar von Grossonkel Willi das Fahren beibringen lassen und muss keine Fahrschule besuchen und Millionen dafuer bezahlen.

Eins zwei Polizei

Grade hab ich zum ersten Mal, seit ich in den USA wohne, die Polizei gerufen. Komisches Gefuehl. War aber ganz einfach. Warum? Ohne grossen Grund, eigentlich. Die Herrschaften und Damenschaften, die hinter uns in den Sozialwohnungen wohnen, hatten mal wieder eine Schreiveranstaltung. Vielleicht war's Spass, vielleicht Ernst, jedenfalls schrie im Hof schoen jeder jeden an, dann sind die dicken Frauen mal alle in diese Richtung gerannt, dann kam einer mit'm Auto und jemand anders hat den angeschrien, so ging das hin und her. Man koennte fast sagen: Wie immer.

Aber. Im Zuge der vielen Einbrueche und Diebstaehle in der letzten Zeit hat die Polizei darum gebeten, sie auch dann zu rufen, wenn noch nichts passiert ist, sondern irgendwas nur komisch oder unangenehm aussieht. Also, jetzt ist es offiziell (naja, nicht ganz, denn ich hab der Dame bei der Polizei meinen Namen dann lieber doch nicht gesagt): Ich gehoere nun zu den Spiessern, die den Nachbarn die Polizei auf den Hals hetzen.

Zwei Polizeiwagen waren dann auch innerhalb von Minuten da, haben mal kurz geguckt, was da los ist, jetzt sind sie wieder unterwegs und die Nachbarn sind alles wieder in ihre Loecher gekrochen.

Ich muss sagen, mein Verhaeltnis zur Polizei hat sich sehr veraendert, seit ich nicht mehr in Deutschland wohne. Zu Hause waren Polizisten die Leute, die einem Strafzettel schreiben fuer auf dem Buergersteig radfahren oder einen auf ner Anti-Atomkraft-Demo wegtragen (das sogenannte "Bullenschwein"...). Hier bin ich immer froh, wenn ich sie seh und an kalten Regentagen bin ich versucht, den Streifenpolizisten im Donut-Shop was Suesses und nen Kaffee zu holen.

Montag, Januar 25, 2010

Am Wasser gebaut...

Kinderhalter und Hundehalter lernen immer alle kennen. Weil nun mein Kind Hunde liebt, und ich gerne mit Fremden rede, verdoppelt und -dreifacht sich der Effekt. Letzte Woche gerieten Sarah und ich so durch Zufall in eine Gruppe Leute, die alle mit Hunden an der Leine auf dem Buergersteig standen. Eine Hundeadoptionsgruppe, die den Passanten heimatlose Hunde ans Herz legen wollte. Wir haben uns dann auch gleich verquatscht, Sarah mit einem Hund und ich mit einer Englaenderin. Nach einer Viertelstunde waren wir so weit, dass sie mich einlud, Mitglied ihres Intellektuellen Damen Salons zu werden, einer Gruppe von Frauen, die sich einmal im Monat treffen, um jeweils ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Beim naechsten Treffen (das war letzten Freitag) ginge es um "Weinen" und ob ich Lust haette, dabei zu sein.

Also hab ich letzten Freitag mit 12 fremden Frauen in einem Wohnzimmer gesessen und ueber's Weinen geredet: Weinen bei der Arbeit und zu Hause, von Maennern, Frauen und Kindern, bei Fernsehwerbung und dem Frisoer, aber nicht beim Einsatz im Irak usw.

Als ich meinem Mann begeistert davon erzaehlte, meinte er nur: "Du willst was? Dich am Freitag Abend mit Fremden treffen und ueber Heulen reden? Und darauf freust Du Dich?"

Samstag, Januar 09, 2010

Dass ich das noch erleben darf...

Unglaublich, aber wahr, der Stadtrat (oder wie auch immer man das hier nennt) hat tatsaechlich beschlossen, dass von nun an jede Plastiktuete im Supermarkt 5 Cent kostet. Die Amis sind verwirrt und ich laechel, weil ich mich in meine Jugend zurueckversetzt fuehle...

Freitag, Januar 08, 2010

Eva's kleine heile Welt

Manchmal seh ich auch hier Eckchen davon. Zum Beispiel, wenn ich an meine Muetterliste eine email schreibe: "Sarah braucht einen Schlafsack." Und eine mir fremde Mutter sagt: "Klar, ich hab da noch einen, den leg ich vor meine Haustuer, brauchst Du nur abholen kommen." Und weil mich das so begeistert, hab ich als naechstes geschrieben: "Sarah passt ihr Schneeanzug nicht mehr." Und werde ihn gleich, bevor wir spazieren gehn, auf die Veranda legen, damit die Mutter eines kleineren Kindes kommen und ihn mitnehmen kann.

Mittwoch, Januar 06, 2010

Danke

Beim Meditieren muss man zu lange still sitzen, fuer Yoga braeucht ich nen Babysitter, aber irgendwas will ich doch tun, um mich der Erleuchtung naeher zu bringen. Dieses Jahr fangen wir mal ganz klein an: Jeden Tag eine Liste mit drei Dingen, fuer die ich dankbar bin. Das dauert etwa eine Minute und kann sogar zwischen gugugagaheiteitei geschrieben werden.

Falls ich das durchhalte, werdet Ihr mich am Ende des Jahres nur noch mit entruecktem Laecheln zwei Zentimeter ueber der Erde dahinschweben sehen. Darauf freu ich mich schon. Dann werd ich nur noch superhochhackige Schuhe tragen, das tut ja beim Schweben dann gar nicht mehr weh.

Aber ach, solange ich meinen Geist mit so banalen Dingen wie Damenschuhabsaetzen belaste, bin ich wohl von Erleuchtung und Schweben noch weit entfernt...

Sonntag, Januar 03, 2010

Frohes Neues Jahr auf Amerikanisch (also Haeppi Niu Jia)

Und vorher hab ich noch gross rumerzaehlt: "Ja und Silvester nehmen wir uns nen Babysitter und tanzen dann wild und romantisch und bis zum Umfallen" (dazu summen wir im Hintergrund aus der Dreigroschenoper:" Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein grosses Licht, und mach dann noch nen zweiten Plan, gehn tun se beide nicht...)

Statt dessen waren Sarah und ich erbrechlich gebrechlich und sind schoen um acht Uhr abends schon eingeschlafen und, den Jahresanfang verschlafend, erst wieder aufgewacht, als morgens um drei die Polizei an die Tuer haemmerte. Warum hat ein Land, das behauptet, Menschen auf den Mond schicken zu koennen, eigentlich die Erfindung der Tuerklingel verschlafen? Nun, verschlafen waren wir auch und fragten uns ausserdem, was da so eilig war. Ok, grossartige Neuigkeiten, die hatten unser vor drei Wochen geklautes Auto wiedergefunden. Aber wir haetten uns darueber um acht Uhr morgens ebenso gefreut und es war ja nicht so, dass wir in diesem Moment etwas tun konnten...

Am naechsten Morgen aber sind wir gleich ueber die Bruecke in den wilden Westen gefahren, wo das Auto inzwischen beim Abschleppheini im Hof stand. Gleich nebenan lief ein Pitbull herrenlos ueber die Strasse und auch sonst war das eine sehr einladende Gegend. Nun, unsere Autodiebe waren vermutlich Rabauken aus der Nachbarschaft, die mit dem Auto rumfahren und darin ihre Rabaukensachen machen wollten. Zu unserem Glueck kam einen Tag nach dem Diebstahl einer der groessten Wintereinbrueche der lokalen Geschichte, das Auto verschwand unter 60 cm Neuschnee und die Kids haben wohl in der Zwischenzeit ein neues Spielzeug gefunden ("Sind sie nicht suess, die lieben Kleinen?"). Sie hatten uebrigends weder ein Interesse an deutscher Literatur, noch teilten sie unseren Musikgeschmack, und so ist ausser Navi, Schlafsack und Kindersitzbasis noch alles drin. Ein neues Zuendschloss braucht's. Und irgendwas anderes, was wir noch nicht rausgefunden haben.

Das Jahr kann kommen, wir sind bereit (und alle wieder gesund).

Donnerstag, Dezember 31, 2009

Also, niemand kotzt so ungern wie ich...

Klar, ich hab noch selten jemanden getroffen, der sich gerne uebergibt, aber glaubt mir, so ungern wie ich, kotzt niemand. Dieser ganze Quatsch von wegen: "Dann hat man's wenigstens hinter sich und ist es los..." bleibt mir damit vom Leib, da ist mir lieber tagelang uebel. Ich hab einmal im Leben so viel getrunken, dass ich kotzen musste, da war ich 16 und wollte rausfinden, wieviel reingeht, danach wusste ich, wieviel reingeht und dass ich selbst im betrunkenen Kopf kotzen fies finde. In der Schwangerschaft hab ich mich einmal uebergeben, das hat mir nicht gefallen, hab ich nicht wiederholt.

Gestern abend sass ich deshalb mit Sarah auf dem Arm im Flugzeug und hab ganz langsam im Kopf gezaehlt, alphabetische Listen gemacht und mich darauf konzentriert, meine Fluguebelkeit zu ignorieren. Denn ausser dass ich, sagte ich das schon, kotzen echt nicht leiden kann, konnte ich mir das auch logistisch irgendwie schwierig vorstellen, wie ich Kind und Kotz koordiniere, ohne dass beide sich miteinander mischen. Vorsorglich hatte ich die Brechtuete in der kinderlosen Hand, aber ich wusste, das einzige, was Zukunft hat, ist feine Zurueckhaltung und Minuten zaehlen.

Sarah dagegen sieht das ganz anders. Seit vier Uhr morgens (was sich ja, wegen Zeitverschiebung, bei ihr wie mitten am Tag anfuehlt), hat sie schon viermal in hohem Bogen alles ausgespuckt, was in ihr drin war (ich wusste gar nicht, dass da so viel rein passt), und dann mit gutem Appetit gleich weitergetrunken, nur um ein paar Minuten spaeter das gleiche Schauspiel von vorne zu beginnen.

Das gab mir die Gelegenheit, Heidi auszuprobieren, die Kinderkrankenschwester, die Hausbesuche macht. Wie viel toller, als mit Kotzkind durch die halbe Stadt fahren, dann mit 10 anderen kranken Kindern zwei Stunden im Wartezimmer zu sitzen etc. pp.. Heidi war in ner halben Stunde da, hat abgehoert und -gestastet und ueberall mal reingeguckt und gesagt: Weiter kotzen lassen (vielleicht noch nen Tag), rehydrieren, Windeln zaehlen und hoffen, dass wir von ein oder zwei Wochen Durchfall (die da auch typisch drauf folgen koennen) verschont bleiben.

Und zu mir und meiner Brechweigerung: "Da hat man's wenigstens hinter sich und ist es los..."

Montag, Dezember 28, 2009

Reisen fuer Fortgeschrittene

So, im Lernprozess, den man Eltern sein nennt, ist ja das Reisen ein extra Kapitel. Zum Beispiel: Bestelle im Flugzeug vegetarisch, damit Du Dein Essen vor allen anderen bekommst und nicht der Babyfuss in anderleuts Tellerchen landet, waehrend Du Kind und Kuchen zu baendigen versuchst. Oder: Reise ohne Reissverschluss - denn das erleichtert die einhaendige Toilettenbenutzung mit schreiendem Kind im anderen Arm ungemein. Und nun, neu im Programm: Verschicke alles mit der Post, was Du nicht sofort brauchst, statt Dich mit Gepaeck abzuschleppen. Und, ein alter Klassiker neu belebt: Wenn Du mal wieder so deppert warst, einen Vormittagsflug zu buchen und dann ploetzlich ein vereitelter Anschlag dazu fuehrt, dass Du schon drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein musst: Nimm Dir ein Zimmer im Flughafenhotel, statt morgens um vier aufzustehn.

Und dann: Ruhe bewahren, laecheln, Augen auf und durch. Uebermorgen fliegen wir...

Mittwoch, Dezember 23, 2009

Wir sind die Zukunft der 80er

Manchmal komme ich mir vor wie in nem Sience Fiction Film der 80er. Zum Beispiel heute morgen: Sarah, ihr Papa und ich haben zusammen gefruehstueckt. Er sass dabei in Washington in seinem Keller vorm Computer, wir hatten das Laptop auf den Fruehstueckstisch gestellt, und ueber Kamera und Skype hat er sich angeguckt, wie Sarah gegen den Loeffel und mit dem Eigelb kaempfte, wenn er Fratzen schnitt, hat sie gelacht, besonders bei solchen, in denen seine weissen Zaehne im schwarzen Gesicht zu sehen waren und wir haben davon profitiert, dass er, so kurz nach der Rueckkehr, noch immer zwischen den Zeitzonen ist und deshalb um vier Uhr aufwacht, waehrend wir uns nen schoen langsamen Schludermorgen gegoennt haben.

Montag, Dezember 21, 2009

Wenn's so nicht geht, geht's anders

Oder: Vom verborgenen Wert des Hexenschusses.
Diese Geschichte ist lang - aber kurz erzaehlt. Sie besteht aus sehr vielen Naechten mit sehr wenig Schlaf. Seit neun Monaten schlaeft Sarah gerne an der Brust und ungern anderswo ein. Unsere Versuche, ihr anderes beizubringen, waren teilweise halbherzig, oft voll von schlechtem Gewissen gegenueber den Nachbarn und nie von Erfolg gekroent. Vorgestern war klar: Mit diesem Hexenschuss kann ich nicht mit ihr rumhantieren, wie ich das normalerweise machen wuerde. Also, schweren Herzens und ueberzeugt, dass das nicht funktionniert, hab ich der Mutter erlaubt, sie in ihr Bettchen zu legen, und wir haben uns dann beide (Mutter und ich) im Wohnzimmer verschanzt. Sicher, dass nun wieder eine Stunde Geschrei anstuende. Natuerlich gab es Proteste und sie drohte damit Amnesty International anzurufen. Aber in ner Viertelstunde war sie eingeschlafen. Heute, Tag drei der neuen Zeitrechnung, war sie schneller eingeschlafen, als ich den Computer hochfahren konnte, um diese Geschichte aufzuschreiben.

Sonntag, Dezember 20, 2009

Vorsicht, Ausbruch! "Du hast ja sonst nix zu tun" und "Was machst Du denn den ganzen Tag"

Ich gebe zu, ich konnte mir das vorher auch nicht vorstellen. Deshalb kann ich das meinen kinderlosen Freunden und Verwandten gar nicht uebelnehmen.

Und darum hier eine kleine Erklaerung: Baby haben heisst 24 Stunden Bereitschaft. Und davon die meiste Zeit, Tag und Nacht, auch Einsatz. Ja, das ist anstrengend und manchmal auch schrecklich langweilig. Das heisst zum Beispiel (fangen wir mit dem Unwichtigsten an), dass man sich nicht einfach mal betrinken kann - selbst wenn man fuer die Zeit des Ausgehens einen Babysitter hat - denn sobald man nach Hause kommt, ist man wieder im Einsatz. Oder dass man sich nicht einfach einen Hexenschuss leisten kann (wie mein Koerper grade versucht), denn die Tatsache, dass jede Armbewegung wehtut, ist dem Kind doch egal, will trotzdem hin und her getragen und gestillt werden (ein anderes Hindernis fuers Betrinken...). Nein, man kann nicht (wie eine Freundin vermutete) von zu Hause arbeiten, waehrend das Kind schlaeft. Waehrend das Kind schlaeft? Also nachts von 22 bis 24 von 1 bis 4 und von 4:30 bis 6 Uhr? Aeh... nein, da will man ja selber schlafen. Und: Ja, wir geben zu, ins Buero gehn wir zur Entspannung. Das nennt man Arbeiten. Haha. Wenn wir verreisen, packen wir nicht mehr einfach nur die Badehose ein und das kleine Schwesterlein und los geht's. Nein, wir verpassen regelmaessig beinah den Flug, weil alle Vorbereitung einhaendig doppelt so lange und dann noch ne Stunde dauert. Wenn man durch die Sicherheitskontrolle geht, muss man nicht nur Schuhe ausziehn und Computer aus der Tasche holen, sondern auch einhaendig (im anderen Arm ein schreiendes schlagendes Kind) den Kinderwagen auseinandernehmen und auf's Fliessband wuchten, waehrend hinter einem die Geschaeftsleute ungeduldig mit dem Fuss wippen, statt zu helfen. Die gleichen Geschaeftsleute (zu denen ich vor nem Jahr ja auch noch gehoerte), die einen Horror kriegen, wenn sie sehen, dass man mit dem Knatschpott auf dem gleichen Flug ist und wegen derer man die ganze Nacht mit Kinderbespielung verbringt, damit Knatschpott seinem Namen nicht alle Ehre macht. Und wo wir einmal dabei sind: Sein Kind drei Tage die Woche acht Stunden zu einer liebevollen Kinderfrau zu geben, bedeutet nicht, dass man in die Kategorie "Warum kriegt man denn Kinder, wenn man sie dann nie sieht?" faellt. 24 - 8 = 16. Denn selbst an diesen Tagen bin ich 16 Stunden in Bereitschaft und davon mindestens 8 im Einsatz. Entfremdung zwischen Mutter und Kind eher unwahrscheinlich.

Ich beklag mich ja nicht (also, ausser grade in diesem Hexenschussbericht) und liebe meinen Knatschpott abgoettisch, vielen Dank. Aber falls irgendein kinderloser Freund das hier liest und nicht glaubt, ich freu mich immer ueber Angebote zum Babysitten und koennte fuer meine Rueckreise noch einen Reisebegleiter gebrauchen. Zu aller sonstigen Freude muss ich in Atlanta beim Umsteigen auch noch alles eingecheckte Gepaeck entgegennehmen und neu einchecken, sicherheitshalber, damit ich keine Bombe in die USA mitnehme. Da koennte ich eine oder zwei extra Haende gut gebrauchen. So. Jetzt reg ich mich wieder ab und mache gugugu und Sarah grinst breit und zeigt zwei kleine Mausezaehnchen.

Donnerstag, Dezember 17, 2009

Im Westen nix Neues (geschrieben)

Gestern schaute ich meiner Mutter ueber die Schulter, als sie auf diesen blog klickte, und mal wieder nichts Neues las, immer noch "Jetzt geht's los". Dabei haben wir in der Zwischenzeit eine halsbrecherische Jagdt zum Flughafen hingelegt, um unseren Flug zu kriegen, in einer irren Woche in Deutschland Hochzeit und Taufe organisiert (inclusive neuem Lokal, Anzug fuer ihn, Schuhe, Tasche, Haarschmuck fuer mich etc. pp.) und durchgefuehrt und inzwischen ist er wieder zurueck in den USA, wo er sich gestern unser Auto hat klauen lassen und ich fange langsam wieder an, normal zu atmen...

Meine Guete, denke ich, wie viel Zeit ich uebrig hatte, bevor ich ein Kind hatte, da hab ich oft wenig erlebt und viel geschrieben. Inzwischen ist das eher umgekehrt...

Donnerstag, Dezember 03, 2009

Jetzt geht's lohoos!

Den Kuehlschrank leergegessen, 6 Outfits zum Wechseln ins Handgepaeck gestopft (wer moechte schon mitten im Flug mit einem beschissenen Baby rumsitzen und nichts mehr zum Anziehen haben?), das Haus verwuestet und wieder aufgeraeumt, das Hochzeitskleid halbwegs knittersicher verpackt, einen ganzen Koffer mit Geschenkchen fuer die Hochzeitsgaeste vollgepackt, noch schnell den Vermieter ins Haus gelassen, der in unserer Abwesenheit Gitter vor die Fenster montieren lassen will und jetzt geht's tatsaechlich los. Bis gleich in Deutschland.

Mittwoch, Dezember 02, 2009

Pack die Badehose ein...

Naja, die Badehose ist so etwa das Einzige, was wir ohne Probleme zu Hause lassen koennen, wenn wir morgen mit Kind und Kegel nach Deutschland aufbrechen. Vom Hochzeitskleid ueber die Windelwundcreme bis zur Geburtsurkunde muss alles dabei sein, damit wir naechste Woche (NAECHSTE WOCHE????!!!!! AAAAAAHHHHHH!!!!) im heimatlichen Dueren heiraten und Sarah taufen lassen koennen.

In der Vorbereitung sind wir unter anderem folgender Frage begegnet: Wie kann man beweisen, dass man etwas nicht getan hat? Also, wie kann mein Mann beweisen, dass er noch nie kirchlich getraut war? Denn das muss er, damit unser katholischer Pastor ihn traut... Die Antwort ist so altmodisch, dass sie fast aus dem vorvorherigen Jahrhundert sein koennte. Sein Vater muss eine eidesstattliche Erklaerung abgeben... klar, das koennte ja niemals vorkommen, dass ein Sohn heiratet, ohne seinem Vater Bescheid zu sagen, oder?

Dienstag, Dezember 01, 2009

Wer es hat zuerst gerochen...

Einer meiner Freunde fragt immer: Und, was ist Sarah's neuster Trick?

Dieser hier macht mich besonders stolz: Wenn sie (oder jemand anders) lautstark pupst, guckt sie, wo das Geraeusch herkam und macht es dann mit dem Mund nach. Leider kein Trick, den man unbedingt in der Oeffentlichkeit vorfuehren wuerde...

Montag, November 30, 2009

Medizinischer Sondermuell

In diese Kategorie fallen schmutzige Windeln hier. Ich wuerde ja eher sagen: Biologische Waffen. Trotzdem frage ich mich doch, was von uns erwartet wird, wenn die Muellabfuhr sich weigert, diesen Sondermuell mitzunehmen. Ok, was man macht, ist klar, die Windeln mit dem Rest mischen und hoffen, dass es nicht auffaellt. Aber erwarten die tatsaechlich, dass alle Eltern kleiner Kinder jede Woche zur Sondermuelldeponie fahren um diese Bomben loszuwerden?

Sonntag, November 22, 2009

No Wanderlust

"Wanderlust" ist genauso wie "Blitzkrieg" und "German Angst" ein relativ neues deutsches Wort das seinen Weg in den amerikanischen Sprachgebrauch gefunden hat. Deutsche Woerter, die sich hier einschleichen, bezeichnen normalerweise etwas, was dem Amerikaner an sich so fremd ist, dass er in der eigenen Sprache kein Wort dafuer kennt.

In Washington faellt das nicht so auf, weil da sowieso alles anders ist und ich mit Leuten aus der ganzen Welt zu tun hab. Aber wenn ich die Schwiegereltern in North Carolina auf dem Land besuche, merke ich ploetzlich, wie absolut German mein Spaziergehdrang ist. In Deutschland sind wir fest davon ueberzeugt, dass Babies jeden Tag an die frische Luft muessen und dass das auch fuer Erwachsene eine hervorragende Sache ist. Wenn ich hier vom deutschen Wandern und Spazierengehn erzaehle, sagen die: "Jaja, wir haben auch Leute, die hiking machen." Aber hiking ist wenn (relativ) junge Leute in Goretex Ausruestung in den Nationalpark fahren und sich da durch die Wildnis schlagen. Hiking ist deren spezielles Hobby, so wie andere Leute Ski fahren oder Kegeln.

Die Tatsache, dass ich jeden Tag mal fuer ein halbes Stuendchen an die frische Luft will, in den Park, an den Fluss oder nur die Strasse runter und dass ich das Gefuehl hab, irgendwas stimmt nicht, wenn ich das nicht kriege... das ist Deutsch. Und so schnapp ich mir (nach einer langen Diskussion: "Die werden ihr Auto anhalten und Dich fragen, ob alles ok ist!") Sarah und den Kinderwagen und laufe die Landstrasse entlang. Keiner haelt an. Aber all gucken und winken. Und haben zu Hause was zu erzaehlen...

(In Ghana fanden mich auch alle komisch: In einem Land, wo die Armen nen halben Tag zu Fuss zum Markt gehn, um ihre zehn Tomaten zu verkaufen und dann wieder nen halben Tag zurueck gehn, ist der Gedanke, dass eine reiche Frau mit Auto freiwillig und ohne Ziel zu Fuss im Kreis rumgeht, einfach nur abstrus.)

Mittwoch, November 18, 2009

Bienenhund



Nix zu beissen

Grade lese ich in einem Zeitungsartikel, dass in Washington die Haelfte aller Kinder hungert oder von Hunger bedroht ist. Was mich verwirrt, ist dass die Reaktion auf solche Zahlen immer ein unglaubliches ehrenamtliches Engagement zum Rumdoktern an den Symptomen ist, aber nie ein politisches Infragestellen des Systems, das sagt, jeder muss sich halt um sich selbst kuemmern.

Dienstag, November 17, 2009

Mammaaaa!

Heute morgen spielte mein Mann mit Sarah auf dem Bett, waehrend ich ihnen den Ruecken zudrehte, um noch ein paar Minuten lang so zu tun, als wenn ich schliefe. Als ich schliesslich aufgab und mich umdrehte, guckte Sarah mich an und ihr ganzes Gesicht verwandelte sich in ein breites Grinsen, sie gurgelte: Mamaaa! und krabbelte auf mich zu, als waere ich ihre absolute Lieblingsperson in der ganzen weiten Welt. Was ich vermutlich auch bin. Ist das nicht unglaublich...?

Sonntag, November 15, 2009

"Warum sind die in Sueddeutschland alle so boese?"

... fragte mein Mann mich eben. Er hat das auf der Landkarte gesehn, jeder zweite Ort ist boese (auf Englisch: Bad).

Freitag, November 13, 2009

Wo ist zu Hause?

An diesem duesteren Jahrgedaechdnistag lauf ich allein ueber einen fremden Friedhof und sehe diesen Grabstein, ueber den mein Vater geschmunzelt haette, wenn er noch schmunzeln koennte.
(aus irgendeinem Grund will dieses Bild nur hochkant sein. Wie auch immer, der Grabspruch lautet: At home with the dogs - Zu Hause bei den Hunden)

Schnodder Schnodder ueber alles

Aus den Augen und der Nase. Heute haben wir uns dann endlich erbarmt, und waehrend ich Karrierefrau spielte (ein Vortrag, der nicht vertagt werden konnte), sind Mann und Kind zum Arzt gegangen, um rauszufinden, dass Rotzaugen tatsaechlich nicht gesund sind und dass Sarah einen guten Grund hat, sich am Ohr zu zupfen. Die zweite Mittelohrentzuendung in etwa ebensovielen Monaten und dazu noch Bindehautentzuendung. Nicht dass sie allzu ungluecklich waere, das Seltsame an unserem kleinen Energiebolzen ist ja, dass sie nur zaertlich wird, wenn sie entweder schlaeft, oder krank ist. Also ist sie nun ein bisschen anschmiegsamer und kriegt schon wieder Antibiotika. Haeschen in der Grube...

Montag, November 09, 2009

Meine kleine Raupe Nimmersatt

Gestern: Ein gekochtes Eigelb, eine duenne Stange Spargel, eine halbe daumegrosse Kartoffel, ein Batzen Brot und ein paar Schluecke Reisbrei - das Pflaumenmus eher um den Mund geschmiert als runtergeschluckt. Heute gab's zum Fruehstueck Kartoffel und Avocado, und ein kleines Stueckschen Apfel, das mich aber nervoes machte, sobald es in ihrem Mund war, da zu hart zum Kauen. Mit zwei Zaehnchen. Das schoene am Stueckchenfuettern (im Gegensatz zum Brei-aus-Glaeschen-Fuettern) ist dass wir uns zusammen zum Fruehstueck oder Abendessen hinsetzen und waehrend ich meins esse, schnipsel ich ihres ebenfalls zurecht und stecke es Stueck fuer Stueck in ihren Mund. Das ist nicht so sehr Abfuettern sondern eine Mahlzeit mit Geplauder (bauauaubllll), Scherzen und abwechlungsreichem Essen.

Dienstag, November 03, 2009

Was gab's zum Fruehstueck? Moemmes!

So viel zum Thema Allesfresser: Sarah hat jetzt auch entdeckt, dass ihr Zeigefinger ganz wunderbar in ihre Nase passt. Und dann in den Mund. Und dann wieder in die Nase.

Donnerstag, Oktober 29, 2009

Ploetzlicher Allesfresser

Wenn man erst kuerzlich geboren wurde und seitdem nur Muttermilch getrunken hat, muss das unglaublich komisch sein, zum ersten (und zweiten, dritten, vierten) Mal einen Loeffel voll Kuerbispampe oder Reisbrei in den Mund geschoben zu kriegen. WAS SOLL ICH DENN DAMIT??? Also haben wir jetzt ueber einen Monat lang mit relativ wenig Elan mit Essen gespielt, Sarah und ich. Denn das Tollste kommt ja immer noch warm und lecker direkt von Mama. Das ist nicht ungewoehnlich, sogar die Reisbreipackung warnt: Manchmal muss man bis zu zehnmal versuchen, bevor das Baby einen neuen Geschmack akzeptiert.

Gestern abend wurde mir dann ganz ploetzlich klar, dass wir die wichtigste Huerde ueberwunden haben, dass Sarah sich wohl gesagt hat: "Ok, jetzt ess ich auch andere Sachen als Muttermilch." Und so hatten wir gestern ein gemischtes Abendessen, wobei Sarah immer nur mit beiden Armen nach vorne wedelte: "Mehr! Mehr! Mehr verdammt!"

Es gab Brot, Suesskartoffelbrei, Banane und Blaubeeren. Bis sie pappsatt war. Pappsatt? Na, da ist immer noch ein bisschen Platz fuer Muttermilch...

Dienstag, Oktober 27, 2009

Treats for the Troops (Schokolaten fuer die Soldaten...)

Das ist gleich eine Kombination zweier grosser amerikanischer Traditionen: Halloween und Truppenverehrung. Ich werde dieses Jahr zum ersten Mal auf der gebenden Seite von Halloween sein, mich also gruslig verkleidet hinter der Haustuer verstecken, meinen Plastikdaemonen auf die Veranda stellen und kleinen Kindern Schoklaedschen geben. Und da hab ich dann grade gesehn, dass ich damit auch noch gleich die Truppen in Uebersee unterstuetzen. Also erst sammeln die verkleideten Kinder den Suesskram an unseren Haustueren ein, und dann versuchen wir, sie dazu zu ueberreden, den ganzen Kram zu spenden, damit ehrenamtlich gesinnte Soldatenfrauen damit Struempfe fuellen, die dann als Weihnachtsueberraschung an unsere Jungs (also, deren Jungs) nach Irak und Afghanistan gehn.

Ja, wir sind in dem Land, in dem Fremde auf einen Soldaten in Uniform zugehn, ihm kraeftig die Hand schuetteln, "Danke Jungs!" sagen und dann weitergehn...

Samstag, Oktober 24, 2009

Oder vielleicht doch lieber ein Wachhund?

Beinahe ne Alarmanlage

Gestern hatten wir Besuch von der Alarmanlagen-Lady. Nachdem ich mich lange dagegen gestraeubt hab, mein Haus zum Hochsicherheitstrakt zu machen, hab ich schliesslich eingesehn, dass mir die Alarmanlage von allen moeglichen Optionen (Pit-Bull Terrier, Pistole, Gitter vor den Fenstern) am besten gefaellt. Natuerlich geh ich davon aus, dass ich sie immer wieder selbst ausloesen werde, weil ich die Nummer vergessen hab oder einfach ganz vergessen, dass ich sie angestellt hatte. Aber was mir gefaellt, ist dass mein Haus dann nicht nach Hund stinken wird und dass ich weiss: Wenn etwas passiert, kommen sofort ein paar grosse starke Maenner und helfen mir. Das ist mir besonders deshalb wichtig, weil ich viel allein zu Hause bin - wer wuerde da nicht gern ab und zu von grossen starken Maennern Besuch kriegen...

Nun, nachdem sie sich das ganze Haus angeschaut hatte und mit Geschichten ueber ihre eigene Tochter und ihre eigene Alarmanlage ein typisch amerikanisches Gefuehl von "Ich bin ein Verkaeufer aber auch Euer Freund" aufgebaut hatte und wir bereit waren, ihre Alarmanlage anzuschaffen, machte unsere Lady einen entscheidenen Fehler: Sie legte uns den Vertrag hin und sagte: "Warum unterschreibt Ihr nicht gleich hier, das koennt Ihr ja noch drei Tage lang wiederrufen, falls Euer Vermieter Einwaende hat. Wenn Ihr jetzt gleich unterschreibt, muss ich nicht nochmal rauskommen, und wir koennen das alles schnell ueber die Buehne kriegen."

Das haben wir dann auch gleich gemacht. Und als sie weg war, sind wir aufgewacht. Und heute morgen waren wir dann beide so veraergert ueber dieses: "Bitte unterschreiben Sie sofort hier mit Ihrem Blut, danke jetzt gehoert mir Ihre Seele fuer immer." Verhalten, dass sie allein deshalb gleich einen Anruf kriegt: "Dankeschoen aber wir wollen unsere Seele doch lieber behalten." Und dann gehn wir zu ner anderen Firma und lassen uns weniger ueberrumpeln...

Dienstag, Oktober 20, 2009

Fortschritt in Ghana




Erinnert Ihr Euch noch an Francis, den Nachbarn meiner Freundin Debbie in Ghana? Er hat sich um ihr Haus gekuemmert und sie hat ihn quasi adoptiert... Bevor sie Ghana vor drei Jahren verliess, hat sie versucht, ihm dabei zu helfen, sich als Schweisser selbstaendig zu machen. In einer langen Geschichte ging es immer weiter hin und her, Land zu finden, auf dem man eine Werkstatt bauen kann, erwies sich als fast unmoeglich und immer wenn es so aussah, als wenn alle Probleme geloest seien, gab es ploetzlich (!) keinen Strommast oder das ganze Geld musste fuer ein Begraebnis ausgegeben werden... Als ich vor ein paar Tagen die Fotos von Francis bei der Arbeit im eigenen Betrieb bekam, hatte ich deshalb auch Traenen in den Augen und war begeistert. Debbie und ich haben in Bolga immer wieder gemerkt, dass man einen laengeren Atem haben muss, als die typische europaeische Lunge produzieren kann, wenn man in Afrika was erreichen will...

Samstag, Oktober 17, 2009

Umzug

Heute ist Sarah's Bett ins Kinderzimmer umgezogen. Da schlaeft sie nun seelenruhig und ich geh andauernd rein, um zu gucken, ob alles ok ist. Erst hatte mein Mann das Licht aus und die Tuer zu gemacht. Aber das ging gar nicht, da war ja die Nabelschnur in der Tuer eingeklemmt... Jetzt gibts ein Daemmerlicht und eine offene Tuer und trotzdem fuehlt's sich komisch an. Mal sehn, was sie sagt, wenn sie aufwacht. Und: Mal sehn, wann sie aufwacht...

Unser Team hat gewonnen!

So fuehlt es sich zumindest an. Alle regen sich ueber Obamas Nobelpreis auf, aber ich muss ganz ehrlich sagen, was mich viel mehr mitgerissen und begeistert hat, ist der diesjaehrige Oekonomie Nobelpreis. Jaja, ich weiss, das hoert sich ziemlich bescheuert und abgehoben an. Aber stellt Euch vor, ich kenn sogar Leute, die mit Elinor Ostrom zusammenarbeiten, also kenn ich fast eine Nobelpreistraegerin. Aber was mich noch mehr begeistert als meine eigene Naehe zum Ruhm (haha), ist dass dieser Preis an eine Frau geht, die seit Jahren darueber forscht, wie Gruppen (z.B. die Bewohner eines Afrikanischen Dorfes) natuerliche Resourcen gemeinsam schuetzen und nutzen koennen. Und das waehrend der ganze wissenschaftliche Mainstream ueberzeugt war, dass staatliche Verwaltung oder Privatisierung die einzigen Loesungen seien. Also, unser Team hat gewonnen!

Willkommen im 21. Jahrhundert

Ein Friedensrichter (also Standesbeamte) in Louisiana weigerte sich letzte Woche, ein gemischtrassiges (so heisst das hier) Paar zu trauen. Er sagte, dass er das vor allem zu Gunsten der Kinder machen wuerde, die dann nicht geboren wuerden und denen er das Unglueck ersparen wuerde, unter der scheiternden Beziehung ihrer Eltern zu leiden. Nein, ein Rassist sei er nicht, schliesslich habe er kein Problem damit, schwarze Paare zu trauen.

Ja, schon klar...

Nein, damit wird er so einfach nicht durchkommen und das war vermutlich seine letzte Amtshandlung.

Freitag, Oktober 16, 2009

Ohohooooma


Wir vermissen Dich!

Sonntag, Oktober 11, 2009

Und dann?

Ja und dann sind Oma und Kind in Washington jeden Morgen zu den Obamas gegangen (also die schoene schnurgrade Strasse von uns zum Capitol), mittags hab ich mich mit ihnen getroffen und wir haben zusammen was ausgeheckt. Zum Beispiel in die hinterletzte Ecke hinter dem Gefaengnis und dem Knackikrankenhaus gelaufen, wo man seinen Tuberkulosetest machen muss, wenn man die Greencard will. Oder mit dem Auto nach Vietnam fahren, ins Eden Center vor den Toren Washingtons, das ist eine Mall, die so asiatisch ist, dass es auch so stinkt, wie auf einem asiatischen Markt. Da kann man fieses Essen angucken, oder Friseusinnen dabei beobachten, wie sie Maennern mit Haekelnadeln die Ohren sauber machen. Oder schliesslich mit der Metro nach El Salvador fahren und von da zu Fuss nach Hause laufen, bis man nur noch Plattfuesse hat, vorbei an Strassenfesten mit Grillen und Huepfburgen und durch einen Park, in dem ein Zementmischer sich an Rom erinnerte als er den Wasserfall baute...

Jetzt ist das alles schon vorbei, die Mutter ist zurueck im Heimatland und Obamas muessen wieder allein klarkommen. Wir auch.

Dienstag, September 29, 2009

Bei den Waschbaerhintern

Im Gebirge gibt's die Huegelbillies (Hillbillies), hier ist alles flacher Sumpf, da heissen sie Waschbaerhintern ('Coon-asses, kurz fuer Racoon-asses) - zuerst wurden die Cajuns von anderen so beschimpft, jetzt nennen sie sich stolz selbst so. Cajuns sind urspruenglich franzoesisch sprechende, aus Kanada kommende Sumpfbewohner, die vor ein paar hundert Jahren von den Indianern gelernt haben, wie man hier mit nassen Fuessen ueberlebt, und obwohl sie natuerlich jetzt alle mit dem Auto zu Walmart fahren, sind sie immer noch viel lieber mit dem Boot unterwegs zu ihrem Haus auf Stelzen, wo sie alles jagen oder angeln und essen, was nicht bei drei auf den Baeumen ist: Fische, Schlangen, Bullenfroesche, jegliche Art von Vogel, Alligatoren und natuerlich, wie koennte es anders sein, Waschbaeren.

Wir waren heute mit einem von ihnen als Fuehrer in einem Boot in den Suempfen unterwegs, er hat uns seine - wie er sagt - entfernte Verwandtschaft vorgestellt, die Alligatoren, die hier bis zu drei Meter lang werden, aber so ungefaehrlich sind, dass die Waschbaerhintern in der braunen Bruehe auch schwimmen gehen. Einer wollte aber trotzdem mal sehn, ob er vielleicht in unser Boot kommen konnte und hat sich mit einem wilden Schwanzschlag aus dem Wasser geschleudert und kurz vor Mutters Knie in die Reling gebissen... Naja, in der entfernten Verwandtschaft gibt's halt immer mal ne zaenkische Tante.

Montag, September 28, 2009

Erst alle nervoes machen und dann nix mehr sagen...

Jaja, ich weiss, Ihr fragt Euch, wo wir verschuett gegangen sind. Aber New Orleans ist einfach so ueberwaeltigend, wunderschoen, traurig, wild und ganz ganz anders als der Rest der USA, dass wir den ganzen Tag damit beschaeftigt sind, was zu erleben und abends wie erschlagen ins Bett fallen. Dann beginnt natuerlich fuer Sarah die Nachtschicht, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Gestern waren wir im 9th Ward, der Gegend, die 2005 von Hurricane Katarina verwuestet worden war. Ich war da ja auf meinem ersten New Orleans Trip vor zwei Jahren und war schockiert, dass alles noch so aussah, als sei der Hurricane grade vorbei. Viel hat sich nicht getan in der Zwischenzeit, noch immer stehn da halb verfallene Ruinen, verwuestete kleine Holzhaeuser, dazwischen der ein oder andere Neubau, die Einzige eindrucksvolle Veraenderung ist ein Bauprojekt, hinter dem Brad Pitt und Angelina stehen, die hier Oeko-Hauser fuer Hurricane Opfer bauen.

Als krasses Kontrastprogram sind wir danach mit der Strassenbahn durch die Villenviertel gefahren, um uns mal anzusehn, wie die andere Haelfte der Stadt lebt, der das am Hintern vorbei geht, was auf der anderen Seite ihrer Stadt passiert. Morgens sprach ich zufaellig mit einem Anwalt, der auf ebendieser anderen Seite wohnt und der meinte: Keine Sorge, wir koennten ohne Gefahr in die Katarina Gegend fahren, die einzige Warnung: "Halten Sie sich einfach von den Neger Jungs fern (Stay away from the Negro guys)" Ich war ja versucht, zu sagen, dass er mir das ein bisschen frueher haette sagen sollen, bevor ich einen von denen geheiratet hab... Was mich daran am meisten verwunderte, war die Sprache: Ich wusste gar nicht, dass es noch irgendwen gibt, der in diesem Jahrtausend dieses Wort benutzt, das aus dem Repertoire der gemaessigten Rassisten der 50er Jahre stammt...

Donnerstag, September 24, 2009

Geht's jetzt los?

Ob man mit einem "Ersatzdokument zur einmaligen Ausreise" und einem Personalausweis innerhalb der USA fliegen darf, kommt darauf an, ob die Leute am Flughafen gute Laune haben. Das werden wir heute morgen mal ausprobieren, denn wir wollen nach New Orleans. Also, Daumen druecken...

Mittwoch, September 23, 2009

Vornerum, hintenrum und ab durch die Mitte

Mal sehn, welche Strategie besser funktionniert. Oder ob sie beide nichts bewirken. Einerseits haben wir jetzt neue Polizistenfreunde, die sehr erfreut sind, dass es in dieser Gegend also auch Schwarze (meinen Mann) gibt, die ihre Arbeit aus vollstem Herzen unterstuetzen.

Andererseits sind da noch BigT (sprich Bigtie) und seine Frau Tasha, die in dem gleichen Sozialwohnungskomplex wohnen, wo die Polizei unsere Taeter vermutet. Mein Mann war letztens auf BigTs Geburtstagsparty und musste sich freundlich verspotten lassen, dass er Weisseleutebier (Heinekendosen) mitgebracht hatte, ob er denn Geld kackt.

Tasha hat so ne ganz leise (nein laute und mit vielen Fluechen gepfefferte) Ahnung, wer bei uns eingebrochen ist und versprach, mal bei dessen Mutter vorbeizuschaun und zu sehn, ob sie unseren Kram da findet und ihn uns ohne Polizei zurueckgeben kann. Einerseits denkt sie, der hat sich den Falschen ausgesucht, man bricht doch nicht bei BigTs Freunden ein. Andererseits will sie natuerlich auch, dass die Polizei sich da raushaelt, wir loesen unsere Probleme unter uns.

Montag, September 21, 2009

Zum Glueck kann man das Internet nicht klauen

Sonst haetten sie das vermutlich auch noch mitgenommen. Als wir heute von einem Ausflug nach Baltimore nach Hause kamen, war mein Mann erschrocken: "Haben wir die Tuer etwa nicht abgeschlossen?!" Und ich scherzte: "Eh, Diebe, habt Ihr wenigstens was gekocht? Ich hab Hunger!" Als die Mutter dann fragte: "Wer hat meinen Computer weggeraeumt?" war das Spiel irgendwie nicht mehr lustig. Die Diebe hatten naemlich nicht gekocht. Dafuer aber drei Labtops, einen Fernseher (erst ein paar Wochen alt), eine Tasche mit Mutters Reisepass, den Ersatzschluesel unserer Nachbarn, eine Kuechenuhr und ein dreckiges Betttuch geklaut.

Weil sie sowieso immer in der Gegend zu tun haben, war die Polizei in Minutenschnelle da, Officer Martinez erzaehlte, dass das schon der zehnte Einbruch in acht Wochen in unserer Gegend sei und sie hoffen, die Schurken bald zu fangen. Vermutlich eine Bande Jungs aus den Sozialwohnungen hinter unserem Haus. Einer davon muss ziemlich schlank sein, denn nach einigem Hin und Her vermuten wir, dass sie durch eine (ehemals) vernagelte Katzenklappe im Keller eingestiegen sind. Dann kam noch der Mann von der Spurensicherung (wow, das klingt so richtig wie im Krimi...) und hat Fotos gemacht.

Jetzt hab ich das Baby endlich in den Schlaf gestillt, die Mutter rumort im Badezimmer, mein Mann ist unterwegs um Verbarrikadierungsmaterial zu kaufen, und ich versuche langsam zu verstehen, was das alles bedeutet. Und bin froh, dass das Internet noch da ist, wo es hingehoert...

Mittwoch, September 16, 2009

Jetz getz lohoos

Heute mittag kommt meine Mutter zu Besuch. Was fuer ein einfacher Satz, der bei vielen Leuten einfach nur bedeutet, dass die Mutter sich ein Viertelstuendchen ins Auto oder auf's Fahrrad setzt und auf nen Schwatz vorbei kommt. Hier ist das etwas anders und sie setzt sich einen Tag lang ins Flugzeug. Deshalb kommt sie auch auf einen sehr langen Schwatz - drei Wochen. Und wo wir grad dabei sind, beim Reisen, haben wir uns gedacht, da koennen wir auch noch einen drauf setzen und werden gemeinsam mit dem Baby nach New Orleans fliegen. Da kann ich nur sagen juhuuu!

Dienstag, September 15, 2009

Kein Aeffchen

Es ist unglaublich, wie viele rassistische Bemerkungen man an einem Tag machen kann, ohne das zu wollen. Also, jetzt sind's die Aeffchen. Sarah ist wie ein kleines Aeffchen (oder eben Kinkong, s.u.), das sich an mich klammert, sich die Fuesse in den Mund steckt und die lustigsten kleinen Affenlaute macht. Aber, ich darf nicht mehr Monkey zu ihr sagen. Nachdem unsere (ebenfalls schwarze) Kinderfrau mich entsetzt angeguckt hat, wurde mir klar, dass das eins der verbotenen Woerter ist. Das ist wie Rassisten in den 50ern Schwarzen beschimpften.

Also hab ich meinen Mann gefragt, ob ich sie denn wenigstens "Aeffchen" (in Deutsch) nennen kann. "What? Eff... 'em?" (Was? F... sie?)

Also, deutsche Aeffchen hoeren sich an wie eine Aufforderung zum Geschlechtsverkehr. Aaaaaahhhhrg

Mittwoch, September 09, 2009

Die King Kong Phase

Eben schrieb ich einer befreundeten Mutter eine email ueber Sarahs neuste Entwicklungen: Wie sie an einer Brust zieht (Krallen tief ins Fleisch gehauen), um sich die andere in den Mund zu stopfen. Ihr Treten, Kneifen und die versehentlichen Kopfnuesse, die nur dem Gegner (ihrem Vater oder ihrer Mutter) weh zu tun scheinen...

Und als ich so die ganzen Brutalitaeten beschrieb, hatte ich einen Moment der Erleuchtung: Sie tut das alles ja nicht mit Aerger oder Wut, sondern wie ein Riese, der seine Kraft nicht unter Kontrolle hat. Und ploetzlich hatte ich dieses Bild aus dem King Kong Film im Kopf, wo der riesige Affe diese winzige Blonde Frau in seiner Faust haelt und versucht, sie nicht zu zerdruecken. Und ich fuehlte eine gewisse Seelenverwandtschaft unter Blondinen...

Dienstag, September 08, 2009

Wenn man es nicht besser wuesste,



koennte man doch echt meinen, dass da zwei Vaeter ihre jeweiligen Kinder halten. Ist aber nicht so. David (rechts) ist (Adoptiv-)Vater von Yelibe (links) und Will (links) ist Vater von Sarah (rechts).

(Warum das Bild darauf besteht, hochkant gezeigt zu werden? Fragt mich was Leichteres...)

Montag, September 07, 2009

"Hast Du Sarah's neuen Zahn schon gesehn?"

...frage ich ganz begeistert. Aber ach, weil niemand Sarah's Mund mit dem Mikroskop untersucht, hat ausser mir noch niemand das Wunder entdecken koennen. Also, ich berichtige: Sie hat keinen Zahn, sie hat ein ganz kleines winziges weisses scharfes Eckchen in einem ansonsten zahnlosen Gaumen.

Sonntag, September 06, 2009

Der Berg kreisste und gebar...

ein Zaehnchen.

Nach drei Monaten, in denen uns jeder fragte: "Oh, zahnt sie, oder warum sabbert sie so?", bekommt Sarah nun ihren ersten Zahn. Das fuegt ihrem Folter-Repertoire eine weitere Option hinzu, nun kann sie also nicht nur treten, hauen und kneifen, sondern auch noch beissen. Wovon sie heute ausfuehrlich Gebrauch gemacht hat.

Samstag, September 05, 2009

Nicht im Stillen stillen

Die Stillschuerze gehoert hier zur Muttergrundausstattung, damit beim Stillen auch ja keiner irgendwelche unkeuschen Details sieht. Nun stillte eine Mutter in meiner Online-Muttergruppe in der Buecherei und wurde von der Bibliothekarin recht ruede zurechtgewiesen, ihr Kind mehr zuzudecken, wenn sie schon die Frechheit besitzt, da zu stillen. Ihrem Aerger machte die Mutter auf der email Liste Luft und wie es aussieht, wird es bald in der Buecherei ein Still-In (s. sit-in) geben, wo eine ganze Muetter Gruppe sich die Kids zur Brust nehmen wird. Ich bin gespannt...

Freitag, September 04, 2009

US Gericht sagt: Stillen hat nichts mit Schwangerschaft zu tun

Diese Ueberschrift hab ich mir nicht ausgedacht. Eine Frau in Ohio wurde von ihrem Arbeitgeber Totes/Isotoner gefeuert, weil sie regelmaessig und ohne um Erlaubnis zu fragen auf der Toilette verschwand, um Brustmilch abzupumpen. Sie hat den Arbeitgeber verklagt, aber der hat auch in der zweiten Instanz (Ohios oberstes Gericht) recht bekommen.

Die Frau zu entlassen verstoesst nicht gegen das Gesetz, das es verbietet, Frauen aufgrund ihrer Schwangerschaft und damit verbundener Umstaende zu diskriminieren, weil Stillen ja nicht eine notwendige Folge der Schwangerschaft ist. Sie koennte ja auch Babynahrung fuettern, soll sich halt nicht so anstellen. Auch die Tatsache, dass andere Angestellte ohne Erlaubnis einzuholen zu anderen Zwecken die Toilette aufsuchen, hat die Richter nicht beeindruckt.

http://www.salon.com/mwt/broadsheet/feature/2009/08/28/fired_for_pumping/index.html

Dienstag, September 01, 2009

Was ist fair?

Der "fair housing act" (also das "fair Wohngesetz") bestimmt, dass es nicht fair ist, in einer Wohnungsanzeige zu beschreiben, was fuer Mieter man will, denn das diskriminiert ja jeden, der nicht in die Kategorie faellt. Generell macht das Sinn, denkt man, dass es keine Anzeigen geben soll, wo steht: "Suche weissen Mieter fuer drei Zimmer Wohnung." Aber auch die Frau, die eine WG gruenden will und schreibt: "Suche weibliche Mitbewohnerin fuer Gruendung einer WG" verstoesst gegen dieses Gesetz. Weil sie ja die Maenner diskriminiert. Also muss sie in der Anzeige so tun, als wuerde sie genauso gerne mit einem Mann zusammen wohnen (denn auch Formulierungen wie "Frauen bevorzugt" gehen streng genommen nicht, da sie, offensichtlich, Frauen bevorzugen).

Ja sehen die nicht, dass so ein Gesetz letztlich das Leben der Diskriminierten noch beschwerlicher macht? Denn wenn sie sich auf die Anzeige melden, werden sie die Wohnung ja trotzdem nicht kriegen, denn das Gesetz mischt sich zwar ein, wenn die Anzeigen geschrieben werden, aber kann letztlich doch nicht vorschreiben, dass man einem Mann, einem Schwarzen oder wen auch immer man nicht haben will, die Wohnung vermietet.

Die groesste kostenlose Anzeigen website hier (craigslist) wurde grade verklagt, weil Nutzer haeufig gegen dieses Gesetz verstossen - wurde aber letztlich nicht verurteilt, weil das Gericht einsah, dass das wohl kaum die Schuld der website war... Ach Amerika...

Montag, August 31, 2009

Hauen und Stechen

Ist das normal? Sarah kann irgendwie noch nicht mit dem Mund eine Sache machen und mit den Haenden und Fuessen eine andere. Also, mit dem Mund trinken und den Rest stillhalten, ist unmoeglich. Wenn der Mund pumpt, muss sie mich mit den Fuessen im Rhythmus in den Bauch treten und mit den Haenden in die andere Brust kneifen. Es sei denn ich baue aus Kissen einen Bauchschutz und halte ihre Haende mit eisernem Griff fest.

Wenn ich mir die Vergleichsbabies aus meiner Bekanntschaft anseh, dann muss ich sagen: Sarah ist fried (wie man in Geich sagt), sie liebt wilde Spiele, haut mir den Kopf so ans Kinn, es mir weh tut und sie lacht nur, letztens hat sie ihren Vater so gegen den Hals getreten, dass ihm die Luft wegblieb und er fuer nen Moment dachte, er braucht nen Krankenwagen, aus Protest gegen meine ewige Tipperei krallte sie sich einfach eine Taste aus der Computertastatur, riss sie raus und wollte sie in den Mund stecken. Wenn ich die Babies meiner Freundinnen hochhebe, merke ich immer, dass ich mich ploetzlich beherrschen und zarter sein muss.

Samstag, August 29, 2009

Schoenheitspflege...

... ist nur fuer Sarahs Mutter noetig. Sarah selbst ist ja so schoen, dass die fuenf schwarzen Kosmetikerinnen erstmal ne Minute lang lautstark "Oh! Ah! Was fuer ein suesser Bursche!" gurrten, bevor sie mich fragten, was ich denn wollte (so nach dem Motto: Der Junge hat ja noch wen mitgebracht). Ja, ich weiss, in dieser Muetze sieht Sarah aus, wie ein franzoesischer Junge und nicht wie ein deutsch-amerikanisches Maedchen. Aber das wird dadurch ausgeglichen, dass es das Kleidungsstueck mit den meisten Komplimenten pro Minute ist.

Donnerstag, August 27, 2009

Sarahs Lieblingsbeschaeftigung

An Gesichtern ziehen (wie hier bei unserer Freundin Ruth) - an Nasen, Ohren, Haaren, Augen. Wie, an Augen kann man nicht ziehn? Das weiss Sarah aber noch nicht und versucht es deshalb trotzdem.

Mamamama, Papapapa

Natuerlich weiss Sarah nicht, was sie sagt. Und natuerlich heissen Muetter in den meissten Sprachen Mama (oder was, was so aehnlich klingt), weil das eines der ersten "Woerter" ist, die ein Baby automatisch sagt. Trotzdem trifft es mich mitten ins Herz, wenn ich sie hinlege und sie weiter rumgetragen will und ganz verloren (oder beleidigt) "Mama! Mama!" ruft.

Montag, August 24, 2009

Der Plan

Langsam gewoehnen wir uns daran, dass wir eine neue Mitbewohnerin haben und koennen auch ab und zu darueber nachdenken, wie wir es schaffen, nicht komplett wahnsinnig und eingeeltert zu werden - oder zu vervorstaedtern. Und ganz wichtig dafuer ist DER PLAN.

Der sieht so aus: Montag, Dienstag und Donnerstag abend darf ich ausgehn, Mittwoch, Samstag und Sonntag abend ist mein Mann dran und fuer Freitags suchen wir uns einen Babysitter. Das heisst nicht: Wir muessen an diesen Tagen ausgehn. Aber dadurch, dass wir einen klareren Plan haben, koennen wir einander sagen: Heute bist Du dran! Und der andere kann ausgehn, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Das Schoene ist, dass ich ja um zwei Uhr morgens, wenn er von einer Party nach Hause kommt, eh grade wach bin und stille, dann kann ich mir den begeisterten Klatsch und Tratsch ueber unsere gemeinsamen Freunde anhoeren und hab fast das Gefuehl, ich waere dabei gewesen.

Freitag, August 21, 2009

Essen auf Raedern

Die online Muetter auf dem Huegel (moms on the hill) machen ja die unterschiedlichsten tollen Sachen und eins davon ist meals on wheels (also Essen auf Raedern): Familien, die ein Kind erwarten koennen fuer die Zeit gleich nach der Geburt um Essen auf Raedern bitten, weil sie selbst ja kaum wissen, wo ihnen der Kopf steht. Und dann gibt es eine Liste im Internet, wo sich andere Muetter eintragen koennen, die ein Essen kochen und vorbeibringen wollen.

Das ist hier sowieso ein ganz wichtiger Teil der Kultur, wenn irgendwas los ist, bringen alle immer Auflaeufe an. Also typisch ist das bei Beerdigungen, die hier die typische jeder-bringt-was-mit-Party sind. Als ich meinem Mann erzaehlte, dass meine Mutter fuer alles Essen bei der Beerdigung meines Vaters selbst bezahlt hat, war der schockiert.

Mittwoch, August 19, 2009

Besser arm dran als Arm ab...

In den 80ern hatten die coolen Kids alle Tennisarm. Meine Eltern konnten sich sowas nie leisten und so musste ich bis in die spaeten 90er warten, bis ich mir einen Magisterarbeitsarm zulegen konnte. Tennis ist inzwischen out, Babies sind in und deshalb ist der neuste Trend: Babyarm. Nur ist dieser Babyarm nicht an einer Babyschulter befestigt. Zumindest nicht permanent. Wie beim Tennis- und Magisterarm ist der empfohlene Weg zur Heilung: Schonen, Bewegung nicht mehr ausfuehren. Sarah nicht mehr hochheben??? Sonst noch Vorschlaege?

Sonntag, August 16, 2009

Cool Mama

Es gibt viele Gruende, warum ich froh bin, dass ich jetzt Mutter bin und nicht vor 30 Jahren (also nicht nur, dass das biologisch gesehn ein bisschen schwierig gewesen waere). Das faengt ja schon in der Schwangerschaft an, coole H&M Klamotten statt Blumenzelte. Und die Einstellung der meisten Vaeter zu ihrer Brut (und der damit verbundenen Arbeit) hat sich auch zum Positiven entwickelt. 1000 Details haben sich veraendert, irgendwie faellt das wohl alles unter die Ueberschrift: Muetter sind auch Menschen - und verschwinden nicht ploetzlich in Mamaland, wo alles ganz anders ist.

Musik zum Beispiel. Wir muessen nicht mehr Rolf Zuckowski hoeren, denn es gibt inzwischen Kindermusik, die weder kitschig noch knallbunt ist, sondern eben einfach nur gute Musik, die kindgerecht ist und Eltern nicht quaelt. Meine momentanen Favoriten:
Ziggi Marley "Family Time"
Ben Rudnick and Friends "A Frog named Sam"
Putumayo "New Orleans Playground"

Donnerstag, August 13, 2009

Hydrantenparty

Hier gibt es ja tatsaechlich Sachen, die ich nur aus amerikanischen Filmen kenne (ach...) und manchmal koennen sie mich immer noch ueberraschen. Als es hier die Tage so heiss war, gab's bei uns hinterm Haus Hydrantenparty. Wisst Ihr noch, in den Filmen aus New York in den 70ern, wo alle so nen wilden Afro hatten und irgendwer den Hydranten aufdreht und der spritzt mit aller Kraft ueber die ganze Strasse und alle tanzen und geniessen die kalte Dusche? Also, wir hatten keine YMCA Musik im Hintergrund aber, man, ich waer da gerne hingelaufen und haette mitgemacht... Aber leider kenne ich da die lokalen Gepflogenheiten nicht - braucht man fuer die Hydrantenparty ne Einladung? Hinter unserem Haus ist der soziale Wohnungsbau und die Jungs sehn alle so'n bisschen tough aus. Obwohl, als sie im Wasser rumhuepften, sahen selbst die ausgewachsenen Gangster so aus wie begeisterte Siebenjaehrige...
Ja ist das denn erlaubt? Mein Mann sagt, wenn es so richtig heiss ist, dann ist das nicht verboten, wenn man vorher bei der Stadt anruft. Vorstellen kann ich mir das nicht, aber es stimmt schon, da hinten faehrt immer die Polizei vorbei und keiner hat den Spass gestoppt. Cool.
Andererseits: Gestern hatten wir den halben Tag keinen Strom und anscheinend wird sowas manchmal als Zwangssparmassnahme angeordnet, weil in der Hitze so viele Klimaanlagen laufen und das Stromnetz das nicht aushaelt. Und: Vor ein paar Wochen ist hier in einer ziemlich schicken Gegend ein Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt, weil die Feuerwehr keinen Hydranten fand, der ausreichenden Wasserdruck zum Loeschen hat. Was fuer ein eigenartiges reichstes Land der Welt...

Mittwoch, August 12, 2009

Und jetzt live aus Washington vom Capitol Hill...

"Sarah isst Brei". Das war eine Sendung von hoechster weltpolitischer Brisanz, die am Sonntag live ueber web-cam in deutsche Wohnzimmer uebertragen wurde... Also, in ein deutsches Wohnzimmer, um genau zu sein. Entfernungsgrosselternschaft ist natuerlich bescheuert. Aber ich haette nie gedacht, wie sehr so eine Kamera Naehe schaffen kann. Also konnte meine Mutter sich den historischen Moment nicht nur mit ansehn, sondern auch hilfreiche Tips dazu geben, wie man die Kleine am besten haelt, damit man beide Arme (ihre) unter Kontrolle hat und sie einem den Loeffel nicht wegnehmen kann. Und Sarah lacht im Gegenzug die Bildschirmoma an.

Was Sarah dazu sagt (zum Brei)? "NA ENDLICH!" Steht ihr deutlich aufs Gesicht geschrieben, waehrend sie den Mund wie ein hungriges Voegelchen dem Loeffel entgegenreckt.

Samstag, August 08, 2009

Jura oder BWL?

Jetzt ist sie fast bereit, auszuziehn und studieren zu gehn. Ja, ich weiss, dass ich durchgeknallt bin, und Hormone sind eine eigenartige Suppe. Gestern hab ich im Supermarkt die erste Packung Babynahrung (Reisbrei) gekauft. An ihrem 5 Monats-Geburtstag werd ich ihr die erste Portion servieren und ich hatte echte Traenen in den Augen, als ich das Zeug kaufte. Eine Mischung von: "Ich bin so stolz auf Dich, kleine Maus." und "Hilfe! Mein Baby wird erwachsen!" Mein Mann schuettelt den Kopf.

Freitag, August 07, 2009

Meine virtuellen Muetter

Ach, ich wuesste nicht, was ich ohne sie taete. Es gibt hier eine email-liste von Moms on the Hill, also Muetter auf dem (Capitol)Huegel, die mir regelmaessig, helfen, die Welt erklaeren und mein Mutterleben erleichtern. Stellt Euch vor, 3000 (oder so) Muetter in meiner Nachbarschaft, die einander erklaeren, wie man wunden Babypo heilt, Babykleidung und Spielzeug austauschen, verlorene Hunde und Handtaschen dem Besitzer zurueckgeben, einander vor Einbrechern warnen und sich ab und zu sogar in der wirklichen Welt treffen. Meine letzte Anfrage an die Liste war: Ist da draussen irgendwer, der auch unter home-office-blues leidet, also darunter, dass von zu Hause arbeiten irgendwie einsam ist? Die Muetter, die geantwortet haben, hatten gute Ratschlaege, wie sie ihr eigenes home-office organisieren, aber, was noch viel wichtiger ist, es sieht so aus, als waeren das genuegend Interessierte, dass wir eine regelmaessige gemeinsame Mittagspause, einen Buero-Austausch oder die Invasion eines Cafes (zum nebeneinander sitzen und arbeiten) planen koennten. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Fressereichen

Kuchen mit Schlagsahne, Joghurt mit Sommerfruechten, Butterbrot etc. pp. Perfektes Timing. Ich hatte wirklich die Nase voll von meiner Hungerkur. Und als ich nun wieder getestet hab, was Sarah macht, wenn ich Milchprodukte esse, war die wunderbare Antwort: Nix besonderes. Mein Mann sagt: Nimm's langsam. Aber nach Monaten von Erdnussbutter und Auflauf mit Bruehe, wie soll ich da nicht voll in die Sahne hauen?! Und ganz fett Gorgonzola...

Donnerstag, August 06, 2009

Eva liest

Ich hab ja schon seit Jahren vor, mir eine Liste der Buecher zu machen, die ich lese, und dazuzuschreiben, wie ich sie leiden kann. Denn leider kann ich mich schon nachdem ich die letzte Seite gelesen hab, meist nicht mehr an die Geschichte, oder den Namen des Buchs erinnern, sondern nur noch an die Farbe des Umschlags und das Gefuehl, das ich beim Lesen hatte. Auf Papier haben diese Buecherlisten nie funktionniert. Ob wohl ein blog bestaendiger ist und weniger leicht verloren geht? Wir werden sehn: http://bookdrinker.wordpress.com/ (sorry, ist in Englisch, denn das ist die Sprache, in der ich im Moment hauptsaechlich lese und ueber das gelesene nachdenke...)

Dienstag, August 04, 2009

Rote Flagge

Meine Freunde in Europa gehen auf Schneckenjagd und setzen langsam Moos an, waehrend wir uns hier kaputtschwitzen. In Washington gibt es, wie ich letztes Wochenende erfuhr, offizielle "red flag days" also Tage mit roter Flagge, an denen man Kinder nicht draussen spielen lassen soll, weil es einfach viel zu heiss ist. Die werden in der Zeitung angekuendigt, um alle zu warnen. Und ich denke, wir sind da im Moment mitten drin...

Freitag, Juli 31, 2009

Kruemelmonster

Im Land der Einarmigen (die in dem anderen Arm immer ein Kind halten), ist nicht viel gebacken. Und ein Rezept ist gut, wenn's schnell geht, man nichts Spezielles braucht und noch dazu angedoetschte Reste gewinnbringend einsetzen kann. Also ist im Moment Crumble (Streuselauflauf?) das einzige Gebaeck meiner Wahl. Gestern wieder die Schwiegereltern damit gefuettert. Ein Teil Butter, ein Teil Zucker, zwei Teile Mehl zu Streuseln kneten. Jegliches traurige Obst, was noch im Kuehlschrank rumhaengt, in eine Auflaufform schnipseln, Streusel drueber, backen. Das Ergebnis ist so unverhaeltnismaessig viel leckerer als der Aufwand, den es erfordert, das gehoert verboten.

Mein Mann eben am Telefon: "War mittags kurz zu Hause um den uebrigen Kuchen aufessen. Und dann die Streusel in der Plastikschuessel. Lecker"
Ich: "In der Schuessel? Aber die waren doch noch gar nicht gebacken!"
Er: "Macht nix, trotzdem lecker."

Einen der ersten Familiensprueche, die ich ihm aus Anlass seiner Vaterschaft beigebracht hab, war: Wenn wir den Papa nicht haetten, koennten wir uns ein Schwein halten.

Ach Oma, ich bin beschaeftigt...

Sarah's Oma und Opa aus Pink Hill sind zu Besuch. Sobald ich aus Deutschland zurueck war, sassen sie in den Startloechern. Wir lachen: "Verwoehnt? Sarah wird doch nicht verwoehnt!" schon klar. Weil sie Sarah zwei Monate nicht gesehn haven, merke ich besonders deutlich, wie Sarah sich weiterentwickelt hat. Als sie zuletzt auf Opa's Arm war, war sie noch dies kleine kuschelige Kaetzchen, das am liebsten den ganzen Tag gehuckelt wurde, und das man mit Schnurren, Gurren und Wiegen aus jedem noch so aufgeregten Zustand beruhigen konnte. Inzwischen ist sie ein halbwuechsiger Tiger und das ewige Schnurren und Gurren langweilt sie. Sie will so getragen werden, dass sie die Welt sehn kann. Und was mir erst auffaellt, weil Oma und Opa nicht genug von ihr kriegen koennen: Sie hat irgendwann die Schnauze voll von all dem Heiteitei und moechte einfach nur in Ruhe auf ihrer Spieldecke liegen und ein Buch essen oder eine Ente hauen.

Wenn wir allein zu Hause sind, hat sie dazu genug Zeit, denn ab und zu habe ich ja auch genug von Heiteitei und will Buecher essen und Enten hauen.

Freitag, Juli 24, 2009

In Deutschland hab ich ab und zu gedacht: Ist das nicht unglaublich langweilig fuer die Muetter, die ein ganzes Babyjahr zu Hause bleiben, bevor sie wieder arbeiten gehn? Immer nur guggugaggaheiteitei. Und dann, um keine Rabenmuetter zu sein, nur Teilzeit?

Hier hab ich nun schon mehreren Freunden und Freundinnen versucht, das Konzept der Rabenmutter (raven mother???) zu erklaeren. Nicht nur dass es kein Wort dafuer gibt, auch die Idee an sich wurde nicht recht verstanden...

Andererseits...

Ja, andererseits war ich gestern bei der "Back to work" class ("Zurueck zur Arbeit" Klasse) im Stillzentrum, wo es vor allem darum ging, wie man die zwei oder drei Monate alten kleinen Stinker auch nach dem Wiedereinstieg weiter mit Muttermilch versorgen kann. Da spielt natuerlich die Milchpumpe (Prinzip Kuhstall) eine wichtige Rolle. Einer der Tipps, wie man das Pumpen in den vollgepackten Tagesablauf packen kann: Morgens im Stau schnell die Saugnaepfe anlegen, Stillschuerze ueberhaengen, dass keiner sieht, was man macht und los geht's: Schluerf, schluerf, schluerf. Allgemeine Begeisterung bei den anwesenden Damen.

Das Tolle ist, anders als telefonieren mit dem Handy, ist Pumpen waehrend des Fahrens nicht verboten. Na dann...

Montag, Juli 20, 2009

Saugnapf - oder: Bin ich Starbucks?

Das ist vermutlich eine fruehe Form der Klage pubertierender Eltern: "Du denkst wohl, hier ist Hotel Mama?!"

Sarah hat nun gelernt, also, naja, beinah gelernt, wie sie sich an meiner Milchbar selbst bedient. Wenn sie auf der Seite liegt und ich mich hinter sie lege und saeusel: "Sarah, hier ist Milch!", dreht sie sich um und faengt an zu saugen. Vermutlich wuerde sie das auch tun, wenn ich saeseln wuerde: "Obama traegt gebuegelte Jeans." oder was auch immer mir grade einfaellt.

Das kleine Problem ist, dass sie noch nicht ganz zielsicher ist und letztlich an allem zu saugen anfaengt, was warm und weich ist. So hatte ich diesen kleinen Saugnapf schon an meinem Bein haengen. Letzte Nacht bin ich davon aufgewacht, dass sie in meiner Achsel etwas suchte und nicht fand...

Und waehrend sie in den ersten Monaten dieses kleine Kaetzchen war, das sich fuer nichts interessiert, ausser, wo das Fressen herkommt, hat sie jetzt ein Starbucks-Verhalten entwickelt: Einen Schluck Milch trinken, dann in der Gegend rumgucken oder mit den Freunden quatschen, dann wieder einen Schluck Milch, der Begleitung (das bin in diesem Fall ich) tief und bedeutungsschwanger in die Augen gucken, noch ein Schlueckchen trinken.

Sonntag, Juli 19, 2009

Noch steriler

Wir haben fuer die Babyflaeschchen so Sterilisierungstueten. Man tut die Flaeschchen etc. in die Tueten, Wasser dazu und alles zusammen in die Mikrowelle, damit der Dampf den Keimen den Garaus macht. Heute haben wir neues Babyspielzeug bekommen - bzw. gebrauchtes Babyspielzeug und da faengt die Geschichte an.

Mann: Hast Du das sauber gemacht, wer weiss, was da fuer Keime dran sind!
Frau (Spuelt)
Mann: Nein, ich mein sterilisiert, pack das doch einfach in die Tueten und ab in die Mikrowelle.
Frau: Gute Idee
..... piep....
Mann: Um die Keime auf dem Spielzeug brauchen wir uns jetzt keine Sorgen mehr zu machen (wirft den geschmolzenen Plastikklumpen in den Muelleimer).

Donnerstag, Juli 16, 2009

Nanny Spy (Kindermaedchen Spion)

Das war ich gestern. Am Nachmittag mit Sarah auf dem Spielplatz - sie konnte da wilde Kinder beobachten und ich (das war mir vorher nicht so klar) konnte mal sehn, wie die Kindermaedchen mit ihren Schuetzlingen umgehn, wenn keine Muetter oder Vaeter dabei sind. Denn wochentags am Nachmittag arbeiten (fast) alle Eltern.

Nun gehoert es zu der Natur der Maeuse, dass sie auf den Tischen tanzen, wenn die Katze aus dem Haus ist. Und trotzdem hat mich der Nachmittag nachdenklich gestimmt.

Die Spielplatzbaenke sind nach Nationalitaet aufgeteilt, in der einen Ecke sitzen die Afrikanerinnen und palavern in Franzoesisch, in der anderen Ecke die Latinas und am Klettergeruest spielen zwei Muetter mit ihren Kindern. Ich hab da die unterschiedlichsten Verhaltensweisen gesehn und viele, vor allem die Latinas, waren sehr herzlich mit den Kindern. Aber im Gedaechdnis blieb mir die Afrikanerin, die von ihrer Bank aus immer nur rief: "Molly, komm her! Komm her!" obwohl das vielleicht zweijaehrige Kind nichts anderes tat, als die anderen auch, spielen. Schliesslich war sie so frustriert, weil Molly nicht herkamm, dass sie das Maedchen holte und sagte: "So, setz Dich hier hin, Gesicht zur Wand, Arme ueberkreuz und beweg Dich nicht von der Stelle."

Das war nun nicht brutal oder uebermaessig schrecklich, aber es hat mich eben nachdenklich gemacht, weil unsere Kinder hier einen Grossteil der Zeit von Frauen erzogen und gehuetet werden, die aus einem anderen Kulturkreis kommen und vielleicht ein ganz anderes Verstaendnis davon haben, wie Kindererziehung aussehn soll.

Mittwoch, Juli 15, 2009

Streckbank?

Heute waren wir beim Kinderarzt, das Ergebnis: Sarah ist immer noch laenger als 75% ihrer Altersgenossinnen aber nur schwerer als 50%. Das heisst sie waechst immer noch wie bloed, hat aber ihren Buddha-Bauch verloren. Ansonsten alles super. Sagt die Aerztin. Und wir auch...