Samstag, April 25, 2009

Zu diesem Bild gibt es sogar eine Geschichte


Erinnert Ihr Euch an Mama Laadi, die in Bolga das Waisenhaus fuehrt und eine meiner besten Ghanaischen Freundinnen war? Und an Debbie, meine beste Europaeische Freundin in Bolga? Laadi fand es immer ganz schrecklich traurig, dass ich weder verheiratet war, noch Kinder hatte; was amuesant ist, denn Laadi selbst ist -was in Ghana selten ist - unverheiratet, hat aber nen ganzen Haufen (Waisen-)Kinder. Sie wollte mich immer mit ihren Freunden verkuppeln und betonte, dass dieser oder jener ihrer Brueder so ein guter Christ sei, dass er mit Mitte 30 noch nie einer Frau beigewohnt haette. Hm. Na gut. Sie hat es leider nie geschafft, mich zu ueberzeugen.

Debbie war letzte Woche in Ghana, gemeinsam mit einem Freund, der ziemlich viel Geld fuer Laadis Organisation gespendet hat, und sich deren Arbeit vor Ort ansehn wollte. Dieses Foto haelt den Moment fest, in dem Debbie Mama Laadi ein Foto von Eva, Mann und Kind zeigt und Laadi so einen ganz typisch Ghanaischen Freudenlaut ausstoesst, den man nicht aufschreiben kann...

Selbst verliebten Eltern


faellt nicht immer ein guter Vorwand ein, um ein weiteres Baby-Foto in den Blog zu setzen. Ausser, dass sich Oma freut vielleicht. Oder ich koennte die Geschichte dazu erzaehlen, dass es so aussieht, wenn ich dusche, denn auf dem Badezimmerboden ist sie wenigstens gleich nebenan, falls sie anfangen sollte zu heulen. Oder vielleicht koennt Ihr auf diesem Bild sehen, wie braun sie inzwischen geworden ist. Aber eigentlich, seien wir mal ganz ehrlich, will ich natuerlich nur damit angeben, was fuer ein suesser Fratz sie ist...

Freitag, April 24, 2009

Pasta mit Trueffelbutter, Kaese und Mandelstiften

Gestern hab ich den zweiten Teil meines Milchexperiments angefangen. Nach wochenlanger Abstinenz ist die Frage nun: Geht es dem Kind besser, weil sich das Verdauungssystem in den letzten Wochen weiter entwickelt hat, oder kommt das wirklich davon, dass ich Kaese aufgegeben hab. Versuch macht kluch, also hab ich gestern geschlemmt (s.o.).

In der Nacht waren mein Mann und ich dann kluch... Und lagen gemeinsam mit unserer Tochter wach, die sich im Bett wand und unter grosser Anstrengung kleine Mengen gruenen Spinats in ihre Windel presste.

Das naechste Schlemmermahl gibt's in 6 Wochen, denn einige Babies haben im Alter von 3 Monaten die Faehigkeit Kuhmilchprotein zu verdauen...

Mittwoch, April 22, 2009

Was in dieser und jener Woche so passiert...

Woche 5, so sagt eines meiner Buecher, sind die Babys besonders quengelig, wollen nicht schlafen und immer im Arm gehalten werden. Sarah hat das gleiche Buch gelesen und sich entsprechend verhalten. In Woche 6 haben sie sich dann daran gewoehnt, dass sie ploetzlich mehr sehen koennen und sind wieder ganz glueckliche Sonnenscheine. Wunderbar.

Eine andere Mutter sagte: Ab der 6. Woche hoert der Adrenalinrausch auf, der einen nach der Geburt hat ueberleben lassen und man merkt ploetzlich, wie anstrengend das ist... Nun, ich wuerde nicht sagen, dass ich das vorher nicht gemerkt haette aber ploetzlich machen mich weniger anstrengende Tage viel mueder... Na dann, gute Nacht.

Montag, April 20, 2009

Montag, April 13, 2009

Babys und Muetter auf Drogen?

Auf den Pamperskartons, Babybadverpackungen und allen anderen Babyprodukten seh ich immer diese Fotos perfekt gestylter Muetter mit laechelnden Babys, die die jeweilige Aktivitaet (zum Beispiel Baden) mit gemeinsamer Begeisterung durchfuehren (ohne dass ein Haar von seinem ihm zugeteilten Platz abrueckt), oder grade durchgefuehrt haben (komisch, auf den Windeln ist nie ein Foto vom kackenden Baby mit knallrotem Gesicht oder von der gruenen Pampe in benutzter Pampers - das ist so aehnlich wie Tampon-Werbungen, wo eine laechelnde Frau ein Tampon in der Hand ausdrueckt, nachdem sie es vorher in ein Glas mit blauem Wasser getaucht hat... Hae?).

Ich dagegen sitze mitten am Tag ungeduscht, mit verwuestetem Haar und im Schlafanzug in meinem Wohnzimmer und bin froh, dass sich mein Baby (im Partnerlook gestylt...) nun endlich entschlossen hat, dass es vorwaerts zusammengerollt auf meinem Schoss und gegen meine Brust gelegt ein knurrendes Nickerchen halten will (erstaunlich, was fuer Toene schlafende Babys von sich geben). Das ist eine Position, in der ich auf meinem Labtop tatsaechlich mal beidhaendig tippen kann. Also guck ich aus dem Fenster in den Tag hinein, der sich nicht ganz entscheiden kann, ob er fruehlinglich werden will, bin stolz, dass ich es geschafft hab, die Waschmaschine anzuschmeissen (trotz Proteste) und laechel (wenn auch nicht so zugedroent, die die Damen auf den Babyproduktfotos). Denn dies ist die besondere und ach so kurze Zeit, in der mein Herzschlag und mein weicher Bauch genug sind, um meinem Kind alle Sicherheit und Zufriedenheit dieser Welt zu geben. Und zum Glueck ist keiner hier, der davon Fotos macht...

Donnerstag, April 09, 2009

Mutterflirt

Neue Freundinnen finden wollen ist ja aehnlich, wie wilde Katzen fangen oder mit Maennern flirten: Man sieht ein Exemplar, das einem gefaellt und dann versucht man, es anzulocken, waehrend man gleichzeitig so schraeg zur Seite guckt, als ob einem das alles gar nicht wichtig waere. Damit man die Jagdbeute nicht verscheucht... und wenn's nicht klappt, oder man beim Naeherkommen sieht, dass das ja ein fieses Vieh ist, kann man sich immer noch so mit der Hand durchs Haar streichen, als haette man gar nicht gewunken.

Mein erstes Muetter-Blind-Date war ganz unglaublich nett, aber so in dem Sinne, wie mein alter Freund A. das mit Ekel im Gesicht sagte: "Wenn eine Frau zu Dir sagt: 'Du bist echt total nett...', dann weisst Du, das dieser Satz mit 'aber...' weitergeht." Also, die Dame und ihr Baby waren total nett, aber wir hatten einander nichts zu sagen. Mein Mann findet das erstaunlich, dass Frauen sich in so einer Situation trotzdem zwei Stunden lang angeregt unterhalten koennen.

Gestern bei der schicken Muttergruppe waren zwei dabei, die gefielen mir schon besser, wir haben Telefonnummern ausgetauscht und ich bin ganz stolz auf mich, dass ich mich getraut hab, eine von ihnen heute zum Spazierengehn anzurufen. Nun fange ich also langsam an, auch das Sozialleben einer Mutter zu haben, nicht nur eine Milchbar zu sein. Es bestehen also doch noch Chancen, dass ich meine geistige Gesundheit behalte / wiederkriege...

Mittwoch, April 08, 2009

Ersatz

Mandelmilch, Erdnussbutter, Ziegenkaese... ja, ich geb's zu, wir haben sogar schon ueberlegt, ob und wie man aus Muttermilch Buttermilch machen kann (die Idee aber verworfen, weil das erstens irgendwie eklig ist und zweitens nicht genug Nachschub produziert wird). Das Einzige, was als Kuhmilch-Ersatz ueberhaupt nicht geht, ist Sojamilch. Die schmeckt nach Mottenkugeln und Kastanien vom letzten Jahr, damit kann man sich so richtig den Kaffee versauen.

Aber, hey, schwarzer Kaffee ist gut fuer die Figur, Baby geht's besser und Ziegen sind meine Helden!

Montag, April 06, 2009

Wir sind die Schmuddelkinder

Capitol Hill ist die schoene Wohngegend um das Capitol rum, wo lauter Lobbyisten, Anwaelte, Regierungsleute und ihre schicken jungen Familien in aufgemoebelten Backsteinhaeuschen wohnen.

Vor ein paar Jahren haben die Immobilienhanseln hier beschlossen, dass sich unsere Gegend besser verkauft, wenn man sie umbenennt und so tut, als sei sie ein Teil von Capitol Hill - obwohl unsere Backsteinhaeuser noch im Urzustand sind, an jedem Ende der Strasse ein Block sozialer Wohnungsbau steht und die Polizei davor Tag und Nacht mindestens ein Auto stationniert hat...

Wie auch immer, weil wir zu Capitol Hill gehoeren, bin ich nun auch Mitglied der "Moms on the Hill" und bin als Schmuddelkind mit den anderen Kindern spielen gegangen. Ich musste doch ueber mich lachen, dass ich weder mich selbst, noch mein Baby fuer die Muettergruppe aufgetakelt hatte. Von wegen Birkenstocks und Strampelanzug... Noch mehr amuesierte mich aber, dass ich - obwohl das Aufputzen von 3 Wochen alten Babys Quatsch ist - am Wochenende gleich in den Babyshop gelaufen bin, ein Outfit fuer naechste Woche kaufen.

Aber letztlich sollte ich vermutlich einfach zugeben: Wir wohnen auf dieser Seite der Hauptstrasse, weil wir uns hier einfach wohl und zu Hause fuehlen und weil's bei den Schmuddelkindern so viel gemuetlicher ist als auf Designermoebeln. Und als eine der Muetter erzaehlte, wie ihre Tochter eine Woche lang nicht "Number 2" gemacht hat (also "nicht gekackt hat" fuer Vornehme), da wusste ich: Bevor ich die Ausscheidungen meiner Tochter numeriere, bleib ich doch lieber stolzes Schmuddelkind und singe meine eigenen Lieder...

Freitag, April 03, 2009

Das machen wir doch im Schlaf

Also fuer's Baby sorgen: Da sind wir jetzt schon so erfahren drin (Ha!), dass wir quasi gar nicht mehr aufwachen, waehrend wir uns nachts um ihre Beduerfnisse kuemmern. Wenn zum Beispiel mein Mann schlaftrunken mir seinen kleinen Finger in den Mund steckt, damit das Baby aufhoert zu quaecken.

Sarah sagte darauf: "Knapp vorbei ist auch daneben!" (in Babysprache heisst das: Uaaaaeeeeee!)

Donnerstag, April 02, 2009

Kannste mir ma was Milch pumpen?

Alle pumpen. Hier, wo alle Welt von den Vorteilen des Stillens ueberzeugt ist, gleichzeitig angestellten Muettern nur 6 Wochen Babyzeit zugebilligt wird, misst sich die Mutterfreundlichkeit von Unternehmen vor allem daran, ob sie einen Pumpraum anbieten und eine unternehmenseigene Hochleistungspumpe, mit der sich die Muetter waehrend der Arbeit noch schneller und effizienter entleeren koennen.

Der Pumpraum wird vor allem deshalb geschaetzt, weil hier Buerotueren aus Prinzip nicht abschliessbar sind und haeufig sogar aus Glas (damit drinnen nicht unkontrolliert boese Sachen passieren) - wenn man ueberhaupt ein Buero hat und nicht ein Cubicle, also eine mit Pappwaenden abgetrennte Ecke im Grossraumbuero. Da die Amerikaner auch noch so eine Angst vor der nackten Brust haben, kann da das Pumpen durchaus zum Versteckspiel auf dem Damenklo werden.

So ne Pumpe, fuer die, die das noch nie gesehn haben, erinnert verdaechtig an eine Melkmaschine im Kuhstall und beim Pumpen, tut mir leid, fuehlt man sich auch irgendwie als Teil eines halbindustriellen Kinderaufzuchtprogramms. Ok, ich geb's ja zu, wenn mein Mann nachts um zwei eine abgepumpte Flasche geben kann, statt mich aufzuwecken, dann find ich Melkmaschinen super. Aber ich bin auch froh, dass mir meine momentane Arbeitssituation erlaubt, noch ein bisschen laenger das echte Kind an die echte Brust zu legen.

Ein Artikel im New Yorker zum gleichen Thema (also zum Thema Pumpen, nicht zum Thema Evas echte Brust...) wagte es zu bemerken, dass noch gar nicht klar ist, ob die positiven Effekte des Stillens tatsaechlich alle von der chemischen Zusammensetzung der Muttermilch kommen, oder moeglicherweise auch von dem koerperlichen und emotionalen Prozess des Kind-an-Brust-Legens...

Mittwoch, April 01, 2009

Farbe

Unsere (weisse) Nachbarin beugte sich ueber Sarah und sagte: "Die hat aber eine schoene... Haut." Natuerlich wollte sie sagen "Farbe", dass darf man aber nicht, schliesslich ist das ja hier Amerika und wenn man bei einem relativ hellen Gemischtkind sagt, dass es eine schoene Farbe hat, dann ist das natuerlich gleich rassistisch. Ach, ach...

Dabei wissen wir ja eh noch nicht, was da am Ende rauskommt. Geboren werden alle schwarzen Kinder weiss, um dann am Licht nachzudunkeln. Man sagt, dass die Ohren von Anfang an die angestrebte Farbe haben. Wenn das stimmt, dann wird sie noch ein ganz klein wenig dunkler, als sie jetzt ist, also Milchkaffee mit viel Milch.

Knautschgesicht

Dienstag, März 31, 2009

Esser und Schlaefer

Was haben wir nur gemacht, bevor es das Internet gab? Wo haben wir - zum Beispiel - Leute mit aehnlich abstrusen Hobbies gefunden, mit denen wir uns ueber unsere Obsessionen austauschen konnten? Nein, es ist nicht "Nackt Stricken" oder "Auf dem Kopf Stehn und Lachen", sondern sich einen kleinen Esser und Schlaefer anschaffen und dann dessen Sklave werden.

Zum Glueck gibt es hier noch ganz viele andere mit dem gleichen Hobby, die hab ich im Internet gefunden (obwohl sie in meiner Nachbarschaft leben, haette also auch einfach rausgehn und mal gucken koennen...) und morgen werde ich dann zum ersten Mal zur "Eaters and Sleepers" Muettergruppe in Capitol Hill (unserer Nachbarschaft) gehn, das ist fuer Babies bis zu 4 Monaten und die duerfen ihre Muetter auch mitbringen.

Ich hoffe, die koennen auch ueber was anderes als ihre Neuanschaffung reden, denn vor allem suche ich Freunde, die aehnlich eigenartige Freizeitmuster (ich sach nur: Hausfrau mit Tagesfreizeit) haben, wie ich. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Sarah das genauso sieht, denn es waere nicht die erste Unternehmung, die die kleine Dame durch ihren ganz eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus (sagte ich "schlaf"? naja...) durcheinander gebracht haette...

Montag, März 30, 2009

Ach wenn se doch Geld kacken wuerde...

Grade informier ich mich zum Thema Betreuungskosten und ja, genau, Muetter gehen vor allem dafuer arbeiten, dass sie die Kinderbetreuung bezahlen koennen. Eine Bekannte gibt ihr Kind in eine Kinderkrippe, die 500 Dollar in der Woche kostet, davor hatten sie ein Kindermaedchen im Haus, das 600 Dollar die Woche bekam. Und das ist so etwa normal...

Sonntag, März 29, 2009

Ach Du gruene Scheisse

Butterbrot, Milchkaffee, Parmesan, Eiscreme, Butterkeks, Kaesesauce, der Blubb im Spinat und der Nudelsauce, Gauda, Edamer, Yoghurt mit Obst und ohne, Quark undsoweiter, alles

werbohten? (wie meine amerikanische Freunde sagen)

Etwa 50% der Schwarzen koennen Kuhmilch nicht verdauen. Mein Mann ist einer davon. Mein Kind? Gestern waren wir aus unterschiedlichen Gruenden bei der Stillberaterin und die meinte, dass einiges darauf hindeuten koennte: der ploetzlich gruene Windelinhalt und die sehr harte Arbeit, die Sarah dabei hat, den zu produzieren...

Denn alles, was ich esse, isst (trinkt) sie auch und Lactose-Intoleranz ist quasi die neue Mode unter den Babies in meinem Bekanntenkreis (liegt das daran, dass ich so viele gemischte Paare kenne, wo einer der Beteiligten schwarz oder asiatisch ist?). Testen kann man das nur im gemeinsamen Selbstversuch: Zwei Wochen lang ist alles (s.o.) verboten, so lange dauert es, bis ich tatsaechlich clean bin. Wenn sie dann gluecklicher ist, fange ich Kaesewuerfel fuer Kaesewurfel wieder an und seh, ob sie gluecklich bleibt (dann war's ein anderer Grund). Ansonsten werd ich mich wieder an meinen Ghanaischen Lebensstil annaehern muessen und so leben, als waere ich wieder im kaeselosen Bolga. Mit dem Problem, dass eine der besten Kaesetheken der Stadt direkt um die Ecke ist.

Nachdem ich gestern mein moegliches quarkloses Schicksal bejammert hab, hab ich mir mein Baby heute morgen nach einer weiteren sehr langen Nacht angesehn, und mir wurde klar, dass mich ein suess schlafendes und geschmeidig kackendes Baby so viel gluecklicher macht, als der beste Gorgonzola - und das nicht, weil ich so ein selbstloses Muttertier waere...

Ach ja, sagte ich schon, dass etwa die Haelfte der Babys, die Kuhmilch nicht vertragen, auch bei Soja rot (also gruen) sehn?

Donnerstag, März 26, 2009

Was fuer'n Test?

Langsam komm ich dazu, ein paar Seitenpfade meiner Krankenhauserlebnisse aufzuschreiben (wer Details zur Hauptvorstellung haben will, muss sich schon persoenlich melden. Ich finde das immer eigenartig, dass Leute ihre Geburtsvideos mit allen Details ins Internet stellen. Wer will denn sowas?).

Die erste Untersuchung im Krankenhaus war in so einem altmodischen Raum, wo mehrere Liegen nur mit Vorhaengen voneinander abgetrennt waren. Statt Fernsehn hatten wir in der Wartezeit Nachbarn im naechsten Kabaeuschen als Unterhaltung. Die waren, was man politisch korrekt afroamerikanische Innenstadtbewohner (und inkorrekt: schwarze Prolls) nennt. Sie sollte die Geburt eingeleitet bekommen. Die Krankenschwester fragte: Verstehen Sie, was ich sage? Im Telefonat mit Oma hoerten wir, dass die Dame alles genau verstanden hatte: "Die stecken mir dann so ne Pille in die Dingens-wie-heisst-das-noch. Und dann geht's morgen los..." Der dazugehoerige Mann tigerte die ganze Zeit auf und ab und fluchte: "Scheisse, ich muss doch morgen frueh zum Piss-Test, so n Mist, ich muss doch zum Piss-Test, muss das denn morgen sein?"

Piss-Test? Ja, genau, Bewaehrungsauflage nach Drogendelikten, regelmaessiger Urin-Test, ob man denn noch clean ist.

Spaeter erzaehlte mir meine Lieblingsschwester von ihrer Arbeit auf der Saeuglings-Intensivstation: "Das Haerteste da ist, dass es so viele Babys von "Innenstadtbewohnern" gibt, die sich nen feuchten Scheiss drum kuemmern, ob ihr Kind durchkommt. Da paeppeln wir die kleinen Wuermer muehsam auf und muessen die danach an solche Eltern abgeben."

Unseren Innenstadtbewohnern im Nachbarzelt muss man ja noch zugute halten, dass der Kindsvater da war und wirklich gerne bei der Geburt dabei sein wollte. Piss-Test hin oder her...

Mittwoch, März 25, 2009

Aermlich erbaermlich beim Arzt

Mit Kind lernt man, wenn man dann also langsam die heimische Hoehle verlaesst, ganz andere Bereiche der Gesellschaft kennen, in denen man sich als arbeitender Single kaum rumtreibt. Zum Beispiel der Kinderarzt. Ich hatte mir das ja ganz einfach vorgestellt, suchst Dir halt einen aus, der verkehrsguenstig gelegen ist, bist ja nicht allzu waehlerisch, solang Du halbwegs mit dem klarkommst ist das schon ok. Ich gehoere doch nicht zu den obsessiven Muettern, die wochenlange wissenschaftliche Recherche betreiben, bevor sie die einfachsten Entscheidungen treffen.

Dann ging das so. Die erste Aerztin gefiel mir sehr, war aber verdammt verkehrsunguenstig gelegen. In der gleichen Gegend wie das Krankenhaus, da hat mein Mann in den Tagen um die Geburt rum 350 Dollar fuer Knoellchen gelassen. Also, suchen wir uns frohgemut jemanden bei uns nebenan. Zur "3 Tage nach der Entlassung" Untersuchung sind wir dann zum Obdachlosenzentrum gefahren. Im gleichen Haus (und direkt Tuer and Tuer mit einem Spezialisten fuer ansteckende Krankheiten) war die verstaubte Praxis von Doktor Teufel. Der hiess nicht wirklich so, sah aber genau so aus, wie der Teufel in einem Film, den wir vor kurzem gesehen haben, wo einer dem Teufel die Seele verkauft, um im Austausch perfekt Gitarre spielen zu koennen. Doktor Teufel ist schwarz und mager und fortgeschrittenen Alters, ein wenig verlangsamt und hat die fiesesten Haende, die Du Dir vorstellen kannst. Jeder Fingernagel in einem anderen blau-schwarz-braun-Ton angefault - damit fasst der unser kleines Juweel an? Das muss doch besser gehn.

Also, 2-Wochen-Check-Up anderswo. Die naechste Praxis ist viel schoener gelegen, in einer bluehenden Seitenstrasse, kein Sozialarbeiter weit und breit. Im Wartezimmer rote Plastikstuehle in Sitzreihen, kein Spielzeug, nichts zu lesen, ausser 100 Zettel an den Waenden, was man hier darf und soll und nicht darf. Eine dicke dunkelbraune Mama mit 6 Kindern freundet sich gleich mit meinem Mann an und faengt an, ihm nutzlose Ratschlaege zur Kinderaufzucht zu geben (z.B. "Gib dem Baby Wasser, das haelt den Darm sauber"). Ich weiss ja nicht warum, aber er hat irgendwas in seinem Gesicht, das anscheinend schreit: "Gib mir bloede Ratschlaege!" Ein Glueck, dass das nicht in meinem Gesicht steht. Mich gruesst die Mama nur, gratuliert und hat sonst nix zu sagen. Nach zweieinhalb Stunden Wartezeit und einer freundlichen Beschwerde meinerseits, werden wir endlich aufgerufen, erfahren, dass unser Baby in eineinhalb Wochen ein Kilo zugenommen hat und treffen einen weiteren unmoeglichen Arzt.

Ihr wisst, ich finde Westafrikaner super... es sei denn, sie werden Aerzte. Ich bin sicher, ich werde auch noch mal nen westafrikanischen Arzt finden, den ich toll finde, dieser war es aber nicht: Er verbrachte mehr Zeit mit dem Ausfuellen von Formularen als mit dem Untersuchen unseres Babys, auf jede Frage, die mein Mann stellte, gab er mir die Antwort (schliesslich ist er ja nur der Vater, was weiss der schon) und das Kind behandelte er wie einen widerspenstigen Kartoffelsack.

Bei beiden Aerzten fuehlten wir uns so unglaublich wie arme Leute - und waren im Wartezimmer umgeben von armen Leuten. Eigenartig, weil ja alle drei von unserer Versicherung das gleich Geld bekommen wuerden.

Also, schon weil wir nicht die Energie haben, weiter von einem Arzt zum anderen zu wandern: Lieber Parkplatz suchen, Knoellchen zahlen, Metro nehmen, was auch immer noetig ist, um zu der Aerztin zu gehn, die so tollen Silberschmuck anhatte (komisch, woran man Leute der eigenen Art erkennt...), bei der ich jedes Wort verstand und deren Sprechstundenhilfe ungefragt laechelte...

Sonntag, März 22, 2009

Hab ne Tante in Marocco, die bald kommt, hip hop hobbeldidop

Falls Ihr in nen aehnlichen Kindergarten gegangen seid, wie ich, kennt Ihr das Lied: die Tante aus Marocco kommt auf zwei Kamelen angeritten und schiesst aus zwei Pistolen ("piff paff"), und alle Kinder sitzen im Kreis, bloeken das Lied und machen die entsprechenden Bewegungen.

Das Komische ist: In den letzten Jahren hab ich mich selbst mehr und mehr wie die exzentrische Tante aus Marocco gefuehlt und hab mich schon gesehn mit fuenfzig oder sechzig, wie ich aus irgend nem abgelegenen afrikanischen Dorf hiphop-hobbeldidop zu Familienfeiern in Deutschland angeritten kommen, piffpaff meine wilden Busch-Geschichten erzaehle und meine Nichten und Neffen sich wohlig gruseln, waehrend sie zuhoeren.

Und gleichzeitig ist in den letzten Jahren meine Sehnsucht nach dem anderen Leben (das, was normale Leute normales Leben nennen) immer groesser geworden und so knabber ich jetzt an den Fingerchen meiner Tochter und bin so froh, dass ich dem Schicksal der marrokanischen Tante noch mal so ganz knapp entkommen bin. Wie soll das denn auch gehn, auf zwei Kamelen gleichzeitig reiten, den ganzen Weg von Marocco in die Voreifel... Piff-paff und ueberhaupt...

Egg doesn't know - Ei weiss nix

Eine wichtige Grundlage gluecklicher Elternschaft ist ja, dass man irgendwie einen Ausgleich findet, zwischen dem, was die Intuition einem sagt und dem, was alle Anderen (Leute, Buecher, technische Geraete) einem sagen. Und so haben wir heute endlich akzeptiert: Egg doesn't know (Ei weiss nix).

Wir haben ein eifoermiges Thermometer, das in verschiedenen Farben leuchtet, um uns zu sagen, ob das Baby sich warm, kalt oder grade richtig fuehlt. Und diesem bloeden Ei haben wir nun in den letzten Tagen erlaubt, unser Leben einzufrieren. Wenn das Ei sagt, die Temperatur ist gut, duerfen wir die Heizung nicht aufdrehen, selbst wenn Sarah kalte Haendchen hat und wir kalte Fuesse.

So, jetzt haben wir die Winterjacken im Haus ausgezogen und waermen uns langsam auf. Mal sehn, was Sarah's Haendchen machen... Und: Sorry Mutter, dass Du unter der Diktatur des Eis so frieren musstest...

Donnerstag, März 19, 2009

Stilldiaet

Was ein Koerper so zu und abnehmen kann innerhalb kuerzester Zeit, ist schon enorm. Angefangen hab ich vor neun Monaten auf 46 kg. Am Ende der Schwangerschaft waren es 63. Nach nur einer Woche Stillen sind's 55. Wenn ich vom Sitzen aufstehe denkt mein Koerper immer noch, ich muesste mich zuruecklehnen, um den Kugelbauch auszubalancieren. Komisches Gefuehl.

Tangobaby


Bei ihrer Herkunft wuerde alles andere ja auch verwundern... Mein Mann und ich haben miteinander getanzt noch bevor wir das erste Mal miteinander geredet hatten. Und was Tangotaenzer von normalen Leuten unterscheidet, ist dass sie selbst unter der Woche bis spaet in die Nacht ausgehn und dafuer die Folgen am naechsten Morgen in Kauf nehmen.

Schon als Sarah noch in mir drin wohnte, war sie tagsueber immer wunderbar ruhig und wachte regelmaessig abends gegen neun auf, um die Nacht durchzutanzen. Wer sagt, dass sie sich das aendern muesste, nur weil sie geboren wurde? Ok, ihre Eltern (das sind diese Beiden mit schweren Ringen unter den Augen) sagen das. Aber wann haben sich Kinder je an das gehalten, was die Eltern sagen?

Montag, März 16, 2009

SARAH ANN IST DA!


Geboren: Mittwoch Abend (11. Maerz) um 21:29, 3,5 Kilo schwer, 51 cm lang und so schoen, wie noch nie ein Baby schoen war (ich bin nicht voreingenommen, ihre Omas, Vater, Opa, Grosstanten etc. sagen das auch).

Mir fehlen die Worte, um die Schrecken und die Schoenheit der Geburt zu beschreiben. Wie ist das moeglich, dass ein ganzer echter vollstaendiger Mensch in mir drin war? Und, meine Guete, wie hat so ein riesiges Kind es nur geschafft, aus meinem kleinen Koerper geboren zu werden?

Ich koennte darueber jetzt lange philosophieren, aber die Pflicht ruft und zwar mit einer lauten Stimme, also werde ich mich mal wieder als Milchbar betaetigen. Spaeter mehr.

(Ich weiss, viele von Euch warten auf email, Anruf, mehr Fotos, ne Karte. Das kommt, keine Sorge... koennte aber noch nen Augenblick dauern, weil ich mich im Moment noch ziemlich durch die Tage schleppe.)

Mittwoch, März 11, 2009

Dann halt Bloedsinn...

Immer noch wartend suchen wir nach Tipps und Tricks, wie wir die Kleine da rauslocken koennen und wurden natuerlich im Internet fuendig. Hier klicken...

Nix los - alles gut...

Heute beim Arzt haben sie Herzschlag (ihren), Wehentaetigkeit (meine) und Fruchtwasserstand (unseren) gemessen. Alles Ok, die Kleine fuehlt sich weiterhin wohl wie ein Fisch im Wasser und zeigt kaum Verlangen, ihr Goldfischglas zu verlassen. Ich bin ungeduldig, fuehl mich aber ansonsten auch gut.

Montag, März 09, 2009

Baeume ausreissen

Ist schon irre, dass mein Koerper anscheinend mein Schwangerschaftsbuch gelesen hat und genau weiss, was ansteht. Zum Beispiel: "In den Tagen vor der Geburt, werden Sie einen ploetzlichen Energieschub erleben und fuer einen oder zwei Tage das Haus auf den Kopf stellen, den Garten umgraben oder die Wanderschuhe anziehn wollen. Die Energie wird sie aber genauso ploetzlich verlassen, wie sie Sie ueberkommen hat. Nutzen Sie sie!"

Vorgestern, als meine Mutter auf einem Spaziergang zum Kapitol ihren eigenen Energieueberschub abarbeitete, kamen mein Mann und ich ploetzlich auf die Idee, sie damit zu ueberraschen, dass wir ihr Gaestezimmer von einem kleinen in einen groesseren Raum verlegen. Und gestern haben wir mal unseren Vorgarten in Angriff genommen, der in Winterverwahrlosung darniederlag. Das ging so weit, dass ich mit scharfem Wasserstrahl das Moos vom Gehweg gewaschen hab und von oben bis unten durchnaesst war. Nach einem wunderbar effektivem Tag sass ich dann abends wie ein nasser Waschlappen auf dem Sessel und konnte sehn, dass Teil zwei der Vorhersage (Energie verlaesst Sie ploetzlich) ebenso zutraf.

Mein einziger Gedanke war: Hoffentlich fang ich jetzt nicht an, zu gebaehren, da wuerd ich ja mitten in den Wehen einschlafen...

Samstag, März 07, 2009

Mama, mir ist laaaaangweilig

Oh, wie oft ich meine Mutter damit als Kind genervt hab, dass mir nix einfiel und ich mich einfach nur so laaaangweilig fuehlte. Und genau so fuehl ich mich jetzt. Natuerlich gibt es tausenderlei zu tun, aber mein ganzer Kopf und mein ganzer Koerper sind so mit der Langeweile des Wartens gefuellt, dass da kaum Platz ist, auch nur ueber eine interessante Aktivitaet nachzudenken. Jede frischgebackene Mutter wuerde mir wahrscheinlich empfehlen: Geniess die letzten Stunden der Ruhe! Nun, wenn mir weiter nix einfaellt, schreib ich halt nen blog ueber Laaaaangeweile. Und dann trete ich mich in den gelangweilten Hintern, trink nen Kaffee (sie warnen ja, zu viel Kaffee waehrend der Schwangerschaft erhoeht das Risiko einer Fruehgeburt...) und spiel noch noch ein bisschen Musik auf meinen I-Pod..

Im Westen nix Neues...

Falls sie da drinnen einen Terminkalender haette, wuesste meine Kleine, dass sie heute rauskommen soll. Wir sind gespannt. Die Mutter hat sich mit Handy und Stadtplan bewaffnet auf einen langen schnellen Spaziergang gemacht.

Nachdem wir gestern wieder so einen langen langsamen Spaziergang gemeinsam gemacht haben, von dem man erstaunlicherweise mehr Muskelkater kriegt, als vom Laufen.

Mein Mann und ich sitzen auf unserer Veranda, geniessen die erste Fruehlingssonne und warten. Er uebt mit Rosetta Stone (Computer Sprachschule), was der Unterschied zwischen "das Maedchen" und "die Maedchen" ist, und ich betreibe im wahrsten Sinne des Wortes Nabelschau. Die Taschen sind gepackt und wir sind bereit.

Freitag, März 06, 2009

Ich bin...

ganz Bauch...

Mittwoch, März 04, 2009

... fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Gestern ein Familienbesuch bei meiner Aerztin (deren Behandlungszimmer so klein ist, dass wir da eigentlich gar nicht alle reinpassten). Alles ok und wir warten weiter. Ich frage sie, welche der Hausmittel fuer ungeduldige Eltern funktionnieren, was das Einsetzen der Wehen beschleunigt.

Sie guckt meinen Mann an: Sex. Dann meine Mutter: Spazierengehn. Da bin ich ja gut aufgehoben...

Montag, März 02, 2009

Wann wird aus der Bewohnerin eine Mitbewohnerin?

Das ist die Frage, die uns im Moment von morgens bis abends beschaeftigt und manchmal auch in eigenartige Traeume folgt. Die Mutter ist letzten Mittwoch angekommen und bewegt sich ungeachtet der Sprachbarrieren mit Bravour durch Zollkontrollen und Supermaerkte. Wir machen Schneckentouren durch die Nachbarschaft - erstaunlich, wie man vom Langsamgehn Muskelkater kriegen kann...

Heute Nacht hat's angefangen zu schneien und hoert einfach nicht mehr auf. Damit sind dann die Wanderungen draussen auch erstmal auf Eis gelegt, schliesslich waere das ja bescheuert, im Endspurt auszurutschen und auf den Bauch zu fallen.

Also haben wir den Mann zur Arbeit geschickt und aus dem Wohnzimmer ein Internet-Cafe gemacht, freuen uns daran, wie die Sonne zum Fenster reinscheint und der Wind den Schnee verweht und tun so, als wuerden wir nicht warten.

Dienstag, Februar 24, 2009

Schnipp-Schnapp oder was?

Gestern hab ich unsere zukuenftige Kinderaerztin zum ersten Mal getroffen. Sie hat erklaert, wie's in ihrer Praxis laeuft und ich hab meine Fragen gestellt. Irgendwann meinte sie: "Erwarten Sie ein Maedchen oder einen Jungen?" "Ein Maedchen." "Gut, das macht alles einfacher." "Wie jetzt?"

Sie erklaerte mir, dass sie viele europaeische Familien behandelt, und wenn die in Amerika einen Jungen zur Welt bringen, gibt es immer Probleme: In Amerika wird quasi jeder Junge beschnitten, aus "medizinischen" Gruenden. In Europa sieht kaum ein Arzt die Notwendigkeit, an einem normalen Schnibbel rumzuschnibbeln, trotz gleicher Ausstattung - keine medizinischen Gruende.

Und die Aerztin hatte Recht, als ich nach Hause kam und das Thema anschnitt (haha), war ich auch gleich froh, dass ich ein Maedchen erwarte. Denn fuer einen amerikanischen Mann ist das ganz eindeutig, mein Sohn wuerde beschnitten, sonst lachen ihn doch die anderen Jungs in der Umkleide aus. Und die Frauen auch. Also, modische Gruende. Hm. Und weil bei mir zu Hause die Schnibbelmode anders aussieht, kann ich das irgendwie schwer nachvollziehn...

Freitag, Februar 20, 2009

Wie'n oller Steinmetz

In irgendeinem Sommer meiner Kindheit hatte mein Vater in seinem Steinmetzbetrieb eine Grillparty. Obwohl mein Gedaechdnis generell sehr maessig ist, kann ich mich noch genau an die folgende Szene erinnern, weil mich das als Kind so beeindruckt hat: Einer der Gesellen sass mit nacktem Oberkoerper und prallem Bierbauch in der Sonne und zeigte seinen Partytrick. Er konnte eine volle Koelschstange auf seinem Bauch balancieren, der so kugelig war, dass die Oberseite waagerecht war wie ein Tisch.

Heute morgen sitze ich mit Kaffee und Computer im Bett und merke ploetzlich, dass ich die Kaffeetasse ganz gedankenverloren auf meinem Bauch abgestellt hab und sie da ganz sicher von meinen angewachsenen Getraenkehaltern festgehalten wird.

Muss ich jetzt auch anfangen, schmutzige Witze zu erzaehlen und Flaschenbier zu trinken?

Montag, Februar 16, 2009

Faulpelz - Vielfrass

Ganz wie's im Buche steht: 2-4 Wochen vor der Geburt senkt sich der Bauch, das Baby begibt sich in Position und gibt auf dem Weg Lunge und Magen frei. Seit zwei Tagen kann ich wieder tiefer atmen und, was viel auffaelliger ist, groessere Portionen verschlingen. Leider hab ich mich so dran gewoehnt, nur fuer 1 1/2 Esser zu kochen, dass ich das weiterhin tu - und nun mein Mann unfreiwillig auf Diaet ist, weil ich einfach schneller esse...

Aber natuerlich hab ich da immer noch ein grosses Hindernis in meinem Bauch, das ist ja nicht verschwunden und da wo es jetzt sitzt, macht es ploetzlich das Gehen ganz ganz beschwerlich... Also, da denkt einer, er hat sich eine nette Frau gefangen und eines Morgens wacht er auf und was sieht er? Vielfrass im Faulpelzmantel...

Die groessten Rassisten....

sind, wer haette das gedacht, schwarze Frauen. Man fragt sich ja schon: Wenn Du einen schwarzen Partner hast, kriegst Du dann schonmal bloede Kommentare. Und die Antwort, die mich selbst erstaunt, ist, dass der einzige, der sich Kommentare (und zwar zack ins Gesicht) anhoeren muss, mein Mann ist. Schwarzamerikanische Frauen (nicht alle, aber genuegend) machen keinen Hehl daraus, dass das irgendwie an Verrat grenzt: Kaum hast Du nen guten Job und kannst Dir n Bisschen was leisten, suchst Du Dir n weisses Maedchen.

Alle anderen (schwarze Maenner, weisse Maenner und Frauen) wuerden dazu nie einen Ton sagen. Was natuerlich nichts darueber aussagt, was sie sich denken...

Freitag, Februar 13, 2009

Muetterprodukt der Woche

Wenn Ihr irgendwann mal spaet in der Nacht mit Freunden zusammengesessen habt und rumgesponnen: Hey, waer's nicht toll, wenn es ne Kaffeemaschine gaebe, die gleichzeitig die Fuesse massiert?! dann bin ich ziemlich sicher, dieses Produkt existiert irgendwo (und vermutlich entweder in Asien oder Amerika).

Gestern zum Beispiel war ich im Still-Zentrum (da kauft oder mietet man Milchpumpen etc. und lernt, wie die funktionnieren), und da sah ich so ein Produkt, das sich viele stillende Frauen vermutlich schonmal seufzend und in sich rein grinsend gewuenscht haben, wenn sie mit ihren Partnern auf ner Party waren und brav an ihrem Mineralwasser nuckelten: Der Brustmilchalkoholtest. Das sind so kleine Papierstreifen, die man nach dem Trinken (der Mutter) und vor dem Trinken (des Babys) in die Milch taucht, um zu sehn, ob der Alkohol schon abgebaut wurde, oder ob das Baby von der Brustmilch blau wuerde.

Wie man bei uns so schoen sagt: Es gibt nichts, was es nicht gibt...

Donnerstag, Februar 12, 2009

20 Grad in der Sonne

Unsere Vormieterin muss zu den Leuten gehoeren, die das Glas lieber halb voll als halb leer sehn. Als ich heute morgen auf's Thermometer schaute und irgendwie nicht glauben konnte, dass es tatsaechlich 20 Grad Celsius sein soll (letztes Mal fuehlte sich das irgendwie waermer an...), musste ich irgendwann lachen. Sie hatte das Thermometer auf der Suedseite des Hauses in die Sonne gehaengt. Aber ich will nicht undankbar sein, und ich muss sagen, 20 Grad in der Sonne und blauer Himmel sind fuer Mitte Februar schon ein Geschenk.

Mittwoch, Februar 11, 2009

Offiziell ausgetanzt

Noch dreieinhalb Wochen bis zum Tag X und erstaunlicherweise verschafft Stimme der Vernunft sich Gehoer (hatte sie erst gar nicht erkannt, is ja ne Weile her, dass wir von ihr gehoert haben...): Ihr koennt Eure Tanzparties ohne mich feiern.

Ab und zu ein langsamer Schwoof mit meinem Mann im Wohnzimmer ist noch drin, aber alles andere wird warten muessen, bis ich wieder so ausseh, als sei ich im fuenften Monat schwanger (anscheinend ist das alles, worauf man nach der Geburt hoffen kann).

Im Geburtsvorbereitungskurs haben sie uns verschiedene Vorschlaege gemacht, wie der Partner die Frau durch die Wehen begleiten kann, und wir mussten grinsen, dass "langsam tanzen" auf der Liste war. Im Video sah das aus wie das, was die Mutter "Klammerblues" nennt. So schliesst sich der Kreis, denn das ist es ja, was mich ueberhaupt erst in diese Lage gebracht hat. Ich haette wohl besser ein bisschen mehr zu dem Tangogeiger hinschielen sollen...

Dienstag, Februar 10, 2009

"Lass uns mit der Entscheidung noch warten,


bis wir noch mehr unnuetze Information haben"

Der Terror der RICHTIGEN ENTSCHEIDUNG

Was man nicht alles entscheiden muss, wenn man Kinder kriegt... Von der richtigen Ernaehrungsweise (Brust - Flasche, und wenn Flasche, was kommt da rein, wenn Brust, was darf gegessen werden?), Windelwickelung (waschen - wegwerfen), Schlafmethode (im - beim - weit weg vom Elternbett), bis zur richtigen Gebaermethode (natuerlich hechelnd - betaeubt - Kaiserschnitt) und dem angemessenen Gebaerort (zu Hause - im Gebaerzentrum - im Krankenhaus - im Taxi).

Und wenn man sich anhoert, mit welcher Vehemenz die Vertreter jeder einzelnen Loesung ihre eigene Methode allen anderen vorziehen, muss man sich doch fragen, warum ueberhaupt irgendwer das Erwachsenenalter als halbwegs aufrecht gehender, gesunder, lebendiger Mensch erreicht.

Und wenn ich jetzt schon Nackenschmerzen krieg, weil ich nur den Kopf schuetteln kann, dann sollte ich vermutlich anfangen mit Muskeltraining, denn sobald das Kind da ist und die Erziehung beginnt, gibt es ja noch mehr Entscheidungen und noch mehr Experten...

Nun, wir haben uns entschieden, das Kind nicht wegzuwerfen und wenn moeglich die Taxigeburt zu vermeiden...

Und wo kriegt Ihr Eure Baby-Sachen her?

Fragten mich meine amerikanischen und amerikanisierten Freundinnen. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, wie man ohne Baby-Shower trotzdem gut vorbereitet auf das Baby sein kann... Der besondere Luxus ist, dass man das nicht selbst organisieren muss.

Ein letztes Mal (bevor das Baby die Regierung aus dem Amt jagt und das Regiment uebernimmt) ist Mama (also die zukuenftige) die absolute Hauptperson, wird umsorgt und gefuettert und mit Geschenken ueberschuettet. Ok, alle Klamotten, die ich geschenkt bekam, waren viel zu klein fuer mich (also viel viel zu klein...), aber es gab schon das gelegentliche Erwachsenengeschenk, wie Entspannungsbad und Schokolade fuer lange Naechte.

Und ich hab's genossen, einen sonnigen Sonntag Nachmittag inmitten eines Schnatterhaufens zu sitzen und zu grinsen. Und mein Mann hat sich gefreut, dass ich darauf bestanden hab, dass wir das ganz traditionell machen (nur fuer Frauen) und ihm nicht erlauben, dabei zu sein: Ansonsten haette er sich vermutlich an der Ueberdosis Oestrogen, die in diesem Raum rumschwirrte, ne fiese Vergiftung zugezogen.

Mittwoch, Februar 04, 2009

Wie Weihnachten

Seit Tagen bringt der Postbote uns Pakete an die Tuer. Da drin sind dann immer rosa eingepackte Geschenke mit einer kleinen Karte, auf der Beispiel steht: "Fuer die kleine Prinzessin"

Das liegt daran, dass am Sonntag Baby-Shower ist und heutzutage alle ihre Geschenke ueber's Internet bestellen. Also lassen wir die Paeckchen schoen zu und nehmen sie am Sonntag mit, um sie dann unter gemeinsamem Oh und Ah auszupacken...

Kennt Ihr das Papier-Internet?

Also, vieles ist hier ja supermodern. Anderes nicht so. Jetzt hab ich endlich Internet-Banking. Und das geht so: Wenn ich eine Art Dauerauftrag einrichten will, dann gebe ich im Internet den Auftrag, dass meine Bank regelmaessig mit der Post einen Papier-Cheque (erinnert Ihr Euch noch an die? Seit ich in Deutschland bei Goldi dem Goldhamster mein erstes Sparbuch hatte, bin ich denen niemals begegnet) an die entsprechende Person schickt. Also ist die Frage auch nicht nach der Kontonummer des Empfaengers, sondern nach der Postadresse. Wie haben die das damals nur geschafft, zum Mond zu fliegen?

Montag, Februar 02, 2009

Alles echt!

Naja, bis auf die Wimpern...

Sonntag, Februar 01, 2009

Ist das echt?

Gestern waren wir bei Germanophilen Freunden auf eine Karnevalsparty eingeladen. Erstaunlich, wie viele Gaeste mich (und Will und andere Freunde von mir) fragten: "Ist das ein Kissenkostuem oder ist das echt?" Also, falls Ihr das auch schon mal gedacht habt, ich kann Euch beruhigen, ich habe keine Kissensammlung verschiedener Groessen, die ich mir seit Monaten unter den Guertel schnalle, das sind 15 kg Lebendgewicht, die ich da vor mir hertrage und eine viel berechtigtere Frage ist: Warum kippst Du nicht dauernd um?

Aber ich will mal nicht so tun, als koennte ich mich nicht bloed daneben benehmen: Gestern unterhielt ich mich mit einer Dame, die ich noch nicht so gut kannte und wir sahen uns die wunderschoenen Kostueme an, die um uns rumtanzten. Irgendwann gab ich dann eine Karnevalsweisheit wieder, die ich irgendwann mit Herrn F. festgestellt hatte: "Jeder kommt als er selber. Kostueme sind nur dazu da, zu unterstreichen, wer man ist oder sein will." Erst als sie halb ironisch "Dankeschoen." sagte und dann ziemlich schnell aufstand um mit irgendwem zu tanzen, guckte ich mir ihr Kostuem genauer an und mit ihren Netzstruempfen, kurzem Roeckchen, fetter Schleife aufm Hintern, knapper Corsage und roter Lockenperuecke sah sie perfekt aus wie die mittelalte Wildwesthure.

Freitag, Januar 30, 2009

Gerne auch ohne Ausweis...

Also, einerseits hat man ja immer das Gefuehl - so als Aussenstehender - dass die USA irgendwie ein paranoides Land mit extremer Kontrollsucht ist. Andererseits... Also andererseits (s.o.) kontrolliert keiner im Standesamt, ob Du schon verheiratet bist, es reicht, wenn Du's schwoerst. Und als wir dann zur Eheschliessung ankamen, hat niemand unsere Ausweise sehen wollen. Wenn mein Mann es sich im letzten Moment anders ueberlegt haette, haett ich also letztlich irgendwen mit dahin schleppen koennen, der haette vorgegeben, nicht er selbst zu sein und ich waer trotzdem mit meinem Fahnenfluechtigen verheiratet... Vertrauen ist ja schoen und gut, aber so ein ganz klein bisschen Kontrolle waer auch nicht verkehrt, oder?

Die Welt liegt immer noch vor meiner Haustuer rum und wartet...

Gestern hab ich mal wieder mit nem Stossseufzer gesagt: "Ach ich bin es so leid, in Entwicklungslaender zu reisen, was fuer ein Glueck, dass ich jetzt so ne gute Ausrede hab..."

Heute hab ich mit nem Kollegen ge-skyped, der grade in Namibia ist und da ein Projekt plant, in dem er vielleicht meine Hilfe brauchen koennte - eine Woche in 2010 und eine in 1011 oder so. Er hatte seine web-cam an und hinter seinem Kopf sah ich ein Fenster, durch das die brutale namibische Sonne in sein Buero schien. Und waehrend wir uns ueber illegale Abholzungen im Norden, die Landfrage und die neue Oppositionspartei unterhielten, hatte ich ploetzlich den staubig-heissen Geruch der namibischen Luft in der Nase und ganz vergessen, dass mir Reisen ja so zum Hals raushaengt...

Denk dran, die richtige Antwort ist "Ja!"

Bevor wir uns zum Standesamt aufmachten, hat meine Mutter mich noch an dieses kleine Detail (s.o. erinnert). Ich hab ihr mein Hochzeitskleid vor der Web-Cam praesentiert. Komische moderne Welt. Und haette sie und den Rest der Bande so viel lieber hier gehabt. Aber dafuer planen wir ein rauschendes Fest im Sommer. Mit einem Kleid, das ein oder zwei Groessen kleiner ist (aber dafuer von Milchflecken verunziert... nichts ist perfekt).

Sonntag, Januar 25, 2009

Die Superwurst

Der Markt an Schwangerschaftsprodukten ist riesig und unuebersichtlich, und es gibt tausend Sachen, die kein Mensch braucht. Aber, wie konnte ich je ueberleben ohne die Superwurst? Selbst ohne Schwangerschaft ein tolles Ding, das das Leben versuesst.

Die Superwurst ist ein zwei Meter langes Kissen, dass sich an den Enden so ein wenig schneckenfoermig einrollt und dazu gedacht ist, dass man den ganzen Wahnsinn halbwegs gemuetlich in die stabile Seitenlage kriegt, dazu noch was zum Umarmen hat, eine Kopf- und Rueckenstuetze und sich nicht - was ja verboten ist - auf Bauch oder Ruecken legt. Da kann ich endlich wieder "Schlafmutzen" machen (so hoert es sich an, wenn mein Mann versucht, dass Wort "Schlafmuetze" auszusprechen...).

Obama oder Jesus?

Bei Bush's Amtseinsetzung gab es ein paar Feiernde und viele Demonstranten. Bei Obama gab's viele Feiernde und wenig Demonstranten. Daraus lernen wir: Die Linken demonstrieren und feiern einfach lieber als die Rechten (unsere Nachbarn zum Beispiel, die nicht fuer Obama gestimmt haben, sind uebers Wochenende mit den Kindern Skifahren gegangen).

Aber ein paar gab es doch, die warnten:
"Du willst Veraenderung! Nicht mit Obama! Mit Jesus!" und

"Warnung:
Baby
Mordende
Frauen
Porno
Freaks
Sportfanatiker
Trinker
Homos
Jesusveraechter
Mormonen
Das Juengste Gericht
Wird kommen!"

Schoen und gut und ueberhaupt, kennt man ja, aber bitte, koennte mir mal jemand erklaeren, was an "Sports Nuts" (den Sportfanatikern) verkehrt ist???

Zieht Euch warm an...

Ja, ich seh aus, wie ein Walfisch, der sich auf ne arktische Expedition vorbereitet... Aber ich war die einzige, die an diesem geschichtstraechtigen Tag unterwegs war und nicht gefroren hat.

Dienstag, Januar 20, 2009

Geschichte nebenan

Ich war 13 als die Berliner Mauer fiel. Meine Eltern packten eine Matratze und Decken in ihr Mitsubishi Buesschen und uns obendrauf und los ging's nach Berlin. Ich bin immer noch dankbar, dass ihnen klar war, dass da Geschichte passierte und dass es das wert ist, wenn man sich den Hintern abfriert (in einem eisigen November), um das zu sehn. Ich erinner mich immer noch an die Ossis, die von den Wessis mit ueberschwaenglicher Begeisterung empfangen wurden, Leute, die an der offenen Grenze standen, nur um jedem einzelnen Trabi zur Begruessung auf die Moterhaube zu hauen, Massen mit Hammer und Meissel, die sich Souvenirs aus der Mauer schlugen.

Genau so ein Gefuehl hab ich heute in Washington. Alle sind so bis obenhin voll mit Hoffnung und Begeisterung. Eine Freundin, die damals schon mit dabei war, sagte: "Das letzte Mal, dass Amerika so war, war bei Kennedy's Amtseinsetzung." Dahinter hoere ich leise das Echo einer Bemerkung, die ich ab und zu von anderen Freunden hoere: "Hoffentlich ueberlebt er seine Amtszeit..."

Ich bin kugelrund und geh nur noch im Schneckentempo, aber wie kann ich heute zu Hause bleiben? Gleich geht's los.

Ein letztes Zitat meiner Freunde: "Was absolut einmalig ist, ist dass die ganze Welt mit uns feiert."

Freitag, Januar 16, 2009

Die groesste Amtseinsetzungsparty aller Zeiten

Mal gucken, ob ich davon viel mitkriege. Langsam werden alle Strassen dekoriert, dann gesperrt und die Massen aus der ganzen Welt reisen an. Ich werde mich nicht unter die waelzenden Millionen mischen, die zu Fuss oder auf dem Fahrrad zur eiskalten Parade ohne Sitzplaetze pilgern. Auch ohne schwanger steh ich nicht auf Menschenmassen, aber diesmal hab ich die unschlagbare Universalausrede. Aber ich will ja nicht der totale Partypuper sein und deshalb geh ich am Sonntag zu 'ner Amtseinsetzungs-Tangoparty.

Mittwoch, Januar 14, 2009

Horrormone

Aeh, Hormone... Also ich hab das ja bei Kollegin S. beobachtet, die waehrend ihrer Promotion schwanger war. Und sich beklagte, wie sich ihr Hirn verlangsamte, vor allem, wenn sie an Nicht-Baby-Sachen denken sollte. Trotzdem hatte ich immer irgendwie das Gefuehl, die stellt sich an. Nun, ich mich auch.

Die Natur hat das natuerlich weise eingerichtet, wohl wissend, dass wir uns ansonsten viel mehr um unsere Karriere oder sonstige Ablenkungen kuemmern wuerden und moeglicherweise gar vergessen, Handschuehchen zu kaufen oder die Hoehle auszupolstern, in der wir gebaeren wollen...

Und weil sie (die Natur) genau weiss, wie egoistisch oder vergesslich wir Menschlein sind, hat sie die chemische Bremse eingebaut. Mein Hirn ist in so ner rosa Bruehe getraenkt und obwohl ich doch ein notorischer Faktenvergesser bin, kann ich Dir im Detail alles alles erzaehlen, was ich in den letzten Monaten ueber Schwangerschaft, Geburt und Schnodder in Babynasen gelesen hab.

Montag, Januar 12, 2009

Romantischer Film-Abend im digitalen Zeitalter

Na isses nicht romantisch, so schoen zusammen in die Videothek zu gehn, sich gute Filme auszuleihen und die dann haendchenhaltend zu gucken? Wenn da nur nicht die Tatsache waere, dass es in dieser Welt nur etwa 5 1/2 Filme gibt, die von (typischen) Maennern und Frauen gleichsam unterhaltend, spannend, bedeutsam und ergreifend gefunden werden.

Ich sag nur: "Wer wuerde denn freiwillig in einen Film gehen, von dem er weiss, dass er ihn heulen macht?" (aeh... zum Beispiel quasi alle Frauen, die ich kenne...?)

Also, gestern hab ich endlich verstanden, wie man das machen kann, romantisch zusammen Filme sehn und beide genau den perfekten Film fuer die Stimmung des Abends und den eigenen Geschmack sehn: Wer sagt denn, dass man nicht Haendchen halten kann, waehrend beide mit Kopfhoerern auf dem jeweils eigenen Computer unterschiedliche Filme sehn? Wenn das der Plan ist, kann man vorher in der Videothek voller Gelassenheit Schnulzen und franzoesische Problemfilme aussuchen und braucht zu dem Stapel Godzilla 1-3 noch nicht mal die Augenbrauen zu bewegen...

Basketball macht nicht niedlich! Verdammt!

Samstag waren wir auf einer Party mit typischer Tango-Altersstruktur: Mindestens die Haelfte der Gaeste waren in dem Alter, wo sie grade Grosseltern geworden sind, gerne Grosseltern wuerden oder die Hoffnung schon aufgegeben haben.

Das heisst: In dem Alter, wo der Anblick von kugeliger Eva im grossen Schwarzen, mit lila Felljoeppchen, roten Lippen und Blume im Haar, wie sie mit dem Kindsvater vorsichtig und langsam Tango tanzt, ihnen die Traenen der Ruehrung in die Augen treibt.

Als wir im Auto zurueck nach Hause fuhren, mussten wir uns mal ne halbe Stunde einer Aktivitaet hingeben, die man hier "ranting" nennt, also sich so schoen und aufgeregt aufregen, dass man nicht mal Luft holt zwischen den Tiraden.

Wir waren uns einig: Wenn uns noch einer (bzw eine, die angeschwipsten Frauen waren besonders krass) erzaehlt, was fuer einen guten Fang wir mit dem jeweils anderen gemacht haben, wie niedlich (ich) oder wunderbar (er) der sei, dass wir da ja gut drauf aufpassen sollten, wie sehr man uns die Liebe ansieht und wie herzerwaermend suess ich ausseh etc. pp. in hundertfacher Wiederholung, also wenn uns noch ein einziger Mensch (der uns nicht kennt), ein einziges Wort dazu sagt, wie toll wir sind, dann muessen wir uns leider lautstark und in hohem Bogen uebergeben.

Natuerlich wissen wir zu schaetzen, dass sie alle so nett sind und das ist auch ganz wunderbar, aber nach einem ganzen Abend Zuckerguss ist einem einfach schlecht. Und die Tatsache, dass ich da diese Kugel vor mir hertrage und er an der Produktion mitgewirkt hat, macht uns nicht automatisch zu besseren Menschen: Ich bin immer noch ne Zicke und er ist immer noch gern allein. Wir sind nicht niedlich geworden, wir sehen nur so aus.

Freitag, Januar 09, 2009

Abnehmender Grenznutzen

Kennt Ihr das: Der erste Schluck Kaffee am Morgen fuehlt sich so gut an, dass man nur Aaaaaahhhh sagen will und sich so richtig schoen wachgeschuettelt fuehlt. Der zweite Schluck fuehlt sich Aaahh an und man kann sich vorstellen, die Augen auch fuer ne laengere Zeit offen zu halten. Aber wie fuehlt sich der siebte Schluck Kaffee an? Keine Ahnung.

Das ist abnehmender Grenznutzen (finden Oekonomen): Je mehr man von irgendwas anhaeuft, desto weniger spuert man die Verbesserung. Irgendwann kommt der Punkt, wo doppelt so viel Geld nicht mehr doppelt so gluecklich macht.

Daran dachte ich, als ich heute nach dem Mittagessen mit Genuss drei Schluck von meinem Espresso trank, an einem Keks nibbelte, mein Gesicht in die Wintersonne hielt und schliesslich den Rest des Espressos wegschmiss. Mein Schwangerschaftsbuch sagt: Kein Kaffee ist natuerlich besser, aber bis zu zwei Tassen am Tag sind unbedenklich. Und da denk ich mir: Wer sagt denn, dass man diese zwei Tassen am Stueck trinken muss?

Donnerstag, Januar 08, 2009

Zutritt auch fuer Verrueckte

Wie gesagt, seit letztem Herbst duerfen in Washington auch Verrueckte heiraten. Also haben wir uns gestern zum Amt fuer Heiratsangelegenheiten aufgemacht. Das ist ein kleines Buero in einem riesigen Buerogebaeude aus den 60ern. Der Weg zum Zimmer 4485 fuehrt durch einen duesteren Gang, der nach staubigem Schweiss riecht. Wir kommen nacheinander an folgenden Bueros vorbei:
  • Stelle fuer haeusliche Gewalt
  • Stelle fuer Kindesmisshandlung und -Vernachlaessigung
  • Amt fuer geistig Zurueckgebliebene
Soll das ein Witz sein? Oder eine Warnung? Frueher bekam man beim Pastor Eheunterricht, heute wird man geschickt an all den Bueros vorbeigefuehrt, die man spaeter mal benutzen koennte? Da weiss man schon mal, wo die sind...

Endlich angekommen, empfaengt uns eine Amtsstube mit staubigen Plastikblumen und einer verschlafenen Schwarzen, die sich ihre billige lila Peruecke wie einen Wischmob falschrum auf den Kopf gesetzt hat. Nachdem wir unseren Antrag ausgefuellt und unsere Ausweise gezeigt haben, fragt sie uns zweimal, ob wir auch wirklich nicht vergessen haben, dass wir schonmal verheiratet waren. Kostet naemlich extra, das im Nachhinein zu aendern. Dann sagt sie: "Rechte Hand heben, Muetze abnehmen, schwoeren!" Und wie die Pfadfinder schwoeren wir, dass wir echt unverheiratet sind und beim Geburtsdatum nicht geschummelt haben. Nachgeprueft wird das nicht, geschworen ist geschworen, nicht wahr...

Also, Antrag ist abgegeben, jetzt muessen die uns nur noch sagen, wann wir ins stinkige Nebenzimmer kommen duerfen (10-15 Gaeste passen da rein), um unsere Unterschriften zu leisten.

Ach ja, bezahlt haben wir an der Kasse, wo man ausser Heiratslizenzen auch Kautionen bezahlt.

Wenn man nach so ner anti-romantischen ("unromantisch" waere noch zu schwach ausgedrueckt) Erfahrung gemeinsam in schallendes Gelaechter ausbrechen kann, ist das vermutlich ein gutes Zeichen.

Und: Keine Sorge, diese standesamtliche Trauung ist fuer uns wirklich nur das "Unterschriften leisten" und dass wir es damit ein bisschen eilig haben, hat vor allem organisatorische Gruende. Wenn das Baby und der Fruehling da sind, gibt's noch ne richtige Feier mit Blumen, Kuessen, Tango und Kleid. Irgendwo, wo's nicht stinkt und mehr als 15 Gaeste reinpassen und lila Peruecken verboten sind. Das ist zumindest der Plan.

Da kreisste der Berg...

und gebar eine Maus.

Ich stell mir einen Kreisssaal ja immer ganz graeuslich vor, so wie ein Operationssaal in der Arztserie im Fernsehn - oder wie das runtergekommene Kaemmerchen, in dem Mary ihr Baby gekriegt hat. Letztes Wochenende haben wir endlich die Krankenhausfuehrung gemacht und uns unsere Geburtszimmer angeguckt. Da stellte sich raus, dass das so aussieht, als haette jemand versucht, ein Wohnzimmer nachzumachen. Und obwohl das Ergebnis eher in Richtung "sauberes Hotelzimmer" geht, bin ich positiv ueberrascht von Schaukelstuhl und Schlafsessel und vor allem von den grossen Fenstern, die alle in Richtung einer interessanten Grossbaustelle gehn, wo man immer schon beobachten kann, wie sie das Loch noch tiefer buddeln...

Dienstag, Januar 06, 2009

Fette-Frauen-Ketten

Kennt Ihr fette-Frauen-Ketten? Das sind so richtige Klunker, die toll aussehn, aber eine kleine zarte Frau irgendwie mit ihrer Praesenz erschlagen... Gestern hab ich bei H&M die naechste Groesse Schwangerschaftsklamotten gekauft und da konnte ich mir auch endlich mal so'ne fette Kette goennen, rauchgraue Glasklunker, die nun schoen in meinem Busen und Bauch eingebettet quasi in der Mittelgebirgslandschaft verschwinden.

Sonntag, Januar 04, 2009

Eineinhalb Eselhintern

Leider und zum Glueck bin ich ein Sprachschwamm. Das heisst: Sobald ich irgendwo und mit bestimmten Menschen mehr Zeit verbringe, fang ich an, deren Art zu sprechen zu uebernehmen. Das ist gut, denn das heisst, dass ich meinen deutschen Akzent relativ schnell losgeworden bin. Andererseits ist das natuerlich auch schade: Die Amerikaner fanden meinen britischen Akzent so attraktiv und kultiviert, aber je laenger ich hier bin (und mit einem Amerikaner zusammenlebe - alles seine Schuld!), desto mehr geht's mit meiner Sprache den Bach runter.

Das spannendste an einer fremden Sprache sind natuerlich die Flueche und Schimpfwoerter, die Sachen, die in keinem Buch stehn: A jackass and a half (ein Eselarsch und ein halber = ein richtiger Idiot, normalerweise am Steuer des Wagens vor uns), he is shitting a brick / a cathedral (er scheisst einen Ziegelstein / eine Kathedrale = er aergert sich sehr), I'll bust his ass (ich werde seinen Arsch sprengen = der bekommt jetzt Aerger) usw.

Ghana ist ein sehr religioeses und gesittetes Land, in dem Flueche jeglicher Art verpoent sind und man sich sehr schnell eine ganz ordentliche Sprache angewoehnt. Deshalb gibt es in meinem Sprachschatz nun viele Leerstellen, die gefuellt werden wollen. Mein Amerikaner starrt mich dann ab und zu ganz schockiert an, vor allem wenn es sich um Flueche handelt, die er sich selbst ausgedacht hat und die ploetzlich wie natuerlich aus meinem Mund kommen (wenn ich das recht verstanden haben, spricht der normal fluchende Amerikaner nur von der Ausscheidung eines Ziegelsteins, die Steigerungsform "a cathedral" ist eine dieser persoenlichen Neuschoepfungen...). Dann trauert er vermutlich um die Kleine mit dem sexy englischen Akzent und nimmt sich vor, mir im Schlaf immer BBC vorzuspielen, in der Hoffnung, damit den Schaden begrenzen zu koennen.

Samstag, Januar 03, 2009

Syphilis? Ist jetzt egal

Bis letzten September musste jeder, der sich in Washington DC verheiraten wollte, einen Syphilis Test machen. Was nicht ganz klar ist: Bedeutete das, dass nicht heiraten durfte, wer krank war? Und warum grade Syphilis? Gibt doch noch so viele andere schoene Krankheiten.

Nun, erstens haben sie diese Regel nun aufgehoben, und zweitens hab ich, nachdem ich das gelesen hab, ein wenig gegoogelt und rausgefunden, dass es sich hier um ein ueber Jahre altes Gesetz handelt, das auch verbietet, dass Idioten ("idiots") und Verrueckte ("lunatics") heiraten. Das ist jetzt ebenfalls geaendert und auch in DC duerfen Verrueckte jetzt heiraten. Ganz ohne Test. Puh! Glueck gehabt.

Donnerstag, Januar 01, 2009

Nix knallt

Stellt Euch vor, keiner feuerwerkelt hier an Silvester. Alles bleibt im Haus, zaehlt die Sekunden, setzt sich bloede Plastikhuete auf, troetet in Troeten und stoesst mit Plastikglaesern und Sekt an. Und da ist mir aufgefallen, warum ich Feuerwerk super finde, obwohl ich in meinem Leben noch keine Rakete gekauft hab und erst einmal eine angezuendet: Weil die ganze Party dann das Haus verlaesst, man in den Himmel gucken kann, sich vom Rest der Horde ein wenig absondern und darueber nachdenken, wie das letzte Jahr war und wie das naechste wohl wird. Wie kann man das neue Jahr denn begruessen, ohne zu frieren und in den Himmel zu gucken?

Pssst! Da singt wer...

Meine Nachbarn und ich haben unterschiedliche Vorstellungen zum Thema Laut und Leise. Ich bin ja ueberhaupt nicht laermempfindlich, und meine letzte Empfindlichkeit hab ich wohl in Ghana verloren, wo man Laerm mit Leben gleichsetzt. Undeutsch.

Wo ich aber noch total deutsch bin, ist dass ich selbst meine Musik immer leise drehe, weil ich an die Nachbarn denke, und versuche, niemanden zu stoeren. Wenigstens wohnen wir in diesem Haus alleine und ich kann trampeln, wie ich will, ohne jemandem auf den Nerven rumzutreten. Wenn ich aber dann meine eigene Musik kaum noch hoere, weil Nene, Boo and Big Mama auf der anderen Strassenseite einander mal wieder anbruellen, oder weil der Nachbar drei Haeuser weiter wieder nachts mit Bier und Stereo auf der Veranda sitzt und begeistert mitsingt, dann muss ich ueber mich selbst lachen.

Dienstag, Dezember 30, 2008

Unbehuetet in die Kaelte

Mein Kerl kann sich das nicht erklaeren: Da sind ihm in Deutschland fast die Ohren abgefroren und trotzdem traegt keiner Hut. Waehrend sich die Mutter Fotos von der Schwiegerfamilie ansieht und sagt: Wo haben die diese Huete her?

Also wenn es eins gibt, worum ich schwarze Amerikanerinnen beneide, dann ist das ihre Hutkultur. Ich setz mir vielleicht ab und an mal ne Kappe oder ne Muetze auf und finde mich schon mutig. Aber diese grossformatigen Statements in Knallfarben, die man als schwarze Frau in die Kirche anziehen kann - das waer ja fast schon ein Grund, religioes zu werden. Nur leider saehen die auf meinem Kopf etwa so passend aus, wie es sich anhoeren wuerde, wenn ich ploetzlich im schwarzen Strassenslang unserer Nachbarn reden wuerde.

Von zu Hause nach Hause

So, das war wohl die letzte Flugreise fuer ne ganze Weile und ich bin nicht traurig drum. Die Fluglinien haben einfach keine Walfisch-Sondersitze und auf diesen Sitzen fuer normale Menschen komm ich mir irgendwie so gestrandet vor.

Jetzt bin ich wieder in Washington, die Sonne knallt so gut sie kann und ich geniesse mal wieder die "Arbeite-im-Cafe-Kultur".

Wie sehr ich das genossen hab, heute in meinem Lieblingssupermarkt einkaufen zu gehn und einfach so mehr zu kaufen, als man in drei Tagen aufisst. Daran merk ich immer, ob es Ruhe in meinem Leben gibt, oder ich zu viel unterwegs bin: Kann ich regelmaessig eigenes Essen essen, ohne dass mir was schlecht wird?

Montag, Dezember 22, 2008

Das neuste Foto

 
Posted by Picasa

Ist jetzt auch schon einen Monat alt. Zweieinhalb Monate hab ich noch und langsam merk ich, dass ich staendig mit Gepaeck rumlaufe.

Sonntag, Dezember 21, 2008

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind...

... knuspert weder an meinem Knaeuschen (was auch immer das ist) noch knabbert an meinem Haeuschen.

Sondern haelt mein Flugzeug vom Fliegen ab. Als ich den Reisefuehrer meiner Eltern durchgelesen hab, wurde mir erst so richtig klar, dass ich mir das nicht nur einbilde, die USA haben wirklich krasseres Wetter als Europa. Das liegt daran, dass wir hier so eine riesige Landmasse haben, ueber der sich alle moeglichen Ungewitter vorbereiten koennen, waehrend in Europa der besaenftigende Einfluss der Meere nie fern ist.

Diesmal ist also der gesamte Nordosten der Staaten von Schneestuermen lahmgelegt und mein erster Flug nach New York gestern wurde ersatzlos gestrichen. Versuch ich's heute nochmal ueber Atlanta. Das heisst zwar, dass ich Zickzack fliege (von hier nach Suedwesten, um nach Nordosten zu reisen) aber wenigstens schneit's im Suedwesten sehr selten. Na dann gute Reise.

Donnerstag, Dezember 18, 2008

Eva’s wunderbare kleine Welt (07.11.08)

Wenn ihr meinem blog regelmaessig folgt, wisst Ihr, dass ich auf Reisen haeufig in meiner eigenen kleinen wunderbaren Welt unterwegs bin, wo die Menschen alle ein wenig netter zu einander sind als in der grossen rauen Wirklichkeit. Unser Fuehrer, der uns gestern und heute durch die Kirchen gefuehrt hat, zur Segnung meines runden Bauches, durch eine stockdunkle Hoehle, die an die Hoelle erinnern soll, steile Berge rauf und runter, hat sich so gut um uns gekuemmert, das war schon ruehrend. Dass die schwangere Frau nicht zu schnell geht, die Mutter nicht ausrutscht, der Vater einen Platz zum Sitzen findet…

Und waehrend er uns alles erklaert hat, haben wir auch ein langsames Gespraech begonnen, wo wir versucht haben rauszufinden, was denn nun die Aehnlichkeiten und Unterschiede zwischen der katholischen und der Aethiopisch Orthodoxen Kirche sind. Beide verehren Heilige und glauben an die Vergebung der Suenden (wobei die Aethiopier direkt und ohne die Vermittlung eines Beichtvaters zu Maria beten), aber die Aethiopisch Orthodoxen glauben nicht, dass Jesus Mensch geworden ist, fuer sie ist er nur Gott.

Gegen Ende des zweiten Tages haben wir uns sogar ein wenig ueber Politik unterhalten, was in einem Land wie Aethiopien nicht unbedingt einfach ist, das die Regierung ein recht unverbindliches Verstaendnis von Demokratie hat.

Als wir uns dann heute verabschieden wollten, meinte er: “Ich wuerde Dir gerne ein Kreuz fuer Dein Kind schenken, warte, ich geh das schnell besorgen.” Nach einer halben Stunde kam er wieder und brachte einen silbernen Anhaenger und erklaerte uns ein letztes Mal die vielen kleinen Symbole, die in so einem Aethiopischen Kreuz versteckt sein koennen: “Diese sechs Nubble rechts und sechs Nubbel links verkoerpern die zwoelf Juenger, das kleine Kreuz in der Mitte steht fuer Jesus, die vier Nubbel hier unten stehen fuer die Evangelisten, diese Kringel hier versinnbildlichen die Koenigskrone Jesus und in der Mitte das grosse Kreuz steht fuer die Kreuzigung Jesu.” Dann gibt er mir seine email Adresse und bittet mich, ihm zu berichten, wenn mein Kind geboren wird und ob alles gut ging.

Das ist mal wieder wie der Taxifahrer, der mir Orangen schenkt. Wenn der arme Fremdenfuehrer darauf besteht, der reichen Touristin ein kleines Abschiedsgeschenk zu schenken und das ganze keine billige Anmache ist, dann weiss ich, dass wir fuer einen Moment uebersehen konnten, was uns trennt und unterschiedlich macht.

Familienpackung (06.11.08)

Schon in den vergangenen Jahren war das immer unglaublich wunderbar, mit der Mutter zusammen auf einen afrikanischen Markt, in ein Geschaeft oder sonst irgendwo hin zu gehn, wo viele Afrikaner sind. Irgendwie ist die Kombination “erwachsene Tochter mit Mutter” etwas, was jede Marktfrau versteht und kennt und was ihr Herz ruehrt. Wie der Vater immer sagt: “Jetzt wissen die endlich, dass Du nicht irgendwo vom Esel gefallen bist, sondern eine Familie hast.” Nun stellt Euch mal vor: “erwachsene schwangere Tochter und Mutter” Was gibt es den schoeneres, in Laendern, in denen Familie und Kinder kriegen das hoechste Glueck und die heiligste Aufgabe der Frau ist? Dafuer braucht man nicht die gleiche Sprache zu sprechen, damit das andere Frauen laecheln laesst. Aber wenn sie ein wenig verstehn und wir dazu sagen, dass das das erste Enkelchen ist, dann ist’s ganz aus.

Die Mutter - und auch mein Mann - haben sich aber wohl zu viel vorgestellt, als sie dachten: “Das ist ja wie ne Versicherung, nun bist Du ja von jeglicher Anmache geschuetzt, weil alle sehn, dass Du nicht mehr zu haben bist…” So heilig ist die Mutterschaft anscheinend auch nicht. Unser Tour-Organisierer (zum Glueck nicht der, mit dem wir den ganzen Tag zusammen sind), kann sich nicht einkriegen darueber, was fuer ein gluecklicher Mann mein Ehemann sein muss, wie schoen meine blonden Haare sind und dass wir doch Obamas Wahlsieg mit einem Bier in ner Bar im Dorf feiern sollen – natuerlich gemeinsam mit den Eltern, so viel Anstand hat er dann doch.

Mir faellt dazu gerade erst ein, dass ich mal gehoert hab, dass es in manchen afrikanischen Kulturen kein Hindernis sondern ein Verkaufsargument ist, wenn eine Frau schon Kinder hat (weil sie zum Beispiel frueh verwitwet ist oder uneheliche Kinder hat): Nur bei so einer Frau kann man 100% sicher sein, dass sie in der Lage ist, ihre heilige Pflicht zu erfuellen, und mehr Kinder zu kriegen. Eine kinderlose Frau zu heiraten, ist viel eher ein Gluecksspiel.

Blablabla Obama (05.11.08)

So, oder so aehnlich hoerte es sich vermutlich heute in ganz Afrika an. Zumindest in Lalibela, Aethiopien war das den ganzen Tag ueber ein Hintergrundgemurmel, das uns begleitete. Vor allem die jungen Maenner konnten nichts anderes diskutieren und so hoerten wir ueberall Unterhaltungen, von denen wir nur ein Wort verstanden, und das war Obama. Nein, gelogen, wir verstanden viel mehr, denn an dem Gesichtsausdruck und der Begeisterung, mit der die Jungs sich ueber amerikanische Politik unterhielten, konnte man noch viel mehr ablesen, auch ohne jegliche Amharisch-Kenntnisse: “Wir haben gewonnen!”, “Jetzt wird alles besser!” und “Der erste amerikanische Praesident, der Afrika im Blut hat!”. Am fruehen Morgen werden wir schon begruest mit: “You hear BBC? Obama win!”

Als ich vor ein paar Wochen in Kenia war, waren die da alle in Obamamania, weil das ja eines seiner Ursprungslaender ist. Meine europaeischen Kollegen erzaehlten zwar, dass er auf seiner Kenia-Reise klargemacht hat, dass er diesem Land keine Sonderstellung einraeumen wird, aber ich werde den Verdacht nicht los, dass die Kenianer sich von ihm typisch afrikanische Verteilungspolitik erhoffen, eine Art Kopie des typischen afrikanischen Praesidenten, der zuerst an seine eigene Familie, seinen eigenen Stamm denkt.

(Spaeter hab ich gehoert, dass Kenia und Sudan einen Staatsfeiertag ausgerufen haben, an dem Tag, als Obamas Wahlsieg verkuendet wurde.)

Unglaublich (05.11.08)

Vor hunderten von Jahren gebaut:



Der erste Europaer, der im 16. Jahrhundert die Kirchen in Lalibela beschreibt, sagt irgendwann:
”Nun will ich aufhoeren, diese Wunder weiter zu beschreiben, sonst werdet Ihr denken, ich sei ein Luegner.”

Mir geht es aehnlich, diese Kirchen sind zu gross und zu grossartig, in der Mitte von typisch afrikanischen Lehmhuetten Doerfern und in der Mitte atemberaubender Berglandschaft, zu gross, als dass ich sie mit meinen kleinen einfachen Worten beschreiben koennte.


Heute gebaut (gleich nebenan)

Gesegnet (5.11.08)

In Lalibela gibt es ein 10 m tiefes Taufbecken, dessen Wasser Unfruchtbarkeit heilen soll. Jedes Jahr an Weihnachten wird den Frauen ein starkes Seil um den Bauch gebunden und sie werden dreimal in diesem Wasser untergetaucht. Im Laufe eines Jahres, sagt unser Fuehrer, werden sie schwanger.

In einer weiteren Kirche gibt es ein Kreuz, mit dem speziell schwangere Frauen gesegnet werden. Ich weiss nicht, was ich erwarten soll oder was von mir erwartet wird und schliesslich steh ich einfach ganz still vor dem Priester, der mit seinem reich verzierten goldenden Kreuz meine Stirn beruehrt und damit von allen Seiten ueber meinen runden Bauch streicht und es mir schliesslich dreimal sanft auf den Mund drueckt, damit ich es kuessen kann. Wir haben einen stillen Moment erwischt, wo keine Touristengruppe durch diese dunkle kuehle Kirche latscht und der ganze Raum ist voll von der Heiligkeit des Augenblicks. Ich fuehle mich beschuetzt und geborgen.

Nachdem die Mutter sich ihre Traene aus dem Augenwinkel gewischt hat, fischt sie einen glattgeschliffenen Rosenquarz aus ihrer Tasche und haelt ihn dem Priester hin, waehrend ich uebersetzen muss: ”Ich habe lange darauf gewartet, Grossmutter zu werden. Nun werde ich mich bis ans Ende meines Lebens an den Moment erinnern, wo Sie mein erstes Enkelkind gesegnet haben. Bitte nehmen sie diesen Stein als ein Zeichen meiner Dankbarkeit.” Der Priester macht ein ernstes Gesicht, schuettelt leicht den Kopf und murmelt etwas auf Amharisch. “Der nimmt den nicht” flustert mir die Mutter ins Ohr… Aber unser Fuehrer uebersetzt: ”Der Priester sagt: Wenn das Kind geboren ist, bring es hierhin zurueck und ich will sein Patenonkel werden.” Und nimmt den Stein dankbar an.

Et rheinische Geschischtsche (5, Nov 2008)

Wir Rheinlaender luegen ja gar nicht oefter als andere Deutsche… Aber irgendwie sind unsere Geschichten meistens etwas bunter und aufregender als andererleuts, irgendwie farbverstaerkt.

Zu Beispiel heute: Die Mutter hat einen Packen gebrauchte Kinderkleider nach Aethiopien mitgebracht, die sie gerne an arme Kinder geben will, ohne dass sie damit auf offener Strasse einen Menschenauflauf verursacht. Heute haben wir dafuer eine Loesung gefunden. Wir haben den ganzen Tag mit Kirchenfuehrungen durch die Felsenkirchen von Lalibela verbracht und unser Fuehrer hat uns besonders gut gefallen, ein freundlicher, respektvoller Mann aus dem Ort, ohne den wir wie Blinde durch diese Wunder geirrt waeren. Das ist unser Mann, der kann die Kleider verteilen, an seine armen Verwandten oder die Armen, die wir heute im Ort gesehen haben.

Die rheinische Geschichte, die ich ihm erzaehlt hab (und die nun wirklich nich ganz gelogen ist, nur ein wenig ausgeschmueckt): Meine Mutter hat jahrelang zu Gott gebetet, dass er ihr Enkelkinder beschert. Nun, da eine ihrer Toechter endlich mit einer Schwangerschaft gesegnet ist, ist sie so dankbar, dass sie gerne etwas von dem Glueck, das sie erfahren hat, weitergeben moechte. Sie weiss, dass ihre Tochter (also ich), alles hat, was sie braucht. Also hat sie sich vorgenommen, wenn sie nach Afrika kommt, anderen jungen Muettern mit weniger Glueck ein Geschenk zu machen. Weil sie aber gar nicht darauf aus ist, von diesen Leuten mit Dankbarkeit ueberhaeuft zu werden, wuerde sie Sie gerne bitten, die Kleidungsstuecke in ihrem Namen zu verteilen.

Was die rheinische Geschichte so ueberzeugend macht, ist dass dem, der sie erzaehlt, dabei die Traenen in den Augen stehen, weil sie so ruehrend ist. Nun sind wir die Klamotten los und alle freuen sich.
























Gluecklicher Fremdenfuehrer

Vertrauen ist (vielleicht) gut (4.11.08)

Kontrolle ist natuerlich besser. Das scheint das Motto des Aethiopischen Staatsaparates zu sein, viel mehr als in Ghana, wo ich immer das Gefuehl hatte “Geschwindigkeitsbegrenzungen (und Gesetze…) sind freundliche Ratschlaege und wenn man die nicht annehmen will, gibt man ab und an eine kleine Spende an die Polizei.”

Zum Beispiel Handys. Aus unerfindlichen Gruenden ist die Regierung ueberzeugt, dass es nicht gut ist, Auslaendern ohne aethiopischen Ausweis eine SIM card zu verkaufen. Die koennten ja sonst… Ja was? Auslaendisch telefonieren? Wie auch immer.

Im Flughafen standen wir in der Schlange hinter einer weissen Dame, die mit ihem schwarzen Begleiter viele Formulare ausfuellte und sich irgendwann zu uns umdrehte und auf Deutsch sagte: “Ich hoere, sie wollen auch eine SIM card kaufen, da haben Sie aber ein Problem, das duerfen Sie gar nicht…” Nach einigem Geplauder bot sie uns schliesslich an, dass Ihr Fahrer uns die cards kaufen koennte, so wie er das auch fuer sie getan hat. Glueck gehabt.

Nachtraege

Auf der Aethiopien-Reise hab ich viel geschrieben und nichts in den Blog gesetzt. Nach dem schrecklichen Ende (s.u.) stand mir der Sinn nicht danach.

Ich werde die Geschichten nun einfach so hier reinsetzen, wie ich sie zu dem Zeitpunkt geschrieben habe, damit ich nicht vergesse und damit Ihr wisst: Es war eine ganz wunderschoene Reise.

Donnerstag, Dezember 11, 2008

Baby unter die Dusche?

Wer in Amerika schwanger ist, und kein "Baby Shower" hat, heult sich die Augen aus dem Kopf, denn das bedeutet, Du hast keine Freunde. Nein, da wird kein Baby unter die Dusche gestellt. Sondern mit Geschenken ueberschuettet. Bevor es ueberhaupt auf der Welt ist. Es ist wichtig, dass das von einer Freundin organisiert wird (sich selbst ein Baby Shower organisieren, heisst, s.o. keine Freunde), eine Orangensaftparty (damit man sich daran schon mal gewoehnt...), mit Luftballons und allen moeglichen Geschenken, die fuer die Aufzucht des Nachwuchses nuetzlich sein koennten.

Sonntag, Dezember 07, 2008

Wo bist Du? Alles OK?

Vor ein paar Tagen rief mich ein beunruhigter Freund an, weil er nach der ganzen Knallerei nie mehr was von mir im Blog gelesen hatte.

Und das kam so: In Aethiopien ist blogger irgendwie gesperrt, und man kann keine neuen Artikel hochladen. Also hab ich von dem wunderschoenen Urlaub mit meinen Eltern in Lalibela viel geschrieben, das aber einfach nur gespeichert, um es spaeter hochzuladen.

Und dann...

Ist mein Vater am letzten Tag unserer Reise an einem Herzinfarkt gestorben, und ich steh hier mit meinen ganzen lustigen Urlaubsgeschichten und wuerde den Blog am liebsten schliessen und mich fuer ein paar Jahre unter einer Decke verkriechen.

Das werd ich nicht tun. Und irgendwann die naechsten Tage werd ich auch die Urlaubsgeschichten hochladen. Und dann schoen weitermachen, wie bisher, ueber banale, amuesante, eigenartige Details des Lebens in den USA und dem Rest der Welt berichten, die ein bisschen mit mir zu tun haben - aber nicht zu viel.

Dienstag, Oktober 28, 2008

Knallebumm!

Heute ist Diwali und das ist den Hindus so wichtig, wie uns Weihnachten. Bevor ich losfuhr, sagten alle: "Oh, und dann ist das das Lichterfestival, alle Haeuser sind geschmueckt und haben Kerzen und Blumen ueberall etc. etc."

Leider haben sie vergessen, zu sagen:"Und dann verfaellt die ganze Stadt in einen Stundenlangen Kriegszustand, wo ohne Unterlass Boeller knallen, so lange bis der Laerm fuer Dich zu einem staendigen Hintergrundgeraeusch wird, nur unterbrochen von gelegentlichem Sirenenheulen, wenn wieder irgendwas Feuer gefangen hat."

Das fing so gegen sieben an und jetzt ist kurz vor Mitternacht und es hat noch immer nicht nachgelassen. Keine Ahnung, ob da irgendjemand seine Haeuser schoen geschmueckt hat, wer moechte schon im Kriegsgebiet rumlaufen und sich Bluemchen ansehn?

Nun, jedenfalls weiss ich jetzt sicher, dass mein Baby hoeren kann und auf die lautesten Boeller mit einem genervten Klopfen (oder Treten? Oder mit Besenstiel gegen die Bauchdecke haemmern?) reagiert: "Ruhe da draussen, verdammt nochmal!"

Im Augenwinkel

seh ich zwei Arbeitselefanten die Strasse entlang trotten. Zwei Inder reiten auf ihnen durch die Innenstadt. Was ich besonders bemerkenswert finde, ist dass diese Tiere nicht aufgeputzt und festlich aussehn. Wenn Elefanten Kleidung tragen wuerden, waeren diese staubigen Elefanten im Blaumann.

Sonntag, Oktober 26, 2008

Fakt

Manchmal begegnet man im Gespraech so unglaublichen Fakten, das muss man sich mal reintun...

40 bis 45% der landwirtschaftlichen Produkte, die in Indien hergestellt werden, werden nicht gegessen, da sie vorher verrottet sind. Weil Transport, Kuehlung und Verkauf der Waren ueber lange Entfernungen ein so grosses Problem ist.

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Hier stinkts gar nicht so doll (und ich bin nicht enttaeuscht)

Also, in Delhi scheint sich keiner an Ghandi (s.u.) zu halten. Oder - und das ist natuerlich wahrscheinlicher - das war eine kenyanische Taxifahrergeschichte.

Ich hatte mir Indien unheimlich ueberfuellt und stinkig und nervig und voller verkrueppelter Bettler vorgestellt. Nun sagen auch alle, New Delhi ist die sauberste, gruenste und weitlaeufigste Grossstadt Indiens und wenn Du in den Sueden faehrst, wirst Du all das erleben, was Du erwartest. Aber hier... natuerlich, das ist eine Grossstadt im Entwicklungsland, also ist es voller Leute und viele davon sind arm. Aber in den Gegenden, durch die ich bis jetzt gefahren bin ist das Gewusel und der Gestank nicht mehr oder weniger als in afrikanischen Grossstaedten.

Zum Thema Gestank beobachte ich auf meinen Reisen etwas seltsames: Anscheinend gibt es Voelker, die tendenziell mehr oder weniger stinken. Entweder, weil Koerperpflege ein anderer Wert beigemessen wird, oder weil sie von Natur aus zum Koerpergeruch neigen...

In keinem armen Land, das ich kenne, riechen die Menschen im Durchschnitt besser (und weniger verschwitzt), als in Ghana. Nach 2 1/2 Jahren Aufenthalt erinner ich mich an einen Kollegen mit regelmaessigem Schweissgeruch. Da gibt es einen groesseren Anteil an Schwitzern in Kenya und Indien (wenn ich schon in einer Woche mehrfach fiesem Gestank ausgesetzt bin), in China rochen die Leute eher aus dem Mund als aus den Achseln und ich war noch nie irgendwo, wo so viele Leute so penetrant und stechend nach Schweiss stanken, wie in Namibia.

Warum?

Dienstag, Oktober 21, 2008

Ein altes Bild


von damals, vor ein paar Wochen, als ich noch viel viel duenner war als jetzt...

Sonntag, Oktober 19, 2008

Ghandi: Passiver Widerstand ist Scheisse!

Mein kenianischer Taxifahrer hat dreieinhalb Jahre in Indien studiert. Seine Eltern dachten sich: "Wenn wir den Jungen in Amerika studieren lassen, bleibt der da, aus Indien kommt er sicher zurueck." Da haben sie wohl recht gehabt. Als ich ihn fragte, wie Indien so ist, schliesslich war ich noch nie da, erzaehlt er mir als erstes Folgendes:

Als Ghandi seine Landsleute zum gewaltfreien Widerstand gegen die Briten aufrief, empfahl er folgende Strategie: “Kackt in jede Ecke unseres Landes ohne Scham und Zurueckhaltung. Irgendwann wird es hier so stinken, dass die Englaender freiwillig nach Hause gehn.”

Wenn ich sage, dass Kenianer und Inder eine leicht angespannte Beziehung zueinander haben, dann ist das eine masslose Untertreibung. Ein grosser Teil des Geschaeftslebens hier ist seit Generationen in Indischer Hand, was den Kenianern nicht gefaellt. Und viele Inder sind ziemlich rassistisch. In Bolgatanga fanden die schleimigen Indischen Geschaeftsleute es immer unverstaendlich, dass ich in der Disco lieber meine Zeit mit meinen Ghanaischen Freunden verbrachte, als mich von ihnen anmachen zu lassen, obwohl ich doch weiss bin und sie braun und die Ghanaer schwarz. Ist es nicht offensichtlich, dass sie besser sind, weil sie die bessere Hautfarbe haben. Mein Taxifahrer jedenfalls hatte kein Verlangen, sich nach dem Studium in Indien niederzulassen und war schockiert, wie rassistisch selbst seine akademisch gebildeten Kollegen waren.

Irgendwie amuesant, dass ein Kenianer einer Europaerin sagt: “Das erste, was Dich in Indien erwartet, ist ein krasser Kulturschock.” Ich bin gespannt. Gleich geht’s los.

Sonntag, Oktober 12, 2008

Wie bestellt

London im Nebel. Ganz wie das Klischee es will. Und irgendwie bin ich erstaunt, dass sie das englische Essen halbwegs in den Griff gekriegt haben in den letzten 20 Jahren aber das Wetter ist immer noch die gleiche Suppe, ueber die unsere Grossvaeter gescherzt haben. Noch eine Stunde, dann geht's weiter nach Nairobi, Kenia. Mein Gastgeber sagt, sie warten auf Regen aber noch ist alles trocken und warm.

Samstag, Oktober 11, 2008

Pustekuchen

Bis spaet in die Nacht mit dem Drucker und den Visitenkarten kaempfen, um sechs Uhr morgens aufstehn, zu Ende packen und im Halbschlaf zum Flughafen rasen, um zur richtigen Uhrzeit einzuchecken, bringt ueberhaupt nichts, wenn man zwar zur richtigen Zeit aber leider am falschen Tag am Schalter steht. Wie konnte das passieren, dass sowohl mein Auftraggeber in Kenia als auch ich davon ausgingen, dass ich heute fliege, nur die Dame im Reisebuero sah das anders und hatte mir einen Flug fuer gestern gebucht? Nun bin ich wieder zu Hause und werde es heute Abend nochmal versuchen. Diesmal hab ich selbst gebucht und bin mir ziemlich sicher, dass das fuer heute ist...

Freitag, Oktober 10, 2008

Sehnsucht

Grade hab ich halbwegs zufaellig einen alten Kollegen aus Ghana getroffen und ach und oh, warum muss ich denn ueberall anders hinfahren und nicht nach da? Hab Sehnsucht nach meinem anderen Zuhause und nach meinen Leuten da und der ganz und gar Ghanaischen Art, der englischen Sprache Gewalt anzutun und dabei so breit zu grinsen, dass ihnen die Zaehne aus den Ohren rausfallen. Ach, da koennen die KenianerInderAethiopier einfach nicht mithalten.

Mittwoch, Oktober 08, 2008

Hier liegt im Grase ein armer Hase

Kennt Ihr den Hasen und den Igel von Janosch? Das ist noch schlimmer, als das urspruengliche Maerchen, wo der Igel sich mit seiner Frau zusammentut, und sie von beiden Enden der Furche abwechseld "Ich bin schon da!" rufen. Janosch's Igel geht nach Hause zu seiner Frau, die braet ihm ein Spiegelei und sie gehn an den Badesee, in der Sonne liegen und faul sein, und er vergisst den ganzen Wettlauf, waehrend der Hase schonmal loslaeuft, um nen Vorsprung zu haben. Der Titel dieses Blog-Posts ist der Spruch, der schliesslich auf seinem Grabstein steht, als er sich zu Tode gelaufen hat.

Bei Alice im Wunderland gibt es einen Hasen, den eine Kollegin von mir haeufig zitiert, der dauernd hechelt: "I'm late, I'm late for a very important date!" ("Ich bin spaet, ich bin spaet, fuer ein sehr wichtiges Date!"... reimt sich im Deutschen etwas holpriger...)

Als ich heute einen erfahrenen Kollegen fragte, ob er mir nen Tip geben koennte, wie ich einem solchen Hasenschicksal entgehen kann, lachte er erstmal laut. Und erklaerte mir dann, dass er mir definitiv und aus eigener Erfahrung erklaeren kann, wie man sich so eine Hasenmuehle bastelt. Wie man das vermeidet? Hm... wir arbeiten dran...

Washington ist ein ganz schoener Kaninchenstall, vor allem, wenn man mit lauter Kollegen zu tun hat, die ebenfalls im internationalen Bereich Karriere machen wollen. Da war das in Ghana schon einfacher, Igel-Vorbilder zu finden. Nun, Ende der Woche mach ich mich erstmal auf meinen (beruflichen) fuenf-Wochen-Trip nach Kenia-Indien-Aethiopien, danach gucken wir mal, wie das mit dem Igel-sein funktionniert. Bis dahin sing ich schoen mit den anderen Hasen im Chor: "I'm late, I'm late, for a very important date, zwodreivier... und jetzt alle!"

Samstag, Oktober 04, 2008

Evo Si

Normalerweise ist mein blog ziemlich unpolitisch, es geht um Essen und was da drin ist, um Taxifahrer und Frauenkleider. Das liegt vor allem daran, dass ich am liebsten ueber Sachen schreibe, die ich direkt erlebt hab, denn das ist das einzige, worin ich Expertin bin. Die abstrakte politische Analyse ueberlasse ich gerne anderen, die sich darin mehr zu Hause fuehlen. Aber in einem Land wie Bolivien laesst sich das gar nicht so trennen, die Politik durchtraenkt hier den Alltag so sehr, dass sie kein abstrakter Gedanke ist, der irgendwo im Parlamentsgebaeude ausgelebt wird, sondern mir auf Schritt und Tritt begegnet. Die ganze Stadt ist voll von “Evo Si” (Evo [Morales] Ja) Grafitti, das die breite Unterstuetzung des ersten indigenen Praesidenten Boliviens widerspiegelt. Ich habe das Gefuehl, da zu sein, wo Geschichte gemacht wird. Der Linksruck in Suedamerika, ob man den nun unterstuetzt oder nicht, ist eine alltaeglich fuehlbare Veraenderung. Die Welt sieht von hier anders aus.

Selbst die Intellektuellen, die Evo Morales’ Regierung zu populistisch finden und warnen, dass sie nicht die Kapazitaet und Weitsicht hat, tatsaechliche Reformen erfolgreich umzusetzen, selbst die, die sich selbst als moderate Reformer und nicht radikale bezeichnen, haben unheimlichen Respekt vor der Regierung. Nicht Respekt im Sinne von Angst. Sondern tatsaechlichen menschlichen Respekt, weil sie sagen: “Selbst wenn ich nicht denke, dass das funktionnieren wird, eins muss man ihnen lassen, sie sind ehrlich und gradlinig und leben, was sie predigen. Der Praesident zahlt sich selbst ein Monatsgehalt von 1400 Dollar und kein Regierungsangestellter darf mehr verdienen.”

Einer meiner (moderaten) Gespraechspartner hat Freunde im ganzen politischen Spektrum und ueber einen sehr radikalen Freund, der fuer Landangelegenheiten zustaendig ist, sagt er: “Der ist ein reiner Bolschewik aus dem 19. Jahrhundert, der fuehrt ein spartanisches Leben, fuerchtet keine Gefahr, agitiert die armen Massen mit feurigen Reden und kaempft fuer Landumverteilung. Leider hat er weder Erfahrung noch Zeit oder Leidenschaft, wenn es um die Organisation langweiliger Verwaltungsprozesse geht, die fuer die tatsaechliche Umsetzung von Reformen notwendig waeren.”

Eine andere Kollegin beschreibt wie anders sich die Bevoelkerungsmehrheit der Indios fuehlt und benimmt, nun da einer der ihren Praesident ist: Sie empfielt uns eines der besten Restaurants Boliviens und sagt: “Frueher sah man da nur Weisse, aber jetzt haben die Indios keine Scheu mehr, da hin zu gehn, wenn sie’s sich leisten koennen.” Und sie erzaehlt von einem Gespraech mit einem kleinen Indio Jungen, der als Schuhputzer arbeitet: “Was willst Du denn mal werden, wenn Du gross bist?” “Praesident.”

Donnerstag, Oktober 02, 2008

Was regste Dich so auf?

Und warum ist Klowasser in Ghana schlimmer als Guelle oder Plumpskloinhalt in Deutschland? Fragt ein regelmaessiger Leser mich in einer email.

Das Geheimnis heist nicht "pasteurisiert" oder "homogenisiert" sondern "ultrahocherhitzt". Wer einen Komposthaufen hat, der weiss, dass der Verwesungsprozess innendrinnen so viel Hitze erzeugt, dass alle gefaehrlichen Keime abgetoetet werden und das Endprodukt harmlos und gesund ist. Ich vermute mal, dass Guelle und Plumpsklos das Gleiche tun.

Die Temperatur des typischen tropischen Toilettenwassers dagegen ist schoen badewannenwarm und die ideale Brutstaette, wo sich Parasiten und Krankheitserreger fuer Colera und andere fiese faekal uebertragene Krankheiten vermehren wie die Karnickel. Besonders gefaehrlich ist dieses Wasser, wenn es beim Giessen direkt ueber die Pflanzenteile gegossen wird, die man verzehrt, also zum Beispiel ueber die Salatblaetter. Anscheinend wirken die Wurzeln und der ganze Pflanzenkoerper ein Bisschen wie ein Filter, so dass, wenn man nur den Boden und nicht die Pflanze selbst waessert, die Gefahr geringer ist.

In Ghana haben sie das Problem dann noch dadurch verstaerkt, dass sie am Marktstand das Gemuese in Wasser gelagert haben, damit es knackig bleibt ohne Kuehlung. Und wo dieses Wasser herkam... das wollte Ihr vermutlich gar nicht erst wissen.

Wer zu viel reist und zu viel forscht...

der weiss zu viel. Und so frag ich in jeder neuen Grossstadt, in der ich ankomme ganz scheinheilig: Wo wird eigentlich das Gemuese angebaut, das Ihr hier in der Stadt esst? Gibt es innerstaedtischen Gemueseanbau?

Hoert sich harmlos genug an, oder? Meine eigentliche Frage ist: Ist das Gemuese, was es hier gibt mit Kackwasser bewaessert, oder nicht? Ich war lange genug in Ghana und da ungluecklicherweise recht gut mit Forschern befreundet, die sich mit dem Thema beschaeftigten, ob es in Accra in irgendeinem Supermarkt, Hotel, Markt garantiert ohne Abwasser gezogenes Gemuese gab und ihre Antwort lautete: Nein. Egal, ob im superteuren Supermarkt oder am spottbilligen Marktstand, solange Du in der Grossstadt bist, ist die Chance immer gross, dass Du andererleuts Verdauungsprodukte (und Krankheiten) in Deinem Salat findest.

Hier in La Paz lautete die Antwort gluecklicherweise: Staedtische Landwirtschaft? Nee, gibts nicht, wird alles aus dem Umland angekarrt. Und haeufig mit Gletscherschmelzwasser bewaessert. Na, das hoert man doch gern.