Sonntag, April 13, 2008

Wer's glaubt wird seelig - und den Teufel los

Auf meiner Sonntags Tour fahre ich zur Kirche auf dem hohen Berg (Entoto Mariam). Dahinter gibt es eine Siedlung von AIDS Kranken. Denn in dieser Kirche werden Exorzismen veranstaltet und die Priester und ihre Anhaenger sind ueberzeugt, dass sie nicht nur Teufel und Daemonen austreiben koennen, sondern auch AIDS.

Waere es dann nicht logischer, wenn diese Kirche KEINE Siedlung mit AIDS Kranken haette?

So menschlich

Wahrscheinlich beeindrucken mich nicht die Sachen, die mich beeindrucken sollen. Aber in dem kleinen verstaubten Kirchenmuseum (wusstet Ihr, dass die Aethiopier Christentum schon laenger haben als wir?), in dem alte Dokumente, Gewaender und Bilder ausgestellt sind, die die jahrtausendealte christliche Geschichte Aethiopiens darstellen, beruehrt mich vor allem ein Bild: Maria gibt Jesus die Brust.

Freitag, April 11, 2008

US Dollars Cash! Keine Kreditkarte. Keine Travellers' Checks.

Das war die Antwortmail, die ich heute von meinem Kollegen aus Aethiopien bekam. Meine Frage war: Wie soll ich mein Geld mitbringen?

Ob ich wohl meine englische Nachbarin und meinen Aethiopischen Nachbarn aus Bolga treffen werde, die in der Zwischenzeit geheiratet haben? Freundin Debbie war grade in Bolga zu Besuch und hat dort gehoert, dass diese ehemalige Nachbarin schwanger ist. Das ist mal ein internationales Geruechtenetzwerk: Meine Englische Freundin faehrt nach Ghana, hoert da, dass die Freundin in Aethiopien schwanger ist und schickt mir die Neuigkeiten nach Amerika...

Donnerstag, April 10, 2008

Super-Woman

Ich habe ein neues T-Shirt, das ist vorne schlicht und schwarz und hinten drauf steht in fetten weissen Lettern: It's all about me! (Also: Es dreht sich alles nur um mich!). Das ist ein Tango T-Shirt, das die Herren der Schoepfung daran erinnern soll, dass es beim Tango nur darum geht, die Frauen schoen aussehn zu lassen. Fuer mich ist das aber nun auch mein Super-Woman-Cape. Wenn ich es zum Anzug trage, sieht das so aus, als wenn ich eben nur ein schlichtes schwarzes T-Shirt truege. Aber tief in mir drin weiss ich, dass die Wahrheit auf meinem Ruecken geschrieben steht. Gestern trug ich das Shirt zu einem wichtigen Meeting und es hat funktionniert, mein Gespraechspartner war begeistert. Nun muss ich nur aufpassen, dass ich niemals vergesse, dass es nur im Geheimen um mich geht und dass ich nicht aus Versehn das Jacket ablege...

Montag, April 07, 2008

Sagte ich schon...

dass ich Freitag nach Aethiopien fliege?

Fuer eine Woche. Zum ersten Mal nach Ostafrika. Fuer die Arbeit. Bin gespannt und werde - natuerlich - berichten.

Was haben wir schoen geheult

Bei James Dean und seinem Japaner, s.u.

Auf dem Empire State Building an Mutters Geburtstag, waehrend wir uns von der Tonbandstimme herzzerreissende New York Geschichten erzaehlen liessen (der hat mich schon mehr als einmal heulen lassen).

An Ground Zero, als unsere amerikanische Freundin erzaehlte, wie ihr Sohn drei Tage lang im Erste Hilfe Zelt ausharrte, wartend, ob nicht wenigstens ein einziger schwer Verletzter geborgen wuerde, den er verarzten koennte, und wie Freunde von ihr, zwei Brueder und ihr Vater nach langem Suchen das Bein des dritten Bruders und Sohnes unter dem Schutt fanden und so zu den Gluecklichen gehoerten, die wenigstens einen Teil ihres Toten beerdigen konnten. Von ihrer Freundin, die erfolglos hoffte, dass die Experten mit ihren DNA Proben zumindest ein wenig Schutt finden koennten, in der sich ihr pulverisierter Ehemann mit all den anderen Toten vermischt hatte. So viele Jahre danach riecht Ground Zero immer noch nach Tod. Ich erzaehle ihr, wie in einem kleinen namibischen Doerfchen ohne Strom und Autos die Jungs zu mir kamen und fragten: "Warum hat Bin Laden das gemacht?", wie diese Schockwelle ihr Echo in den hintersten Winkeln der Welt fand.

Noch mehr Heulen heute mittag, als wir zusammen Mary in Ghana anriefen. Ich weiss ja auch nicht, wie die Mutter und Mary das gemacht haben, dass sie sich einander so ins Herz gekrallt haben, obwohl sie kein Wort des anderen verstehen koennen. Wie hat Mary sich gefreut und uns ins Ohr gekreischt vor lauter Freude und Sehnsucht und Traurigkeit. Dem Sohn geht's gut und sie backt noch und die Maedels, die in meinem alten Haus wohnen, haben ihren Lohn erhoet. Ihre Mutter hat die Augenoperation gut ueberstanden und wird nun hoffentlich doch nicht erblinden.

Jetzt sind die Eltern abgereist und wir muessen alle wieder allein heulen... Schoen war's. Und gelacht haben wir auch.

Donnerstag, April 03, 2008

Andererseits (ein Nachgedanke zur Europaeischen Amerikaverachtung)

Ja, andererseits finden die Amerikaner, die ich treffe, Europa super, egal, ob sie schon mal da waren, Europa ist dieses mythische Wanne Eikel, wo alle Menschen freundlicher, vernuenftiger, kultivierter, schlanker und irgendwie cooler sind, wo die Schloesser echt und alt sind, die Kuehlschraenke kleiner, die Aepfel knackiger, die Kuehe auf der Almweide Mozart-Sonaten summen, die Staedte echte Metropolen sind und wo die Kultur und Geschichte nur so aus allen Ritzen quillt.

Da muss man sich doch fragen (wenn man das echte Wanne Eikel kennt - und nichts gegen Wanne Eikel, Castrop-Rauxel und Idar-Oberstein sind auch nicht besser), wer denen in den Kopf gekackt hat und ob das der gleiche war, der uns in den Kopf gekackt hat. Und wie das kommt, dass die sich keine bessere Werbeagentur leisten koennen, die Amis.

Samstag, März 29, 2008

Wem gehoert mein Kopf?

Ich war ja nicht dabei, aber es gab wohl mal eine Zeit in der jungen Bundesrepublik, wo Amerika und alles Amerikanische supercool waren und wir (als Volk) den grossen Bruder mit Affenliebe verehrten. Dann passierte dies und das (das nennt man Geschichte) und ploetzlich waren wir uns ebenso einig, dass Amerika und Amerikaner irgendwie Scheisse sind: Kuenstlich, ungebildet, unkultiviert, arrogant, fett und staendig in der Gegend rumschiessend (bzw. Bomben auf die Gegend schmeissend, wenn sie grade nicht bei sich zu Hause sind).

Ihr wisst, dass ich mich in diesem Blog meistens an die Details halte, die mir direkt vor der Nase liegen und keine grossen historischen oder politischen Wuerfe anstrebe. Warum also dieser Ausflug? Weil ich in meiner Eitelkeit getroffen bin. Irgendwie bildet man sich ja doch ein, dass einem der eigene Kopf und die eigenen Meinungen selbst gehoeren und dass man nicht einfach nur meint, was grade modern ist.

Was die Eltern am meisten ueberrascht hat, ist, wie nett die hier alle sind und wie wohl sie sich hier fuehlen. Mir ging das ja genauso, ich wollte lieber in Bolgatanga bleiben, als nach Washington ziehn und war mir so sicher, dass ich die Tage in meine Zimmerwand ritzen wuerde, bis ich wieder zurueck ins alte Europa ziehen darf.

Ein halbes Jahr spaeter hab ich Freunde, die Buecher lesen, Tango tanzen und sich Gedanken ueber die Welt und Politik und Geschichte machen, geniesse, dass man hier die Kunst des Schwaetzchens mindestens so gut drauf hat, wie in Wanne Eikel und frage mich, wie mir das passieren konnte, dass ich so bereit war, die Maer vom haesslichen Amerikaner zu glauben. Ob ich weiter hier bleiben werde, oder zurueck nach Europa ziehe, haengt vor allem davon ab, was sich in den naechsten Monaten beruflich entwickelt. Vorstellen koennte ich mir beides.

Donnerstag, März 27, 2008

Mein Vater ist juenger als James Dean (das sieht man ihm gar nicht an)

Auf einer nichtssagenden Strasse zwischen dem beeindruckenden Yosemite Nationalpark und der ebenfalls atemberaubenden kalifornischen Kueste, an einer unspektakulaeren Strassengabelung im Flachland steht ein Schild: “James Dean Kreuzung.” Im Vorbeifahren denk ich “James Dean was?” und sag: “Vater, halt mal an, da war was mit James Dean.” Der naechste Parkplatz gehoert zu einer Kneipe, auf der Mitte des Parkplatzes steht ein Baum, mit einem Denkmal, das so bescheiden ist, wie man sich nicht vorstellen kann: Eine eckige Struktur, die sich um den Baum windet, auf der Geburts- und Todestag und Name vermerkt sind (Mutter: “Maenne, der is ja aelter als Du!”).

Zwei Tafeln erklaeren, wie es zu diesem Denkmal kam, ein Japaner, der in diesem Ort ein Fremder war und leidenschaftlicher James Dean Fan, kam in den 70ern hierher, sprach mit Deans besten Freunden ueber sein Idol, ueberzeugte die Leute, denen dieses Land gehoert, dass sie ihm ein Stueckchen abtreten, damit er dem Rebellen hier sein Denkmal setzen kann. Die jung sterben, sagt man in Japan, sind wie Kirschblueten, die mitten in ihrer schoensten Bluete vom Baum fallen. Als ich den Text zu Ende uebersetzt hatte, rieben die Mutter und ich uns die Augenwinkel und wussten beide nicht, ob uns der Unfalltod des 24jaehrigen Idols oder die Verehrung eines unbekannten Japaners mehr ruehrte.

Little Joes Hinterhof

Mariposa, sagt der Reisefuehrer, ist der groesste und interessanteste Ort vor dem Yosemite Park. Oh. Als Mutter und ich den Ort erkunden, gehen wir langsam, sonst sind wir in der Pampa, bevor wir dreimal Schwups gesagt haben. Hier war Goldgraeberland und die Holzhaeuser sehen immer noch so aus, wie im Western. Der alte Knast ist ein winziges duesteres Haus aus schweren Steinquadern mit verrammelten Fensterluken und was uns schockiert, ist dass der bis in die Mitte der 60er in Betrieb war.

Aus der Suche nach einem Apfel landen wir in einem der beiden Schnapslaeden des Ortes, wo wir Erdnuesse als Notverpflegung und eine Dose Bier fuer den Vater kaufen. Als ich zahlen will, fragt der Schnapsmann mich nach meinem Ausweis. Ich bedanke mich, dass er mich fuer unter 21 haelt und er laechelt langsam. Ob meine Mutter auch juenger als 21 aussieht? Nein, sie darf das Bier bezahlen, obwohl sie keinen Ausweis dabei hat. Als ich es in meine Tasche packen will, sagt er: “Nein junge Lady, mir ist ja egal, was Ihr draussen macht, aber in meinem Laden, darfst Du das Bier auch nicht in Deiner Tasche tragen, wenn Du mir keinen Ausweis zeigen kannst.”

Mariposa hat sich fuer die Touristen rausgeputzt. Aber wenn man die Leuchtreklame abhaengen wuerde und die Farbe ein wenig abblaettern lassen, dann koennte man den Schnapsmann und die anderen Ureinwohner in Westernklamotten stecken und sie wuerden so ziemlich meinen Vorstellungen vom wilden Westen entsprechen.

Meine Eltern erzaehlen, wie das damals war, als das Fernsehn noch neu war, und man um keinen Preis Bonanza verpassen wollte. Little Joe war ja so ein feiner Kerl und es gab kaum was schlimmeres, als im Stau zu stehn, wenn zu Hause Bonanza lief. Als ich ein Kind war, konnte man mit Bonanza keinen Erwachsenen mehr hinter dem Ofen hervorlocken, aber wir fanden das toll und bastelten uns Cowboy Kostueme. Heute wuerden vermutlich schon die Dreijaehrigen sich gelangweilt abwenden, denn in diesem wilden Westen gab es nur ganz langsame Action und Sex war damals noch nicht erfunden (ob sich die Cowboys der 60er Jahre wohl durch Zellteilung vermehrten?).

Fett oder nicht?

Mutter: “Die Amis sind ja gar nicht wirklich so dick, wie alle immer sagen!” Hm. Jein. Unsere Geschichten von den dicken Amerikanern hoeren sich ja wirklich so an, als waeren das alles aufgedunsene Wackelpeter. Und das stimmt nicht. Aber, Mutters Bemerkung kam nach zwei Tagen in San Francisco, wo wir von modebewussten Schickmickimetropolenbewohnern umgeben waren, die staendig gruenen Tee trinken und Yoga machen. Jetzt sind wir auf dem platten (bzw huegeligen) Land und hier findet man ein Essen offensichtlich dann gut, wenn es reichlich ist und nach einer weiteren Faeden ziehenden Pizza liege ich wie ein klumpen eingeschweisster Gauda auf meinem Hotelbett und schuettel mich bei dem Gedanken, dass ich morgen schon wieder was essen muss. In der Sesamstrasse (oder war das die Sendung mit der Maus) war einer meiner absoluten Lieblingsfilmchen der Mann, der in einen Wurstimbiss reinkommt und Bissen fuer Bissen eine Knackwurst isst. Dann zeigen sie den Film rueckwaerts und man kann sehn, wie ein dicker Mann eine unversehrte Knackwurst aus seinem Mund zieht. Ich beneide diesen Mann. Koennte jemand bitte die Malzeiten der letzten Tage rueckwaerts abspielen?

Mittwoch, März 26, 2008

Ein Herz fuer Hinterwaeldler

San Francisco ist atemberaubend, hinreissend, charmant und ueberwaeltigend, man fragt sich, ob die Leute hier gluecklicher (oder zumindest stilvoller ungluecklich) sind und ich kann mir in meinen wildesten Traeumen vorstellen, wie es waere, hier zu wohnen.

Aber was mein Herz beruehrt, ist das Hinterland, Hillbilly Country, einsame Berge, gewundene Strassen, an denen ab und zu ein Briefkasten mit abblaetterndem Lack steht, ganz hinten im Tal sieht man ein Holzhaus, einen rammeligen Wohnwagen, einen Hof voll alter Autos und Krempel. Da fuehl ich: Ich will wissen, wer da wohnt und wie und warum. Da wird mir im Vorbeifahren das Herz schwer, weil ich einen Moment lang dieses irre Verlangen hab, alle alle alle Menschen kennenzulernen und weiss, dass das einer einzelnen kleinen Eva nicht moeglich ist.

Montag, März 24, 2008

Ob Menschen, die an schoenen Orten wohnen, gluecklicher sind?

Das hab ich gestern auf der Faehre, die uns nach der Fahrradtour ueber die Golden Gate Bridge zurueck nach San Francisco brachte, eine junge Amerikanerin gefragt: Denken Sie, dass sie gluecklicher sind, weil Sie schoen wohnen?

Oh ja, strahlte sie, und konnte sich gar nicht mehr einkriegen, vor Begeisterung. Und ich moechte ja Bolgatanga und Wanne Eikel ueberhaupt nicht beleidigen, aber, meine Herren, hier scheint sich das Laecheln einfach leichter zu ergeben. Ist das schoen...

Donnerstag, März 20, 2008

Wie unwichtig man ist

Ich warte seit Wochen auf die Antwort von Leuten, fuer die ich gerne in Zukunft arbeiten wuerde. Und denke natuerlich die ganze Zeit, das haette was mit mir zu tun und damit, dass sie beschlossen haben, dass ich nicht auf ihren Job passe. Nun krieg ich eine mail, dass der Sohn des Mannes, mit dem ich in Kontakt stand, im Februar einen Unfall hatte, seitdem im kuenstlichen Koma liegt und merke mal wieder dass, oh Wunder, das meisste, was in dieser Welt passiert, nichts mit mir zu tun hat.

Urlaub

Am Wochenende fliegen wir nach San Francisco und stecken uns Blumen ins Haar. Vor allem meinem Vater, wo das Wort "Haar" zu Recht im Singular und nicht im Plural steht. (Ach isset nich schoen, dass die in der Weltgeschichte rumjoestern [jaja, Herr F. ich weiss schon, "dann ist Oestern"] und deshalb nicht blog lesen und ich lauter Scherze auf ihre Kosten machen kann, ohne dass sie sich beschweren koennen, hihi)

Das ist ja mal wieder typisch

Meine Eltern haben die Reisewanzen (travel-bugs - ihnen jucken die Fuesse) und am Ende kennen sie meine neue voruebergehende Wahlheimat schon wieder besser als ich. In Ghana kennen sie ja auch jeden Stock und Stein, waehrend ich kaum ueber meinen eigenen Kirchturm hinausgeschaut hab vor lauter Arbeit.

Heute morgen am Telefon hatten sie beide mehr Energie als ein halbes Footballteam (American Football) und versuchten wie vorsichtig rebellische Teenager herauszufinden, wie Mama Eva reagiert, wenn sie ihr mitteilen, dass sie heute abend nicht nach Hause (Washington) kommen, sondern einen Schlenker an's Meer planen, um bei den wilden Pferden zu uebernachten.

Und da Teenager ihre Grenzen kennen muessen, hab ich ihnen erst ein wenig streng vorgehalten, dass sie mich nicht genug lieben, um mich dann gemeinsam mit ihnen daran zu freuen, dass die Amerikaner so nett zu ihnen sind und ihnen immer den Weg zeigen und ein fettes Fruehstueck fuer fast kein Geld servieren. Natuerlich duerft Ihr ans Meer fahren! Viel Spass. Tschoe.

Mittwoch, März 19, 2008

Den Ureinwohnern trauen?

Wenn ich irgendwo hinzieh, mach ich mich ja gleich mit den Ureinwohnern gemein und finde von ihnen raus, wie Dinge funktionnieren und warum. Dann lass ich mir von ihnen Essen empfehlen, damit ich weiss, was ich meiden muss.

Jaja, ich bin ein Essens-Snob. Aber wenn ich mich immer an meine eigenen Vorurteile halten wuerde, waere mir gestern was Fieses nicht begegnet. Dabei wusste ich doch schon vorher, dass mein Hillbilly Tango Freund ein wirklich geschaetzter Freund ist und in vielen Dingen schlaue Sachen sagen kann, aber einen ausgepraegten Hillbillygeschmack fuer fiesen Fast Food hat.

Gestern hab ich meine Eltern zu Taco Bell geschleppt, das ist was? SuedstaatenMcDonalds? Oder TexMexMcDonalds? Die Hillbilly-Empfehlung fuer mich war: Bean Burrito von Taco Bell. Und da ich letzte Woche in einem hoeherklassigen Imbiss einen bean burrito wirklich genossen hatte, dachte ich: Wunderbar, das wird gut (oder zumindest essbar), Bohnen, Reis, Tomaten, Avocado, scharfe Sauce und noch was eingewickelt in Tortilla, frisch und saettigend.

Ich kann bezeugen, dass es essbar war, denn es hat den Weg von meiner Hand in meinen Magen gefunden (wo es sich dann in einen Stein verwandelte) und der Geschmack was nicht der Schlimmste, den ich je geschmeckt hab. Aber in Konsistenz, Aussehn und Verdaulichkeit war das schon eine Herausforderung und ich musste mich die ganze Zeit angeregt unterhalten, um zu uebersehen, dass ich grauen Bohnenschleim esse und dem Ekel einfach nicht erlauben, seine Stimme zu erheben, lalala, denn wenn ich ihm die Tuer einen Spalt geoeffnet haette, waere es mir unmoeglich gewesen, weiterzuessen und nicht vor meinem eigenen Mageninhalt zu schaudern...

Sturmfrei

Meine Eltern sind in den verregneten Bergen, meine liebsten Tango Freunde kuemmern sich um kranke Onkels in Kalifornien (der, der keine Ratten isst), kranke Fremde in Baltimore (der, der Krankenpfleger ist) oder schielen in Argentinien nach dem Tangogeiger hin (der, der einfach nur gut tanzt aber in diesem blog noch nicht vorkam). Ist das nicht ein idealer Abend, um Tango tanzen zu gehn und mit lauter Fremden zu tanzen?

(Ok, das hoert sich an wie ein Trinker, der sagt: Ich trinke, weil ich gluecklich, traurig, muede, wach bin, weil Dienstag ist oder weil grade die Sonne untergeht... etwas ist immer.)

Hello-goodbye

Kaum sind se da, sind se auch schon wieder op jueck (Hochdeutsch: unterwegs).

Heute haben die Eltern sich in und um Washington rumgetrieben. In einer Dorfkirche hat die Organistin sie gefragt, ob sie ihnen ein wenig Bach vorspielen darf und ob meine Mutter Deutsch singen kann (Antworten: Ja und nein).

Da ich sowieso in meinem Buero festgekettet bin, werden sie morgen frueh in die Berge fahren, da uebernachten und uebermorgen wieder zurueckkommen. Irgendwer muss ja hier mal Abenteuer erleben und die Lage ausbaldowern...

Dienstag, März 18, 2008

P.s.

Eltern sind gut angekommen.

In Erwartung eines Wochenendes voller Tango

 

Leicht irr im Blick und voller Vorfreude auf ganz viel Glamour und schmerzende Fuesse. Eva am Freitag.
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Montag, März 17, 2008

Wie wirst Du das nur aushalten?

Drei Wochen ohne Tango? Fragen mich meine Tangofreunde...

Oh, ich habe keine Sorge, dass meine Eltern mich genuegend auf Trapp halten werden, dass da kaum Tango-Energie mehr uebrig bleibt. Schliesslich ist Tango ja eigentlich nur im Kreis gehen und wer meine Mutter kennt, weiss, dass sie sich den Namen Laufkaefer wacker verdient hat... Also: Ich werde genug laufen, dass ich kaum Sehnsucht nach Rueckwaerts im Kreis gehn haben werde.

Aber natuerlich hab ich mir auch schon einen Trick ausgedacht, wie ich ein klein bisschen Tango in diese drei Wochen reinschmuggeln kann.

Also: Meinem Vater sag ich: Da gibt's super tuerkisches Essen mit ganz viel Fleisch. Meiner Mutter sag ich: Dann kannst Du endlich mal die ganzen Maenner angucken, mit denen ich immer abhaenge. Und waehrend mein Vater kaut und meine Mutter guckt, werde ich tanzen, als wuerd ich ihnen einen Gefallen tun. Hihi. Ich bin ja so selbstlos, das fass ich gar nicht.

Tangotaenzer - anfuettern, abschleppen

Samstag abend war mein Haus angenehm gefuellt mit hungrigen Tangotaenzern, die sich zwischen Unterricht und Party von mir bekochen liessen. Der gluecklichste Moment des Abends: Ich steh vor meinem Badezimmerspiegel und male mir das Gesicht an fuer die Party. Im Nebenraum hoere ich fuenf Herren Tanzschritte diskutieren, schliesslich den Teppich aufrollen und miteinander in meinem Wohnzimmer rumtanzen, um rauszukriegen, wie man diesen besonders schwierigen Schritt fuehrt. Was weiss ich, warum mich das so zufrieden laecheln laesst.

Freitag, März 14, 2008

Das reicht!

Jetzt klapp ich meinen Computer zu, mach's Licht aus und geh in den fruehlinglichen Abend, meine Tanzschuhe warten schon auf mich, Hallo Tango. Und Montag Abend kommen die Eltern nach DC.

Donnerstag, März 13, 2008

Tango Marathon

Dieses Wochenende kommen Taenzer und Verrueckte aus ganz Amerika nach Washington, um Tag und Nacht zu schwofen. Der Tango Marathon beginnt heute abend mit einer Tangoparty und geht bis Sonntag Nacht. Netter Weise in einer Uni, die ich von meinem Haus zu Fuss erreichen kann und deshalb hoffe ich, dass ich zwischen Tanzstunden und Party einige meiner Tangofreunde zu mir nach Hause einladen und bekochen kann. Seit ich hier wohne hab ich noch niemanden bekocht. Also sagen wir, noch nie mehr als einen Besucher gleichzeitig bekocht. Was ein grosser Unterschied zu Bolga ist, wo wir - schon weil sonst nix los war - dauernd Parties hatten und meine Gaeste schon deshalb zu mir kamen, weil ich ihnen immer was Mitteleuropaeisches, Mediterranes oder Asiatisches (jedenfalls Unghanaisches) vorsetzte... Das fehlt mir.

Gedanke des Tages

Gestern sagte eine Kollegin: "Facts are facts. Perception is reality!" ("Fakten sind Fakten. Wahrnehmung ist Wirklichkeit!"). Forscher - und der Rest der Welt, vermutlich - lassen sich in zwei Gruppen aufteilen, die, die mit dem ersten Satz auskommen und die, die den zweiten brauchen.

Mittwoch, März 12, 2008

Zwei Nachgedanken zu "Krieg foerdert Emanzipation"

Im Europaeischen Kontext gibt es da zwei gegensaetzliche Beispiele: Nach dem ersten Weltkrieg, in den wilden 20ern eroberten Frauen ploetzlich Bereiche von Politik und Gesellschaft, die ihnen vorher verschlossen waren. Nach dem zweiten Weltkrieg dagegen gab es einen grossen gesellschaftlichen Backlash, also eine Gegenbewegung, wo den Frauen die Selbstaendigkeit, die sie im Krieg beweisen mussten, in den 50er Jahren systematisch wieder entzogen wurde und das ideale Frauenbild das huebsche Heimchen am Herd war.

Krieg foerdert Emanzipation?

Vor ein paar Tagen hat Dr. Aili Tripp hier einen Vortrag gehalten, der ganz Eigenartiges zu Tage foerderte: In den Laendern Afrikas, die in den letzten 20 Jahren einen Krieg erlebt haben, gibt es doppelt so viele Frauen im Parlament wie in friedlichen Afrikanischen Laendern. Spitzenreiter sind Ruanda (49%) und Mozambique (44%) und nur wenige Kriegslaender wie Angola und Eritrea bilden Ausnahmen.

Seit den 90ern geht es auf dem Kontinent generell bergauf in Frauenfragen und es gibt in Afrika 6 Ministerpraesidentinnen und in einem Drittel der Wahlen, die seit 2000 in Afrika stattfanden, gab es weibliche Praesidentschaftskandidaten.

Aber warum haben Frauen in Nachkriegslaendern so viel mehr Macht? Nun, waehrend die Zahlen eindeutig sind, ist den Forschern nicht wirklich klar, woran das liegt. Einige Gruende, die sie anbieten:

Im sozialen Chaos einer Nachkriegssituation sind viele traditionelle Regeln und traditionelle Herrscher, die Frauen benachteiligen, entmachtet. Da Frauen im Friedensprozess in vielen Laendern (wie zum Beispiel Liberia) so eine wichtige Rolle gespielt haben, nutzen sie diesen Einfluss, um sich auch danach ein Stueck vom politischen Kuchen zu sichern. Seit 1990 haben 36 afrikanische Laender sich neue Verfassungen gegeben und in diesen Verfassungen sind Frauenrechte auf die ein oder andere Art verankert. Manche Leute behaupten, dass die Demokratisierung dieser Laender eine wichtige Rolle spielt. Aber in Suedamerika und Osteuropa, wo im gleichen Zeitraum grosse Demokratisierungswellen die Gesellschaft erfassten, hat sich das auf die Rolle der Frauen in der Politik kaum ausgewirkt...

Es scheint, als wuerden Frauen in den Nachkriegslaendern als vertrauenswuerdiger angesehn, waehrend Maenner eindeutig mit der einen oder anderen Kriegspartei identifiziert werden. Obwohl Frauen, die einen Buergerkrieg ueberleben und das vielleicht sogar in herausgehobener gesellschaftlicher Stellung, natuerlich auch auf die ein oder andere Art und Weise kollaborieren muessen. Die meisten Nachkriegslaender der letzten 20 Jahre haben eine starke Frauen-Friedensbewegung, die ueber die Parteigrenzen und ueber ethnische Unterschiede hinweg aktiv war. Eritrea und Angola, wo Frauen so viel weniger erreicht haben, zeichnen sich dadurch aus, dass deren Frauenbewegungen stark and die politischen Parteien angebunden sind...

Der Vortrag war auf eine gute Art und Weise verwirrend, weil Frau Tripp uns mit eindeutigen Zahlen und komplexen, unklaren Gruenden zum Denken anregte. Und natuerlich ist es nie ein einziger Grund, der eine grosse gesellschaftliche Veraenderung anstoesst.

Ein Leichenwagen, der sich in Brooklyn verfaehrt und der ganze Trauerzug hinterher

Eine lesbische Atheistin, ihre juedische kontrollsuechtige Freundin und ihre ex-lesbische neu-christliche Exfreundin, die den gemeinsamen altersschwachen Hund zum Einschlaefern bringen; ein amerikanischer Soldat, der nur deshalb noch lebt und seine Geschichte erzaehlen kann, weil die Kugel des Scharfschuetzen im Irak exakt im Fadenkreuz des Gewehrs des Amerikaners einschlaegt; eine Oma, die noch 15 Jahre nach ihrem Tod die Familie mit ihrer Bosheit belaestigt und eine andere Oma, die gemeinsam mit ihrem viel juengeren schwulen franzoesischen geheimen Ehemann Kunst faelscht und Drogen schmuggelt und nach dem Tod des Franzosen von dessen zwielichtigen Geschaeftspartnern verfolgt wird, waehrend die Enkelin den Verdacht hat, dass der Franzose seinen Tod nur vorgetaeuscht hat, weil ihm der Boden zu heiss wurde...

Diese und andere wahre Geschichten haben wir uns gestern beim Speak-Easy angehoert und haben gelacht, geweint, geseufzt und manchmal alles zusammen. High-Tech-Welt und Plastikamerika beiseite geschoben, egal wer und wo Du bist, es ist beeindruckend, wie spannend und berueckend eine gut erzaehlte echte Geschichte sein kann.

Mein Tangofreund kam leider nicht in den Genuss. Ich hatte ihm eher vage am Telefon davon erzaehlt und als er in sein GPS "speak-easy" eingab, geleitete ihn die freundliche Dame in einen unscheinbaren aber weit entfernten Vorort, wo er durch die naechtlichen Strassen kurvte. Die Tatsache, dass an der angegebenen Adresse keine Kneipe sondern eine Schule war, schreckte ihn zuerst nicht ab, schliesslich ist ein speak-easy ja extra nicht zu erkennen und wo koennte man eine Fluesterkneipe besser verstecken als in einer Schule... Nachdem er ein paar unschuldige Rentner mit seiner schreckeneinfloessenden Hautfarbe aufgescheucht hatte (hier reicht es immer noch, schwarz zu sein und sich in der falschen Nachbarschaft rumzutreiben), gab er schliesslich auf und war - zu unserem groessten Komfort - grade um die Ecke der Kneipe, wo alles stattfand, als die Veranstaltung vorbei war und konnte uns so Prinzessinnentransport nach Hause gewaehren... (Nein, damit das nicht gar so prinzessinnenhaft aussah und sein Abend nicht gar so nutzlos, sind wir erst noch zu Wein und Kaese eingekehrt)

Dienstag, März 11, 2008

Einfach sprechen

Heute abend geh ich zum "speak-easy". Direkt uebersetzt hiesse das sprich-einfach. Urspruenglich nannte man so die Fluesterkneipen, in denen waehrend der Prohibition illegaler Alkohol ausgeschenkt wurde. Inzwischen ist das der Name fuer eine Veranstaltung, die der direkten Uebersetztung entspricht. Es gibt ein Mikrophon und Leute die bereit sind, Dir zuzuhoeren, also los, sprich einfach. Normale Leute erzaehlen wahre Geschichten. Das Thema dieses Abends ist: Game over: Tod und Jenseits.

Stuhlschaukler

Am Sonntag schien die Sonne freundlich warm, obwohl es im Schatten noch fies kalt war. Ich zerrte meine Mitbewohnerin raus in den Fruehling und zum Eastern Market, wo es am Wochenende Floh-, Gemuese-, Fleisch-, und Fischmarkt gibt. Die Flohmarktecke war relativ leer, weil die meisten Profis im Winter in waermeren Gefilden weilen, um ihren Warenbestand aufzustocken mit Tibetanischen Gebetsflaggen oder Kenianischen Halsreifen.

Das Wunderbare an Amerika und das wunderbare an Flohmaerkten ist ja, das Fremde miteinander reden. Nun stellt Euch einen Amerikanischen Flohmarkt vor! Genau. Am Ende sass Jenny in einem ungemein bequemen Schaukelstuhl (der zum Verkauf stand) in der Sonne und als ich meine Stirn runzelte, weil der Stuhl, den der Flohmarktjonny mir anbot, nicht schaukelte, sondern sicher auf vier Beinen stand, stellte er sich hinter meine Sessellehne und fing an, mich (inklusive Stuhl) gemuetlich hin und her zu schaukeln, waehrend er sich wuenschte, dass Stuhl und er und ich gemeinsam das Gleichgewicht verloeren.

Was sind wir international...

Wird das wirklich hinhaun? Dass Schwester P. auf einem Businesstrip in New York Zwischenstopp macht, waehrend die Eltern und ich einen Wochenendausflug dahin machen, um den Geburtstag der Mutter am Broadway zu feiern. Das waer ganz schoen cool.

Sonntag, März 09, 2008

Gelesen und geheult

"Bastard out of Carolina" von Dorothy Allison.

Freitag, März 07, 2008

Was will mein Blumenkohl mir sagen?

Letztens stand ich an meinem Herd und kochte, waehrend ich gleichzeitig Musik auf meinem i-pod hoerte. Meine Kopfhoerer haben so ne komische Plastikhuelle, die dafuer da ist, den Laerm von aussen abzuhalten.

Und waehrend ich so vor mich hin kochte, fuehlte ich mich irgendwie nicht ganz wohl in meiner Haut, hatte das Gefuehl, dass ich nicht ganz mitkriege, was in meiner Pfanne abgeht, wenn ich ihr den Ruecken zudreh, um die Zwiebeln zu schneiden. Und da wurde mir klar, dass ich tatsaechlich auch mit den Ohren koche. Und wenn ich nicht hoeren kann, was mein Blumenkohl mir sagt (oder was der Blumenkohl hinter meinem Ruecken dem Brokoli zufluestert), fuehl ich mich in meiner eigenen Kueche ganz verloren.

(Hey, bitte keine Kommentare, die andeuten, dass ich nen Schaden hab, das weiss ich auch so...)

Donnerstag, März 06, 2008

Woerter, die man nicht benutzen darf (Pipikakalulu...)

In Ghana reden alle und immer mit einer erfrischenden (oder ekelhaften, je nach Standpunkt und Windrichtung) Offenheit ueber Faekalien und ihre Ausscheidungsprozesse. Weshalb wir bei einem Seminar mit allen moeglichen Regierungsangestellten die Frage diskutierten: "How can we stop people from shitting behind their houses?" (Wie koennen wir Leute davon abhalten, hinter ihre Haeuser zu scheissen?).

In den USA ist die Einstellung zu Sprache da etwas anders und als ich einer Kollegin von diesem Seminar erzaehlte, konnte sie nicht anders, sondern musste davon reden dass die Leute "use the washroom behind their house" (also den Waschraum = Toilette hinter dem Haus benutzen), was natuerlich was ganz anderes bedeutet. Aber die puritanische Sprachmoral ist so wichtig, dass man eher etwas sagt, was keinen Sinn macht (denn das Problem ist ja grade, dass sie keine Waschraeume haben, weder im noch hinterm Haus), als dass man das Kind beim Namen nennt und auch nur in den hoeflichsten oder wissenschaftlichsten Worten den tatsaechlichen koerperlichen Prozess andeutet.

An die Hand nehmen

Die Frau eines deutschen Kollegen hat mich erkannt: "Die Eva, die musste an die Hand nehmen und in den Telefonladen fuehren, damit die jemals nen Handy-Vertrag kriegt." Grade eben hatte ich besagten Kollegen am Telefon und er hat angeboten, mich heute nachmittag, unter dem Vorwand einer Kaffee-Pause, den Anweisungen seiner weisen Angetrauten folgend, in den Handy-Laden zu zerren. Ich bin dankbar. Und bin damit vermutlich nicht allein...

Mittwoch, März 05, 2008

Traumkommentar

Grade faellt mir dazu (s.u.) die englische Redensart: "The proof of the pudding is in the eating" ein, Wort fuer Wort uebersetzt ist das: Der Beweis des Puddings liegt im Essen. Bedeutet so viel wie: Den Wert des Puddings kann man nur rausfinden, wenn man ihn aufisst. Als Deutsches Pendant bietet mein Internet-Woerterbuch: Probieren geht ueber Studieren.

Nochmal: Hae?

In meinem Traum wachte ich an einem Flussufer am Rand eines Afrikanischen Dorfes auf. In der Hand hatte ich (und das war mein einziges Gepaeck) eine Kiste Amerikanisches Puddingpulver. Der Haeuptling kam zu mir und ich wusste ploetzlich, dass er und seine Dorfkollegen kein Wort Englisch sprachen und ich kein Wort ihrer Sprache. Die einzige Moeglichkeit zu kommunizieren, war der Pudding und irgendwie wuerde die Anzahl der Puddingportionen, die ich mit diesem Pulver herstellen konnte, ihnen eine wichtige Botschaft uebermitteln. Ich wusste, es wuerden 686 Portionen sein und er wuerde schon wissen, was das heisst.
Ende des Traums, Ihr koennt alle nach Hause gehn.

Montag, März 03, 2008

Hae?

Im kleinen und nicht sonderlich beeindruckenden Nationalen Aquarium, in dem ich mich gestern vor die Fische gestellt hab, fuettern sie die Alligatoren mit Erdbeeren. Im Winter. Warum? Also, haben diese Viehcher weder Alligatorenwuerde (Futterwahl: Lebende wilde Tiere), noch oekologisches Bewusstsein (Futterwahl: Erdbeeren im Mai)?

Mein Freund aus Mali

Ich habe seine Sheabutter vor allem deshalb gekauft, weil mir das eine Entschuldigung gab, mit ihm ueber Afrika zu plaudern: Ein grosser massiger schwarzer Mann aus Mali, der an einer super-cleanen Strassenecke hinterm Capitol seinen Afrikanischer-Kram-Stand aufbaute. Wir unterhielten uns darueber, wie schwierig es ist, weit von der Familie weg zu wohnen und er erzaehlte mir, wie sein Vater einmal schwer krank war, als er nach Hause kam und als er, der aelteste Sohn, das Krankenzimmer betrat, hat seine Seele die Seele des Vaters aufgerichtet und er wurde durch die Naehe des Sohnes wieder gesund. "You understand? You understand..." ("Du verstehst das, oder? Du verstehst das...), fragte er.

Da war ich wieder in meiner kleinen Eva-Welt, in der Fremde ein wenig netter zueinander sind als im Rest der Welt und bedankte mich bei ihm, dass er meine Afrikasehnsucht fuer heute gestillt hat. "Du wohnst doch in Washington", sagte er "Wenn Dich das wieder ueberfaellt, kannst Du gerne vorbei kommen, ich steh immer hier, dann plaudern wir ein bisschen."

Sonntag, März 02, 2008

was anderes tanzen

Gestern bin ich in die Vorstadt gefahren, zum Tanzbedarfgeschaeft. Manchmal gehen mir die handspannenhohen Hacken meiner Tangoschuhe auf den Geist, besonders wenn ich mit dem kleinen Koreaner tanze, der in seinem eigentlichen Leben Kampfsporttrainer ist, und seinen eigenen wilden Tangokampfstil entwickelt hat, bei dem man mit beiden Fuessen fest auf dem Boden stehen muss, wenn man nicht von den Socken gehauen werden will. Einige Tangueras tanzen in Jazzschuhen, die wie leichte Turnschuhe aussehn, aber in der Mitte geteilt sind, so dass man leichter auf Zehenspitzen stehen kann.

Das Geschaeft war voll mit Ballettmuettern und deren Maedels und, neben einem ganz leichten Stich von Wehmut, war ich vor allem ungemein erleichtert, dass ich jetzt etwas anderes tanze. Nie mehr in hautenger rosa Wurstpelle stundenlang allein vorm Spiegel stehn und sich von einer halbverhungerten bitteren ausrangierten Ballerina sagen lassen, dass man von Figur und Haltung an eine verkochte fette Nudel erinnert...

Zum Lachen tanzen

Werde ich heute nachmittag zum ersten mal mit dem Taenzer aus der Sesamstrasse tanzen? Ich hoffe's. Deshalb hab ich ihn letzten Samstag angesprochen und ihm dafuer Komplimente gemacht, wie er beim Tanzen immer strahlt und wie er und seiner Tanzpartnerinnen immer so breit grinsen.

Er erzaehlte mir, dass es sein Traum ist ,einmal mit einer 80jaehrigen Dame zu tanzen, weil es dann nur noch um Eleganz und Grazie geht und nicht mehr um Akrobatik.

Er tanzt natuerlich nicht wirklich in der Sesamstrasse, oder habt Ihr da je einen mittelalten schwarzen Tangotaenzer gesehn? Aber er wuerde zwischen Samson, Bibo, Oscar in der Muelltonne und Graf Zahl nicht weiter auffallen, und vermutlich koennte er die Jungs, Maedels und Monster mal ordentlich aufmischen.

Samstag, März 01, 2008

Gruesse

Gestern morgen um sechs klingelte mein Telefon: "Hallo, hier ist Salisu (einer meiner Ghanaischen Lieblingsfahrer), ich wollte nur mal Hallo sagen!"

Ich merkte spaeter, dass ich schon ne Weile aus Ghana weg bin und die Ghanaische Art nicht mehr so in den Knochen hab. Denn, erstens fand ich sechs Uhr morgens ungemein frueh fuer einen Anruf (dabei ist das mitten am Tag fuer einen Ghanaer und Salisu hatte sich nicht mit der Zeitverschiebung verrechnet) und zweitens bin ich wieder zurueck in meiner Kultur, wo man anruft, um irgendwas zu sagen oder rauszufinden und nicht einfach nur zu gruessen. So hab ich mehr geplaudert als Salisu hoeren wollte, denn er wollte tatsaechlich nur das: Gruessen.

Viel mehr Hoffnung als wir wissen...

Weil Afrika ja nur in die Nachrichten kommt, wenn Schreckliches passiert, heute drei Zahlen, die ich gestern gelernt hab:

Letztes Jahr wurden auf dem Kontinent 22 Wahlen abgehalten, die von externen Beobachtern als frei und fair beschrieben wurden (offensichtlich, Kenya und Nigeria gehoeren nicht dazu).
Durchschnittliches Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent lag letztes Jahr ueber 3% (in Laendern wie Ghana sogar 6%).
Die Anzahl bewaffneter Konflikte in Afrika ging von 15 in 2003 auf 5 in 2007 zurueck.

Ausserhalb unserer kleinen Afrikaforscherwelt, ausserhalb Afrikas selbst bekommt das keiner mit, aber meine Kollegen, besonders die, die schon lange dabei sind, sprechen mit strahlenden Augen von nie dagewesener, aussergewoehnlicher, hoffnungstrunkener Veraenderung, man hoert in ihren Vortraegen, dass seit Mitte der 90er in Afrika eine Dynamik herrscht, wie noch nie in der Geschichte.

Es gibt Leute, die sagen, das liegt an den hohen Rohstoffpreisen, gepusht von der Entwicklung in Asien. Aber das ist nicht alles, denn die Laender ohne viele Rohstoffe machen da auch mit. Andere Stimmen sagen, dass sich die brutalen "Strukturanpassungsmassnamen" der 80er (wo Regierungsaparate mit der Axt und unter massivem Druck von aussen gesundgeschrumpft wurden) nun auszahlen - aber das ist eines dieser Themen wo jeder eine politische Meinung hat und dann Fakten findet, die sie stuetzen. Irgendwie spielt hier sicherlich auch die Tatsache mit rein, dass der kalte Krieg vorbei ist und die afrikanischen Laender so in eine relative Freiheit entlassen wurden, nachdem sie jahrzehntelang als Spielsteine und Schauplaetze fuer Stellvertreterkriege genutzt wurden (Angola, Namibia etc.).

Nun, letzten Endes stehen wir da, reiben uns die Augen und wissen es nicht. Und sind froh, dass wir dabei sein koennen, und hoffen, dass das alles erst der Anfang ist.

Freitag, Februar 29, 2008

Rheinlandismus des Tages

Küßchen Schnüßjen! (also man koennte sagen: liebevolle Abschiedsformel, die einen kleinen Kuss auf das Muendchen verspricht...)

Mittwoch, Februar 27, 2008

Wild

Letztens unterhielt ich mich mit Herrn F. ueber meine berufliche Zukunft und sagte: "Ich wuerde gerne mehr als Facilitator arbeiten."
Er: "Was soll das sein?"
Ich: "Das ist einer, der Gruppen wild macht und sie dann kontrolliert!"

Gestern hab ich mit einer Gruppe Nigerianischer Projektmitarbeiter aus einem landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekt zwei Stunden lang diskutiert und aufgemalt und zugehoert, wie sie sich vorstellen, dass ihr Projekt wirklich den Aermsten der Armen zu Gute kommen kann, und wer da moeglicherweise im Weg steht. Die ganze Zeit vibrierte der Raum nur so von Nigerianischer Energie, alle bruellten sich freundschaftlich an und brachen dann wieder in bruellendes Lachen aus. Als ich da rauskam, dachte ich nur: Genau, das will ich! (obwohl... vielleicht nicht 9 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche...) Und als die da rauskamen, schuettelten sie mir die Haende und waren begeistert davon, wie viel sie gelernt hatten und wie ihnen so viele Dinge nun klarer geworden sind und dass sie sowas mit ihren Projektmitarbeitern in Nigeria auch gerne mal anstellen wuerden.

Eigenartig, dass das grade jetzt passiert, so kurz nachdem ich zum ersten Mal in meinem Leben gedacht hab: "Wahrscheinlich werde ich bald mal nach Nigeria reisen, um mir dieses wilde, riesige und ueberwaeltigende Land mal anzusehn."

Mein Mitbewohner in Accra hat mir das Land ja sehr ans Herz gelegt und meinte: "Das wuerde Dir Spass machen, da zu arbeiten, Eva, denn die Nigerianer, die wolln was! Da geht die Post ab!"

(Humor-Warnung: Natuerlich weiss ich auch, dass Facilitation nicht das Gleiche ist, wie Kellnern fuer nen Junggesellenabschied... Oder?)

Technische Details

Mein Hillbilly-Tangofreund (auch bekannt als Krankenpfleger-Tangofreund) fragte mich: Was les ich da ueber Ratten? Er laesst sich meinen blog von google uebersetzen, was aber nur dann funktionniert, wenn ich ueber einfache langweilige Sachen schreibe, deren Sinn man auch aus Wortsalat erraten kann... also quasi kaum.

Aus seiner Jugend als praktizierender Hillbilly (inzwischen ist das ja nur noch seine Herkunft und nicht mehr seine Lebensweise) konnte er mir ausfuehrlichen Rat zum Fell abziehn geben. Seine Erfahrungen bezogen sich zwar auf selbstgeschossene und gekochte Eichhoernchen, aber ich bin sicher, wenn man den Eichhoernchenschwanz in Enthaarungscreme taucht, hat man quasi ne Ratte.

Also hab ich dem anderen Tanzpartner stolz erzaehlt, dass ich jetzt weiss, wie man ein Rattenfell los wird. Aber statt sich auf ein Festmahl zu freuen, sagt er ploetzlich: "Nur, wenn Du mitisst." Feigling. (Kann ich jetzt lautstark und selbstbewusst sagen, wie man sich halt fuehlt, wenn man laenger geblufft hat, als der andere und deshalb so tun kann, als waer's kein Bluff gewesen...)

Sonntag, Februar 24, 2008

Und weil ich so fies gar nicht bin (s.u.)...

back ich mir in der eigenen Kueche doch lieber erstmal nen Apfelkuchen und keinen Rattendreck. Hm. Lecker, kurz nach elf Uhr abends und keiner hier, der mir was wegisst...

Der Muerbeteig ist einen Millimeter dick, darauf zwei Millimeter an fein geschnittenen Aepfelchen geschichtet, oooohh.

Rattenkueche

Einer meiner Tangofreunde hat Schlangen, die er regelmaessig (also alle paar Monate) mit Ratten fuettert. Ich erzaehlte ihm,
1. dass ich gut und gerne koche und
2. dass in Ghana viele Leute gerne Ratten essen.
Wie das dann so geht, wenn man sich mit Rheinlaendern abgibt, wurde aus dem eher abstrakten Gespraech ploetzlich eine Situation gegenseitigen vollkommen ernstgemeinten Bluffens:

Er: Als ich damals mit den Chinesen in einem Haus wohnte, hab ich die eigenartigsten Sachen gegessen, Rattenfleisch gehoerte auch dazu...
Ich: Wenn Du weisst, wie man sie toetet, ausnimmt und ihr das Fell ueber die Ohren zieht, kann ich mir ausdenken, wie ich sie lecker zubereite...

Ich wuerde mir vermutlich Kaninchenrezepte anschaun und mich aus Nettigkeit fuer recht starke Geschmackszutaten entscheiden... Die Tatsache, dass ich die Ratte kochen (bzw schmoren) wuerde, aendert natuerlich nichts daran, dass ich nichts esse, das vier Beine hat.

Die Bekannten, die bei uns am Tisch sassen, schauten leicht verwirrt von einem zum anderen und haben sich spaeter vermutlich eine Notiz in den Kalender geschrieben, sich niemals von einem von uns zum Essen einladen zu lassen. Nun bin ich gespannt, wie (ob) diese Geschichte weitergeht und werde Euch natuerlich auf dem Laufenden halten.

Franzackenkueche

Die Franzosen sind ja generell nicht unbedingt meine Lieblingsnation. Aber ich muss mich auch der allgemeinen Weisheit beugen, dass es eine gute Idee ist, sie in die Kueche zu schicken. Und so komme ich grade von meinem besten Essen, das ich in Washington bisher serviert bekam. Meine Tangobegleiter fanden mich sicher komisch (vor allem die, die mich weniger gut kennen), dass ich da sass, laechelnd in mein Essen summte und ab und an seufzte "Das Leben ist gut", waehrend sie sich ueber meinen Kopf hinweg angeregt unterhielten. Vor allem weil das Objekt meiner Anbetung so unspektakulaer aussah. Grund meines Entzueckens war das Roggenbrot. Frisch gebacken, vom runden krustigen Leib in Scheiben geschnitten mit guter Butter. Hmm. Die Quiche und der dabeiliegende Salat waren angenehm, aber der Grund, warum dies das beste Essen war, kann man in meinem Roggenbrot-Heiku (s.u.) nachlesen.

Samstag, Februar 23, 2008

Sitze voller Sehnsucht

 

in der Kaelte und frage mich, wo ich als naechstes enden werde. Mein Vertrag hier laeuft im Juni aus und die Zukunft, ja die Zukunft, was weiss ich schon. Die Hereros in Namibia stellen sich vor, dass die Zukunft (raeumlich) hinter ihnen liegt und die Vergangenheit vor ihnen, denn, sagen sie, die Vergangenheit koennen sie anschaun, aber wer kann schon in die Zukunft sehn? Nun, das Einzige, was ich wirklich sehn kann, ist natuerlich die Gegenwart, also zieh ich meine neuen zebrafarbenen Tanzschuhe an und geh zu meinem Samstagnachmittagstango, um ein wenig in der Gegenwart rumzuhaengen.
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Zufallsfund

Auf der Suche nach was ganz anderem, bin ich im Internet ueber Folgendes gestolpert:
http://www.localpointtv.com/watch2.php?VideoID=573.
Speakeasy DC organisiert einmal im Monat eine Veranstaltung, wo ein Mikrophon auf der Buehne steht und Leute Geschichten erzaehlen, die das Leben schrieb. Das Video hier ist von einem jungen Lehrer, der erzaehlt, wie er in einer der krassesten fiesesten Innenstadtschulen zu ueberleben versucht. Das ist auch Washington, Hauptstadt der westlichen Welt.

Am besten importiert

Man soll's ja nicht glauben. Da haben die so ein riesiges Land, in dem sie fast alle Klimazonen und Bodenarten und unbegrenzte Moeglichkeiten haben... Man sollte doch meinen, dass ihre Bauern und Kaesereien und Wurstfabrikanten und Nudelholzschwinger dann auch alles alles produzieren koennten. Aber nein, in den Kochbuechern, die sich in unserem Haus stapeln, wird meist nach importiertem Kaese, importiertem Schinken oder Olivenoel verlangt. Wie kann man aus seinem unbegrenzten Potential so wenig machen? Wie kann man staendig Leute auf den Mond schicken aber nicht mal wissen, wie man nen anstaendigen Schinken raeuchert. Schaemen die sich nicht?

Donnerstag, Februar 21, 2008

Afrikaner reissen mir das Herz raus

Wenn ich sowieso schon den ganzen Tag vor meinem Computer sitze und mich wie ein Stueck Papier fuehle und den ganzen Tag mit niemandem geredet hab, ausser "ein Broetchen bitte dankeschoen", dann treffen mich meine voruebergehenden Bueronachbarn mitten ins Schwarze mit ihrem nigerianischen Akzent, der so dem Ghanaischen Englisch aehnelt. Dann denk ich: Ich will nicht hier sein, ich gehoer hier nicht hin, ich brauch Afrika und Afrikaner und lauter Leute, fuer die Menschenkontakt das Wichtigste ist, das Futter, das sie brauchen, um zu ueberleben. So sind Nigerianer halt, brutale Kerle, reissen mein Herz raus und halten es achtlos in ihren Haenden. Was solln sie auch damit...?

Wort des Tages

Viele Woerter haben sich aus dem Jiddischen in die Amerikanische Alltagssprache geschmuggelt und hauen einem da so Deutsch klingend ins Ohr. Wort des Tages ist "to yammer", was jammern heisst und auch etwa so ausgesprochen wird. Hammer wieda was gelernt.

Mittwoch, Februar 20, 2008

Briefkasteln (Letterboxing)

Meine Mitbewohnerin hat viele interessante Hobbies und einige davon sind besonders deshalb eigenartig, weil andere Leute mitspielen, man die aber nie zu Gesicht bekommt. Letterboxing gehoert dazu: Man versteckt eine Schatzkiste, in der sich ein selbstgeschnitzter Stempel und ein kleines Buechlein befinden irgendwo in der Natur oder in der Stadt. Dann erklaert man im Internet, wo das Ding versteckt ist, entweder mit einer einfachen Wegbeschreibung oder als Raetsel. Die Schatzsucher haben ihr eigenes Buechlein und Stempelchen und machen sich auf die Suche. Wenn sie den Schatz gefunden haben, stempeln sie ihren Stempel in das Schatzkistenbuch und den Schatzkistenstempel in ihr eigenes, um die ganze Geschichte dann wieder gut zu verstecken. Das war's. Ende Gelaende.

Letztes Wochenende bin ich mit ihr Letterboxing gegangen, in einer kleinen Gruenflaechenecke an einem Baechlein mitten in der Stadt, sollte gradeaus und dann rechts den Berg runter und dann links in der Wurzel des grossen umgekippten Baums unser Schatz versteckt sein. Wir haben jedem Baum im grossen Umkreis die Wurzeln durchgewuehlt aber Pustekuchen, der Schatz war weg und uns war kalt.

Die naechste Kiste, die sie versteckt, will sie unter den Tresen eines Kaffees in unserer Nachbarschaft kleben. Staedtische Verstecke sind seltener aber eine nette Herausforderung, denn schliesslich muss der Schatzsucher den Schatz bergen und wieder verstecken, ohne dass jemand was merkt. Ja, es gibt wohl auch Kinder, die bei diesem Hobby mitmachen, aber die meisten dieser Kinder sind im rechtlichen Sinne schon volljaehrig...

Prinzesschen mit Vorbild-Funktion, oder

Das freundlichste Accessoir der Welt.

Wenn Ihr keine Zeit habt, Euch ein Baby oder einen Welpen zuzulegen und trotzdem wollt, dass Euch wildfremde Frauen und Maenner auf der Strasse anlaecheln oder in der U-Bahn, im Fahrstuhl ansprechen und Euch was Nettes sagen, dann hab ich die Loesung: Besorgt Euch einen lila Muff mit Schleife!

Ich habe noch nie etwas besessen, was so viele Leute dazu gebracht hat, mir Nettigkeiten zu sagen. Am amuesantesten war die wunderschoene milchkaffeebraune Kollegin aus der Kommunikationsabteilung, mit der ich vor einer Woche im Aufzug stand. Sie machte ein paar begeistert kieksende Toene, bevor sie ausrief: "Oh, ich wollte als Kind immer immer einen Muff haben und meine Mutter hat mir nie einen gekauft. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass das moeglich ist, mir als Erwachsene einen anzuschaffen."

Gestern traf ich sie in meiner Kaffeepause wieder und sie sagte: "Weisst Du was, nachdem ich Dich gesehn hab, hab ich gleich meine Mutter angerufen und ihr davon erzaehlt. 'Sie seufzte, jaja, Kind, Du wolltest immer einen Muff haben...' Und dann hab ich ihr gesagt: Mama, bitte, naeh mir einen. Als ich das letzte Mal mit ihr telefonierte, war sie schon im Stoffgeschaeft gewesen und hatte irgendwas ganz Plueschiges dafuer ausgesucht! Meine Mutter ist eine Kuenstlerin, der wird bestimmt ganz toll!" Sie hatte strahlende Augen und ich konnte mir so gut vorstellen, wie sie als Kind die buntesten Schleifchen im Haar hatte und angekatschten Nagellack auf den kleinen Fingernaegeln und ihre Mutter um einen Muff anbettelte.

Montag, Februar 18, 2008

Wie machen die das?

Als Sozialwissenschaftlerin aus Leidenschaft, treibt mich diese Frage in die interessantesten Gespraeche. Und seit ich hier angekommen bin, hab ich das Gefuehl, dass die schwarzen und die weissen Amerikaner sehr wenig davon wissen, wie die anderen was machen. Das scheint viel mehr durch eine unsichtbare generelle Stroemung als durch die bewusste Entscheidung Einzelner zu passieren, sie werden in unterschiedliche Ecken gespuelt und mischen sich kaum. Das wurde mir klar, als ich mich mit meiner Mitbewohnerin ueber meine neuen schwarzen Bekannten unterhielt.

Ich erzaehlte ihr von John, der Traenen in den Augen hatte, als er in der Wahlkabine fuer einen Schwarzen stimmen konnte und der sich niemals von selbst in das Lokal getraut haette, das ich fuer unser gemeinsames Fruehstueck vorschlug. Der sich, wenn er irgendwo ankommt, erstmal umschaut und zaehlt, ob und wieviele andere Schwarze hier sind und sich erst in den letzten zehn Jahren oder so mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass es ok sein kann, wenn ein weisser Mann eine schwarze Freundin hat... Obwohl ihm da immer noch Bilder von Sklavenhaltergespielinnen oder Frauen, die sich hochschlafen wollen, in den Kopf kommen...

Meine Mitbewohnerin hoerte fasziniert zu und dachte darueber nach, dass sie gar keine schwarzen Freunde hat und dieser Bereich der Gesellschaft ihr irgendwie fremd bleibt. Das ist vor allem deshalb seltsam, weil wir mitten in einer schwarzen Nachbarschaft wohnen und sie politisch links gerichtet, unrassistisch etc. ist.

Dann denk ich noch mal genauer drueber nach und erinner mich, dass auch in Deutschland die typischen linken, oeko-multi-kulti-Befuerworter kaum tuerkische oder afrikanische Freunde haben.

Mein schwarzer Tangofreund sagt: Wenn Dir in Deinem Viertel die Jungs "White Bitch" (also weisse Schlampe) hinterherrufen, dann hat das viel mehr mit Klassenkampf als mit Rassenkampf zu tun. Bis vor 10-20 Jahren zogen alle Weissen, die's sich leisten konnten, in die Vororte und in Washington blieben nur die Schwarzen uebrig. Der Trend hat sich umgekehrt, mehr und mehr Weisse wollen zurueck in die Stadt, damit steigen die Wohnungspreise und die Schwarzen fuehlen sich in ihrer Existenz bedroht. Wenn Du durch Dein Viertel gehst, bist Du fuer viele Deiner Nachbarn ein Symbol dafuer, dass es mit ihrer Gegend oekonomisch aufwaerts geht und dass sie dabei vielleicht nicht mitmachen werden.

(Zum Glueck sehn die meisten Nachbarn das dennoch gelassen und gruessen mich freundlich. "White Bitch" ist mir erst einmal passiert und das waren Teenager, die vor lauter Uebermut jedem irgendwas hinterherrufen wuerden.)

Und auf dem Rueckweg nochmal schnell in Berlin vorbeifahren

 

Hier wurde der Film "Die Braut, die sich nicht traut" (Runaway Bride) gedreht. Behauptet zumindest ein vergammeltes Schild an der Abfahrt. Ansonsten ist hier nichts los. Keine Ahnung, warum alle immer so'nen Hype um Berlin machen.
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Gluecklich sein

 

Was macht man, wenn man am Meer angekommen ist? Man breitet sein Handtuch aus, zieht sich Strandklamotten an, legt sich in die Sonne, hoert der Brandung zu und laechelt.
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Wir fahren ans Meer!

"Ausser Washington und New York kenn ich hier gar nichts..."

Diese Bemerkung fuehrte dazu, dass ich am folgenden Sonntag mit Thermoskanne, Kuehltasche und vielen Winterjacken im Auto meines Tangokrankenpflegers sass und wir ans Meer, ANS MEER fuhren. Der Weg nach Assateague fuehrt durch freundliches flaches Farmland mit Waeldchen, weissen Holzhaeusern und Schneegaensen. Die Landschaft erinnert mich an zu Hause, nur die Haeuser sind Amerikanisch. Wir fahren durch one-blinker und two-blinker towns (also eine-Ampel und zwei-Ampeln-Staedchen) in denen der Traktor Grosshandel oder der Samenhaendler die groessten Geschaefte sind.

Auf halbem Weg besuchen wir eine Freundin meines Reisefuehrers und er erklaert ihr: "Ich hab Eva versprochen, ihr Hill-Billy Amerika (also Hinterwaeldler Amerika) zu zeigen, deshalb besuchen wir Dich." Wir lachen alle, denn wir wissen, dass das gleichzeitig stimmt und nicht stimmt. Sie wohnt ihm Haus der verstorbenen Oma, die Eltern wohnen nebenan und sie sagt: "Ich war ein Teenager als ich das erste Mal Gemuese aus einem Geschaeft gegessen hab. Wir haben immer alles angebaut, was wir brauchten, und meine Mutter hat bergeweise eingekocht." Andererseits ist die Dame grade aus der Stadt zurueck auf's Land gezogen, arbeitet als Diaetassistentin im Krankenhaus und man sieht dem Haus und ihr selbst an, dass sie eine Runde in der Aussenwelt gedreht hat, bevor sie wieder nach Hause gezogen ist.

Eine Fahrt durch McAmerika

 
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Bekanntes kennenlernen

"Und dann hab ich einen Sommer lang an einem Ort gearbeitet, den wir die Body Farm nennen", erzaehlt mir einer meiner Tangobekannten. "Das ist diese Einrichtung, wo..." "Ja, ich weiss, wo Ihr Leichen verrotten lasst, um forensische Forschung zu betreiben und rauszufinden, unter welchen Bedingungen eine Leiche wann wie aussieht." Er ist erstaunt, dass ich das weiss, weil das in seiner Welt ein ganz spezialisiertes Feld ist, in das nur wenige Leute Zugang haben. In meiner Welt ist das ein Ort, wo die Krimis spielen, die ich lese. Ich bin hoechstens freudig ueberrascht, dass es diesen erfundenen Ort auch in der Wirklichkeit gibt.

Auf der Fahrt zum Meer zeigt mein Tangokrankenpfleger auf Trailer-Homes (also Wohnwagen, die nicht wirklich dafuer gemacht sind, in der Gegend rumgefahren zu werden) und erklaert, dass viele arme Amerikaner so wohnen. Wir fahren durch Orte ohne Stadtzentrum, die nur aus Vorstadteinkaufszentrum und unstrukturierten Wohnblocks bestehn, vorbei an Motels, mit blinkender Leuchtreklame, die fuer den Winter (oder laenger) zugemacht und eingestaubt sind, abends essen wir in einem Kleinstadt-Einkaufzentrum in einem Burger-und-Pommes-Familien-Restaurant ungesund zu Abend, natuerlich umgeben von dicken Amerikanern und die ganze Zeit fuehl ich mich, als wuerde ich von einem meiner Buecher ins naechste gehn.

Ich freu mich, dass es das alles wirklich gibt und bin gleichzeitig ein bisschen verwirrt. Bin ich ganz sicher nicht in einem Disneyland fuer Erwachsene, wo sie nicht Cinderellas Schloss nachgebaut haben, sondern Literatur- und Film-Amerika? Woher weiss ich, dass die strubblige grauhaarige Tankstellenkassiererin und der fuellige Kellner im weissen T-Shirt keine unterbezahlten Schauspieler sind, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie fuer Besucher aus Uebersee den amerikanischen Traum und Albtraum spielen?

Freitag, Februar 15, 2008

Geht's noch?

Wurde der Hurrikan Katharina von Gott, dem Satan oder al-Qaida gemacht? Und wenn es Gott war, wollte er damit die schwulen Suender in New Orleans bestrafen, oder wollte er Bush und seinen Freunden, den evangelikalen Christen des Suedens, mitteilen, dass sie sein Wort missverstanden haben?

Wir wissen ja alle, dass das Internet ein wundersamer Ort ist und voll von Spinnern, aber irgendwie scheinen mir die Spinner von meinem Standpunkt hier in the USA viel eher verbunden mit der wirklichen Welt. Ich kenne Leute, die solche Leute kennen und sich mit ihnen leidenschaftlich darueber streiten koennten, ob Gott manchmal den Telefonhoerer abhebt, um einem Glaeubigen seine Botschaft ganz konkret und mit Handlungsanweisungen mitzuteilen... Da fuehl ich mich ploetzlich so ganz alt-europaeisch und staune.

Wie ich darauf komme? Fuer meine Arbeit googlete ich den Ausdruck "evidence-based governance" also Regieren auf der Basis von Fakten. Und das ist es, was ich fand:
http://www.laetusinpraesens.org/musings/hurrican.php

So wuerd ich mich auch gern fuehlen

 

Aber natuerlich wuerde ich das nicht gerne machen - also wer will schon nackisch und freihaendig auf nem Pferd sitzen. Meine Lieblings-Skulptur im nationalen Skulpturengarten.
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Echtes Pathos

Gibt es das? Oder schliessen sich "Pathos" und "echt" gegenseitig aus? Ich hab das Gefuehl, viele Amerikaner koennen mit echtem Gefuehl sagen, was einem Deutschen laecherlich schwuelstig vorkommen wuerde. So sagte gestern der junge schwarze Barkeeper zum mittelalten schwarzen Anzugtraeger und Weintrinker: "It made me real proud to vote for Obama." (Es hat mich wirklich stolz gemacht, fuer Obama zu stimmen.)

Hat irgendwer von Euch schonmal nach einer Wahl zu einem Fremden (oder von mir aus auch einem Bekannten) gesagt: "Es hat mich mit Stolz erfuellt, fuer Merkel, Schroeder oder Fischer zu stimmen."

Und da ich hier ja nun schon ne Weile bin und deshalb langsam lerne, dass man schwuelstige Sachen sagen kann, gebe ich zu: Es hat mich im Herzen beruehrt, diesen stolzen Waehlern zuzuhoeren.

Donnerstag, Februar 14, 2008

Nomen est...

Ja was nun, nomen est omen oder nomen est nonsense?

Wenn einen ein fremder Mann zum Tanzen auffordert (was mir dauernd passiert, weil ich ja Gesichter nicht auseinander halten kann und somit auch der Tanzpartner von gestern heute ein fremder Mann sein kann), sagt man, bevor man einander in die Arme faellt, ganz hoefflich: Hallo, ich bin soundso, sehr erfreut.

Also ich: I'm Eva (Ich bin Eva).
Er: Diva?
Ich: Eva.
Er: Diva?
Ich: Eva!! As in "the first woman in the bible" (Eva!! So wie die erste Frau in der Bibel)
Er: Ah, Eva, I thought that Diva is sort of a funny name, you wouldn't really want to admit that up-front, would you? (Ach so, Eva, ich dachte schon, Diva ist irgendwie ein komischer Name, wer wuerde das schon von vorneherein zugeben wollen...)

Um dieses Missverstaendnis zu verstehn, muss man natuerlich wissen, dass die Amis meinen Namen "Ihwaa" aussprechen.

Dienstag, Februar 12, 2008

Honk for Obama! (Hup fuer Obama!)

Irgendwie sind die Amerikaner komisch. Einerseits waehlen ganz wenige. Andererseits sind die, die sich fuer Politik interessieren, viel politischer als bei uns. Und so stehn sie in der Affenkaelte, selbstgemalte Plakate wedelnd, auf den Verkehrsinseln am Dupond Circle und fordern die Autofahrer auf, fuer Obama zu hupen.

Hupen Sie bitte politisch - na dann...

Sonntag, Februar 10, 2008

Freunde finden

Als ich Freitag mit meinem durchreisenden koelner Kollegen an der schoensten Bar Washingtons sass, wir einer ganz echten Jazzband zuhoerten, dem Barkeeper beim Bar keepen zusahen und ich mich einfach ganz normal fuehlte, wurde mir wieder der Unterschied klar zwischen Freunden und anderen Leuten, die den Raum fuellen.

Es ist doch erstaunlich, wie sehr sich das Leben dem Klischee anpasst. Und es ist fast schon langweilig, wenn ich berichte: In Washington ist es super-einfach, einen neuen Bekanntenkreis zu finden. Sowohl die Amerikaner als auch die internationalen Zugezogenen laden einen schnell auf ihre Parties ein, reden mit Fremden und machen es ihnen leicht, nicht allein zu bleiben.

Und weil das so angenehm ist, und deshalb immer irgendwelche Leute um einen rumwuseln, ist es leicht, zu vergessen, dass Freunde ganz seltene Menschen sind, die sich in diesem Gewimmel gut verstecken und dass es ein Extrasupergeschenk des Lebens ist, wenn man einen aufspueren kann...

Freundes Freunde

Gestern stellte mich mein Krankenpfleger-Tangotaenzer einer Hospizpastorin-Tangotaenzerin vor, die - als Amerikanerin - 5 Jahre mit einem Schwaben verheiratet gewesen war und auch im Schwabenland gelebt hat. Sie sprach ein hervorragendes Schwaebisch und meinte, dass sie lieber Dialekt als Hochdeutsch redet, weil sie dann ueber die Grammatik-Huerden unserer Sprache viel besser einfach wegwischen kann.

Sie erzaehlte, wie das ist, dass man sich in seine sterbenden Maenner und Frauen manchmal ein wenig verliebt, weil man so viel Zeit mit ihnen verbringt, ihr Leben und Sterben an sich ran laesst und dass sie Tango tanzt, um die Balance wiederzufinden.

Als ich sie fragte, ob sie vielleicht mit meinen Eltern einen Kaffee trinken wollen wuerde, wenn sie hier sind, war sie gleich begeistert: "Oh, ein echtes Kaffeeklatsch!" zeigte mir den tanzenden Arzt, Physiker und Bankmann, die auch Deutsch sprechen, und fing an, das schonmal zu organisieren.

Fieses Essen

Die englischsprachige Welt findet ja, dass es super ist, klebrige Zuckerschaeumchen (Marshmellows) ueber dem Lagerfeuer zu roesten, bis sie aussen Kohle und innen fluessiger Zucker sind. Nun gibt es auch bei uns besonders fieses Essen, das Leute nur auf einem Campingtrip essen wuerden. Aber wuerden wir uns so nach Dosengulaschsuppe sehnen, dass ein Restaurant das auf die Speisekarte setzen koennte, damit wir unser Lagerfeuergefuehl haben? Vorgestern hab ich zwei jungen Amerikanern zugeschaut, die auf ihrem Tisch ein kleines tragbares Feuerchen hatten und auf langen Gabeln Marshmellows zum Verkohlen in die Flamme hielten.

Freitag, Februar 08, 2008

Bekanntheitsgradmesser

Gestern ging ich mit meinem durchreisenden liebsten Koelner Kollegen nach der Arbeit ein wenig aus und wir trafen zufaellig in den Strassen Washingtons eine Tangobekannte. Mein Kollege war beeindruckt: "Du wohnst ein paar Monate hier und triffst schon Bekannte auf der Strasse!?"

Und fuer einen Moment traeumte ich mir das zurecht, als waere hier Ghana und versuchte mir auszumalen, was ich hier an massiven Kennenlernaktivitaeten starten muesste, um anzufangen, regelmaessig zufaellig Bekannte zu treffen.

Ich warte zum Beispiel immer noch darauf, dass ich zufaellig Taxifahrer wiedertreffe, die ich kenne...

Montag, Februar 04, 2008

Oma versteht die Welt (nicht mehr)

Vor ein paar Tagen klingelte mein Telefon.
Ich: Hello!
eine Oma: Hello!
Ich: Hello?
Oma: Is this the residence of so-and-so? (Wohnt da so-und-so?)
Ich: No, this is Eva! (Nein, hier ist Eva!)
Oma: Evil? (Das Boese?)

Sonntag, Februar 03, 2008

Eintagsfliege

Schwester P. ist letztlich nur fuer einen Tag hier und dann fliegtse wieder. Maenno. Aber dafuer werden wir heute alles alles alles machen. Hab ihr erlaubt, mich im Rhythmus ihres jet-lags frueh zu wecken und nun werden wir uns auf eine Tour durch Brookland (meine hood) begeben, dann gucken, wo regiert wird und uns schliesslich in das Cafe mit den Sofas in Adams Morgan setzen (direkt neben der Kneipe Madam's Organ), wo Schriftsteller und andere Laptop-Arbeiter aushaengen weil gemuetlich und weil niemand einen draengt, schnellschnell zu verzehren und zu gehn. Da werden wir dann gemeinsam an unseren Zukuenften schmieden, schliesslich muss man das auch nutzen, wenn man eine schlaue Schwester hat.

Donnerstag, Januar 31, 2008

Nach ueberall

Wenn meine Eltern mich hier besuchen kommen, wollen wir natuerlich nach ueberall und koennen, wie der Vater so treffend beobachtet, den Hals nicht vollkriegen. Sonntag hab ich deshalb El Salvador ausbaldowert. Dahin kommt man von meinem Haus ganz einfach: Eine Station mitder roten Metro und von Fort Totten drei Stationen gelb oder gruen bis Columbia Heights. Komischerweise nennen die Leute hier El Salvador "Mount Pleasant" und bilden sich ein, das sei ein Stadtteil der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. So'n ignoranter Bloedsinn. Wo man in El Salvador auf den schaebigen Strassen doch nur dunkle knubblige Maenner und Frauen mit Goldzaehnen und Anoraks sieht, die ihre Autos waschen, pollo con irgendwas verkaufen, wurstfoermige braune Kinder in Kinderwagen hin und her schieben, lungern und sich lautstark auf Spanisch unterhalten. Die Angebote und die Schilder in den Geschaeften sind meist Spanisch und das einzige, was irgendwie so ueberhaupt nicht passt, ist dass es vreckskalt ist. Nein, diese Strassen koennen unmoeglich zu der Stadt von Pentagon und weissem Haus, Dupont Circle und Lincoln Memorial gehoeren...

Mittwoch, Januar 30, 2008

Royalistische Gramatik

Ein Freund warnt: "Wenn Du Dich weiter so prinzessinnenhaft benimmst, werden sich deine Subjekte irgendwann gegen Dich auflehnen..."

Ich vermute, dass er recht hat und nehme nun schonmal Kontakt zu Verben und Adjektiven auf, die ich in diesem Fall zu meinen Untertanen machen koennte.

(Wie ihr seht, sitze ich den ganzen Tag im Buero, erlebe nichts von Belang und denke abstruse Gedanken)

Das Maedchen aus der kollektiven mythologischen Kindheit

oder: Paradoxe Raumzeitkruemmung

Ich bin hier einem unglaublichen physikalisch-psychologischen Phaenomen auf der Spur. Die Kindheit der Amerikaner ist kein zeitlich klar markierbarer Rahmen, wo man sagen koennte, dass ein alter Mann in den 30er Jahren Kind war und eine junge Frau in den 70ern. Die Kindheit der Leute, denen ich begegne, spielte sich gleichzeitig in einem parallelen Kindheitsuniverum ab.

Wie anders sollte es zu erklaeren sein, dass ALLE zum letzten Mal in ihrer Kindheit einen Muff gesehen haben? Wenn die Zeit hier die gleiche Form haette, wie zu Hause, dann muesste der 60jaehrige Mann doch auch als 40jaehriger noch Muffs gesehen haben, naemlich waehrend der Kindheit der 25jaehrigen, die ja ebenfalls behauptet, als Kind zum letzten Mal einen Muff gesehen zu haben.

Natuerlich liest sich dieser blog straeflich konfus, denn das Phaenomen ist verwirrend und bislang gaenzlich unerforscht. Wo ist diese Kindheit, in der es Weihnachten jedes Jahr schneit und in der alle kleinen Maedchen rosa Kaugumiblasen durch die Zahnluecken pusten, die Haare zu Rattenschwaenzchen oder Affenschaukeln geflochten haben und mit Muffs durch den Wintermorgen laufen? Kann ich da bitte mal gucken gehn?

Dienstag, Januar 29, 2008

Schwester P. kommt nach Washingtong!

Dieses Wochenende Juhuu! Da koennen sich die Washingtongas warm anziehn!

Montag, Januar 28, 2008

Mal ganz was anderes

Waehrend ich im Internet was ganz anderes suchte, stiess ich auf den Visual Thesaurus:
http://www.visualthesaurus.com
Eine interessante Idee: Du tippst ein Wort ein, zu dem Du Synonyme suchst und dieses Program zeichnet Dir ein Netzwerk von Woertern, Bedeutungen und Verbindungen zwischen ihnen. Bevor man es kauft, kann man ein bisschen fuer lau damit rumspielen...

Sonntag, Januar 27, 2008

Alles, was heilig ist...

In meinem Traum lebte Gott in unserem Wasserkessel. Der Kessel war halb voll Wasser und halb voll Gott. Ich fragte mich, was mit Gott passiert, wenn ich das Wasser zum Kochen bringe.

Freitag, Januar 25, 2008

Tangovirus volle Wucht zurueck...

Gestern traf ich meinen asiatischen Tanguero und er sagte, dass er so gerne barfuss zu seiner liebsten Opernmusik meditativen Tango tanzen wuerde. Hoert sich abstrus an? Ihr denkt: "Aber wofuer gibt es denn so viel schoene Tangomusik? Und Tanzschuhe?" Aber das ist ja grade das schoene am Tango. Und an einem Taenzer wie Dong. Die eigenartigsten Sehnsuechte wachsen und koennen erfuellt werden und selbst wenn man damit ganz weit rausschwimmt, stoert das keinen und vielleicht gibt es hinten am Horizont ein ganz unbekanntes Leuchten...

Der Fussball spiegelt die Realitaet meines Herzens

Namibia unterlag Ghana. Weil sie schlechter Fussball spielen und weil ihr Land sozial so angeschlagen ist, dass man sich als Weisser da, trotz der schoenen Aussicht und des ganzen Wildviehchs, irgendwie unwohl fuehlt.

Wo Du herkommst...

Ein Kollege aus Tansania erzaehlt mir, dass es in seiner Heimat als sehr unfein gilt, jemanden zu fragen, zu welchem Stamm er gehoert. In Ghana fragt jeder einen neuen Bekannten gleich: Wo kommst Du her? Und dann versuchen sie, irgendeinen gemeinsamen Cousin der Grosstante zu finden oder sonst irgendwie zu etablieren, warum die Herkunft eine Gemeinsamkeit beschreibt. Wo kommst Du her, bedeutet dabei nicht: Wo wohnst Du? Oder: Wo bist Du geboren und aufgewachsen? Oder: Wo sind Deine Eltern aufgewachsen? Sondern: Wo liegt Deine Stammesherkunft? Viele Ghanaer waren noch nie da, wo sie herkommen. (Soviel zum Thema: "Geh wo Du herkommst!")

Warum ist das in Tansania anders? Mein Kollege erklaert das folgendermassen: Als die Deutschen Kolonialherren ankamen, sahen sie bald ein, dass Deutsch viel zu schwierig zu lernen ist und foerderten deshalb, dass alle in der Gegend Kiswahili lernen. Also sprechen die Tansanier, egal von welchem der vielen Staemme sie abstammen, die gleiche Sprache. Radio und Schulunterricht ist in dieser Gemeinschaftssprache (oder in Englisch). Und wenn ein Tansanier den anderen fragen wuerde, wo er herkommt, saehe das aus, als wollte er sagen: Du gehoerst nicht zu mir, und waere auf der Suche nach den Unterschieden zwischen den beiden.

Donnerstag, Januar 24, 2008

Pelzjoeppsche, Poemms un Russenmuetze - der Tango kann beginnen!

Langsam schuettel ich den Jet-lag ab und kann mich deshalb heute abend hoffentlich endlich aufraffen und zu meinem ersten Tango im neuen Jahr gehn. Donnerstags gibt's Tango in der alten Lagerhalle, die mich an die besetzten Fabriken meiner Jugend erinnert (nicht dass ich jemals eine Fabrik selbst besetzt haette, aber man treibt sich halt rum, in ner Kleinstadt, wo sonst nix zu tun ist). Heizung gibt's da nicht, aber dafuer schoen viel Zugluft. Bei Temperaturen unter null tanzen die Damen in Jacke und Muetze und der Tanzpartner ist eine lebende Waermflasche. Na wenn das nicht romantisch ist...

Mittwoch, Januar 23, 2008

Gespraech im Flugzeug

Mit einer amerikanischen Missionarin, die seit 4 Jahren in einer der russischen Provinzen wohnt, die mit ...stan enden. Alles Moslems da, sagt sie. Und dass sie nach den ganzen guten Erfahrungen da nicht mehr von kalten Schauern der Angst gelaehmt ist, wenn sie in den USA einen Moslem sieht.

Das ist schon unglaublich, was fuer eine Massenhysterie dieses ganze Volk nach 9/11 ergriffen hat. Aber, vielleicht weht der Wind ganz langsam doch aus einer anderen Richtung: Als ich diesmal in der Schlange zur Passkontrolle stand, hatten sie ein neues Begruessungsvideo, was eigentlich nur daraus bestand, dass Menschen jeglicher Hautfarbe, Kleidungsstils und Lebensform und nacheinander herzlich willkommen hiessen. Mit und ohne Kopftuch. Anscheinend will man so das Gefuehl verbreiten: Wir sind jedermann...

Gestern im Flughafenbus

Ein Soldat in Tarnkleidung. Ein anderer Reisender spricht ihn an: "Thanks for your service Colonel. We apprechiate that." "You're welcome, it's a pleasure!" (also: "Danke fuer den Dienst, Oberst. Wir wissen das zu schaetzen" "Dankeschoen, ist mir ein Vergnuegen!") Danach geht jeder wieder seinen eigenen Gedanken nach.

Dienstag, Januar 22, 2008

Herr F. ist Onkel

einer kleinen Eleni Theresa, die am 10.01. in Muenchen geboren wurde. Herzlichen Glueckwunsch. Und danke fuer die Karten.

Ich klopfe mir den Staub vom Mantel

Und morgen geh ich gleich Gemuese kaufen.

Ich bin nach Hause (Deutschland) gereist, um Weihnachten zu feiern, dann nach Hause (Ghana) geflogen, um meinen Enkelsohn im Arm zu halten und zu heulen und zu lachen. Jetzt bin ich endlich wieder zu Hause (Amerika) angekommen, wo mein Herd und Bett stehen. Naja, die Einrichtungsgegenstaende, die sich voruebergehend und gegen Miete dazu bereit erklaert haben, mir zu Diensten zu sein. Im Shuttle vom Flughafen hab ich natuerlich wieder den Fahrer kennengelernt, Emanuel aus Kamerun, der Deutsche Strassenbaukuenste in Afrika als unsere groesste Kolonialleistung lobte, und die Franzosen als Verbrecher und Diebe verunglimpfte. Der Afroamerikanische John, der sich ebenfalls an unserem Gespraech beteiligte, wunderte sich ueber meinen Akzent und meinte, wenn ich nicht sehen wuerde, dass das nicht stimmt, wuerde ich denken, der ist Afrikanisch...

Sonntag, Januar 20, 2008

Ghana vor, noch ein Tor!

Vermutlich unbeachtet vom Rest der Welt bereitet sich Ghana schon seit Monaten auf das groesste Fussballereignis Afrikas, den African Cup of Nations vor, also die quasi die afrikanische Europameisterschaft. Das ganze Land ist uebersaeht mit halbfertigen Hotels, Strassenhaendler verkaufen alles, was man sich vorstellen kann in gruengoldrot und das Land summt nur so vor Vorfreude. Ich fliege heute nach Washington zurueck, aber vorher werde ich das erste Spiel im Aviation Sports Club anschaun. Nicht wirklich wegen des Fussballs. Sondern wegen der Fans.

Samstag, Januar 19, 2008

Sonntagsstaat

 
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Familienbild

 

Mit weisser Grossmutter und dem schoensten Baby der Welt.
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Warum Afrika so wunderbar ist (einer aus einer Million)

 

Wenn man auf der Strasse nach Bolga ploetzlich "Plomp!" hoert und dann "Floppfloppflopp" und die Mutter sagt: "Das war der Reifen" dann haelt man mitten im Nirgendwo an und denkt erstmal "Oh mein Gott...". Dann ist das beste natuerlich, selbstbewussten Aktionismus an den Tag zu legen, wir werden schon irgendwie rausfinden, wo sich in diesem Auto der Wagenheber versteckt etc. Waehrend ich versuche, meine Eltern selbstbewusst hin und her zu kommandieren, damit sie sich sicher fuehlen (hahaha) hoffe ich natuerlich auf einen Afrikaner oder mehrere, die mich aus dieser Situation erretten.

Und tatsaechlich, wir mussten gar nicht den Daumen raushalten, da hielt schon ein lila-gelbes durchgerostetes Trotro an und drei Maenner fragten: Was ist los? Der Beifahrer (das ist ein Job) war berufsbedingt eh schon in dreckigen Lumpen gekleidet und legte sich gleich unter unser Auto. In fuenf Minuten, mit wenig Englisch und viel Lachen hatten die Jungs unser Problem geloest und waren schon wieder im Aufbruch zurueck zu ihrer eigenen Schrottkarre, als die Mutter sagte: Halt, stopp, frag sie, ob sie Ehefrauen haben! Ich uebersetze ja alles, was die Mutter will, aber in diesem Fall musste ich wirklich lachen. Denn natuerlich hoerte sich das fuer die Herren so an, als wollte sie rausfinden, wem sie ihre Tochter anvertrauen (antrauen) koennte... Das Missverstaendnis war aber schnell geloest, als sie sahen, dass sie als Dankeschoen einen Packen Frauenkleider geschenkt bekamen. Der Fahrer bekam den Auftrag, seiner Frau ein neues Kleid zu schenken. Und die beiden Helferlein erhielten den Rat, dass es mit diesen Geschenkchen vielleicht leichter sein koennte, ihre Freundinnen zu beeindrucken. Dann noch ein lachendes Foto und tschuess.

Einer der Millionen Gruesse, warum ich Afrika liebe, ist dass Leute Deine Probleme nicht uebersehn. Du bist nicht allein.
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Perlenmacher und Philosoph

 
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Beruflich veraendern?

 

Wie Ihr hier sehen koennt, hab ich mich auf dieser Reise auch intensiv mit meiner beruflichen Weiterentwicklung beschaeftigt. Aber letztlich war ich dann doch so langsam im Loecher bohren, dass mir die Perlenmacher keinen Ausbildungplatz anboten.
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Reiche Beute

 


Als ich das letzte Mal aus Accra abreiste, hab ich tagelang versucht, den Glasperlenmann aus Togo zu treffen, der manchmal auf der Ausgehmeile in Accra seine Sachen verkauft. Das sind keine antiken Stuecke (einige der antiken ghanaischen Perlen werden zu unglaublichen Preisen gehandelt), sondern der billige neue Kram. Billig? Naja, er kostet nicht viel. Wie auch immer, ich hab erfolglos viel Benzin und Zeit in Accras Staus verbracht. Vorgestern bin ich dann zufaellig an einem Stand in einer dunklen Ecke vorbeigefahren und hab so aus meinem Fenster gestarrt, dass ich fast irgendwo gegen gefahren waere. Und da ich mich in Washington immer wieder nach den nicht gekauften Perlen sehnte, bin ich dann gestern ausserordentlich eingefallen. Die Standbesitzerin erzaehlt mir, wie diese einfarbigen Perlen in den strahlenden Farben gemacht werden: Sie versorgt den Perlenmacher mit diesen kleinen maschinell gefertigten Glasperlen, die man auch bei uns kaufen kann. Die zermahlt der zu Staub und fuellt sich in die Perlenformen, in denen er sie zu grossen Perlen schmilzt. Die gedaempfteren Farben kommen von zermahlenen Flaschen. Die beiden Ketten oben im Bild kommen aus einer anderen Quelle: Auf unserer Fahrt in den Norden haben wir in einem Dorf angehalten, wo Bauxit, also Aluminium-Erz mit sehr traditionellen Methoden zu Perlen und Ketten verarbeitet wird.
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Dienstag, Januar 15, 2008

Warum der zweite Abschied so viel schmerzhafter ist, als der erste

Weil wir jetzt wissen, wie es sich anfuehlt, ohne einander zu sein. Als wir uns in Bolga im September alle zum ersten Mal voneinander verabschiedeten, waren wir Kinder. Wir waren traurig und wir hatten Angst und vorsorglich ein wenig Sehnsucht in der Tasche, aber wir wussten nicht, wie scharfkantig das Eva-foermige Loch sein wuerde, dass ich in Bolga hinterlasse. Wir wussten nicht, seien wir ehrlich, dass in Washington eine Nische auf mich wartete, in die ich mich gemuetlich einkuscheln wuerde, wie wild anfangen wuerde, Tango zu tanzen und mit Koriander zu kochen, mein Leben voll mit Neuem und Neuen. “Welt! Ich komme!”

Waehrend hier bei denen, die mir nahestanden, nichts hinzugekommen ist, ausser einem Loch, wo vorher ein jemand war. Warum hier keine wilden Geschichten aus Afrika stehn, keine typische EvainGhana-Kost zum Schmunzeln und Heulen und mit den Zaehnen knirschen? Weil das keine Geschichten sind. Sondern Freunde, die sagen: “Seit Du weg bist, ist es als haette im Himmel jemand die Tuer zu gemacht, aus der sonst der Segen auf mein Haupt fiel.”

(Das hoert sich jetzt so an wie die kleine Prinzessin, die denkt, ihre Kacke duftet nach Rosen? Nein, denn ich war ja hier nicht nur Freundin, sondern auch Arbeitgeberin, Ratgeberin und Bruecke zur grossen weiten Welt. Und davon gibt es nicht viel in diesem staubigen Kaff am hinteren Ende Ghanas…)

Montag, Januar 14, 2008

Zu viel - zu wenig

Passiert - Zeit
Also zu viel passiert, zu wenig Zeit. Ich weiss, Ihr wartet sehnsuechtig auf Neuigkeiten von Mary, Mama Laadi, Douglas und allen anderen hier in Nord Ghana, wie sieht's aus nach den Ueberschwemmungen und was haben wir gehoert ueber den Konflikt in Bawku. Aber tut mir leid, im Moment ist zu viel auf einmal, "information overload", ich schreibe Euch alles auf, sobald ich hier raus bin. Aber jetzt muss ich leben und arbeiten und nicht schreiben. Aber es geht mir gut. So viel auf die Schnelle.

Dienstag, Januar 08, 2008

Freu Dich dass Du heulst

Das war kurz gefasst der Ratschlag meines Mitbewohners aus Accra, der hinzufuegte: "Hast Du also endlich auch eingesehn, dass Du vom Afrikavirus befallen bist!" und gelacht hat, denn er ist ja quasi im Endstadium dieser Krankheit (oder wie nennt man das, wenn man angefangen hat, sein Haus hier zu bauen?). Im Moment sitz ich arbeitend im Internet Cafe und will deshalb nicht im Detail beschreiben, was mich alles zum Heulen bringt. Nur so viel: Nur Gutes! Spaeter mehr.

Und: Meine Bochumer Freundin und ihr Kenianischer Freund sind heil aus Kenia in die Schweiz ausgereist. Na, wenn das nichts zum Heulen aus Erleichterung ist...

Mittwoch, Januar 02, 2008

Jetzt gehts lohoos!

 

Dieses Bild ist alt. Aber wenn ich bei aller Arbeit auf meiner Reise nach Ghana auch den ein oder anderen wilden Moment wie diesen habe, dann werde ich gluecklich sein. Freu mich unbaendig auf Mama Laadi und ihre Kinder, auf meine ganze bolgatangische Grossfamilie. Gestern rief mein ehemaliger Nachbar Sunday an, um mir und meiner Familie die besten Wuensche zum neuen Jahr zu uebermitteln. Einfach nur so, aus unverbruechlicher Treue. Obwohl er gar nicht wusste, dass wir einen Besuch planen. Die Mutter hat ihre Koffer wie eine Ghanaerin bis obenhin mit Geschenken fuer die Familie gefuellt, meine Koffer sind bis obenhin mit Winterklamotten bepackt, die ich dann von Ghana aus nach Amerika mitnehmen werde. Heute fahr ich nach Duesseldorf, um im Hotel meinen fruehmorgentlichen Abflug zu erwarten.
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Montag, Dezember 31, 2007

Kein Tango in Tongo

So sehr ich's auch google, in Ghana gibt es zwar Orte mit Namen wie Kongo und Tongo (beide in der Nachbarschaft von Bolga) aber niemand tanzt da Tango. Oder wenn, so verkuenden sie's nicht im Internet. Auch nicht wie das aesthetische Wiesel auf dem Kiesel, das bei Morgenstern nur da sitzt des Reimes wegen. Aber ich verspreche Euch, falls ich irgendwenn treffen sollte, der ein paar Grundschritte tanzen kann, werd ich ihn nach Tongo entfuehren und den Reim mit ihm tanzen. Und wenn ich ihm die Musik dazu ins Ohr summen muss...