Montag, Februar 18, 2008
Gluecklich sein
Was macht man, wenn man am Meer angekommen ist? Man breitet sein Handtuch aus, zieht sich Strandklamotten an, legt sich in die Sonne, hoert der Brandung zu und laechelt.
Wir fahren ans Meer!
Diese Bemerkung fuehrte dazu, dass ich am folgenden Sonntag mit Thermoskanne, Kuehltasche und vielen Winterjacken im Auto meines Tangokrankenpflegers sass und wir ans Meer, ANS MEER fuhren. Der Weg nach Assateague fuehrt durch freundliches flaches Farmland mit Waeldchen, weissen Holzhaeusern und Schneegaensen. Die Landschaft erinnert mich an zu Hause, nur die Haeuser sind Amerikanisch. Wir fahren durch one-blinker und two-blinker towns (also eine-Ampel und zwei-Ampeln-Staedchen) in denen der Traktor Grosshandel oder der Samenhaendler die groessten Geschaefte sind.
Auf halbem Weg besuchen wir eine Freundin meines Reisefuehrers und er erklaert ihr: "Ich hab Eva versprochen, ihr Hill-Billy Amerika (also Hinterwaeldler Amerika) zu zeigen, deshalb besuchen wir Dich." Wir lachen alle, denn wir wissen, dass das gleichzeitig stimmt und nicht stimmt. Sie wohnt ihm Haus der verstorbenen Oma, die Eltern wohnen nebenan und sie sagt: "Ich war ein Teenager als ich das erste Mal Gemuese aus einem Geschaeft gegessen hab. Wir haben immer alles angebaut, was wir brauchten, und meine Mutter hat bergeweise eingekocht." Andererseits ist die Dame grade aus der Stadt zurueck auf's Land gezogen, arbeitet als Diaetassistentin im Krankenhaus und man sieht dem Haus und ihr selbst an, dass sie eine Runde in der Aussenwelt gedreht hat, bevor sie wieder nach Hause gezogen ist.
Bekanntes kennenlernen
Auf der Fahrt zum Meer zeigt mein Tangokrankenpfleger auf Trailer-Homes (also Wohnwagen, die nicht wirklich dafuer gemacht sind, in der Gegend rumgefahren zu werden) und erklaert, dass viele arme Amerikaner so wohnen. Wir fahren durch Orte ohne Stadtzentrum, die nur aus Vorstadteinkaufszentrum und unstrukturierten Wohnblocks bestehn, vorbei an Motels, mit blinkender Leuchtreklame, die fuer den Winter (oder laenger) zugemacht und eingestaubt sind, abends essen wir in einem Kleinstadt-Einkaufzentrum in einem Burger-und-Pommes-Familien-Restaurant ungesund zu Abend, natuerlich umgeben von dicken Amerikanern und die ganze Zeit fuehl ich mich, als wuerde ich von einem meiner Buecher ins naechste gehn.
Ich freu mich, dass es das alles wirklich gibt und bin gleichzeitig ein bisschen verwirrt. Bin ich ganz sicher nicht in einem Disneyland fuer Erwachsene, wo sie nicht Cinderellas Schloss nachgebaut haben, sondern Literatur- und Film-Amerika? Woher weiss ich, dass die strubblige grauhaarige Tankstellenkassiererin und der fuellige Kellner im weissen T-Shirt keine unterbezahlten Schauspieler sind, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie fuer Besucher aus Uebersee den amerikanischen Traum und Albtraum spielen?
Freitag, Februar 15, 2008
Geht's noch?
Wir wissen ja alle, dass das Internet ein wundersamer Ort ist und voll von Spinnern, aber irgendwie scheinen mir die Spinner von meinem Standpunkt hier in the USA viel eher verbunden mit der wirklichen Welt. Ich kenne Leute, die solche Leute kennen und sich mit ihnen leidenschaftlich darueber streiten koennten, ob Gott manchmal den Telefonhoerer abhebt, um einem Glaeubigen seine Botschaft ganz konkret und mit Handlungsanweisungen mitzuteilen... Da fuehl ich mich ploetzlich so ganz alt-europaeisch und staune.
Wie ich darauf komme? Fuer meine Arbeit googlete ich den Ausdruck "evidence-based governance" also Regieren auf der Basis von Fakten. Und das ist es, was ich fand:
http://www.laetusinpraesens.org/musings/hurrican.php
So wuerd ich mich auch gern fuehlen
Aber natuerlich wuerde ich das nicht gerne machen - also wer will schon nackisch und freihaendig auf nem Pferd sitzen. Meine Lieblings-Skulptur im nationalen Skulpturengarten.
Echtes Pathos
Hat irgendwer von Euch schonmal nach einer Wahl zu einem Fremden (oder von mir aus auch einem Bekannten) gesagt: "Es hat mich mit Stolz erfuellt, fuer Merkel, Schroeder oder Fischer zu stimmen."
Und da ich hier ja nun schon ne Weile bin und deshalb langsam lerne, dass man schwuelstige Sachen sagen kann, gebe ich zu: Es hat mich im Herzen beruehrt, diesen stolzen Waehlern zuzuhoeren.
Donnerstag, Februar 14, 2008
Nomen est...
Wenn einen ein fremder Mann zum Tanzen auffordert (was mir dauernd passiert, weil ich ja Gesichter nicht auseinander halten kann und somit auch der Tanzpartner von gestern heute ein fremder Mann sein kann), sagt man, bevor man einander in die Arme faellt, ganz hoefflich: Hallo, ich bin soundso, sehr erfreut.
Also ich: I'm Eva (Ich bin Eva).
Er: Diva?
Ich: Eva.
Er: Diva?
Ich: Eva!! As in "the first woman in the bible" (Eva!! So wie die erste Frau in der Bibel)
Er: Ah, Eva, I thought that Diva is sort of a funny name, you wouldn't really want to admit that up-front, would you? (Ach so, Eva, ich dachte schon, Diva ist irgendwie ein komischer Name, wer wuerde das schon von vorneherein zugeben wollen...)
Um dieses Missverstaendnis zu verstehn, muss man natuerlich wissen, dass die Amis meinen Namen "Ihwaa" aussprechen.
Dienstag, Februar 12, 2008
Honk for Obama! (Hup fuer Obama!)
Hupen Sie bitte politisch - na dann...
Sonntag, Februar 10, 2008
Freunde finden
Es ist doch erstaunlich, wie sehr sich das Leben dem Klischee anpasst. Und es ist fast schon langweilig, wenn ich berichte: In Washington ist es super-einfach, einen neuen Bekanntenkreis zu finden. Sowohl die Amerikaner als auch die internationalen Zugezogenen laden einen schnell auf ihre Parties ein, reden mit Fremden und machen es ihnen leicht, nicht allein zu bleiben.
Und weil das so angenehm ist, und deshalb immer irgendwelche Leute um einen rumwuseln, ist es leicht, zu vergessen, dass Freunde ganz seltene Menschen sind, die sich in diesem Gewimmel gut verstecken und dass es ein Extrasupergeschenk des Lebens ist, wenn man einen aufspueren kann...
Freundes Freunde
Sie erzaehlte, wie das ist, dass man sich in seine sterbenden Maenner und Frauen manchmal ein wenig verliebt, weil man so viel Zeit mit ihnen verbringt, ihr Leben und Sterben an sich ran laesst und dass sie Tango tanzt, um die Balance wiederzufinden.
Als ich sie fragte, ob sie vielleicht mit meinen Eltern einen Kaffee trinken wollen wuerde, wenn sie hier sind, war sie gleich begeistert: "Oh, ein echtes Kaffeeklatsch!" zeigte mir den tanzenden Arzt, Physiker und Bankmann, die auch Deutsch sprechen, und fing an, das schonmal zu organisieren.
Fieses Essen
Freitag, Februar 08, 2008
Bekanntheitsgradmesser
Und fuer einen Moment traeumte ich mir das zurecht, als waere hier Ghana und versuchte mir auszumalen, was ich hier an massiven Kennenlernaktivitaeten starten muesste, um anzufangen, regelmaessig zufaellig Bekannte zu treffen.
Ich warte zum Beispiel immer noch darauf, dass ich zufaellig Taxifahrer wiedertreffe, die ich kenne...
Montag, Februar 04, 2008
Oma versteht die Welt (nicht mehr)
Ich: Hello!
eine Oma: Hello!
Ich: Hello?
Oma: Is this the residence of so-and-so? (Wohnt da so-und-so?)
Ich: No, this is Eva! (Nein, hier ist Eva!)
Oma: Evil? (Das Boese?)
Sonntag, Februar 03, 2008
Eintagsfliege
Donnerstag, Januar 31, 2008
Nach ueberall
Mittwoch, Januar 30, 2008
Royalistische Gramatik
Ich vermute, dass er recht hat und nehme nun schonmal Kontakt zu Verben und Adjektiven auf, die ich in diesem Fall zu meinen Untertanen machen koennte.
(Wie ihr seht, sitze ich den ganzen Tag im Buero, erlebe nichts von Belang und denke abstruse Gedanken)
Das Maedchen aus der kollektiven mythologischen Kindheit
Ich bin hier einem unglaublichen physikalisch-psychologischen Phaenomen auf der Spur. Die Kindheit der Amerikaner ist kein zeitlich klar markierbarer Rahmen, wo man sagen koennte, dass ein alter Mann in den 30er Jahren Kind war und eine junge Frau in den 70ern. Die Kindheit der Leute, denen ich begegne, spielte sich gleichzeitig in einem parallelen Kindheitsuniverum ab.
Wie anders sollte es zu erklaeren sein, dass ALLE zum letzten Mal in ihrer Kindheit einen Muff gesehen haben? Wenn die Zeit hier die gleiche Form haette, wie zu Hause, dann muesste der 60jaehrige Mann doch auch als 40jaehriger noch Muffs gesehen haben, naemlich waehrend der Kindheit der 25jaehrigen, die ja ebenfalls behauptet, als Kind zum letzten Mal einen Muff gesehen zu haben.
Natuerlich liest sich dieser blog straeflich konfus, denn das Phaenomen ist verwirrend und bislang gaenzlich unerforscht. Wo ist diese Kindheit, in der es Weihnachten jedes Jahr schneit und in der alle kleinen Maedchen rosa Kaugumiblasen durch die Zahnluecken pusten, die Haare zu Rattenschwaenzchen oder Affenschaukeln geflochten haben und mit Muffs durch den Wintermorgen laufen? Kann ich da bitte mal gucken gehn?
Dienstag, Januar 29, 2008
Schwester P. kommt nach Washingtong!
Montag, Januar 28, 2008
Mal ganz was anderes
http://www.visualthesaurus.com
Eine interessante Idee: Du tippst ein Wort ein, zu dem Du Synonyme suchst und dieses Program zeichnet Dir ein Netzwerk von Woertern, Bedeutungen und Verbindungen zwischen ihnen. Bevor man es kauft, kann man ein bisschen fuer lau damit rumspielen...
Sonntag, Januar 27, 2008
Alles, was heilig ist...
Freitag, Januar 25, 2008
Tangovirus volle Wucht zurueck...
Der Fussball spiegelt die Realitaet meines Herzens
Wo Du herkommst...
Warum ist das in Tansania anders? Mein Kollege erklaert das folgendermassen: Als die Deutschen Kolonialherren ankamen, sahen sie bald ein, dass Deutsch viel zu schwierig zu lernen ist und foerderten deshalb, dass alle in der Gegend Kiswahili lernen. Also sprechen die Tansanier, egal von welchem der vielen Staemme sie abstammen, die gleiche Sprache. Radio und Schulunterricht ist in dieser Gemeinschaftssprache (oder in Englisch). Und wenn ein Tansanier den anderen fragen wuerde, wo er herkommt, saehe das aus, als wollte er sagen: Du gehoerst nicht zu mir, und waere auf der Suche nach den Unterschieden zwischen den beiden.
Donnerstag, Januar 24, 2008
Pelzjoeppsche, Poemms un Russenmuetze - der Tango kann beginnen!
Mittwoch, Januar 23, 2008
Gespraech im Flugzeug
Das ist schon unglaublich, was fuer eine Massenhysterie dieses ganze Volk nach 9/11 ergriffen hat. Aber, vielleicht weht der Wind ganz langsam doch aus einer anderen Richtung: Als ich diesmal in der Schlange zur Passkontrolle stand, hatten sie ein neues Begruessungsvideo, was eigentlich nur daraus bestand, dass Menschen jeglicher Hautfarbe, Kleidungsstils und Lebensform und nacheinander herzlich willkommen hiessen. Mit und ohne Kopftuch. Anscheinend will man so das Gefuehl verbreiten: Wir sind jedermann...
Gestern im Flughafenbus
Dienstag, Januar 22, 2008
Herr F. ist Onkel
Ich klopfe mir den Staub vom Mantel
Ich bin nach Hause (Deutschland) gereist, um Weihnachten zu feiern, dann nach Hause (Ghana) geflogen, um meinen Enkelsohn im Arm zu halten und zu heulen und zu lachen. Jetzt bin ich endlich wieder zu Hause (Amerika) angekommen, wo mein Herd und Bett stehen. Naja, die Einrichtungsgegenstaende, die sich voruebergehend und gegen Miete dazu bereit erklaert haben, mir zu Diensten zu sein. Im Shuttle vom Flughafen hab ich natuerlich wieder den Fahrer kennengelernt, Emanuel aus Kamerun, der Deutsche Strassenbaukuenste in Afrika als unsere groesste Kolonialleistung lobte, und die Franzosen als Verbrecher und Diebe verunglimpfte. Der Afroamerikanische John, der sich ebenfalls an unserem Gespraech beteiligte, wunderte sich ueber meinen Akzent und meinte, wenn ich nicht sehen wuerde, dass das nicht stimmt, wuerde ich denken, der ist Afrikanisch...
Sonntag, Januar 20, 2008
Ghana vor, noch ein Tor!
Samstag, Januar 19, 2008
Warum Afrika so wunderbar ist (einer aus einer Million)
Wenn man auf der Strasse nach Bolga ploetzlich "Plomp!" hoert und dann "Floppfloppflopp" und die Mutter sagt: "Das war der Reifen" dann haelt man mitten im Nirgendwo an und denkt erstmal "Oh mein Gott...". Dann ist das beste natuerlich, selbstbewussten Aktionismus an den Tag zu legen, wir werden schon irgendwie rausfinden, wo sich in diesem Auto der Wagenheber versteckt etc. Waehrend ich versuche, meine Eltern selbstbewusst hin und her zu kommandieren, damit sie sich sicher fuehlen (hahaha) hoffe ich natuerlich auf einen Afrikaner oder mehrere, die mich aus dieser Situation erretten.
Und tatsaechlich, wir mussten gar nicht den Daumen raushalten, da hielt schon ein lila-gelbes durchgerostetes Trotro an und drei Maenner fragten: Was ist los? Der Beifahrer (das ist ein Job) war berufsbedingt eh schon in dreckigen Lumpen gekleidet und legte sich gleich unter unser Auto. In fuenf Minuten, mit wenig Englisch und viel Lachen hatten die Jungs unser Problem geloest und waren schon wieder im Aufbruch zurueck zu ihrer eigenen Schrottkarre, als die Mutter sagte: Halt, stopp, frag sie, ob sie Ehefrauen haben! Ich uebersetze ja alles, was die Mutter will, aber in diesem Fall musste ich wirklich lachen. Denn natuerlich hoerte sich das fuer die Herren so an, als wollte sie rausfinden, wem sie ihre Tochter anvertrauen (antrauen) koennte... Das Missverstaendnis war aber schnell geloest, als sie sahen, dass sie als Dankeschoen einen Packen Frauenkleider geschenkt bekamen. Der Fahrer bekam den Auftrag, seiner Frau ein neues Kleid zu schenken. Und die beiden Helferlein erhielten den Rat, dass es mit diesen Geschenkchen vielleicht leichter sein koennte, ihre Freundinnen zu beeindrucken. Dann noch ein lachendes Foto und tschuess.
Einer der Millionen Gruesse, warum ich Afrika liebe, ist dass Leute Deine Probleme nicht uebersehn. Du bist nicht allein.
Beruflich veraendern?
Wie Ihr hier sehen koennt, hab ich mich auf dieser Reise auch intensiv mit meiner beruflichen Weiterentwicklung beschaeftigt. Aber letztlich war ich dann doch so langsam im Loecher bohren, dass mir die Perlenmacher keinen Ausbildungplatz anboten.
Reiche Beute
Als ich das letzte Mal aus Accra abreiste, hab ich tagelang versucht, den Glasperlenmann aus Togo zu treffen, der manchmal auf der Ausgehmeile in Accra seine Sachen verkauft. Das sind keine antiken Stuecke (einige der antiken ghanaischen Perlen werden zu unglaublichen Preisen gehandelt), sondern der billige neue Kram. Billig? Naja, er kostet nicht viel. Wie auch immer, ich hab erfolglos viel Benzin und Zeit in Accras Staus verbracht. Vorgestern bin ich dann zufaellig an einem Stand in einer dunklen Ecke vorbeigefahren und hab so aus meinem Fenster gestarrt, dass ich fast irgendwo gegen gefahren waere. Und da ich mich in Washington immer wieder nach den nicht gekauften Perlen sehnte, bin ich dann gestern ausserordentlich eingefallen. Die Standbesitzerin erzaehlt mir, wie diese einfarbigen Perlen in den strahlenden Farben gemacht werden: Sie versorgt den Perlenmacher mit diesen kleinen maschinell gefertigten Glasperlen, die man auch bei uns kaufen kann. Die zermahlt der zu Staub und fuellt sich in die Perlenformen, in denen er sie zu grossen Perlen schmilzt. Die gedaempfteren Farben kommen von zermahlenen Flaschen. Die beiden Ketten oben im Bild kommen aus einer anderen Quelle: Auf unserer Fahrt in den Norden haben wir in einem Dorf angehalten, wo Bauxit, also Aluminium-Erz mit sehr traditionellen Methoden zu Perlen und Ketten verarbeitet wird.
Dienstag, Januar 15, 2008
Warum der zweite Abschied so viel schmerzhafter ist, als der erste
Waehrend hier bei denen, die mir nahestanden, nichts hinzugekommen ist, ausser einem Loch, wo vorher ein jemand war. Warum hier keine wilden Geschichten aus Afrika stehn, keine typische EvainGhana-Kost zum Schmunzeln und Heulen und mit den Zaehnen knirschen? Weil das keine Geschichten sind. Sondern Freunde, die sagen: “Seit Du weg bist, ist es als haette im Himmel jemand die Tuer zu gemacht, aus der sonst der Segen auf mein Haupt fiel.”
(Das hoert sich jetzt so an wie die kleine Prinzessin, die denkt, ihre Kacke duftet nach Rosen? Nein, denn ich war ja hier nicht nur Freundin, sondern auch Arbeitgeberin, Ratgeberin und Bruecke zur grossen weiten Welt. Und davon gibt es nicht viel in diesem staubigen Kaff am hinteren Ende Ghanas…)
Montag, Januar 14, 2008
Zu viel - zu wenig
Also zu viel passiert, zu wenig Zeit. Ich weiss, Ihr wartet sehnsuechtig auf Neuigkeiten von Mary, Mama Laadi, Douglas und allen anderen hier in Nord Ghana, wie sieht's aus nach den Ueberschwemmungen und was haben wir gehoert ueber den Konflikt in Bawku. Aber tut mir leid, im Moment ist zu viel auf einmal, "information overload", ich schreibe Euch alles auf, sobald ich hier raus bin. Aber jetzt muss ich leben und arbeiten und nicht schreiben. Aber es geht mir gut. So viel auf die Schnelle.
Dienstag, Januar 08, 2008
Freu Dich dass Du heulst
Und: Meine Bochumer Freundin und ihr Kenianischer Freund sind heil aus Kenia in die Schweiz ausgereist. Na, wenn das nichts zum Heulen aus Erleichterung ist...
Mittwoch, Januar 02, 2008
Jetzt gehts lohoos!
Dieses Bild ist alt. Aber wenn ich bei aller Arbeit auf meiner Reise nach Ghana auch den ein oder anderen wilden Moment wie diesen habe, dann werde ich gluecklich sein. Freu mich unbaendig auf Mama Laadi und ihre Kinder, auf meine ganze bolgatangische Grossfamilie. Gestern rief mein ehemaliger Nachbar Sunday an, um mir und meiner Familie die besten Wuensche zum neuen Jahr zu uebermitteln. Einfach nur so, aus unverbruechlicher Treue. Obwohl er gar nicht wusste, dass wir einen Besuch planen. Die Mutter hat ihre Koffer wie eine Ghanaerin bis obenhin mit Geschenken fuer die Familie gefuellt, meine Koffer sind bis obenhin mit Winterklamotten bepackt, die ich dann von Ghana aus nach Amerika mitnehmen werde. Heute fahr ich nach Duesseldorf, um im Hotel meinen fruehmorgentlichen Abflug zu erwarten.
Montag, Dezember 31, 2007
Kein Tango in Tongo
Kaese und Kaffee
Samstag, Dezember 29, 2007
Muff mit Koepfchen
In alte Freunde verliebt
Schreber-Slums
Weihnachts-Mann
Showtreppe zum Umhaengen
Zu diesem Zweck hab ich nun passend zu meinem kurzen grauen Kunstfelljaeckchen einen lila Muff mit Schleifchen geschenkt bekommen. Da bleibt kein Auge trocken. Ich hab gelesen, dass Exzentriker laenger und gluecklicher leben. Und tatsaechlich, wenn ich mir mal wieder einen Kleiderschrankwitz erzaehlt hab (zum Beispiel mein chinaroter Anzug...), laechel ich den halben Tag... Meine Aerztin sagt, dass man mit niedrigem Blutdruck laenger aber ungluecklicher lebt. Also, wenn ich mir nen schrillen Hut aufs blutarme Koepfchen setze, werde ich doppelt so alt werden - und in ausgeglichener Stimmung, da plus und minus sich aufheben.
P.s.: Ein oekonomischer Nachgedanke zum Thema Muff: Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Frau gesehen zu haben, die Muff traegt. Ausser im Spiegel. Wie kann es sein, dass trotzdem Muffs produziert werden und in Geschaeften landen, wenn der Markt exakt aus einer Kundin und ihrer Mutter bestehn?
Donnerstag, Dezember 27, 2007
Eva, ich hab die Kueche in Brand gesteckt!
Wie jetzt?
Genau wie ich Dir sage!
In Ghana hab ich gelernt, morgens von null auf hundert in einer Sekunde zu sein, wenn etwa um sechs Uhr morgens unangekuendigter Besuch kam. Deshalb kann ich auch reagieren, ohne wirklich vorher aufwachen zu muessen. Also bin ich aufgestanden, hinter der Mutter hergetrottet, hab mir die Geschichte erzaehlen lassen und wir haben angefangen zu putzen.
Sie hatte den Kamin sauber gemacht, die Asche des Vorabends in den Plastikmuelleimer in der Kueche getan und ist duschen gegangen. Als sie zurueckkam, war die Luft undurchdringlich schwarz und die Flammen schlugen aus dem schmelzenden Muelleimer. Als sie mich weckte hatte sie die Flammen geloescht, die Waende, Decken, Lampen, Schokoladenweihnachtsmaenner, Orchideen und andere Stehruemmchen waren mit Asche bedeckt und es stank ungesund. In zwei Stunden kommen die Fruehstuecksgaeste und los gehts.
Waehrend ich schwarze Plastikfaeden von den Deckenecken wischte, dachte ich an etwas ganz Anderes... Vor zwei Jahren in Burkina Faso haben wir zusammen bei einer Toepferin einen Krug gekauft und sie schenkte uns vier Ton-Koepfe dazu, von denen zwei in Dueren und zwei in Bolga ihre neue Heimat bezogen. Vorgestern stiess jemand hier einen von der Fensterbank, der Kopf zerbrach und in dem Hohlraum fanden wir ein Gewoelle von schwarzen Haaren. In halbem Grusel und halbem Scherz sagte ich zu meinen Eltern: Zusammenkleben, Wolle wieder reinstecken, ich glaub zwar nicht dran aber das sieht aus wie vom Jujumann. Nicht dass der sich noch raecht, weil wir ihn kaputtgemacht haben. Und wie ich so staubsaugte und schrubbte, dachte ich nur: So'n Tonkopf kennt sich mit Feuer wohl aus...
Sonntag, Dezember 23, 2007
Laufkaefer
Sonntag, Dezember 16, 2007
Schlicht
Lecker essen koennense gut
Und was mich ebenfalls immer wieder erfreut, ist dass man hier nicht sagen muss: "Ich bin Vegetarierin" als waere das eine eklige Krankheit. Gemuese werden ganz nebensaechlich fuer wichtig genug gehalten, dass ich lecker satt werde, ohne ein Salaetchen (s. Chile) auch nur angeboten zu kriegen. Oh la dolce vita...
Samstag, Dezember 15, 2007
Leipzig - Rom (hoffentlich)
Spezialist fuer kuenstliche Darmausgaenge (Flughafen Leipzig)
Freitag, Dezember 14, 2007
Mein Tangopelz
Ja und wenn der Winter kommt? Wenn der Winter kommt, braucht Eva einen Tangopelz, der ihr beim Tanzen das Herz waermt. Also hab ich heute zu meiner dicken grauen Kunstpelzrussinnenmuetze ein kurzes graues Russinnenkunstpelzjaeckchen erstanden. Jetzt fehlt mir nur noch der pinkfarbene Lippenstift...
(Oh ja, Tango ist eine gute Entschuldigung, Klamotten zu kaufen, fuer die mein Buerojob nicht wirklich die Entschuldigung liefert)
In Bolga uebern Markt gehn
Hier gibt es ein Video, in dem nicht viel passiert. Ausser dass einer mit Kamera in Bolga ueber den Markt geht...
Mittwoch, Dezember 12, 2007
Was haben Sie in den letzten drei Jahren gelesen?
Ausserdem zum Grinsen in Bochum: In der U-Bahn zur Uni ist die Ansage von einem Ruhrpottkabarettisten gesprochen und lautet zum Beispiel so:
“Steigen se bitte links aus kommse beim Ahbeitsampt, bei de BOGESTRA, guggense sich einfach selba ma um…”
Oder
“Getz koennense gleich anne naechste Haltestelle schlau werden. Kommema naemlich anne Rua-Univasitaet.”
Auf dem Rueckweg zum Bahnhof freu ich mich schon auf die Ansagen, Pustekuchen, ganz hochgestochen und normal: “Naechste Haltestelle, Markstrasse.”
Noch ne Auslandreise?
In nem ollen Oelfass
das mit Kohlen gefuellt auf einem Fahrradanhaenger steht, roesten die Strassenverkaeufer Suesskartoffeln als Wintersnack
Statt Unterschrift
Urspruenglich war das wohl, weil chinesisch schreiben so schwierig ist. Also liessen sich die Chinesen Stempel schnitzen, die sie zum stempeln ihrer Unterschrift benutzten - die koennen aber auch statt des Namens ein Symbol oder ein Portrait des Stempeleigentuemers darstellen. Natuerlich besteht immer die Gefahr, dass jemand den Stempel klaut und ploetzlich bei der Bank und sonstwo unterschreiben kann und so tun, als waere er jemand anders. Deshalb gibt es Leute, die zur Verwirrung der Diebe fuer jeden Zweck einen anderen Stempel haben. Verwirrung der Diebe? Genau, wenn sie nicht aufpassen, tricksen sie sich damit vor allem selbst aus und stempeln bei der Bank mit dem Stempel, der fuer Notarsangelegenheiten gedacht war... Was bedeutet: Wenn jemand den falschen Stempel benutzt, ist er entweder ein Dieb oder ein Schussel oder ein schusseliger Dieb. Dieser freundliche Herr hier ist ein Stempelschnitzer.
Montag, Dezember 10, 2007
"Riechen die anders als wir?"
Meine Vermutung vor der Abreise war, dass sie weniger Koerpergeruch haben als der typische Europaer, weil ich mal gehoert hab, dass viele Asiaten denken, dass Europaer stinken.
Meine Antwort faellt leider ungewiss aus: Ich weiss es nicht. Erstens ist es verdammt schwierig, zu versuchen die Abwesenheit von etwas zu riechen, also zu riechen ob etwas oder jemand nicht stinkt. Aber das Problem lag eigentlich wo anders: Es ist schwierig die Abwesenheit eines Geruchs festzustellen, wenn ein anderer Geruch die Luft verbraucht.
Also, was ich definitiv gelernt habe, ist dass fauler Mundgeruch weiter verbreitet ist als bei uns. Deshalb habe ich mich bemueht, meine Nase zu verschliessen, so weit das geht und habe wenig ueber weitere Koerpergerueche herausfinden koennen.
Sonntag, Dezember 09, 2007
3000 Konkubinen
Meine Fuehrerin durch die Verbotene Stadt war vor allem vom Liebesleben der Kaiser fasziniert und ehrlich gesagt ist das ja auch spannender als lange Listen von Jahreszahlen. Der Kaiser hatte bis zu 3000 Konkubinen und manche hatten das Pech (sagt die Fuehrerin), den Kaiser nur eine einzige Nacht in ihrem Leben zu sehen. Auch ansonsten gab es da wenig Moeglichkeiten, sich anderweitig zu vergnuegen, denn die verbotene Stadt durften sie nicht verlassen, die Diener auf der Insel waren alles Eunuchen und die Soehne des Kaisers mussten die Stadt verlassen, wenn sie 14 Jahre alt wurden. Eine ganze Nacht? Von wegen: Ein Eunuch zuendete ein Raeucherstaebchen an und wenn das halb abgebrannt war, klopfte er zum ersten Mal an die Tuer des Gemachs. Sobald es ganz verbrannt war, war das Schaeferstuendchen vorbei und die Dame durfte sich wieder zu ihren 2999 Kolleginnen gesellen. Die Kaiserin hingegen verbrachte (wenn ich das richtig verstanden habe) nach der Eheschliessung zwei ganze Naechte mit dem Kaiser. Das war's aber dann auch.
Natuerlich gab es unter den Konkubinen die ein oder andere, die das Herz oder auch den Kopf des jeweiligen Herrschers eroberte, ihm jahrelang zur Seite stand, ihn bei den Regierungsgeschaeften berat und, falls die Kaiserin selbst keine Soehne hatte, sogar den Nachfolger gebaeren konnte.
Kommunal Pipi
In der Altstadt ist um jede Ecke eine oeffentliche Toilette. Morgens frueh kann man die Nachbarn beobachten, wie sie ihre Plastiknachttoepfe zum Ausleeren bringen. Wie man sieht, sind die Toiletten halbwegs saubere Loecher im Boden. Aber, wie dieses Bild zeigt: Es zahlt sich aus, an Ghanaischen Sitten geschult zu sein und keine Probleme mit Toilettengesellschaft zu haben.
Chinenglisch
unser studentischer Freund und Fremdenfuehrer war selbst noch nie vorher an der Mauer und konnte uns deshalb etwa so viel erzaehlen, wie wir uns selbst ausdenken konnten. Das war aber auch gut so, denn wenn er uns etwas erzaehlte, mussten wir uns die Bedeutung seiner Worte ohnehin selbst ausdenken. Es ist ganz erstaunlich, wie unterschiedlich die Laute der Chinesischen und der Englischen Sprache sind. Und wenn man versucht, mit den Lauten der einen Sprache die Woerter der anderen auszusprechen... da kann ja nix Gescheites bei rauskommen...
Mauermusikant
typisch chinesisch (oder typisch kommunistisch?) wird die ganze touristisch erschlossene Passage der Mauer von Lautsprechern aus mit chinesischer Plastikmusik beschallt. Aber zwischen zwei Lautsprechern sitzt dieses Maennlein mit seinen Troeten auf denen er ganz schlichte echte Melodien spielt. Und vor sich eine Auswahl besonders edel verziertet Troeten zum Verkauf ausgebreitet hat.
Tango um die Welt
Die Wirklichkeit: Genauso. Im Oberstuebchen eines Weinlokals waren alle Tische zur Seite geschoben und die Deutschen, Chinesen, Russen, Franzosen, Koreaner, Amerikaner usw. tanzten gemeinsam um die Welt, dass es eine Wonne war. Aber obwohl Tango ein internationaler Tanz ist, tanzen sie doch alle nationaltypisch.
Die Chinesinnen wuerden sich wohl am liebsten noch ne flackernde Leuchtreklame an die Schuhe montieren. Der deutsche Tanzlehrer beklagt: "Die haben keinen Bock hart zu arbeiten, bis sie die Grundschritte ordentlich koennen, sondern wollen gleich die aufregendsten wilden Figuren tanzen, die Beine gefaehrlich durch die Luft schwingen und sich aufregend drehn, Billig-Glamour bis ueber beide Ohren" Womit wir typisch Deutsch und typisch Chinesisch beschrieben haben. Die Franzoesin sagt: "In Paris ist die Tangoszene so was von versnobt, da wuerde sich niemand trauen, auf der Tanzflaeche irgendwas Aufregendes zu machen, weil jeder weiss, dass die anderen am Rand stehn und das ganz genau beobachten. Die Geruechte reisen schneller als der Schall und wenn Du mir jemandem aus der falschen Gruppe tanzt, kratzt das an Deinem Ruf." Und da muss ich an meine multi-kulti Amerikanische Tanzszene denken, wo man allein ausgehn kann und auf jeden Fall aufgefordert wird und gleich alle kennenlernt und wo (zumindest theoretisch) der Bauer mit der Professorin tanzt und man ganz genau hinsehn muss, um den Snobbismus und die Grabenkaempfe hinter der laechelnden Fassade zu sehn.
Vertrauen ist besser...
Freitag, Dezember 07, 2007
Sehnsucht?
Donnerstag, Dezember 06, 2007
Minus mal minus macht plus
Konkret: Wer so verwirrt von der Zeitverschiebung ist, dass er nicht mal weiss, ob Mittwoch oder Donnerstag ist, muss auch so erschoepft sein von der Mauerbesteigung, dass er nicht zu einem Tango-Event faehrt, das an besagtem Abend gar nicht stattfindet.
Heute morgen fragte eine Kollegin ganz erstaunt: "Aber Du sagtest doch, dass Tango am Donnerstag ist?!" Und ich sagte: "Ja genau, gestern... " "Wie jetzt, gestern oder Donnerstag?"
Also, da Donnerstag erst heute ist, hab ich noch eine zweite Chance, tanzen zu gehn und die Kollegin will mitkommen. Jetzt pack ich meine Sachen und checke aus meinem seelenlosen Olympiahotel aus und hoffentlich in folgendem Hotel ein: http://hotel.travelchinaguide.com/beijing-hotels/beijing-lu-song-yuan-courtyard-200610181542270410.htm
Mittwoch, Dezember 05, 2007
Kein Tango
Was das mit Tango zu tun hat? Nun, als wir schliesslich von unserer Mauertour im Hotel zurueck waren, war ich so erschoepft, dass einfach keine Energie mehr uebrig war, um mich allein mit meinem chinesischen Stadtplan in ein Taxi zu setzen und an einem fremden Ort anzukommen, wo ich mit unbekannten tanzen wuerde. Statt dessen hab ich mich um sechs Uhr abends mal nur ganz kurz auf's Bett gelegt um mich zu sammeln und bin um halb zwei in der Nacht wieder aufgewacht, um mich schlaflos im Bett zu waelzen und schliesslich zu akzeptieren, dass ich die Zeit ebensogut am Internet nutzen kann.
Schreiben aber nicht lesen
Peking schiesst in den Himmel
Maeuerchen
Montag, Dezember 03, 2007
Eva in China
Freitag, November 30, 2007
ganz vorsichtig halb aufatmen....
Gehen Sie zurueck auf Los,
Sagte ich, dass ich gerne am Flughafen bin? Ja, da lachen sich die kleinen boesen Feen, die einem die Wuensche immer woertlich erfuellen, mal wieder in die Tasche.
Morgens frueh um acht hab ich das Haus verlassen, war frueh am Flughafen, hab eingecheckt, bin durch die Kontrollen gegangen, hab gefruehstueckt und diesen Quatsch ueber "gern am Flughafen sein" geschrieben, dann bin ich ins Flugzeug eingestiegen, hab mich hingesetzt, hab zwei Stunden rumgesessen, in denen das Flugzeug sich nicht bewegte, bis wir schliesslich alle gebeten wurden, fuer einen Moment wieder auszusteigen, hab dann stundenlang in Schlangen gestanden und bin nun, um halb sechs abends wieder da, wo ich heute morgen aufgewacht bin.
Morgen um neun soll der Flug dann tatsaechlich losgehn. Dann werde ich - wenn alles gut geht - Sonntag mittag in Peking sein. Ob ich zu meinem eigenen Vortrag Sonntag um halb vier erscheinen werde oder nicht, haengt dann davon ab, wie weit das Hotel vom Flughafen ist und ob der Flug wenigstens puenktlich verspaetet ist...
Ich bin froh, wenn ich am Flughafen bin
Natuerlich ist fliegen – vor allem Langstrecken – anstrengend und geht einem irgendwann auf den Geist etc. pp. Aber nach anstrengenden Wochen im Buero fuehlt sich das super an, nun am Flughafen zu sein, zu wissen, dass ich mich wie ein Koffer nur von einem Fliessband zum naechsten schieben muss und in diesem Zeit-und-Raum-Vakuum bin, in dem ich mir erlaube, mein Hirn auszuschalten, billige Buecher und schlechtes Essen zu verschlingen und akzeptiere, dass es meine einzige Aufgabe ist, rechtzeitig am richtigen Gate zu sein und kein Gepaeckstueck zu verlieren. Obwohl ich selbst mich auf Kaffee und Wasser beschraenke, ist der Flughafen einer der wenigen Orte, wo ich absolut nachvollziehn kann, dass sich Reisende friedlich und gepflegt schon am fruehen Morgen mit Bier in die richtige Reisestimmung bringen.
Dicker Hund(esack)
Freunde meiner Mitbewohnerin haben einen Hund, der auf Hundeshows gehen wird. Als sie vor ein paar Tagen bei uns zu Besuch waren, erzaehlten sie uns, was da so abgeht. Wusstet Ihr, dass hier nur die Hunde, die fuer Shows und Zuechtung gedacht sind, ihre Maennlichkeit behalten? Und auf den Shows gucken sich die Preisrichter den Hund natuerlich von allen Seiten an… Dazu gehoert auch ein beherzter Griff in die Koeterkloeten. Und weil wir hier im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten sind, wo jeder Mann ein Self-made-man und jeder Hund ein Self-made-dog sein kann, verlassen sich Hundebesitzer nicht einfach auf Zuechtung und natuerliches Wachstum. Wenn Dein Showhund keine ueberzeugende Ausstattung aufweist, gehst Du einfach zum Hundeschoenheitschirugen und laesst ihm dicke kuenstliche Dekohoden einbauen. Ich stell mir vor, die der Vertreter von Hundekunsthoden versucht, eine Freundin zu finden und was passiert, wenn er sagt: “Guten Tag, ich bin Sam, ich mach in Koeterkloeten.”
Es geht los
Donnerstag, November 29, 2007
Idiotensicher?
Mein Tangokontakt in Peking versichert mir: Wenn man diese Karte einem Taxifahrer unter die Nase haelt, gelangt man zum Tango, auch wenn man kein Wort chinesisch spricht oder liest.
Verfettung vorbei
Wie auch immer, ich glaube der Grund fuer eine Saettigung des Verfettungstrends ist eher, dass in jeder Bevoelkerung nur ein bestimmter Prozentsatz der Leute es in sich traegt, fett zu werden. Es gibt ueberall Leute, die koennen essen, was sie wollen und nehmen nicht zu. Und es gibt in den meisten westlichen Gesellschaften Leute, die sich niemals erlauben wuerden, zu essen, was sie wollen, und ebenfalls nicht zunehmen. Und, so richtig ueberzeugend ist das Aufatmen dann doch nicht, denn die Tatsache bleibt bestehn, dass jeder dritte dick ist und dass die Dicksten heute viel dicker sind als die Dicksten in den 80ern...
Mittwoch, November 28, 2007
Weil Tango ja letztlich nur gehen ist
http://www.demetriusgonzalez.com/tango/bailonga.html
Zum Thema Gehen hat mir mein Tangolehrer gestern als Hausaufgabe mitgegeben, jeden Tag eine halbe Stunde durchs Haus zu gehn. Oder durchs Hotelzimmer oder im Flughafen auf und ab. Obwohl er selber zugeben musste, dass ich im Flughafen vermutlich den ein oder anderen verwirrten Blick ernten werde, wenn ich gemessenen Schrittes rueckwaerts schreite und mich darauf konzentriere, das Gewicht erst im letzten Moment zu verlagern. Ob es reicht, wenn ich mir jeden Tag eine halbe Stunde lang vorstelle, rueckwaerts zu schreiten?
Der letzte Satz war nicht vollstaendig: Ob es reicht, um komplett deppert zu werden, wenn ich mir jeden Tag eine halbe Stunde lang vorstelle, rueckwaerts zu schreiten? Deppert oder erleuchtet... wenn zwischen den beiden tatsaechlich ein Unterschied besteht.
Habe eine Email von Barbara aus Peking bekommen mit einer Anfahrtsskizze zum Tangolokal mit chinesischen Schriftzeichen, so dass ich sie dem Taxifahrer unter die Nase halten kann.
Helfen gute Wuensche?
Als ich zum ersten und einzigen Mal richtig Malaria hatte und mir die Krankheit so auf den Geist ging, dass ich nicht wusste, wohin mit mir, bin ich zu ihr gefahren (sie ist Krankenschwester und Apothekerin) und hab mich in der Apotheke auf den Stuhl gesetzt, ihr gesagt, wie ich mich fuehle, einfach nur um zu wissen, ob das normal ist und damit eine muetterliche Frau mir sagt: Alles ist gut, Du musst nur regelmaessig Deine Medizin nehmen, gut essen und noch ein wenig Geduld haben. Danach war alles gut (obwohl mich die Malaria weiter nervte).
Tangokurse in Peking
Dienstag, November 27, 2007
Ich habe ein Visum fuer China!
Bundesbuerger benoetigen zur Einreise ein Visum, das vor der Ankunft eingeholt werden muss.
Aber, diese Reiseinformationen sagen natuerlich nicht, was meine Damen aus der Reiseabteilung mir gestern sagten: Du hast nur noch zwei leere Seiten in Deinem Reisepass. In der Vergangenheit ist das schon passiert, dass die Chinesische Botschaft sich geweigert hat, Visa in volle Reisepaesse zu quetschen. Dann musst Du in die Deutsche Botschaft, zusaetzliche Seiten beantragen, das wird aber vermutlich laenger dauern als bis Freitag, Deine Kollegen mussten ihre Reise schliesslich absagen. (mein Vortrag in China ist Sonntag...)
Ihr koennt Euch vorstellen, wie gut ich letzte Nacht geschlafen hab, immer vor mich hinmurmelnd: Chinamann, Chinamann, lass mich rein...
Nun, grade kam die Nachricht: Gleich kannst Du Pass und Visa im sechsten Stock abholen kommen! Danke Chinamann. Ich werde auch ganz brav sein und aus lauter Dankbarkeit ganz viel Geld bei Dir ausgeben... Versprochen.
Montag, November 26, 2007
Auf der Mauer tanzen?
Tangostunden bezahlen (s.u.)?
Ha! Hab ich der Welt wieder ein Schnippchen geschlagen und zahle wenig Miete UND nichts fuer meine Tanzstunde. Muss ich morgen gleich in die Stadt gehn und irgendwas Teures kaufen, um die Kohle loszuwerden.
Reich sein
Aber hier? Nun, gestern wurde mir klar, dass ich hier ebenfalls gleich eingeordnet werde. Ein Bekannter lud mich zum Essen ein und begruendete das damit, dass er sich das besser leisten kann als ich. Nun hatte er mir sein Jahreseinkommen im Detail dargelegt (ich hab aber aus Prinzip nicht zugehoert), er hat aber keine Ahnung, wie viel ich verdiene. "Ja," sagt er "aber ich hab gesehn, wie Du wohnst, Du wuerdest ja sicher anders wohnen, wenn Du's Dir leisten koenntest." Ausserdem hat er gesehn, dass ich kein Auto hab und sicher nicht zwei Autos, so wie er.
Das hat in meinem Kopf drei Gedankengaenge angestossen:
1. Als ich zum ersten Mal in dieses Hexenhaeuschen kam und mit Mitbewohnerin / Vermieterin J. Tee trank, fuehlte ich mich sofort zu Hause und spuerte: Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein. Eine Eva-foermige Nische in der Welt. Warum haette ich mir ein grosses leeres Apartment suchen sollen, dass ich dann mit Dingen haette fuellen muessen. So bin ich mit meinen Buechern, Klamotten, Schuhen, einem Messer, einem Kartoffelschaeler, zwei Plaetzchenformen und vier Tellerchen eingezogen und konnte gleich anfangen, zu Hause zu sein. Das fuehrt zu Gedanken 2:
2. Sachen: Mit jedem Umzug hab ich weniger und das fuehlt sich wunderbar leicht an. Was ich zuruecklasse, vermisse ich nicht und muss ich nicht schleppen.
3. Ich weiss nicht, wer von uns mehr verdient und das ist auch unwichtig. Aber ich koennte wetten, dass ich mehr von meinem Einkommen uebrig hab, um es fuer Dinge auszugeben, die mich gluecklich machen. Denn ich muss nicht jeden Monat mein Haus abzahlen und in Stand halten, oder eine horrende Miete, meine Autos versichern, mit Benzin fuellen und reparieren und all diese regelmaessigen Ausgaben taetigen, von dem ich keinen Gluecklichkeitszuwachs mehr spuere. Da zahl ich doch lieber wenig Miete und viel Tangostunden.
(Gedanke 4 in Klammern: Ich glaube, ich bin komisch.)
Sonntag, November 25, 2007
Wo ist zu Hause?
Fehler...
Samstag, November 24, 2007
Nicht kuessen
In Ghana hab ich viel mit Superchristen zu tun gehabt, die immer in die Kirche rannen und staendig von Jesus redeten, aber... Selbst die harschesten Religionen, wenn mit der ghanaischen Mentalitaet verbunden, werden irgendwie weich, quasi katholisch im Sinne von: Erst kommt der Karneval, dann die Beichte am Aschermittwoch, dann kann man von Neuem zu suendigen anfangen...
Andererseits, wenn man sich nun mal ueberzeugt hat, dass die Ehe der einzige Ort ist, wo koerperliche Verbindung zwischen Maennern und Frauen hingehoeren, ist es vermutlich einfacher (und ehrlicher) schon vor dem ersten Kuss halt zu machen. Das macht mehr Sinn, als alle abenteuerliche Akrobatik zu erlauben, ausser Sex im ganz allerengsten fortpflanzungsrelevanten Sinne...
Wenn man die Welt von Europa aus betrachtet, kann man das Gefuehl kriegen, dass Religion sich mehr und mehr zurueckzieht zugunsten eines Mainstreams, der nicht atheistisch ist, sondern sich um Fragen der Religion einfach gar nicht kuemmert... Wenn man dann irgendwo anders ist als in Europa, merkt man, dass man nur in seiner eigenen Suppe rumschwamm. Wenn ich Leuten hier erzaehle, dass es bei uns ein Tabu ist, mit Bekannten zu bereden, was man glaubt, dass wir eher ueber sexuelle als ueber religioese Vorlieben reden, ernte ich Erstaunen.
(waehrend es in diesem blog um persoenliche Details geht, die manchmal ein Licht auf das groessere Ganze werfen, schreiben andere aus entgegengesetzter Richtung. Ueber die Bedeutung der Religionszugehoerigkeit amerikanischer Praesidenten, hier: http://www.opinionjournal.com/columnists/pnoonan/?id=110010893. Meine Gedanken dazu: Ich weiss von einem einzigen deutschen Politiker, welcher Religion er angehoert, Johannes Rau ist katholisch. Ach ja und dann war da noch dieser gruene tuerkischstaemmige Bundestagsabgeordnete, der einen Skandal ausloeste, weil er eine zweite Ehefrau nahm und sich dabei auf seinen islamischen Glauben berief...)
Aufgehoben in der Welt
Gestern kam dann die naechste Feiertagseinladung, die mich ruehrte, obwohl ich sie ablehnen muss. Das ist eine laengere Geschichte. Viel laenger, denn sie beginnt vor 40 Jahren mit einer jungen Amerikanerin, die ein Jahr in Deutschland studiert. Sie war mit meinem Vater und dessen Familie befreundet, zog dann zurueck in die USA und verschwand fuer die naechsten Jahrzehnte in ihrem eigenen Leben.
Vor ein paar Monaten erhielt ein Vater eine email: "Bist Du der, den ich vor 40 Jahren kannte?" Sie plante eine zweite Deutschlandreise und ob sie mal vorbeikommen koennte. Also machte man zwei Tage lang Eifel-Ausfluege und erzaehlte sich das Leben - und dazu gehoerte auch: "Und unsere Tochter ist grade in die Staaten gezogen." "Oh, dann muss sie mal vorbeikommen, ich hab ein grosses leeres Haus (nachdem die Soehne ausgezogen sind) vor den Toren New Yorks..."
Das hat bislang noch nicht geklappt, wir haben ein paar emails ausgetauscht und einmal telefoniert. Gestern schrieb sie dann:
"Ich weiss ja nicht, was Du Weihnachten vorhast, aber falls Du hier bist, bist Du herzlich eingeladen, fuer ein paar Tage zu uns gekommen. Ich erinner mich noch immer voller Waerme an das Weihnachten, das ich mit Deinen Grosseltern verbracht habe und wuerde mich freuen, ihrer Enkeltochter die gleiche Gastfreundschaft zukommen zu lassen."
Freitag, November 23, 2007
Was schoen macht
In Schwarzafrika sind die Passportfotografen ganz auf Schwarzafrikaner eingestellt. Deshalb sind die Bilder, die sie von Weissen machen, immer ueberbelichtet, was einem (auf dem Bild) diese falten- und fleckenlose durchscheinende ueberweisse Elfenschoenheit verleiht.
In der Drogerie um die Ecke hat man diese Kunst noch nicht gelernt und deshalb sieht mein Passfoto viel zu realistisch aus und ich bin froh, dass die Chinesen (hoffentlich) ihre Visa nicht nach Schoenheit verteilen.



