Montag, Februar 18, 2008

Gluecklich sein

 

Was macht man, wenn man am Meer angekommen ist? Man breitet sein Handtuch aus, zieht sich Strandklamotten an, legt sich in die Sonne, hoert der Brandung zu und laechelt.
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Wir fahren ans Meer!

"Ausser Washington und New York kenn ich hier gar nichts..."

Diese Bemerkung fuehrte dazu, dass ich am folgenden Sonntag mit Thermoskanne, Kuehltasche und vielen Winterjacken im Auto meines Tangokrankenpflegers sass und wir ans Meer, ANS MEER fuhren. Der Weg nach Assateague fuehrt durch freundliches flaches Farmland mit Waeldchen, weissen Holzhaeusern und Schneegaensen. Die Landschaft erinnert mich an zu Hause, nur die Haeuser sind Amerikanisch. Wir fahren durch one-blinker und two-blinker towns (also eine-Ampel und zwei-Ampeln-Staedchen) in denen der Traktor Grosshandel oder der Samenhaendler die groessten Geschaefte sind.

Auf halbem Weg besuchen wir eine Freundin meines Reisefuehrers und er erklaert ihr: "Ich hab Eva versprochen, ihr Hill-Billy Amerika (also Hinterwaeldler Amerika) zu zeigen, deshalb besuchen wir Dich." Wir lachen alle, denn wir wissen, dass das gleichzeitig stimmt und nicht stimmt. Sie wohnt ihm Haus der verstorbenen Oma, die Eltern wohnen nebenan und sie sagt: "Ich war ein Teenager als ich das erste Mal Gemuese aus einem Geschaeft gegessen hab. Wir haben immer alles angebaut, was wir brauchten, und meine Mutter hat bergeweise eingekocht." Andererseits ist die Dame grade aus der Stadt zurueck auf's Land gezogen, arbeitet als Diaetassistentin im Krankenhaus und man sieht dem Haus und ihr selbst an, dass sie eine Runde in der Aussenwelt gedreht hat, bevor sie wieder nach Hause gezogen ist.

Eine Fahrt durch McAmerika

 
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Bekanntes kennenlernen

"Und dann hab ich einen Sommer lang an einem Ort gearbeitet, den wir die Body Farm nennen", erzaehlt mir einer meiner Tangobekannten. "Das ist diese Einrichtung, wo..." "Ja, ich weiss, wo Ihr Leichen verrotten lasst, um forensische Forschung zu betreiben und rauszufinden, unter welchen Bedingungen eine Leiche wann wie aussieht." Er ist erstaunt, dass ich das weiss, weil das in seiner Welt ein ganz spezialisiertes Feld ist, in das nur wenige Leute Zugang haben. In meiner Welt ist das ein Ort, wo die Krimis spielen, die ich lese. Ich bin hoechstens freudig ueberrascht, dass es diesen erfundenen Ort auch in der Wirklichkeit gibt.

Auf der Fahrt zum Meer zeigt mein Tangokrankenpfleger auf Trailer-Homes (also Wohnwagen, die nicht wirklich dafuer gemacht sind, in der Gegend rumgefahren zu werden) und erklaert, dass viele arme Amerikaner so wohnen. Wir fahren durch Orte ohne Stadtzentrum, die nur aus Vorstadteinkaufszentrum und unstrukturierten Wohnblocks bestehn, vorbei an Motels, mit blinkender Leuchtreklame, die fuer den Winter (oder laenger) zugemacht und eingestaubt sind, abends essen wir in einem Kleinstadt-Einkaufzentrum in einem Burger-und-Pommes-Familien-Restaurant ungesund zu Abend, natuerlich umgeben von dicken Amerikanern und die ganze Zeit fuehl ich mich, als wuerde ich von einem meiner Buecher ins naechste gehn.

Ich freu mich, dass es das alles wirklich gibt und bin gleichzeitig ein bisschen verwirrt. Bin ich ganz sicher nicht in einem Disneyland fuer Erwachsene, wo sie nicht Cinderellas Schloss nachgebaut haben, sondern Literatur- und Film-Amerika? Woher weiss ich, dass die strubblige grauhaarige Tankstellenkassiererin und der fuellige Kellner im weissen T-Shirt keine unterbezahlten Schauspieler sind, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie fuer Besucher aus Uebersee den amerikanischen Traum und Albtraum spielen?

Freitag, Februar 15, 2008

Geht's noch?

Wurde der Hurrikan Katharina von Gott, dem Satan oder al-Qaida gemacht? Und wenn es Gott war, wollte er damit die schwulen Suender in New Orleans bestrafen, oder wollte er Bush und seinen Freunden, den evangelikalen Christen des Suedens, mitteilen, dass sie sein Wort missverstanden haben?

Wir wissen ja alle, dass das Internet ein wundersamer Ort ist und voll von Spinnern, aber irgendwie scheinen mir die Spinner von meinem Standpunkt hier in the USA viel eher verbunden mit der wirklichen Welt. Ich kenne Leute, die solche Leute kennen und sich mit ihnen leidenschaftlich darueber streiten koennten, ob Gott manchmal den Telefonhoerer abhebt, um einem Glaeubigen seine Botschaft ganz konkret und mit Handlungsanweisungen mitzuteilen... Da fuehl ich mich ploetzlich so ganz alt-europaeisch und staune.

Wie ich darauf komme? Fuer meine Arbeit googlete ich den Ausdruck "evidence-based governance" also Regieren auf der Basis von Fakten. Und das ist es, was ich fand:
http://www.laetusinpraesens.org/musings/hurrican.php

So wuerd ich mich auch gern fuehlen

 

Aber natuerlich wuerde ich das nicht gerne machen - also wer will schon nackisch und freihaendig auf nem Pferd sitzen. Meine Lieblings-Skulptur im nationalen Skulpturengarten.
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Echtes Pathos

Gibt es das? Oder schliessen sich "Pathos" und "echt" gegenseitig aus? Ich hab das Gefuehl, viele Amerikaner koennen mit echtem Gefuehl sagen, was einem Deutschen laecherlich schwuelstig vorkommen wuerde. So sagte gestern der junge schwarze Barkeeper zum mittelalten schwarzen Anzugtraeger und Weintrinker: "It made me real proud to vote for Obama." (Es hat mich wirklich stolz gemacht, fuer Obama zu stimmen.)

Hat irgendwer von Euch schonmal nach einer Wahl zu einem Fremden (oder von mir aus auch einem Bekannten) gesagt: "Es hat mich mit Stolz erfuellt, fuer Merkel, Schroeder oder Fischer zu stimmen."

Und da ich hier ja nun schon ne Weile bin und deshalb langsam lerne, dass man schwuelstige Sachen sagen kann, gebe ich zu: Es hat mich im Herzen beruehrt, diesen stolzen Waehlern zuzuhoeren.

Donnerstag, Februar 14, 2008

Nomen est...

Ja was nun, nomen est omen oder nomen est nonsense?

Wenn einen ein fremder Mann zum Tanzen auffordert (was mir dauernd passiert, weil ich ja Gesichter nicht auseinander halten kann und somit auch der Tanzpartner von gestern heute ein fremder Mann sein kann), sagt man, bevor man einander in die Arme faellt, ganz hoefflich: Hallo, ich bin soundso, sehr erfreut.

Also ich: I'm Eva (Ich bin Eva).
Er: Diva?
Ich: Eva.
Er: Diva?
Ich: Eva!! As in "the first woman in the bible" (Eva!! So wie die erste Frau in der Bibel)
Er: Ah, Eva, I thought that Diva is sort of a funny name, you wouldn't really want to admit that up-front, would you? (Ach so, Eva, ich dachte schon, Diva ist irgendwie ein komischer Name, wer wuerde das schon von vorneherein zugeben wollen...)

Um dieses Missverstaendnis zu verstehn, muss man natuerlich wissen, dass die Amis meinen Namen "Ihwaa" aussprechen.

Dienstag, Februar 12, 2008

Honk for Obama! (Hup fuer Obama!)

Irgendwie sind die Amerikaner komisch. Einerseits waehlen ganz wenige. Andererseits sind die, die sich fuer Politik interessieren, viel politischer als bei uns. Und so stehn sie in der Affenkaelte, selbstgemalte Plakate wedelnd, auf den Verkehrsinseln am Dupond Circle und fordern die Autofahrer auf, fuer Obama zu hupen.

Hupen Sie bitte politisch - na dann...

Sonntag, Februar 10, 2008

Freunde finden

Als ich Freitag mit meinem durchreisenden koelner Kollegen an der schoensten Bar Washingtons sass, wir einer ganz echten Jazzband zuhoerten, dem Barkeeper beim Bar keepen zusahen und ich mich einfach ganz normal fuehlte, wurde mir wieder der Unterschied klar zwischen Freunden und anderen Leuten, die den Raum fuellen.

Es ist doch erstaunlich, wie sehr sich das Leben dem Klischee anpasst. Und es ist fast schon langweilig, wenn ich berichte: In Washington ist es super-einfach, einen neuen Bekanntenkreis zu finden. Sowohl die Amerikaner als auch die internationalen Zugezogenen laden einen schnell auf ihre Parties ein, reden mit Fremden und machen es ihnen leicht, nicht allein zu bleiben.

Und weil das so angenehm ist, und deshalb immer irgendwelche Leute um einen rumwuseln, ist es leicht, zu vergessen, dass Freunde ganz seltene Menschen sind, die sich in diesem Gewimmel gut verstecken und dass es ein Extrasupergeschenk des Lebens ist, wenn man einen aufspueren kann...

Freundes Freunde

Gestern stellte mich mein Krankenpfleger-Tangotaenzer einer Hospizpastorin-Tangotaenzerin vor, die - als Amerikanerin - 5 Jahre mit einem Schwaben verheiratet gewesen war und auch im Schwabenland gelebt hat. Sie sprach ein hervorragendes Schwaebisch und meinte, dass sie lieber Dialekt als Hochdeutsch redet, weil sie dann ueber die Grammatik-Huerden unserer Sprache viel besser einfach wegwischen kann.

Sie erzaehlte, wie das ist, dass man sich in seine sterbenden Maenner und Frauen manchmal ein wenig verliebt, weil man so viel Zeit mit ihnen verbringt, ihr Leben und Sterben an sich ran laesst und dass sie Tango tanzt, um die Balance wiederzufinden.

Als ich sie fragte, ob sie vielleicht mit meinen Eltern einen Kaffee trinken wollen wuerde, wenn sie hier sind, war sie gleich begeistert: "Oh, ein echtes Kaffeeklatsch!" zeigte mir den tanzenden Arzt, Physiker und Bankmann, die auch Deutsch sprechen, und fing an, das schonmal zu organisieren.

Fieses Essen

Die englischsprachige Welt findet ja, dass es super ist, klebrige Zuckerschaeumchen (Marshmellows) ueber dem Lagerfeuer zu roesten, bis sie aussen Kohle und innen fluessiger Zucker sind. Nun gibt es auch bei uns besonders fieses Essen, das Leute nur auf einem Campingtrip essen wuerden. Aber wuerden wir uns so nach Dosengulaschsuppe sehnen, dass ein Restaurant das auf die Speisekarte setzen koennte, damit wir unser Lagerfeuergefuehl haben? Vorgestern hab ich zwei jungen Amerikanern zugeschaut, die auf ihrem Tisch ein kleines tragbares Feuerchen hatten und auf langen Gabeln Marshmellows zum Verkohlen in die Flamme hielten.

Freitag, Februar 08, 2008

Bekanntheitsgradmesser

Gestern ging ich mit meinem durchreisenden liebsten Koelner Kollegen nach der Arbeit ein wenig aus und wir trafen zufaellig in den Strassen Washingtons eine Tangobekannte. Mein Kollege war beeindruckt: "Du wohnst ein paar Monate hier und triffst schon Bekannte auf der Strasse!?"

Und fuer einen Moment traeumte ich mir das zurecht, als waere hier Ghana und versuchte mir auszumalen, was ich hier an massiven Kennenlernaktivitaeten starten muesste, um anzufangen, regelmaessig zufaellig Bekannte zu treffen.

Ich warte zum Beispiel immer noch darauf, dass ich zufaellig Taxifahrer wiedertreffe, die ich kenne...

Montag, Februar 04, 2008

Oma versteht die Welt (nicht mehr)

Vor ein paar Tagen klingelte mein Telefon.
Ich: Hello!
eine Oma: Hello!
Ich: Hello?
Oma: Is this the residence of so-and-so? (Wohnt da so-und-so?)
Ich: No, this is Eva! (Nein, hier ist Eva!)
Oma: Evil? (Das Boese?)

Sonntag, Februar 03, 2008

Eintagsfliege

Schwester P. ist letztlich nur fuer einen Tag hier und dann fliegtse wieder. Maenno. Aber dafuer werden wir heute alles alles alles machen. Hab ihr erlaubt, mich im Rhythmus ihres jet-lags frueh zu wecken und nun werden wir uns auf eine Tour durch Brookland (meine hood) begeben, dann gucken, wo regiert wird und uns schliesslich in das Cafe mit den Sofas in Adams Morgan setzen (direkt neben der Kneipe Madam's Organ), wo Schriftsteller und andere Laptop-Arbeiter aushaengen weil gemuetlich und weil niemand einen draengt, schnellschnell zu verzehren und zu gehn. Da werden wir dann gemeinsam an unseren Zukuenften schmieden, schliesslich muss man das auch nutzen, wenn man eine schlaue Schwester hat.

Donnerstag, Januar 31, 2008

Nach ueberall

Wenn meine Eltern mich hier besuchen kommen, wollen wir natuerlich nach ueberall und koennen, wie der Vater so treffend beobachtet, den Hals nicht vollkriegen. Sonntag hab ich deshalb El Salvador ausbaldowert. Dahin kommt man von meinem Haus ganz einfach: Eine Station mitder roten Metro und von Fort Totten drei Stationen gelb oder gruen bis Columbia Heights. Komischerweise nennen die Leute hier El Salvador "Mount Pleasant" und bilden sich ein, das sei ein Stadtteil der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. So'n ignoranter Bloedsinn. Wo man in El Salvador auf den schaebigen Strassen doch nur dunkle knubblige Maenner und Frauen mit Goldzaehnen und Anoraks sieht, die ihre Autos waschen, pollo con irgendwas verkaufen, wurstfoermige braune Kinder in Kinderwagen hin und her schieben, lungern und sich lautstark auf Spanisch unterhalten. Die Angebote und die Schilder in den Geschaeften sind meist Spanisch und das einzige, was irgendwie so ueberhaupt nicht passt, ist dass es vreckskalt ist. Nein, diese Strassen koennen unmoeglich zu der Stadt von Pentagon und weissem Haus, Dupont Circle und Lincoln Memorial gehoeren...

Mittwoch, Januar 30, 2008

Royalistische Gramatik

Ein Freund warnt: "Wenn Du Dich weiter so prinzessinnenhaft benimmst, werden sich deine Subjekte irgendwann gegen Dich auflehnen..."

Ich vermute, dass er recht hat und nehme nun schonmal Kontakt zu Verben und Adjektiven auf, die ich in diesem Fall zu meinen Untertanen machen koennte.

(Wie ihr seht, sitze ich den ganzen Tag im Buero, erlebe nichts von Belang und denke abstruse Gedanken)

Das Maedchen aus der kollektiven mythologischen Kindheit

oder: Paradoxe Raumzeitkruemmung

Ich bin hier einem unglaublichen physikalisch-psychologischen Phaenomen auf der Spur. Die Kindheit der Amerikaner ist kein zeitlich klar markierbarer Rahmen, wo man sagen koennte, dass ein alter Mann in den 30er Jahren Kind war und eine junge Frau in den 70ern. Die Kindheit der Leute, denen ich begegne, spielte sich gleichzeitig in einem parallelen Kindheitsuniverum ab.

Wie anders sollte es zu erklaeren sein, dass ALLE zum letzten Mal in ihrer Kindheit einen Muff gesehen haben? Wenn die Zeit hier die gleiche Form haette, wie zu Hause, dann muesste der 60jaehrige Mann doch auch als 40jaehriger noch Muffs gesehen haben, naemlich waehrend der Kindheit der 25jaehrigen, die ja ebenfalls behauptet, als Kind zum letzten Mal einen Muff gesehen zu haben.

Natuerlich liest sich dieser blog straeflich konfus, denn das Phaenomen ist verwirrend und bislang gaenzlich unerforscht. Wo ist diese Kindheit, in der es Weihnachten jedes Jahr schneit und in der alle kleinen Maedchen rosa Kaugumiblasen durch die Zahnluecken pusten, die Haare zu Rattenschwaenzchen oder Affenschaukeln geflochten haben und mit Muffs durch den Wintermorgen laufen? Kann ich da bitte mal gucken gehn?

Dienstag, Januar 29, 2008

Schwester P. kommt nach Washingtong!

Dieses Wochenende Juhuu! Da koennen sich die Washingtongas warm anziehn!

Montag, Januar 28, 2008

Mal ganz was anderes

Waehrend ich im Internet was ganz anderes suchte, stiess ich auf den Visual Thesaurus:
http://www.visualthesaurus.com
Eine interessante Idee: Du tippst ein Wort ein, zu dem Du Synonyme suchst und dieses Program zeichnet Dir ein Netzwerk von Woertern, Bedeutungen und Verbindungen zwischen ihnen. Bevor man es kauft, kann man ein bisschen fuer lau damit rumspielen...

Sonntag, Januar 27, 2008

Alles, was heilig ist...

In meinem Traum lebte Gott in unserem Wasserkessel. Der Kessel war halb voll Wasser und halb voll Gott. Ich fragte mich, was mit Gott passiert, wenn ich das Wasser zum Kochen bringe.

Freitag, Januar 25, 2008

Tangovirus volle Wucht zurueck...

Gestern traf ich meinen asiatischen Tanguero und er sagte, dass er so gerne barfuss zu seiner liebsten Opernmusik meditativen Tango tanzen wuerde. Hoert sich abstrus an? Ihr denkt: "Aber wofuer gibt es denn so viel schoene Tangomusik? Und Tanzschuhe?" Aber das ist ja grade das schoene am Tango. Und an einem Taenzer wie Dong. Die eigenartigsten Sehnsuechte wachsen und koennen erfuellt werden und selbst wenn man damit ganz weit rausschwimmt, stoert das keinen und vielleicht gibt es hinten am Horizont ein ganz unbekanntes Leuchten...

Der Fussball spiegelt die Realitaet meines Herzens

Namibia unterlag Ghana. Weil sie schlechter Fussball spielen und weil ihr Land sozial so angeschlagen ist, dass man sich als Weisser da, trotz der schoenen Aussicht und des ganzen Wildviehchs, irgendwie unwohl fuehlt.

Wo Du herkommst...

Ein Kollege aus Tansania erzaehlt mir, dass es in seiner Heimat als sehr unfein gilt, jemanden zu fragen, zu welchem Stamm er gehoert. In Ghana fragt jeder einen neuen Bekannten gleich: Wo kommst Du her? Und dann versuchen sie, irgendeinen gemeinsamen Cousin der Grosstante zu finden oder sonst irgendwie zu etablieren, warum die Herkunft eine Gemeinsamkeit beschreibt. Wo kommst Du her, bedeutet dabei nicht: Wo wohnst Du? Oder: Wo bist Du geboren und aufgewachsen? Oder: Wo sind Deine Eltern aufgewachsen? Sondern: Wo liegt Deine Stammesherkunft? Viele Ghanaer waren noch nie da, wo sie herkommen. (Soviel zum Thema: "Geh wo Du herkommst!")

Warum ist das in Tansania anders? Mein Kollege erklaert das folgendermassen: Als die Deutschen Kolonialherren ankamen, sahen sie bald ein, dass Deutsch viel zu schwierig zu lernen ist und foerderten deshalb, dass alle in der Gegend Kiswahili lernen. Also sprechen die Tansanier, egal von welchem der vielen Staemme sie abstammen, die gleiche Sprache. Radio und Schulunterricht ist in dieser Gemeinschaftssprache (oder in Englisch). Und wenn ein Tansanier den anderen fragen wuerde, wo er herkommt, saehe das aus, als wollte er sagen: Du gehoerst nicht zu mir, und waere auf der Suche nach den Unterschieden zwischen den beiden.

Donnerstag, Januar 24, 2008

Pelzjoeppsche, Poemms un Russenmuetze - der Tango kann beginnen!

Langsam schuettel ich den Jet-lag ab und kann mich deshalb heute abend hoffentlich endlich aufraffen und zu meinem ersten Tango im neuen Jahr gehn. Donnerstags gibt's Tango in der alten Lagerhalle, die mich an die besetzten Fabriken meiner Jugend erinnert (nicht dass ich jemals eine Fabrik selbst besetzt haette, aber man treibt sich halt rum, in ner Kleinstadt, wo sonst nix zu tun ist). Heizung gibt's da nicht, aber dafuer schoen viel Zugluft. Bei Temperaturen unter null tanzen die Damen in Jacke und Muetze und der Tanzpartner ist eine lebende Waermflasche. Na wenn das nicht romantisch ist...

Mittwoch, Januar 23, 2008

Gespraech im Flugzeug

Mit einer amerikanischen Missionarin, die seit 4 Jahren in einer der russischen Provinzen wohnt, die mit ...stan enden. Alles Moslems da, sagt sie. Und dass sie nach den ganzen guten Erfahrungen da nicht mehr von kalten Schauern der Angst gelaehmt ist, wenn sie in den USA einen Moslem sieht.

Das ist schon unglaublich, was fuer eine Massenhysterie dieses ganze Volk nach 9/11 ergriffen hat. Aber, vielleicht weht der Wind ganz langsam doch aus einer anderen Richtung: Als ich diesmal in der Schlange zur Passkontrolle stand, hatten sie ein neues Begruessungsvideo, was eigentlich nur daraus bestand, dass Menschen jeglicher Hautfarbe, Kleidungsstils und Lebensform und nacheinander herzlich willkommen hiessen. Mit und ohne Kopftuch. Anscheinend will man so das Gefuehl verbreiten: Wir sind jedermann...

Gestern im Flughafenbus

Ein Soldat in Tarnkleidung. Ein anderer Reisender spricht ihn an: "Thanks for your service Colonel. We apprechiate that." "You're welcome, it's a pleasure!" (also: "Danke fuer den Dienst, Oberst. Wir wissen das zu schaetzen" "Dankeschoen, ist mir ein Vergnuegen!") Danach geht jeder wieder seinen eigenen Gedanken nach.

Dienstag, Januar 22, 2008

Herr F. ist Onkel

einer kleinen Eleni Theresa, die am 10.01. in Muenchen geboren wurde. Herzlichen Glueckwunsch. Und danke fuer die Karten.

Ich klopfe mir den Staub vom Mantel

Und morgen geh ich gleich Gemuese kaufen.

Ich bin nach Hause (Deutschland) gereist, um Weihnachten zu feiern, dann nach Hause (Ghana) geflogen, um meinen Enkelsohn im Arm zu halten und zu heulen und zu lachen. Jetzt bin ich endlich wieder zu Hause (Amerika) angekommen, wo mein Herd und Bett stehen. Naja, die Einrichtungsgegenstaende, die sich voruebergehend und gegen Miete dazu bereit erklaert haben, mir zu Diensten zu sein. Im Shuttle vom Flughafen hab ich natuerlich wieder den Fahrer kennengelernt, Emanuel aus Kamerun, der Deutsche Strassenbaukuenste in Afrika als unsere groesste Kolonialleistung lobte, und die Franzosen als Verbrecher und Diebe verunglimpfte. Der Afroamerikanische John, der sich ebenfalls an unserem Gespraech beteiligte, wunderte sich ueber meinen Akzent und meinte, wenn ich nicht sehen wuerde, dass das nicht stimmt, wuerde ich denken, der ist Afrikanisch...

Sonntag, Januar 20, 2008

Ghana vor, noch ein Tor!

Vermutlich unbeachtet vom Rest der Welt bereitet sich Ghana schon seit Monaten auf das groesste Fussballereignis Afrikas, den African Cup of Nations vor, also die quasi die afrikanische Europameisterschaft. Das ganze Land ist uebersaeht mit halbfertigen Hotels, Strassenhaendler verkaufen alles, was man sich vorstellen kann in gruengoldrot und das Land summt nur so vor Vorfreude. Ich fliege heute nach Washington zurueck, aber vorher werde ich das erste Spiel im Aviation Sports Club anschaun. Nicht wirklich wegen des Fussballs. Sondern wegen der Fans.

Samstag, Januar 19, 2008

Sonntagsstaat

 
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Familienbild

 

Mit weisser Grossmutter und dem schoensten Baby der Welt.
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Warum Afrika so wunderbar ist (einer aus einer Million)

 

Wenn man auf der Strasse nach Bolga ploetzlich "Plomp!" hoert und dann "Floppfloppflopp" und die Mutter sagt: "Das war der Reifen" dann haelt man mitten im Nirgendwo an und denkt erstmal "Oh mein Gott...". Dann ist das beste natuerlich, selbstbewussten Aktionismus an den Tag zu legen, wir werden schon irgendwie rausfinden, wo sich in diesem Auto der Wagenheber versteckt etc. Waehrend ich versuche, meine Eltern selbstbewusst hin und her zu kommandieren, damit sie sich sicher fuehlen (hahaha) hoffe ich natuerlich auf einen Afrikaner oder mehrere, die mich aus dieser Situation erretten.

Und tatsaechlich, wir mussten gar nicht den Daumen raushalten, da hielt schon ein lila-gelbes durchgerostetes Trotro an und drei Maenner fragten: Was ist los? Der Beifahrer (das ist ein Job) war berufsbedingt eh schon in dreckigen Lumpen gekleidet und legte sich gleich unter unser Auto. In fuenf Minuten, mit wenig Englisch und viel Lachen hatten die Jungs unser Problem geloest und waren schon wieder im Aufbruch zurueck zu ihrer eigenen Schrottkarre, als die Mutter sagte: Halt, stopp, frag sie, ob sie Ehefrauen haben! Ich uebersetze ja alles, was die Mutter will, aber in diesem Fall musste ich wirklich lachen. Denn natuerlich hoerte sich das fuer die Herren so an, als wollte sie rausfinden, wem sie ihre Tochter anvertrauen (antrauen) koennte... Das Missverstaendnis war aber schnell geloest, als sie sahen, dass sie als Dankeschoen einen Packen Frauenkleider geschenkt bekamen. Der Fahrer bekam den Auftrag, seiner Frau ein neues Kleid zu schenken. Und die beiden Helferlein erhielten den Rat, dass es mit diesen Geschenkchen vielleicht leichter sein koennte, ihre Freundinnen zu beeindrucken. Dann noch ein lachendes Foto und tschuess.

Einer der Millionen Gruesse, warum ich Afrika liebe, ist dass Leute Deine Probleme nicht uebersehn. Du bist nicht allein.
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Perlenmacher und Philosoph

 
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Beruflich veraendern?

 

Wie Ihr hier sehen koennt, hab ich mich auf dieser Reise auch intensiv mit meiner beruflichen Weiterentwicklung beschaeftigt. Aber letztlich war ich dann doch so langsam im Loecher bohren, dass mir die Perlenmacher keinen Ausbildungplatz anboten.
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Reiche Beute

 


Als ich das letzte Mal aus Accra abreiste, hab ich tagelang versucht, den Glasperlenmann aus Togo zu treffen, der manchmal auf der Ausgehmeile in Accra seine Sachen verkauft. Das sind keine antiken Stuecke (einige der antiken ghanaischen Perlen werden zu unglaublichen Preisen gehandelt), sondern der billige neue Kram. Billig? Naja, er kostet nicht viel. Wie auch immer, ich hab erfolglos viel Benzin und Zeit in Accras Staus verbracht. Vorgestern bin ich dann zufaellig an einem Stand in einer dunklen Ecke vorbeigefahren und hab so aus meinem Fenster gestarrt, dass ich fast irgendwo gegen gefahren waere. Und da ich mich in Washington immer wieder nach den nicht gekauften Perlen sehnte, bin ich dann gestern ausserordentlich eingefallen. Die Standbesitzerin erzaehlt mir, wie diese einfarbigen Perlen in den strahlenden Farben gemacht werden: Sie versorgt den Perlenmacher mit diesen kleinen maschinell gefertigten Glasperlen, die man auch bei uns kaufen kann. Die zermahlt der zu Staub und fuellt sich in die Perlenformen, in denen er sie zu grossen Perlen schmilzt. Die gedaempfteren Farben kommen von zermahlenen Flaschen. Die beiden Ketten oben im Bild kommen aus einer anderen Quelle: Auf unserer Fahrt in den Norden haben wir in einem Dorf angehalten, wo Bauxit, also Aluminium-Erz mit sehr traditionellen Methoden zu Perlen und Ketten verarbeitet wird.
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Dienstag, Januar 15, 2008

Warum der zweite Abschied so viel schmerzhafter ist, als der erste

Weil wir jetzt wissen, wie es sich anfuehlt, ohne einander zu sein. Als wir uns in Bolga im September alle zum ersten Mal voneinander verabschiedeten, waren wir Kinder. Wir waren traurig und wir hatten Angst und vorsorglich ein wenig Sehnsucht in der Tasche, aber wir wussten nicht, wie scharfkantig das Eva-foermige Loch sein wuerde, dass ich in Bolga hinterlasse. Wir wussten nicht, seien wir ehrlich, dass in Washington eine Nische auf mich wartete, in die ich mich gemuetlich einkuscheln wuerde, wie wild anfangen wuerde, Tango zu tanzen und mit Koriander zu kochen, mein Leben voll mit Neuem und Neuen. “Welt! Ich komme!”

Waehrend hier bei denen, die mir nahestanden, nichts hinzugekommen ist, ausser einem Loch, wo vorher ein jemand war. Warum hier keine wilden Geschichten aus Afrika stehn, keine typische EvainGhana-Kost zum Schmunzeln und Heulen und mit den Zaehnen knirschen? Weil das keine Geschichten sind. Sondern Freunde, die sagen: “Seit Du weg bist, ist es als haette im Himmel jemand die Tuer zu gemacht, aus der sonst der Segen auf mein Haupt fiel.”

(Das hoert sich jetzt so an wie die kleine Prinzessin, die denkt, ihre Kacke duftet nach Rosen? Nein, denn ich war ja hier nicht nur Freundin, sondern auch Arbeitgeberin, Ratgeberin und Bruecke zur grossen weiten Welt. Und davon gibt es nicht viel in diesem staubigen Kaff am hinteren Ende Ghanas…)

Montag, Januar 14, 2008

Zu viel - zu wenig

Passiert - Zeit
Also zu viel passiert, zu wenig Zeit. Ich weiss, Ihr wartet sehnsuechtig auf Neuigkeiten von Mary, Mama Laadi, Douglas und allen anderen hier in Nord Ghana, wie sieht's aus nach den Ueberschwemmungen und was haben wir gehoert ueber den Konflikt in Bawku. Aber tut mir leid, im Moment ist zu viel auf einmal, "information overload", ich schreibe Euch alles auf, sobald ich hier raus bin. Aber jetzt muss ich leben und arbeiten und nicht schreiben. Aber es geht mir gut. So viel auf die Schnelle.

Dienstag, Januar 08, 2008

Freu Dich dass Du heulst

Das war kurz gefasst der Ratschlag meines Mitbewohners aus Accra, der hinzufuegte: "Hast Du also endlich auch eingesehn, dass Du vom Afrikavirus befallen bist!" und gelacht hat, denn er ist ja quasi im Endstadium dieser Krankheit (oder wie nennt man das, wenn man angefangen hat, sein Haus hier zu bauen?). Im Moment sitz ich arbeitend im Internet Cafe und will deshalb nicht im Detail beschreiben, was mich alles zum Heulen bringt. Nur so viel: Nur Gutes! Spaeter mehr.

Und: Meine Bochumer Freundin und ihr Kenianischer Freund sind heil aus Kenia in die Schweiz ausgereist. Na, wenn das nichts zum Heulen aus Erleichterung ist...

Mittwoch, Januar 02, 2008

Jetzt gehts lohoos!

 

Dieses Bild ist alt. Aber wenn ich bei aller Arbeit auf meiner Reise nach Ghana auch den ein oder anderen wilden Moment wie diesen habe, dann werde ich gluecklich sein. Freu mich unbaendig auf Mama Laadi und ihre Kinder, auf meine ganze bolgatangische Grossfamilie. Gestern rief mein ehemaliger Nachbar Sunday an, um mir und meiner Familie die besten Wuensche zum neuen Jahr zu uebermitteln. Einfach nur so, aus unverbruechlicher Treue. Obwohl er gar nicht wusste, dass wir einen Besuch planen. Die Mutter hat ihre Koffer wie eine Ghanaerin bis obenhin mit Geschenken fuer die Familie gefuellt, meine Koffer sind bis obenhin mit Winterklamotten bepackt, die ich dann von Ghana aus nach Amerika mitnehmen werde. Heute fahr ich nach Duesseldorf, um im Hotel meinen fruehmorgentlichen Abflug zu erwarten.
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Montag, Dezember 31, 2007

Kein Tango in Tongo

So sehr ich's auch google, in Ghana gibt es zwar Orte mit Namen wie Kongo und Tongo (beide in der Nachbarschaft von Bolga) aber niemand tanzt da Tango. Oder wenn, so verkuenden sie's nicht im Internet. Auch nicht wie das aesthetische Wiesel auf dem Kiesel, das bei Morgenstern nur da sitzt des Reimes wegen. Aber ich verspreche Euch, falls ich irgendwenn treffen sollte, der ein paar Grundschritte tanzen kann, werd ich ihn nach Tongo entfuehren und den Reim mit ihm tanzen. Und wenn ich ihm die Musik dazu ins Ohr summen muss...

Kaese und Kaffee

Zu solchen Themen krieg ich nun emails von meinen weissen Freunden aus Ghana. Aus gegebenem Anlass: Am 3. Januar geht's wieder los, und natuerlich wuenschen sich alle, dass ich in meinem Koffer wenig Klamotten und viel Kaese, Kaffee und Lakritz habe. Tja, leider fliege ich aber quasi von Deutschland ueber Ghana (mit zwei Wochen Aufenthalt) nach Washington und deshalb wird mein Reisekoffer voller Winterpullover und Pelzmuetzen sein. Vielleicht kann ich den Kaese ja in meinem Muff hitzeisoliert transportieren...

Samstag, Dezember 29, 2007

Muff mit Koepfchen

Eben haben wir eine Bekannte meiner Mutter bei Woolworth (sprich: Wollwocht) getroffen, die von meinem Muff ganz begeistert war. Sie ist Teil der gleichen Zielgruppe fuer Muffs (also besteht die nun aus meiner Mutter, ihrer Bekannten und mir, s.u.), sie besitzt drei davon. Einer ist sogar hundert Jahre alt und besteht aus kleinen Pelztierchen, die so zur Muff-Form zusammengerollt sind, dass ihre Koepfchen den Betrachter anschaun und die Schwaenze auf dem Bauch des Traegers runterhaengen. Moechte ich mit dieser Frau in einer Gruppe sein?

In alte Freunde verliebt

Wenn man aus der weiten Welt nach Hause kommt, hat man ja zwei Moeglichkeiten. Entweder man stoesst mit den Ellenbogen ueberall an und denkt: "Meine Guete, ist das eng hier und warum seid Ihr alle so klein?" Oder man trifft die alten Freunde, die man ein ganzes Jahr nicht gesehn hat, und denkt: "Irgendwie seid Ihr doch cool... Was aus Euch alles geworden ist..." Dieses Jahr hab ich mir Frescos erklaeren lassen, die CDs schenken lassen, die im letzten Jahr produziert wurden, mir aufregende Liebesgeschichten angehoert und mich in meine alten Freunde - als Freunde - neu verliebt. Dankeschoen.

Schreber-Slums

Wenn ich durchs Rheinland fahre und die Schrebergaerten am Bahndamm vorbeihuschen, muss ich an unsere afrikanischen Studenten denken, die ueberzeugt waren, das waeren unsere Armenviertel, wo die in Huetten wohnen und Gemuese fuer's Ueberleben anbauen. Und viele dieser Huetten sind komfortabler und stabiler als alles, worin die Armen in armen Laendern wohnen. Also ist mal wieder bewiesen, dass in Deutschland sogar die Armen reich sind...

Weihnachts-Mann

Wenn man in Duesseldorf zum Bahnhof einfaehrt, kommt man an einem Bordell vorbei, die Fenster zum Bahndamm haben Nummern, damit man sich schon im Vorbeifahren eine der im Fenster sitzenden Damen aussuchen kann. In dieser Saison muss man sich aber beeilen, dass man dem schaebigen schmutzigen Plastikweihnachtsmann zuvorkommt, der an der Puffmauer hochklettert. Das ist geschmacklos. Aber ist das auch unchristlich und blasphemisch, obwohl der Weihnachtsmann eine Erfindung von Coca Cola ist?

Showtreppe zum Umhaengen

Genetisch komm ich halt doch vom Dorf. Und wenn die Doerflerin vom Dorf in die Grossstadt faehrt, zieht sie ihren guten Zwirn an und putzt sich auf, dass es eine Pracht ist. Und wenn die Staedter sich unglaubig nach ihr umdrehn, verwechselt sie Ver- und Bewunderung und freut sich den ganzen Tag.

Zu diesem Zweck hab ich nun passend zu meinem kurzen grauen Kunstfelljaeckchen einen lila Muff mit Schleifchen geschenkt bekommen. Da bleibt kein Auge trocken. Ich hab gelesen, dass Exzentriker laenger und gluecklicher leben. Und tatsaechlich, wenn ich mir mal wieder einen Kleiderschrankwitz erzaehlt hab (zum Beispiel mein chinaroter Anzug...), laechel ich den halben Tag... Meine Aerztin sagt, dass man mit niedrigem Blutdruck laenger aber ungluecklicher lebt. Also, wenn ich mir nen schrillen Hut aufs blutarme Koepfchen setze, werde ich doppelt so alt werden - und in ausgeglichener Stimmung, da plus und minus sich aufheben.

P.s.: Ein oekonomischer Nachgedanke zum Thema Muff: Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Frau gesehen zu haben, die Muff traegt. Ausser im Spiegel. Wie kann es sein, dass trotzdem Muffs produziert werden und in Geschaeften landen, wenn der Markt exakt aus einer Kundin und ihrer Mutter bestehn?

Donnerstag, Dezember 27, 2007

Eva, ich hab die Kueche in Brand gesteckt!

... weckte mich meine Mutter gestern morgen.

Wie jetzt?

Genau wie ich Dir sage!

In Ghana hab ich gelernt, morgens von null auf hundert in einer Sekunde zu sein, wenn etwa um sechs Uhr morgens unangekuendigter Besuch kam. Deshalb kann ich auch reagieren, ohne wirklich vorher aufwachen zu muessen. Also bin ich aufgestanden, hinter der Mutter hergetrottet, hab mir die Geschichte erzaehlen lassen und wir haben angefangen zu putzen.

Sie hatte den Kamin sauber gemacht, die Asche des Vorabends in den Plastikmuelleimer in der Kueche getan und ist duschen gegangen. Als sie zurueckkam, war die Luft undurchdringlich schwarz und die Flammen schlugen aus dem schmelzenden Muelleimer. Als sie mich weckte hatte sie die Flammen geloescht, die Waende, Decken, Lampen, Schokoladenweihnachtsmaenner, Orchideen und andere Stehruemmchen waren mit Asche bedeckt und es stank ungesund. In zwei Stunden kommen die Fruehstuecksgaeste und los gehts.

Waehrend ich schwarze Plastikfaeden von den Deckenecken wischte, dachte ich an etwas ganz Anderes... Vor zwei Jahren in Burkina Faso haben wir zusammen bei einer Toepferin einen Krug gekauft und sie schenkte uns vier Ton-Koepfe dazu, von denen zwei in Dueren und zwei in Bolga ihre neue Heimat bezogen. Vorgestern stiess jemand hier einen von der Fensterbank, der Kopf zerbrach und in dem Hohlraum fanden wir ein Gewoelle von schwarzen Haaren. In halbem Grusel und halbem Scherz sagte ich zu meinen Eltern: Zusammenkleben, Wolle wieder reinstecken, ich glaub zwar nicht dran aber das sieht aus wie vom Jujumann. Nicht dass der sich noch raecht, weil wir ihn kaputtgemacht haben. Und wie ich so staubsaugte und schrubbte, dachte ich nur: So'n Tonkopf kennt sich mit Feuer wohl aus...

Sonntag, Dezember 23, 2007

Laufkaefer

Deshalb passiert hier nichts im blog. Ich verbringe meine Tage damit, als Laufkaefer in einer Familie von Laufkaefer die Huegel der Eifel und die Strassen der benachbarten Grossstadt auf und ab zu laufen, eiskalte Luft ein- und auszuschnaufen und gluecklich zu sein. Danach sinke ich auf's Sofa und bin zu Hause. Frohe Weihnachten!

Sonntag, Dezember 16, 2007

Schlicht

Wenn mich Leute gut fuettern, frag ich mich gleich: Hat hier vielleicht irgendwer nen Job zu vergeben, so dass ich hierhin umziehn und immer so lecker essen koennte? Das ist nicht unbedingt, was man in klassischen Ratgebern zur Karriereplanung liest...

Lecker essen koennense gut

die Italiener. Da haben wir dann gestern abend gleich mitgemacht. Und ich konnte mal wieder mit Begeisterung beobachten (teilnehmende Beobachtung nennen Anthropologen das), wie wichtig Essen hier ist. Und wie der Wein zwar immer irgendwie dazugehoert und auf dem Tisch steht, aber niemand sich betrinkt. Heute werde ich auf fremder Leute Weihnachtsfeier im Landhaus vor den Toren Roms mitgenommen und werde mich bemuehen, von gutem Essen und gemaessigtem Wein noch mehr teilnehmend zu beobachten.

Und was mich ebenfalls immer wieder erfreut, ist dass man hier nicht sagen muss: "Ich bin Vegetarierin" als waere das eine eklige Krankheit. Gemuese werden ganz nebensaechlich fuer wichtig genug gehalten, dass ich lecker satt werde, ohne ein Salaetchen (s. Chile) auch nur angeboten zu kriegen. Oh la dolce vita...

Samstag, Dezember 15, 2007

Leipzig - Rom (hoffentlich)

Ich sitze auf dem Leipziger Flughafen und warte auf meinen verspaeteten Flug nach Muenchen, von wo ich Anschluss nach Rom haben soll. Zum Glueck haben mich meine Gastgeber ueberzeugt, dass es Sinn macht, schon am Samstag anzureisen, so dass ich am Sonntag Urlauber sein kann, bevor ich am Montag meinen Vortrag halte und am Dienstag wieder abreise.

Spezialist fuer kuenstliche Darmausgaenge (Flughafen Leipzig)

Das ist schon fast wieder charmant, wenn jemand so in seiner eigenen Welt lebt, dass er eine fremde Frau (mich) an der Kaffee-Theke anspricht und gleich im zweiten Satz seinen Beruf (s.o.) offenbart, ohne sich auch nur im Geringsten vorstellen zu koennen, dass das jemand fies finden koennte. Das erinnert mich an meinen imaginaeren Hundekloetenvertreter, der vermutlich mit seiner Profession ebenso unverkrampft umgehn wuerde.

Freitag, Dezember 14, 2007

Mein Tangopelz

Viele denken ja, in Amerika ist alles aus Plastik. Stimmt aber gar nicht. Einer meiner liebsten Tango-Orte zum Beispiel, erinnert mich an die alte Fabrik, in der zu Hause unsere einzige coole Kleinstadtdisco war: Das ist eine alte Lagerhalle an einer Strassenecke, die eine Haelfte ist vor ein paar Monaten abgebrannt, die andere Haelfte wird weiterhin als Kulturzentrum genutzt und Donnerstag Abend ist da Tango. Heizen kann man die Halle leider nicht, obwohl die Tango Leute sich mit Elektro-Oefen so redlich abmuehen, dass regelmaessig die Sicherungen rausfliegen. Hinter der Buehne versteckt stehn zwei Bauarbeiter Dixiklos, denn eine Lagerhalle hat natuerlich keine sanitaeren Anlagen.

Ja und wenn der Winter kommt? Wenn der Winter kommt, braucht Eva einen Tangopelz, der ihr beim Tanzen das Herz waermt. Also hab ich heute zu meiner dicken grauen Kunstpelzrussinnenmuetze ein kurzes graues Russinnenkunstpelzjaeckchen erstanden. Jetzt fehlt mir nur noch der pinkfarbene Lippenstift...

(Oh ja, Tango ist eine gute Entschuldigung, Klamotten zu kaufen, fuer die mein Buerojob nicht wirklich die Entschuldigung liefert)

In Bolga uebern Markt gehn

http://www.youtube.com/watch?v=asUqGmMBGW4
Hier gibt es ein Video, in dem nicht viel passiert. Ausser dass einer mit Kamera in Bolga ueber den Markt geht...

Schwaetzchen zwischen Taxifahrern

 
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Roggenbrot Haiku

Oh Roggenbrot oh
Roggenroggenroggenbrot
mit guter Butter.

Mittwoch, Dezember 12, 2007

Was haben Sie in den letzten drei Jahren gelesen?

Mein Lieblingsbuchhaendler bei Jansen in Bochum zueckt auf diese Frage sein elektronisches Notizbuch, waehrend er sagt: “Ein Buch pro Woche.” Und “Wie war Afrika?” Die Besten aus drei Jahren empfiehlt er mir und nach einer Stunde geh ich breit grinsend und ein Kilo schwerer in Richtung Bahnhof.

Ausserdem zum Grinsen in Bochum: In der U-Bahn zur Uni ist die Ansage von einem Ruhrpottkabarettisten gesprochen und lautet zum Beispiel so:
“Steigen se bitte links aus kommse beim Ahbeitsampt, bei de BOGESTRA, guggense sich einfach selba ma um…”
Oder
“Getz koennense gleich anne naechste Haltestelle schlau werden. Kommema naemlich anne Rua-Univasitaet.”

Auf dem Rueckweg zum Bahnhof freu ich mich schon auf die Ansagen, Pustekuchen, ganz hochgestochen und normal: “Naechste Haltestelle, Markstrasse.”

Noch ne Auslandreise?

Als ich gestern abend in Leipzig aus dem Zug stieg, beobachtete ich mich dabei, genau das gleiche Gefuehl zu haben, wie wenn ich ins Ausland reise. Wie der regelmaessige Leser ahnen kann, reise ich gerne ins Ausland. Und schau mir dann an, wie die Leute so leben: Was sind ihre Sitten und Gebraeuche, was ist genauso wie daheim und was ganz anders. Ich war 13 als die Mauer fiel. Die DDR verschwand als ich grade so ganz langsam anfing, zu verstehen, was es bedeutete, dass es sie gab. Und trotzdem und nach so vielen Jahren fahr ich in den Osten wie ins Ausland. Das gruselt mich. Und ist mir vor allem vor meinen Ossi Freundinnen peinlich. Aber, ob nun In- oder Ausland, ich glaub ich mag's hier und die Sitten gefallen mir.

Bauen in den Himmel

 

das ist von meinen Peking Bildern das typischste...
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In nem ollen Oelfass

 

das mit Kohlen gefuellt auf einem Fahrradanhaenger steht, roesten die Strassenverkaeufer Suesskartoffeln als Wintersnack
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Statt Unterschrift

 

Urspruenglich war das wohl, weil chinesisch schreiben so schwierig ist. Also liessen sich die Chinesen Stempel schnitzen, die sie zum stempeln ihrer Unterschrift benutzten - die koennen aber auch statt des Namens ein Symbol oder ein Portrait des Stempeleigentuemers darstellen. Natuerlich besteht immer die Gefahr, dass jemand den Stempel klaut und ploetzlich bei der Bank und sonstwo unterschreiben kann und so tun, als waere er jemand anders. Deshalb gibt es Leute, die zur Verwirrung der Diebe fuer jeden Zweck einen anderen Stempel haben. Verwirrung der Diebe? Genau, wenn sie nicht aufpassen, tricksen sie sich damit vor allem selbst aus und stempeln bei der Bank mit dem Stempel, der fuer Notarsangelegenheiten gedacht war... Was bedeutet: Wenn jemand den falschen Stempel benutzt, ist er entweder ein Dieb oder ein Schussel oder ein schusseliger Dieb. Dieser freundliche Herr hier ist ein Stempelschnitzer.
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Hauptsache vegetarisch?

 

na dann guten Hunger...
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Vreckskalt

 
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Montag, Dezember 10, 2007

"Riechen die anders als wir?"

Das war eine Frage, die mir mit auf meine Entdeckungsreise nach China gegeben wurde: Wie riechen Chinesen?

Meine Vermutung vor der Abreise war, dass sie weniger Koerpergeruch haben als der typische Europaer, weil ich mal gehoert hab, dass viele Asiaten denken, dass Europaer stinken.

Meine Antwort faellt leider ungewiss aus: Ich weiss es nicht. Erstens ist es verdammt schwierig, zu versuchen die Abwesenheit von etwas zu riechen, also zu riechen ob etwas oder jemand nicht stinkt. Aber das Problem lag eigentlich wo anders: Es ist schwierig die Abwesenheit eines Geruchs festzustellen, wenn ein anderer Geruch die Luft verbraucht.

Also, was ich definitiv gelernt habe, ist dass fauler Mundgeruch weiter verbreitet ist als bei uns. Deshalb habe ich mich bemueht, meine Nase zu verschliessen, so weit das geht und habe wenig ueber weitere Koerpergerueche herausfinden koennen.

Sonntag, Dezember 09, 2007

3000 Konkubinen

 

Meine Fuehrerin durch die Verbotene Stadt war vor allem vom Liebesleben der Kaiser fasziniert und ehrlich gesagt ist das ja auch spannender als lange Listen von Jahreszahlen. Der Kaiser hatte bis zu 3000 Konkubinen und manche hatten das Pech (sagt die Fuehrerin), den Kaiser nur eine einzige Nacht in ihrem Leben zu sehen. Auch ansonsten gab es da wenig Moeglichkeiten, sich anderweitig zu vergnuegen, denn die verbotene Stadt durften sie nicht verlassen, die Diener auf der Insel waren alles Eunuchen und die Soehne des Kaisers mussten die Stadt verlassen, wenn sie 14 Jahre alt wurden. Eine ganze Nacht? Von wegen: Ein Eunuch zuendete ein Raeucherstaebchen an und wenn das halb abgebrannt war, klopfte er zum ersten Mal an die Tuer des Gemachs. Sobald es ganz verbrannt war, war das Schaeferstuendchen vorbei und die Dame durfte sich wieder zu ihren 2999 Kolleginnen gesellen. Die Kaiserin hingegen verbrachte (wenn ich das richtig verstanden habe) nach der Eheschliessung zwei ganze Naechte mit dem Kaiser. Das war's aber dann auch.

Natuerlich gab es unter den Konkubinen die ein oder andere, die das Herz oder auch den Kopf des jeweiligen Herrschers eroberte, ihm jahrelang zur Seite stand, ihn bei den Regierungsgeschaeften berat und, falls die Kaiserin selbst keine Soehne hatte, sogar den Nachfolger gebaeren konnte.
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Kommunal Pipi

 

In der Altstadt ist um jede Ecke eine oeffentliche Toilette. Morgens frueh kann man die Nachbarn beobachten, wie sie ihre Plastiknachttoepfe zum Ausleeren bringen. Wie man sieht, sind die Toiletten halbwegs saubere Loecher im Boden. Aber, wie dieses Bild zeigt: Es zahlt sich aus, an Ghanaischen Sitten geschult zu sein und keine Probleme mit Toilettengesellschaft zu haben.
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Chinenglisch

 

unser studentischer Freund und Fremdenfuehrer war selbst noch nie vorher an der Mauer und konnte uns deshalb etwa so viel erzaehlen, wie wir uns selbst ausdenken konnten. Das war aber auch gut so, denn wenn er uns etwas erzaehlte, mussten wir uns die Bedeutung seiner Worte ohnehin selbst ausdenken. Es ist ganz erstaunlich, wie unterschiedlich die Laute der Chinesischen und der Englischen Sprache sind. Und wenn man versucht, mit den Lauten der einen Sprache die Woerter der anderen auszusprechen... da kann ja nix Gescheites bei rauskommen...
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Mauermusikant

 

typisch chinesisch (oder typisch kommunistisch?) wird die ganze touristisch erschlossene Passage der Mauer von Lautsprechern aus mit chinesischer Plastikmusik beschallt. Aber zwischen zwei Lautsprechern sitzt dieses Maennlein mit seinen Troeten auf denen er ganz schlichte echte Melodien spielt. Und vor sich eine Auswahl besonders edel verziertet Troeten zum Verkauf ausgebreitet hat.
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Tango um die Welt

Ganz ehrlich, ich habe das wirklich getraeumt. Als ich nach meiner Tangonacht in Peking erschoepft ins Bett fiel: Im Tangosalon tanzen alle (theoretisch) ordentlich im Kreis herum, als waeren sie auf eine Schiene montiert, die an den Rand der Tanzflaeche montiert ist. Das nennt sich "Line of Dance" (und hat bestimmt auch einen Deutschen und einen Spanischen Namen...) und ist nicht Teil meines Traums sondern wirklich so. Aber in meinem Traum spannte sich diese Line of Dance um den Aequator und alle meine Kollegen und andere Leute von allen Kontinenten tanzten langsam und genuesslich um die ganze Welt. Das war der Traum.

Die Wirklichkeit: Genauso. Im Oberstuebchen eines Weinlokals waren alle Tische zur Seite geschoben und die Deutschen, Chinesen, Russen, Franzosen, Koreaner, Amerikaner usw. tanzten gemeinsam um die Welt, dass es eine Wonne war. Aber obwohl Tango ein internationaler Tanz ist, tanzen sie doch alle nationaltypisch.

Die Chinesinnen wuerden sich wohl am liebsten noch ne flackernde Leuchtreklame an die Schuhe montieren. Der deutsche Tanzlehrer beklagt: "Die haben keinen Bock hart zu arbeiten, bis sie die Grundschritte ordentlich koennen, sondern wollen gleich die aufregendsten wilden Figuren tanzen, die Beine gefaehrlich durch die Luft schwingen und sich aufregend drehn, Billig-Glamour bis ueber beide Ohren" Womit wir typisch Deutsch und typisch Chinesisch beschrieben haben. Die Franzoesin sagt: "In Paris ist die Tangoszene so was von versnobt, da wuerde sich niemand trauen, auf der Tanzflaeche irgendwas Aufregendes zu machen, weil jeder weiss, dass die anderen am Rand stehn und das ganz genau beobachten. Die Geruechte reisen schneller als der Schall und wenn Du mir jemandem aus der falschen Gruppe tanzt, kratzt das an Deinem Ruf." Und da muss ich an meine multi-kulti Amerikanische Tanzszene denken, wo man allein ausgehn kann und auf jeden Fall aufgefordert wird und gleich alle kennenlernt und wo (zumindest theoretisch) der Bauer mit der Professorin tanzt und man ganz genau hinsehn muss, um den Snobbismus und die Grabenkaempfe hinter der laechelnden Fassade zu sehn.

Eva mit Amerikaner und Chinesen an der Mauer...

 

... die auf dem Bild aber gar nicht zu sehen ist. Muesst Ihr mir schon so glauben...
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Vertrauen ist besser...

Das ist ja schon erstaunlich. Da bin ich mitten in einer Millionenstadt unter wildfremden Leuten, die kein Wort Englisch sprechen und nicht mal die gleichen Buchstaben lesen, wie ich. Aber statt mir Angst zu machen, geben sie mir das Gefuehl, das sei schon ganz ok, mich mit einer Adresse auf nem Zettel und Tangoschuhen in der Handtasche abends in ein Taxi zu setzen und zu sagen: "Dahin bitte". Der Taxifahrer erzaehlt mir ausfuehrlich seine Familiengeschichte oder beschreibt das beste Rezept fuer Semmelknoedel, was weis ich, auf jeden Fall in Chinesisch. Ich ueberlege, ob ich ihm was von Pinguinen erzaehlen soll. Dieweil fahren wir im Kreis und fragen uns beide, wo diese Adresse wohl sein mag. Und ich hab gar nicht das Gefuehl, dass er mich extra verwirrt, damit die Fahrt teurer wird. Als wir endlich die Leuchtreklame des Tangocafes sehn, lachen wir beide vor Erleichterung, er auf Chinesisch und ich auf Deutsch.

Freitag, Dezember 07, 2007

Sehnsucht?

Morgen, Samstag den 8. Dezember komme ich mit Air China (operated by Lufthansa) Flug 6147 um 20:05 in Duesseldorf an. Ob mich wohl irgendwer genug vermisst, um mich am Flughafen abzuholen?

Donnerstag, Dezember 06, 2007

Minus mal minus macht plus

oder: Wer doof ist muss auch Glueck haben (5 1/2stes Gesetz der Thermodynamik, das die Welt ordnet).

Konkret: Wer so verwirrt von der Zeitverschiebung ist, dass er nicht mal weiss, ob Mittwoch oder Donnerstag ist, muss auch so erschoepft sein von der Mauerbesteigung, dass er nicht zu einem Tango-Event faehrt, das an besagtem Abend gar nicht stattfindet.

Heute morgen fragte eine Kollegin ganz erstaunt: "Aber Du sagtest doch, dass Tango am Donnerstag ist?!" Und ich sagte: "Ja genau, gestern... " "Wie jetzt, gestern oder Donnerstag?"

Also, da Donnerstag erst heute ist, hab ich noch eine zweite Chance, tanzen zu gehn und die Kollegin will mitkommen. Jetzt pack ich meine Sachen und checke aus meinem seelenlosen Olympiahotel aus und hoffentlich in folgendem Hotel ein: http://hotel.travelchinaguide.com/beijing-hotels/beijing-lu-song-yuan-courtyard-200610181542270410.htm

Mittwoch, Dezember 05, 2007

Kein Tango

Jaja, es faellt mir leicht, das chinesische Maeuerchen zu beleidigen und zu behaupten, dass ich viel groesser bin als deren Weltwunder. Aber, quasi als Rache, hat mich die Mauer ganz schoen geschafft. Waehrend ein Kollege die ganze Zeit sagte: "Ok, Prinzip Mauer verstanden, ich hab genug." wollte ich die immer gucken, ob es um diese Kurve oder auf der Kuppe jenes Huegels irgendwie anders ist. Man braucht nur einen kurvigen oder huegligen Weg vor mich hinzulegen und ich werde wie der Esel mit der Mohrruebe immer weiter gehn wollen, um zu sehn, was sich wohl an wunderbaren Geheimnissen hinter der Kurve oder Kuppe verbirgt.

Was das mit Tango zu tun hat? Nun, als wir schliesslich von unserer Mauertour im Hotel zurueck waren, war ich so erschoepft, dass einfach keine Energie mehr uebrig war, um mich allein mit meinem chinesischen Stadtplan in ein Taxi zu setzen und an einem fremden Ort anzukommen, wo ich mit unbekannten tanzen wuerde. Statt dessen hab ich mich um sechs Uhr abends mal nur ganz kurz auf's Bett gelegt um mich zu sammeln und bin um halb zwei in der Nacht wieder aufgewacht, um mich schlaflos im Bett zu waelzen und schliesslich zu akzeptieren, dass ich die Zeit ebensogut am Internet nutzen kann.

Schreiben aber nicht lesen

Ist das ein ungewollte Fehler im System oder Politik? Ich kann in meinem blog schreiben aber nicht auf die Seite gehn, wo ich ihn lesen koennte. Wuerde es mich politisch oder moralisch verderben, diesen blog zu lesen? Das koennte schon sein. Aber warum wird mir dann weiterhin erlaubt, Euch politisch oder moralisch zu verderben, dadurch dass ich mehr schreibe? Und was bedeutet das im groesseren Masstab fuer die Chinesen, wenn sie blogs schreiben aber nicht lesen duerfen?

Peking schiesst in den Himmel

Hier wird gebaut, was das Zeug haelt. Vom Flugzeug sieht man, wie die Ebene, in der Peking liegt, in Rechtecke aufgeteilt ist und in jedes Rechteck werden Hochhaeuser wie Legosteine nebeneinander gestellt: Moeglichst viele Leute moeglichst billig mit Beton umgeben. Unser Hotel liegt direkt neben dem neuen Olympiastadion und hier wird natuerlich mit besonders viel Druck gebaut. Wenn man dann in die Stadt reinfaehrt, sieht man glaeserne Hochhaeuser, wo einem nur die Schriftzuege verraten, dass man in China ist: Neben der englischen Schreibweise stehen die Namen Boss, Domino Pizza, Sub-Way und McDonald auf chinesisch. Vor allem die Kollegen, die China vor ein paar Jahren schonmal besucht haben, hoeren nicht auf, mit den Ohren zu schlackern, wenn sie beobachten, mit was fuer einer Geschwindigkeit dieses Land oekonomisch explodiert.

Maeuerchen

Ja, wir haben Ah und Oh gesagt. Und sind ein schweisstreibendes Stueck auf ihr die Huegel rauf und runter gegangen. Und sie ist sicher ein Weltwunder. Aber. Ganz ehrlich. Die chinesische Mauer ist von nahem betrachtet ein unscheinbares Maeuerchen. Herausragend wird sie erst im Kopf, wenn man sich vorstellt, dass sie 6000 km lang ist. Aber vor Ort sieht man ja nur jeweils einen kurzen Abschnitt und da ist sie recht niedrig und nicht besonders breit. Ob sie mich wohl des Landes verweisen wuerden, wenn sie das lesen koennten?

Montag, Dezember 03, 2007

Eva in China

Um zwei vom Flughafen im Hotel angekommen um halb vier war mein Vortrag, also voll die lockere Planung. Weil zwischen Washington und Peking 13 Stunden Zeitunterschied sind, und ich die Nacht davor im Flugzeug wachgesessen hatte, fuehlte sich das an, wie um drei Uhr morgens am Ende der zweiten durchgefeierten Nacht einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten. Von China hab ich bislang gesehn: Flughafen, Autobahn, Hotel, Olympiastadium.

Freitag, November 30, 2007

ganz vorsichtig halb aufatmen....

meine Kollegen schreiben mir, dass das Hotel nur 35 Minuten vom Flughafen ist. Ich atme nur vorsichtig auf, denn noch bin ich nicht losgeflogen...

Gehen Sie zurueck auf Los,

ziehen Sie keine 40000 DM ein...

Sagte ich, dass ich gerne am Flughafen bin? Ja, da lachen sich die kleinen boesen Feen, die einem die Wuensche immer woertlich erfuellen, mal wieder in die Tasche.

Morgens frueh um acht hab ich das Haus verlassen, war frueh am Flughafen, hab eingecheckt, bin durch die Kontrollen gegangen, hab gefruehstueckt und diesen Quatsch ueber "gern am Flughafen sein" geschrieben, dann bin ich ins Flugzeug eingestiegen, hab mich hingesetzt, hab zwei Stunden rumgesessen, in denen das Flugzeug sich nicht bewegte, bis wir schliesslich alle gebeten wurden, fuer einen Moment wieder auszusteigen, hab dann stundenlang in Schlangen gestanden und bin nun, um halb sechs abends wieder da, wo ich heute morgen aufgewacht bin.

Morgen um neun soll der Flug dann tatsaechlich losgehn. Dann werde ich - wenn alles gut geht - Sonntag mittag in Peking sein. Ob ich zu meinem eigenen Vortrag Sonntag um halb vier erscheinen werde oder nicht, haengt dann davon ab, wie weit das Hotel vom Flughafen ist und ob der Flug wenigstens puenktlich verspaetet ist...

Ich bin froh, wenn ich am Flughafen bin


Natuerlich ist fliegen – vor allem Langstrecken – anstrengend und geht einem irgendwann auf den Geist etc. pp. Aber nach anstrengenden Wochen im Buero fuehlt sich das super an, nun am Flughafen zu sein, zu wissen, dass ich mich wie ein Koffer nur von einem Fliessband zum naechsten schieben muss und in diesem Zeit-und-Raum-Vakuum bin, in dem ich mir erlaube, mein Hirn auszuschalten, billige Buecher und schlechtes Essen zu verschlingen und akzeptiere, dass es meine einzige Aufgabe ist, rechtzeitig am richtigen Gate zu sein und kein Gepaeckstueck zu verlieren. Obwohl ich selbst mich auf Kaffee und Wasser beschraenke, ist der Flughafen einer der wenigen Orte, wo ich absolut nachvollziehn kann, dass sich Reisende friedlich und gepflegt schon am fruehen Morgen mit Bier in die richtige Reisestimmung bringen.

Dicker Hund(esack)

Freunde meiner Mitbewohnerin haben einen Hund, der auf Hundeshows gehen wird. Als sie vor ein paar Tagen bei uns zu Besuch waren, erzaehlten sie uns, was da so abgeht. Wusstet Ihr, dass hier nur die Hunde, die fuer Shows und Zuechtung gedacht sind, ihre Maennlichkeit behalten? Und auf den Shows gucken sich die Preisrichter den Hund natuerlich von allen Seiten an… Dazu gehoert auch ein beherzter Griff in die Koeterkloeten. Und weil wir hier im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten sind, wo jeder Mann ein Self-made-man und jeder Hund ein Self-made-dog sein kann, verlassen sich Hundebesitzer nicht einfach auf Zuechtung und natuerliches Wachstum. Wenn Dein Showhund keine ueberzeugende Ausstattung aufweist, gehst Du einfach zum Hundeschoenheitschirugen und laesst ihm dicke kuenstliche Dekohoden einbauen. Ich stell mir vor, die der Vertreter von Hundekunsthoden versucht, eine Freundin zu finden und was passiert, wenn er sagt: “Guten Tag, ich bin Sam, ich mach in Koeterkloeten.”

Es geht los

Die Koffer gepackt, den Flughafenshuttle bestellt, die Stiefel geschnuert, auf nach China!

Donnerstag, November 29, 2007

Idiotensicher?


Mein Tangokontakt in Peking versichert mir: Wenn man diese Karte einem Taxifahrer unter die Nase haelt, gelangt man zum Tango, auch wenn man kein Wort chinesisch spricht oder liest.
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Verfettung vorbei

Meine Morgenzeitung sagt, dass die zunehmende Verfettung der Amerikaner langsam zum Stillstand kommt. 34 % der Amerikaner sind demnach inzwischen uebergewichtig und es ist in der letzten Zeit keine weitere Zunahme (haha) zu verzeichnen. 1980 waren 15% der Amerikaner uebergewichtig. Die Zeitung fragt sich nun, ob das daran liegt dass viele Restaurants inzwischen kleinere Portionen servieren oder dass mehr Leute Sport machen. Und es ist wirklich war, bei meinem ersten Aufenthalt hier war es mir unmoeglich, im Restaurant den Teller leer zu essen, jetzt ist es mir schon mehrfach passiert, dass ich mit einem leichten Hungergefuehl aufsteh. Oder sagt das eher was ueber meine zunehmende Verfressenheit?

Wie auch immer, ich glaube der Grund fuer eine Saettigung des Verfettungstrends ist eher, dass in jeder Bevoelkerung nur ein bestimmter Prozentsatz der Leute es in sich traegt, fett zu werden. Es gibt ueberall Leute, die koennen essen, was sie wollen und nehmen nicht zu. Und es gibt in den meisten westlichen Gesellschaften Leute, die sich niemals erlauben wuerden, zu essen, was sie wollen, und ebenfalls nicht zunehmen. Und, so richtig ueberzeugend ist das Aufatmen dann doch nicht, denn die Tatsache bleibt bestehn, dass jeder dritte dick ist und dass die Dicksten heute viel dicker sind als die Dicksten in den 80ern...

Mittwoch, November 28, 2007

Weil Tango ja letztlich nur gehen ist

vorwaerts, rueckwaerts und zur Seite, kann man zu der unterschiedlichsten Musik Tango tanzen. Es hilft, wenn es entweder einen Vierviertel oder einen Dreivierteltakt hat. Aber bitteschoen, wieviel Musik gibt es denn, die im Siebenachteltakt geschrieben ist. Und ich hab auch schon von Leuten gehoert, die zu Tibetanischen Meditationsgesaengen ganz ohne Takt den schoensten vertraeumtesten Tango tanzten. Trotzdem gibt es bestimmte Nicht-Tangos, die sich besser zum Tangotanzen eignen als andere. Woran das liegt, verschliesst sich mir. Aber wie sich das anhoert (naemlich wunderschoen), koennt Ihr hier ausprobieren:
http://www.demetriusgonzalez.com/tango/bailonga.html

Zum Thema Gehen hat mir mein Tangolehrer gestern als Hausaufgabe mitgegeben, jeden Tag eine halbe Stunde durchs Haus zu gehn. Oder durchs Hotelzimmer oder im Flughafen auf und ab. Obwohl er selber zugeben musste, dass ich im Flughafen vermutlich den ein oder anderen verwirrten Blick ernten werde, wenn ich gemessenen Schrittes rueckwaerts schreite und mich darauf konzentriere, das Gewicht erst im letzten Moment zu verlagern. Ob es reicht, wenn ich mir jeden Tag eine halbe Stunde lang vorstelle, rueckwaerts zu schreiten?

Der letzte Satz war nicht vollstaendig: Ob es reicht, um komplett deppert zu werden, wenn ich mir jeden Tag eine halbe Stunde lang vorstelle, rueckwaerts zu schreiten? Deppert oder erleuchtet... wenn zwischen den beiden tatsaechlich ein Unterschied besteht.

Habe eine Email von Barbara aus Peking bekommen mit einer Anfahrtsskizze zum Tangolokal mit chinesischen Schriftzeichen, so dass ich sie dem Taxifahrer unter die Nase halten kann.

Helfen gute Wuensche?

Ich bin mir da nie so sicher, hoffe aber dass Gutes wuenschen irgendwas in Bewegung setzt. Das hilft, denn was kann ich tun, ausser wuenschen, wenn ich mit meinem ghanaischen Assistenten telefoniere und er erzaehlt, dass seine Mutter seit Monaten krank ist und sie alle moeglichen Tests in Bolgatanga und Accra gemacht haben und einfach nichts finden koennen.

Als ich zum ersten und einzigen Mal richtig Malaria hatte und mir die Krankheit so auf den Geist ging, dass ich nicht wusste, wohin mit mir, bin ich zu ihr gefahren (sie ist Krankenschwester und Apothekerin) und hab mich in der Apotheke auf den Stuhl gesetzt, ihr gesagt, wie ich mich fuehle, einfach nur um zu wissen, ob das normal ist und damit eine muetterliche Frau mir sagt: Alles ist gut, Du musst nur regelmaessig Deine Medizin nehmen, gut essen und noch ein wenig Geduld haben. Danach war alles gut (obwohl mich die Malaria weiter nervte).

Tangokurse in Peking

werden von der golden dancing academy angeboten: http://goldendancing.com/en/showinfo_wd.asp?id=968

Dienstag, November 27, 2007

Ich habe ein Visum fuer China!

Fuer Leute, die mich nicht kennen, hoert sich das nicht an wie etwas, was ein Ausrufezeichen verdient. Eher wie eine Reiseinformation des auswaertigen Amtes:

Bundesbuerger benoetigen zur Einreise ein Visum, das vor der Ankunft eingeholt werden muss.

Aber, diese Reiseinformationen sagen natuerlich nicht, was meine Damen aus der Reiseabteilung mir gestern sagten: Du hast nur noch zwei leere Seiten in Deinem Reisepass. In der Vergangenheit ist das schon passiert, dass die Chinesische Botschaft sich geweigert hat, Visa in volle Reisepaesse zu quetschen. Dann musst Du in die Deutsche Botschaft, zusaetzliche Seiten beantragen, das wird aber vermutlich laenger dauern als bis Freitag, Deine Kollegen mussten ihre Reise schliesslich absagen. (mein Vortrag in China ist Sonntag...)

Ihr koennt Euch vorstellen, wie gut ich letzte Nacht geschlafen hab, immer vor mich hinmurmelnd: Chinamann, Chinamann, lass mich rein...

Nun, grade kam die Nachricht: Gleich kannst Du Pass und Visa im sechsten Stock abholen kommen! Danke Chinamann. Ich werde auch ganz brav sein und aus lauter Dankbarkeit ganz viel Geld bei Dir ausgeben... Versprochen.

Montag, November 26, 2007

Auf der Mauer tanzen?

Wenn man Peking und Tango googled, findet man einen Techno-Club in Peking, der Tango heisst. Und eine email-adresse, die vielversprechend beijingtango@hotmail.com lautet und eine Verbindung zur ca. 200 Taenzer starken Pekinger Tangoszene sein soll. Ich habe ihnen grade eine email geschrieben: "Tanzen Sie zwischen dem ersten und achten Dezember? Und: wie kann ich Sie finden und mittanzen?" Ich bin gespannt.

Tangostunden bezahlen (s.u.)?

Von wegen! Ich komme grade von einem Tango Abend zurueck, der so ganz nach meinem Geschmack war. Zur Tanzstunde waren genau gleich viele Maenner und Frauen gekommen. Plus Eva. Und dem Tanzlehrer hatte seine Tanzlehrerpartnerin kurzfristig abgesagt. Also wurde ich zur Tanzlehrerpartnerin umfunktionniert, musste die Stunde nicht bezahlen und bekam als Gegenleistung danach noch eine Stunde Privatunterricht, waehrend alles um uns rum die gelernten Schritte ausprobierte.

Ha! Hab ich der Welt wieder ein Schnippchen geschlagen und zahle wenig Miete UND nichts fuer meine Tanzstunde. Muss ich morgen gleich in die Stadt gehn und irgendwas Teures kaufen, um die Kohle loszuwerden.

Reich sein

In Ghana war allen klar, dass ich reich bin, das sieht man doch an der Hautfarbe. Selbst wenn alle Ghanaer, die mich zu Hause besuchten, verwirrt waren: "Wie kann jemand, der auch nur den geringsten Selbstrespekt hat, Kohle haben aber keinen Fernseher und auch sonst keine coolen teuren technischen Geraete?" (Die Verbindung zwischen Selbstrespekt und Fernseher hat ein Besucher tatsaechlich gemacht.)

Aber hier? Nun, gestern wurde mir klar, dass ich hier ebenfalls gleich eingeordnet werde. Ein Bekannter lud mich zum Essen ein und begruendete das damit, dass er sich das besser leisten kann als ich. Nun hatte er mir sein Jahreseinkommen im Detail dargelegt (ich hab aber aus Prinzip nicht zugehoert), er hat aber keine Ahnung, wie viel ich verdiene. "Ja," sagt er "aber ich hab gesehn, wie Du wohnst, Du wuerdest ja sicher anders wohnen, wenn Du's Dir leisten koenntest." Ausserdem hat er gesehn, dass ich kein Auto hab und sicher nicht zwei Autos, so wie er.

Das hat in meinem Kopf drei Gedankengaenge angestossen:

1. Als ich zum ersten Mal in dieses Hexenhaeuschen kam und mit Mitbewohnerin / Vermieterin J. Tee trank, fuehlte ich mich sofort zu Hause und spuerte: Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein. Eine Eva-foermige Nische in der Welt. Warum haette ich mir ein grosses leeres Apartment suchen sollen, dass ich dann mit Dingen haette fuellen muessen. So bin ich mit meinen Buechern, Klamotten, Schuhen, einem Messer, einem Kartoffelschaeler, zwei Plaetzchenformen und vier Tellerchen eingezogen und konnte gleich anfangen, zu Hause zu sein. Das fuehrt zu Gedanken 2:

2. Sachen: Mit jedem Umzug hab ich weniger und das fuehlt sich wunderbar leicht an. Was ich zuruecklasse, vermisse ich nicht und muss ich nicht schleppen.

3. Ich weiss nicht, wer von uns mehr verdient und das ist auch unwichtig. Aber ich koennte wetten, dass ich mehr von meinem Einkommen uebrig hab, um es fuer Dinge auszugeben, die mich gluecklich machen. Denn ich muss nicht jeden Monat mein Haus abzahlen und in Stand halten, oder eine horrende Miete, meine Autos versichern, mit Benzin fuellen und reparieren und all diese regelmaessigen Ausgaben taetigen, von dem ich keinen Gluecklichkeitszuwachs mehr spuere. Da zahl ich doch lieber wenig Miete und viel Tangostunden.

(Gedanke 4 in Klammern: Ich glaube, ich bin komisch.)

Sonntag, November 25, 2007

Wo ist zu Hause?

Dong ist einer meiner Tangopartner und kommt aus... Korea? Er ist schon lange in den Staaten und arbeitete frueher als Oekonom irgendwo, wo er vor allem viel Geld hin und her schob. Nebenher hat er schon immer asiatischen Kampfsport unterrichtet, aber irgendwann kam der Punkt, wo er mehr Sinn im Leben brauchte. Inzwischen unterrichtet er Vollzeit und hat ein Projekt gestartet, in dem er Strassenkinder durch Kampfsport zu lernen hilft, in ihrem eigenen Koerper zu Hause zu sein. Er faengt an zu strahlen, wenn er davon erzaehlt, dass jeder sein urspruenglichstes zu Hause immer bei sich hat und niemand, der einen Koerper hat, wirklich heimatlos sein kann. Wenn er mit mir tanzt, spuer ich seinen Sport durch den Tango hindurch. Als wir ihm zusehn, sagt mein Krankenpflegertanzpartner: Siehst Du, wie der nie die Balance verliert und immer weiss, wo sein Koerper ist? Dadurch faellt es ihm ganz leicht so charmante Posen zu tanzen, wo sich der Dame Bein um ihn wickelt und er einen Schritt zuruecktritt, so dass sie diagonal auf ihm lehnt.

Weihnachtszebras


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Fehler...

Da kann man mal sehn, wie unwichtig mir die Religion unserer Politiker ist. Selbst bei dem einzigen, dem ich (s.u.) irgendeine Religioesitaet zuordnen kann, liege ich falsch. Evangelisch, nicht katholisch.

Samstag, November 24, 2007

Nicht kuessen

Der Sohn eines Bekannten hier (Anfang 20) hat sich selbst auferlegt: Kein Kuss vor der Ehe. Kein Kuss!

In Ghana hab ich viel mit Superchristen zu tun gehabt, die immer in die Kirche rannen und staendig von Jesus redeten, aber... Selbst die harschesten Religionen, wenn mit der ghanaischen Mentalitaet verbunden, werden irgendwie weich, quasi katholisch im Sinne von: Erst kommt der Karneval, dann die Beichte am Aschermittwoch, dann kann man von Neuem zu suendigen anfangen...

Andererseits, wenn man sich nun mal ueberzeugt hat, dass die Ehe der einzige Ort ist, wo koerperliche Verbindung zwischen Maennern und Frauen hingehoeren, ist es vermutlich einfacher (und ehrlicher) schon vor dem ersten Kuss halt zu machen. Das macht mehr Sinn, als alle abenteuerliche Akrobatik zu erlauben, ausser Sex im ganz allerengsten fortpflanzungsrelevanten Sinne...

Wenn man die Welt von Europa aus betrachtet, kann man das Gefuehl kriegen, dass Religion sich mehr und mehr zurueckzieht zugunsten eines Mainstreams, der nicht atheistisch ist, sondern sich um Fragen der Religion einfach gar nicht kuemmert... Wenn man dann irgendwo anders ist als in Europa, merkt man, dass man nur in seiner eigenen Suppe rumschwamm. Wenn ich Leuten hier erzaehle, dass es bei uns ein Tabu ist, mit Bekannten zu bereden, was man glaubt, dass wir eher ueber sexuelle als ueber religioese Vorlieben reden, ernte ich Erstaunen.

(waehrend es in diesem blog um persoenliche Details geht, die manchmal ein Licht auf das groessere Ganze werfen, schreiben andere aus entgegengesetzter Richtung. Ueber die Bedeutung der Religionszugehoerigkeit amerikanischer Praesidenten, hier: http://www.opinionjournal.com/columnists/pnoonan/?id=110010893. Meine Gedanken dazu: Ich weiss von einem einzigen deutschen Politiker, welcher Religion er angehoert, Johannes Rau ist katholisch. Ach ja und dann war da noch dieser gruene tuerkischstaemmige Bundestagsabgeordnete, der einen Skandal ausloeste, weil er eine zweite Ehefrau nahm und sich dabei auf seinen islamischen Glauben berief...)

Aufgehoben in der Welt

Thanksgiving war, als waere ich die neue Schwiegertochter in einer Familie, die mich mit offenen Armen empfaengt. Ich war Teil von "die Kinder helfen in der Kueche" und hab mir den Bauch vollgeschlagen.

Gestern kam dann die naechste Feiertagseinladung, die mich ruehrte, obwohl ich sie ablehnen muss. Das ist eine laengere Geschichte. Viel laenger, denn sie beginnt vor 40 Jahren mit einer jungen Amerikanerin, die ein Jahr in Deutschland studiert. Sie war mit meinem Vater und dessen Familie befreundet, zog dann zurueck in die USA und verschwand fuer die naechsten Jahrzehnte in ihrem eigenen Leben.

Vor ein paar Monaten erhielt ein Vater eine email: "Bist Du der, den ich vor 40 Jahren kannte?" Sie plante eine zweite Deutschlandreise und ob sie mal vorbeikommen koennte. Also machte man zwei Tage lang Eifel-Ausfluege und erzaehlte sich das Leben - und dazu gehoerte auch: "Und unsere Tochter ist grade in die Staaten gezogen." "Oh, dann muss sie mal vorbeikommen, ich hab ein grosses leeres Haus (nachdem die Soehne ausgezogen sind) vor den Toren New Yorks..."

Das hat bislang noch nicht geklappt, wir haben ein paar emails ausgetauscht und einmal telefoniert. Gestern schrieb sie dann:

"Ich weiss ja nicht, was Du Weihnachten vorhast, aber falls Du hier bist, bist Du herzlich eingeladen, fuer ein paar Tage zu uns gekommen. Ich erinner mich noch immer voller Waerme an das Weihnachten, das ich mit Deinen Grosseltern verbracht habe und wuerde mich freuen, ihrer Enkeltochter die gleiche Gastfreundschaft zukommen zu lassen."

Freitag, November 23, 2007

Was schoen macht

Passfotos in Ghana machen.

In Schwarzafrika sind die Passportfotografen ganz auf Schwarzafrikaner eingestellt. Deshalb sind die Bilder, die sie von Weissen machen, immer ueberbelichtet, was einem (auf dem Bild) diese falten- und fleckenlose durchscheinende ueberweisse Elfenschoenheit verleiht.

In der Drogerie um die Ecke hat man diese Kunst noch nicht gelernt und deshalb sieht mein Passfoto viel zu realistisch aus und ich bin froh, dass die Chinesen (hoffentlich) ihre Visa nicht nach Schoenheit verteilen.

In manchen Ecken meiner Nachbarschaft

ist die Zeit stehengeblieben. Zum Beispiel beim Uhrendoktor...
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