Dienstag, September 25, 2007

Ein Boot nach nirgendwo...

Posted by Picasa

Brummvogeltraenke

Posted by Picasa

Brummvogel Summvogel

Auf Englisch heisst er Hummingbird, also Summvogel. Er hoert sich an wie so ein Handventilator aus dem 1 Euro Laden. Und wie ebenjener bewegt er die Fluegel so schnell, dass man sie nicht sieht. Ich vermute mal, der Kolibri ist sein Bruder. Ihr kennt den aus dem Fernsehn, wo er wie ein Hubschrauber von einer Bluete zur naechsten manoevriert und in der Luft haengt, waehrend er den spitzen Schnabel in den suessen Nektar taucht. Dieser Brummvogel war das Wunderschoenste meines Regenwaldspaziergangs und hat mein Herz zum Huepfen gebracht. Fotos gibts natuerlich keine, weder vom Brummvogel noch vom huepfenden Herzen, denn manche Dinge kann man einfach nicht fotografieren, weil sie sich zu schnell bewegen...

Elegant verrotten

Posted by Picasa

Blumen des Ekels

In Max Frisch’s „Homo Faber“ gibt es eine Szene, die ich vor 15 Jahren gelesen hab und die mir trotzdem immer noch in den Kopf kommt, wenn ich an Regenwald denke. Und das will was heissen, wo ich doch nen Krimi nach nem halben Jahr wieder lesen kann und mich fragen, wer wohl der Moerder ist. Was mir in Bolga beim Ueberleben geholfen hat, wo der naechste Buchladen 13 Stunden entfernt war. Aber das ist, mal wieder, eine andere Geschichte.

Homo Faber im Regenwald und alles ist heiss und stickig und eklig und der Schlamm sieht aus, wie Menstruationsblut und alles schwaert und gaert und wabert. In den kleinen Eckchen Regenwald, die ich in Ghana gesehen hab, fand ich’s eher schattig, vom Regen sauber gewaschen und zugewuchert. Samstag war ich hier im botanischen Garten und fand alles Homo Faberisch waberisch: Blueten, die in eine Huelle aus Schleim eingebettet sind, der in zaehen Tropfen zu Boden faellt, weisse amoebenfoermige Fruechte, die aussehn wie Gekroese, Kinderkopf-grosse schlangenhaeutige Fruechte, die nach suesslich verrottenden Zwiebeln stinken und ueber allem ein Sirren und Schwirren und Flirren, dass es kaum zu glauben ist. Das Schoene ist, dass ich da nur zu Besuch rumspazier, mich angenehm ekel und nicht verlaufen kann, weil mein kleines Regenwaeldchen eingezaeunt und beschildert ist und nur so tut, als wenn es wild waer...
Posted by Picasa

Im Hippie-Hotel

haben alle komische Frisuren...
Posted by Picasa

Es ist nie zu spaet, ein Hippie zu werden

Die Hippie-Karriere ist da viel flexibler als zum Beispiel die Karriere einer Eisprinzessin oder eines Klaviergenies. Das ist ein unglaublich beruhigender Gedanke (Obwohl ich zugeben muss, dass ich im Herzen sowohl Hippie als auch Eisprinzessin bin...). Denn das heisst, ich kann weitermachen, wie bisher. Aber wenn mir das Leben dieser Art irgendwann gar zu eng wird, gibt es nichts und niemanden, was mich davon abhaelt, irgendwo hin zu ziehn, wo’s schoen ist, genuegend Geld (aber nicht zu viel) hiermit und damit zu verdienen und mich ansonsten darauf zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Natuerlich waeren alle Nicht-Hippies schockiert und wuerden sagen: „Die ist ja so’n richtiger Hippie geworden.“ Aber das wuerde mir dann nichts ausmachen, denn ich waere von Hippies umgeben, und die waeren erfreut und wuerden sagen: „Die ist ja so’n richtiger Hippie geworden.“

Porto Viejo ist so ein Ort, den ich mir fuer diesen Fall der Faelle merken muss. Er ist voll mit netten Leuten aus Ueberall, die lieber nicht mehr in Ueberall hinter dem Schreibtisch sitzen, sondern in der Karibik ein Oeko-Hotel fuehren oder eine Surfschule oder einen botanischen Garten. Braucht hier vielleicht jemand deutsches Brot?

Warum Voltahochwasser schlimmer ist als Elbehochwasser


  1. Die meisten Haeuser sind aus Lehm und haben ein Strohdach. Selbst wenn Dir das Wasser nicht zur Tuer rein und zum Fenster raus laeuft, haben Wind und Regen Dir wahrscheinlich das Dach weggerissen.
  2. In einem armen Land wie Ghana gibt es das meiste nur einmal. Das gilt zum Beispiel fuer Strassen und noch mehr fuer Bruecken. Garu ist die aermste Distrikt Hauptstadt der aermsten Region Ghanas. Weil es hier nur 200 m Teerstrasse und nicht mal Naegel zu kaufen gibt, wohnen die meisten Verwaltungsangestellten im 2 Stunden entfernten Bawku, wo man alles (naja, vieles) bekommt, was es in Garu nicht gibt und wohin man das wenige verkaufen kann, was man in Garu anbaut. Konnte, nicht kann. Denn die einzige Bruecke ueber den Volta nach Bawku hat die Flut schon vor Wochen mitgenommen.
  3. Alle sind Bauern. Was auf dem Feld waechst oder vertrocknet oder wegschwimmt, bestimmt, ob alle essen werden oder hungern. Dieses Jahr ist die erste Ernte auf den Feldern vertrocknet, waehrend die zweite nun ertrinkt. Oder haben die Bauern es geschafft, die zweite Ernte einzufahren, bevor sie wegschwamm?
  4. Niemand hat seine Schaefchen und Zicklein im Trockenen, zum Beispiel auf der Bank. Die armen Bauern benutzen das, was sie in dieser Saison erwirtschaften, um in der naechsten Saison anzubauen. Wenn sie wenig ernten, werden sie das Saatgut aufessen, bevor der naechste Regen kommt.
  5. Natuerlich ist niemand versichert.
  6. Ein Staat wie Ghana ist finanziell und logistisch damit ueberfordert, diesen ganzen Menschen zu helfen und die Strassen und Bruecken schnell wieder herzustellen und niemand weiss, wieviel von der Hilfe, die oben reinfliesst, unten wieder rauskommt.

Im Gespraech mit meiner Chefin meinte ich letztens: Das ist so unfair, dass es immer die Armen trifft. Sie hat meinen Gedanken vom Kopf auf die Fuesse gestellt: Das ist ja der Grund, warum die arm sind.

Montag, September 24, 2007

Natuerlich ist das unfair und so

aber Ihr koennt Euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als mich ein Freund auf Nachfrage beruhigte, dass die Ueberschwemmungen im Norden Ghanas Bolgatanga verschont haben und meine Herzensfreunde da nicht weggeschwemmt worden sind...

Freitag, September 21, 2007

Wochenende am Meer


Es gibt Momente, da macht mich mein Job breit grinsen. Wenn ich zum Beispiel beruflich nach Costa Rica muss (darf) und am Wochenende mal schnell an die Karibik-Kueste fahr, mal gucken, was da so los ist.

Fuer die von Euch, die in Erdkunde auch immer versagt haben, wenn sie auf der Wandkarte ohne Namen die verschiedenen Laender erkennen sollten: Costa Rica ist Teil des duennen Streifens, der Nord- und Suedamerika verbindet und hat deshalb zwei Kuesten, die pazifische im Westen und die karibische im Osten.

Die pazifische Kueste verwandelt sich langsam aber sicher in das groesste US amerikanische Rentner-Paradies ausserhalb der USA. Hier ist immer schoen Wetter, ist nicht weit weg von zu Hause und die Grundstueckspreise sind immer noch niedriger als in Florida. Also kaufen die Amis das Land auf und pflastern die Kueste mit ihren Altersitzen zu. Was soll ich da? Also, auf in die Karibik, nach Porto Viejo.

Denn die Karibik war schon immer wat komisch (was ja bei uns auch in der Familie liegt, aber das ist eine andere Geschichte). Waehrend der Rest Costa Ricas vor allem von Ticos bewohnt ist (so nennen sich die spanisch staemmigen Costa Ricaner) ist Porto Viejo voll von Schwarzen. Und Braunen, Gelben, Weissen... Die Schwarzen kommen aus Jamaika und noch in den spaeten 40er Jahren gab es ein paar Kilometer von Porto Viejo entfernt bewaffntete Strassensperren, wo die Polizei aufpasste, dass sich die Schwarzen nicht in den Rest des Landes ausbreiten. Die Strassensperren sind verschwunden, die Schwarzen breiten sich trotzdem kaum aus.

Dienstag, September 18, 2007

Gut angekommen in Costa Rica

Und meine Kollegen sind noch schlauer als erwartet, deshalb werde ich erst spaeter Zeit haben, Euch zu erzaehlen, wie Costa Rica ist...

Montag, September 17, 2007

Auf Los gehts los!

Jetzt, wo ich weiss, wo ich wohne, kann ich ja guten Gewissens abhauen. Heute nachmittag flieg ich nach Costa Rica. Natuerlich werde ich da die meiste Zeit in einem klimatisierten Buero sitzen und mit sehr schlauen Kollegen komplexe Berechnungen meiner Netzwerkdaten austuefteln. Aber zum Glueck haben Tage ja auch Abende und Wochen haben Wochenende. Also besteht die Chance, dass ich meine Nase in eine Blume stecken oder einen fluechtigen Blick auf kristalklares Meer werfen werde. Eine Kollegin besteht darauf, dass ich in den Urwald geh, wo sie in den Baumkronen so was installiert haben, was wie eine Spielplatz-Seilbahn fuer Grosse ist, wo sie einen festschnallen und anstupsen und Fuiiiiiiih gehts durch die Baumkronen... In Chile ist es leider vreckskalt. Aber vielleicht kann ich da ja einen Berg ansehn oder wieder den berittenen Bauern mit Bolerojaeckchen und Kaeseschachtelhueten nachschmachten. Oh, mein Leben ist aber auch hart und stressig...

Sonntag, September 16, 2007

Nicht cool. Nicht aus dem Katalog. Sondern zu Hause


Ich lache ueber mich selbst und darueber, wie ich gerne waere: Ich waere gerne n cool chick (kaltes Huehnchen?) das im wilden Ausgehviertel wohnt, in nem Haus voll mit ebenfalls coolen Typen. Ich waere gerne jemand, der grade aus dem Habitat Katalog entsprungen ist und im perfekt eingerichteten Haus lebt, ohne Spuren zu hinterlassen.

In dem Lachen (ueber mich) ist viel Erleichterung drin, denn obwohl ich gerne der Kaiser von China waere, hab ich schliesslich ein Haus gefunden, das nicht cool ist und nicht aus dem Katalog und in einer gruenen Wohngegend neben der katholischen Universitaet liegt und das tatsaechlich so aehnlich auch in Lueneburg bewohnt werden koennte. Meine Mitbewohnerin und Hausbesitzerin Jenny arbeitet fuer eine gute (ethisch) PR Agentur (die Werbung fuer Umweltschutz und demokratische Kandidaten macht), pflanzt in ihrem Garten suedamerikanische Guerkchen die so gross sind wie Stachelbeeren und Trauben, die nach Italien schmecken. Sie kriegt alle zwei Wochen die Gemuesekiste (ungelogen!) von dem Teil einer Biofarm, den sie gekauft hat und was sie von meinen typischen Lueneburger Oekos am meisten unterscheidet, ist dass sie das Leben trotzdem locker sieht.

Wir gingen gestern auf meiner Haustour durch ihren Garten und sie erzaehlte, dass ihr bester Freund in dem Haus da drueben wohnt und Chili Schoten anbaut. Was weiss ich warum, das war der Moment, wo ich dachte: Hier will ich wohnen und mir nicht noch mehr Wohnungen ansehn... Das war so normal und verwurzelt.

Was an dem Haus ganz un-Washington ist, ist dass alle Moebel und Sachen so aussehn, als haetten sie eine Geschichte und seien Stueck fuer Stueck in diesen Haushalt gekommen. Ganz viele Moebelstuecke mit ganz vielen Schubladen. Eigenartige Strassenschilder. Hundert Zettel am Kuehlschrank. Zwei fette scheue Katzen. Zu Hause.

Und, nachdem ich mich auf mindestens 1000 US$ im Monat eingestellt hatte, sind 675 gradezu ein Schnaeppchen.

Tataaaaa!

Posted by Picasa

Meins!

Posted by Picasa

Schubladenschraenke

Posted by Picasa

Stachelbeerguerkchen

Posted by Picasa

Und aus Ghana berichtet die Presse nichts Gutes...

"Accra (AFP) - Bei Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen sind im Norden Ghanas mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Regierung am Freitagabend in Accra mitteilte, mussten durch die Fluten mehr als 260.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. "Wir haben ein riesiges Problem, das wir dringendst anpacken müssen", sagte Informationsminister Oboshie Sai-Coffie. Die Menschen seien in Kirchen und Schulen untergebracht. Präsident John Kufuor sagte bei einem Besuch in der betroffenen Region, die Regierung werde 67 Millionen Dollar (knapp 48 Millionen Euro) Hilfe zur Verfügung stellen. Auch Vertreter des Roten Kreuzes wollten das Gebiet besuchen."

(fuer die von Euch, die Englisch lesen, ist es hier ausfuehrlicher:
http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=74278)

Als ich heute so am Capitol vorbeischlenderte...


Ist das nicht eine wunderbare Angeberueberschrift?! I love it! Also, da sah ich Massen schlecht gekleideter rotgesichtiger Amerikaner die grosse Fahnen schleppten und sich unter dem Motto "Kaempfen fuer den Sieg!" zu einer nationalen Tour zur Unterstuetzung unserer Truppen befanden. Es gibt sie also wirklich. Echt und zum Anfassen: Bush-Unterstuetzer. Kriegs-Befuerworter. Seit fast drei Jahren besuche ich Washington uns nie sehe ich normale (normale?) Menschen, die sich oeffentlich dazu bekennen... Hier sind sie. Und sie ergeben sich nicht. Und hoffen auf den Endsieg
Posted by Picasa

Wir ergeben uns nicht den Terroristen!

Posted by Picasa

Das Boese zuckt mit der Achsel?

Dass viele Bush Unterstuetzer aus dem Sueden kommen - und auch fuer diese Demo weit angereist sind - ist ja weit bekannt. Was mich heute aber verwunderte, ist dass so viele aussehn wie Rocker. Also nicht wie Rockstars, leider. Sondern wie diese Kerle gehobenen mittleren Alters, die auf ihrer Lederjacke behaupten, dass sie Harley fahren und die offensichtlich kein Geld beim Friseur oder im Fitnessstudio verschwenden. Warum?
Posted by Picasa

Die Guten waren auch da


Und ihr Bus forderte den Kongress auf, Rueckgrat zu zeigen, Bush des Amtes zu entheben und den Krieg zu beenden.
Posted by Picasa

Freitag, September 14, 2007

Enkelkind Edwin

Posted by Picasa

Mutter Mary

Posted by Picasa

Was mir fehlt

(n Baby am Po)
Posted by Picasa

Sicherheitsrisiko


Heute hab ich gesagt: „Ok, ich will hier einziehn.“ Und die Vermieterin hat gesagt: „Sobald Du willst!“ Und wir haben uns beide gross angegrinst, nachdem wir die ganze Haustour ueber unsere Reisen nach Afrika und den Rest der Welt und das Leben an sich geredet haben. Dann fiel ihr ploetzlich ein: „Oh. Moment. Ich muss unsere Mitbewohnerin anrufen, ob das ueberhaupt moeglich ist, Du bist Deutsche Staatsbuergerin, oder?“ Die Mitbewohnerin arbeitet fuer das Pentagon in einer dieser Hochsicherheitsstufen, wo sie internationale Geiseldramen loesen und so. Und der Anruf klaerte: Sie darf nur mit amerikanischen Staatsbuergern zusammenwohnen, ich bin ein Sicherheitsrisiko. Also: Gehen Sie zurueck auf Los, ziehen Sie keine 4000 DM ein...

Donnerstag, September 13, 2007

N dicker Hund oder Klaustrophobie und politischer Korrektheitsterror


Gestern hab ich ein verwunschenes, mit Bauhaus-Porzelan, Buechern, Moebeln usw vollgestopftes Haus einer Fotographin besichtigt, die fuer 9 Monate in den mittleren Osten geht und das Haus an zwei Herren namens Mike vermietet, die noch eine dritte Person suchen. Waehrend sie mich rumfuehrte, erzaehlte sie mir ihre halbe Ungarische Familiengeschichte plus die Geschichte der meisten Gegenstaende im Haus, was eine gewisse Zeit in Anspruch nahm. Ich lobte und lobte das Haus und alles, was sich darin befand und erst ganz am Ende der Tour erinnerte sie mich daran, dass der fette Hund ohne Manieren, der uns die ganze Zeit verfolgte, wenn er nicht grade Muelleimer umstuelpte und Sachen kaputt-biss, dass diese Toehle ein Teil des Deals ist. Der Hund reist nicht in den mittleren Osten, sondern bleibt unter der Aufsicht der neuen Mieter. Nun muss ich ueberlegen, wie schoen ich das Haus wirklich finde, wie kompromissbereit ich bin, wenn es um das kaputtkauen meiner Schuhe geht und wie verzweifelt ich schon bin.

Das zweite Haus gestern hatte 4 Zimmer, die von 6 Studenten bewohnt werden, die total tolerant sind in Bezug auf Rasse, sexuelle Orientierung usw (sagen sie) aber dem neuen Mieter einen Fragebogen geben, in dem sie seine politischen Ueberzeugungen abfragen. 7 qm fuer 800 Dollar und ich fuehlte mich etwa 100 Jahre alt und superkonservativ im Vergleich zu den potentiellen Mitbewohnern.

Mittwoch, September 12, 2007

Schuhkartons

Ich steh ja voll auf Schuhe und hab die unbequemsten Modelle in allen erdenklichen und unerdenklichen Farben. Obwohl ich die geplanten goldenen Prinzesschenschuehchen dann doch nicht aus Ghana mitgebracht hab.

Aber.

Das heisst noch lange nicht, dass ich mir wuensche, in einem Schuhkarton zu wohnen!

Die erste Wohnung, die ich in Washington angesehn hab, lag im duesteren Erdgeschoss auf den Hof raus und nachdem ich durch den Flur gegangen war, suchte ich nach dem Zimmer... nur um zu realisieren, dass der Flur das Zimmer war und die Tuer nur in einen Wandschrank fuehrte! Na wenigstens kostete die Bude 1350 US $ kalt im Monat und auf dem Weg dahin sind mir selbst tagsueber n Haufen eigenartiger Gestalten begegnet und an der Ampel gruesste mich n Gangsta aus dem verbeulten Zuhaelterwagen, so dass ich vor Schreck beinah vor sein Auto gestolpert waer. Freundliche Nachbarschaft.

Jetzt schliess ich meinen Computer, beende den Arbeitstag und geh mir zwei WGs ansehn. Denn offensichtlich macht es in dieser Stadt nicht nur fuer Studenten Sinn, Haeuser und Wohnungen (und Mieten) zu teilen.

Dem einen sein Schnitzel ist dem andern sein Ekelpaket

Ach niemand versteht, wie praktisch Ghanaer die Probleme loesen, unter denen der Rest der Welt leidet. Meine Kollegin aus Lima erzaehlt mir von ihrer schrecklichen ersten Woche in Washington, wo sie im Ausgehviertel Adams Morgan wohnte und in einer Woche drei fette Ratten sah. Waehrend sie in ihrem ganzen Leben in Lima niemals eine einzige gesehen hat. Die ganze erste Woche dachte sie an Ratten und zu Hause und heulte ohne Unterlass. In Ghana haette sie das Problem auch nicht, da Ghanaer Rattenfleisch so gerne essen, dass sie nicht warten, bis die Viehcher fett werden. Hm. Warum sagt meine Kollegin jetzt nicht: Wow, super, ich glaub ich zieh nach Ghana!!!

Kann etwas ein Schock sein, das man erwartet?


Rueckkehrer-Kulturschock ist ein Biest, das ich erwartet hab. Ich wusste, es wuerde nicht hoeflich an der Tuer klopfen und warten, bis es reingelassen wird, sondern die Tuer gleich mit dem eigenen Schluessel oeffnen. Ich bin ja schon frueher aus afrikanischen Laendern in meine Heimatkultur zurueckgekehrt, ich hab Freunde beobachtet, die monatelang wie gelaehmt ihr Leben zu Hause nicht in die Hand nahmen oder sich ueber alles aufregten. Ich hab sogar darueber gelesen: Der Kulturschock nach der Rueckkehr kann so viel krasser sein, weil er einen hinterruecks und unerwartet trifft, wo man doch dachte, dass man einfach nur nach Hause kommt und alles ist klar.

Ihr seht, hinterruecks kann mich gar nichts treffen, ich bin bestens gewappnet Und so verbringe ich meine Tage fleissig im Buero, als waer ich normal und funktionniere hervorragend. Und jede Nacht traeume ich, dass ich ploetzlich stumm bin, aber eine wichtige Aufgabe zu erfuellen hab (zum Beispiel afrikanische Kinder auf einen Ueberlandlastwagen schmuggeln), oder ich bin irgendwo, wo ich die Sprache nicht spreche, oder meine Haende sind mir gebunden, waehrend ich durch ein fremdes Land reise. Die Traeume sind so schlicht und eindeutig, dass sie schon langweilig sind und schreien mir ins Gesicht: „Eva! Tu nicht so! Du hast Rueckkehrerkulturschock! Fuehl das gefaelligst!“

Dienstag, September 11, 2007

Amerikanische Brueste

Wenn ich hier in Washington durch die Strassen geh, stellen sich mir viele Fragen. Zum Beispiel:
Ist das noch normal?
Tun die hier Hormone ins Essen?
Tut das nicht weh?
Finden Maenner das schoen?
Kann man dazwischen ersticken?
Ab welcher Groesse gelten Brueste als Koerperbehinderung?
Duerfen die dann umsonst Bus fahren?

Sonntag, September 09, 2007

Angekommen?

Die Haelfte der Zeit fuehl ich mich ganz normal, schliesslich war ich schon so oft in Washington zu Besuch, dass ich mich hier relativ heimisch fuehle. Die andere Haelfte fuehl ich mich wie ein Fleck auf einer weissen Tischdecke.

Gestern stand ich bei Starbucks in der Toiletten-Schlange und kam mit einem Maedchen ins Gespraech, das sich darueber aufregte, dass so wenig Geschaefte Toiletten fuer ihre Kunden haben und wie sehr man da in Bedraengnis geraten kann. Ich erzaehlte, wie seltsam das fuer mich ist, da ich grade aus einem Land komme, wo jeder ungefragt ueberall hin pinkelt und sie war voller Entgeisterung, Ekel und Mitleid: Wie unhygienisch und die koennen sich doch oft nichtmal Schuhe leisten und laufen dann barfuss da rum und kein Wunder dass die immer diese ganzen Krankheiten kriegen, was hat Dich denn dahin verschlagen?

Und natuerlich stimmt das alles. Ueberall hinpinkeln ist unhygienisch. Viele Ghanaer sind arm und laufen barfuss. Es gibt in Ghana viele Krankheiten, die weitverbreitet sind und ueber Urin und Faekalien uebertragen werden.

Warum hatte ich trotzdem das intensive Gefuehl, nicht verstanden worden zu sein? Vielleicht liegt die Antwort in der Frage, was mich denn an diesen scheusslichen nach Pipi stinkenden Ort verschlagen hat... den ich von ganzem Herzen vermisse.

Donnerstag, September 06, 2007

Eva’s last minute Reisen


Morgen frueh soll’s losgehn, Direktflug Accra – New York. Heute hab ich das Haus in Accra voller kleiner starker Maenner, die mein Leben in Kisten packen und mit Klebeband verschnueren. Mein Mitbewohner ist ein Superplaner und schlaegt die Haende ueber dem Kopf zusammen, dass jemand so mit seinem kleinen Herzchen beschaeftigt sein kann, statt Wochen vorher alles Organisatorische geregelt zu haben.

Ich druecke mir selbst die Daumen, dass ich ihm heute Abend sagen kann: Siehste, so klappt’s auch und passe inzwischen auf, dass sie die richtigen Haelften davon nach Deutschland und in die USA schicken. Wie schoen, von professionellen Umziehern umgeben zu sein – nicht nur, weil die mir das Schleppen abnehmen, sondern auch, weil das fuer die nicht traurig ist, sondern Alltag. Und so trage ich weiterhin mein Alltagsgesicht in der Gegend rum und tu so, als sei das normal.

Mittwoch, August 29, 2007

Ekel-Haft


In meinem Kopf gibt es ein Gefaengnis und wer sich nicht benimmt, fuer den gibt es Haftverschaerfung. Die Moeglichkeiten sind nahezu endlos. Natuerlich gibt es Einzel-Haft. Aber viel schlimmer sind Ekel-Haft, Laster-Haft und Grauen-Haft. Gestern war ich fuer ein paar Minuten in Ekel-Haft und ich kann Euch sagen, ist ganz schoen fies da.

Ich kam von Marys Haus, das mitten in den Hirsefeldern liegt, die gleichzeitig allen Anwohnern als Toilette dienen. Was normalerweise egal ist. Aber Mary begruesste mich: „Ich dachte nicht, dass Du kommst, es wird doch gleich regnen.“ In dem Gedanken, ich koennte den Schauer aussitzen, wartete ich so lange, bis es stockdunkel war und alle Trampelpfade knoecheltief ueberschwemmt. Ueberschwemmt mit dem Wasser, das schoen von den Hirsetoiletten abfloss. Da kann ich nur sagen: Danke Schwester P. dass Du mir Deine Platteau-Sandalen vererbt hast, womit ich wenigstens die mitteltiefen Pfuetzen halbtrockenen Fusses durchqueren konnte (Wusstet Ihr, dass Schuhe mit Absatz urspruenglich fuer diesen Zweck erfunden wurden? Um in den Staedten ohne Kanalisation trockenen und unbeschmutzten Fusses von der Haustuer zur Kutsche zu kommen.). Ich eilte im prasselnden Regen zurueck zum Auto, fuhr zuegig nach Hause und hatte grade den Schluessel in der Tuer, da stand ich auch schon in der Dusche, um meine Fuesse zu schrubben.

Hoechstwahrscheinlich war das ein aeusserst anstaendiges kleines Wuermchen, das seinen Lebensunterhalt mit ordentlichem unterirdischem Graben verdient und nur durch reinen Zufall an meinem Fuss haengengeblieben war. Und nicht einer dieser Parasiten, die sich unter die Haut setzen und dann langsam, Tag fuer Tag ein Zentimeterchen, rausgezogen und auf eine Spule gewickelt werden muessen, die man am Knoechel traegt, immer befuerchtend, dass man vielleicht zu hart gezogen hat und das Vieh abreisst und die andere Haelfte im Fuss steckenbleibt. Und natuerlich (natuerlich?) war dieser Kerl allein unterwegs und hatte nicht eine ganze Familie mitgebracht, die es sich schon unter meiner Haut gemuetlich gemacht hatten, waehrend sie auf den Nachzuegler warteten...

Ekel-Haft ist uebrigends die Strafe fuer eine zu ausgepraegte Vorstellungsgabe. Und zu detailliertes medizinisches Wissen...

Montag, August 27, 2007

Wenn schon, denn schon blond


Also, wenn schon Autounfall, denn schon so richtig unnoetig und bloedsinnig. Wie waer’s damit: Nach einem fettigen Mittagessen (wenn’s regnet kann keiner gut ueberm Feuer kochen), das uns allen vom Abschiedsschmerz eh schwer im Magen liegt, in mein Auto steigen und mit Schmackes in das hinter mir geparkte Auto fahren, so als waer’s gar nicht da gewesen.

Und dann rausfinden, dass der Besitzer es heute zum ersten Mal ausfuehrte, es noch nicht abbezahlt ist und genau die Art von gebrauchtem BMW, den sich ein Beamter hier kauft, um sich einen Traum zu erfuellen, der so grade ausserhalb seiner Moeglichkeiten liegt. Der Besitzer war so geschockt, als waere ich gegen ihn und nicht gegen das Auto gefahren und konnte mich nichtmal ordentlich anbruellen. Das uebernahm etwas halbherzig sein Kollege.

Als wir gemeinsam bei der Autoschrauberei ankamen, erinnerten sich die Schrauber, dass ich die bin, die vor nem Jahr mit diesem Bruellaffen von Unfallgegener hier war, der mir hinten rein gefahren war und trotzdem dachte, er koennte mir die Schuld anhaengen. Woraufhin ich schliesslich mit den Jungs den Deal machte, dass sie mein Auto gratis zurechtbogen und auf seine Rechnung den entsprechenden Betrag aufschlugen.

Heute war die Schuldfrage etwa genau so eindeutig, nur umgekehrt, man kann ja nem parkenden Auto nicht wirklich Mitschuld geben. Also ging’s nur darum, ob und wie wir die Ersatzlampen guenstig bekommen. Und da konnte ich noch einmal meine Probleme so loesen, wie ich die meisten Problems in den letzten zwei Jahren geloest hab. Douglas anrufen. Und ihm noch einmal dabei zusehn, wie er souveraen und respektvoll die Sache in die Hand nimmt.

Erwartet das Leben tatsaechlich von mir, dass ich von nun an meinen Alltag wieder selber in die Hand nehme?

Das Hundebaby


sieht mit drei Monaten schon verdammt eindrucksvoll aus und geht mir bis zu den Knien. Seine riesigen Fuesse (Wachstumspotential) lassen mich vermuten, dass man in unserem Haus in Accra in Zukunft nicht mal mehr die Tueren abschliessen muss, so gross ist der Bogen, den Diebe um unseren Garten machen werden.

Das Leben hoert nicht auf, bloss weil ich den Kopf unterm Kissen hab

Mein liebster Kollege hat mich grade begruesst (Wilkommen in Bolga) und mir erzaehlt, wie er die letzte Woche verbracht hat. Seine Frau ist krank und musste operiert werden. Zum Glueck nicht im Regionalkrankenhaus hier, anscheinend gibt es im Distriktkrankenhaus in Bongo einen Experten. Da sind die Krankenschwestern aufmerksamer und hoffentlich nehmen die Aerzte ihren Job ernster.

Was aber letztlich gar nichts bedeutet, wenn... Ja, stellt Euch vor, Ihr steht vor dem Operationssaal, wo sie an dem Menschen rumschneiden, den Ihr liebt und dann faellt der Strom aus. Und als sie endlich den Generator anschmeissen, ist der auch nicht stark genug, um wirklich einen Unterschied zu machen.

Vielleicht ist das sogar eine Situation, die man in Ghana eher ueberlebt, als zu Hause. Denn erstens sind die Leute hier so gewoehnt an Stromausfaelle, dass sie nicht mal mehr ueberrascht sind. Dann ist eine Operation hier immer noch eine ziemlich handwerkliche Aktivitaet, mit Skalpell, Tupfer etc und nicht vielen Kisten die Piepsen. Und wenn das nicht hilft, sind die Ghanaer so ueberwaeltigend religioes, dass sie ihr Schicksal ohnehin nicht in die Haende eines irdischen Oberarztes legen und ihr allmaechtiger himmlicher Oberarzt operiert ohne Strom...

Die Frau ist wohlauf.

Gefuehlsgelaehmt

Am liebsten wuerde ich mich in meinem Bett verkriechen, Bettdecke ueber den Kopf ziehen und Romane lesen und erst wieder rauskommen, wenn irgendwer mich nach Washington umgezogen hat, samt Bett und Decke.

Gleichzeitig: Am liebsten wuerde ich keine Sekunde mehr schlafen und mit grossen wachen Augen und offenem Herzen diese letzte Woche in Bolga in mich aufnehmen, so viel Zeit wie moeglich mit meinen Lieblingsghanaern verbringen, meinen Enkelsohn an Haaren und Zehen ziehn, damit er schneller waechst und ich das Gefuehl haben kann, ihm beim Aufwachsen zusehn kann.

Was ich in Wirklichkeit tu? Die meiste Zeit benehm ich mich, als sei das nur eine weitere von so vielen Wochen in Bolga – nur dass ich zwischen stundenlangem Normal-Tun ab und zu mein Buecherregal aussortiere, oder mit Marys Baby im Arm so tu als waere das Wasser auf meinem Gesicht Schweiss...

Mit diesem Blog geht’s mir genau so. Einerseits moechte ich Euch lustige Geschichten von unserem neuen Hund in Accra erzaehlen (Stellt Euch vor, der findet Deutsch viel besser als Englisch und liebt mich immer doppelt so sehr, wenn ich in meiner Heimatsprache mit ihm rede usw usf...) und herzzerreissende Geschichten von Mary. Andererseits... ja, andererseits liege ich doch gelaehmt in meinem Bett unter der Bettdecke und wenn ich nicht ueber Abschiedsgeschichten schreibe, passiert das alles vielleicht jemand anderem und nicht mir?

Und dann brauch ich mir auch keine Gedanken darueber zu machen, was mit „Evainghana“ passiert, wenn Eva nicht mehr in Ghana ist...

Mittwoch, August 22, 2007

Ganz viel zu lesen ueber Afrika gibt es hier:

http://www.zeit.de/themen/international/afrika/index

Kennt Ihr diese kleinen boesartigen guten Feen?


Man wuenscht sich was (zum Beispiel Regen) und vergisst, drei Seiten Kleingedrucktes hinzuzufuegen, und sie lachen sich eins in kleine Faeustchen "Hihihi, Regen sagst Du? Kannste haben!" Und wenn Deine ganze Maisernte ueberschwemmt ist und Du klagst, dass Du das doch gar nicht so gemeint haettest und eigentlich nur an einen Schauer hier und da gedacht hattest, gucken sie Dich mit grossen blauen Augen an und tun ganz unschuldig: "Ach so... Das haettest Du sagen sollen..."
Posted by Picasa

Zwei neue Mitbewohner in Bolga

Posted by Picasa

Mehr Nachwuchs

Heute kommt mit dem Flugzeug aus Suedafrika unser neues Wachhundbaby an - ein betaeubtes unbegleitetes Gepaeckstueck. Ueberall gibt's also Babys, denen man beim Aufwachsen zusehn kann, und ich verschwinde.

Dienstag, August 21, 2007

Montag, August 20, 2007

Weltstadt Dueren

Wir koennen stolz sein, unsere Heimat ist in allen Zeitungen! Warum? Weil ein Duerener einem Juelicher ein halbes Ohr abgebissen hat. Da wird Weltgeschichte gemacht. Alte Stammeskonflikte flammen wieder auf und die Welt schaut zu...

Nachzulesen unter http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,500740,00.html

Samstag, August 18, 2007

Der Teufel scheisst auf den groessten Haufen…


In einem Dorf in Tansania, erzaehlte uns eine Ghanaerin gestern, gab es keine Toiletten und alle Bewohner hockten sich statt dessen grade neben ihre Haeuser. Es ist nicht verwunderlich, dass in diesem Dorf Durchfall und alle moeglichen faekal uebertragenen Krankheiten besonders verbreitet waren. Entwicklungshelfer kamen in das Dorf, sahen das Problem und wussten, das ist ganz einfach zu loesen. Sie bauten Latrinen.

Als sie nach ein paar Jahren wiederkamen, um den Erfolg des Projektes zu begutachten, waren die Latrinen noch voll funktionstuechtig und sehr sauber. Das lag vor allem daran, dass die Menschen immer noch rund um ihre Haeuser kackten und die Latrinen nicht benutzten. Als die Helfer versuchten, rauszufinden, wo bitteschoen das Problem liegt, lernten sie Folgendes: Jeder wuenscht sich, dass um sein Haus herum besonders viel gekackt wird, je mehr Exkremente sich um Dein Haus tuermen, desto mehr Frauen wollen Dich heiraten. Schliesslich ist offensichtlich, dass Du Deine vorhandenen Frauen hervorragend fuetterst. Warum also wuerde irgendwer dieses Zeichen von Reichtum in einem Klo verstecken wollen?

Waehrend die Seminar-Teilnehmer lachten, meinte einer: „Aber das ist in Ghana doch ganz aehnlich. Wenn Du zum Haus des Chiefs von Paga gehst, siehst Du, dass sich davor der Muell nur so auftuermt. Also weiss jeder, der zu diesem Haus kommt, der Chief kann es sich leisten, so viel Muell zu produzieren!:

Mittwoch, August 15, 2007

Im Vorbeigehn aufgeschnappt


Gestern wurde in Bolga ein Bus voller Kinder angehalten, die alle fuer den Verkauf in den Sueden vorgesehen waren. Die ganze Busladung sass nun in der Polizeistation rum. Die Kinder kommen alle hier aus der Umgebung, wo genuegend Leute arm und verzweifelt genug sind.

Aus den Nachrichten


Vor ein paar Wochen fanden sie in Accra ein junges Maedchen, das unter die Sitzbank eines Mercedes Busses gekettet war. Sie war aus Wa im aeussersten Nordwesten des Landes davongelaufen, weil ihre Eltern sie einem Mann versprochen hatten, den sie nicht heiraten wollte. Nun hatten Familienmitglieder sie gefunden und wollten sie so gut verpackt ihrer rechtmaessigen Verwendung zufuehren.

Die Story war tagelang auf der ersten Seite aller Zeitungen und alle schrien entsetzt auf. Das war aber auch mal ne coole Story, die all unsere voyeuristischen niederen Instinkte anspricht und das Foto, wo sie die Ketten durchsaegen, hat etwas an sich, dass man es nur anstarren will. Andererseits will ich mal nicht zu zynisch sein, denn die Tatsache, dass das so eine gruslige Sensationsstory ist, hat dafuer gesorgt, dass das Thema Zwangsheirat in der oeffentlichen Diskussion in den Vordergrund gerueckt ist.

Hemmungen (ich) – keine Hemmungen (er)


Also der Radiomann kennt echt keine Hemmungen, jetzt wo er sich nicht mehr vor mir verstecken muss, weil ich dem Sender erlaube, seine Schulden in Radiozeit statt in Silberdollars zurueckzuzahlen. Heute morgen war ich im Radiosender, weil meine neue Mitbewohnerin da gerne ein Praktikum machen wuerde. Da traf ich Radiomann, der seine ueblichen Loblieder auf mich sang (Worte kosten nix...), um dann weiterzusaeuseln: „Eva, ich wollte sowieso in Dein Buero kommen, denn ich brauche Deine Hilfe! Wir wollen eine website starten und dafuer muessen wir etwas bezahlen und zwar mit Kreditkarte und ich wollte fragen, ob wir dafuer Deine Kreditkarte benutzen koennten?“ In mir schrie eine laute Stimme: „Hae???“ Waehrend ich versuchte, mein Gesicht unter Kontrolle zu halten und ihn nicht zu fragen, ob er se noch alle im Oberstuebchen hat und wie er auf die Idee kommt, dass ich JEMALS das Beduerfnis verspueren koennte, ihm nochmal zu helfen oder gar meine KREDITKARTE anzuvertrauen. „Nein, tut mir leid, weisst Du, ich hab gar keine Kreditkarte“, war meine halbwegs Ghanaische Antwort.

Im Buero hab ich mich mit meinem Kollegen darueber unterhalten, der meinte: „Du haettest sagen sollen, dass Du das machst und auf Vorauskasse bestehn und sobald Du das Geld in den Haenden hast, freundlich laecheln und sagen: Oh, grade faellt mir ein, dass Du mir ja auch noch Geld schuldest, danke fuer die Rueckzahlung! Und tschuess...“

Eine Minute lang dachte ich: Clever. So’n Mist, dass ich behauptet hab, keine Kreditkarte zu haben.

Um gleich in der naechsten Minute ueber mich selbst zu lachen, weil mir klar wurde, dass meine Kultur und/oder Persoenlichkeit oder beides so anders sind und das einfach nicht erlauben wuerden. No way! Waehrend viele Ghanaer das als angemessene Reaktion sehen wuerden (und ich in meinen Fantasien auch grosse Genugtuung empfinde), bellt der innere Schweinehund laut und wuetend: „BETRUUUG!“

Und dann lach ich zum Schluss noch einmal kurz ueber meine ganze Familie, denn ich glaube wir alle finden kleine Gauner faszinierend und haben haeufig welche irgendwo im Hintergrund unseres Bekanntenkreises rumlungern und rumgauners und geniessen den grusligen Schauer des Zuschauens. Und nachts traeumen wir davon, wie das waere, ebenso wild zu sein, wie die wilden Jungs. Nur um aufzuwachen und zu wissen, dass wir mal wieder vergaunert wurden und uns erneut zu schwoeren, dass das nie wieder passieren wird.

Dienstag, August 14, 2007

Tantalus

Ihr erinnert Euch? Der mit dem Qualen. Der stand – fuer welches Vergehen auch immer – in seiner ganz persoenlichen Hoelle bis zum Hals im Wasser, aber jedes Mal, wenn er sich zum Trinken runterbeugte, verschwand das Wasser. Nach gleicher Art hing das Essen immer genau ausser seiner Reichweite.

So geht’s uns im Moment. Wir sind mitten in der Regenzeit, seit Wochen regnet es fast jeden Tag in Stroemen, rechts und links der Fluesse sind alle Felder ueberflutet, die ungepflasterten Strassen entwickeln sich zu Schlammfallen, in die man sich immer tiefer eingraebt, sobald das Auto einmal steckengeblieben ist.

Gleichzeitig fliesst in unseren Leitungen seit einer Woche kein Wasser mehr. Also: Alle Eimer raus stellen, auf Regen warten und mit der Plastik-Tasse duschen. Und wenn kein Regen faellt, jemanden finden, der mit Eimer auf dem Kopf zur Pumpe um die Ecke geht und Wasser ranschleppt. Hoffen dass sie nicht im Schlamm ausrutscht. Zum Glueck haengt wenigstens das Essen nicht in der Luft...

Sonntag, August 12, 2007

Schrubben


Die aelteste Frau im Haushalt waescht das Kind zweimal am Tag. Diese Aufgabe kann man der Mutter nicht zumuten, denn kaum eine frischgebackene Mutter koennte ihrem Kind das antun. Die alte Frau setzt sich hin, stellt eine Schuessel zwischen ihre Beine, schiebt ihren Rock hoch, legt das Kind auf ihre Knie und bearbeitet es mit sehr heissem Wasser, Kernseife und einem Schrubbschwamm: Schrubbschrubbschrubb in kreisenden Bewegungen ueber den ganzen Kopf, Bauch, Ruecken, Beine, heisses Wasser auf den heilenden Nabel giessen, mit dem Finger den Po von innen sauber machen, waehrend das Kind sich ans Knie der Oma krallt, mit Seifenwasser die Augen reiben und das ganze von vorne, dann werden die duennen Aermchen nach vorne und hinten gebogen, die Beinchen ueberkreuzt und in entgegengesetzte Richtungen gedehnt, mit schnellem erfahrenem Griff, zackzack, nicht brutal im eigentlichen Sinne, also nicht mit dem Ziel, das Kind zu verletzen, sondern einfach nur, weil man ein Kind nunmal so waescht. Mary sitzt neben mir und wir beide halten den Atem an und wissen, wir koennten das nicht.

Koenigin Mary


Mary hat ihren gesunden erstgeborenen Sohn nach Hause gebracht und hat sich damit als perfekte Frafra Ehefrau erwiesen. Nun ist sie die Koenigin. Donnerstag, als ich sie aus dem Krankenhaus nach Hause gebracht hatte, kam ich abends noch mal zu Besuch. Sie sass mit nacktem Oberkoerper auf dem Boden, hinter ihr auf dem Stuhl sass eine junge Frau, die ihr das Haar in enganliegende Flechten legte, zu ihren Fuessen sass ihr Mann, der ihr die Zehennaegel mit einer Rasierklinge schnitt und neben ihr unter dem Moskito-Netz schlief ihr kleiner Engel. Diese romantische Szene haeuslicher Zufriedenheit wurde untermalt von einem auf volle Lautstaerke gedrehten nigerianischen Hexenfilm, waehrend im Hintergrund die Stereoanlage vor sich hin wummerte.

Donnerstag, August 09, 2007

Maulkorb

Keiner will die blutigen Details hoeren! Maenno! Weder vor dem Essen, noch waehrenddessen oder danach. Meine europaeischen Freundinnen in Bolga sind alle kinderlos, wollen das aber nicht bleiben. Deshalb haben sie mich mit einer Nachrichtensperre belegt, in Bezug auf alles, was an einer Geburt beschwerlich erscheinen koennte. Und, lasst es Euch gesagt sein, alles an einer Geburt ist beschwerlich. Und da wir in Deutschland ohnehin schon mit niedrigen Geburtenraten zu kaempfen haben, werde ich die Details auch nicht aufschreiben, sondern sie wohl einfach tief in meinem Herzen begraben und lieber weiter von der Schoenheit des Ergebnisses schwaermen. Vielleicht schaff ich's damit auch, mich selbst zu ueberzeugen. Und Mary, die weiterhin daran festhaelt, dass es reicht, einmal durch diese Schmerzen zu gehn, und dass sie, dankeschon, auf weitere Kinder verzichten kann...

Ich bin froh


Das sagt man ja schon mal so. Aber ich bin wirklich bis oben hin voll mit Freude und Glueck und bloedsinnigem Laecheln und unnoetigen Traenen, die immer grad unter der Oberflaeche darauf warten, aus den Augen zu spritzen. Wir haben den allerschoensten und so intelligenten und liebreizendsten Sohn und Enkel geboren und ich hab tatsaechlich das Gefuehl, als haette ich nicht einfach nur nutzlos und hilflos daneben gestanden, sondern irgendetwas dazu getan, dass alles gut wurde. Heute morgen hab ich Mary vom Krankenhaus abgeholt und alle schwangeren Frauen und frischen Muetter gruessten mich mit einem liebevollen Blick. Mary sagt, die sind alle ueberzeugt, dass ich das Baby auf die Welt geholt hab. Das macht ja auch Sinn, ausser Geburtshelferinnen darf niemand in den Kreissaal und ausserdem musste ich auch nen gruenen Kittel tragen. Also, Mary ist VIP Patientin und bringt ihre eigene weisse Hebamme... Zu Marys Haus sind wir in einer lachenden Karavane durch die Milletfelder gegangen. Hinter uns n Haufen Kinder, die unsere Sachen trugen und einander Angst machten: „Die weisse Frau wird Dir den Kopf abschneiden!“ Im Haus lernte mein kleiner Enkel gleich, wie Glueck in Ghana aussieht – bzw sich anhoert: Laerm ist Leben! Die Stereo-Anlage mit Hip-Life Musik, der Fernseher plaerrt Fussball und in einem 6 Quadratmeter Zimmerchen draengen sich zehn Leute allen Alters und lachen und reden und wurschteln an dem Baby rum, das mit offenen Augen so tut als koennte es schon sehen, ansonsten aber eher schweigsam ist.

Mittwoch, August 08, 2007

Danach


Nachdem ich zur Kaffeepause aufgebrochen war, hatte ich keine Zeit mehr, zwischendurch kurz aufzuschreiben, wie’s geht. Mary war in wilden Schmerzen und bei 6 cm, als ich zum Haendchenhalten kam. Es zerriss mir das Herz und ich wusste schnell, dass es keine Workshops gibt, die man nicht ausfallen lassen kann. Vor allem nicht, wenn man in einem so bescheuerten Land ist, wo sie nur die Weisse Frau nicht aus dem Kreissaal schmeissen. Alle normalen Ghanaerinnen, die keine Eva zur Freundin haben, bekommen ihr Kind allein mit den Schwestern.

Wer hier haeufiger rein liest, weiss, dass ich ueber die unterschiedlichsten Gefuehle zum Lachen und zum Heulen schreibe. Aber auch, dass es einen Punkt gibt, wo das Gefuehl und das Erlebte zu intensiv und echt und privat werden, um zu einer spannenden Geschichte ausgewalzt zu werden. Also: Ich war die ganze Zeit dabei, hab Mary gehalten, ihr was vorgesummt und ins Ohr gefluesstert und irgendwie versucht, uns gemeinsam da durch zu schleppen. Die Krankenschwestern fanden mich sicherlich uebermaessig besorgt, haben sich aber freundlich benommen und mich nicht rausgejagt. Seit 14:45 haben wir einen kleinen Sohn, der ganz weiss ist (alle Schwarzen sind bei der Geburt hell) „Ganz die Oma“, sagte eine Krankenschwester und zeigte auf mich. Und wir haben gemeinsam etwas erlebt, was gleichzeitig das Normalste und das Aussergewoehnlichste der Welt ist und wofuer mir die Worte fehlen.

11:35

Ich sitze in einem Workshop, den ich nicht ausfallen lassen konnte, manage die sms Kommunikation mit Freunden und Familie, die in allen Ecken der Welt fuer Mary beten, Kerzen in Kathedralen stellen und mit ihren Herzen bei uns sind. Ich hoffe, dass gleich Kaffeepause ist und ich ins Krankenhaus rueberfahren kann und kurz Hand halten.

9:30


Mary wollte ihrer Mutter nicht Bescheid sagen, sonst macht die sich bloss Sorgen und isst nichts und schlaeft nicht. Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Mutter sich vielleicht Sorgen machen MOECHTE um die Geburt des ersten Kinders ihrer einzigen Tochter.

Nun, weil Muetter aber Muetter sind, hatte Marys Mutter heute morgen so ein Gefuehl und machte sich auf den langen Weg zum Hause der Schwiegerfamilie, um rauszufinden, was los ist. Zu dem Zeitpunkt hatte Mary schon bei ihrer Schwiegermutter angerufen, um nachzufragen, was das ganze Wasser zu bedeuten hat. Also hat die Schwiegerfamilie Marys ausdruecklichem Wunsch widersprochen und Mama alles erzaehlt.

9:00


Mary zeigt mir, was man alles mit ins Krankenhaus nimmt: Seife, Handtuch, Nachthemd, etc... Desinfektionsmittel, Gummihandschuhe fuer den Arzt... „Ja,“ sagt sie „Du musst zwei Handschuhe mitbringen – sonst kaufst Du sie hier und das ist viel teurer.“

8:00


Wieder im Krankenhaus, jetzt wird’s ernst, selbst die Krankenschwestern geben zu, dass Mary sich nicht anstellt, sondern ein Kind kriegt. Muttermund 3 cm geoeffnet, wir brauchen 10 (fuer die von Euch, die vom Gebaeren so viel Ahnung haben, wie ich). Die Hebamme sagt: „Geh Du ruhig zur Arbeit, das dauert noch.“ Und ich versuche, die Hollaendische Austausch-Schwester zu bezirzen, dass sie mit Mary in den Geburtsraum geht und vielleicht dafuer sorgen kann, dass die ghanaischen Kolleginnen nicht so hart zuschlagen.

Nochwas

Ist es nicht grossartig, dass meine kleine Mary, die kaum zur Schule gegangen ist, und ansonsten hoechstens die Bibel liest, dieses Gesundheitsbuch mit so einer Selbstverstaendlichkeit und Selbstverantwortung zu Rate zieht, langsam und sorgfaeltig Satz fuer Satz liest, um rauszufinden, was mit ihr los ist?! Ich bin so stolz auf sie.

Wildes WG Leben...

Heute morgen, sobald ich anfing halbwegs wach in meiner neuen WG rumzulaufen (Mary ist jetzt sicherheitshalber hier), kam Mary mit dem Medizinbuch zu mir: „Sista Eva, ich glaube, das ist heute morgen mit mir passiert!” und zeigt auf den Abschnitt wo beschrieben wird, wie das Fruchtwasser abgeht. Also, der Punkt ohne Wiederkehr. Als ich verschlafen sage: „OK, los, wir fahren ins Krankenhaus“, sagt sie: „Nein, lass uns noch ein bisschen warten, sonst sagen die Krankenschwestern, dass ich ihnen auf den Geist geh!“ Waere das ein Film und nicht mein Leben (und Marys), wuerde ich all das im Hintergrund erzaehlen, waehrend der Film zeigt, was gleichzeitig in meinem Hof passiert. Der einaeugige Klemptner ist gekommen, um meinen Wassertank zu reparieren, der irgendwie blockiert ist, und als er einen Wasserhahn abmontiert, spritzt ihm das Wasser unter Druck entgegen und ist nicht zu stoppen.

Dienstag, August 07, 2007

Naechster Morgen


Die Nacht hab ich – auf jedermanns Wunsch – zu Hause verbracht. Telefonisch konnte ich sie nicht erreichen, weil ihr Handy kaputt ist, also sorgte ich mich hin und her und sass kurz nach sieben schon wieder an ihrem Bett. Sie sieht noch genau so ruhig und schwanger aus, wie gestern und wir fangen an, uns zu fragen, wie lange das wohl dauern wird.

Bei der Morgenrunde stellt der Gynokologe ein paar Fragen, untersucht die Patientin aber nicht, um dann zu entscheiden, dass sie ihr Kind doch noch nicht bekommt, sondern nach Hause gehn kann. Als er sie einwies, hat er sie tatsaechlich untersucht, mit Anfassen und so. Aber seitdem war die einzige medizinische Aufmerksamkeit, die sie erhielt, einmal Fieber messen, einmal Blutdruck messen und mit dem Foetoskop hoeren, ob das Herzchen noch schlaegt.

Also Sachen packen und nach Hause. Auf dem Weg haben wir beim Ultraschallmann Station gemacht. Vor den Toren des Krankenhauses hat er einen Metal-Container, in dem ein Ultraschall-Computer steht. Der Scan gehoert nicht zum Standard-Program fuer Schwangere, von der Krankenversicherung wird er nur im Falle von Risiko-Schwangerschaften uebernommen, ansonsten ist das was fuer Reiche.

Also haben wir uns heute das Baby zum ersten mal angescant. Der Arzt sagt: „Hier ist der Kopf, das Herz, der Magen, oh und hier, was ist das? Genau, es ist ein Junge! Und das sind die Beinchen und jetzt messe ich den Kopf aus und den Magen und dann kann ich Euch sagen, wie alt das Baby ist und wann es faellig ist. Oh, ja, 10. Oktober. Und hier, was ist das, schaut genau hin! Ja, es ist ein Maedchen!“

Nun sind wir fuer das ganze Geld auch nicht schlauer als vorher, haben wir uns um zwei Monate (ZWEI MONATE!) verrechnet? Hat der Gynokologe im Krankenhaus keine Ahnung? Und, naja, jetzt wissen wir wenigstens, dass es entweder ein Junge ist oder ein Maedchen. Was wir garantiert ausschliessen konnen, ist dass Mary einen Apfel, eine Banane oder eine Kiwi gebaert.

Montag, August 06, 2007

Ein paar Stunden spaeter


Kinderkriegen, oder zumindest beim Kinderkriegen zugucken, ist aufregend und langweilig. Aufregend, weil ich hier in der Warteschlange zwischen zwei Erstgebaehrenden sitze und wir alle drei nicht wissen, wie das eigentlich funktionniert und uns gegenseitig mit Horrorgeschichten unterhalten. Mary ist darin besonders gut, sie hat Ohren und Augen ueberall, um mitzukriegen, wie’s den anderen 20 Frauen in diesem Schlafsaal ergeht.

Die bewusstlose Frau da hinten hatte einen Kaiserschnitt und dabei das Kind verloren (eine Geschichte, die sich als halb wahr rausstellte, dem Kind geht’s gut, nur die Mutter kotzt im Schlaf). Im Gebaehrraum ist eine Frau, die mitten in der Geburt nicht mehr pressen kann, das Koepfchen ist schon raus und jetzt muessen sie die Frau ganz doll pruegeln, damit sie weiter presst (spaeter geht Mary auf der Suche nach einer Schwester in den Gebaehrraum und als sie zurueckkommt, erzaehlt sie uns: „Die schlagen sie nicht mit Haenden sondern mit Stoecken“). Die Frau gegenueber hat ein Kind geboren, das nicht schreien will und ganz winzig ist. Schnodder laeuft ihm aus der Nase und eine Schwester mit Beatmungsflasche versucht, ihm das atmen beizubringen. Die Mutter bietet mir an, ihren Sohn mitzunehmen und ich sage, sie soll ihn erst gross und stark fuettern, bevor ich ihn heirate (beides sind hier typische liebevolle Neckereien, die den Neuankoemmling leicht schockieren koennen). Mary sagt: „Wenn der Kopf rausguckt, steckt die Hebamme dem Baby die Finger in die Ohren (sie steckt sich selbst die Finger in die Ohren und zeigt wie) und zieht es raus.“

Wegen all dem ist es unglaublich aufregend. Warum ist es langweilig? Weil bei meinen Maedels nichts passiert.

Mary’s Geburtstag


Letzte Woche hat Mary noch lachend verkuendet: „An meinem Geburtstag fuehr ich mich selbst zum Essen aus und ess n ganzes halbes Huhn.“ Nun, dieser Plan wurde wohl durchkreuzt. Als ich zur Mittagspause nach Hause kam, war das Haus sauber aber verlassen. Ich hatte grade die Bohnen aufgesetzt, als mein Telefon klingelte: „Sista Eva, die haben mich hier behalten und sagen, ich bekomm jetzt mein Kind. Meine Schmerzen sind keine Krankheit, sondern Wehen!“

Wir haben uns verrechnet, oder sie ist zu frueh dran. Ich bin ein kopfloses Huhn und frage mich zum hundertsten Mal, wie ich jemals selber Kinder kriegen soll, wenn ich schon fuer fremde Baeuche so viel Angst haben kann. Es ist drei Uhr Nachmittags, ich sitze neben Marys Bett im Krankenhaus und schreibe diesen Blog auf Papier. Mary denkt, ich arbeite und ich lasse sie in dem Glauben, denn sie hat ein so schlechtes Gewissen, mich von der Arbeit abzuhalten.

Mit ihrem kleinen Kugelbauch sieht sie so zart und kindlich aus, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass da ein komplettes Baby drin sein soll, dass sie ganz allein durch die erwachsenen Schmerzen einer Geburt gehen soll und dass sie schon ganz bald selber Mutter sein wird. Meine kleine Mary. Ich sage allen, sie sei meine Tochter und sie lachen freundlich ueber diese weisse Spinnerin...

Mittwoch, August 01, 2007

Radio-Star werden

Das mach ich noch schnell mit links, bevor ich hier abhaue. Also, Dienstag nachmittag alle schoen Rock FM 103.7 einschalten und Eva dabei zuhoeren, wie sie zum Thema Fischerei in kleinen Staudaemmen n dummes Gesicht und nen guten Eindruck macht.

Sonntag, Juli 29, 2007

Hellohellohello

Auch beim Ofenumzug werden weisse Frauen natuerlich nicht davon verschont, permanent von allen kleinen Kindern in der Umgebung gegruesstgegruesstgegruesst und beobachtet zu werden. Oh weh oh weh, jetzt gibt es in meinem Haus keine Herzkuchenformen mehr....
Posted by Picasa

Der ist so schwer...

... weil er auch schwer viel Geld gekostet hat, sagt Mary als wir heute ihren Backofen von meiner Terrasse in das Haus ihrer Mutter transportierten. Versteckt hinter dem Ofen seht Ihr uebrigends Evans, ihren Mann.
Posted by Picasa

Jott We De!

Stellt Euch vor, ich steh nach dem Regen abends um acht auf einer duesteren aufgeweichten Strasse vor meinem Haus, schwarze Frauen mit Moehren auf dem Kopf gehen an mir vorbei und gruessen freundlich, die Grillen grillen und auf der anderen Seite der Welt ist es acht Uhr morgens und der Winter vielleicht grad vorbei und ich spreche mit Freundin K in Neuseeland, bevor die Kinder aufwachen. Da bin ich immer noch klein Eva aus Dueren und kann mir nicht vorstellen, dass das mit dem Telefonieren wirklich funktionniert und dass sie ungelogen grad auf der anderen Seite sind. Vor lauter Glueck die liebe Stimme zu hoeren hab ich gar nichts zu erzaehlen...

Ouageshi


Und das macht Vegetarier gluecklich? Ja tatsaechlich, das ist der einzige lokal produzierte Kaese. Aussen rot und innen weiss, nicht roh zu essen wegen Tuberkulosegefahr. Wenn man ihn braet, schmilzt er nicht, sondern wird nur schoen kross aussenrum. Ansonsten schmeckt er freundlich nach nichts und laesst sich deshalb ueberall untermischen. Verkauft wird der von den Fulani, den herumziehenden Kuh-Hirten aus Burkina Faso, die in der Regenzeit (sonst gibts keine frische Milch) in einer Ecke des Marktes auf dem Boden sitzen, vor sich grosse Eimer voller Joghurt, Milch und Kaese. Falls irgendjemand gekochten Joghurt mag, (oder vor Tuberkulose keine Angst hat) braucht's ihm also an nichts zu fehlen...
Posted by Picasa

Verdammt viel Zeit uebrig


Ganze drei Stunden naemlich. Gestern sprach ich mit dem Radio-Manager ueber die Details und das Ergebnis unserer sehr freundlichen Verhandlungen ist Folgendes: Die Rueckzahlung ihrer Schulden erfolgt in Form von drei Stunden Radiozeit und einem Jingle (also so einem regelmaessig eingeblendeten Radiowerbesong, wo sie singen: „Lalala Eva ist super tralala“ oder was auch immer mir einfaellt).

Das ist alles schoen und gut und wir hatten beide ein zufriedenes Laecheln und einen festen Handschlag fuereinander uebrig, als ich sein Buero verliess. Aber, meine Herren, ich will ja nicht wirklich, dass sie von der SuperEva singen und drei Stunden sind ne ganz schoen lange Zeit. Vor allem, wenn ich in einem Monat schon das Land verlasse.

Soll ich etwa mit Eva’s Kochstudio den Menschen in Bolga das Pizza-backen beibringen? Und Mary damit ihren Job kaputt machen? Nein, vermutlich werde ich diese Radio-Zeit der Wasser Commission spenden, mit der ich hier zusammen arbeite. Dann koennen wir zum Beispiel sechs halbstuendige Radio-Diskussionen ueber ein Jahr verteilen, in denen wir den Menschen erzaehlen, dass es uns gibt und wie sie mit ihrem Wasser besser umgehn. Und in dem Jingle koennen wir dann singen: „Lalala Wasser ist Super trallalal (sagt Eva tralala)“

Wie, sagt Ihr, wenn ich die Zeit spende, hab ich doch weder mein Geld noch sonst irgendwas wirklich zurueckbekommen? Naja, das Geld, im Sinne von tatsaechlichem anfassbarem Bargeld, hab ich ja eh schon lange abgeschrieben. Ich will nur, dass meine Rechnung klar und beglichen ist und dass Mary sieht, dass das Radio mir nichts mehr schuldet. Wenn ich dann noch dazu mit meinen Radio-Stunden eine gute Sache unterstuetzen kann, wunderbar, dann ist das Geld doppelt gut investiert.