Mittwoch, August 29, 2007

Ekel-Haft


In meinem Kopf gibt es ein Gefaengnis und wer sich nicht benimmt, fuer den gibt es Haftverschaerfung. Die Moeglichkeiten sind nahezu endlos. Natuerlich gibt es Einzel-Haft. Aber viel schlimmer sind Ekel-Haft, Laster-Haft und Grauen-Haft. Gestern war ich fuer ein paar Minuten in Ekel-Haft und ich kann Euch sagen, ist ganz schoen fies da.

Ich kam von Marys Haus, das mitten in den Hirsefeldern liegt, die gleichzeitig allen Anwohnern als Toilette dienen. Was normalerweise egal ist. Aber Mary begruesste mich: „Ich dachte nicht, dass Du kommst, es wird doch gleich regnen.“ In dem Gedanken, ich koennte den Schauer aussitzen, wartete ich so lange, bis es stockdunkel war und alle Trampelpfade knoecheltief ueberschwemmt. Ueberschwemmt mit dem Wasser, das schoen von den Hirsetoiletten abfloss. Da kann ich nur sagen: Danke Schwester P. dass Du mir Deine Platteau-Sandalen vererbt hast, womit ich wenigstens die mitteltiefen Pfuetzen halbtrockenen Fusses durchqueren konnte (Wusstet Ihr, dass Schuhe mit Absatz urspruenglich fuer diesen Zweck erfunden wurden? Um in den Staedten ohne Kanalisation trockenen und unbeschmutzten Fusses von der Haustuer zur Kutsche zu kommen.). Ich eilte im prasselnden Regen zurueck zum Auto, fuhr zuegig nach Hause und hatte grade den Schluessel in der Tuer, da stand ich auch schon in der Dusche, um meine Fuesse zu schrubben.

Hoechstwahrscheinlich war das ein aeusserst anstaendiges kleines Wuermchen, das seinen Lebensunterhalt mit ordentlichem unterirdischem Graben verdient und nur durch reinen Zufall an meinem Fuss haengengeblieben war. Und nicht einer dieser Parasiten, die sich unter die Haut setzen und dann langsam, Tag fuer Tag ein Zentimeterchen, rausgezogen und auf eine Spule gewickelt werden muessen, die man am Knoechel traegt, immer befuerchtend, dass man vielleicht zu hart gezogen hat und das Vieh abreisst und die andere Haelfte im Fuss steckenbleibt. Und natuerlich (natuerlich?) war dieser Kerl allein unterwegs und hatte nicht eine ganze Familie mitgebracht, die es sich schon unter meiner Haut gemuetlich gemacht hatten, waehrend sie auf den Nachzuegler warteten...

Ekel-Haft ist uebrigends die Strafe fuer eine zu ausgepraegte Vorstellungsgabe. Und zu detailliertes medizinisches Wissen...

Montag, August 27, 2007

Wenn schon, denn schon blond


Also, wenn schon Autounfall, denn schon so richtig unnoetig und bloedsinnig. Wie waer’s damit: Nach einem fettigen Mittagessen (wenn’s regnet kann keiner gut ueberm Feuer kochen), das uns allen vom Abschiedsschmerz eh schwer im Magen liegt, in mein Auto steigen und mit Schmackes in das hinter mir geparkte Auto fahren, so als waer’s gar nicht da gewesen.

Und dann rausfinden, dass der Besitzer es heute zum ersten Mal ausfuehrte, es noch nicht abbezahlt ist und genau die Art von gebrauchtem BMW, den sich ein Beamter hier kauft, um sich einen Traum zu erfuellen, der so grade ausserhalb seiner Moeglichkeiten liegt. Der Besitzer war so geschockt, als waere ich gegen ihn und nicht gegen das Auto gefahren und konnte mich nichtmal ordentlich anbruellen. Das uebernahm etwas halbherzig sein Kollege.

Als wir gemeinsam bei der Autoschrauberei ankamen, erinnerten sich die Schrauber, dass ich die bin, die vor nem Jahr mit diesem Bruellaffen von Unfallgegener hier war, der mir hinten rein gefahren war und trotzdem dachte, er koennte mir die Schuld anhaengen. Woraufhin ich schliesslich mit den Jungs den Deal machte, dass sie mein Auto gratis zurechtbogen und auf seine Rechnung den entsprechenden Betrag aufschlugen.

Heute war die Schuldfrage etwa genau so eindeutig, nur umgekehrt, man kann ja nem parkenden Auto nicht wirklich Mitschuld geben. Also ging’s nur darum, ob und wie wir die Ersatzlampen guenstig bekommen. Und da konnte ich noch einmal meine Probleme so loesen, wie ich die meisten Problems in den letzten zwei Jahren geloest hab. Douglas anrufen. Und ihm noch einmal dabei zusehn, wie er souveraen und respektvoll die Sache in die Hand nimmt.

Erwartet das Leben tatsaechlich von mir, dass ich von nun an meinen Alltag wieder selber in die Hand nehme?

Das Hundebaby


sieht mit drei Monaten schon verdammt eindrucksvoll aus und geht mir bis zu den Knien. Seine riesigen Fuesse (Wachstumspotential) lassen mich vermuten, dass man in unserem Haus in Accra in Zukunft nicht mal mehr die Tueren abschliessen muss, so gross ist der Bogen, den Diebe um unseren Garten machen werden.

Das Leben hoert nicht auf, bloss weil ich den Kopf unterm Kissen hab

Mein liebster Kollege hat mich grade begruesst (Wilkommen in Bolga) und mir erzaehlt, wie er die letzte Woche verbracht hat. Seine Frau ist krank und musste operiert werden. Zum Glueck nicht im Regionalkrankenhaus hier, anscheinend gibt es im Distriktkrankenhaus in Bongo einen Experten. Da sind die Krankenschwestern aufmerksamer und hoffentlich nehmen die Aerzte ihren Job ernster.

Was aber letztlich gar nichts bedeutet, wenn... Ja, stellt Euch vor, Ihr steht vor dem Operationssaal, wo sie an dem Menschen rumschneiden, den Ihr liebt und dann faellt der Strom aus. Und als sie endlich den Generator anschmeissen, ist der auch nicht stark genug, um wirklich einen Unterschied zu machen.

Vielleicht ist das sogar eine Situation, die man in Ghana eher ueberlebt, als zu Hause. Denn erstens sind die Leute hier so gewoehnt an Stromausfaelle, dass sie nicht mal mehr ueberrascht sind. Dann ist eine Operation hier immer noch eine ziemlich handwerkliche Aktivitaet, mit Skalpell, Tupfer etc und nicht vielen Kisten die Piepsen. Und wenn das nicht hilft, sind die Ghanaer so ueberwaeltigend religioes, dass sie ihr Schicksal ohnehin nicht in die Haende eines irdischen Oberarztes legen und ihr allmaechtiger himmlicher Oberarzt operiert ohne Strom...

Die Frau ist wohlauf.

Gefuehlsgelaehmt

Am liebsten wuerde ich mich in meinem Bett verkriechen, Bettdecke ueber den Kopf ziehen und Romane lesen und erst wieder rauskommen, wenn irgendwer mich nach Washington umgezogen hat, samt Bett und Decke.

Gleichzeitig: Am liebsten wuerde ich keine Sekunde mehr schlafen und mit grossen wachen Augen und offenem Herzen diese letzte Woche in Bolga in mich aufnehmen, so viel Zeit wie moeglich mit meinen Lieblingsghanaern verbringen, meinen Enkelsohn an Haaren und Zehen ziehn, damit er schneller waechst und ich das Gefuehl haben kann, ihm beim Aufwachsen zusehn kann.

Was ich in Wirklichkeit tu? Die meiste Zeit benehm ich mich, als sei das nur eine weitere von so vielen Wochen in Bolga – nur dass ich zwischen stundenlangem Normal-Tun ab und zu mein Buecherregal aussortiere, oder mit Marys Baby im Arm so tu als waere das Wasser auf meinem Gesicht Schweiss...

Mit diesem Blog geht’s mir genau so. Einerseits moechte ich Euch lustige Geschichten von unserem neuen Hund in Accra erzaehlen (Stellt Euch vor, der findet Deutsch viel besser als Englisch und liebt mich immer doppelt so sehr, wenn ich in meiner Heimatsprache mit ihm rede usw usf...) und herzzerreissende Geschichten von Mary. Andererseits... ja, andererseits liege ich doch gelaehmt in meinem Bett unter der Bettdecke und wenn ich nicht ueber Abschiedsgeschichten schreibe, passiert das alles vielleicht jemand anderem und nicht mir?

Und dann brauch ich mir auch keine Gedanken darueber zu machen, was mit „Evainghana“ passiert, wenn Eva nicht mehr in Ghana ist...

Mittwoch, August 22, 2007

Ganz viel zu lesen ueber Afrika gibt es hier:

http://www.zeit.de/themen/international/afrika/index

Kennt Ihr diese kleinen boesartigen guten Feen?


Man wuenscht sich was (zum Beispiel Regen) und vergisst, drei Seiten Kleingedrucktes hinzuzufuegen, und sie lachen sich eins in kleine Faeustchen "Hihihi, Regen sagst Du? Kannste haben!" Und wenn Deine ganze Maisernte ueberschwemmt ist und Du klagst, dass Du das doch gar nicht so gemeint haettest und eigentlich nur an einen Schauer hier und da gedacht hattest, gucken sie Dich mit grossen blauen Augen an und tun ganz unschuldig: "Ach so... Das haettest Du sagen sollen..."
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Zwei neue Mitbewohner in Bolga

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Mehr Nachwuchs

Heute kommt mit dem Flugzeug aus Suedafrika unser neues Wachhundbaby an - ein betaeubtes unbegleitetes Gepaeckstueck. Ueberall gibt's also Babys, denen man beim Aufwachsen zusehn kann, und ich verschwinde.

Dienstag, August 21, 2007

Montag, August 20, 2007

Weltstadt Dueren

Wir koennen stolz sein, unsere Heimat ist in allen Zeitungen! Warum? Weil ein Duerener einem Juelicher ein halbes Ohr abgebissen hat. Da wird Weltgeschichte gemacht. Alte Stammeskonflikte flammen wieder auf und die Welt schaut zu...

Nachzulesen unter http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,500740,00.html

Samstag, August 18, 2007

Der Teufel scheisst auf den groessten Haufen…


In einem Dorf in Tansania, erzaehlte uns eine Ghanaerin gestern, gab es keine Toiletten und alle Bewohner hockten sich statt dessen grade neben ihre Haeuser. Es ist nicht verwunderlich, dass in diesem Dorf Durchfall und alle moeglichen faekal uebertragenen Krankheiten besonders verbreitet waren. Entwicklungshelfer kamen in das Dorf, sahen das Problem und wussten, das ist ganz einfach zu loesen. Sie bauten Latrinen.

Als sie nach ein paar Jahren wiederkamen, um den Erfolg des Projektes zu begutachten, waren die Latrinen noch voll funktionstuechtig und sehr sauber. Das lag vor allem daran, dass die Menschen immer noch rund um ihre Haeuser kackten und die Latrinen nicht benutzten. Als die Helfer versuchten, rauszufinden, wo bitteschoen das Problem liegt, lernten sie Folgendes: Jeder wuenscht sich, dass um sein Haus herum besonders viel gekackt wird, je mehr Exkremente sich um Dein Haus tuermen, desto mehr Frauen wollen Dich heiraten. Schliesslich ist offensichtlich, dass Du Deine vorhandenen Frauen hervorragend fuetterst. Warum also wuerde irgendwer dieses Zeichen von Reichtum in einem Klo verstecken wollen?

Waehrend die Seminar-Teilnehmer lachten, meinte einer: „Aber das ist in Ghana doch ganz aehnlich. Wenn Du zum Haus des Chiefs von Paga gehst, siehst Du, dass sich davor der Muell nur so auftuermt. Also weiss jeder, der zu diesem Haus kommt, der Chief kann es sich leisten, so viel Muell zu produzieren!:

Mittwoch, August 15, 2007

Im Vorbeigehn aufgeschnappt


Gestern wurde in Bolga ein Bus voller Kinder angehalten, die alle fuer den Verkauf in den Sueden vorgesehen waren. Die ganze Busladung sass nun in der Polizeistation rum. Die Kinder kommen alle hier aus der Umgebung, wo genuegend Leute arm und verzweifelt genug sind.

Aus den Nachrichten


Vor ein paar Wochen fanden sie in Accra ein junges Maedchen, das unter die Sitzbank eines Mercedes Busses gekettet war. Sie war aus Wa im aeussersten Nordwesten des Landes davongelaufen, weil ihre Eltern sie einem Mann versprochen hatten, den sie nicht heiraten wollte. Nun hatten Familienmitglieder sie gefunden und wollten sie so gut verpackt ihrer rechtmaessigen Verwendung zufuehren.

Die Story war tagelang auf der ersten Seite aller Zeitungen und alle schrien entsetzt auf. Das war aber auch mal ne coole Story, die all unsere voyeuristischen niederen Instinkte anspricht und das Foto, wo sie die Ketten durchsaegen, hat etwas an sich, dass man es nur anstarren will. Andererseits will ich mal nicht zu zynisch sein, denn die Tatsache, dass das so eine gruslige Sensationsstory ist, hat dafuer gesorgt, dass das Thema Zwangsheirat in der oeffentlichen Diskussion in den Vordergrund gerueckt ist.

Hemmungen (ich) – keine Hemmungen (er)


Also der Radiomann kennt echt keine Hemmungen, jetzt wo er sich nicht mehr vor mir verstecken muss, weil ich dem Sender erlaube, seine Schulden in Radiozeit statt in Silberdollars zurueckzuzahlen. Heute morgen war ich im Radiosender, weil meine neue Mitbewohnerin da gerne ein Praktikum machen wuerde. Da traf ich Radiomann, der seine ueblichen Loblieder auf mich sang (Worte kosten nix...), um dann weiterzusaeuseln: „Eva, ich wollte sowieso in Dein Buero kommen, denn ich brauche Deine Hilfe! Wir wollen eine website starten und dafuer muessen wir etwas bezahlen und zwar mit Kreditkarte und ich wollte fragen, ob wir dafuer Deine Kreditkarte benutzen koennten?“ In mir schrie eine laute Stimme: „Hae???“ Waehrend ich versuchte, mein Gesicht unter Kontrolle zu halten und ihn nicht zu fragen, ob er se noch alle im Oberstuebchen hat und wie er auf die Idee kommt, dass ich JEMALS das Beduerfnis verspueren koennte, ihm nochmal zu helfen oder gar meine KREDITKARTE anzuvertrauen. „Nein, tut mir leid, weisst Du, ich hab gar keine Kreditkarte“, war meine halbwegs Ghanaische Antwort.

Im Buero hab ich mich mit meinem Kollegen darueber unterhalten, der meinte: „Du haettest sagen sollen, dass Du das machst und auf Vorauskasse bestehn und sobald Du das Geld in den Haenden hast, freundlich laecheln und sagen: Oh, grade faellt mir ein, dass Du mir ja auch noch Geld schuldest, danke fuer die Rueckzahlung! Und tschuess...“

Eine Minute lang dachte ich: Clever. So’n Mist, dass ich behauptet hab, keine Kreditkarte zu haben.

Um gleich in der naechsten Minute ueber mich selbst zu lachen, weil mir klar wurde, dass meine Kultur und/oder Persoenlichkeit oder beides so anders sind und das einfach nicht erlauben wuerden. No way! Waehrend viele Ghanaer das als angemessene Reaktion sehen wuerden (und ich in meinen Fantasien auch grosse Genugtuung empfinde), bellt der innere Schweinehund laut und wuetend: „BETRUUUG!“

Und dann lach ich zum Schluss noch einmal kurz ueber meine ganze Familie, denn ich glaube wir alle finden kleine Gauner faszinierend und haben haeufig welche irgendwo im Hintergrund unseres Bekanntenkreises rumlungern und rumgauners und geniessen den grusligen Schauer des Zuschauens. Und nachts traeumen wir davon, wie das waere, ebenso wild zu sein, wie die wilden Jungs. Nur um aufzuwachen und zu wissen, dass wir mal wieder vergaunert wurden und uns erneut zu schwoeren, dass das nie wieder passieren wird.

Dienstag, August 14, 2007

Tantalus

Ihr erinnert Euch? Der mit dem Qualen. Der stand – fuer welches Vergehen auch immer – in seiner ganz persoenlichen Hoelle bis zum Hals im Wasser, aber jedes Mal, wenn er sich zum Trinken runterbeugte, verschwand das Wasser. Nach gleicher Art hing das Essen immer genau ausser seiner Reichweite.

So geht’s uns im Moment. Wir sind mitten in der Regenzeit, seit Wochen regnet es fast jeden Tag in Stroemen, rechts und links der Fluesse sind alle Felder ueberflutet, die ungepflasterten Strassen entwickeln sich zu Schlammfallen, in die man sich immer tiefer eingraebt, sobald das Auto einmal steckengeblieben ist.

Gleichzeitig fliesst in unseren Leitungen seit einer Woche kein Wasser mehr. Also: Alle Eimer raus stellen, auf Regen warten und mit der Plastik-Tasse duschen. Und wenn kein Regen faellt, jemanden finden, der mit Eimer auf dem Kopf zur Pumpe um die Ecke geht und Wasser ranschleppt. Hoffen dass sie nicht im Schlamm ausrutscht. Zum Glueck haengt wenigstens das Essen nicht in der Luft...

Sonntag, August 12, 2007

Schrubben


Die aelteste Frau im Haushalt waescht das Kind zweimal am Tag. Diese Aufgabe kann man der Mutter nicht zumuten, denn kaum eine frischgebackene Mutter koennte ihrem Kind das antun. Die alte Frau setzt sich hin, stellt eine Schuessel zwischen ihre Beine, schiebt ihren Rock hoch, legt das Kind auf ihre Knie und bearbeitet es mit sehr heissem Wasser, Kernseife und einem Schrubbschwamm: Schrubbschrubbschrubb in kreisenden Bewegungen ueber den ganzen Kopf, Bauch, Ruecken, Beine, heisses Wasser auf den heilenden Nabel giessen, mit dem Finger den Po von innen sauber machen, waehrend das Kind sich ans Knie der Oma krallt, mit Seifenwasser die Augen reiben und das ganze von vorne, dann werden die duennen Aermchen nach vorne und hinten gebogen, die Beinchen ueberkreuzt und in entgegengesetzte Richtungen gedehnt, mit schnellem erfahrenem Griff, zackzack, nicht brutal im eigentlichen Sinne, also nicht mit dem Ziel, das Kind zu verletzen, sondern einfach nur, weil man ein Kind nunmal so waescht. Mary sitzt neben mir und wir beide halten den Atem an und wissen, wir koennten das nicht.

Koenigin Mary


Mary hat ihren gesunden erstgeborenen Sohn nach Hause gebracht und hat sich damit als perfekte Frafra Ehefrau erwiesen. Nun ist sie die Koenigin. Donnerstag, als ich sie aus dem Krankenhaus nach Hause gebracht hatte, kam ich abends noch mal zu Besuch. Sie sass mit nacktem Oberkoerper auf dem Boden, hinter ihr auf dem Stuhl sass eine junge Frau, die ihr das Haar in enganliegende Flechten legte, zu ihren Fuessen sass ihr Mann, der ihr die Zehennaegel mit einer Rasierklinge schnitt und neben ihr unter dem Moskito-Netz schlief ihr kleiner Engel. Diese romantische Szene haeuslicher Zufriedenheit wurde untermalt von einem auf volle Lautstaerke gedrehten nigerianischen Hexenfilm, waehrend im Hintergrund die Stereoanlage vor sich hin wummerte.

Donnerstag, August 09, 2007

Maulkorb

Keiner will die blutigen Details hoeren! Maenno! Weder vor dem Essen, noch waehrenddessen oder danach. Meine europaeischen Freundinnen in Bolga sind alle kinderlos, wollen das aber nicht bleiben. Deshalb haben sie mich mit einer Nachrichtensperre belegt, in Bezug auf alles, was an einer Geburt beschwerlich erscheinen koennte. Und, lasst es Euch gesagt sein, alles an einer Geburt ist beschwerlich. Und da wir in Deutschland ohnehin schon mit niedrigen Geburtenraten zu kaempfen haben, werde ich die Details auch nicht aufschreiben, sondern sie wohl einfach tief in meinem Herzen begraben und lieber weiter von der Schoenheit des Ergebnisses schwaermen. Vielleicht schaff ich's damit auch, mich selbst zu ueberzeugen. Und Mary, die weiterhin daran festhaelt, dass es reicht, einmal durch diese Schmerzen zu gehn, und dass sie, dankeschon, auf weitere Kinder verzichten kann...

Ich bin froh


Das sagt man ja schon mal so. Aber ich bin wirklich bis oben hin voll mit Freude und Glueck und bloedsinnigem Laecheln und unnoetigen Traenen, die immer grad unter der Oberflaeche darauf warten, aus den Augen zu spritzen. Wir haben den allerschoensten und so intelligenten und liebreizendsten Sohn und Enkel geboren und ich hab tatsaechlich das Gefuehl, als haette ich nicht einfach nur nutzlos und hilflos daneben gestanden, sondern irgendetwas dazu getan, dass alles gut wurde. Heute morgen hab ich Mary vom Krankenhaus abgeholt und alle schwangeren Frauen und frischen Muetter gruessten mich mit einem liebevollen Blick. Mary sagt, die sind alle ueberzeugt, dass ich das Baby auf die Welt geholt hab. Das macht ja auch Sinn, ausser Geburtshelferinnen darf niemand in den Kreissaal und ausserdem musste ich auch nen gruenen Kittel tragen. Also, Mary ist VIP Patientin und bringt ihre eigene weisse Hebamme... Zu Marys Haus sind wir in einer lachenden Karavane durch die Milletfelder gegangen. Hinter uns n Haufen Kinder, die unsere Sachen trugen und einander Angst machten: „Die weisse Frau wird Dir den Kopf abschneiden!“ Im Haus lernte mein kleiner Enkel gleich, wie Glueck in Ghana aussieht – bzw sich anhoert: Laerm ist Leben! Die Stereo-Anlage mit Hip-Life Musik, der Fernseher plaerrt Fussball und in einem 6 Quadratmeter Zimmerchen draengen sich zehn Leute allen Alters und lachen und reden und wurschteln an dem Baby rum, das mit offenen Augen so tut als koennte es schon sehen, ansonsten aber eher schweigsam ist.

Mittwoch, August 08, 2007

Danach


Nachdem ich zur Kaffeepause aufgebrochen war, hatte ich keine Zeit mehr, zwischendurch kurz aufzuschreiben, wie’s geht. Mary war in wilden Schmerzen und bei 6 cm, als ich zum Haendchenhalten kam. Es zerriss mir das Herz und ich wusste schnell, dass es keine Workshops gibt, die man nicht ausfallen lassen kann. Vor allem nicht, wenn man in einem so bescheuerten Land ist, wo sie nur die Weisse Frau nicht aus dem Kreissaal schmeissen. Alle normalen Ghanaerinnen, die keine Eva zur Freundin haben, bekommen ihr Kind allein mit den Schwestern.

Wer hier haeufiger rein liest, weiss, dass ich ueber die unterschiedlichsten Gefuehle zum Lachen und zum Heulen schreibe. Aber auch, dass es einen Punkt gibt, wo das Gefuehl und das Erlebte zu intensiv und echt und privat werden, um zu einer spannenden Geschichte ausgewalzt zu werden. Also: Ich war die ganze Zeit dabei, hab Mary gehalten, ihr was vorgesummt und ins Ohr gefluesstert und irgendwie versucht, uns gemeinsam da durch zu schleppen. Die Krankenschwestern fanden mich sicherlich uebermaessig besorgt, haben sich aber freundlich benommen und mich nicht rausgejagt. Seit 14:45 haben wir einen kleinen Sohn, der ganz weiss ist (alle Schwarzen sind bei der Geburt hell) „Ganz die Oma“, sagte eine Krankenschwester und zeigte auf mich. Und wir haben gemeinsam etwas erlebt, was gleichzeitig das Normalste und das Aussergewoehnlichste der Welt ist und wofuer mir die Worte fehlen.

11:35

Ich sitze in einem Workshop, den ich nicht ausfallen lassen konnte, manage die sms Kommunikation mit Freunden und Familie, die in allen Ecken der Welt fuer Mary beten, Kerzen in Kathedralen stellen und mit ihren Herzen bei uns sind. Ich hoffe, dass gleich Kaffeepause ist und ich ins Krankenhaus rueberfahren kann und kurz Hand halten.

9:30


Mary wollte ihrer Mutter nicht Bescheid sagen, sonst macht die sich bloss Sorgen und isst nichts und schlaeft nicht. Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Mutter sich vielleicht Sorgen machen MOECHTE um die Geburt des ersten Kinders ihrer einzigen Tochter.

Nun, weil Muetter aber Muetter sind, hatte Marys Mutter heute morgen so ein Gefuehl und machte sich auf den langen Weg zum Hause der Schwiegerfamilie, um rauszufinden, was los ist. Zu dem Zeitpunkt hatte Mary schon bei ihrer Schwiegermutter angerufen, um nachzufragen, was das ganze Wasser zu bedeuten hat. Also hat die Schwiegerfamilie Marys ausdruecklichem Wunsch widersprochen und Mama alles erzaehlt.

9:00


Mary zeigt mir, was man alles mit ins Krankenhaus nimmt: Seife, Handtuch, Nachthemd, etc... Desinfektionsmittel, Gummihandschuhe fuer den Arzt... „Ja,“ sagt sie „Du musst zwei Handschuhe mitbringen – sonst kaufst Du sie hier und das ist viel teurer.“

8:00


Wieder im Krankenhaus, jetzt wird’s ernst, selbst die Krankenschwestern geben zu, dass Mary sich nicht anstellt, sondern ein Kind kriegt. Muttermund 3 cm geoeffnet, wir brauchen 10 (fuer die von Euch, die vom Gebaeren so viel Ahnung haben, wie ich). Die Hebamme sagt: „Geh Du ruhig zur Arbeit, das dauert noch.“ Und ich versuche, die Hollaendische Austausch-Schwester zu bezirzen, dass sie mit Mary in den Geburtsraum geht und vielleicht dafuer sorgen kann, dass die ghanaischen Kolleginnen nicht so hart zuschlagen.

Nochwas

Ist es nicht grossartig, dass meine kleine Mary, die kaum zur Schule gegangen ist, und ansonsten hoechstens die Bibel liest, dieses Gesundheitsbuch mit so einer Selbstverstaendlichkeit und Selbstverantwortung zu Rate zieht, langsam und sorgfaeltig Satz fuer Satz liest, um rauszufinden, was mit ihr los ist?! Ich bin so stolz auf sie.

Wildes WG Leben...

Heute morgen, sobald ich anfing halbwegs wach in meiner neuen WG rumzulaufen (Mary ist jetzt sicherheitshalber hier), kam Mary mit dem Medizinbuch zu mir: „Sista Eva, ich glaube, das ist heute morgen mit mir passiert!” und zeigt auf den Abschnitt wo beschrieben wird, wie das Fruchtwasser abgeht. Also, der Punkt ohne Wiederkehr. Als ich verschlafen sage: „OK, los, wir fahren ins Krankenhaus“, sagt sie: „Nein, lass uns noch ein bisschen warten, sonst sagen die Krankenschwestern, dass ich ihnen auf den Geist geh!“ Waere das ein Film und nicht mein Leben (und Marys), wuerde ich all das im Hintergrund erzaehlen, waehrend der Film zeigt, was gleichzeitig in meinem Hof passiert. Der einaeugige Klemptner ist gekommen, um meinen Wassertank zu reparieren, der irgendwie blockiert ist, und als er einen Wasserhahn abmontiert, spritzt ihm das Wasser unter Druck entgegen und ist nicht zu stoppen.

Dienstag, August 07, 2007

Naechster Morgen


Die Nacht hab ich – auf jedermanns Wunsch – zu Hause verbracht. Telefonisch konnte ich sie nicht erreichen, weil ihr Handy kaputt ist, also sorgte ich mich hin und her und sass kurz nach sieben schon wieder an ihrem Bett. Sie sieht noch genau so ruhig und schwanger aus, wie gestern und wir fangen an, uns zu fragen, wie lange das wohl dauern wird.

Bei der Morgenrunde stellt der Gynokologe ein paar Fragen, untersucht die Patientin aber nicht, um dann zu entscheiden, dass sie ihr Kind doch noch nicht bekommt, sondern nach Hause gehn kann. Als er sie einwies, hat er sie tatsaechlich untersucht, mit Anfassen und so. Aber seitdem war die einzige medizinische Aufmerksamkeit, die sie erhielt, einmal Fieber messen, einmal Blutdruck messen und mit dem Foetoskop hoeren, ob das Herzchen noch schlaegt.

Also Sachen packen und nach Hause. Auf dem Weg haben wir beim Ultraschallmann Station gemacht. Vor den Toren des Krankenhauses hat er einen Metal-Container, in dem ein Ultraschall-Computer steht. Der Scan gehoert nicht zum Standard-Program fuer Schwangere, von der Krankenversicherung wird er nur im Falle von Risiko-Schwangerschaften uebernommen, ansonsten ist das was fuer Reiche.

Also haben wir uns heute das Baby zum ersten mal angescant. Der Arzt sagt: „Hier ist der Kopf, das Herz, der Magen, oh und hier, was ist das? Genau, es ist ein Junge! Und das sind die Beinchen und jetzt messe ich den Kopf aus und den Magen und dann kann ich Euch sagen, wie alt das Baby ist und wann es faellig ist. Oh, ja, 10. Oktober. Und hier, was ist das, schaut genau hin! Ja, es ist ein Maedchen!“

Nun sind wir fuer das ganze Geld auch nicht schlauer als vorher, haben wir uns um zwei Monate (ZWEI MONATE!) verrechnet? Hat der Gynokologe im Krankenhaus keine Ahnung? Und, naja, jetzt wissen wir wenigstens, dass es entweder ein Junge ist oder ein Maedchen. Was wir garantiert ausschliessen konnen, ist dass Mary einen Apfel, eine Banane oder eine Kiwi gebaert.

Montag, August 06, 2007

Ein paar Stunden spaeter


Kinderkriegen, oder zumindest beim Kinderkriegen zugucken, ist aufregend und langweilig. Aufregend, weil ich hier in der Warteschlange zwischen zwei Erstgebaehrenden sitze und wir alle drei nicht wissen, wie das eigentlich funktionniert und uns gegenseitig mit Horrorgeschichten unterhalten. Mary ist darin besonders gut, sie hat Ohren und Augen ueberall, um mitzukriegen, wie’s den anderen 20 Frauen in diesem Schlafsaal ergeht.

Die bewusstlose Frau da hinten hatte einen Kaiserschnitt und dabei das Kind verloren (eine Geschichte, die sich als halb wahr rausstellte, dem Kind geht’s gut, nur die Mutter kotzt im Schlaf). Im Gebaehrraum ist eine Frau, die mitten in der Geburt nicht mehr pressen kann, das Koepfchen ist schon raus und jetzt muessen sie die Frau ganz doll pruegeln, damit sie weiter presst (spaeter geht Mary auf der Suche nach einer Schwester in den Gebaehrraum und als sie zurueckkommt, erzaehlt sie uns: „Die schlagen sie nicht mit Haenden sondern mit Stoecken“). Die Frau gegenueber hat ein Kind geboren, das nicht schreien will und ganz winzig ist. Schnodder laeuft ihm aus der Nase und eine Schwester mit Beatmungsflasche versucht, ihm das atmen beizubringen. Die Mutter bietet mir an, ihren Sohn mitzunehmen und ich sage, sie soll ihn erst gross und stark fuettern, bevor ich ihn heirate (beides sind hier typische liebevolle Neckereien, die den Neuankoemmling leicht schockieren koennen). Mary sagt: „Wenn der Kopf rausguckt, steckt die Hebamme dem Baby die Finger in die Ohren (sie steckt sich selbst die Finger in die Ohren und zeigt wie) und zieht es raus.“

Wegen all dem ist es unglaublich aufregend. Warum ist es langweilig? Weil bei meinen Maedels nichts passiert.

Mary’s Geburtstag


Letzte Woche hat Mary noch lachend verkuendet: „An meinem Geburtstag fuehr ich mich selbst zum Essen aus und ess n ganzes halbes Huhn.“ Nun, dieser Plan wurde wohl durchkreuzt. Als ich zur Mittagspause nach Hause kam, war das Haus sauber aber verlassen. Ich hatte grade die Bohnen aufgesetzt, als mein Telefon klingelte: „Sista Eva, die haben mich hier behalten und sagen, ich bekomm jetzt mein Kind. Meine Schmerzen sind keine Krankheit, sondern Wehen!“

Wir haben uns verrechnet, oder sie ist zu frueh dran. Ich bin ein kopfloses Huhn und frage mich zum hundertsten Mal, wie ich jemals selber Kinder kriegen soll, wenn ich schon fuer fremde Baeuche so viel Angst haben kann. Es ist drei Uhr Nachmittags, ich sitze neben Marys Bett im Krankenhaus und schreibe diesen Blog auf Papier. Mary denkt, ich arbeite und ich lasse sie in dem Glauben, denn sie hat ein so schlechtes Gewissen, mich von der Arbeit abzuhalten.

Mit ihrem kleinen Kugelbauch sieht sie so zart und kindlich aus, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass da ein komplettes Baby drin sein soll, dass sie ganz allein durch die erwachsenen Schmerzen einer Geburt gehen soll und dass sie schon ganz bald selber Mutter sein wird. Meine kleine Mary. Ich sage allen, sie sei meine Tochter und sie lachen freundlich ueber diese weisse Spinnerin...

Mittwoch, August 01, 2007

Radio-Star werden

Das mach ich noch schnell mit links, bevor ich hier abhaue. Also, Dienstag nachmittag alle schoen Rock FM 103.7 einschalten und Eva dabei zuhoeren, wie sie zum Thema Fischerei in kleinen Staudaemmen n dummes Gesicht und nen guten Eindruck macht.

Sonntag, Juli 29, 2007

Hellohellohello

Auch beim Ofenumzug werden weisse Frauen natuerlich nicht davon verschont, permanent von allen kleinen Kindern in der Umgebung gegruesstgegruesstgegruesst und beobachtet zu werden. Oh weh oh weh, jetzt gibt es in meinem Haus keine Herzkuchenformen mehr....
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Der ist so schwer...

... weil er auch schwer viel Geld gekostet hat, sagt Mary als wir heute ihren Backofen von meiner Terrasse in das Haus ihrer Mutter transportierten. Versteckt hinter dem Ofen seht Ihr uebrigends Evans, ihren Mann.
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Jott We De!

Stellt Euch vor, ich steh nach dem Regen abends um acht auf einer duesteren aufgeweichten Strasse vor meinem Haus, schwarze Frauen mit Moehren auf dem Kopf gehen an mir vorbei und gruessen freundlich, die Grillen grillen und auf der anderen Seite der Welt ist es acht Uhr morgens und der Winter vielleicht grad vorbei und ich spreche mit Freundin K in Neuseeland, bevor die Kinder aufwachen. Da bin ich immer noch klein Eva aus Dueren und kann mir nicht vorstellen, dass das mit dem Telefonieren wirklich funktionniert und dass sie ungelogen grad auf der anderen Seite sind. Vor lauter Glueck die liebe Stimme zu hoeren hab ich gar nichts zu erzaehlen...

Ouageshi


Und das macht Vegetarier gluecklich? Ja tatsaechlich, das ist der einzige lokal produzierte Kaese. Aussen rot und innen weiss, nicht roh zu essen wegen Tuberkulosegefahr. Wenn man ihn braet, schmilzt er nicht, sondern wird nur schoen kross aussenrum. Ansonsten schmeckt er freundlich nach nichts und laesst sich deshalb ueberall untermischen. Verkauft wird der von den Fulani, den herumziehenden Kuh-Hirten aus Burkina Faso, die in der Regenzeit (sonst gibts keine frische Milch) in einer Ecke des Marktes auf dem Boden sitzen, vor sich grosse Eimer voller Joghurt, Milch und Kaese. Falls irgendjemand gekochten Joghurt mag, (oder vor Tuberkulose keine Angst hat) braucht's ihm also an nichts zu fehlen...
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Verdammt viel Zeit uebrig


Ganze drei Stunden naemlich. Gestern sprach ich mit dem Radio-Manager ueber die Details und das Ergebnis unserer sehr freundlichen Verhandlungen ist Folgendes: Die Rueckzahlung ihrer Schulden erfolgt in Form von drei Stunden Radiozeit und einem Jingle (also so einem regelmaessig eingeblendeten Radiowerbesong, wo sie singen: „Lalala Eva ist super tralala“ oder was auch immer mir einfaellt).

Das ist alles schoen und gut und wir hatten beide ein zufriedenes Laecheln und einen festen Handschlag fuereinander uebrig, als ich sein Buero verliess. Aber, meine Herren, ich will ja nicht wirklich, dass sie von der SuperEva singen und drei Stunden sind ne ganz schoen lange Zeit. Vor allem, wenn ich in einem Monat schon das Land verlasse.

Soll ich etwa mit Eva’s Kochstudio den Menschen in Bolga das Pizza-backen beibringen? Und Mary damit ihren Job kaputt machen? Nein, vermutlich werde ich diese Radio-Zeit der Wasser Commission spenden, mit der ich hier zusammen arbeite. Dann koennen wir zum Beispiel sechs halbstuendige Radio-Diskussionen ueber ein Jahr verteilen, in denen wir den Menschen erzaehlen, dass es uns gibt und wie sie mit ihrem Wasser besser umgehn. Und in dem Jingle koennen wir dann singen: „Lalala Wasser ist Super trallalal (sagt Eva tralala)“

Wie, sagt Ihr, wenn ich die Zeit spende, hab ich doch weder mein Geld noch sonst irgendwas wirklich zurueckbekommen? Naja, das Geld, im Sinne von tatsaechlichem anfassbarem Bargeld, hab ich ja eh schon lange abgeschrieben. Ich will nur, dass meine Rechnung klar und beglichen ist und dass Mary sieht, dass das Radio mir nichts mehr schuldet. Wenn ich dann noch dazu mit meinen Radio-Stunden eine gute Sache unterstuetzen kann, wunderbar, dann ist das Geld doppelt gut investiert.

Samstag, Juli 28, 2007

Radiomann, das Neuste


Gestern war ich in meiner benachbarten Radiostation, um dem Radiomann einen Deal vorzuschlagen. Schliesslich brennt es Mary die Seele zu Asche, dass er mir noch so viel Geld schuldet, waehrend sie den Kredit fuer den Ofen so brav zurueckgezahlt hat. Und, ehrlich gesagt, ich wuerde auch lieber meinen Anteil zurueckbekommen, bevor ich Bolga verlasse.

Was bisher geschah (fuer die, die neu zugeschaltet haben):

Der Radiomann war einer der Wilden Jungs, mit denen ich frueher haeufiger tanzen gegangen bin und Sonntags nachmittags in meinem Haus ueber Buecher, Politik und eben Radio diskutiert hab. Ueber Radio redeten wir nur theoretisch, denn obwohl die Station in Radiomanns Kopf schon bis ins Detail des Donnerstagsabendprograms ausgefeilt war, fehlte in der Realitaet das Geld fuer den Sender, also das tatsaechliche kleine technische Geraetchen, das das Programm aussendet. Alles andere, Sendeturm und Studio war da, aber dieses kleine kleine Teil... keiner gab ihm den Kredit, seine eigenen Mittel waren mehr als erschoepft etc. pp.. Also hoerte ich mir etwa ein Jahr lang theoretische Radiogeschichten an, bis ich irgendwann genug hatte: „Wieviel brauchst Du, ich geb Dir nen Kredit – Wenn Du bloss anfaengst, Radio zu machen, statt ueber Radio zu reden!“

Natuerlich ist es eitel, dieses Gefuehl haben zu wollen, ich kann mein Geld rumschmeissen, wie ich will, und ich kann Sachen passieren lassen, wo andere nur drueber reden. Und Eitelkeit hat ihren Preis. Die lange Version dieser Geschichte erstreckt sich ueber diesen blog. Die kurze Version ist Folgende: Das Radio sendet. Eva hat von ihrem Geld (das Mai 2006 faellig war) erst die Haelfte zurueckbekommen – und auch das nur mit einem Trick: Ein Freund brauchte Radio-Berichterstattung und als es ans Bezahlen ging, gab er das Geld im Beisein des Radiomanns an mich.

Gestern bin ich also ruebergegangen um ihm einen ganz aehnlichen Deal vorzuschlagen (keine Ahnung, warum ich da nicht frueher drauf gekommen bin): Ihr braucht mir kein Geld zurueckzugeben, bezahlt mich einfach in Sendezeit. Berichtet von meinem naechsten Seminar und dann machen wir noch ne Radio-Diskussion ueber Wasser und alle sind gluecklich.

Als ich mit Radiomann reden wollte, erfuhr ich, dass da in meiner Nachbarschaft ganz still und leise eine Palastrevolution von statten ging. Management Team sagten sie, ich koennte mit einem vom Management Team reden. Die wussten natuerlich nichts von seinen Schulden, glaubten mir das aber trotzdem unbesehn... Vor der Station traf ich dann einen anderen wilden Jungen und der erzaehlte: „Wir wollen Radiomann hier raus haben und das ganze professionell fuehren.“

Wow. Ich weiss ja, dass er alle belogen und betrogen und ausgenutzt hat, um die Station ans Laufen zu kriegen. Trotzdem, was fuer eine tragisch traurige Geschichte, wenn Du Deine Seele verkaufst um eine Radiostation aufzumachen, nur damit Deine ehemalig besten Freunde dich da raus draengen. Und am Ende hast du weder Seele, noch Freunde, noch Radiostation...

Freitag, Juli 27, 2007

Schlechte Fotos machen


kann ich besonders gut. Aber denen von Euch, die einfach wissen wollen, wie es Mary so geht, macht's vielleicht weniger aus, dass das ein verdammt doofes und falsch belichtetes Foto mit einer haesslichen Mauer im Hintergrund ist. Ihr aergert Euch nur, dass man ihr Gesicht nicht wirklich erkennen kann. Aber, ungelogen, das ist die wirkliche echte Mary, kein Double mit Kissen unterm Kleid...
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Mary nimmt ab

Gestern machte ich eine Bemerkung ueber ihren immer dickeren Bauch und sie sagte: "Komisch, dass Du das sagst, die Krankenschwestern schimpfen mit mir, weil ich abnehme statt zuzunehmen."

Der Grund dafuer ist vermutlich ganz einfach: Sie hat keine rechte Lust mehr zu essen. Ausser Suessigkeiten, was komisch ist, denn normalerweise kann sie mit Suessem nichts anfangen und musste immer lachen, wenn meine Mutter in die Kueche kam und sagte: "Sweets Mary, sweets, lecker!"

Nun, vielleicht gibt das Baby nun schon den Ton an und hat seinen sweet tooth (suessen Zahn) von seiner Adoptiv-Grossmutter geerbt... Ich jedenfalls koche nun quasi aus Versehen zu viel, damit ich sie bitten kann, mir doch beim Reste-Essen zur Seite zu stehn.

Donnerstag, Juli 26, 2007

Ha! Siehste! Sag ich doch!


Diese Chinesen! Da musste echt aufpassen! Schwester P. ist grade in China und stellt Euch vor, sie kann meinen blog von da aus nicht lesen. Zensiert!

Ok, in Wirklichkeit kann man von China aus gar keinen einzigen Blog lesen und die sind alle zensiert. Aber fuer eine kleine kosmische Sekunde moechte ich mir vorstellen, dass ich wichtig genug bin, dass sie genau mich und extra mich zensieren, weil ich oeffentlich daran zweifle, dass ihre Babys in die Luft springen und fuenf Leute platt-treten koennen, bevor sie landen...

Mittwoch, Juli 25, 2007

Vom verborgenen Nutzen schlechter Nachbarn


Also unsere Gegenuebernachbarin ist ja so eine Bloetschkuh, das ist kaum zu fassen. Und in dieser Eigenheit ist sie fuer die Nachbarschaft von unschaetzbarem Wert. Sie ist die Dorfmatratze, die im weiten Umkreis Ehemaenner klaut, frisst sich selber rund und gesund, waehrend ihre Kinder immer duenner werden, will Puffmutter spielen und bietet Mary an, ihr einen wohlhabenden alten Geliebten zu suchen, hetzt beste Freunde gegeneinander auf, bis die Faeuste fliegen und schlaegt ihre Kinder gradezu nebensaechlich und gelangweilt. Sie ist die personifizierte banale Bosheit mit dem laechelnden Gesicht, eine 1 A Pissflitsche, wie sie im Buche steht.

Was so eine Frau fuer das Gemeinschaftsgefuehl ihrer Umgebung tut, ist unglaublich, ist besser als Helmut Kohl, der Kanzler der Einheit. Wo diese Frau lebt, gibt es keine Mauer mehr in den Koepfen, ihre ganze Nachbarschaft ist wiedervereinigt – was uns verbindet ist die Gewissheit, dass sie unmoeglich ist (im Gegensatz zu uns selbst natuerlich).

Mary erzaehlte mir voller Genugtuung, wie bei ihrem letzten Skandal die gesamte Nachbarschaft vor den Haeusern stand und zusah und zuhoerte. Sie hatte ihre letzte beste Freundin so geaergert, dass die ausrastete und alle schmutzigen Geheimnisse laut krakeelend vor der Nachbarschaft ausbreitete, bis besagte Nachbarin sich nur noch in ihrem Zimmerchen versteckte und nicht mehr rauskommen wollte.

Ja, klar, aus der Distanz betrachtet ist das natuerlich gemein von uns und was maßen wir uns das Recht an, sie als Tratschtante zu verurteilen, waehrend wir uns ueber sie das Maul zerreissen. Aber aus der Naehe kenne ich einige der Geruechte, die sie ueber mich in die Welt gesetzt hat, und das daempft doch das Mitleid gewaltig. Und stellt Euch vor, jetzt verbietet sie ihren Kindern, ihr Klo zu benutzen, denn da koennte sie sich ja bei den Kindern mit irgendwelchen fiesen Krankheiten anstecken. Statt dessen muessen sich die Maedchen hinter unsere Gartenmauer hocken, waehrend sie schoen einsam und allein auf der sauberen wunderbaren Porzelanschuessel hockt (traaatschtraaatschtraaatsch, Kinners nee, is dat schoen...).

Montag, Juli 23, 2007

Verrechnet?

Samstag hab ich mich mit Mary und dem Medizinbuch hingesetzt und versucht, zu rechnen. Das Ergebnis gefaellt mir ueberhaupt nicht. Wie's aussieht ist ihr Baby etwa in dem Zeitraum faellig, in dem mein Umzug aus Bolga ansteht. Meine Guete, denk ich, sie hatte doch sonst nichts zu tun, haette sie nicht schoen 'nen Monat eher schwanger werden koennen?

Herz rausreissen - aber mit Wuerde

Heute hab ich Aaron, meinem ghanaischen Buerokollegen, genauer auseinandergelegt, wann ich meine Haeuser aufloesen und das Land verlassen werde. Er wurde ganz grau im Gesicht und mir wurde klar, dass er sich seit Wochen geweigert hatte, mir zuzuhoeren, wenn ich von den naechsten Plaenen sprach. Nichts kann ihm den Tag nun noch retten und ich bin ihm Herzen beruehrt, denn schliesslich hoer ich mir selbst am liebsten auch nicht zu, wenn ich davon rede, dass ich Anfang September hier die Zelte abbrechen werde…

Irgendwann vor langer Zeit hatte ich festgestellt, dass in Ghana Maenner und Frauen keine Freunde sein koennen, dass das Konzept einfach nicht besteht und deshalb jegliche Freundschaftlichkeit zwischen Maennern und Frauen irgendwann zu einer Beziehung oder keiner Beziehung fuehrt.

Wie fast immer habe ich mich in meiner Instant-Kulturanalyse geirrt. Freundschaften zwischen Maennern und Frauen gedeihen in Ghana vor allem dann gut, wenn sie einen Rahmen haben, der begruendet, warum die beiden so viel Zeit miteinander verbringen. Zum Beispiel weil sie Kollegen sind. Und so sind – von mir fast unbemerkt – mit Aaron und Douglas ganz wunderbare Freundschaften gewachsen, die mitten ins Herz treffen, ohne jemals die Grenze dessen zu ueberschreiten, was in einem Buero angemessen ist. Wir alle wissen, dass es zu dieser Art Freundschaft nicht gehoert, Freizeit miteinander verbringen. Und werden uns bemuehen, den Abschied nicht mit oeffentlichen Traenen zu dekorieren. Aber Laecheln, laecheln werden wir nicht.

Freitag, Juli 20, 2007

Gefaehrliche Greise


Ok, das ist ne Laotin und keine Chinesin, aber ich wette mit Euch, wenn ich die nur ordentlich geaergert haette, waere die auch wie ein Bumerang durch die Luft gesaust, haette dabei wilde Schreie ausgestossen und alles umgetreten, was nicht niet- und nagelfest ist... (s.u.)
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Rapp-Zapp Ching Chong


„Babys, Erwachsene, Opas, Omas, die koennen das alle, das sieht man doch in den Filmen, springen in die Luft und bevor sie landen haben sie zackbummpaf mindestens fuenf Leute schachmatt getreten. Vor denen musst Du Dich vorsehn - don't joke with them!“ Douglas schaut zu den Chinesen rueber, die sich in die andere Ecke des Restaurants gesetzt haben. Natuerlich lacht er, waehrend er das erzaehlt. Aber er spricht auch ganz ganz leise, so dass sie ihn nicht hoeren koennen. Zwar glaubt er nicht wirklich, dass sogar Babys fuenf Leute in einem Sprung ausser Gefecht setzen koennen. Aber irgendwie, die beiden sind ja keine Babys und in China kann das halt doch irgendwie jeder. Und ehrlich gesagt bin ich genau so wenig in China gewesen wie er, wie kann ich da so sicher sein, dass das Quatsch ist, der nur in bescheuerten Kung-Fu Filmen vorkommt. Wenn ich in Washington bin, werde ich unsere chinesische Forschungsassistentin ein wenig trietzen und dann kann ich ja sehn, wie sie mit einem Sprung fuenf Computer tot-tritt. Fotos demnaechst in diesem Blog.

Accra zeigt dem Meer den Hintern

Das ist wirklich unglaublich. Ich war noch nie in einer Kuestenstadt, die das Meer so ignoriert. In Lome zum Beispiel, im benachbarten Togo, versammelt sich die halbe Stadt Sonntags morgens zum Strandlauf und Wellenhuepfen und flanniert die Promenade auf und ab. Accra dagegen wendet sich vom Meer ab, weite Teile des Strandes sind durch erbaermliche Huettensiedlungen vom Rest der Stadt abgeschnitten, dann gibt es eine Gegend, wo das Meer hinter riesigen Paradeplaetzen und offiziellen Gebaeuden ab und an aufblitzt, in der Innenstadt riecht man kein Meer und zu Fuss kann man es kaum finden. Davon abgesehn, zeigen die Accraer auch individuell dem Meer ihren Hintern zu regelmaessig, so dass das bisschen Strand, das theoretisch bespielbar waere, praktisch ein grosses Sand-Klo ist.

Die Di und der Dodi – das dötliche Drama

Mal wieder Heimatgefuehle (fuer anderleuts Heimat, aber was heisst das schon) mit meiner Irischen Freundin in Bolga. Auf ihrem Computer gucken wir in heisser Nacht „The Queen“, einen Film der uns damit fesselt, dass in erlesenem Interieur und vor atemberaubender Landschaft nichts passiert, ausser dass am Anfang die Di und der Dodi sterben und sich dann die Uebrigen nach Schottland zurueckziehn und nach einer Woche kommt die Queen dann doch wieder nach London und spricht zu ihren Untergebenen als Koenigin und Grossmutter.

Wir sind begeistert, bewundern ihre Kleider und trinken zu Ehren der Koenigin Mutter Gin mit Brombeersaft. „Up the Queen!“ (so, das erzaehlte man mir in Namibia, prostet man sich in royalistischen Ex-Kolonialkreisen zu, bevor man sich das Zeug – bestimmt nichts mit Brombeersaft – in einem Schluck hinter die Binde kippt. Fuer mich hoert das sich aber eher so an wie „Up your ass!“, was keine Trink-Aufforderung ist, sondern der maessig freundliche Hinweis, sich etwas dahin zu stecken, wo die Gurke schon steckt... Da sag ich doch lieber: „Zum Wohl! Auf uns Lissbeth!“)

P.s.: Preisfrage: Von welchen mittelmaessigen deutschen Hip-Hoppern stammt der Titel dieses Blogs...?

Wundermaschinchen


Vorgestern wurde am Flughafen in Kampala, Uganda, ein Priester verhaftet, der ein Wundermaschinchen ins Land einfuehren wollte. Der Wunderheiler traegt that Geraet unter dem Hemd oder im Schuh und auf Knopfdruck laed er sich selbst mit 12 Volt elektrisch auf. Sobald er einen Kranken anfasst, entlaed er sich und Zzzzzzisch! spuert der Leidende die goettlicher Energie durch sich durch fliessen und ist – vielleicht – geheilt. Behoerden und Kirchenvaeter fanden das gar nicht lustig, obwohl der Priester doch steif und fest behauptete, das sei ein Spielzeug, mit dem sich in Europa die Kinder amuesierten und er haette doch nie und nimmer vorgehabt, irgendwen betruegerisch zu heilen. Ich hab die Nachrichten von meinem liebsten Radio Sender und frage mich, ob das nun als Warnhinweis oder als Geschaeftsidee fuer Ghanaer ist.

Dienstag, Juli 17, 2007

Wie man Mary was Gutes tut

weiss ich noch immer nicht. Heute zum Beispiel hab ich ihr angeboten, sie koennte doch zu Hause bleiben und sich ausruhn, statt sich mit ihrem schweren Bauch zur Arbeit zu schleppen. Wir koennten ja dann irgendwas mit ihrer Putzhilfe (s.u.) arrangieren.

Habt Ihr irgendwann mal beobachtet, was Taubenjunge mit ihren Eltern tun, wenn diese ankommen um sie zu fuettern, wie diese haesslichen nackten Viehcher ihre riesigen Schnaebel in den Schnabel der Mutter reinstossen und hacken und krakeelen, dass das alles nicht reicht? So in etwa muss man sich Marys Situation zu Hause vorstellen, mit den 5 schulpflichtigen Kindern der kranken Schwiegermutter, die alle gefuettert, deren Kleider gewaschen und deren Hintern hinterhergetragen werden muessen. Und ich biete Mary an, sie koenne ja gerne zu Hause bleiben, als zu mir zu kommen, wo das Haus den ganzen Tag ueber leer steht und Mary ihre eigene Matratze, die Bibel und das fette Gesundheitsbuch hat, um den Tag zu verdoesen...

Mr Wichtig und Begleitschutz

(Archivbild von der Beerdigung des Bawku Chiefs, bei der die gleiche politische Mischpoke auf die Pauke gehauen hat)
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Dicke Maxe


Samstag mittag ging ich mit Freunden essen. Vor dem Lokal parkten fette Autos so kreuz und quer, dass fuer niemanden sonst Platz war und das alle sehen konnten: Die in diesen Autos angekarrt wurden, sind einfach zu wichtig, um fuer andere Platz zu machen. Naja, das konnte man nicht nur an der Dicke der Autos und dem bescheuerten Parkverhalten sehn, sondern auch an den Partei-Fahnen, die die Autos schmueckten. Als wir uns hinsetzten, konnten wir auch gleich sehn bzw hoeren, wo der Hammer hing. Da hinten in der Ecke sassen drei feiste Kerle, die nach einigen Mittagsbier die Bedienungen anbruellten. Mein Ghanaischer Begleiter erklaerte, dass sie so bruellen muessen, damit auch jeder sieht, dass sie grosse Maenner sind. Als ich sagte, dass in Deutschland die kleinsten Hunde am lautesten klaeffen, laechelte er peinlich beruehrt – und ich merkte, dass die umsitzenden Ghanaer dieses laute Verhalten weder unangemessen noch billig finden und dass sie tatsaechlich am Gebruell merken, wer der Leithammel ist. Der Wahlkampf ist eroeffnet.

Freitag, Juli 13, 2007

Schuettelreim des Tages - aus aktuellem Anlass

Mein Heimaturlaub war Kiel zu Furz

Auf zu neuen Abenteuern?

Auf Schlau heisst das Autosuggestion – in Dueren nennen wir es “sich was schoen reden“ (frei nach dem Motto der Mutter: Das glaub ich fuer Dich mit!), und das ist eine wichtige Faehigkeit, denn ob ich mir irgendwas nun irgendwie rede oder nicht, es bleibt dabei: Im September muss ich von meinen Haeusern und Leuten und Ziegenkitzen in Ghana Abschied nehmen und meinen Pruell (inkl. mich selbst)nach Washington verfrachten. Also hab ich bei diesem Heimaturlaub von der Zickenbrille bis zu den Anzugschuhen lauter Sachen gekauft, die in ein amerikanisches Buero passen sollen (keine Knallfarben mehr...) oder auf die amerikanische Strasse (anscheinend traegt man wieder kurzen Rock – ausserhalb Ghanas). Jetzt ist kurz vor sieben, ich bin quasi auf dem Weg zum Duesseldorfer Flughafen und hab ein ganz komisches Gefuehl im Bauch: „Jetzt nochmal schnell zum Zwischenstopp nach Ghana, alles abwickeln, Marys Kind auf die Welt bringen, Douglas versorgen, tausend Haende schuetteln und Traenen weinen und los gehts, auf zu neuen Abenteuern.“ Gluecklicherweise hab ich aber im Hinterkopf den ein oder anderen Plan, der mich noch haeufiger nach Ghana bringen soll. Mal sehn, welcher klappt...
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Hinter verschlossenen Tueren


Marys Bauch stippt jetzt ganz spitz gegen das weite Kleid. Aus gegebenem Anlass hab ich sie heute gefragt, wie das nach der Geburt ist, ich hatte irgendwas davon gehoert, dass das Kind die ersten drei Monate das Haus nicht verlassen darf. Ja, sagt Mary, Mutter und Kind duerfen drei Monate nicht raus, duerfen im Zimmer noch nichtmal den Ventilator anschalten und die Mutter darf nur heisses Essen und heisses Wasser zu sich nehmen. Sonst kriegt sie diese Krankheit, von der wir beide wissen, dass sie auf Eiweissmangel zurueckzufuehren ist. Wie man von der Luft, die der Ventilator in einen reinweht Eiweissmangel kriegt, wissen wir auch nicht. Ach ja und waehrend der Schwangerschaft darf man keinen Kakao trinken, sonst wird das Baby fett, nicht kehren, sonst stechen die Besenreiser dem Kind die Augen aus und muss immer ganz grade und aufrecht sitzen. Bei dem Gedanken, dass der Kindsvater bei der Geburt dabei sein koennte, reisst Mary die Augen unglaeubig auf. Hier im Krankenhaus darf niemand die Gebaehrende begleiten, nicht mal die eigene Mutter. Und sie ist erstaunt, dass die meissten weissen Frauen ihre Kinder auf dem gleichen schmerzhaften Weg gebaehren wie Ghanaerinnen.

Montag, Juli 09, 2007

Alle Probleme geloest

Letztes Jahr hatte Ghana grossartige Drogenskandale, Unmengen Kokain wurden unter ausfuehrlichem Medieninteresse entdeckt und beschlagnahmt. Aber dann wurde es irgendwie sehr still um die Tatsache, dass nicht viel passierte und die Strafverfolgung nach oben hin versickerte. Natuerlich wird spekuliert, dass irgendwer von ganz oben (aus dem Ashante Koenigshaus? Von der Polizei? Aus der Regierung?) in die Geschichte verwickelt ist und genug Einfluss hat, fuer Ruhe zu sorgen. Wird (oder ist?) Ghana einer DER Umschlagplaetze fuer harte Drogen, die aus Suedamerika nach Europa fliessen?

Aber das alles ist gar nicht schlimm, denn jetzt hat Ghana einen Weg gefunden, das Drogenproblem ein fuer alle Mal zu loesen. Die Drogenhaendler werden einander nun an den Haenden halten und singen und freundlich zu kleinen Kindern sein und sich eine ehrliche Arbeit suchen (z.B. Tulpenzuechter?). Schliesslich wissen sie jetzt endlich, dass das gar nicht gut ist, Drogen zu handeln. Rund um den Flughafen wurden naemlich jetzt Plakate aufgestellt, die warnen „If you transport drugs, you will end up in prison.“ (Wenn Du Drogen transportierst, wirst Du im Gefaengnis landen) Das musste dochmal klargestellt werden. Die armen Drogenhaendler machen das doch nur, weil sie gar nicht wissen, dass sie dafuer in den Knast kommen werden.

Ich freu mich schon auf die Plakate am Strassenrand, mit denen die Ghanaische Regierung das Problem der Raubueberfaelle loesen wird: „Wenn Du Raubueberfaelle machst, wirst Du im Gefaengnis landen (falls Du dem Lynchmob entgehst)“

Oder die Konflikte um die Herrschaftsfolge im Norden. Wenn man in den entsprechenden Doerfern doch einfach Schilder aufstellen koennte „Koenigsmord ist Pfui!“ Dann wuessten die das endlich und wuerden damit aufhoeren.

Wieviel Geld fuer Polizei und Armee man einsparen koennte, wenn man nur genug Schilder aufstellt, wo man die Boesen informiert, dass es echt besser waere, aufzuehoeren mit ihren Missetaten und anzufangen, gute Menschen zu werden...

Wir sehen: Von Ghana lernen heisst siegen lernen. Also, lieber Herr Bush, pfeiffen Sie Ihre Armeen zurueck und schulen Sie sie um zu Schildermalern: „Terrorist sein ist boese“ und „Selbstmordattentaeter sind danach tot“

Dienstag, Juli 03, 2007

Lukrative Geldspiele

Ok, Taxifahrer, die nie zur Schule gegangen sind, haben jedes Recht, verwirrt zu sein, wenn man ihrer Waehrung vier Nullen abschneidet (s.u.). Aber im Forex Buero, der offiziellen Wechselstube? Ich haette grade mit Leichtigkeit meinen Einsatz verzehnfachen koennen. Weil die Maedels in ihrer Verwirrung gerne mal 5 und 50 Cedis verwechselten. Und ich frage mich, ob ich ueberhaupt in Deutschland war, als der Euro kam, denn ich kann mich an gar keine verwirrenden Umtauschaktionen erinnern...

Montag, Juli 02, 2007

Nie mehr Millionaer


Seit gestern gibt es den neuen Ghana Cedi, zumindest theoretisch. Praktisch hat noch niemand, den ich treffe, die neuen Geldscheine in der Hand gehabt, auf denen vier Nullen gestrichen wurden, so dass ein Cedi quasi einem Euro entspricht. Durch diese Waehrungsreform spielt ploetzlich der Peswa (das ist der Pfennig des Cedis) wieder eine Rolle. Und es ist ploetzlich verdammt schwierig, Cedi-Millionaerin zu sein...

Im Radio singen sie uns schon seit Monaten auf Englisch und allen erdenklichen Lokalsprachen vor, wie man den alten in den neuen Cedi umrechnet und der Slogan „New Ghana Cedi - The value stays the same“ („Neuer Ghana Cedi – der Wert bleibt der gleiche“) hat schon Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Aber erst auf meiner heutigen Taxi-Fahrt zur Arbeit wurde mir klar, was fuer ein riesiger Akt diese Umstellung ist, in einem Land, in dem so viele Leute nie oder sehr wenig zur Schule gegangen sind. Vielleicht sollte ich eine berufsbegleitende Taxifahrer-Mathe-Schule eroeffnen? Meinen ersten Schueler habe ich schon unterrichtet.

Mein heutiger Fahrer fuhr gut Auto, sprach akzeptabel Englisch und schickt seine drei Kinder zur Schule. Aber wie er aus den alten Cedis neue errechnet, war ihm kaum zugaenglich. Wir fingen an mit Rateversuchen, wie: 400 Cedis sind 1 Peswa. Und bewegten uns langsam zu dem Verstaendnis, dass immer (immer!) nur Nullen weggestrichen werden. Im Laufe der Fahrt wurde mir klar, dass es fuer ihn schwer verstaendlich ist, dass Peswa nicht einfach nur ein anderer Name fuer den neuen Cedi ist, denn schliesslich hatte er noch nie mit zwei verschiedenen Geldeinheiten zu tun.

Schliesslich hab ich ihm eine Umrechnungstabelle geschrieben,

10 000 alte Cedis = 1 neuer Cedi

15 000 alte Cedis = 1 neuer Cedi und 50 Peswas

Usw.

Am Ende der Fahrt bat ich ihn, mir das alles vorlesen und sah, wie schwierig es ist, zu verstehn, dass Sachen, die in einer Zeile stehn, zusammengehoeren. Und dass „10 000 entspricht 1“ ueberhaupt keinen Hinweis darauf gibt, wieviel 20 000 sein koennte. Nun, mein Fahrer hat den Schmierzettel dankend angenommen und versprochen, die ganzen Zahlen zu Hause auswendig zu lernen, bevor er sich wieder in sein Auto setzt. Ich hoffe, dass ich alle typischen Taxi-Preise aufgeschrieben hab, denn das Prinzip (4 Nullen streichen) hatte er bis zum Schluss nicht verstanden.

Meine Sehnsucht: Diese starken Maenner wiedersehn...

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Aus der Versenkung live auf unsere Showbuehne!

Ich kann es selbst gar nicht glauben, denn ich hatte kaum eine Minute, darueber nachzudenken oder mich darauf zu freuen. Aber es ist wahr. Morgen steig ich in den Flieger nach Deutschland und werde eine viel zu kurze Woche Heimat schnueffeln, auf dem Sofa sitzen, mit der Seilbahn ueber den Rhein schweben, hundert Kilometer durch deutsche Grossstadtstrassen laufen usw. Ich komme uebermorgen beruflich in Muenchen an (Hallo, ist irgendwer in Sueddeutschland???) und fahre von da weiter nach Hause. Abflug Richtung Ghana von Duesseldorf am elften.

Dienstag, Juni 26, 2007

Noch nicht ganz verschollen...

Wie eine bleierne Ente in der Waschmaschine beim Schleudergang. So geht's mir, danke der Nachfrage. Besuch von Kollegen, Bossen, Anopheles Muecken und dem ganzen Rest, machen es mir leider im Moment unmoeglich, regelmaessig Bericht abzugeben. Aber ich schwimme noch. Und ab und zu wird das Wasser abgepumpt und ich kann Luft holen, fuer die naechste Runde. Lustiges wieder, wenn ich Zeit zum Lachen hab (dito zum Thema Trauriges).

Freitag, Juni 15, 2007

Heimatgefuehle fuer den irischen Hausgast


Gestern abend waren Susan und ich gar zu schwach. Anfang der Woche hat sie mich mit den Verlockungen der Arztseriensucht bekannt gemacht, so dass wir jeden Abend eine Verabredung mit unseren neuen Freunden aus dem Trainingskrankenhaus in „Greys Anatomy“ hatten. Nun haben wir gestern die letzte DVD gesehn und der Abend hatte noch nichtmal wirklich begonnen. Um auf gleichem Niveau weiterzumachen, sind wir in die Englische TexMex Kneipe gefahren, wo man Tortillas mit Kaese ueberbacken isst, Fussballfahnen von der Decke haengen und jeder Abend einer bestimmten Unterhaltung gewidmet ist. Ich war schon froh, dass Donnerstag Quiz-Night ist und nicht Karaoke.

Zielsicher platzierte Susan uns an einem Tisch mit zwei kettenrauchenden taetowierten working-class Englaendern fortgeschrittenen mittleren Alters. Waehrend wir versuchten, ihnen bei Fussball- und Musikfragen irgendwie behilflich zu sein, assen wir junkfood, tranken die dazu passenden Getraenke, rauchten passiv bis zum Umfallen und lachten darueber, wie gut das manchmal tun kann, einen Abend auf Urlaub von Afrika zu gehn. Und an einem Tisch zu sitzen, wo keiner damit angibt, wer er ist, was er hat und kann.

Ok, meine Versuche, mit meinem Tischnachbarn ein Gespraech zu beginnen, waren nicht sehr erfolgreich: „Und was machst Du hier in Ghana?“ Pause. Noch ne Pause: „Das, was Du hier siehst: Rauchen, trinken, essen. Das Leben geniessen. Nicht mehr.“ Noch ein paar Pausen. Susan kam mit ihrem Gegenueber weiter. Der arbeitet seit 26 in der Tropenholzindustrie. „Aber in Ghana ist nicht mehr viel Wald uebrig,“ sagt er, „das haben wir alles abgehackt.“ „Und dann?“ „Then we chop down Liberia – Dann hacken wir Liberia kurz und klein,“ sagt er und lacht.

Donnerstag, Juni 14, 2007

Besonders clever


Heute hab ich ins Buero einen schoen warmen Wollpulli angezogen. Und fuehlte mich besonders clever. Zumindest einen Augenblick lang. Ich hatte etwa zwanzig Minuten Stau hinter mir, als mir einfiel, dass heute im Buero Stromausfall ist und deshalb alles mit Generatoren angetrieben wird, die nicht stark genug sind, um die Klima-Anlage anzuschmeissen. Nun kann ich also ganz ganz sicher sein, dass ich heute im Buero nicht friere. Und wenn ich was zu lachen brauch, schau ich einfach in den Spiegel, wische mir den Schweiss von der Stirn und sage Hahaha.

Heimfahrt durch nen Kinderwitz


Kennt Ihr den, wo ein Mann nach einem Landregen durch ein Dorf faehrt und eine riesige Pfuetze sich ueber die Dorfstrasse erstreckt? Er hat Angst um sein Auto und fragt einen Bauern, wie tief das Wasser sei. Der Bauer brummt: „Nich tief, fahrnse ruhich durch.“ Als das Auto bis zum Hals im Wasser versinkt, wundert sich der Bauer: „Komisch, meinen Enten ging das Wasser nur bis zur Brust.“

Dieser Witz ist, wie es sich fuer einen Kinderwitz gehoert, ohne Sex und nicht sehr witzig. Er verliert jeglichen Hauch von Lustigkeit, wenn ich nach der Arbeit in Daemmerung und stroehmendem Regen durch Accra nach Hause fahre.

Accras Abfluss-System besteht groesstenteils aus offenen, zementierten Strassengraeben, die in regelmaessigen Abstaenden von Muell und Aas und sonstnochwas verstopft sind. In der Regenzeit ertrinken regelmaessig Leute in Ueberschwemmungen, die leicht zu verhindern gewesen waeren. Wenn es hell und trocken ist, fahr ich Slalom um Schlagloecher, die einem ausgewachsenen Schwein bis zur Brust gehn wuerden und in die man 33 Enten stapeln koennte. Jede der meterlangen Wasserflaechen, die die duesteren Stassen nach dem Regen bedecken, kann deshalb so ein Dorfteich sein.

Also: An einsam ueberfluteter Strassenecke auf Gegenverkehr warten. Wenn die den Teich problemlos durchfahren haben, Strassenseite wechseln und genau da langfahren, wo das entgegenkommende Taxi nicht ertrunken ist. Keine Experimente. Mein Auto ist kein Fliewatuet.

Mittwoch, Juni 13, 2007

Aura-Fotografie


So seh ich aus, wenn ich einen Tag in meinem Buero in Accra gearbeitet hab... Alles frisch?
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Sommerjob in der Eisdiele in Accra


Draussen is es lecker warm. Die Sonne scheint (Ach. Is ja auch Afrika.) irgendwo in den angenehmen dreissigern. Ghana ist seit ueber einem Jahr in nationaler Energiekrise, weil der Volta-Stausee leer laeuft und einfach nicht genug produzieren kann, um die boomende Wirtschaft am Laufen zu halten. Alle drei Tage zwoelf Stunden Stromausfall.

Aber die Ghanaer bemuehen sich redlich, den Verlust in den zwei Tagen dazwischen aufzuholen. Also stellen sie die Klima-Anlage im Buero (meiner ganz persoenlichen Eis-Diele) auf 19 Grad und ich verfluche mich, dass ich meine Wollsocken zu Hause vergessen hab. Das Einzige, was da hilft, ist sich ans Fenster anzukuscheln. Zum Glueck haben die Bueros hier alle komplett undichte Fenster, die aus einzelnen schmalen Klappscheiben bestehen, die man so wie Jalousien oeffnet und schliesst.

In Anlehnung an meinen Vater frag ich mich nur: Mensch, wollt Ihr denn ganz Ghana kuehlen? Dann braucht Ihr Euch nicht wundern, wenn Euch der Strom ausgeht.

Dienstag, Juni 12, 2007

700

Dies ist Eintrag 700! Und er enthaelt keine Geschichte und spielt nicht in Afrika. Weil ich meiner Sprachheimat so fern bin, kann ich meinen neusten Schuettelreim hoechstens mit einem lachenden Herrn F am Telefon teilen. Und mit Euch:

Der Koch landet nen Volltreffer
Einhorn-Soufflee mit Trollpfeffer!

Donnerstag, Juni 07, 2007

Die Blumen waren so widerspruechlich

Spam-Poesie. Ich versteh ja schon, warum jemand den Aufwand betreibt, Spam zu versenden, wenn einer seine Penisverdickerungspillen oder seine boesartigen Viren unter's Volk bringen will, von mir aus (obwohl ich mit beiden nicht viel anfangen kann). Aber unter obiger Ueberschrift bekam ich heute folgende mail und das einzige Ziel, das ich hier erkennen kann ist die Verbreitung von Dada-Poesie. Oder kann mich jemand aufklaeren und mir sagen, wofuer dies gut sein soll:

der mineralbusiness entwickelt sich schnell!
sehen sie es am donnerstag 7. juni!

entreprise: harri expl inc
letzt. schlu?k: 0.45
5-t.ag prog.: 1.80

k,?rzel: e f d
w-k,n : a 0 h 0 5 q

verlieren sie keine moglichkeit
kau-fen vor es sehr spat wird

300-400 Interessen in folgenden 5t
fugen sie efd in ihre liste am
donnerstag 7. juni!

MXge deine Freundschaft mein Lohn sein. Die frische Nachtluft wird mir gut tun.

Der Einfall mit den Elefanten brachte ihn zum Lachen. Vater vor allen, den.
Sich der kleine Prinz, niemanden zu sehen. Auch hierin werde ich von dir lernen.
War sein Durst, dies sein Leiden. Dieser Kampf der Schafe mit den Blumen soll unwichtig sein.


Technikfolgeschaeden


Ganz frueher musste jemand, der einer Frau was Unangemessenes zufluestern wollte, sich ganz nah an das jeweilige Ohr heranschleichen. Damit riskierte er eine Ohrfeige oder schlimmere direkte Reaktionen. Das ist natuerlich wirklich ganz lange her, denn spaetestens mit Erfindung des Briefes konnte der furchtsamere Belaestiger schriftlich belaestigen. Andererseits wuenscht er sich moeglicherweise ein wenig direkte, wenn auch entfernte, Reaktion. Das erklaert die Hochkonjunktur des anonymen ins Telefon Stoehnens.

Aber die perverse SMS? Das hat weder den Stil eines Briefs noch die aengstigende Direktheit von Telefonueberfaellen. Das ist schlichtweg peinlich. Ich habe seit vielleicht einem Jahr einen perversen SMS Schicker – nicht anonym, denn ich hab diesen Kerl als den Bekannten eines Bekannten (Englaender, Amerikaner oder so...) einmal getroffen und aus irgendeinem Grund haben wir Telefonnummern ausgetauscht.

Nun schickt er mir alle zwei Monate oder so einen sehr flachen irgendwie sexuellen Witz, ein oder zweimal mitten in der Nacht und bestimmt besoffen eine recht direkte Beschreibung moeglicher gemeinsamer Aktivitaeten (also, was er sich vorstellt, was moeglich waere). Bei 120 Zeichen geht das aber ueber einen Quicky nie hinaus... und irgendwie werd ich das Gefuehl nicht los, dass er die gleiche SMS an alle Frauen in seinem Telefonbuch gleichzeitig schickt. Nicht dass mich das eifersuechtig machen wuerde. Meine Strategie ist: Ignorieren. Das geht bei SMS viel besser als beim direkt ins Ohr fluestern. Ich muss mir keinen fremden Speichel von der Schulter wischen. Und ich bin froh, dass man mich mit meiner Handy Nummer allein nicht aufstoebern kann.

Mittwoch, Juni 06, 2007

„Wachet auf! Ruft Euch die Stimme!


Der Waechter ist’s auf hoher Zinne!“ wenn Ihr das seid, was Ommaausgeich „gute Christenmenschen“ genannt haette, dann koennt Ihr hier mitsummen und wisst, dass der naechste Vers uns verraet, wer oder was aufwachen soll: Die Stadt Jerusalem.

Womit bewiesen waere, dass der fadenscheinige Krawallhannes, der mich (und alle anderen) heute morgen um halb fuenf aufgeweckt hat, kein guter Christenmensch ist und ausserdem seine Psalme mal genauer lesen sollte. Da steht wohl nicht: Wach auf Du Stadt Bolgatanga.

Heute morgen dachte ich mit Wehmut an die Deutschen Schrebergaertner und Nachbarschaftsstreiter, die bei jedem lauten Pups die Polizei rufen und eine Anklage wegen Laermbelaestigung erheben wollen. Natuerlich hab ich das in Deutschland noch nie selbst gemacht und auch immer verachtet. Was ich dabei uebersehen hab, ist dass Karl Huber und Franz-Joseph Schneider die wahren Helden des stillen Alltags sind. Denn nur weil jeder ihre Anzeige und ihre Rechtsschutzversicherung fuerchtet, passiert es bei uns doch aeusserst selten, dass jemand frueh morgens dem Auftrag des heiligen Geistes gehorcht und aus dem Stehgreif ein Stuendchen oder zwei lautsprecherverstaerkt das Wort Gottes in die Wohngegend bruellt. So laut, dass bei mir selbst noch mit geschlossenen Fenstern und Ohrenstoepseln Bekehrgefahr bestand.

Aber zum Glueck ist mein Frafra nicht gut genug, um den Prediger zu verstehn, so dass ich dieser Bekehrung knapp entgangen bin. Morgenmuffel der ich bin, faende ich das auch aeusserst unpraktisch, zu einem Glauben bekehrt zu werden, der fruehmorgendliches Bruellen erfordert.

(Was ganz was anderes: Mein kanadischer Mitbewohner in Accra hat Deutsch gelernt. Er bezeichnet sich selbst jetzt immer selbst als Morgenmuffin.)

Mary laechelt


Ach was, Mary lacht so aus sich raus, dass sie fast stolpert. Gestern fragte ich sie: „Mary, bei Dir zu Hause, wie kochst Du da, Kohlenpoette?“ „Ja, Kohlenpoette.“ „Wenn ich aus Ghana weggeh, willst Du dann meinen Herd haben?“ „A! Sista Eva! Meinst Du das ernst?“ und ihre Stimme ueberschlaegt sich. „Als Du mir letztens (das muss zwei Jahre her sein) erzaehlt hast, was so ein Herd kostet, hab ich noch gedacht: Ach, klein Mary wird sich so nen schoenen Herd niemals leisten koennen, drei Millionen! Eine der Nachbarinnen sagt immer: Warte nur ab, wenn die weisse Frau nach Hause geht, wirst Du ganz viele Sachen kriegen! Aber Eva, da hab ich immer an die Teller und Tassen gedacht, und mich darauf gefreut.“ Vor lauter Freude haben wir die Haelfte meiner Mittagspause verkichert und sie hat grosse Geschichten aus dem wilden Kumasi erzaehlt.

Etwas ernster wurde es, als wir ein wenig ueber ihre Zukunft sprachen: Wenn ich weg bin, will sie den Ofen in der Innenstadt bei ihrer Mutter in den Hof stellen, eine Frau anstellen, die Fleischpasteten backen kann und so die Produktionslinie erweitern. Ich versuche, ihr ein wenig ins Gewissen zu reden zum Thema: „Wenn Du mal gross und erfolgreich werden willst, brauchst Du eine Vision!“ Da merkte ich, was fuer nen Quatsch ich da eigentlich erzaehlte und kriegte die Kurve grade noch. Als ich einen Satz mit: „Wenn Du ein ordentliches Leben fuehren willst und alle Deine Kinder zur Schule schicken...“ fingen Mary’s Augen ploetzlich wieder an zu glaenzen und sie nickte wie wild: „Genau! Das will ich!“

Montag, Juni 04, 2007

Einmal anfassen?

Chef sein in Afrika ist super. Man hat so ein ganz familiaeres Verhaeltnis zu seinen Angestellten und das ist gar nicht so unpersoenlich wie zu Hause. Wie toll, wenn ich gleichzeitig eine Art Mutter fuer meine Angestellten sein kann. Gestern zum Beispiel kam mein Wachmann zu mir und erzaehlte mir ausfuehrlich, warum es ihm im Moment nicht so gut geht, er habe da so eine Beule am Hintern, die ist jetzt schon sooo gross und ganz hart und voll mit so nem Zeug und wenn diese Beulen wachsen, dann hat er ploetzlich so Schweissausbrueche und so’n Zittern. Nein, im Krankenhaus war er damit noch nicht, da spritzen die einem was, das hilft aber nicht, statt dessen nimmt er nun dies und jenes Medikament. In so ner Situation wuerde ich meinem Wachmann gerne einen Tele-Arbeitsplatz in Timbuktu anbieten, nur um der Gefahr zu entgehn, dass er die Hosen runterlaesst und sagt: „Madam, guck doch mal, vielleicht kannst Du meine Hinternbeule ja behandeln.“

Samstag, Juni 02, 2007

Spirituelle Kammerjaeger


Als ich Mittwoch von der Arbeit nach Hause kam, fand ich folgenden Brief von Mary:

Please sister Eva am sorry to inform you I will be going to Kumasi tommorow I had a call this afternoon from Evans he is in Kumasi with they Mother. For prayers and the pastor said he have to pray for all they familly member to cast the demons in they family because they is always war in the family sister Eva please forgive me I will be back on Friday. See you Mary your girl.

Bitte Schwester Eva tut mir leid Dich zu informieren dass ich morgen nach Kumasi fahren werde ich hatte heute nachmittag einen Anruf von Evans (ihr Ehemann) er ist in Kumasi mit ihre Mutter fuer Gebete und der Pastor sagte er muss fuer alle Familienmitglieder beten um die Daemonen aus der Familie auszutreiben denn da ist immer Krieg in der Familie Schwester Eva bitte vergib mir ich werde Freitag wieder da sein. Bis dann, Mary Dein Maedchen.

Zu erst war ich verwirrt. Dann hab ich gedacht: Jaja, zu schwanger um zu kehren, aber auf nem Lastwagen durchs halbe Land fahren geht. Und dann hab ich mir die Daemonen vorgestellt... So kleine boesartige spirituelle Ratten, die alles anfressen und die Pest ins Haus bringen. Wenn ich Daemonenratten im eigenen Haus haette und Staub in Evas Haus und muesste mich entscheiden, worum ich mich als erstes kuemmer... Dann kann der Staub tatsaechlich mal ein paar Tage warten.

Huhn oder Ei oder wer


... war denn jetzt zuerst da? Hier in Bolga laufen so viele mad people rum, also Verrueckte. Wenn ich frage, was mit denen los ist, warum die halbnackt und verwirrt durch die Strassen irren, sich die Ohren zuhalten und mit sich selbst oder dem Himmel reden oder einfach nur strassengrabenfarben unbeweglich in der Ecke sitzen, sagen die Ghanaer: Das kommt vom Kiffen. Wenn man zu viel kifft, wird man so.

Dass das irgendwie nicht stimmen kann, war mir schon klar, es sei denn, hier wird ein ganz anderer Stoff geraucht als zu Hause. Aber gestern hat eine kanadische Bekannte mir die Geschichte endlich vom Kopf auf die Fuesse gestellt: Leute mit Psychosen und aehnlichen Problemen versuchen, sich irgendwie selbst zu behandeln und ihr Leiden zu erleichtern. In einer Welt in der Psychopharmaka und Therapien nicht vorkommen, kann Haschisch das gequaelte Hirn ein wenig beruhigen und dem Schmerz die Kanten nehmen.



Aber andersrum (die werden vom kiffen irre) eignet sich die Geschichte natuerlich viel besser, um die Jungs und Maedels hier zu Wohlverhalten zu animieren...