Montag, Januar 29, 2007

Evas schnabuloese Restekueche

Heute: Langer Tach auf Aahbeit und weichgekochte Linsen von vorgestern.
Erfindung des Tages: Butteriger Kartoffel-Linsen-Brei mit getrockneten Steinpilzen. Wow. Jetzt ist alles wieder gut. Und so gehts:
Soviel Kartoffel schaelen, kleinschneiden und kochen, wie weiche Linsen uebrig sind. Abschuetten. Dieweil die Steinpilze einweichen und kleinschneiden. Bisschen Zwiebel hacken und in grosszuegiger Butter glasig duensten (nicht braun). Milch dazukippen und mit Muskat, Pfeffer, Salz wuerzen. Steinpilze rein. Linsen in die heisse Milch und mitkochen. Kartoffeln in den Topf schmeissen und gruendlich durchstampfen. Je nachdem, wie hart der Tag war, noch nen Batzen Butter draufpacken. Irgendwas Knackiges dazu servieren, sonst wirst Du beim Essen komplett zum gluecklich grinsenden Baby.

Wogen

Heute war ein ghanaischer Mann sehr ehrlich zu mir: „Wenn ich eine Frau wie Dich heiraten wuerde, wuerden alle meine Freunde fragen: Warum quaelst Du Deine Frau so? Warum fuetterst Du sie nicht richtig. Weisst Du, wir lieben eine Frau, die beim Gehen hin und her wogt, eine richtige Frau!“

Wer hat die Leich???

Am Morgen der Beerdigung rief mich Debbie an: „Nix da Beerdigung, die haben die Leiche geklaut. Irgendwer ist ins Leichenschauhaus eingebrochen, hat dem Leichenwaechter ein Bein gebrochen und den Chief mitgenommen.“ Ein Stuendchen spaeter: „Die Leute sagen, sie haben ihn gefunden, jetzt koennen sie ihn doch beerdigen.“ Also sind wir schliesslich doch nach Sandema gefahren. So richtig haben wir nicht verstanden, wieso jemand eine mehrere Wochen (plus ueber hundert Jahre) alte Leiche stehlen will, aber anscheinend hat der Familienteil, der den alten Mann begraebt, einen Vorsprung, wenn der Nachfolger gewaehlt wird.

Wir waren quasi die einzigen Weissen auf der Feier und unser Ghanaischer Freund ist ein Sohn des Protokollbeauftragten des Regionalministers. Das bedeutet, dass er alle Polizisten und Militaers kennt, so dass er uns einen Ehrenplatz mit Plastikstuhl im Schatten organisieren konnte. Als Debbie im Scherz erwaehnte, sie sei eine Repraesentantin der Koenigin von England, waeren wir fast zu offiziellen Ehrengaesten geworden und mussten viel Ueberzeugungskraft aufwenden, um nicht in die Totenreden eingebaut zu werden...

Die Beerdigung war eher eine Familien-Affaire als ein Staatsakt. Das heisst, dass hunderte und hunderte lokale Gaeste anwesend waren, kaum Politiker - aber dafuer Kaempfer mit gehoernten Helmen die dem alten Mann zu Ehren tanzten, abgemagerte Pferde die von ihren Reitern ordentlich verhauen wurden, eine Abordnung des Ashante Chiefs die mit viel Getrommel und Sonnenschirmwirbeln erschien... Die Trauernden hatten sich fuer die Gelegenheit geschmueckt – sie trugen eine Kalebase auf dem Kopf oder ein Kissen unter dem Hemd, eine knallrote Kolonialuniform oder bunt bestickte Cowboystiefel. Der Sarg stand pompoes geschmueckt und von Pferden eingerahmt in der Mitte des grossen staubigen Palastvorplatzes. Leer. Den alten Mann hatten sie morgens schnell begraben – den wollten sie sich nicht nochmal klauen lassen.

Freitag, Januar 26, 2007

Audienz beim Koenig

 
Archivbild - offensichtlich haben wir da nicht den toten alten Mann hingesetzt zum Zwecke eines Fotos... Posted by Picasa

Der Koenig ist tot! Lang lebte der Koenig!

Der Chief von Sandema war dafuer beruehmt, der am laengsten regierende Koenig der Welt zu sein. Waehrend ich unterwegs war, hat der alte Herr sich nun ins Unvermeidliche gefuegt. Nach etwa 106 Jahren Lebenszeit und etwa 70 Jahren Regierungszeit ist er Ende letzten Jahres gestorben. Letzten Herbst war ich in seinem Lehmpalast auf einer Beerdigungsfeier fuer sieben Familienmitglieder. Da ich mit einer Freundin unterwegs war, die wiederum mit einem seiner unzaehligen Enkelsoehne befreundet ist, wurden wir behandelt wie ein Teil der Familie und erhielten schliesslich sogar eine Audienz. Auf diesem Foto seht ihr einen alten halbblinden Mann. Was man nicht sehn kann, ist die Praesenz, mit der er immer noch seinen staubigen Regierungsbezirk erfuellte und die Ehrfurcht, die er bei uns erweckte. Morgen ist die grosse Beerdigungsfeier und ich werde da hingehn – teils, weil ich dem alten Mann meinen Respekt bezeugen will, teils, weil es sich fuer die Gegend hier oben wie ein historisches Ereignis anfuehlt. Ausserdem moechte ich so gerne ein Foto haben von dem Auto, das die Koenigin von England ihm damals geschenkt hat. Eine kleine Aufmerksamkeit von Koenigin zu Koenig. War das zu ihrer eigenen Kroenung oder zur Unabhaengigkeit Ghanas for 50 Jahren? Es steht jedenfalls immer noch neben dem Palast, eine babyblaue Rostlimousine, die schon lange fahruntuechtig ist und von Huehnern bewohn wird, aber immer noch die grossartige Ausstrahlung der Autos jener Zeit hat.

Dienstag, Januar 23, 2007

Vorsicht! Sekundenentscheider!

Ich habe es schon wieder getan! In einer Sekunde entschieden. Und ein armes unschuldiges Maedchen geschockt. Gestern rief mich eine junge Kanadierin an, die hier fuer drei Monate Praktikum macht: Sie sei auf Wohnungssuche, ob ich irgendwas wuesste. Meine Telefonnummer hat ihr eine Bekannte gegeben, die ahnt, dass ich alle kenne. Ich hab sie in mein Buero bestellt (dafuer musste sie nur drei Treppen steigen, denn sie arbeitet im Erdgeschoss), zwei Minuten mit ihr geplaudert und ihr angeboten, dass sie fuer umsonst in mein Hinterhaus ziehen kann. Der erste Gedanke, den ich in ihrem Gesicht sah, war: „Frisst die blonde kleine Frau Kinder?“

Abends kam sie um die Spinnweben zu besichtigen, stellte tausend nervoese Fragen, ohne auf die Antworten zu hoeren und verabschiedete sich schliesslich, dass sie nochmal drueber schlafen muesste. Was lustig ist, denn das Angebot der ordentlichen dreizimmer Haeuser mit fliessend Wasser und Strom, in denen man fuer lau wohnen kann, ist in Bolga nicht wirklich sooo gross, dass sie viele Alternativen zu bedenken haette. Die Frage war wohl mehr: Frisst sie oder frisst sie nicht (kleine Kinder)? Vielleicht hat ihre Chefin ihr heute morgen erzaehlt, dass ich Vegetarierin bin. Jedenfalls kam sie eben in mein Buero, um zuzusagen. Und zu fragen, ob vielleicht fuer ihre Freundin auch noch Platz waere. Ich hatte zwar gestern nein gesagt, aber ach, warum eigentlich? Also sagte ich: „Ja. Geht klar. Ich hoffe sie ist keine bloede Kuh.“ Da war Jessica noch geschockter und draengte mir von sich aus einen Tag Bedenkzeit auf, dass ich sie doch bitte im Laufe des Tages anrufen sollte, falls ich es mir anders ueberlegt haette. Und ob sich an der Miete irgendwas aendern wuerde, wenn sie zu zweit einziehen? Ja, das kostet dann zweimal nichts. Ich bin gespannt und freu mich fuer Mary, wenn das Haus nicht so leer ist.

Oh Du heiliger Kaffeehee

 
...das singen die Moenche meinem Kaffee vor, der - so sagt die Packung - in Togo von Moenchen hergestellt wird. Wird mein Kaffeekonsum nun auf meinem himmlischen Konto dagegen aufgerechnet, dass ich Sonntags nicht zur Kirche geh? Posted by Picasa

Afrikanischer Antikant am Morgen

Eine alte Frau klopft morgens um sieben an meine Kuechentuer. In viel Frafra, noch mehr Gesten und ganz wenig Englisch bietet sie mir an, meinen Hof zu fegen, meine Waesche zu waschen und fuer mich zu kochen, damit sie die Kinder zur Schule schicken kann. Ohne Frafra, in schlichtem Englisch und mit ebensovielen Gesten versuche ich ihr zu erklaeren, dass ich ja Wachmann und Hausmaedchen habe und diese nicht wegschicken kann, um sie anzustellen.

Sie fuehrt Daumen, Zeige- und Mittelfinger zum Mund in der Geste fuer Essen und sagt children und school. Und: „I hear English but no talk.“ (Ich hoer Englisch, aber nix sprechen). Schliesslich geh ich ins Haus und finde zwei verknitterte 2000 Cedis Scheine fuer sie (40 Cents – das ist nichts. Aber das heilige Prinzip!). Sie freut sich und dankt und ich hab diesen ploetzlichen Gedanken: „Vergiss nicht, die tun zum Betteln nicht so, als seien sie arm. Sie sind arm. Punkt.“

Fuer einen Moment spricht mein Herz und mein grunddeutscher innerer Erzieher ist still, der aus Prinzip nichts geben wollte, um Betteln nicht zu ermutigen und klar zu machen, dass man an diese Tuer nicht klopfen muss. Es ist doch erstaunlich, wie stark Kant immer noch in uns Deutschen wuetet und selbst wenn wir aufs Klo gehn, wollen wir so kacken, dass unser kacken zur Maxime des allgemeinen Kackens werden koennte.

Ghanaer sind da generell viel flexibler. Statt nach allgemeingueltigen Prinzipien zu leben, entscheiden sie in der Situation, wohin das Herz sie zieht. Und alle reichen Ghanaer, die ich kenne, geben oft, wenn sie gebeten werden und werden oft gebeten. Selbst nach zwei Jahren kultureller Anpassung misstraue ich diesem Wankelmut noch. Andererseits spuere ich aber auch, wie es meinem Herzen gut tut, wenn ich mir ab und an erlaube, zu tun, was ich fuehle und flexibel zu bleiben. Dann sehe ich, wie absurd es ist, feste, unumstoessliche Regeln aufzustellen, fuer Dinge, die erst in der Zukunft passieren werden und die ich doch noch gar nicht erahnen kann.

Und wenn jetzt regelmaessig alte Frauen an meine Tuer klopfen und mein Herz ansprechen wollen? Nun, das wird mich vielleicht vier Euro im Monat aermer machen und meinen Ruf in der Nachbarschaft zum Strahlen bringen. Ich werde mit meinen Gaben nichts strukturell aendern. Aber ab und zu wird sich jemand auf meine Kosten den Magen vollschlagen koennen. Und das schmeckt gut.

Montag, Januar 22, 2007

Herzensort

Alle lieben Goa. Oder die Provence. Je nachdem, ob ihre bevorzugten Drogen von Designern oder von Winzern stammen. Wie in den alten Asterix Heften muss ich fragen: Alle? Nein, eine kleine Gruppe von Verrueckten, die keine Reisefuehrer schreibt und keine Straende vorzeigen kann hat ihr Herz im Staub verloren. Ich bin so froh, dass mir noch drei oder vier Freunde einfallen, die verstehen, wenn ich ihnen ne SMS schreibe: „Will any place, any people ever touch me like Bolga?“ („Wird mich irgendein Ort, irgendwelche Leute je so beruehren wie Bolga?“). Als ich nach fast drei Monaten in die Upper East Region einfuhr und sich das flache vertrocknete Land vor mir ausbreitete, suchte ich in meinem Herzen irgendeine Regung, aber das war alles eingestaubt. Schon dachte ich, der Zauber ist vergangen... Als ich aber Douglas die Hand schuettelte (die Hand hielt, trifft es eher) und er sagte: „If only I could swallow you (wenn ich Dich doch aufessen koennte)“, als uns Mary auf meiner Strasse entgegenkam, Brot zu einer Party liefernd, und ihr Gesicht ploetzlich in Strahlen aufbrach, musste ich nach Regungen nicht mehr suchen, weil ich so von der Liebe ueberwaeltigt war – meiner eigenen und der meiner Bolgaren. Meine fette Marktfrau schimpft mit mir, dass ich Weihnachten nicht zu Hause in Bolga verbracht hab, Mary fragt vorwurfsvoll: Schmeckts nicht? Weil ich kein ganzes Pfund Nudeln aufesse, sogar die Schnapsladenfrau, die kaum Englisch kann, umarmt mich zur Begruessung und plappert mich auf Twi voll.

Freitag, Januar 19, 2007

Ich hab so einen schrecklichen Ehemann!

Luegen funktionnieren am besten, wenn ich sie selber glaube. Und von meinem krass eifersuechtigen Ehemann, dem leicht einmal die Hand ausrutscht, hab ich in den letzten Tagen so oft erzaehlt, dass ich schon mit eingezogenem Kopf mein Haus betrete und auf seine Vorhaltungen warte (nein, das wiederum war auch eine Luege).

Aber ganz ehrlich, dieses Scheusal macht mein Leben so viel leichter. Seit ich (in meiner Einbildung) mit ihm verheiratet bin, ist es so leicht, keinem Taxifahrer oder Strassenrandsitzer meine Telefonnummer zu geben. Und dabei nicht unhoeflich zu sein. Ich sage einfach: „Mein Mann mag das nicht.“ Wenn der Anmacher dennoch besteht, mach ich ein kleines erschrecktes Gesichtchen und sage: „Wenn mein Mann das rausfindet, krieg ich ganz schoenen Aerger und Du auch. Er mag das gar nicht, wenn fremde Maenner seine Frau anrufen!“

Das ist eine schoene Ghanaische Loesung, bei der keiner das Gesicht verliert, denn schliesslich sag ich nicht: „Was stellst Du Dir vor, Du Schrekel! Ausserdem weiss ich noch nichtmal Deinen Namen! Wie kannst Du es wagen, mich zu fragen, ob ich Dich heiraten will?!“ Sondern: „Du bist echt n toller Kerl und tut mir ja auch leid, dass ich Dich Strassenkehrer nicht heiraten und mit nach Deutschland nehmen kann. Das wuerde ich viel lieber machen. Aber leider bist Du zu spaet.“ Eben bat mich ein Mann dann, wenigstens seine Telefonnummer anzunehmen und ihn anzurufen, falls ich eine andere ungebundene Europaerin fuer ihn finden koennte. „Ja, ich werde sehn, was ich fuer Dich tun kann!“ Bittesehr, hat irgendwer Interesse, Emanuel, Spitzname Star kennenzulernen?

Dienstag, Januar 16, 2007

Jaja Herr F., schoener Ratschlag

Sie koennen so anonym kommentieren, wie sie wollen, ich weiss doch genau, von wem ein solcher Ratschlag kommt. Und das hab ich nun davon. Meinen Kolleginnen, die selbst niemanden kennen, ja sogar hoffen, dass ich endlich Farbe in ihre knapp bemessene Freizeit bringe, hab ich feine Kuechlein dreierlei Geschmacksrichtungen gebacken und Broetchen und eine Ananas zerschnipfelt und dies und das und noch viel mehr und was machen die unverschaemten Gesellinnen? Saebeln faustgrosse Stuecke von meinem uralten Gauda Direktimport aus Holland und essen und essen und essen ihn auf, waehrend die Gurkenscheiben verwelken und mein Herz mit ihnen. Frage: Darf man Kolleginnen eine Gabel in den Handruecken rammen, wenn sie es wagen, sich unsittlich an dem Kaese zu vergehen, den man doch nur zum Angeben auf den Tisch gelegt hat? Oder muss man vielmehr laechelnd in die Kueche gehn, sich die Gabel in den Oberschenkel rammen, dabei fluestern "Selbst schuld!", die Wunde verbinden und mit frischgebruehtem Kaffee weiterhin perfekte Hausfrau aus den 50ern spielen?

Montag, Januar 15, 2007

“Ich werde diese Stadt mein eigen machen”

Dieser Satz kam mir ploetzlich in den Sinn, waehrend ich an einem langsamen Sonntag morgen allein in meinem Haus rumlief und so grade noch der Versuchung widerstand, mich einsam zu fuehlen. Waehrend sich Bolgatanga mir mit erwartungsvoll ausgestreckten Armen anbot, wuselt das riesige Accra vor sich hin, ohne mich zu bemerken. Das kann natuerlich nicht so bleiben. Dieses Wochenende habe ich damit begonnen, dass ich Kollegen in mein gastliches Haus einlade. Aber das sind alles einsame Menschen, die in Accra kaum jemanden kennen. Der naechste Schritt muss agressiver sein und strategischer: Ich werde die wenigen Bekannten, die nicht einsam sind und die sich in die Gesellschaft hier integriert haben, damit beauftragen, mich mitzunehmen, vorzustellen, auszufuehren. Und dann kann Accra ja gucken, ob es weiterhin so tun kann, als sei ich nicht da. Ha! Alles meins! Noch nicht, aber bald!

Waermeflasche!

Das ist so unglaublich, dass ich’s gleich nochmal sagen muss: Waermeflasche! In Afrika! Sonst gehts noch? Nein, das liegt nicht daran, dass es kalt ist. Obwohl Ghanaer das schon meinen, ist ja nur 25 Grad oder so, echt kuehl.

Die gute Nachricht: Ich habe jetzt endlich die Bekanntschaft einer tollen Masseurin gemacht. Die kommt aus Togo, hat ihr Handwerk auf einer sehr guten Massageschule in Benin gelernt, vier Jahre mit Chinesischen Aerzten gearbeitet und massiert in Accra fast nur Weisse. Massage gehoert hier nicht zur Kultur. Sie sagt, dass Ghanaer gleich schmutzige Gedanken haben, wenn sie Massage hoeren. Ich denke, dass die meissten auch einfach schon natuerlich so entspannt sind, dass viele der Europaeischen und Asiatischen Verspannungen einfach nicht vorkommen.

Die zweite gute Nachricht: Daniel bietet mir an, dass ich jetzt endlich einen traditionellen bonesetter (also Knochenzurechtruecker) bei der Arbeit erleben kann. Er ist begeistert. Bei meiner Malaria hatte er ja auch darauf bestanden, dass ich seinen Tee aus Limonen, Ingwer und Bambus zu meiner Heilung trinke. Ich traute mich an das Gebraeu aber erst ran, nachdem ich gesundet war, da ich dachte, dass ich mit Malaria einfach nicht stark genug bin fuer diese Medizin. Die Drohung mit dem Knochenbrecher hatte dann auch schon den guten Effekt, dass ich laechelte und meinte: Och, so schlimm ist das eigentlich gar nicht... (so wie der Vater damals beim Anblick der gegrillten Ratten sagte: Och, ich haette eigentlich gern nen Kaffee...)

Was ist die schlechte Nachricht, die zu diesen guten Nachrichten gehoert? Hexenschuss. Aber ihr koennt Daniel fragen, eigentlich gehts mir schon wieder ganz prima. Und so sitz ich aufrecht und laechelnd auf meinem Sofa mit meiner Voltic-Plastik-Waermeflasche im Ruecken und schreibe blog, damit ich gemeinsam mit Euch darueber lachen kann.

Kulturuebergreifende Vorlieben in Geich und Bolga

Samstag hab ich mit Douglas in Bolga telefoniert. Er ist jetzt aus dem Haus seiner Eltern ausgezogen (ins Nachbarhaus) und hat, wie besprochen, zwei meiner wunderschoenen Sofas entwendet. Wie haette Ommaausgeich das nur ertragen, dass die Schwatten und sie selbst die gleichen Sofas schoen finden? Wo sie ja schon mit den fiesen Schottlaendern so ihre Probleme hatte…

Er hat versprochen, dafuer zu sorgen, dass das mit den Staubstuermen ein Ende hat, bevor ich naechste Woche komme. “Ich habe schon mal ein Kommittee gegruendet”, sagt er. Ausserdem laed er mich in sein neues Haus ein und verspricht, etwas fuer mich zu kochen, was ich total lecker finde. Bin ich irgendwie zynisch, oder einfach nur verzogen, wenn ich die Abschaffung der Staubstuerme fuer wahrscheinlicher halte? (NEIN DANKE, DAS IST EINE REIN RETHORISCHE FRAGE, BITTE NICHT BEANTWORTEN, ICH WEISS DAS DOCH SELBST!)

Unser Rasenmaeher ist tot

Die Geschichte fing mal wieder ganz harmlos an. Daniel, mein Gaertner-und-so-weiter in Accra sagt: “Madam, soll ich nicht bald mal wieder den Rasenmaeher bestellen?”
Und ich sag: “Gute Idee, das sieht ja schon aus wie ein Dschungel hier!”
Er lacht und sagt: “Der alte Rasenmaeher, der sonst immer kam, ist ja jetzt tot.”
Ich: “Ach”
Er: “Ja”
Ich: “Ach so”
Er: “Ja, kurz vor Weihnachten hat sein Master ihn irgendwo hin gerufen, da war er also nachts auf der Landstrasse unterwegs, dann haben die Leute ihn fuer einen Strassenraeuber gehalten und totgeschlagen. Morgens fand man ihn im Strassengraben.”
Ich: “Tsss”
Er: “Der war naemlich aus dem Norden. Und jeder mochte ihn, weil er immer ueberall gearbeitet hat. Vier Kinder hatte er auch. Und dann grad so vor Weihnachten. Jetzt ist er tot. An dem Abend, bevor aus dem Haus ging, hat er noch gesagt: Ich geh jetzt zu Jesus. Und alle dachten, der geht beten.”

Freitag, Januar 12, 2007

Status allein bringt's nicht

 
Ist das nicht eigenartig, wie grade die Banken immer so werben wollen, als ging's bei ihnen gar nicht um's Geld. Und uns dadurch nebenbei tatsaechlich an wichtige Dinge erinnern. Posted by Picasa

Donnerstag, Januar 11, 2007

Auf der anderen Seite des Flusses

ist das Gras immer gruener, wie die Englaender in ihrer unschlagbaren Weisheit erkannt haben. Wenn ich im grauen regnerischen Deutschland sitze, schau ich mir auf Fotos an, wie die Sonne in den Blaettern meines Gartens funkelt und erinner mich an Momente des absolutens Gluecks, das einfach nur daraus bestand, auf der Veranda zu sitzen und den Tropen dabei zuzusehn, tropisch zu sein. Jaja.

Dann komm ich hier an und Hamatan! Das heisst zwar uebersetzt Staubsturm aber der Sturm ist so langsam wie unsere schoene Sekretaerin auf ihren Stoeckelschuehchen. Also: Irgendwann gabs in der Saharah nen Sturm, der hat ganz viel Staub mitgenommen und sich in Ghana zur Ruhe gesetzt. In absoluter Windstille ist die Luft gesaettigt mit feinstem Staub. Er legt sich auf die Blaetter (Pustekuchen zum Thema Funkeln), die Haare, die Lunge und das Gras hat schon lange aufgehoert, gruener zu sein. Jetzt bin ich also wieder in meinem Afrikanischen zu Hause und kann vom grueneren Gras des europaeischen Fruehlings traeumen...

Wie ein Handy in der Steckdose

tanke ich Heimat. Das bedeutet zum Beispiel, faul auf dem Sofa der Eltern liegen und schlechte Romane lesen oder Tatort gucken. Schlechte Romane? Romane fuer die es sich nicht lohnt, mit Uebergepaeck nach Ghana zu fliegen. Oder nach dem Mittagsschlaefchen des Vaters den ritualisierten Nescafe trinke. Als haette ich in Ghana nicht wirklich genug von Nescafe und Sehnsucht nach echtem Kaffee.

Oder: an einem useligen windigen Neujahrstag mit den Eltern „feinbuergerlich“ (so nennt man das wohl) aber mit Gutscheinheft in der Eifel zu Mittag essen, danach durch den Hagel zur Ordensburg Vogelsang fahren, uns in eine Fuehrung ueber die Nazi-Elitenschmiede einschmuggeln und schliesslich bis auf die Knochen durchgefroren Tante und Onkel ueberfallen und denen den Stollen wegfressen. Durch die Eifel fahren und die Wirklichkeit mit den Beschreibungen der Eifelkrimis vergleichen, die mir in Ghana durch arge Tage helfen.

Oder in Koeln bis zur Erschoepfung durch H&M taumeln und alles alles ist nicht bunt genug fuer Ghana. Und schliesslich eine Fuehrung durch das Stammhaus von 4711 machen, bei der die belgische Fuehrerin fast in Traenen ausbricht, als sie uns von der Erleichterung darueber erzaehlt, dass Procter & Gamble diesen Unternehmensteil wieder abgestossen und eine Deutsche Firma 4711 gekauft hat. Haette ich eins von Ommas Spitzentaschentuechlein dabei, koennte ich es im Parfoemm-Springbrunnen mit lieblichem Duft traenken. Das ist Exotik! Das ist Abenteuer! Das ist Heimattourismus!

P.s.: Heimatraetsel:„Da wor dann wirklisch Matthaeus am Letzten“ und „De sees uss we’n Jeess vuerm Knee“! Ich weiss zwar, wie das wortwoertlich uebersetzt wird („Da war dann wirklich Matthaeus am Letzten“ und „Du siehst aus wie eine Geisse vor dem Knie“) und was das bedeutet („Das war echt knapp, die letzte Moeglichkeit“ und „Du siehst verdammt schlecht aus“), aber warum?

Mittwoch, Januar 10, 2007

Vorsprung durch Technik

 
Dass die Amis uns technisch ueberlegen sind, liegt doch nur daran, dass sie sich anderswo Hilfe suchen: "Ausserirdische haben meinen Tofu mutiert!" Posted by Picasa

Freitag, Dezember 29, 2006

Liebling ich habe den Onkel kulturschockgefrostet!

Dies ist nicht der Titel eines neuen Hollywood Films. Sondern ein Weihnachtserlebnisbericht. Beim familiaeren Feiern habe ich einem meiner Onkel gestanden, dass ich dieses Jahr viel ueber ihn geredet und an ihn gedacht habe. Er war gelinde gesagt verwundert, denn sicherlich hatte er weder an mich gedacht noch ueber mich geredet.

Wenn ich mich mit Ghanaern ueber die Verpflichtungen innerhalb der Familie unterhalte, versuche ich immer, ihnen den Schock meines Onkels zu beschreiben, wenn ich jemals zu ihm kommen wuerde und sagen: „Lieber Onkel, ich habe kein Geld und keinen Job, bitte, hilf mir.“ Und wie ueberrascht waere er erst, wenn ich dann in sein Haus einziehen und an seinem Tisch essen und auf meinen Job warten wuerde. Dabei wuerde ich dafuer ja durchaus regelmaessig seinen Hof kehren und seine Grosszuegigkeit lobpreisen.

Meine Ghanaer schauen mich mit grossen Augen an und fragen: „Aber wofuer hat man denn eine Familie, wenn man sich nicht gegenseitig hilft?!“

Eigentlich haben sie ja recht, und ich hab keine Ahnung, was ich mache, wenn dieser Job vorbei ist. Deshalb hab ich meinen Onkel auf der Weihnachtsfeier beiseite genommen und ihm von meiner kulturellen Anpassung an Ghanaische Sitten berichtet, um ihn schonmal darauf vorzubereiten, dass ich in einem Jahr vor seiner Tuer stehen werde mit einem sehr ghanaischen Gruss: „Lieber Onkel usw s.o.“ Ach ja, viele meiner ghanaischen Freunde haben mir geholfen, als gehoerten sie zur Familie. Also werden sie neben mir stehn, sich freuen, die weiteren Familienkreise kennenzulernen und sagen: „Dear Uncle, etc. see above...“

Wird mein Onkel sich nun einen scharfen Dobermann und eine Geheimnummer fuers Telefon zulegen?

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Herz: Ungebrochen - Bilanz: Positiv

Auf dem Flughafen in Washington setzte sich ein Mann neben mich, fing an, mir absurde Komplimente zu machen (Sollte ich jemals einen Kurs zum Thema "Erfolgreich flirten fuer Deppen" anbieten, wird die erste Lektion sein: Wenn Du eine Frau unbedingt mit einer Schauspielerin vergleichen musst, waehle eine, die die gleiche Haar- und Augenfarbe hat und zumindest minimale Aehnlichkeit. Aber natuerlich werde ich den Kurs nicht anbieten, denn wie sollten wir dann die Deppen von den Netten unterscheiden?). Ich beschloss, dass auch absurde Komplimente spannender sind als CNN gucken und fing an, mich mit ihm zu unterhalten: Irisch-staemmiger katholischer liberaler (also gegen Bush) Jurist mit fuenf Toechtern in Virginia und offensichtlichem Frauenproblem.

Er fragte mich tausend Fragen zu meiner Arbeit in Ghana - konnte die Antworten aber nicht wirklich verstehen, da er sie immer mit einer neuen Frage unterbrach, bevor ich ueberhaupt angefangen hatte, meinen ersten Satz zu beenden... Als wir im Flugzeug nicht nebeneinander sassen, brach mir nicht das Herz.

Beim Umsteigen in Detroit ging ich auf dem Laufband an ihm vorbei, er stand neben einer blonden jungen Frau und ich hoerte: "Du siehst ja aus wie..." Als ich vorbei gegangen war, drehte ich mich um und grinste im Weitergehn. "Hey! Girl! Stop! Hey!" rief er mir hinterher und fing an zu laufen. Die Neugier ist immer staerker. Als fast alles. Also wartete ich. Als er wieder zu Atem gekommen war, keuchte er: "Ich will Geld fuer Afrika geben (Hechel hechel...). Du musst mir sagen, wohin. Dann sammel ich bei meinen Juristen-Freunden und wir schicken das Geld dahin, wo Du sagst." (Ok, denk ich, hier ist meine Konto-Nummer, ich werde die Ghanaische (Gast-)Wirtschaft schon ankurbeln! Harharhar...) Gesagt hab ich: Super. Gib mir Deine Adresse, ich ueberleg mir was.

Mein Freund John, der in Ghana Öko-Tourismus zur Bereicherung der armen Landbevoelkerung organisiert, war baff. Und hatte gleich ein paar Vorschlaege, wie wir unserem neuen irischen Freund helfen koennten, den Druck in seinem Portmonaie zu entspannen. Ob der tatsaechlich was gibt? Wir werden sehn und ich werde berichten.

Samstag, Dezember 16, 2006

Man ist so alt wie man sich anfuehlt

... sagte mein schwuler Bankberater in Bochum mal.

Gestern bin ich mit einem Kollegen aus Florenz essen gegangen (Nein, ich habe nicht rausgefunden, wie alt der sich anfuehlt, hier geht es nur um das gefuehlte Alter von Gebaeuden, danke der Nachfrage). Auf dem Weg hab ich ihm diese und jene Sehenswuerdigkeit gezeigt. Schliesslich kamen wir an dem aeltesten Haus Washingtons vorbei. Er guckte beeindruckt auf die kleine steinerne Huette. Dann auf das Schild daneben. Dann konnte er sich vor Lachen kaum noch halten: Erbaut 1765. Erklaer mal einem Italiener, warum so ein Neubau ueberhaupt ein Schild braucht. Aber man soll ja nicht ueber Behinderte lachen – auch nicht ueber Geschichtsamputierte.

Dienstag, Dezember 12, 2006

Auf vielfachen Wunsch

 
und damit Ihr mich noch wiedererkennt, wenn ich ploetzlich vor Eurer Haustuere steh und behaupte, ich sei Eure Tochter, Schwester, Freundin etc. Posted by Picasa

Montag, Dezember 11, 2006

Mann in Burkina mit Hut und hohem Wiedererkennungswert

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Mann in Ghana mit Hut und hohem Wiedererkennungswert

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Gesichtslegastheniker

Was ich mit meiner Mutter gemein habe, ist dass wir so gerne Geschichten erzaehlen, bei denen alle ueber uns lachen koennen (und danach denken wir: „Mist! Hab ich das jetzt laut gesagt?“). Ein weiteres Leiden, das meine Mutter zu ihrem grossen Glueck nicht hat, ist Gesichtslegasthenie. Es gibt da einen richtigen wissenschaftlichen Namen fuer, den ich mir aber nicht merken kann, letztendlich ist es ganz einfach: Leute wie ich koennen Gesichter nicht auseinanderhalten. Statt dessen merken wir uns Pullover oder Frisuren oder Stimmen oder die Ausstrahlung von Personen, damit die’s nicht merken und beleidigt sind. Wir gruessen jeden freundlich, der in unsere Richtung schaut und wenn jemand darauf reagiert, wissen wir: Wir kennen uns... vermutlich... Deshalb arbeite ich so gerne in Afrika, die Armen haben meistens nur ein T-Shirt, das ist ein einfaches Erkennungssystem. Ausserdem kann ich mir einen Assistenten leisten, der mir die Gespraechspartner dezent immer wieder vorstellt. Heute morgen kam ich nun zu unserer Jahreshauptversammlung und am Eingang stand ein Mann, dessen Gesicht mir irgendwie bekannt vorkam. Ich gruesste, er gruesste und ich dachte: Ok, wir kennen uns also... Nach ein paar Minuten fiel mir auch ein, woher: Er ist der Direktor meiner Organisation (und sobald ich diesen Blog ins Internet gestellt habe, werde ich natuerlich denken: Ups, hab ich das jetzt laut gesagt?).

Montag, Dezember 04, 2006

Afrika im Kino

Gestern hab ich mir ganz oft die Augen zugehalten – und dabei meistens doch zwischen den Fingern durch gespinst. Es dauert wahrscheinlich noch, bis er in die Deutschen Kinos kommt. Aber wenn es Euch nichts ausmacht, dass Ihr danach Albtraeume habt, ist „The last King of Scotland“ ein toller Film. Es geht um Idi Amin, den aeusserst unangenehmen Diktator aus Uganda (oder wuerdet Ihr das nicht fuer unangenehm halten, wenn jemand um die 300 000 seiner Landsleute umbringen laesst?) und seinen naiven jungen Schottischen Arzt, der sich in den fiesen Tentakeln der Macht verfaengt. Mit "jenseits von Afrika"-Romantik hat der Film nichts gemein... Passend dazu sah ich gestern im Buchladen einen Bildband zum Thema: „Inneneinrichtungen grosser Diktatoren“ und war mir nicht sicher, ob das nun ein sehr interessantes und politisches Buch ist oder eine ausnehmende Geschmacklosigkeit.

Freitag, Dezember 01, 2006

Essen in Bangkok 4 (der unvermeidliche Chinamann)

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Essen in Bangkok 1 (Nudeln?)

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Lecker essen in Bankog 5 (Bananenblaetter mit was?)

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Lecker essen in Bangkok 3 (Wurstrollmaschinchen)

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Lecker essen in Bangkok 2 (getrocknete Qualle?)

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Arbeit, Essen, Schlafen interkulturell

In Laos hab ich mich mit einem Englaender unterhalten, der in China Fabriken fuer IKEA aufbaut. Er meinte: „Die Chinesen sind schon ein komisches Volk. Das ganze Leben in der Grossstadt besteht nur aus Arbeiten, Essen, Schlafen. Es gibt keine Freizeit- oder Kulturangebote, weil dafuer sowieso keiner Zeit hat.“ Das hab ich gestern meiner Chinesischen Kollegin Yan erzaehlt. Die schaute mich ein wenig verwirrt an und meinte: „Du beschreibst das Leben der Amerikaner. Hier arbeiten, essen, schlafen wir und es gibt keine Freizeitangebote. Zu Hause haben wir vielleicht einen ungesunden Lebensstil aber so viel Spass. Ausgehn heisst doch bei den Amerikanern, dass man sich nach der Arbeit zur Happy Hour trifft, da trinkt man ein Glas Wein und redet. Die muessen ja immer reden reden reden. Wenn der Wein ausgetrunken ist, geht man nach Hause und hat noch nicht mal was gegessen und um neun Uhr liegt man im Bett, damit man am naechsten Morgen frisch zur Arbeit gehen kann. In China dagegen, wenn wir ausgehn, meinen wir das auch so. Zuerst gehen wir in ein Restaurant, wo wir zu Abend essen und trinken. Dann gehen wir tanzen, dann in die Karaoke Bar. So gegen Mitternacht essen wir in den Nachtrestaurants, die auf der Strasse wunderbares Essen verkaufen und um drei Uhr morgens fallen wir erschoepft ins Bett – um am naechsten Tag verkatert zur Arbeit zu erscheinen. Dein englischer Freund sieht das alles nicht, weil er Auslaender ist.“

Donnerstag, November 30, 2006

Kalle reiste juengst zu Pfingsten

Ich fuehle mich wie Kalle Blomquist im September: Den ganzen Sommer schoen Verbrecher jagen und in frische Kuhfladen springen und ploetzlich ist Herbst, das ist schlimm genug. Kalle muss wieder in die Schule. Ebenfalls unerquicklich. Aber das wirkliche Elend, die unertraegliche Freiheitsbeschneidung, Schmerz und Frustration: Er muss wieder Schuhe tragen! Nun hab ich ja seit zwei Jahren fast ununterbrochen Sommer (nicht zu verwechseln mit Sommerferien), ich fahre barfuss Auto, streife meine leichten Sandalen ab, sobald ich am Schreibtisch sitze, geniesse den kalten Steinboden meines Hauses. Also wenn es nur um Fuesse ginge, wuerde ich garantiert fuer immer und ewig auswandern und Euch nur noch im August besuchen.

danke, gut.

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Mittwoch, November 29, 2006

Reizunterflutung

Erlebnisjunkie auf Entzug. In Laos war ich eine Woche lang Gebrauchtwagenhaendlerin in eigener Sache, habe zweihundert Kollegen quasi Tag und Nacht mit grossem Einsatz and Worten und Gefuehl meine Arbeit und meine Person verkauft. Danach bin ich eine Woche auf und ab gereist und habe lauter Dinge gesehn und gerochen und gegessen, die mir fremd und neu waren. Dabei war ich meistens draussen, umgeben von hohen Bergen, Fluessen, Tempeln, Schmetterlingen und Fahrradfahrern. Jetzt bin ich den zweiten Tag in meine kleine Ecke in der Firma hinter einen Computer geschnallt, vor mir eine mit grauem Stoff bespannte Trennwand, Plastikmoebel, kuenstliches Licht, unechte Luft in einem Gebaeude, in dem sich kein Fenster oeffnen laesst. Wenn ich neue Leute treffen will, geh ich in die Kaffeekueche und sag: „Hi, wie gehts gut und selbst.“ Wenn ich mal was anderes sehn will, geh ich aufs Klo.

Eva nach Deutschland

Meine Flugdaten haben sich geaendert. Ich werde am 17. Dezember um 21:00 in Amsterdam sein. Wenn alles nach Plan laeuft

back in USA

So, nach all der Fremde bin ich nun so was aehnliches wie nach Hause gekommen. Der Mann an der Rezeption sagt: "Hallo Eva, bist Du wieder bei uns?!" Die grauen Hoernchen und die Waschbaeren huepfen immer noch durch die Strassen Washingtons und das Wetter ist gnaedig mit mit, klar und sonnig. Falls ich hier irgendwas seh, was auch nur im entferntesten interessant ist, werde ich natuerlich einen blog darueber schreiben... aber die blog-Dichte wird unvermeidlich abnehmen.

Dienstag, November 28, 2006

Asiatisches Schwein hat sein Gesicht verloren - und bislang nicht wiedergefunden

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Say Cheese

Bei den Asiaten – so sagt man – darf man keine negativen Gefuehle wie Wut oder Aerger zeigen, denn man will auf jeden Fall vermeiden, dass der andere das Gesicht verliert. Weil das das Schlimmste ist, was einem Asiaten widerfahren kann. Super Regel. Macht das Zusammenleben viel schoener, immer und ueberall wird gelaechelt und keiner schnautzt keinen an. Ist auch ganz einfach, da mitzumachen, find ich.

Ausser wenn ich wuetend bin. Dann denk ich: Verdammt nochmal, der soll sein Gesicht bitteschoen verlieren und erst nach drei Wochen wiederfinden, wenn’s ganz zerknittert ist und schon anfaengt zu stinken und es aus Versehn verkehrtrum aufsetzen und fuer den Rest seiner Tage echt Scheisse aussehn. Aber das ist ja die Ausnahme.

Ansonsten – also, wenn ich grade nicht wuetend bin - find ich das echt ne klasse Einrichtung und unterstuetze es wo ich nur kann.

Long live the King!

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Lang lebe der Koenig!

Werde ich mich trauen, diesen Blog zu schreiben, obwohl ich noch auf Thailaendischem Boden bin, in der winterjackenkalten Abflughalle des Bangkoker Flughafens?

Also: Ich kenne einen solchen allgegenwaertigen Koenig nur von Janosch, wo die Schatzfinder andauernd dem Beamten des Koenigs begegnen, der selbstbewusst deklamiert: „Die Haelfte allen Goldes gehoert dem Koenig!“ kassiert, einmal um den Wald rennt, die Haelfte allen uebrigen Goldes verlangt usw. bis die beiden so arm sind wie zuvor.

Hier ziert der Koenig Plakatwaende gross wie Coca Cola, haengt an Geschaeften, Wolkenkratzern, Bueros und selbst die Gangway des Flugzeugs sagt: Lang lebe der Koenig. Daneben ein psychodelisches Bild des Herrschers vor orangenen Sonnenstrahlen. Der zierliche Mann mit der Eulenbrille schaut in Denkerpose am Volk vorbei oder begibt sich im Lotussitz in eine andere Dimension. Auf den Bildern, wo er auf seinem wahrhaft koeniglichen goldenen Thron sitzt, scheint er sich nicht sehr wohl zu fuehlen, er verzieht den Mund als saesse er auf einer Erbse. Die meisten dieser Bilder wuerden sich mit Gold und Strahlen und Prilblumen-Optik hervorragend auf einem Plattencover der 60er machen. In seiner Goldrobe sieht er aus, wie ein Schaffner des Magic Mystery Trains.

Es handelt sich hier natuerlich nicht nur um ein optisches, sondern vielmehr um ein politisches Phaenomen. Da ich nichtmal vorgeben will, davon eine Ahnung zu haben, nachdem ich einen Tag lang durch Chinatown gelaufen bin, muesst Ihr Euch die politischen Gedanken anderswo holen. Ich kann Euch nur sagen, was ich gesehn habe: Die Haelfte aller Plakatwaende gehoeren dem Koenig!

Die Haelfte allen Muells gehoert dem Koenig (s. Plakat auf Wolkenkratzer)

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Mannerwuensche in Bangkok

Wofuer fahren glatzkoepfige mittelalte schuechterne Maenner mit Bauch nach Bangkok? Auf dem grossen Markt traf ich einen, der es mir im Detail erklaerte: Haartransplantation. Sie schneiden einen fingerbreiten Streifen Haut mit Haarwurzeln aus dem Nacken heraus, teilen den in tausende winzige Quadrate, die jeweils ein paar Wurzeln haben und pflanzen diese wie Setzlinge auf die erweiterte Stirn. Mein neuer Bekannter war aufgeregt wie ein Kind nach Weihnachten und musste seine Haarplantage unbedingt jemandem zeigen. Stundenlang hat die Operation gedauert und schmerzhaft war sie auch. Jetzt sieht der Kopf so aus, wie eine Kreuzstickerei. Nach Bangkok ist er gekommen, weil man den Service hier fuer 3000 statt 10 000 US $ bekommt. Ich haette ihm gerne gesagt, wie attraktiv ich Maenner mit Glatze finde (ungelogen). Nur fiel er leider in die Kategorie, die weder glatzkoepfig noch mit Fell sonderlich sexy sind und es tat mir leid, dass er so seine Zeit und sein Geld verschwendete...

Kulturschock im Nachbarland

Ward Ihr schonmal in einem Hotel, das Euch zu Traenen geruehrt hat? Heute ist mal wieder so eine Nacht. Wir praesentieren: Das Grand Inn Come (Das Grosse Zum Kommen) 15 Minuten vom Flughafen Bangkok. Ich hatte mich auf den Luxus des leicht ueberkandidelten Novotels gegenueber des Flughafens gefreut. Da das ausgebucht ist, zahl ich zwar fast genauso viel fuer die Nacht, habe aber eine viel eindrucksvollere landestypische (?) Erfahrung. Super. Der Taxifahrer verlangt schnoede 100 Bat obwohl das Taxameter 57 sagt. Als ich ihn darauf hinweise, dass das Quatsch ist, hat er kein Wechselgeld fuer meinen Hunderter. Ich bleibe einfach mal stehn, lass mich von besoffenen Gaesten der hoteleigenen Karaokebar beglotzen und warte, dass das Problem geloest wird. Der Page, der schliesslich Wechselgeld findet, kriegt spaeter ein dickes Trinkgeld. Die Hotel-Lobby stinkt nach Qualm. Der Portier nimmt meine Visa Karte und moechte, dass ich ihm eine Abbuchung unterschreibe, wo die Zeile fuer den Betrag noch offen ist. Sonst noch was offen?

Zum ersten Mal sehe ich in einem Hotelzimmer Trinkglaeser die in Plastik eingepackt ist, auf dem steht: „Zu Ihrer Sicherheit sterilisiert“ Ich bin dankbar, denn mich laechelt von allen Waenden der Gedanke „Puff“ an. Und wenngleich ich nicht weiss, was man da Fieses mit Trinkglaesern anstellt (und mir das auch bitte nicht naeher vorstellen will), fuehle ich mich doch viel sicherer, wenn sie nach dieser Benutzung sterilisiert werden.

Der Notausgang ist gleich die naechste Tuer, und ein Schild sagt „Exit – 5D“. Ausgang aus oder in die fuenfte Dimension? Es ist 24:22, ich habe morgen den ganzen Tag in Bangkok, es wuerde mich wundern, wenn es mir gut gefiele, aber ansehn werd ich es mir trotzdem. „Un wenn es misch Kopp un Kragen koss!!“ Wie der Vater sagen wuerde.

(P.s. Ich bin Euch allen so dankbar. Weil ich weiss, dass Ihr das lest, kann ich einen blog darueber schreiben, statt in Traenen auszubrechen. Wenn ich nicht aufpass, heul ich noch vor Dankbarkeit...
P.p.s: Bei Tageslicht betrachtet sah das Hotel nicht mehr ganz so schlimm aus. Ich war schon geneigt, meine Einschaetzung zu revidieren. Als ich abends vor dem Abflug noch Zeit fuer eine Massage hatte wurde ich dann wieder verwirrt: In einem fensterlosen Raum sassen die aufgemachten Maedels in einem grossen Glaskasten, der ganz von einer rosafarbenen Treppe ausgefuellt war. Sie sahen fern und machten sich gegenseitig die Haare, waehrend sie auf Massagekundschaft warteten. Im Massageraum stand ein voller Aschenbecher und die Waende waren angegilbt. Aber: Meine Masseurin – wenngleich aufgetakelt und angemalt - war tatsaechlich hervorragend und verabreichte mir eine ziemlich brutale und aeusserst effektive Massage, die in mir sofort das Beduerfnis nach Tiefschlaf hervorrief .)

Hier entlang

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Superlearning

Heute hat mir ein laotischer Popstar nachgepfiffen. Und das ging so. ER sass in einem Gartenlokal am Mekong und klimperte fuer etwa 17 Zuhoerer auf seine Gitarre (da seht Ihr, was fuer ein bedeutender Star...) als ich vorbei ging. Er sagte was auf Laotisch, worauf ich leicht erroetend laechelnd zu Boden schaute, als habe er mich gemeint. Daraufhin drehten sich alle 17 grinsend zu mir um und dachten: „Wow, die kann ja Laotisch!“ Mein Popstar pfiff und ich dachte: „Wow, ich kann ja sogar Laotische Gedanken lesen!“

Der Welt abhanden gekommen

Jaja, werdet Ihr denken, eben laestert sie noch ueber Hollaenderinnen und im naechsten Moment sehen wir sie selbst im Autoschlauch glueckseelig dahinplaetschern. Nee! Seht Ihr eben nicht. Mit meinem Schlauch schwimm ich naemlich in eine Hoehle, da ist’s dunkel und niemand sieht gar nix. Ausser ein bisschen, denn wir haben Hoehlenlampen um den Kopf geschnallt. Wir hangeln uns an einem Seil durch die Dunkelheit, ab und an glitzert und blitzt es an der Decke, wenn wir in ein paar tausend Jahren wiederkommen, wird das eine formidable Tropfsteinhoehle sein. Unser Laotischer Fuehrer hat es uebernommen, meinen Schlauch durch die Dunkelheit zu schieben (Prinzessinnenservice) und singt und pfeift die ganze Zeit laotische Lieder, die von den Waenden widerhallen – wie ein Kind im dunklen Keller (und wie die Ghanaer im Regenwald, aber das ist eine andere Geschichte). Schliesslich biegen wir um eine Ecke, er zeigt auf einen langen dunklen Gang vor uns und sagt: „So. Jetzt schwimmen.“ Und nimmt uns die Schlaeuche ab. Also schwimmen wir, wie in einem kalten magischen Traum. Ich will immer tiefer in die Dunkelheit hinein in diesem unterirdischen Fluss, der keine Ufer hat, nur steile Waende. Es ist still. Nur hier und da tropft Wasser von der Decke auf die glatte Oberflaeche. Wir sind aus der Welt gefallen. Und doch bin ich erleichtert, als der Fuehrer ruft, dass wir zurueckkommen duerfen. Das Tageslicht ist so leicht und heiter.

Der Berg rief

Ich hatte vor, von Luang Prabang direkt zurueck nach Vientiane zu fahren, acht Stunden im Bus und dann noch zwei Tage in der Hauptstadt sein, damit ich endlich die Freunde meiner Freunde kennenlernen koennte, die da wohnen. Waehrend der ersten fuenf Stunden meiner Reise schaute ich unentwegt aus dem Fenster und dachte: „Eine Schande! Eine rechte Schande, dass Du Dir das nicht genauer ansehn kannst!“ Dann hielt der Bus, ein paar Passagiere verliessen uns auf halber Strecke. Ich stieg aus, um meine Beine zu auszustrecken, schnupperte, drehte mich zweimal um mich selbst, begruesste die Berge und – stieg nicht wieder ein. Die Freunde meiner Freunde werden wohl nach Accra kommen muessen, denn ich blieb bis zum letzten Morgen in meinem Bungalow mit Blick aufs Auenland. In der fruchtbaren Ebene am Fluss fahren Reisbauern ihre Ernte ein, im Hintergrund ragen scharfkantige Berge auf, die Bauern wohnen in Haeusern, die aus Bambus geflochten sind und auf Stelzen stehen. Von meiner Veranda aus kann ich die Fischer beobachten, die in langen flachen Booten den Fluss auf und ab fahren. Ein Mann mit Chinahut und Sohn sammelt Mekon-Algen, die mit Sesam und getrockneten Tomatenstuecken bestreut getrocknet werden und fritiert eine Delikatesse sind. Eine geflochtene Bruecke aus Holz und Bambus fuehrt Fussgaenger ueber den Fluss.

All diese Schoenheit laesst mich darueber hinweg sehn, dass die dazugehoerige Kleinstadt von travelern befallen ist wie von Heuschrecken und dass zwischen den Fischerbooten fette rotverbrannte Hollaenderinnen in Autoschlaeuche gepresst den Fluss runter plantschen. Aus Lautsprecherbocken plaerrt Chillout-Musik ueber den Mekong... das heisst: Wir fuellen diese Stille und Schoenheit mit Musik, weil das dann beruhigender ist. Naja. Zum Glueck nehmen die Laoten ihre Sperrstunde ziemlich ernst und ausserdem bin ich von der Schoenheit wie auf Drogen und kriege eh nur die Haelfte mit.

Sonntag, November 26, 2006

Was gar nicht geht

Sind travellers. Ihr koennt mich schlagen wenn ihr wollt, aber mir ist jeder einfache ehrliche Tourist lieber, als diese travellers, also „Reisende“, die sich ein Jahr freigenommen haben, um ohne Ziel und Sinn durch Asien zu taumeln, um jeden Cent zu feilschen, Drogen zu nehmen und abends in traveller bars abzuhaengen, Reisestories auszutauschen und „Friends“ (das ist sowas wie Lindenstrasse) zu gucken und sich zu beschweren, wenn die lokale Kultur sich nicht ihrem Beduerfnis nach chill-out anpasst.

Was fuer ein Glueck, dass man in Ghana nicht meditiert und kaum Drogen anbaut, so dass die uns da erspart bleiben. Touristen haben ein Leben zu Hause, geniessen die knappen ein-zwei-drei Wochen, die sie sich frei machen konnten, man kann mit ihnen ueber das Land und die Leute und das Reisen reden, aber auch ueber ihr Leben, ihre Familien, die Wahlen in den Niederlanden, ihre Jobs als Fabrikbauer in China, Freizeitsbootskapitaen in Schweden oder Kampfflugzeugingenieurin in England... Warum musst Du Dich von oben bis unten in orangene Moenchsklamotten schmeissen und Deinen Bart wachsen lassen, nur um dem Busfahrer hinterherzulaufen und ihn anzuranzen, weil er mehr Passagiere sucht, statt – wie vereinbart – puenktlich um neun loszufahren. Du hast ein ganzes Jahr Zeit! Relax. Chill!

Religioese Beduerfnisanstalten

Damit meine ich nicht betende Toiletten. Sondern Orte, die religioese Beduerfnisse wecken und stillen. Hoehlen voller Buddha Figuren am Flussufer in Laos, heilige Fische und weissagende Schlachthuehner in Burkina Faso, charismatisch-christliche Kirchen in Ghana und anderswo, wo sich Glaeubige in Verzueckung zuckend auf dem Boden waelzen. Bei Buddhas zu Hause ueberkam mich wieder dieses zehrende Gefuehl: Anderleuts religioese Anstalten beruehren mein Herz mit ihrer Heiligkeit und wecken spirituelle Beduerfnisse – koennen sie aber nicht stillen. Ich weiss nicht, was das geschlachtete Huhn mir sagen will und was ich zu denken oder fluestern habe, waehrend ich Raeucherstaebchen vor dem laechelnen goldenen Mann anzuende. Gestern erzaehlte mir ein Reisender, wie am Ganges zum Lichterfest die Touristen Lichter und Blumen kaufen und sie in der Abenddaemmerung auf den Fluss hinausschicken. Ein paar hundert Meter weiter fischen die Inder die Opfergaben wieder aus dem Wasser, um sie ein zweites, drittes, viertes Mal zu verkaufen. Opfer-Recycling. Sind Erstopfer den Goettern gefaelliger oder sind das alles Oekos? Ich sehne mich nach den kalten katholischen Kirchen in Europa, die nach feuchtem Stein, Kerzenwachs und alter Tante riechen, wo ich jeden Schritt und jedes Wort auswendig weiss und sicher fuehle, wo ich herkomme. Das alles hat viel mit Heimat und wenig mit Gott zu tun.

(Zur Illustration meiner Verwirrung gibt es heute ein paar Beispiele buddhistischer Ikonographie – Pornographie? – die mir mal wieder klar gemacht haben, dass ich nichts versteh.)

Samstag, November 25, 2006

Ohne Worte Posted by Picasa
Was der Mann an der Fischfraubrust sucht, ist offensichtlich. Warum und warum das in der heiligen Elefantenhoehle dargestellt wird, kann uns der Fuehrer leider nicht erklaeren,dafuer reicht sein Englisch nicht. Posted by Picasa
Frauen wehtun: Dieses Bild stammt von einem kleinen Tempel, den kaum ein Tourist besucht, der rein der lokalen Erbauung dient Posted by Picasa
Frauen hauen: Mosaik-Detail eines Tempels in Luang Prabang Posted by Picasa
Ruebe ab: Mosaik-Detail eines Tempels in Luang Prabang Posted by Picasa

Freitag, November 24, 2006

Moenchlein schuechtern

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Moenchszwinkern

Die Moenchsdichte in diesem Land ist so gross, dass ich an Rom denken muss. Nur tragen die Moenche hier nicht schwarz oder braun sondern ein strahlendes Orange und zeigen eine nackte Schulter. Es gibt sie in allen Groessen und Altersklassen, sie radeln durch die Stadt, zwei kleine Jungs in orange teilen sich ein Fahrrad, und der auf dem Gepaecktraeger sitzt, haelt fuer beide den Sonnenschirm. Sie sitzen im Internet-Cafe und plaudern mit Altersgenossen in Jeans und T-Shirt. Um die Tempel rum wohnen sie in Holzhuetten so klein wie Umkleidekabinen an der Ostsee. Morgens vor sechs wecken sie ganz Luang Prabang mit ihren dumpfen Trommeln auf, die die Betten vibrieren lassen. Dann gehen sie in langen Schlangen durch die Strassen, an den Ecken hocken Frauen, die Almosen geben: Die Reihe Moenche geht zuegig an der Reihe Frauen vorbei und zackzack wie in einer Kantine der Ehrfurcht packen sie jedem Moench eine Handvoll Klebreis und ein Bananenblatt voll Leckereien in die Tasche.

Anders als in Rom, braucht mich hier aber nicht die Wehmut befallen: So viele junge schoene Maenner, die ihr Leben an die Kirche wegwerfen und sich von der Welt abwenden... Die Laotischen Moenche sind durchaus weltlich, werfen einer Frau die charmantesten laechelnden Blicke zu und die wenigsten sind lebenslaenglich. Jungen aus armen Familien treten fuer ein paar Jahre einem Orden bei, um zur Schule zu gehn. Junge Maenner dienen fuer drei Monate bevor sie heiraten. Familien schicken einen der Soehne fuer ein paar Jahre in den Orden, weil das ihr soziales Netzwerk und ihr Ansehn in der Gemeinschaft staerkt.