Dienstag, September 26, 2006

Das neue Fussballstadion in Tamale fuer den Africa Cup in 2008 Posted by Picasa
Die Chinesen planen und bauen - auf der ganzen Baustelle kein schwarzes Gesicht Posted by Picasa

Freitag, September 22, 2006

Der weisse Streifen links ist meine Gartenmauer, die Kuehe kommen immer auf dem Weg zum Fluss zum Fruehstuecken an meinem Haus vorbei... Posted by Picasa

Mittwoch, September 20, 2006

Weitere Luxusprobleme: Schicke Hose

Eben kam ich ganz stolz von der Schneiderin. Sie hatte mir dieses herzallerliebste Ensemble aus Hose und aermelloser Bluse in braun-blauer Batik (!) geschneidert, das ich nun anprobieren wollte. Mary sieht die Hose und lacht. LACHT! Und ich frage: „Warum lachst Du?“ Und sie sagt: „Das ist ein Stil fuer young girls.“ Ich frage: „Wie jung? 10? 12?“ Und sie schuettelt den Kopf und sagt: „Wenn Du das traegst, wird der Polizist Dir bis nach Hause folgen.“

Was das heisst, weiss ich. Das heisst nicht: Das ist haesslicher, als die Polizei erlaubt. Der Polizist ist einer meiner ungeliebtesten Verehrer. Er ist ein wunderschoener, grosser schlanker Kerl in schmucker Uniform der stolz auf seinem sehr grossen weissen Motorrad durch die Stadt reitet, einen Schmollmund hat und hinreissend falsche Augen. Er ist ueberzeugt, dass das Motorrad ihn unwiederstehlich macht und seine Intelligenz reicht grademal dafuer, gradeaus zu fahren und diese Sachen mit Augen und Mund zu machen (zwinkerzwinkergrinsschmoll). Von ganz weit weg seh ich ihn mir gerne an. Er sieht das leider etwas anders deshalb versteh ich Marys Kommentar als: Das is n total sexy Outfit.

Ich versuche, rauszufinden, ob ich das denn nun im Buero anziehn kann oder besser nicht. Sie weiss nicht recht, was ich von ihr will und ich versuche, ihr zu erklaeren, dass wir Weissen hier wie Babys sind und einfach nicht wissen, was angemessen ist. Ploetzlich lacht Mary nochmal und erzaehlt, wie sie mal bei Zuzanna zu Besuch war und ihnen fehlte was zum Kochen. Da ist Zuzanna doch tatsaechlich in der Unterhose zum Geschaeft gegangen. Was haben die Leute ihr nachgestarrt. Unterhose? Na so ne knielange enge Stoffhose. Tja, wer haette das gedacht, im Beurteilen der Gesellschaftsfaehigkeit von Leggins bin ich wohl voll und ganz ghanaisch.

Dienstag, September 19, 2006

In unserer neuen Serie: Luxusweibchen bei Stromausfall

Heute: Beine rasieren im Kerzenschein (oder: Probleme, die die Welt bewegen). Wie das geht? Na, met Jefoehl, wie man bei uns zu Hause sagt. Das Ergebnis? Erinnert Ihr Euch noch an die hysterische Musiklehrerin in der fuenften Klasse mit der hochrot aufgetuermten Frisur? Die liess uns zu dieser Zeit des Jahres singen: „Bunt sind schohon die Wäälda, gelb die Stohoppelfäälda und der Hähäbst beginnt“ Muss ich mehr sagen? Morgen frueh wird die Sonne keinen Strohmausfall haben und mir freundlich vorschlagen: „Eva, Du hast doch diese schicke lange Hose...“

Was suchen Chinesen in Afrika?

Diese Frage beantwortet ein wirklich lesenswerter Artikel in der Zeit. Da Ihr von mir nur die Details bekommt (z.B. schluepfrige Liebesdramas zwischen dem Chinesen, der Hausangestellten und meinem Nachbarn)weiss Bartholomäus Grill, wieso dieser Chines und seine beiden Angestellten sich in Bolga rumtreiben und lehrt Euch das Gruseln im grossen Stil: http://www.zeit.de/2006/38/China-Afrika

Montag, September 18, 2006

Malaria

Mit fieberkranker Detailversessenheit hab ich seitenlange Blogs in mein Notizbuch gekrizelt, die von medizinischen Details bis zum Rosenkranz alles ueber Malaria berichten. Jetzt bin ich wieder auf dem Damm und nach einer Woche im Bett quillt mein Schreibtisch ueber, so dass ich Euch zunaechst mit Einzelheiten verschone.

In Kuerze: Eineinhalb Jahre bin ich allen damit auf den Geist gegangen, dass ich als Einzige nie Malaria kriege. Letzte Woche erlebte ich den wohlverdienten Fall, der auf Hochmut folgt. Fuehlt sich an, wie ne fiese fiese Grippe. Brauch ich nicht wieder. Aber, entgegen eines in Deutschland weitverbreiteten Vorurteils, ist man diese Malaria hier los, wenn man sie los ist. Um sie wieder zu bekommen, braucht man neue Moskitos. Ich werde also nicht im hohen Alter wie einer dieser sagenhaften Missionare in Barmen in meinem Altenbettchen liegen und zittern und schwitzen und tropische Fiebertraeume haben.

Montag, September 11, 2006

Grade hab ich zu Mary gesagt: Ich hab sowas auch noch nie gemacht, keine Ahnung, ob das haelt. Und sie sagt: Aber! Sista Eva! Warum haben wir die Bestellung dann angenommen? Posted by Picasa
So. Fertig. Posted by Picasa
Der grosse Moment: Brautpaar schneidet Kuchen an und Mary und Eva haben Traenen in den Augen Posted by Picasa
Brautpaar guckt, als sei das Foto 100 Jahre alt (Laecheln verboten) Posted by Picasa

Freitag, September 08, 2006

Der Elefant und das Wasser

Wenn man vor Stress nicht mehr weiss, was 5 mal 7 ist… In so einer Stimmung war Mary gestern. Sie wollte ausrechnen, wieviele Zutaten sie fuer 120-Leute-Hochzeitskuchen kaufen muss und im Prozess stellte sich heraus, dass unsere ersten Berechnungen vor zwei Monaten komplett unrealistisch waren: Wenn wir fuer den versprochenen Preis die benoetigte Menge liefern, wird Mary keinen Peswa Gewinn machen. Und Peswas sind der Pfennig des Cedis, wobei der Cedi selbst nur 0,01 Cent wert ist. Also noch nicht mal so ein kleines Katzenfuerzchen wuerde sie verdienen.

Wir haben vorwaerts und rueckwaerts und um den Block gerechnet, wenn wir mehr Backpulver nehmen, koennen wir mehr Luft in den Kuchen packen und teuer verkaufen. Soll ich vielleicht doch Linda anrufen und ihr sagen, dass das so nicht geht? Nein, sagt Mary, wenn wir einmal gesagt haben, dass wir das so machen, koennen wir doch jetzt keinen Rueckzieher machen. Am Ende wusste ich selbst nicht mehr was 7 mal 5 ist.

Zufaellig traf ich Linda gestern abend und erzaehlte ihr von unseren Problemen: Macht weniger Kuchen und wir schneiden ihn kleiner. Heute morgen rief sie mich nochmal an, um das zu bekraeftigen und ich rief Mary vom Buero an und sie sagte danke. Als ich gestern abend nach Hause kam, standen im Flur der 10 Liter Eimer Margarine, die 80 Eier und sie hatte ihre 8 kg Mehl von Maden frei gesiebt. Heute hab ich mir einen halben Urlaubstag genommen, um im Haus zu sein und sie zu beruhigen und mich unentbehrlich zu fuehlen. Aber Mary macht mir einen Strich durch die Rechnung und backt ganz selbstbewusst vor sich hin, keine Fragen, keine Panik, ein Blech nach dem anderen. Und dankt Ommaausgeich, dass sie mir einen so zuverlaessigen Mixer vererbt hat.

Was das mit Elefanten zu tun hat? Nun, der Vater wuerde sagen: Jetzt kommt der Moment, wo der Elefant das Wasser laesst. Kinder und Nichtschwimmer bitte zuruecktreten. Preisfrage: Wen oder was zitiert der Vater, wenn er das sagt?
Backbleche am Morgen vor der Tat Posted by Picasa

Donnerstag, September 07, 2006

Ach haett ich doch nen Vogel

Im Gruga Park gibt es einen kleinen schwarzen Vogel, der mit seinen kleinen schwarzen Kollegen in einem Kaefig sitzt und sehr ueberzeugend immer wieder sagt: „Hier ist es so [pause] gemuetlich!“ Den haett ich jetzt gerne hier, denn manche Arten von Gemuetlichkeit sind zu zweit einfach schoener. Es ist nach sieben, also dunkel, Stromausfall, also stockdunkel und draussen wuetet und wogt ein wildes Unwetter. Auf mein Blechdach und meine Mangobaeume prasselt der Regen und der Donner kommt von ueberall her. Zum Glueck hat mir Debbie vor ein paar Tagen ihre Akku-Lampe geliehen. Sie wohnt zwischen dem Stromverteiler und dem Regionalminister, also ist der Strom in ihrem Haus weniger rationniert als in unserem Stadtviertel. Ja, ganz recht, rationniert. Der Akosombo-Dam, wo immer noch ein Grossteil des ghanaischen Stroms produziert wird, ist an einem aussergewoehnlichen Tiefstand angelangt und nach unerfindlichen Regeln wird der Strom immer mal wieder fuer bestimmte Stadtteile fuer zwoelf Stunden ausgestellt. Und nun sitz ich also hier und hoer der Dunkelheit zu... und ueberlege, ob Der-Nicht-im-Schlamm-Versinkt (mein Wachmann) in der Lage ist, einen einzelnen Deutschen Satz zu lernen (s.o.). Unsere Konversation heute abend war wie immer eingeschraenkt. Ich fragte: „Old man! Is ok?“ und er antwortete „Thank you Sir!“

Nummer sicher

Cecilia war in Accra in der Bank, um Geld abzuholen. Vor ihr hat ein Mann einen fetten Batzen Cedis abgehoben. Dann hat er sich mitten in der Schalterhalle bis auf die Unterhose ausgezogen, die Kleider um das Geld herum zu einem Buendel gewickelt, sich das Buendel auf den Kopf gelegt, weil alle alles auf dem Kopf tragen und hat die Bank verlassen. Im Rausgehn sagte er: Nun wird niemand auf die Idee kommen, mich zu ueberfallen.
Endlich eine Antwort auf die Frage, welchem Beruf Gott nachgeht: Gott ist Koenig Klemptner  Posted by Picasa

Dienstag, September 05, 2006

Herzmacher

Heute ist Mary zum Herzkuchenformenmacher gegangen. Sie hatte ein grosses Blatt Papier dabei, auf dem ein sehr grosses und ein sehr kleines Herz gemalt war. Die mittlere Stufe des Hochzeitskuchens haben wir schliesslich schon. Der Herzmacher sitzt wie immer im Staub, umgeben von Freunden und Altmetall und wird uns zwei ganz persoenliche (soll ich sagen krumme und schiefe?) Herzen aus alten Dosen oder plattgeklopptem Wellblech biegen. Und auf dem Markt wird Mary nach blauer Lebensmittelfarbe suchen, denn blau sind die Schleifen des Brautkleides. Hochzeit ist am Samstag und ich hab ihr heute ins Gewissen geredet, dass sie Freitag morgen gar nicht erst anfangen soll, zu putzen, sondern gleich backen backen backen bis ihr die Kraft gebricht. Wer jetzt nicht weiss, wovon ich rede, hat nicht aufgepasst und kann nachlesen unter dem Titel „83 Eier“. Obwohl diese Zahl nicht mehr stimmt, denn wir haben ein Rezept gefunden, fuer das wir weniger Eier brauchen und mehr Milch. Das ist super, denn Milch ist billiger. Und ich hab das Gefuehl, der Kuchen wird ein bisschen stabiler, was super ist, denn man drei Stueck aufeinanderstellen will...

Sonntag, September 03, 2006

Da ist der Beweis: Small Mary ist tatsaechlich kleiner als klein Eva. Ich sach Euch, war nicht einfach, eine Angestellte zu finden, bei der ich mich riesig fuehlen kann... Posted by Picasa
Fuer dieses Foto musste ich Mary erstmal fragen, wie rum man wedelt, denn ich koch natuerlich immer voll luxurioes auf meinem Gasherd Posted by Picasa

Was man zum computern nicht braucht

Nachdem Mary heute ihre allererste email bekommen hat, erzaehlte sie: Mein Freund meinte gestern: „So, she wants you to spoil her computer (So, sie will also dass Du ihren Computer kaputt machst).“ Also hab ich ihr erklaert, dass sie den Computer zum Beispiel damit kaputt kriegt, wenn sie so bloed ist wie ich und nen halben Eimer Wasser draufkippt. Dass wir beide aber nicht schlau genug sind, die Maschine ernsthaft zu schaedigen mit Sachen, die wir in die Tastatur tippen (Was weiss ich denn, wie man einen Virus programmiert, und ich bin sicher, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass man das aus Versehen macht. Ein Statistiker koennte uns bestimmt ausrechnen, wie viele Affen man vor wie viele Computer setzen muesste, damit sie wahllos auf die Tasten einhaemmern und dann eine dieser zufaelligen Buchstabenkonstellationen ein funktionnierender Virus ist).

„Mary, wenn ich denken wuerde, Du koenntest meinen Computer so einfach kaputt machen, wuerd ich Dir nicht erlauben, ihn zu benutzen.“ „Ja aber wenn ploetzlich alles still steht?“ „Dann mach ich den Computer aus und wieder an, so wie man das Licht aus- und anschaltet. Das ist schliesslich auch nicht kaputt, wenn ich’s ausschalte.“ Und dann war es auch schon um meine Beherrschung geschehen und ich musste eine kleine Rede halten, darueber wie Leute, die etwas koennen, die anderen einschuechtern, dass das sooo schwierig ist. Damit sie sich selbst so viel toller finden koennen. Auto fahren, Computer benutzen, ja sogar mit dem Handy telefonieren. Letzteres musste ich dann doch noch hinzufuegen, denn ich weiss, dass Mary so stolz auf ihr Handy ist, und auf die Frauen in ihrem Haus runterschaut, die nicht lesen und schreiben und nicht mit dem Handy telefonieren koennen.

Vielleicht wusstet Ihr das noch nicht, aber neben diesem schaebig zusammengeflickten Universum gibt es noch ein anderes, Evas Beste Aller Welten und in dieser haben alle Leute einmal erlebt, wie gluecklich einen das macht, jemandem was beizubringen und zu sehn, wie Menschen zu ihrer eigentlichen Groesse heranwachsen. Natuerlich ist Evas Beste Aller Welten etwas langweilig, aber zumindest ist es da allbekanntes Wissen, dass man weder zum Autofahren, noch zum Computern einen Bart braucht.

Freitag, September 01, 2006

Gott wird's schon richten Posted by Picasa
Gott hat es gemacht. Magen Loesung! Fast Food. Posted by Picasa
Gott segnet niemand kann verhindern (Fruehstueck) Posted by Picasa

Mary im Netz

Als Mary Debbies Huehnerbeine briet, hatte ich ganz ploetzlich eine Idee, die nichts mit Debbie oder Beinen zu tun hatte: „Mary, hast Du eigentlich schonmal einen Computer benutzt?“ „Nein.“ „Willst Du lernen wie das geht?“ „Ich hab mich nie getraut, Dich zu fragen, weil Du immer so beschaeftigt bist. Und bei meiner Freundin (die Sekretaerin ist) trau ich mich nie, den Computer anzufassen, damit ich nichts kaputt mache.“

Also war ich zutiefst beschaemt, dass ich eineinhalb Jahre brauche, um auf diese Idee zu kommen. Und heute war’s dann so weit. „Mary, heute schreibste ne email an Zuzanna in Kanada!“ Ich hab ihr gezeigt, wie man den Computer anschaltet, Word oeffnet, Gross- und Kleinbuchstaben findet, in die naechste Zeile springt, Fehler loescht und Punkt und Komma setzt. Dann bin ich eingeschlafen, denn es regnete und ich bin inzwischen so ghanaisiert, dass ich denke, das reicht als Begruendung.

Als ich wieder aufwachte, laechelte sie und sagte: „Guck mal“ und dann „Hab ich das nicht gut gemacht?“ Und das hatte sie tatsaechlich, Buchstaben fuer Buchstaben mit einem Finger und langem Suchen einen kleinen Brief geschrieben, der nur darauf wartete, ihre kanadische Freundin zu verblueffen.

Versuch mal, jemandem, der noch nie nen Computer angefasst hat, zu erklaeren, wie so ein Internet funktionniert – und warum... Manchmal hab ich das Gefuehl, Mary lernt so schnell, weil sie die meiste Zeit unterfordert und deshalb komplett aufnahmefaehig ist. Schritt fuer Schritt hab ich ihr dabei geholfen, eine email-Adresse einzurichten und die erste email abzuschicken. Danach mussten wir beide ein wenig schlucken und gleichzeitig laut lachen. Als sie heute mein Haus verliess, sagte sie noch: „Als Naechstes schreib ich Deiner Mama.“

P.S.: Ich weiss, dass einige von Euch Mary besonders ins Herz geschlossen haben, ganz ohne sie zu kennen. Ich werde ihre email Adresse nicht in diesen blog stellen, aber wenn Ihr mich direkt fragt, gebe ich sie gerne weiter. Stellt Euch Marys Gesicht vor, wenn sie ihre emails abfragt und Evas Freunde haben ihr geschrieben. Ich erzaehl ihr manchmal, wenn ich eine Geschichte ueber sie in meinen blog stelle und sie weiss, dass meine Freunde nach ihr fragen...

Donnerstag, August 31, 2006

Those enter here for toilet are fools (Die hier reingehn fuer Toilette sind Deppen) Posted by Picasa

Kein Strom, kein Radio

Mit dieser Ueberschrift ist die ganze Geschichte eigentlich schon erzaehlt. In den letzten Tagen gab es in meinem Stadtviertel immer wieder stundenlangen Stromausfall. Da der Radiomann mein Nachbar ist und sich noch keinen Generator leisten kann, heisst das auch: Radioausfall.

In Anbetracht meiner Gier nach oeffentlich ausgetragenen Ehestreitigkeiten, war das natuerlich ein herber Verlust an Lebensqualitaet. Aber viel schlimmer war, dass wir Freunde aus Accra erwarteten, die eine grosse Live-Berichterstattung ihrer Konferenz bestellt hatten, einer der ersten groesseren Auftraege. Also fuhr ich durch die Nacht zum Sender und wir standen lamentierend in der pechschwarzen Dunkelheit. Radiomann sagt: Ich geh den Stromversorgern so gut auf den Geist, wie ich kann, und sie haben versprochen, morgen frueh ist das Problem geloest.

Die Story koennte auch heissen: Kein Strom, trotzdem Kuchen. Mary hatte von den gleichen Freunden den Auftrag bekommen, 120 Konferenzteilnehmer mit Kuchen zu fuettern. Also stand sie bis zehn Uhr nachts bei Kerzenschein in meiner Kueche, ruehrte Ruehrkuchenteig mit kraeftigen Holzloeffelbewegungen und stolperte in der Dunkelheit von der Kuechentuer zur Veranda, wo der Ofen steht.

Die Story koennte auch heissen: Strom, Radio, Kuchen. Denn am Ende wurde alles gut: Um Mitternacht gingen alle Lichter in meinem Haus an, am naechsten Morgen fielen die Konferenzteilnehmer wie ausgehungert ueber den Kuchen her und Radiomann strahlte. Er sendete das Programm gleich zweimal: Einmal live und fuer Geld und am naechsten Morgen nochmal, als Bonus und damit es auch wirklich alle hoeren.

Dienstag, August 29, 2006

Kaltmammsell und Geburtstagskind Posted by Picasa

Fuettersucht

Debbie und ich haben uns letzten Samstag fest vorgenommen, dass das die letzte Party fuer eine lange lange Zeit sein wird. Vor vier Wochen gab es in meinem Haus spontane Pizzaparty, vor zwei Wochen gaben wir grosse Debbiezurueckinghanaparty, Samstag feierten wir Debbies Geburtstag und wer schonmal mit mir gefeiert hat (soll ich sagen: Wer schonmal unter meinen Partyvorbereitungen gelitten hat), weiss, dass das mindestens einen ganzen Tag in der Kueche bedeutet und abends bin ich so geschafft, dass ich am liebsten einfach nur die Kaltmammsell waer und nicht auch noch mit den Gaesten feiern will oder gar irgendwas essen.

Also, schon fuer Debbies Geburtstag war die Vereinbarung: „Wir bestellen Essen bei Mary und tun selber gar nix.“ Wie Felix sagt: Man muss sich auch schonmal selbst einen Witz erzaehlen... Der Witz ging noch weiter: „Und wir machen nur ein einziges Gericht!“ Natuerlich sieht die Realitaet anders aus als der Witz und Mary und ich haben wieder einen Samstag in der Kueche verbracht, im Hintergrund spielte der wilde Radiomann sein Reaggea-Programm und ewig gruesste das Murmeltier.

Gestern kamen Freunde aus Accra zu Besuch und wir haben mal wieder knapp 2 Stunden im Restaurant auf unser Essen gewartet. Mir machte das gar nix, denn ich hab mir inzwischen angewoehnt, mich vor dem Essengehn satt zu essen, dann halte ich es gut aus, bis die naechste Malzeit kommt. Aber natuerlich endete der Abend wie zu erwarten war: „Warum kommt Ihr nicht morgen alle zu mir nach Hause, koch ich Euch was Feines!“ Und da die nichts von der Sucht wissen, die mich langsam aber sicher zerstoert, haben sie ganz arglos zugesagt. Debbie ist so tief in ihre Co-Abhaengigkeit verstrickt, dass sie nur lachte und die Einladung dankend annahm. Und da wir einmal dabei sind, kann ich doch Derek und Amy gleich auch noch einladen. Dann rief Martine an: „Hallo, ich bin jetzt in Tamale angekommen, in zwei Stunden bin ich in Bolga (und ich denke: Ach ja, Du hattest ja angeboten, dass sie fuer zwei Wochen in Deinem Haus wohnen kann... wie konntest Du das nur vergessen?).“

Also ruf ich Mary im Haus an und sage: „Bitte, mach das Hinterhaus fuer Besuch fertig.“ Und plane, das Buero sehr puenktlich zu verlassen, um zwischen halb sechs und sieben schnell fuer vier-sechs-sieben-acht-neun, genau fuer neun Leute zu kochen.

Ich erzaehle Douglas die ganze Geschichte und dass ich ueberlege, ob ich in Therapie gehen soll, um mich von meiner Fuettersucht heilen zu lassen. Er lacht und sagt mir ins Gesicht, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin: „Als Erstes wuerdest Du dem Therapeuten doch anbieten: Kommen Sie heute Abend zu mir, koch ich Ihnen was Feines!“

Montag, August 28, 2006

Auf Kohlenpoetten kann man alles kochen, zum Beispiel Huehnerbeine fuer Debbies Geburtstagsparty Posted by Picasa
Zwei Kohlenpoette werden angefeuert und unten in den Ofen gestellt. Alles, was wir backen hat einen pikanten, leicht rauchigen Touch... Posted by Picasa
Mary und Pizza und Evas Schatten vor unserem neuen Ofen Posted by Picasa

Freitag, August 25, 2006

Praesidentenrausschmeisser

Vor ein paar Tagen diskutierten die Jungs im Fruehstuecksradio: Soll der Staatspraesident sich entschuldigen, zuruecktreten oder hat er eigentlich genau das Richtige gesagt? Ich hatte zu lange geschlafen und zu spaet eingeschaltet, um noch zu verstehen, was Kufour eigentlich gesagt hat.

Debbie meint zwar: „Das fragen die Zeitungen John Major jede Woche!“ Aber wieviele afrikanische Staaten gibt es, wo ich die gleichen Journalisten am naechsten Tag noch frei rumlaufen seh, das Radio weiter sendet und keiner sich drum schert? An Tagen wie diesem, macht Ghana mich gluecklich, und ich druecke beide Augen zu vor korruptem und aufgeblasenem Staatsaparat, Politikerluegen und ethnischen Konflikten.

Unsere Nachbarn sind Elfenbeinkueste, vom Buergerkrieg zerrissen, Togo, wo der Praesidentensohn davon ausging, dass er den Thron seines Vaters erbt und Burkina-Faso - gibt es den Ausdruck Militaerdemokratie?

Mittwoch, August 23, 2006

Eva in Ghana

Ganz nah
Eben war ich in der Bank und mir fiel wieder auf, dass ich hier doch eine Stadtmaus bin, die ihre Zeit meist mit anderen (schwarzen und weissen) Stadtmaeusen verbringt.

Heute war einer dieser Tage, wo ganz viele einfache Leute zur Bank gehn, vielleicht wurde irgendwas ausgezahlt, die Bank war jedenfalls voll mit Doerflern in bunten Wickeltuechern, mit verschlissenen Hemden, wilden Kopfbedeckungen und Brillen, die mit Bindfaden geflickt waren.

Ich hatte lange zu warten und schaute mir das Spektakel an und sah: Die stehen ganz anders Schlange als Stadtghanaer oder gar Europaer. Diese Horde alter Maenner und Frauen, alle schmiegen sie sich aneinander um eine Schlange zu bilden, die tatsaechlich dem Tier aehnelt, ein einziges bewegliches Wesen, kein Raum zwischen einem Menschen und dem naechsten... selbst wenn sich nur vier Leute hintereinander stellen und um sie rum so viel Platz ist. Das sieht schoen aus und irgendwie heimelig, keiner allein. Und grade in der einschuechternden grossen kuehlen Bank ist es gut, wenn man den Schweiss, den Pitu-Atem und den Kuhgeruch seines Dorfnachbarn immer in der Nase hat, um zu wissen, dass man nicht verloren gehen kann.

Dienstag, August 22, 2006

Haeuptlingsmode 4 Posted by Picasa
Haeuptlingsmode 3 Posted by Picasa
Haeuptlingsmode 2 Posted by Picasa
Haeuptlingsmode 1 Posted by Picasa

Haeuptlingin sein

Douglas’ Freund wohnt bei mir auf der Ecke. Letztens sagte er zu Douglas: „Deine Chefin ist der Haeuptling aller Weissen in Bolga.(Your boss is the chief of all white people in Bolga)“ „Warum?“ frage ich. „Weil er die immer alle zu Deinem Haus stroemen sieht.“ Hm. Ich glaube sowas nennt man bei uns nicht Haeuptling sondern Partyqueen. Oder Kuechenfee?

Wie auch immer, ich werde mich nun meinen Haeuptlingswuerden entsprechend ausstatten, eine Pferdehaarwuerdeverstaerkungsquaste anschaffen, eine handvoll Frauen mit beutelfoermigen nackten Bruesten heiraten und die anderen Weissen in Bolga zur Gartenarbeit einteilen. Das wird super.

(Liebe politisch korrekten Freunde. Um moeglichen empoerten Kommentaren zuvorzukommen, erlaube ich mir, hier anzumerken, dass es sich bei meinen naechsten Schritten zur Vervollkommenung meiner Haeuptlingsposition NICHT um eine Verspottung der lokalen Kultur handelt, sondern um Attribute, die einzig und allein weissen Haeuptlingen in Nordghana vorbehalten sind – also mir. Die lokale Kultur ist weiterhin geheimnisvoll und komplex und jeglicher Spott wuerde ohnehin ungesehen in ihrer Vielschichtigkeit versickern wie Pipi im Sand)

Montag, August 21, 2006

einmal Kroete - immer Kroete

In meinen alten blogs koennt ihr viel ueber den Krieg der Kroeten nachlesen. Die Verlegung meines Abwasserabflusses unter die Erde hat dem Massenandrang den Garaus gemacht. Dafuer ueben die Kroeten sich nun in Guerillataktik und kopieren den Feind (also mich). Als ich eben in die Dunkelheit hinausging, hat eine Kroete auf mich draufgetreten. Ploetzlich sass sie auf meinem Fuss und dachte, das sei ne tolle Idee. Ich bin da anderer Meinung aber mich fragt ja keine Kroete.

Donnerstag, August 17, 2006

Verliebt

Heute bin ich in mein Buero verliebt. Ob ich es vielleicht heiraten soll, wie im guten alten Deutschen Schlager? Nein., ich beginne noch nicht, meine Stuehle und meinen Schreibtisch zu streicheln. Aber dafuer laufe ich mit diesem bestimmten Huepfen rum, das Ghanaer so laecherlich finden, weil einem doch dann alles hinfaellt, was man auf dem Kopf traegt. Und bin froh, hier zu sein.

Nach eineinhalb Jahren liebe ich meine Kollegen viel mehr als am Anfang und wir sagen einander immer so viele nette Sachen, erzaehlen von Familie und verschiedenen Eigenartigkeiten der Kulturen. Mein Assistent lernt alles, was ich im erklaere, in Windeseile, mein Bueropartner von der Wasser Kommission will die Welt verbessern und wenn wir sie mit meiner neuen Methode (Influence Network Mapping) maltraetieren, sind unsere Interviewpartner ueberwaeltigt und begeistert. Es regnet Kuchen, die Menschen tanzen auf den Strassen und ein jedweder versteht, was der andere sagt, da Babylon vorbei ist. Die Faulenzer gehen zur regelmaessigen Arbeit, Arbeitssuechtige machen Feierabend und ich kann offensichtlich das Glueck nicht ebenso ernsthaft beschreiben, wie das Unglueck. Sonst wuerde mir dieser blog nicht einfach ins Hahnebuechende davonlaufen....

Wir danken dem ersten edlen Spender

Ein Freund schrieb: Ich wuerde gerne 20 Euro zu den Studiengebuehren dazutun (s. Blog: Bittbrief). Ich sag: Super, ich geh das Geld vorbeibringen und Du kannst es mir an Weihnachten zurueckgeben, wenn ich in Deutschland bin. Denn ueberweisen ist einfach zu aufwaendig, langsam und teuer fuer kleine Betraege. Also bin ich heute im Rotkreuzbuero aufgetaucht und hab dem Vater vieler schlauer Kinder eine Freude gemacht. Der preist den edlen Spender und mich gleichfalls und bedankt sich ganz herzlich – auch im Namen seiner Tochter.

Dienstag, August 15, 2006

Karriere mit falschem Spinat

Letztens hatte ich Besuch von besonders wichtigen Herren, die sich mein Projekt – und alle anderen – anschauen wollten und sehn, ob ihr Geld auch sinnvoll ausgegeben wird. Da ich selbst weiss, wie sehr einem Hotels, Restaurant und das Fernsein von Haus und Herd auf den Geist gehen kann, bekamen sie mehr, als sie bestellt hatten. Ich werde Euch nicht damit langweilen, warum ich denke, dass wir ihr Geld sinnvoll ausgeben. Der Besuch fiel auf einen Sonntag und so waren sie bei mir zum Sonntagsmittagsschmaus eingeladen. Wie wichtig diese Herren mir waren, konnte Mary daran sehn, dass ich sie tatsaechlich bat, Fleisch zuzubereiten, was in meinem vegetarischen Haushalt aeusserst selten vorkommt. Also gab es Huehnerbeine, falschen Spinat, Reis und zum Nachtisch Zitronenkuchen und echten Kaffee. Um die Erfahrung perfekt zu machen, bekam das Essen mehr als nur Naehrstoffe und Geschmack, ich erzaehlte ihnen Geschichten, um das Essen mit Sinn aufzuladen. Der falsche Spinat, Alefu, sieht aehnlich aus wie Brennesseln und wenn man ihn isst, tut man eine wohlschmeckende gesunde gute Tat. Alefu wird von besonders armen Bauern und Baeuerinnen angebaut, da man die Samen selbst zuechten kann und nach drei Wochen Wachstum die ersten Blaetter ernten, das erste Geld verdienen kann. Die Ernte ist mit Bewaesserung das ganze Jahr ueber moeglich und das Gemuese wird von den Frauen selbst auf dem Markt verkauft, so dass kein Geld an Zwischenhaendler verloren geht. Als waere das noch nicht genug, erzaehle ich ihnen zum Nachtisch noch von Marys Baeckerei und als die Herren von meinen gemuetlichen Omasofas aufstehn, grinsen sie weich und gluecklich wie Hefeteig.

Montag, August 14, 2006

Fallsucht

Mein Assistent ist von seiner Reise nach Accra zurueckgekommen und sagt: “All my neighbours are telling me that my white boss is such a good person. They are not telling me any news. (Alle meine Nachbarn sagen mir, dass meine weisse Chefin eine gute Person ist. Sie erzaehlen mir nichts Neues)“ (ich bin geruehrt...) Nun redet also die ganze Nachbarschaft davon, dass ich der weisse Engel bin, der den Fallsuechtigen angefasst hat, ohne Angst vor Ansteckung. Ich finde, dass mein Assistent ein viel groesserer Held ist. Dieser Epileptiker ist sein Freund und er war irgendwann mal bei einem Anfall dabei, wo der junge Mann ebenfalls gewaltsam seinen Kopf auf den Zement gedonnert hat. Und da hat Douglas geholfen, OBWOHL er glaubte, dass er sich anstecken kann.

Lovetalk

So heisst das Programm. Ich sitze mit offenem Mund vor meinem Radio. Presse mein Ohr an den Lautsprecher, wenn die Anrufer schlecht zu verstehen sind. Und lerne immer mehr ueber dieses Leben. Heute diskutieren sie: Ein junger Mann war im Ausland, hat sich da in eine weisse Frau verliebt und sie geheiratet. Er kommt mit der Dame heim, stellt sie der Familie vor und die Mutter sagt: „Ja aber ich hab Dir doch so ne schoene runde Ghanaerin gefunden, schick die bloede weisse Tusse heim und tu was Mama sagt.“

Unser Freund hat sich ans Radio gewandt und bittet die Oeffentlichkeit, ihm einen guten Rat zu geben. Ein Anrufer nach dem anderen sagt: Schick die Weisse halt heim und folge Deiner Mutter. Die hat schliesslich so hart gearbeitet, um Dir die Reise ins Weissenland ueberhaupt zu ermoeglichen. Endlich sagt einer: Nein, der Mann soll die weisse Frau behalten, die koennen Dir doch viel besser weiterhelfen als schwarze Frauen. (Weiterhelfen wird hier in der gleichen Bedeutung verwendet, wie Ommaausgeich immer sagte: Man muss sich zu helfen wissen! Und dabei Daumen und Zeigefinger in Geldzaehlgeste aneinander rieb). Der letzt Anrufer schliesslich hat zu Gunsten unserer weissen Schwester die Bibel gelesen und sagt, dass der Mann Vater und Mutter verlassen und sich mit dem Weib verbinden soll und ausserdem der Mensch nicht scheiden soll, was Gott verbunden hat.

Liebe kommt in der Diskussion nicht vor. Und die Frauen scheinen so Dinger zu sein, die man sich anschafft und wieder loswerden kann, wenn sie doch nicht passen. Ich versuche mir die Geschichte von der anderen Seite vorzustellen, die junge weisse Frau, die mit der Liebe ihres Lebens in dessen Heimatdorf kommt, kein Wort der hitzigen Diskussionen versteht, ihren Mann ganz anders erlebt, als sie ihn in England, Holland oder wo auch immer kennengelernt hat, und keiner erklaert ihr, was das Problem ist und keine beste Freundin ist da, der sie den ganzen Scheiss erzaehlen kann.

Sonntag, August 13, 2006

Tankstelle Posted by Picasa

Freitag, August 11, 2006

Bittbrief

Einer meiner ghanaischen Freunde hier arbeitet fuer’s rote Kreuz. Er hat einen Haufen Kinder, von denen die Aelteste schon arbeitet, alle anderen gehen noch zur Schule. Vor einigen Monaten fing er an, von seiner drittaeltesten Tochter zu erzaehlen, die Medizin studieren will und fragte, ob mir irgendetwas einfaellt, wie sie Unterstuetzung finden koennte. Fuer meine eigene Freiheit hier ist es mir wichtig, nicht anzufangen, Leute finanziell zu unterstuetzen. Also hab ich ihm gesagt: Was ich Dir anbieten kann, ist einen Brief Deiner Tochter ins Internet zu stellen, vielleicht hat einer meiner Freunde etwas Geld uebrig oder englischsprachige Medizinbuecher oder hat eine andere Idee, wie er Deine Tochter unterstuetzen kann. Das Ganze war ein langsamer Prozess, irgendwann kam er mit der Tochter in mein Buero, um sie mir vorzustellen, ein ernsthaftes schuechternes Maedchen, dem der Vorstoss des Vaters eher peinlich war. Letzte Woche kam er dann nochmal allein und sagte: Sie hat sich gedreht und gewunden und schliesslich gesagt, warum sie diesen Brief nicht schreiben will: Sie hat Angst, dass schliesslich die ganze Welt rausfindet, dass sie arm ist. Ich hab ihn beruhigt, ihr Name wird nicht im Internet stehn, niemand wird sie als Person mit diesem Brief in Verbindung bringen koennen. Als ich heute ins Buero kam, lag der Brief da und der geht folgendermassen (den Namen hab ich rausgestrichen, die Kontoverbindung geb ich Euch gerne direkt, falls Ihr helfen wollt, Uebersetzung s.u.):

Dear Sir/Madam
I need your support
I am highly delighted writing to you this letter. By the grace of our almighty God I hope you are doing well. Before I proceed with my main agenda, I would like to introduce myself.
My name is ----- , 18 years old and a product of Bolgatanga Secondary School pursing Pure Science. I am a Kusasi by tribe from the Upper East Region of Ghana but reside in Bolga (Zuarungo). I am the third out of six children in my family.

I gained admission to University of Ghana. Legon to offer Physical Science instead of Biological Science which I wanted, but since I had no option, I had to pay a non-refundable fee of 2,600,000 Cedis. Just as I was about to report at the school, a letter from University for Development Studies arrived, offering me Nutrition, my second choice to Human Biology as seen in the attached photocopies. Due to certain advantages such as easy accommodation, nearness of school to my home in case of emergencies and above all fulfilling my desire to help the poor, the needy and the sick when I become a doctor or a health worker, I have to switch my attention to UDS Nyankpala Campus in Tamale.

However, I am presently financially handicapped which is likely to be a threat to my degree education.

I therefore humbly write to request for any assistance either financially or materially to top up the little my parents have been able to afford to enable me pay my fees and to purchase a few needed items.

I am priveledged to have opened an account with the Ghana Commercial Bank with the following particulars


I would plead to end here reminding you that your service to me now will mean service to thousands in the near future.

I hope my request would meet your kind consideration. Thank you, yours faithfully ---


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich brauche Ihre Unterstuetzung.

Es bereitet mir grosse Freude, Ihnen diesen Brief schreiben zu duerfen. Ich hoffe, es geht Ihnen durch die Gnade unseres allmaechtigen Gottes gut. Bevor ich weiter mit meinem Anliegen fortfahre, wuerde ich mich Ihnen gerne vorstellen.

Mein Name ist ----, ich bin 18 Jahre alt und ein Produkt des Naturwissenschaftlichen Zweiges der Bolgatanga weiterfuehrenden Schule. Ich gehoere zum Stamm der Kusasi aus der Upper East Region Ghanas, lebe aber in Bolgatanga (Vorort Zuarungu). Ich bin das dritte von sechs Kindern in meiner Familie.

Ich habe die Zulassung der Universitaet Ghanas in Legon erhalten, fuer Physik statt Biologie, was ich mir gewuenscht haette, aber da ich keine Wahl hatte, musste ich eine nicht-rueckzahlbare Gebuehr von 2 600 000 Cedis (ca 240 Euro) zahlen. Als ich mich grade aufmachen wollte, um mich bei der Universitaet zu melden, erhielt ich einen Brief von der Universitaet fuer Entwicklungsstudien (UDS), die mir einen Studienplatz in Ernaehrungswissenschaften anboten, meiner zweiten Wahl nach Humanbiologie, wie Sie den angefuegten Kopien entnehmen koennen. Aufgrund bestimmter Vorteile, wie einfache Unterkunft, Naehe der Schule zu meinem zu Hause fuer den Fall eines Notfalles und vor allem meinen Wunsch erfuellend, den Armen, Beduerftigen und Kranken zu helfen, wenn ich ein Arzt oder Gesundheitsarbeiter werde, muss ich nun meine Aufmerksamkeit dem UDS Nyankpala Campus in Tamale zuwenden.

Jedoch bin ich momentan finanziell eingeschraenkt, welches wahrscheinlich meine universitaere Ausbildung bedrohen wird.

Deshalb schreibe ich Ihnen bescheidenst mit der Bitte um jegliche Hilfe, entweder finanziell oder materiell um das Wenige aufzustocken, was meine Eltern sich leisten koennen, um meine Studiengebuehren zu bezahlen und einige notwendige Dinge zu kaufen.

Ich habe das Privileg, ein Bankkonto bei der Ghana Commercial Bank eroeffnet zu haben, mit folgenden Kontodaten:
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Ich bitte hiermit enden zu duerfen und erinnere Sie daran, dass Sie, wenn Sie mir heute helfen, Tausenden in der nahen Zukunft helfen.

Ich hoffe, dass meine Bitte Ihre freundliche Aufmerksamkeit erhaelt. Vielen Dank.
Hochachtungsvoll
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Manchmal faellt mir einfach keine passende Ueberschrift ein

Als ich zum Mittagessen nach Hause fuhr, winkte mir ein Nachbar vom Wegesrand zu. Ich fuhr zurueckwinkend vorbei, schaute in meinen Rueckspiegel und sah ihn zuckend am Boden liegen. Als ich angehalten hatte und ausgestiegen war, hatte er seinen Hinterkopf schon so oft gegen die Betonkante gehauen, dass die Wand des Abflusskanals, an dem er lag, blutrot war, Schaum quoll ihm aus den Lippen, seine Augen waren anderswo und die Freunde, mit denen er sich grade noch unterhalten hatte, waren alle einen Schritt zurueckgegangen und schauten in die Luft. Als ich versuchte, ihn von der Kante wegzuschieben nahm schliesslich einer von ihnen die andere Hand. „Irgendetwas Weiches! Wir brauchen etwas Weiches, wo wir seinen Kopf drauflegen koennen! Etwas Weiches!“ Irgendwann brachte jemand regennasse Eierkartons, die zwar gleich blutgetraenkt waren aber er schmiss sich viel zu sehr hin und her, um seinen Kopf sicher darauf zu betten. Schliesslich meinte eine der Frauen: Wir tragen ihn auf die andere Seite, da liegt er auf der weichen Erde. Also schleppten wir ihn an Haenden und Fuessen rueben waehrend er sich wand und zuckte. Dann war er ganz ruhig. Sprang auf und schwankte zum leeren Tisch des Strasseneckenmetzgers, legte sich darauf, sprang wieder auf, lief eine Runde um den Tisch, legte sich wieder hin, sprang wieder auf und schwankte schliesslich seinem Haus entgegen. Einer seiner Freunde sagte: Der hat das schon seit Jahren. Und er weiss, dass er danach sofort nach Hause muss, sich waschen und wieder sauber anziehn. Ich habe unseren kleinen Markt noch nie so still gesehn, alle starrten ihn mit grossen Augen an... aber noch viel mehr die weisse Frau, die sich traut, ihn anzufassen. Mary erklaerte mir spaeter, dass Du Epilepsie kriegen kannst, wenn jemand waehrend eines Anfalls seinen Kopf gegen Deinen stoesst und das Risiko moechten auch seine Freunde nicht eingehn. Ein Junge aus ihrer Nachbarschaft ist im See ertrunken, als er einen Anfall hatte, waehrend er sich wusch. Mein Medizinbuch und ich haben eine andere Vorstellung von der Ansteckungsgefahr als der lokale Volksmund. Die arme Mary musste mir – sehr widerstrebend – versprechen, dass sie das naechste Mal hilft, wenn sie so etwas sieht.

(Zur Ehrrettung der Ghanaer sei gesagt, dass ich auch schon in Duesseldorf in der Strassenbahn einen epileptischen Anfall gesehen hab, bei denen keiner der Mitreisenden der Frau geholfen oder sie vor Verletzungen geschuetzt hat)

Donnerstag, August 10, 2006

Eva zeigt wo's langgeht Posted by Picasa

Nachtfalter

Mary ist so suess und klein, dass es lange gedauert hat, bevor mir das ueberhaupt bewusst wurde, dass sie auch herb ist und niemals anfasst. Manche Leute unterstreichen alles, was sie sagen, damit, dass sie Dir die Hand auf den Arm, die Schulter legen, viele Ghanaer gehen Hand in Hand oder spielen gedankenverloren mit Deinem Hemdsaum. Ich kann mich nicht erinnern, dass Mary das je bei mir gemacht hat und das eine Mal, dass ich sie umarmt hab, weil ich das Gefuehl hatte, das sei wirklich noetig, hab ich ein Brett umarmt.

Aber heute! Waehrend ich meine Mittagspause verdaute und sie den Tisch abraeumte sprachen wir ueber Orangenhuhn und sonstnochwas, sie steht hinter meinem Sessel und ploetzlich spuer ich, wie sie ganz nebenbei anfaengt, mit meinem Haar zu spielen. Das fuehlte sich so an, als sei ein Schmetterling auf meiner Schulter gelandet, und ich versuchte, keine abrupte Bewegung zu machen, um ihn nicht aufzuschrecken. Heisst das, dass sie nach eineinhalb Jahren nun keine Angst mehr vor mir hat?