Dienstag, März 29, 2005

O leven Joott, jev ons Wassa on helf ons in de Nood

(Oh lieber Gott, gib uns Wasser und helf uns in der Not)
Die Nichtrheinlaender unter Euch moegen mir den wiederholten Rueckgriff aufs Rheinische Liedgut verzeihen. Die anderen koennen mein Morgengebet mitsummen. Ich bin auch ganz bescheiden und bete gar nicht um „Dat Wassa von Koelle“ (so heisst das Lied) denn ich bin ueberzeugt, auch dat Wassa von Bolga is joot. Nur leider, es fliesst nicht.

Vorgestern hab ich den Jungs, die das Gas verkaufen, erzaehlt, dass es in Deutschland nie Wasser- oder Stromausfall gibt. Sie haben mich unglaeubig angeguckt. Als ich vor drei Tagen in mein Haus einzog, gab es ein kleines hausinternes Wasserproblem, weshalb ich mir nur einen Eimer Wasser abzapfte und dann den Haupthahn zudrehte. Das Haus hat, wie die meisten Reichenhaeuser, einen Wassertank, der sich automatisch mit Leitungswasser fuellt, wenn es Wasser gibt, dann hat man einen Vorrat fuer die Zeiten ohne Wasser. Dieser Tank ist aber in der Zeit, wo das Haus leerstand, schmutzig und rostig geworden. Der Haupthahn ist aus, damit nicht gutes Wasser im ollen Tank unbrauchbar wird.

Vor drei Tagen. Ein Eimer Wasser. Morgens duschen (inclusive einmal Haare waschen und einmal Beine rasieren), abends Fuesse waschen. Heute, Morgen des vierten Tages, hab ich mir den letzten Inhalt des Eimers ueber die Schulter gekippt. Natuerlich haette ich, rein theoretisch, einfach den Haupthahn einen Moment aufdrehn und den Eimer neu auffuellen koennen. Das waere aber nur moeglich gewesen, wenn nicht in der Zwischenzeit die ganze Strasse von der Wasserversorgung abgeschnitten worden waere.

Wie man aus so wenig Wasser so viel Sauberkeit wie moeglich rausholt? Erst einseifen. Duschgel ist gut, weil man zum verteilen kein extra Wasser braucht. Und dann tassenweise Wasser ueber die linke Achsel, die rechte Achsel, die Brust, den Ruecken. Mit einer Flasche geht das noch sparsamer, weil die Oeffnung kleiner ist und man deshalb langsamer schuettet. Das ganze wird noch schoener, wenn man dabei immer geniesserisch oh und ah macht und sich auf die angenehme Kuehle des Rinnsals ueber die rechte Schulter konzentriert.

Trinkwasser? Das kommt ohnehin nicht aus der Leitung. In Accra hab ich meinen Wasserfilter zwischengelagert, das sind zwei Blecheimer, die aufeinander stehn. Im oberen sind vier Loecher, in denen poroese Keramikstangen stecken, durch die das Wasser in den unteren Eimer gefiltert wird, der einen kleinen Wasserhahn hat.

Bis der Filter ankommt, gibt es Sachet Water, also in halbliter Plastiktueten eingeschweisstes Wasser, man beisst eine Ecke der Tuete auf und nuckelt sie leer. Um sich nicht ganz irre zu machen, verdraengt man, dass man somit ja die Aussenseite der Tuete ablutscht, die schon durch tausend Haende gegangen ist und sicher nicht der Idee von hygienischer Reinheit entspricht. Wenn man Ghanaer ist, wirft man die leergenuckelten Tueten in hohem Bogen ueber die Schulter. Meist landen sie frueher oder spaeter in der Gosse, also in den tiefen zementierten Graeben rechts und links der Strasse. Die sind dafuer da, die sintflutartigen Regenfaelle der Regenzeit zu kanalisieren. Da die Trockenzeit aber lang genug ist, um jeden Scheiss da rein zu schmeissen und zu machen, bedeuteten die ersten Regen in Accra mal wieder Ueberschwemmungen von Strassen und Haeusern, da die Abfluesse mit einer Mischung von Tueten, Baumaterialien, Ziegenscheisse und was weiss ich verstopft waren. Politiker und Zeitungen diskutieren, ob die Wasserproduzenten fuer die Entsorgung der Tueten zahlen sollen.

Wasserversorgung fuer normale Leute, also die ohne Wasserhahn oder gar Tank im Haus? Ueber ganz Bolga verteilt (und auch in den Doerfern) sind Brunnen gebohrt (boreholes). Was man davon sieht ist die ein oder andere Art von Wasserhahn, der aus der Erde kommt. Manchmal aber auch Brunnen wie aus dem Kinderbuch, aus denen man mit Eimern schoepft. Jedes borehole versorgt eine bestimmte Anzahl von Haushalten, die direkt um das Loch herum wohnen. Gestern hab ich bei einer Frau meine Sprite getrunken, die einen kleinen Kiosk hatte und eine Wasserleitung. Der Schlauch hing an einem Gestell etwa auf der Hoehe einer Dusche. Das ist besonders praktisch, dann koennen sich die Leute, die Wasser holen, gleich mit Schuessel auf dem Kopf unter den Schlauch stellen und muessen das Mistviech nicht voll auf den Kopf hieven. Was passt in die Schuesseln, 10 Liter? 20? An dieser Wasserstelle haben die Leute pro Schuessel direkt bezahlt.

Mein Nachbar erzaehlte mir von der Wasserversorgung in seinem Heimatdorf, auch hier in der Gegend. Da bezahlen die Mitglieder einer Wassergruppe monatliche Beitraege fuers Wasser. Ich frage natuerlich (wasserhahnverwoehnt) ob das denn fair sei, Gebuehren unabhangig von der Menge tatsaechlich benutzten Wassers zu erheben. Nein nein, das ist ganz einfach, man zaehlt, wieviele Frauen in einem Haushalt leben und daran bemisst sich, wieviel zu zahlen ist. Frauen holen das Wasser, und wenn man sein Wasser auf dem Kopf drei Meilen tragen muss, ist die Menge, die man am Tag holen und verschwenden kann klar begrenzt...

P.s: ER (de leven Jott) liebt Gesang und versteht Koelsch. Heute abend komme ich nach Hause und kann mit entzuecken feststellen: et Wassa von Bolga is joot... und fliesst wieder!

Montag, März 28, 2005

Sensationell: Wissenschaftlerin entdeckt Zusammenhang zwischen Romantik und Armut!

Wann ist Euch zum letzten Mal Liebe auf den ersten Blick begegnet? Wie lange ist es her, dass ein fremder Mann / eine fremde Frau Euch unter Beteuerung innigster Liebe vom Fleck weg heiraten wollte? Trefft Ihr regelmaessig Menschen des anderen Geschlechts, die notfalls sogar bereit sind, mit Eurem Ehepartner um Euch zu kaempfen?

Ich wurde an einem gewoehnlichen Tag wie heute zweimal nachdruecklich, aber ohne sonderliche Liebesschwuere, um Hochzeit ersucht, zwei weitere Male um meinen Familienstand befragt und zum Abschluss des Tages trug mir ein schmucker 20jaehriger Polizist Geleit an, um mir auf dem Weg seine augenblicklich erflammte Liebe zu gestehn, mich nach meiner Lebenssituation zu befragen und, da sein Ansinnen abschlaegig beschieden wurde, mich schliesslich um Geld fuer seine Heimfahrt anzubetteln. Ich behauptete, ich sei Fraeulein nicht sondern verheiratet und beschloss ungeleit nach Hause zu gehn. Er konnte meine Grausamkeit nicht fassen, wie konnte ich ihm weder Geld noch Liebe geben und was sollte er dann heute abend tun? Nun, ich hab inzwischen auch einiges ueber den Zusammenhang zwischen Armut und Religion gelernt und bin dabei, mich den lokalen Beduerfnissen und Vorstellungen anzupassen: Bete zu Gott, und es wird Dir geholfen werden. Die einzig moegliche Antwort darauf ist: Ja, das stimmt.

Gluecklicherweise sind wir hier sehr weit von den zentralen Touristenstroemen entfernt. Die Nachfragen bleiben im Tonfall normaler Plauderei, ein Nein wird als Nein akzeptiert und zerstoert trotzdem nicht die freundliche Atmosphaere. Und vermutlich waeren sie eher schockiert, wenn ich sagen wuerde: Ja, stimmt, gute Idee, lass uns heiraten. Abgesehn von den Jungs, die sich als Rastafaris verkleiden und im Sexbusiness arbeiten (boyfriends vonUrlauberinnen fuer Kost, Logis und Geschenke), ist die Ghanaische Gesellschaft eher pruede. Die jungen Frauen testen zwar vor der Hochzeit meist eine Hand voll Bewerber paralell aus, aber inwieweit diese Tests auch koerperliche Faehigkeiten beinhalten, bleibt mir verschlossen. Ausschlaggebend scheint eher das oekonomische Potential der Bewerber zu sein. Die Ehe ist als endgueltige und ernsthafte Angelegenheit gedacht. Mein goldener Ring hat hier deshalb viel mehr Aussagekraft als in Namibia, wo die Maenner meinten: Wenn ers nicht weiss, nehmen wir ihm doch nichts weg.

P.s.: Nein, ich habe keinen wundersamen Wandel zur Beauty Queen erfahren, habe dazu noch dreckige Fuesse und strubbeliges Haar. Das kann aber nicht darueber hinwegtaeuschen, dass in meinem Herzen eine Eintrittskarte nach Europa verschlossen ist und jeder gute ghanaische Geschaeftsmann waere bloed, wenn er nicht mal versuchen wuerde, ob er an dieses Ticket rankommen kann...

Sonntag, März 27, 2005

Ausgedehnung der Familienbande – Extending Family

Ich schreibe zwar, ich haette ein Netzwerk von Bruedern hier, aber das stimmt nicht ganz: In Wirklichkeit sind das Onkel und Taentchen (uncles and aunties). So spricht man hier gleichzeitig hoeflich und vertraulich die Leute an, die schon etwas aelter und ehrwuerdiger sind als man selbst und die einem mehr helfen als man zurueckgeben kann...

Heute morgen hat mich Onkelchen Flash gegen sieben telefonisch geweckt, wie’s denn im Haus so sei, ob’s mir noch gefalle, er werde gleich in die Kirche gehen, gegen Mittag kaeme er dann mit dem Klemptner vorbei, um mein Wasserproblem zu loesen. Gestern als er ging, sagte er nochmal, ich solle keinesfalls einem dahergelaufenen (gefahrenen) Taxifahrer meine Adresse geben und ihn fuer mich fahren lassen, wenn die Familie ihn nicht kennt. Er wuerde mir jemand vertrauenswuerdigen besorgen und bis dahin koenne ich ihn gerne immer anrufen, wenn ich irgendwohin wolle. Meinen Vorschlag, einfach zur Strasse vorzugehn und ein Taxi anzuhalten, fand er aber auch ok.

Als ich grade anfing, meinen Tag zu beginnen, hoerte ich „Eva, Eva, are you there? (bist Du da?)“. Mein Nachbar Onkel Sunday rief aus seinem Fenster, ob ich vielleicht zum Fruehstucken heisses Wasser brauche und Tee. Wo ich doch selbst keinen Herd hab. Also bekam ich eine Thermoskanne heisses Wasser, eine Tasse und einen Loeffel geliehn. Und einen Haustuerschluessel, damit ich gleich, wenn Sunday und Gladys in der Kirche sind, in ihrer Kueche kochen kann. Nudel mit Tomatenmarksauce und Garden Eggs, also kleinen weissen Auberginen, die wie Eier aussehn. Und vertrocknetem Knoblauch, billigem Pflanzenoel und Salz. (Liste der Zutaten fertig) Juhuu.

Das alles ist eine Uebung in Demut. Reiche weisse Europaerin kommt zu den armen Afrikanerlein. Natuerlich hab ich gedacht: Alle werden zu mir kommen und was von mir wollen. Dass ich selbst so verwundbar und beduerftig sein wuerde und auf die grosszuegig gegebene Hilfe so sehr angewiesen, haette ich mir nicht vorstellen koennen. Aber hier ist man reich und das Leben funktioniert reibungslos, wenn man Familie und Freunde hat und arm, wenn man allein ist. Aber nicht nur arm, weil allein sein keinen Spass macht, sondern weil man kein Haus findet, keine Handwerker, keinen Telefonanschluss bekommt und ungeschuetzt dem boesen Rest der Welt ausgeliefert ist.

Samstag, März 26, 2005

Einzugsparty

Ein fetter Gecko, eine Flasche Fanta, ein Moebelstueck (Matratze) und der Watchman (Nachtwaechter) putzt die staubige Kueche.

Ich hab immer gesagt: Wenn schon Haustier, dann ein fetter Gecko, der freiwillig bei mir wohnt und alle Muecken frisst. Mein neuer Freund hier sieht wirklich aus wie ein veritabler Mueckenmassenmoerder. Und ist der ehrenwerte Stammesvater einer grossartigen Sippe, die mein Vorderhaus bewohnt, waehrend ich im Hinterhaus logiere.

Dass ich Fanta statt Abendessen trinke, und das irgendwie sogar ok finde, ist wohl ein Zeichen fortgeschrittener Afrikanisierung. Ich geniesse, dass sie kalt ist. Dennoch bin ich mir nicht sicher: Afrikanisierung meiner Persoenlichkeit oder der Umstaende? Denn die Umstaende sind: Ich hab keinen Herd und keinen Kuehlschrank. Und kein Restaurant in der Naehe. Als ich eben zum ersten mal zu Fuss von zu Hause (!!!) losgegangen bin, um etwas zu essen zu kaufen, dachte ich noch an das Angebot meiner Nachbarn, doch ihre Kueche benutzen zu koennen. Leider kamen sie mir auf dem Heimweg tuechtig aufgebretzelt entgegen, auf dem Weg zur Kirche. Es was so etwa 5 Uhr und sie meinten bis 10 wuerd das schon dauern. Also kann ich trockene Nudeln kauen, in die Aubergine beissen und Tomatenmark loeffeln. Ach nee, ich hab ja weder Loeffel noch Dosenoeffner. Oder anfangen zu glauben, dass Fanta und ein paar Kekse eine Mahlzeit sind.

Die Frau am Fantakiosk bot mir ihren Stuhl an. Das ist eine nette Geste. Aber als ich ablehnte, merkte ich, was ihre eigentliche Sorge war: Sie zeigte auf die Flasche, die soll ich bitte wiederbringen. In irgendeinem Gedicht meiner liebsten Hilde Domin, die leider noch im Container liegt, geht es darum, wie man an den Enden der Welt den Wert einer leeren Conservenbuechse neu erlernt. An dem kleinen Gemuesestand, wo ich meinen vertrockneten Knoblauch erwarb, bot mir Grace an, Erdnussoel in ebenso eine alte Fantaflasche zu fuellen. Weichei das ich bin, hab ich mich dann doch fuer schlechtes Pflanzenoel in Plastikflasche abgepackt entschieden.

Auf dem Weg zum Einkaufen hab ich von den 50 Leuten, denen ich begegnet bin, etwa 45 gegruesst. Die anderen wandten mir den Ruecken zu. Einer meiner neuen Freunde hier hat mir heute morgen erklaert, dass alle Europaer arrogant seien, weil sie nie gruessten. Afrikaner gruessen einander immer, denn wenn Dir Dein Bruder entgegenkommt und Du gruesst ihn nicht und ein paar Meter weiter hast Du einen Unfall, ist er vielleicht so wuetend, dass er Dir nicht hilft. Da riskier ich lieber, dass alle mich beim Namen kennen und ich niemanden und dass sie beim naechsten Mal aergerlich hinter mir her rufen: Sista Eva, why don’t you say hello to your friend (Schwesta Eva, warum sagst Du Deinem Freund nicht hallo)? Oder dass sie gleich ankommen: Hello, I want to be your friend, tomorrow I come to your house. I like you, don’t you like me? (Hallo ich will Dein Freund sein, morgen komm ich in Dein Haus, ich mag Dich, magst Du mich etwa nicht?)… Immer noch besser als ungeholfen verungluecken...

Meine Moebelstuecke... Um das Gefuehl zu haben, hier tatsaechlich einzuziehn, hab ich den Inhalt meines Rucksacks Stueck fuer Stueck ausgepackt, aufgefalten, bin einmal quer durch den Raum zum Schrank gegangen, habs da ordentlich zusammengelegt, bin zurueck zum Rucksack gegangen, hab ne kleine Pause gemacht, dann zwei Schuhe in den Nebenraum gestellt, damit der auch bewohnt aussieht und dann erstmal Pause gemacht. Was fuer eine Freude, als meine Brueder die neu gekaufte Matraze vorbeibrachten. Ein Bett konnte ich mir heute noch nicht kaufen, erstens weil ich knapp an Bargeld bin und der Bankautomat, den es hier wohl mal gab, inzwischen nach Tamale umgezogen ist. Und zweitens ist Osterwochenende und die drei Schreiner, wo wir waren, hatten grad kein Bett fertig. Watson Limited, meine Umzugskompanie (nein, mein Deutsch verenglischt nicht, wieso?) hat versprochen, die Kiste, die im Hafen liegt, Dienstag oder Mittwoch zu liefern. Juhuuu. Mein Zestenreisser und ich endlich wieder vereint. Wie konnte ich nur so lange ohne ihn. Aber das gehoert nach oben, zum Thema Abendbrot.

Der Watchman. Es war schon dunkel (also nach 6:30) und jemand bollerte ans Tor. Das muss man machen, um hier reingelassen zu werden, laut ans Metaltor haemmern. Die Klingel hoert man nur im Vorderhaus und die doofen Geckos kapieren einfach nicht, wie das Tor funktioniert. Also bin ich aus meinem Fantaflaschenbad gestiegen (ich hab noch ein kleines Problem mit der Wasserversorgung, also Beine rasieren mit einem Eimer Wasser und einer Fantaflasche, da ich ansonsten kein Schoepfgefaess mein eigen nenne. Kann ich tatsaechlich mein Versprechen einloesen und diese wertvolle Flasche morgen schon wieder abgeben? Und: Bin ich nicht noch ein bisschen jung, um Geschichten mit genauso ausschweifenden Nebenpfaden zu erzaehlen wie OmmaausGeich?). Anziehen, ans Tor laufen (also immer noch langsamer gehn, als ich in Deutschland schlendere, aber bei dem Luftwiederstand hier fuehlt sich das echt schnell an... Hallo Omma, liegt das in den Genen? Uebrigens waer Omma bestimmt begeistert, zu hoeren, was fuer gute Christenmenschen die Mohren sind. Bis auf die Moslems natuerlich. Aber das geht jetzt echt zu weit, zurueck zu Samuel, dem Watchman. Der uebrigends Christenmensch ist...).

Natuerlich ahne ich, dass der Watchman vorm Tor steht, trotzdem will ich doch nicht wie die sieben Geisslein einfach aufmachen, sondern frage in meinem einfachsten Englisch, wer da wohl sei und ob da ueberhaupt jemand ist... Am Ende mach ich das Tor natuerlich auch ohne Antwort auf, es scheint ein Erkennungszeichen dieser Branche zu sein, dass es mit der formalen Bildung nicht weit ist. Aber waehrend Sicherheitsleute in Deutschland meist als junge stumpfe Kleiderschraenke daherkommen, sind das hier hutzelige kleine Maennlein, die freundlich laecheln und etwa 20 englische Woerter verstehn... und damit irgendwie gleich mein Mutterherz ruehren. Als ich ihn frage, ob er den Boden denn gekehrt oder gewischt habe, erklaert er mir mit ca 16 Woertern, Pantomime und dem Wischlappen als Zeugen, wie Boden wischen funktioniert, mit Eimer und Wasser und auswringen und allem. Nach dem Kuecheputzen muss ich wie so ne Zicke inspizieren mit Finger drueberwischen und angucken und so weiter. Weil ich das so scheisse finde, am Ende unabhaengig vom Ergebnis loben und danke sagen, womit die Inspektion echt ne Farce wird...

Jetzt laeuft Samuel draussen rum, wird spaeter small-small (kleinklein) schlafen und fragte, ob er morgen Bescheid sagen soll, wenn er geht. Ja bitte. Und erfahre dann erst, dass er zur Kathedrale (???) gehn will und vorher noch zu Hause seine Bibel holen muss und deshalb um halb sechs los will: Ach weisst Du was, sag Bescheid, wenn Du gehst, aber wenn ich nicht antworte, macht nix, geh trotzdem... Und nochwas: Ich hoere Dich besser, wenn Du nicht nur klopfst, sondern etwas sagst, wenn Du mich beim Namen nennst:
„You knock and say hello Miss Eva. I hear you better“
„de name? not know“
„Eva“
„Ivan“
„No, Eva“
“Ivan”
“Evaa! no n!”
“Ivan”
“Ok Samuel, good night”
“Tank you Ivan”

Donnerstag, März 24, 2005

Disconnected

Meine Lieben ich bin im “hier gibts kein Internet Kaff” , wie Ihr vielleicht schon gemerkt habt. Heute sitz ich bei der Organisation, die ihre Verbindung der Oeffentlichkeit zugaenglich macht. Aber alles muss Zackzack gehn, weil die lange Schlange wartet. Also gibt es keine farbenfrohen Beschreibungen sondern nur News. In der Zwischenzeit schreib ich blogs auf Halde an meinem Computer, die werd ich senden, sobald ich eine Loesung gefunden hab. News sind: Eva hat ein Haus!!! Und Eva hat noch ein Haus!!! Zwei kleine Haeuser mit einer Mauer drum, viel Schatten von den Mangobaeumen, die schon lange da stehn und voll mit Mangos sind, ein paar Bananenstauden, die Wasser brauchen. Einmal 3 Zimmer Kueche Bad und einmal 2 Zimmer Kueche Bad. Und ganz ohne Perlhuehner im Wohnzimmer oder halbfertigen Rohbau. Jetzt koennen die Gaeste kommen.

Ansonsten bin ich ziemlich erschoepft, hab nen bloeden Schnupfen, Heimwehschuebe und warte, dass Kollegin M. (meine deutsche one-woman-mafia in Bolga) endlich aus Accra zurueckkommt. Damit wir gemeinsam ueber das Leben hier lachen koennen. Hab Taxifahrer mit Handy kennengelernt. Das wird wohl noch fuer einige Zeit der Ersatz fuer eigenes Auto sein. Und meine Umzugsfirma hat versprochen, die Sachen, die im Hafen liegen Dienstag oder Mittwoch zu liefern

Heimweh. I got it. It got me. Jetzt hats mich erwischt

Ja, ich geb’s zu, ich sitz mitten in Afrika und vermiss Euch ganz schrecklich. Hab einen kleinen Schnupfen, von dem ich mir gleich vorstelle, er sei eine ganz schlimme Krankheit (das Buch "Where there is no doctor" behauptet, es gaebe keine Tropenkrankheit, bei der Schnupfen das Symptom ist. Nun, das liegt bestimmt daran, dass diese Krankheit besonders selten und schrecklich ist...). Bin heute beim zu Fuss gehn schon von mehreren Afrikanern UEBERHOLT worden, weil ich so geh wie eine Bilderbuchfigur, die betruebt ist.

Ich schau mir ein Haus nach dem anderen an und alle sorgen sich um mich. Selbst Fred der Taxifahrer, mit dem ich gestern unterwegs war, rief abends an, weil er ein Haus fuer mich aufgetrieben hatte. Und Mary, die Kellnerin aus SWAD Fast Food, traegt mir die Tasche bis zur Strasse, faengt mir ein Taxi und bietet mir ausserdem an: When you have a house I come clean for you (Wenn Du ein Haus hast, putz ich fuer Dich). Ich glaube das waere eine gute Wahl, denn sie ist – im lokalen Vergleich – eine gute und aufmerksame Kellnerin, man fuehlt sich richtig als waere man im Restaurant. Ausserdem ist sie immer voller Mitgefuehl, wenn man allein da sitzt und die Ruhe geniesst. Where is your other German friend? (Wo ist Deine deutsche Freundin?)

Nun, meine deutsche Freundin hat mich heute morgen auch schon zum Weinen gebracht – mit einer SMS in der sie verspricht, mir in Accra eine Nagelschere zu kaufen und schreibt, dass sie sich um meinen Schnupfen kuemmern wuerde, wenn sie hier waere.

Was sind das fuer Haeuser, die ich mir angucke? Die gehoeren alle Bolgasen, die in der Fremde ihr Glueck gemacht haben. Sie arbeiten in England als Krankenschwester oder in Amerika als „sag ich lieber nicht was“ und stecken alles Geld, was sie uebrig haben, in ein Haus, in dem sie niemals wohnen werden. Und hier haben sie dann einen Care-taker, also einen Bruder, der ab und zu in dem Haus schlaeft, wenn seine Familie ihm auf den Geist geht. Oder der Perlhuehner im Wohnzimmer haelt. Meine Mission ist es, diese Brueder kennenzulernen, die dann die Hausbesitzer ueberzeugen, dass es besser fuer das Haus ist, wenn ich drin wohn als die Huehner. Es hat noch niemand richtig in den Haeusern gewohnt, und sie sind meist noch nicht ganz fertig gebaut und in verschiedenen Stadien des Verfalls. Im Moment schwanke ich zwischen einem mit schoenen Stuckdecken aber Perlhuehnern (die stinken) und einem ohne Huehner und Stuck, dafuer mit Blumenkaesten auf der Veranda, grosser Kueche und schiefen Tueren. Beide haben Mangobaeume im steinigen Garten, was mir sehr gefaellt.

Fred hat mir ein compound Haus gezeigt, rechteckig um einen Hof gebaut, alle Tueren gehen zum Hof und etwa ein Drittel des ganzen waere meins, der Rest ist von mehreren anderen Familien bewohnt. Mit dem grossen Luxus, dass ich eigenes Klo und eigene Dusche haette.

Warum ich unter dieser Ueberschrift nur ueber Haeuser schreib, die ich mir anschau? Weil das Teildes Heimwehs ist. Ich sehne mich nach eigenem Heim und Herd. Besonders Herd. Ich traeume davon, meine Wochenenden auf dem Markt zu verbringen, wo ich Stoffe und Koerbe und runde Tontoepfe fuer Blumen und einen grossen Tonmoerser kaufe, um mein Nest auszupolstern. Ich freu mich darauf, meine Kisten endlich in Empfang zu nehmen und die vielen Raeume mit meinen spaerlichen Moebeln zu fuellen. Und Buechern! Im Moment hab ich zwei Romane dabei, die ich rationiere, damit sie laenger halten... Und wenn mein Koerper sich so schwaechlich fuehlt, dann hat das auch mit Naehrstoffmangel zu tun. Sicher, die Ghanaische Ernaehrung, wenn man das Spiel komplett mitmacht, mag auch ausgewogen sein. Wenn man aber so eine Zimperliese ist wie ich und nur wenige Aspekte davon essbar findet, dann drohen Eiervergiftung (Ueberdosis) sowie Ballaststoff- und Vitaminmangel.

Essen 9: Ostern, kein Fest fuer Ziegen

Als ich heute morgen aus dem Hotel ging, sah ich ueberall Ziegen. Soweit normal – nur sind die Ziegen heute alle in Begleitung und die meisten muessen noch nichtmal selber gehn. Eine Ziegenherde mit Hund auf das Dach eines Trotros gebunden, Fahrradgepaecktraeger mit abgeschabbelter Metalschuessel in „zusammengeklappte-Ziegen-Groesse“, sogar vom Ruecksitz des Vorbeifahrenden Taxis schreit es mir entgegen: Maehhh! Besonders beeindruckt bin ich von zwei Maennern und zwei Ziegen, die gemeinsam ein Fahrrad fahren: Ein Mensch sitzt auf dem Sattel und tritt, eine Ziege im Lenkerkorb, eine Ziege und ein Mann teilen sich den Gepaecktraeger. Wieso koennen sich die Ziegen ploetzlich alle einen Chauffeur leisten?

Fleisch haelt sich in der Hitze am besten, solange es im lebenden Koerper gelagert wird. Und Ostern wird fuer diese Ziegen ihr letztes Fest. Wie auch fuer tausend Huehner (normale und Perl-), die heute zum ersten Mal Fahrradfahren. Ich lerne, dass Huehner sehr transportfoermig gebaut sind: Was ihnen normalerweise zum Laufen dient wird bei genauerer Betrachtung und wenn man sie auf den Kopf stellt zu super Haltegriffen. Wenn man sie an den Griffen zusammenschnuert, kann man sich gleich ein halbes Dutzend ueber den Fahrradlenker haengen oder sie wie eine Tragetasche in der Gegend rumschwenken. Und irgendwie scheint Ueberkopfhaengen die Huehner zu beruhigen, so dass sie nur ab und zu leicht beunruhigt hierhin und dorthin schauen, sich aber bei weitem weniger beschweren als die Ziegen, denen auch ein praktischer Griff fehlt.

Mittwoch, März 23, 2005

Feste Beten und her mit der Kohle

Vermutlich erwecke ich den Eindruck, als sei Religion in meinem Leben ploetzlich ein besonders wichtiges Thema geworden. Nun, das ist wohl so, obwohl ich nicht wirklich sagen kann, dass das hauptsaechlich durch ein starkes inneres spirituelles Beduerfnis gespeist wird. Aber hier kommt man einfach nicht drumrum. Letztes Wochenende (mein letztes in Accra) habe ich bei Charlotte gewohnt. Die kennt ihr schon, die hat mich am Anfang ueberall hin gefuehrt und mir ihren Schneider empfohlen. Als sie hoerte, dass ich wieder ins Hotel ziehen wollte, weil der Ehemann meiner Gastgeberin zurueckkam und damit in dieser Herberge kein Platz mehr fuer mich war, meinte sie: „Das muss doch nicht sein, ist doch viel zu teuer, komm einfach zu mir. Wenn es Dir nichts ausmacht, dass ich nur ein Zimmer und ein Bett hab.“ „Noe, das macht nix, komm ich gerne.“ „Klasse, dann kommst Du Samstag und Sonntag nehm ich Dich mit in meine Kirche.“

Charlotte ist Ghanaischer Mittelstand im eigentlichen Sinn des Wortes - also nicht wie Englaender das benutzen wenn sie Oberschicht meinen – Leute, die einen Job haben, von dem sie leben koennen und einen compound (Hof?) wo sie mit ihrer Familie wohnen. So ein compound ist zunaechseinmal daran zu erkennen, dass er von einer Mauer umgeben ist. Drinnen gibt es mehrere flache langgestreckte Gebaeude, lauter einzelne Raeume, die von einzelnen Mitgliedern der Grossfamilie bewohnt werden. Alle waren sie stolz, dass sie dieses Wochenende eine Frau Doktor beherrbergen durften.

Dusche und Toilette sind Betonzellen an einem Ende des Hofes, Leitungswasser gibt es oefter theoretisch als praktisch, dafuer gibt es Plastiktanks und Eimer. Charlottes Zimmer ist etwas groesser als ihr (grosses) Bett, dekoriert mit Stoffblumen, fettem Fernseher auf Dauerbetrieb und Stereoanlage fuer religioese Radioprogramme.

Da ich nicht wusste, wo Charlotte wohnt, hab ich ein Taxi angehalten, sie angerufen und das Telefon an den Fahrer weitergegeben, dass sie ihm erklaert, wo wir uns treffen, um das letzte Stueck gemeinsam zu fahren. Ueber Stock und Stein.

Am naechsten Morgen grosse Galauniform. Das letzte Mal hab ich mich fuer die Kirche so fein gemacht, als ich meine Sommerferien noch bei OmaausGeich (ein Wort) verbracht hab. Was fuer ein Glueck, dass ich mir mein bordeaux-goldenes afrikanisches Festtagsoutfit hatte naehen lassen und grad am Tag vorher hochhackige rote Schuhe erstanden hatte. Zur staubigen Ecke gehn und warten, dass ein Sammeltaxi vorbeikommt, das noch zwei Plaetze frei hat. Taxi anhalten, in dem fuenf Leute sitzen. Reinquetschen, lernen, dass man auch fuer 1500 Cedis (15 Eurocent) Taxi fahren kann. Sammeltaxen heissen in Charlottes Welt „normal taxi“, waehrend die, wo man die Route selbst bestimmt „drop“ heissen, also aeh... „absetzen?“, weil sie einen da absetzen, wo man will.

Die wunderbare Charlotte warnt mich vor, dass ich mich als neue Besucherin vorstellen muss, meinen Namen sagen, dass Charlotte mich mitgebracht hat und dass ich zum Beten hier bin. Also bin ich nicht ganz ueberrumpelt, als sie mit dem Mikrophon ankommen...

Und sonst? Nun, die Predigt ist nicht so schlimm wie ich befuerchtet hatte. Mit Teilen der Message (keine Grenzen zwischen den Staemmen, sorgt fuer die Armen) kann ich mehr anfangen als mit anderen (ihr muesst ganz viel missionieren und Geld geben). Obwohl die Assembleys of God zu den charismatischen Kirchen gehoeren, war das relativ rational, keine Leute, die in Zungen reden und verzueckt zusammenbrechen.

Echt eigenartig fand ich die Kollekten. Als es zum ersten Mal losging, fluesterte Charlotte „We’re going two times“ (Zweimal). Vorne standen zwei Eimer und nacheinander, Reihe fuer Reihe stehn alle auf, taenzeln zur Musik an den Eimern vorbei und werfen was rein. So weit so gut. Aber dann kommt der Spendensammler. In weissem wallenden Gewand und mit Mikrophon in der Hand geht er vorne auf und ab: „Wer ist so grosszuegig und gibt 100 000? Wer ist so ein guter Christ? Kommt nach vorne, wenn ihr 100 000 geben wollt! Klatscht fuer diese guten Brueder! Ok, wer von Euch gibt 50 000, 50 000...?“ usw... Die dritte Kollekte war weniger peinvoll, nach der Messe gabs noch Sonntagsschule. Da sassen wir in kleineren Gruppen und lernten, wie die Kreuzigungsgeschichte uns darauf hinweisen soll, unsere Schwiegermuetter nicht als Hexen zu verunglimpfen und ins Hexendorf zu jagen. Das gibts hier wirklich, ein Hexendorf, in dem lauter alte Frauen wohnen, die keiner mehr will. Waehrend wir das diskutierten, ging die Plastikschuessel noch einmal rum, fuer den Fall, dass jemand noch Geld uebrig hatte.

Aber wenn mir das schon als viel Druck und Geldmacherei erschien, so hab ich heute den Tempel der Fountain Gates Gemeinde besichtigt und wurde eines Besseren belehrt. Hier folgt man einfach und klar dem Wort der Bibel und fordert von seinen Mitgliedern den Zehnten, also 10% des Einkommens. Aber natuerlich sind alle Berichte darueber, dass der Kirchengruender stinkereich sei, teuflische Propaganda. Der ist ganz bescheiden und hat nichtmal ein eigenes Haus, der Arme. Das Geld braucht man doch nur fuer die Verbreitung des Wortes. Und dafuer, dass in diesem afrikanischen Dorf eine pompoese Versammlungshalle fuer 3000 Glaeubige gebaut werden kann, in der sich das Wort, dank modernster Akustik, besonders gut verbreitet.

Out of coverage area (kein Empfang

Ok, das (!) Internetcafe in Bolga ist kaput. Also kann ich nur schreiben aber nicht ins Netz stellen. Trotzdem, ich hab gemerkt, wie mir bloggen dabei hilft, meine geistige Gesundheit zu wahren (siehe Fuehrerscheinamt) und wenn ich nicht am Wegesrand aufsammle, was da ist, geht es doch verloren.

Heute hat mich die Mutter am Telefon gefragt, ob Bolga denn schoen ist... Hm. Es gibt ja ganz unterschiedliche Vorstellungen von schoen... interessant (mit leicht kursiv gerunzelter Nase) trifft es wohl eher. Wenn man auf den vier Hauptstrassen bleibt, hat man das Gefuehl, in einer Kleinstadt zu sein. Eine dieser Strassen ist aus unerfindlichen Gruenden (Wahlgeschenk) sogar vierspurig und sieht aus wie Grossstadt. Ein Ort, der fuer Wegbeschreibungen wichtig ist: Traffic Lights, also die einzige – natuerlich kaputte – Ampel.

Gestern hat mich Kollegin M. (German Mafia in Bolga) auf ihrer Motocross Maschine mitgenommen und wir haben eine kleine Runde durch die Stadt gedreht, bei der sie mir erklaert hat, was wo ist: ein guter Imbiss fuer afrikanisches Essen, wo sie sich noch nie Parasiten gefangen hat, die Disko, der Palast des Chiefs (ein zweistoeckiges Betonding mit dem Charme von Ostblock Vorstaedten), eine Kneipe, in die man als Frau nur allein geht, wenn man nicht allein bleiben moechte. Ich hab ihr meine Bueros (die Betongerippe) gezeigt und wir haben uns vorgestellt, wie schoen man in der Regenzeit in der noch unfertigeren Haelfte im obersten Stock im wogenden Gras sitzen kann und auf die Berge gucken...

Dann sind wir von der Hauptstrasse abgebogen, ins Innere der Stadt und da ist dann klar, warum M. kein normales Motorrad faehrt und dass Bolga in Wirklichkeit doch ein afrikanisches Dorf ist: Lehmhuetten, haarstraeubende Staubpfade zwischen den Haeusern, natuerlich Kuehe, Ziegen, Huehner, Kinder, die starren und Hellohellohello (nur die Kinder) sagen. Wir kommen an einem kleinen Menschenauflauf vorbei. Was ist da los? Oh, das ist ein „Fernseher zu verkaufen“-Geschaeft. Und alle Kinder und Erwachsenen draengen sich um das Geraet, auf dem ein Nigerianisches Video laeuft und lachen gemeinsam. Maedchen mit Mangogeschaeften auf dem Kopf, Frauen, die auf der naechsten Veranda ihre Schneiderei haben, alle. Und in diesem Dorf, das Bolga innen drinnen ist, hat kaum einer fliessendes Wasser, Toilette oder Strom.

Freitag, März 18, 2005

Taxifahren

Auf der Fahrt von Bolga nach Accra hat mir der Fahrer erklaert, warum die Taxen, obwohl sie so aussehn, wie sie aussehn ("This car is finish" sagt er "Das Auto is Schluss") immer noch fahren. Wie sie aussehn? Oft hat die Frontscheibe tausend Risse, bei der Karosserie werden Beulen von Rost zusammengehalten, was abbrechen kann (Tueroeffner, Fensterkurbeln, Spiegel), ist abgebrochen, die Plastiksitze voller Ritze - aber diese ganze Pracht liebevoll dekoriert mit aufblasbaren Friedenstauben, Blumenvasen mit Saugnapf und Plastikblumen, Aufklebern auf der Frontscheibe (um sie zusammenzuhalten?), Autobeduftern usw.

Das Geheimnis heisst Organtransplantation: Du hast eine Karosserie die noch halbwegs der Form eines Autos entspricht. Dann machst Du Dich auf die Suche nach den Ueberresten anderer frisch verstorbener Karren. Ein Unfallwagen, dessen Motor noch laeuft? Wird eingebaut und zack hast Du ein Superauto, wo Du nur noch "God will find a way" (Gott findet einen Weg) auf die Rueckscheibe kleben musst und los gehts. Geld verdienen.

Natuerlich am liebsten (aber das ist international) von Fremden, die reich sind und sich nicht auskennen - was man hier ganz leicht daran erkennen kann, dass ihr Gesicht so eine ungesund blasse Farbe hat. Das uebliche Ritual fuer Weissnasen: Taxi anhalten (jedes zweite Auto ist ein Taxi), sagen, wo man hin will und fragen, was das kostet. Nochmal sagen, wo man hin will. Auflisten, was es alles an moeglicherweise bekannten Dingen in der Umgebung des Reiseziels gibt. Falls der Fahrer behauptet, das zu kennen, nochmal fragen, was es kostet. Laut lachen und zeigen, dass man einen guten Scherz immer zu schaetzen weiss. Einen realistischen Preis angeben (entweder wissen, was realistisch ist, oder sich was ausdenken). Nicht in die Diskussion ueber gestiegene Spritpreise einsteigen, sondern freundlich verabschieden. Sich zurueckrufen lassen und einsteigen. Auf der Fahrt (wir erinnern uns, Fahrer sagte, er kennt das Ziel) irgendwann die freundliche Frage: Und, sind Sie schonmal da gewesen, wo Sie hin wollen? Was heisst: Ich hab keinen blassen Schimmer, wo das sein soll. Navigieren, Leute am Strassenrand fragen. Ganz sicher aber, wenn man schliesslich angekommen ist: Nicht auf die Debatte eingehn, dass er ja nun viel laenger fahren muesste, nur weil er sich nicht auskannte und dass die Fahrt deshalb teurer wuerde. Fuer eine Stadtfahrt irgendeinen Betrag zwischen 80 Eurocent und 2 Euro zahlen. Heute zur Bank gefahren, den Fahrer eine Stunde warten lassen, zurueckgefahren fuer 4 Euro 50.

Dieser Taxifahrer war ganz interessiert an meinem Ring und ich hab ihm erzaehlt, dass ich mit meinem Mann hier bin und auch nicht mehr als einen Mann brauche. Ein Problem ist genug. Und dass mein Mann mit mir gemeinsam in den Norden zieht, um da im Wassersektor zu arbeiten. Er wusste einiges ueber Europaeer, z.B. dass wir unsere Partner in der Grundschule kennenlernen und dann ein Leben lang zusammenbleiben und einander niemals verlassen. Das hat einen ganz einfachen Grund: Wir sind reich genug. Deshalb muessen die Frauen nicht ihre Maenner verlassen, wenn sie einen reicheren Mann haben koennen.

Reiseplaene

Eigentlich sollte ich jetzt schon im Auto gen Norden sitzen. Aber gestern wurde mir klar, dass ich dieses Abreisedatum ja selbst gesetzt hatte und mich da oben niemand erwartet und dass es ziemlichen Stress bedeuten wuerde, es einzuhalten. Also hab ich die positiven Aspekte von "ich bin mein Chef" und "keinen schert, dass ich hier bin" genutzt und meine Abreise auf Anfang naechster Woche verlegt. Also bin ich am Wochenende noch ganz normal auf dem Handy erreichbar.

Mittwoch, März 16, 2005


Geschaeft fuer Sachen, die kuehl bleiben sollen Posted by Hello

Dienstag, März 15, 2005

Tiere in der Stadt

Ziegen sind ueberall. Kleine, grosse, schmutzige, hochschwangere, angebunden oder freilaufend, joggend mit den Joggern, finden sie noch was zu knabbern, wo wir nur Sand sehn oder Muell. Ebenso Huehner, zaehe Biester mit zerzausten Kueken, die ganze Stadt kraeht, einige Huehner haben die Beine mit kurzer Schnur zusammengebunden, damit sie nur elegant trippelnd fliehen koennen. Andere sind in erstaunlichen Farben angemalt (neon pink), damit ihre Besitzer sie wiederfinden. An einigen Ecken sieht man neben der Hauptstrasse regelmaessig Rinderhirten in zerrissenen T-Shirts. Ganz kleine Katzen und ab und zu Hunde. Aber nicht wirklich viele.

Voegel: Tauben die noch so aussehen, wie die Idee einer Taube, bevor diese Viecher die Ratten der Luft wurden, delikate schlanke Voegel mit braunen Tupfen auf der Brust, die lieblich gurren. Auf Haeusern, die mehr als zwei Stockwerke haben, sitzen Geier und warten, dass ich aufgebe. Die kleinen weissen Reiher, die ueberall rumlaufen, sind glaub ich Kuhreiher. Und aeusserst freundliche kleine Kerle. Dann gibt es noch lauter kleines buntes Zeug, besonders gut gefallen mir die, die so gross sind wie Stare und knallmetallikblau mit gelben Augen.

Aaaaameisen. Jede Groesse, ueberall. In der Kueche, im Bad, im Buero. Die grossen schwarzen essen einen auch schon auf, wenn man noch lebt. Falls man sich nicht vehement genug dagegen verwehrt. Bei Pay im Haus gab es auch eine grosse Badezimmerschnecke mit spitzem braunem Schneckenhaus, die immer wieder anderswo hing. Und eine einsame Kakerlake.

Montag, März 14, 2005


Wir haben einen kleinen Jungen in diesem Bild versteckt. Findest Du ihn? Posted by Hello

Botanischer Garten Posted by Hello

Blog weg. Mist!

Eigentlich gaebe es noch einen ganz hinreissenden, lustigen, literarisch natuerlich hoechst bedeutenden Blog ueber meinen wunderbaren Sonntag. Aber leider ist der im Prozess des Publizierens geschreddert worden. Mistikack. Dann behalt ich das halt alles fuer mich. So. Nur damit Ihr wisst, wo die Fotos herkommen: Wir waren auf einem hohen Berg etwa eine Stunde von Accra entfernt im alten botanischen Garten. Futter fuer die Seele.

Jajaja, das sagt sich so einfach, bau doch auch mal Fotos von Dir ein. Das sagen auch immer nur die mit den langen Armen. Wenn ich Koch Mohammed und mich fotografieren will... kurze Arme, keine Kekse Posted by Hello

Sehr grosser Baum (Ach so... haette man sonst nicht gemerkt. Sinnvolle Bildunterschrift) Posted by Hello

Freitag, März 11, 2005

Essen 5: Strassenessen

Ich bin noch immer gesund. In Bolga hatte ich einen ernsthaften Anfall von Kulturallergie und hab einen Moment lang ueberlegt, aus Trotz und Erschoepfung krank zu werden, um es denen mal so richtig zu zeigen... Aber gezeigt haette ich niemandem nix und dann waere ich zu allem Uebel auch noch krank gewesen.Also gesund bleiben trotz Strassenessen. Auf dem ganzen Weg wird rechts und links Essen verkauft. Maenner halten frischgefangene kleine Pelztiere an den Beinen in die Luft. Es gibt Staende, an denen man das kaufen kann, was in der jeweiligen Gegend am besten waechst, Palmfruechte und rotes Palmoel, haarige Yamswurzeln, Tomaten, Bananen, Holzkohle (ok, die gibt es eher in der Gegend wo kaum noch was waechst und die meisten Baeume irgendwie nicht mehr da stehen, wo man sie erwartet haette...). Wir fahren an einem Tag von den feuchten Tropen (wo es Regenwald gaebe, wenn es den noch gaebe) in die staubtrockene Savanne. Meine Mitreisenden halten ab und zu an, um Vorraete da zu kaufen, wo sie am guenstigsten und am besten sind.

Von rechts nach links: Yams, Eimer, Verkaeuferin, Fahrer Salisu, Tomaten, Forscher Felix, Avocado Posted by Hello

Bananen, Avocado, Palmoel und Orangen Posted by Hello

was weiss ich, was man hier kaufen kann... Posted by Hello

Raststaette Posted by Hello

Wuerstchen am Spiess mit Gemuesestuecken und Currypulver Posted by Hello
Dann gibt es noch die Stellen, die man vage als Busparkplaetze oder Raststaetten bezeichnen koennte. Da gibt es Toiletten zum Bezahlen. Super System: die Pipi-Huette ist so viel billiger als die echte Toilette (2 Euro Cent im Gegensatz zu 10), dass die Toiletten unbenutzt und sauber sind. Dann Staende, die lokales Obst verkaufen. Andere, die quasi Europaeisches Kiosksortiment haben mit Butterkeksen, Club Cola, Pringles usw. Und Garkuechen, wo es Ghanaisches Essen gibt.

Auf dieser Reise hab ich einiges an Essen gesammelt, was sich als „local“ gibt aber sehr harmlos zu essen ist (fuer „Ich ess Wuermer“ muesst Ihr echt irgendnen Superstar losschicken). Ganz gross in dieser Kategorie ist: Omelette, gerne mit Paprika, Zwiebeln, Tomaten und in ein bloedes Broetchen gepappt. Gibts ueberall. Nummer zwei auf dieser Hitliste ist jede Bestellung, die mit „Plain Rice“ (einfacher Reis) anfaengt. Dann weiss man, selbst wenn der Rest Scheisse schmeckt oder verwirrend, hat man immer noch den Reis. Manchmal bedeutet Plain Rice auch, dass man halb Reis, halb Spaghetti bekommt. Plain Rice with Vegetables (Gemuesereis) ist Reis mit Kohl, Moehren, gruener Paprika und Zwiebeln in einer Sauce, die aussieht wie beim Chinamann, nur ist das Gemuese weniger lappig und die Sauce ist weder so suess noch so sauer. Plain Rice with Gravy (Reis mit Sauce) ist ein Essen, das nach dem Prinzip der hundertjaehrigen Suppe sehr gut geeignet ist, jeglichen Rest zu verstecken. Mir wurde erklaert, dass man aus Tomaten und Zwiebeln eine Paste macht, die man zusammenkoechelt, bis sie ein brauner und leicht koerniger Syrup ist. Das Koernige kommt, wenn man genau hinschmeckt, von irgendwelchen Fleischfasern, die dem Gravy im Laufe dieses Prozesses untergekommen sind. Ausser mir wuerde natuerlich niemand diese beiden Gerichte so essen. Denn wenn man das bestellt, kommt immer die Frage, mit welchem Fleisch man das moechte, Huhn oder... was auch immer sonst da ist. Huhn ist sicher.

Mein Lieblingsgericht der Kategorie „Was echt bloed schmeckt“ sind im Moment Yams Chips. Das sind Dinger, die aussehn wie Pommes, auf den ersten Biss wie mehlige Pommes schmecken, bevor man sie runterschluckt verdammt trocken im Mund liegen... und danach hat man so einen Nachgeschmack im Mund, als haette man eine alte Alupfanne ausgeleckt.

Innehalten im Gebet Posted by Hello

Donnerstag, März 10, 2005

Waenn et Baedde sisch lohne daet...

wat mingste woll wat isch dann baedde daet (fuer unsere internationalen Leser: Das ist Koelsch, das ist BAP und das heisst: Wenn das Beten sich lohnen taete, was meinst Du wohl was ich dann beten taete).

Ihr wisst inzwischen, dass fast alle Taxis und Minibusse religioes sind. Auf meinem Weg nach Bolga hatte ich genug Zeit, die Gemeinde der religioesen Mystiker auf Raedern, der Lastwagen, zu bestaunen. Deren staerkstes Dogma: Glaube ueberwindet die Schwerkraft. Und ihr Erfolg gibt ihnen recht. Auf der ganzen Strecke nach Bolga haben wir nur etwa 20 Lastwagen gesehen, die frisch umgekippt waren, ohne dass irgendwelche Materie ausserhalb des Lasters selbst in diesen Unfall verwickelt gewesen waere. Die Gueter am Strassenrand verstreut, die Fahrer, sofern noch einsatzfaehig, in stoischer Ruhe im Schatten liegend oder das sortierend, was noch brauchbar war. Im Vergleich zu den hunderten Lastwagen, die mit unglaublicher Ladung dahinkrochen und noch nicht umgekippt waren, sind diese 20 beinahe nichts. Das waren wohl die, deren Glaube an der Steigung nachliess. Oder auf der Bruecke. Oder einfach so, auf grader Strecke.

Bus nach innigen aber erfolglosen Gebeten  Posted by Hello

Kohlenlasterhintern Posted by Hello

Kohlenlastergesicht Posted by Hello

Donnerstag, März 03, 2005

Gruppendynamische Uebung in afrikanischer Geduld

Meine Lieben,
Ihr sitzt zwar alle im blitzschnellen Europa aber ihr duerft natuerlich auch an der interkulturellen Erfahrung afrikanischen Zeitverstaendnisses teilhaben.

Hae?!!! Was will sie uns sagen???

Morgen frueh verlasse ich Accra. Natuerlich ist in Afrika inzwischen jeder Baum ans Internet angeschlossen... dennoch befuerchte ich, dass Ihr von nun an etwas laenger auf meine Berichte warten muesst, denn die meisten Baeume haben permanent Stromausfall... Vor allem fuer die von Euch, die mich besuchen werden: Ihr koennt gar nicht frueh genug anfangen, warten zu lernen.

A propos Zeit und Geschwindigkeit: Ich merke, dass ich langsam (Ha!) auch anfange, mich in der Brise treiben zu lassen, statt stetig und zielstrebig voranzuschreiten. Man darf niemals schneller gehn als der leise Luftzug. Warum ich mich da anpasse? Weil ich so interkulturell sensibel bin. Weil ich es bloed finde, meinen Gespraechspartnern davonzulaufen und jeden ueber den Haufen zu laufen, der vor mir geht. Weil es bei dieser Hitze die einzige angenehme Gangart ist. Und weil ich gehoert hab, dass schlaffes Schlurfen bei Frauen als besonders erotisch angesehen wird.

Raus

Patricia schrieb mir ganz begeistert davon, wie mir der Wind um die Nase wehen wird, frisch und sauber, wenn ich endlich aus der Stadt raus bin und die Landstrassen dieses neuen Landes erkunden werde.

Die Klima-Anlage meines geliehenen Autos funktioniert endlich wieder, also war der Wind um meine Nase tatsaechlich frisch. Strahlende Augen? Leidenschaft? Nun, ich wusste, ich bin in offizieller Mission unterwegs, neben Felix kam noch eine Deutsche mit, die in der Gegend forschen wird, die wir besucht haben. Ich hatte sie eingeladen, da sie den Basin Officer ohnehin kennenlernen muss. Sie gab mir dann auch gleich zu verstehn, dass ich die ganzen Fragen stellen soll und sie mich beobachtet - mit so ner kritischen Falte auf der Stirn...

Die Hinfahrt hab ich also groesstenteils damit verbracht, ihr unser Projekt zu erklaeren, Dokumente zu lesen, die ich kennen sollte und ein paar Fragen zu entwickeln, falls der Officer nicht wie das Duracell-Haeschen immer weiter rappelt (was er als guter Politiker aber tat, kein Problem also...).

OK, ich gebs zu, ich hab auch ab und zu aus dem Fenster geguckt. Die Landschaft war wunderbar huegelig. Mein Oekologiestudium hat mich verdorben: Ich will Ich hab mich selbst dabei beobachtet, wie ich das, was da waechst, gut oder schlecht finden wollte und mir nicht ganz sicher war (ich werd halt die Oekologin doch nicht los). Natuerlich kann ich mich irren, aber das ist es, was ich gesehn hab: Riesige Baeume, denen man ansieht, dass sie in einem dichten Wald grossgeworden sind, sie sind grade und schlank und ohne unnoetige Verzweigung in Richtung Licht gewachsen und haben ganz hoch oben eine kleine Krone. Nur haben sie leider ihren dazugehoerigen Wald verloren und stehen weit verstreut ueber kleinen Feldern mit Kochbananenstauden, Oelpalmen und anderen Nutzbaeumchen, die ich nicht kenne. Das gibt der Landschaft so nen Touch von Haarausfall waehrend Chemotherapie. Andererseits: Ich hab nur einen einzigen Huegel gesehn, auf dem quasi gar nichts mehr wuchs ausser Felsen und Gestruepp, der Rest war gruengruengruen...

Wir sind auf den Weg durch kleine Staedte gefahren, die sich so anfuehlten, als haette man Stuecke aus Accra rausgeschnitten und aufs Land gepackt. Einer der Orte ist die Ghanaische Brothauptstadt, rechst und links der Strasse Stapel von Toast - man sagt, das beste des Landes. Also Deutsche frag ich mich natuerlich: Was hat das mit Brot zu tun?

Dienstag, März 01, 2005

Reiseplaene

Morgen frueh werde ich mit meinem Kollegen Felix (und meinem Fahrer und einer Studentin aus Deutschland) einen Ausflug zum Densu River Basin machen. Meine Aufgabe hier ist es, mir die Implementierung von staatlichen Wasserkommissionen genauer anzuschauen, die jeweils fuer das Einzugsgebiet eines Flusses zustaendig sind.

Die Ghanaer versuchen das erst in ausgesuchten Gebieten als Pilotprojekte, um dann aus den Erfahrungen zu lernen, wie sie das national umsetzen koennen. Densu ist der erste Fluss, wo es seit 4 oder 5 Jahren so eine Kommission gibt, am weissen Volta, wo ich arbeiten werde, wurde die Kommission grade etabliert. Dieser erste kleine Field-Trip soll vor allem dazu dienen, dass ich mir einen Eindruck verschaffe, wie sowas aussehn kann und mit dem Basin Officer, also mit dem Chef des ganzen, rede. Ich werde also morgen zum ersten Mal aus Accra rauskommen - wenn auch nicht weit, wir planen etwa 1 1/2 Stunden Fahrtzeit ein.

Viel laenger fahren werde ich am Freitag. Dann geht's mit Felix nach Bolgatanga. Wir fahren morgens um sechs los und falls wir vor sechs Uhr abends in Tamale sind, fahren wir durch - ansonsten uebernachten wir da und fahren die restlichen zwei Stunden oder so am Samstag. Urspruenglich war der Plan gewesen, dass er mich da hoch karrt, ablaed und da bleib ich dann fuer immer. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass die Autofrage noch nicht wirklich zu meiner Zufriedenheit geklaert ist... momentan gibt es fuer drei Kollegen (also zwei Ghanaer und mich) ein kaputtes Auto. Bis ich mein Projektauto kaufen kann, brauche ich noch Zustimmung aus Washington und von den Philippinen (nein, die Geschichte dahinter ist uninteressant, was interessiert ist einfach: Ich hab kein Auto), und wie lange das dauert ist noch nicht klar.

Also gibt es einen neuen Plan und darin werde ich nicht im Busch ausgesetzt und muss zu Fuss nach Hause finden. Huraaa!

Neuer Plan: Ich fahre mit Felix in den Norden, dann beobachte ich, was er so forscht und organisiert, lasse mich von ihm allen vorstellen, schau mir an, wieweit die vorlaeufigen Bueros gestrichen sind und wo die endgueltigen gebaut werden sollen, lasse mir von Aaron zeigen, was fuer Wohnhaeuser er fuer mich gefunden hat und was daran noch zu renovieren ist und miete, was mir gefaellt, lerne Wilson kennen, den dritten Kollegen vor Ort (Aaron, Wilson, Eva) und fahre dann Mittwoch oder Donnerstag mit Felix zurueck nach Accra.

Ghanaisch ausgehn mit George

Das war mein Ziel am Samstag Abend. Eigentlich Ghanaisch ausgehn mit George und Charlotte aber sie war zu muede, da sie den ganzen Samstag auf einer Fortbildung war. George ist Pays Ziehsohn und Pay hatte ihn mir als Ausgeher empfohlen, weil er einerseits weiss, wie man ausgeht und sich amuesiert, andererseits aber auch gut auf mich aufpassen wuerde.

Bevor wir allerdings richtig in den Samstag Abend starten konnten, mussten wir bei seinen Freunden vorbeifahren, die mit ihrem Auto liegengeblieben waren. Und dann noch bei der niederlaendischen Hochzeit, wo er den Tag verbracht hatte und versprochen hatte, sich noch einmal zu verabschieden, nachdem er mich abgeholt hatte. Da trafen wir eine Niederlaenderin, die bei der gegenseitigen Vorstellung gleich fragte: Did you tell her about us (Hast Du ihr von uns erzaehlt)? Und ihn quasi dazu zwang, zu sagen, dass sie seine Freundin sei... Was er spaeter im Auto heftig abstritt, das sei wohl eine Wunschvorstellung dieser armen Dame... Er hatte mir grade vorher naemlich von den Schrecken der interkontinentalen Beziehungen erzaehlt und dass er damit endgueltig aufgeraeumt habe in seinem Leben...

Wie auch immer, jetzt gehts los. Sein klapprige Karre fuehlt sich schon viel ghanaischer an als die ganzen fetten Jeeps, in denen ich hier normalerweise gefahren werde. Ich waere niemals nachts allein in die Gegend gefahren, in die es nun ging. Die Haeuser wurden immer kleiner und schliesslich Huetten, vorbei am Stadtausgangsschild aber immer noch dichte Bebauung rechts und links der Strasse. Schliesslich halten wir an einem dreistoeckigen Klotz, wo unten Restaurant und Spielhalle oder so drin sind und oben drauf ist das Roof Top (Dach), so heisst unsere location des Abends: Ein grosses Flachdach mit Plastiktischen und Stuehlen, knapp beleuchtet, eine Bierbude, ein DJ mit fetten schlechten Boxen, ein Fernseher auf dem europaeischer Fussball laeuft. Ausser den Jungs von Real Madrid bin ich die einzige Weisse auf diesem Dach (spaeter seh ich noch drei weisse Hippies in ner Ecke). Es gibt laute Musik, warme Getraenke und alle tanzen. Ich beschliesse, mich zu amuesieren und es gelingt mir tatsaechlich - sobald der Programmpunkt "tanzen" beginnt.

Da man in Afrika nichts alleine macht, gibt es auch zu Rap und Techno Paartanz. Und da es auch um Mitternacht noch so heiss ist, dass einem der Schweiss nur so runterlaeuft, tanzen wir ganz langsam und bewegungsarm... Oh nein, wenn Ihr Euch jetzt Klammerblues (Hallo Mutter) oder irgendwas lasziv Geschmeidiges vorstellt... naja, langsam und mit kleinen Schrittchen von einem Fuss auf den anderen wackeln triffts wohl eher. Noch dazu wurde mein Tanzpartner immer wieder von den neusten Entwicklungen des Fussballspiels abgelenkt... Aber zwischen diesen Phasen desinteressierten Wackelns und Schweissabwischens gab es auch ein paar Minuten echt schoenen und harmonischen Tanzens. Und obwohl ich natuerlich auffiel, hatte ich das Gefuehl, gar nicht aufzufallen, niemand hat mich angemacht oder besonders unfreundlich angeguckt, ich war einfach jemand, der in Begleitung von jemand anders nen netten Abend verbringt...

Montag, Februar 28, 2005


money money money Posted by Hello

das ist nicht mein Schneider Posted by Hello

Freitag, Februar 25, 2005

Warum es auf dem Fuehrerscheinamt hilft, ein weblog zu haben

Gestern hab ich einen ghanaischen Fuehrerschein beantragt. Eigentlich wollte ich das schon vorgestern tun, aber da hatten die leider zu. Im Fuehrerscheinamt gibt es einen Raum wie einen Kaefig mit Gittern, darin sitzen die Frauen, die Formulare verkaufen und sie einem dann ganz zerknueddelt durch die Gitterstaebe reichen. Die schicken uns zum Augentest, wo ich wieder ein paar schmutzige Scheine loswerde. Stempel. Dann Formular ausfuellen, Foto einkleben, zum Fotostempelmann, der guckt mich an, fragt, wer das auf dem Foto sei, glaubt meinem Fahrer mehr als seinen Augen, dass ich das bin. Stempel. Zurueck zum Kaefig. Dreckige Scheine. Wir kriegen eine learners licence. "Learners? Aber ich kann doch schon fahren!" Ach so, na dann brauchtest Du keinen Augentest und das Formular ist auch falsch, sag das doch gleich, hier, nimm dieses und geh nach Raum 5. Da sagen sie: Nein, Raum 3, die machen aber grade Mittagspause, kommt um zwei wieder. Wiedergekommen. Zu Raum 3, der schreibt einen Zettel mit dem wir zur anderen Seite vom Kaefig gehn, wo sie uns zum Kopierer schicken, deutschen Fuehrerschein kopieren, zurueck zur ersten Kaefigfrau, die uns Geld fuer erstes Formular zurueckgibt, weil brauch ich ja nicht, dann anderes Formular gibt, das Geld wieder zuruecknimmt, uns zu Raum 5 schickt, wo eine dicke Frau in Bergen von Formularen sitzt. Jeder Vorgang ein knuddelig zusammengerollter Packen Papier mit Gummiband drumrum, und die sind im Schrank, auf dem Schrank in Tueten und auf dem Boden gestapelt. Wir duerfen ein wenig darauf warten, bis sie Zeit hat, uns zurueck zu Raum 3 zu schicken, wo man sagt, wir hatten doch gesagt Raum 5!

Zum Glueck hatte ich meinen Fahrer dabei, der sich (und mich) geduldig wie ein Schaf hin und her schicken liess. Und zum Glueck ist das hier so, dass hochgestellte Persoenlichkeiten (so wie ich) ganz wenig reden. Es gibt sogar Haeuptlinge, die traditionell gar nicht oeffentlich reden duerfen, das macht ihr Sprecher, sie sind nur da und tragen wuerdevoll die Buerde ihres Amtes. Ich bemuehte mich also, wuerdevoll und schweigsam zu gucken und trottete hinter Edem her, der sich auf Twi hierhin und dorthin schicken liess.

Warum das auf dem Fuehrerscheinamt hilft, ein weblog zu haben?

Weil ich irgendwann nur noch grinsen musste und denken: Coole Geschichte. Mich nervts - aber was tut der Rheinlaender nicht alles fuer eine Geschichte.

Geld

In der Elfenbeinkueste haben sie Geldscheine untersucht auf Bakterien, Dreck und eklige Fiesigkeiten. Das Ergebnis war, dass man vor allem mit Kleingeld super Selbstmord begehen kann, indem man darauf rumkaut. Ich bin sicher, das Ergebnis ist auf Cedis uebertragbar.

Kleingeld. Hach. Hier gibt es nur Kleingeld. Mit grossen Zahlen drauf natuerlich. Der groesste Schein ist 20 000 Cedis. Das sind 2 Euro. Theoretisch gibt es sogar eine Untereinheit (so wie den Eurocent). Praktisch ist die kleinste Muenze, der man begegnet 100 Cedi, also 1 Eurocent. Damit kann man eine Plastiktuete kaufen, in der ein Viertelliter Wasser eingeschweisst ist.

Eine der ganz herausragenden Fertigkeiten aller Ghanaer ist das rasend schnelle Zaehlen grosser Packen von Geldscheinen. Wenn man zum Beispiel ein technisches Geraet fuer 1 000 000 Cedis (also etwa 100 Euro) kauft und das in Zehntausendern und Zwanzigtausendern bezahlt. Die zaehlen die hundert Scheine schneller als man gucken kann. An jeder Supermarktkasse gibt es Geldzaehlmaschienen. Wenn ich wissen will, ob ich noch genug Geld hab, oder wieder zur Bank muss, zaehl ich normalerweise nicht, sondern guck nur, wieviel Zentimeter (Stapeldicke) ich noch hab. Aber beim Bezahlen muss ich natuerlich auch selbst zaehlen und ich werde schneller... Trainingseffekt.

Bauchgurte zur sicheren Aufbewahrung von Geld sind natuerlich ein Witz. Wer moechte schon immer schwanger aussehn, wenn er von der Bank kommt.

Im Restaurant ist es gut, dass man erst nach dem Essen bezahlen muss, weil es einfach eklig ist, direkt nach dem Geld zaehlen mit den gleichen Haenden zu essen... Obwohl, ehrlich gesagt, letztlich bin ich doch stumpf genug, dass ich nicht mit Desinfektionsspray rumlauf und natuerlich beim Strassenhaendler erst bezahle und dann mit den fiesen Fingern esse.

Als ich mit Anna im supernoblen Golden Tulip gegessen hab, haben wir bezahlt und wollten noch ein bisschen sitzen bleiben. Da kam eine Kellnerin (nicht die, die unser Geld mitgenommen hatte) an unseren Tisch, verbeugte sich mit einem sehr foermlichen Laecheln, schaute uns beide nacheinander an und sagte sehr bestimmt: Thank you very much.

Ich war etwas verwirrt: Will die uns rausschmeissen? Es ist doch noch gar nicht so spaet, was haben wir falsch gemacht? Aber Anna klaerte mich auf: Wir hatten grosszuegig Trinkgeld gegeben und dann kommt die Oberkellnerin eben auch nochmal vorbei, um sich zu bedanken...

Donnerstag, Februar 24, 2005

Minimalistic Business

Was braucht man, um ein Friseur zu sein? Eine Schere und einen Stuhl am Strassenrand. Was braucht man, um einen Luxusfriseursalon zu haben? Zu dieser Schere und dem Stuhl noch ein handgemaltes Schild, einen Kamm, einen Handspiegel, eine Zeitschriftenkollage mit Frisuren auf Pappe geklebt und eine kleine Huette oder eine Ecke in der Wechselstube, wo man seinem Beruf nach geht.

Was braucht man, um Passfotograf zu werden? Eine Polaroid Vierbildkamera, die man mit einer Haarnadel ausloest, da der Knopf verschwunden ist, eine Schere, um die Bilder zu zerschnipseln, einen Stuhl und eine Wand in irgendeiner Farbe als Hintergrund. Wie sieht das aus, wenn man cleverer Businessman in bester Geschaeftslage neben dem Fuehrerscheinbuero ist? Dann hat man eine kleine Box aus Zeltstoff, in der die Kunden sitzen koennen, hinten gibt es eine Vorhangstange, an der roter, weisser und blauer Stoff haengt als Hintergrund zur Auswahl, zur Selbstverschoenerung gibt es Handspiegel und pekige Plastikkaemme, die Kamera hat einen funktionierenden Ausloeser, ganz ohne Haarnadel.

Und Schneider? Das Prinzip ist langsam klar. Und schoen: Um seinen Beruf auszuueben, braucht man nur das, was dafuer unverzichtbar ist. Ein Schneider ist ein Mann, der mit einer alten mechanischen Naehmaschine auf dem Kopf die Strasse entlanggeht. Bei dem Schneider, wo ich war, gab es ein kleines Zimmerchen mit drei Waenden, in dem eine Frau an der Naehmaschine sass und Berge von Stoff rumlagen. Er hat mich ausfuehrlich vermessen und sich erklaeren lassen, was ich mir vorstelle. Sein eigenes Hemd hatte ganz viele Naehte und alles war sehr professionell. So wie ich auch bei den Fotographen (beim Friseur war ich noch nicht und der koennte wohl mit meinen Haaren wenig anfangen) das Gefuehl hatte, die wissen, was sie tun, und das Ergebnis war genauso gut wie deutsche Passfotos. Meine Kollegin Tonya erzaehlte, dass die Schneider hier eine dreijaehrige Ausbildung durchlaufen, fuer die sie ihren Meister bezahlen muessen, danach arbeiten sie noch ein halbes Jahr umsonst fuer ihn und erst dann sind sie fertige Schneider - Maenner mit Naehmaschinen auf dem Kopf.

Mittwoch, Februar 23, 2005

Autonamen

Alle Taxen und Trotros (ausrangierte VW-Busse, die als Sammeltaxen fungieren) haben Namen oder Sprueche auf den Scheiben. Viele erinnern einen, dass man kraeftig beten und in Gott vertrauen sollte, bevor man sich in eine solche Klapperkisste mit durchgeknalltem Fahrer traut. Ein besonders ehrliches Trotro steht seit einer Weile hier am Strassenrand: Remember Death! (also: Vergiss den Tod nicht, oder: Bedenke, dass Du sterben wirst)

Nicht allein

Heute morgen bin ich in ziemlich bewoelkter Stimmung aufgewacht. Musste mich selbst zur Disziplin rufen um mir nicht zu wuenschen, krank zu werden. Waere am liebsten mit einem Buch im Bett geblieben und haette die ganze Verantwortung ausgesperrt, die mich drueckt. Der Autokauf ist zaeh und alle haben unterschiedliche Vorstellungen, was das nun fuer ein Auto sein soll und wieviel es kosten soll. Aber krank werden ist natuerlich keine Alternative, weil die meisten Krankheiten hier wirklich fies sind und das Auto kein Problem ist, was sich durch langes Liegenlassen selbst erledigt.

Also aufstehn, laecheln (naja) und mit Pay ins Buero fahren. Hier wollte ich den Tag dann mit einer Jammer-Mail an die kleine Schwester anfangen. Aber waehrend ich so jammerte, fiel mir schon wieder was auf, was total toll ist (Diese Frau ist aber auch nicht tot zu kriegen!).

Bevor ich losfuhr, haben mir viele Leute gesagt: "Das ist aber mutig, so ganz alleine..." Wenn ich etwas so oft hoere, gibt es eine Standard-Antwort, in diesem Fall: "Sobald man ankommt, ist man ja nicht mehr alleine, in Afrika ist es unmoeglich, allein zu sein." Obwohl ich mir meine Antwort irgendwie geglaubt hab, war ich natuerlich viel unruhiger, als ich gezeigt haette.

Und als ich eben so lamentieren wollte, fiel mir ploetzlich auf, wie viele Leute es innerhalb einer Woche zu ihrem eigenen persoenlichen Ziel gemacht haben, dass es mir hier gutgeht und alles klappt. Der IWMI Chef hier (Pay) genauso wie der Kollege von IFPRI (Detlev), der zu Besuch ist, und schon seit hundert Jahren fuer IFPRI arbeitet. Beide wissen, wie das ist, so eine Stelle zum ersten Mal zu machen und versuchen, mich aufzubauen und mir den Weg zu zeigen... Aber auch der Mann von der Werkstatt, der sich fuer mich die Autos von unten anguckt und sich beim zweiten Auto kein Trinkgeld mehr geben lassen wollte: Warte erstmal, bis Du ein Auto gefunden hast. Mein Fahrer, der mich mit Seelenruhe durch den Verkehr lotst, wenn ich die Autos probefahre. Charlotte, die mich gestern zu ihrem Lieblingsschneider genommen hat...

Detlev hat mich gestern Abend beruhigt: Deine Arbeit fuer IFPRI wird spaeter nicht danach beurteilt werden, was Du in den ersten sechs Wochen geschafft hast. Und er hat mir klar gemacht, dass viele der Fragen, die mich grad belasten, gar nicht von mir entschieden werden koennen und damit nicht nur die Entscheidung sondern auch die Last ein oder zwei Hierarchiestufen hoeher liegt...

Montag, Februar 21, 2005

Essen 4: Tomaten. Maennno!

Die Tomaten, die man hier bekommt, sind so rot, dass es einen umhaut. Das Fleisch ist fast schon lila. Wunderschoen.

Die Haut der Tomaten ist komplett mit Lindan verseucht. Pay sagt sie haben unglaubliche Werte gemessen. Das Innere sei ok. Es sei denn, man uebergiesst die Tomaten mit heissem Wasser, um sie zu schaelen, dann platzen sie auf und das Gift dringt auch ins Fleisch ein. Man kann sie einfrieren, dann laesst sich die Schale wohl relativ leicht abloesen. Oder italienische Dosentomaten kaufen. Die sind hier leider - anders als ich Deutschland - alle mit Saeurungsmittel und das schmeckt ziemlich scharf durch.

Alltag

Katja fragt, wie mein Alltag hier aussieht, falls ich schon welchen habe. Also. Das geht so. Morgens wache ich frueh und geraedert vom Schreien (und wenn ich Schreien schreibe, meine ich SCHREIEN) der Perlhuehner auf. Dann ist es noch was man hier so kuehl nennt, dass ich den Gedanken, irgendwelche Kleidung anzuziehen noch nicht komplett unertraeglich finde. Meist bin ich dann noch zu tranig, um zu fruehstuecken, was ich spaetestens im Auto bereue.

Ich fahre gegen 7:30 mit Pay zum Buero und gucke dann als erstes, wer mir wieder alles geschrieben hat. Na und dann erledige ich Schritt fuer Schritt, was zu tun ist. Also sitze z.B. drei Stunden in der eiskalten Bank bei dem Versuch, Konten zu eroeffnen, bevor ich eine Arbeitserlaubnis habe. Dabei hab ich einen Unterschied zu Deutschland gelernt. In Deutschland heisst "nein" immer "nein". Hier heisst "ja" dann "ach doch nicht" und schliesslich "na gut". Oder ich fahre stundenlang in einem Auto ohne Klimaanlage auf Autojagd (moechte ja noch ein Auto kaufen, bevor es in den Norden geht). Wobei der Jaeger eigentlich mein Fahrer ist und ich dekorativ dabei bin und versuche mir jeden Motor mit schlauem Gesicht anzuschaun.

Besonders wichtig ist natuerlich: Kooperationspartner treffen und allen sagen, wie sehr ich mich auf die Zusammenarbeit freue. Besonders nachdem klar ist, dass einer von denen jetzt in den Norden faehrt, um die Renovierung der Uebergangsbueros und den Bau der endgueltigen Bueros zu ueberwachen. Ich dachte ja, das waere ploetzlich auch meine Aufgabe und da koennte ich etwa so nuetzlich sein, wie beim Autokauf. Zum Glueck gefallen mir meine Kollegen wirklich.

Dann versuche ich gegen vier zurueck im Buero zu sein, das freut meinen Fahrer, dass er dann Feierabend hat. Und ich bleibe noch bis sechs oder so, um dann mit Pay nach Hause zu fahren. Da gibt es dann meist recht kurze Abende mit Pay und Nikita, weil mir schon um zehn die Augen zufallen.

Freitag, Februar 18, 2005

Essen 3: Einfaches Essen

Anne weiss genau, was ich meine, wenn ich einfaches Essen sage. Im Gegensatz zu schwierigem. Schwieriges Essen kann manchmal total lecker sein. Aber eben nicht einfach und bestimmt nicht beruhigend.

Heute war ich mit Charlotte unterwegs, die hier fuer Buchhaltung zustaendig ist und mich ausserdem an die Hand nimmt, damit ich nicht so ein Baby bin. Und Charlotte weiss, was einfach ist. Ihr erster Versuch, mich zu fuettern war in der Kantine vor ein paar Tagen, da gab es Reis, eine schwierige Tomatensauce (die eigentlich unheimlich lecker war - aber scharf und mit Stuecken von Sachen drin, die keinen Personalausweis vorzeigen konnten, und deshalb eben nicht mit einfachem Gefuehl gegessen werden konnte) und dann noch Gemuese: Paprika, Zwiebeln und sowas, schlicht, lecker und roh... aber uneinfach, weil ich bei jedem Bissen denken musste: "Niemals rohes Gemuese, das Du nicht selbst gewaschen hast!"

Heute auf dem Weg von der Bank zum Hafen, wo wir ein Auto angucken wollten: Willst Du Plantain (Kochbanane)? Dann hat sie das genau so gemacht, wie man mich zaehmt: Sie hat den Fahrer gebeten, anzuhalten und hat bei der Frau am Strassenrand eine Portion fuer sich gekauft, von der sie mir dann die Haelfte abgegeben hat. Oh und das war schoen und schlicht.

Schon die Zubereitung: Kleines Feuer in einer Blechschuessel, ein Rost darauf und die Plantains in der Schale weichgegrillt. Punkt. Einfach.
Das Ergebnis hat nur einen Geschmack und viel Kohlehydrate zum Beruhigen. Der Geschmack sanft zwischen baked potatoe, gruenen Bananen und weissen Bohnen. Und man bekommt das so heiss, dass man weiss, alles Boese dadrin ist tot (obwohl, totes Boeses ist eigentlich noch fieser, oder?). Dazu gibt es eine kleine Tuete salzige Erdnuesse. Oh Charlotte, Du machst mich gluecklich.

Und als ich ganz vorwitzig die weissen Stuecke auf dem Grill auch noch probieren wollte, meinte sie: Das ist Yams. Kennst Du Yams? Nein? Nicht diesmal. Eins nach dem anderen.

Mittwoch, Februar 16, 2005

Anders

in Amerika fiel es mir leicht, ueber die Details des Alltags zu berichten, die anders sind als zu Hause. Ich konnte mir sicher sein, dass Ihr den Hintergrund, die Sachen, die ganz aehnlich sind wie bei uns vorstellen koennt und ueber das andere schmunzeln, Euch wundern, entsetzt sein. Hier hab ich aber das Gefuehl, ich muesste Euch erstmal durch Afrika zerren, damit Ihr Euch das ueberhaupt vorstellen und dann einordnen koennt. Deshalb zoeger ich, mit den Details anzufangen. Aber so kommen wir ja nicht weiter. Also gut. Details.

Eben im Auto sitzen, die feuchte, heisse, staubige und stinkige Luft einatmen und ueber das Wort Sommersmogverordnung lachen.

An einer ganz besonders grossen Kreuzung liegt das Militaerkrankenhaus 37. Vor Jahren wurde ein Chief aus dem Norden mit einer schweren Krankheit eingeliefert. Mit ihm kamen Millionen Fledermaeuse und haengten sich in die grossen Baeume vor dem Krankenhaus, um auf ihn aufzupassen. Das hat leider nichts geholfen. Aber da der Chief verstarb statt zurueckzugehn, blieben die Fledermaeuse in Accra haengen und jeden Abend in der Daemmerung schwaermen sie ueber den Stau. So gross wie fette Amseln und unzaehlbar viele. Tags haengen sie in den Baeumen, die aussehen wie mit schweren Fruechten ueberladen.

Lizzie kommt jeden Tag an unserem Buero vorbei. Auf dem Kopf traegt sie ein Tablett auf dem ein Messer in Ananas, Mangos und Papaya steckt. Lizzie, ich hab Hunger! Dann waehlt sie einzelne Fruechte aus: Moechtest Du die? Fuer 10 000 Cedi (90 Cent) eine Mango und eine Papaya in mundgrosse Stuecke geschnitten, so wie frueher, vorm Fernseher und Mama fragt: Soll ich Dir ein Aepfelchen machen?

Ein Kollege leiht mir sein Auto und seinen Fahrer, solange ich hier bin. Adam (der Fahrer) hat das beeindruckende Talent, immer und ueberall einschlafen zu koennen. Ich denke, die Hitze hilft... Das ist auch gut so, denn das geht so, dass er morgens kommt, dann mit den anderen Fahrern unter dem Baum sitzt, bis ich ihn brauche. Ich sage: Wir fahren da und da hin (ohne die leiseste Ahnung zu haben, wo das ist), dann geh ich zu meinem Termin, waehrend er seinem Talent froehnt und wenn ich wieder komme, sag ich: Und jetzt da hin. Hat irgendjemand vorher von mir gehoert, dass ich Fahrer bloed finde und selbst nen Fuehrerschein hab und gern Auto fahre? Vielleicht ist das damit zu entschuldigen, dass ich noch nie in einer afrikanischen Grossstadt war. Schon im Auto sitzen und gucken und den Mund nicht aufstehen lassen geht weit ueber mein Fassungsvermoegen. Aber mich hier zu orientieren und zu verfahren und aaaaaarg...

Der Verkehr geht sehr langsam. An jeder Strassenkreuzung stehen die Hawker, also Maenner und Frauen, die langsam zwischen den Autos auf und ab gehen und von Klopapierrollen ueber getrocknete Kochbananen, Zeitungen und Spielzeug bis zu Ohrenstaebchen alle auf den Koepfen tragen, was ein Autofahrer vielleicht an der roten Ampel brauchen koennte.

Heute hab ich zwei Konten eroeffnet und der ganze Kram von wegen riesige Gebuehren fuer Dollarkonten stimmt nicht. Zum Glueck. Und ein Handy gekauft. 00233 24 3536938.

Dienstag, Februar 15, 2005

Eva in Ghana

So. Jetzt bin ich da. Nach einem ungeplanten Zwischenstopp ueber Nacht bei Anne in Holland (Schnee in Amsterdam, der Anschlussflug war weg als wir landeten), bin ich gestern nach Accra geflogen. Nachts angekommen, von einem Fahrer mit Schild abgeholt worden und in ein plueschiges Hotel gefahren worden. Nicht zu Kollege Pay nach Hause. Der Fahrer wusste da auch nichts von und ich hab gedacht: Einfach kommen lassen. Im Hotel gab es sogar einen gepolsterten und gebluemten Plastikueberzug fuer die Klobrille und einen grossen Spiegel im Speisesaal auf dem die Skyline von New York eingraviert war. Mit Twin Towers.

Auf der Fahrt zum Hotel hat es mich dann ploetzlich von hinten tatsaechlich erschlagen, dass ich mich entschieden habe, in einem Land, das ich ueberhaupt nicht kenne, fuer zwei Jahre zu wohnen und zu arbeiten und ob ich noch richtig ticke, mich darauf einzulassen. Wir sind durch die Schickste Wohngegend Accras gefahren (sagt mein Fahrer) und zwischen den Festungen lauter Strassenstaende mit kleinen Flammen in der Nacht, auf denen irgendwas kocht. Die schaffen das mit der Trennung zwischen Arm und Reich definitiv nicht so gut, wie in Namibia.

Es ist sehr heiss und feucht und ich bin sehr erschoepft und glaub noch nicht ganz, dass ich das bin. Da ich hier eine Internetverbindung blockiere war's das erstmal und ihr kriegt heute keine persoenlichen mails. Nicht traurig sein, das kommt auch noch...

Samstag, Februar 12, 2005

Auf los gehts los

LOS.

Meine Lieben, die kurze Woche hier konnte ich leider nicht dazu nutzen mit allen von Euch so viel Zeit zu verbringen, wie ihr verdient haettet. Und morgen frueh faehrt Michael mich zum Flughafen, morgen Abend werde ich in Accra erwartet. Ich dreh durch vor Spannung und werde schreiben. Aber jetzt erstmal zu Ende packen.

Sonntag, Februar 06, 2005

back home

... ich bin wieder hier...
... in meinem Revier...


und jetzt geh ich erstmal schoen in den kleinen langweiligen Bochumer Zoo und fuehl mich zu Hause!

Mittwoch, Februar 02, 2005

Voll unfair

Gestern waren wir nach der Arbeit im Ballett, Giselle. Ich war (wie schon seit Wochen jeden Abend, da ich so bescheuert gepackt hab) seriously underdressed, umgeben von Roben, Anzuegen, Uniformen und spitzen hochhackigen Schuhen. Ich weiss nicht, ob Ihr Giselle kennt, ich bin Banause genug, dass ich die Story erst aus dem Programmheft erfahren hab. Die erste Haelfte ist ziemlich verworren und unfair. Die zweite Haelfte ist schlicht und klar und unfair. Wenn man dann beim Lesen auch noch das englische Wort fuer Bauer (peasant) mit dem fuer Fasan (pheasant) verwechselt, wird es komplett irrsinnig:

Also der Nobelmann verkleidet sich als Fasan um um die einfache doch schoene Bauerstochter zu werben? Hoechst eigenartig.

Nein, was wir dann auf der Buehne sahen war folgendes: Der Jaeger liebt Giselle und zum Zeichen seiner Anbetung haengt er ihr einen Vogelkadaver an die Tuer. Das funktioniert nicht wirklich, aber das liegt nicht so sehr am Kadaver als daran, dass der als Bauer verkleidete Graf ins Dorf kommt und sie so lange umwirbt, bis sie's glaubt und sich mit ihm verlobt. In der Zwischenzeit hat der eifersuechtige Jaeger das Schwert des Grafen im Schuppen gefunden und um ihn zu entlarven, blaest er einmal kraeftig ins Jagdhorn und dann kommt die ganze adelige Horde angelaufen, einschliesslich rechtmaessiger Verlobter und Schwiegervater. Im Laufe dieser ganzen Aktion bricht schliesslich Giselles Herz und sie selbst bricht mitten im Tanz tot zusammen. So weit so gut. Dieses war der erste Streich...

Nach der Pause sind sie alle im Wald, wo Giselles Grab ist. Es gibt eine sehr spezialisierte Art von Geistern, naemlich solche, die im Leben verlobte Frauen waren, die aber von ihren Schatzis nicht geheiratet wurden. Verstaendlicherweise sind sie zwar durchaus liebreizend anzuschaun aber leider vollkommen verbittert und rachsuechtig. Und da es ihr Job ist, ein Ballett zu fuellen, haben sie sich folgende Rache ausgedacht: Jeder Mann, der ihnen zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens begegnet, wird zu Tode getanzt. Wir sehen die Nacht, in der Giselle in diesen erlauchten Kreis aufgenommen wird.

Und dann kommt die Frechheit. Also erstmal ist der wackere Jaegersmann am Grab (klar, bei seiner Vorliebe fuer Kadaver). Die Geister erwischen ihn, zwingen ihn, sich in den Tod zu tanzen, und Giselle ist das egal. Dann kommt der adlige Stutzer und diese dumme Pute ist auch nach dem Tod nicht von ihrer Hoehrigkeit geheilt. Statt mit Freuden seiner wohlverdienten Strafe zuzusehn, rettet sie ihm das Leben, indem sie bis vier Uhr morgens mit ihm tanzt und obwohl er ab und zu zusammenbricht, steht er dann doch immer wieder auf und sobald es daemmert verziehen sich die Maedel und er ist gerettet. Regina sagt das ist leidenschaftliche romantisch Liebe.

Das ist so unfair. Aber hinreissend getanzt. Die Figur der jungfraeulichen Braut, die zum Geist wird, eignet sich eben besonders gut fuers Ballett. Ich war ueberrascht, dass man im Jahr 2005 in einem Hauptstadt-Theater noch ein so traditionell inszeniertes Ballett sehen kann, aber schoen wars. Die Maenner sind hoch gesprungen und haben die Frauen durch die Gegend gestemmt und wir waren bezaubert. Trotz moralischer Fragwuerdigkeit.

Montag...

werde ich an der Uni sein und meiner Diss endlich endlich den allerletzten Schliff geben. Wer kommt mit Mittagessen?

Dienstag, Februar 01, 2005

Hallo? Wird da jemand sein?

Ich weiss ja nicht, wer welche Plaene fuers Wochenende hat und wer wieviel Sehnsucht nach mir hat. Falls irgendwer es echt nicht mehr aushaelt, erlaube ich es Euch in meiner grenzenlosen Grosszuegigkeit, zum Flughafen zu kommen :)
Samstag 10:40 in Duesseldorf, Flug aus Amsterdam (s.u.).


05 FEB 05 - SATURDAY
AIR KLM ROYAL DUTCH FLT:1855 ECONOMY REFRSHMNT/COMP
AMSTERDAM-DUSSELDORF OPERATED BY KLM CITYHOPPER
LV AMSTERDAM 945A EQP: FOKKER 70 JET
55MIN
AR DUSSELDORF 1040A NON-STOP
REF: D8PWRD

Schmutzige Details und so

Penny, Du hast das ganz falsch verstanden (s. Kommentar zu "Hallo, ist da jemand?"). Es gibt keine extra-mailinglist fuer schmutzige Details und innerste Geheimnisse. Die musst Du Dir haerter erarbeiten, die musst Du durch interessante emails, lange Telefonate, Besuche im Busch und edle Geschenke (Ha!) aus mir rauslocken.

Hallo! Is da jemand???

Meine Lieben. Ich finde das ganz super, dass Ihr jetzt immer lesen koennt, was ich so erlebe. Ihr duerft mir aber weiterhin auch private emails schreiben und mir erzaehlen, was Ihr so erlebt. Sogar Briefe! Oder mich anrufen!

Ihr habt sicher schon gemerkt, dass es sich hier nicht um eine tief in die dunkelsten Abgruende der Seele gehende Selbstoffenbarung handelt. Um die zu bekommen, muesst Ihr schon etwas mehr Aufwand betreiben... Und ich sach Euch, da gibt's Sachen zu berichten... buuuhuuuahhh!

Montag, Januar 31, 2005

The city that never sleeps...

Nein. Ich werde nicht in der Lage sein, New York zu beschreiben und wie es auf mich gewirkt hat. Ich weiss nur, ich hab das immer komisch gefunden, dass Leute so weit reisen, nur um eine Stadt zu besuchen, die doch so exotisch nicht sein kann. Und wofuer weit reisen, wenn's dann nicht exotisch ist. Jetzt find ich's nicht mehr komisch.

Wir waren zwei Landmaeuse in der grossen Stadt mit weit aufgerissenen Augen und Maeulern vor lauter Staunen ueber Groesse, Praechtigkeit, Schaebigkeit, Wuseligkeit. Ueberblick vom Empire State Building, Verfuehrung in alten Luxuskaufhaeusern (Mutter, Dein Geburtstagsgeschenk...), Schnee, Schlittschuhfahrer, Pferdekutschen und Eva und Regina wild kichernd auf dem altmodischen Pferdekarussell im Central Park, im Jazz-Club schlafen (richtig schlafen, mit Traeumen und allem, ich Banause, aber irgendwo musste ich hin mit meiner Reizueberfuetterung...), mit den Frauen vom Nebentisch in die naechste Kneipe gehn, ueber Liberty's unfoermige Figur laestern - von innen ist die irre, das Geruest hat Gustave Eiffel gemacht, der mit dem Turm -, durch Chinatowns Schundgeschaefte wuehlen und immer wieder den Kopf verrenken und oh und ah sagen weil alles so gross ist.

Obwohl wir vom Fenster nicht auf's Empire State gucken konnten, ist das Hotel sehr zu empfehlen, weil mittendrin, freundlich und sauber und unschlagbar guenstig.

Das Wochenende war viel zu kurz (von Samstag Mittag bis Sonntag um 6) aber gleichzeitig lang genug, um mich bis oben hin zu fuellen.

Jetzt hab ich hier noch eine kurze Arbeitswoche, Freitag abend geht schon mein Flug zurueck. Ich bin beeindruckt, wie schnell ich hier in einen Alltag im positiven Sinne gefunden hab, mit liebstem Mittagessen-Cafe und Buchhandlung, Leuten auf der Arbeit, mit denen ich mehr und solche mit denen ich weniger zu reden hab, sogar Evas Kummerkasten hat jetzt eine Aussenstelle in Washington...

Heute fand ein Kollege das komisch, wie ruhig ich bin, obwohl ich doch in knapp zwei Wochen nach Ghana umsiedel. Ich hab versucht, ihm zu erklaeren, dass ich den Problemen, die damit verbunden sind, ja erst begegne, wenn sie auftauchen und dass ich Ghana ja noch nicht kenne und erstmal warten muss, wie das vor Ort aussieht, bevor ich weiss, worum ich mir Sorgen machen muss. O.k., dieses weise und abgeklaerte Gesicht kann ich gut machen, weil er mich ja nicht in der Woche vor meiner Abreise nach Washington gesehn hat. Nun, ich werde Michael nicht seine Adresse geben, so kann er nicht petzen und ich bin weiterhin die lebenskluge gelassene Frau, die diesem Hamster im Laufrad viel erzaehlen kann. Ach es geht doch nichts ueber angemessene Selbstdarstellung... Und die Unterdrueckung alternativer Informationsquellen.

Donnerstag, Januar 27, 2005

Sex

Wenn ich dazu komme, werde ich heute ueber Sex in Amerika schreiben.

Hahahahaha. Sehr interessant, wer alles nachgefragt hat, wann denn endlich Sex in Amerika kommt (viele Leute hier fragen sich das glaub ich auch....). Uebers Wochenende waren wir in New York und als wir gestern Nacht zurueckkamen, stand das Gaeste-WC unter Wasser, weil irgendwas... naja eben weil irgendwo Wasser rauskam, wo es nicht rauskommen sollte. Bin ich ein Klemptner? Nein, gestern abend habe ich diesen Verdacht endgueltig ausraeumen koennen. Jedenfalls, weil grade der Klemptner da ist und ich deshalb noch nicht im Buero, habe ich einen Moment Zeit ueber keinen Sex in Amerika zu schreiben.

Aus mehreren Gruenden ist das die einzig angemessene Moeglichkeit fuer mich, mit diesem Thema umzugehen. Zuersteinmal und am wichtigsten: Ich bin eine ehrenhafte Frau (ha!) und keine Hure, also rede ich nicht ueber Sex und denke nicht an Sex und wasche mir meinen Mund dreimal taeglich mit Kernseife. Das wichtigste, was eine Frau egal welchen Alters beachten muss um sowohl respektabel als auch attraktiv zu sein: Sex kommt in ihrem Leben offiziell nicht vor. Der andere Grund, warum ich nur ueber keinen Sex schreiben kann, ist dass Sex auch ansonsten offiziell nicht vorkommt oder zumindest eine schlimme Suende ist, die ausgerottet gehoert.

Einiges zu diesem Thema lerne ich von meinen nicht-amerikanischen Kollegen, die auf Partnersuche sind. Anderes von den Erziehungsplakaten in U-Bahn und Bus. Die Kollegen erzaehlen von den unglaublich buerokratischen Dating-Zeremonien, deren zentrales Ziel es ist, Heiratskandidaten zu sortieren, die guten ins Toepfchen, die schlechten ins Kroepfchen. Man geht nicht einfach mit Leuten aus und amuesiert sich und ueberlaesst es Amor , nach Gutduenken ab und an seine Pfeile zu verschiessen. Sondern man hat ein Date mit einem potentiellen Kandidaten und statt seinen Spass zu haben veranstaltet man eine Art Vorstellungsgespraech, bei dem er die ganze Zeit zeigen muss, wie reich und erfolgreich er ist und sie, was fuer ein unschuldiges Haeschen sie ist.

Plakate im Bus: Schwarzweiss-Foto einer sehr ernst schauenden jungen Schwarzen. Slogan: Just because you did, doesn't mean I have to (Dass Ihr es getan habt heisst noch lange nicht, dass ich es auch tun muss). Dann ein langer anklagender Text, dessen Quintessenz ist, dass ihre Eltern in den wilden Sechzigern Sex hatten und sie jetzt quasi unter Druck setzen, ihrem Vorbild zu folgen, wo sie doch viel lieber Jungfrau bliebe, statt ihr Leben zu ruinieren (Aha.). Fuer Maenner gibt es den ebenfalls ernsten schwarzen jungen Mann. Slogan: Give me hope. Not a condom. (Gebt mir Hoffnung. Nicht ein Kondom). Und einen Text in aehnlichem Tonfall.

Regina erzaehlt von einer Talkshow, bei der diskutiert wurde, ob man denn nach Oral-Sex noch Jungfrau ist und ob das schlechte Vorbild Clintons diese schreckliche Entwicklung zu mehr Oral-Sex unter Jugendlichen verstaerkt hat. Prostitution ist verboten. Menschen, die im oeffentlichen Leben stehen (und das tut in Washington fast jeder) koennen ihre Karriere vergessen, wenn sie sich scheiden lassen. Das hat zur Folge, dass die Lokalzeitung voll ist von Anzeigen, in denen MWM (married white man - verheirateter weisser Mann) nach geheimer LTR (long term relationship - Langzeitbeziehung) sucht. Oder Frauen, die nach mutually benefitial relationship (wechselseitig lohnender Beziehung, also: Du kriegst Sex, ich krieg Geld) mit MWM suchen. Es ist wunderbar, zu beobachten, wie Verbote Menschen moralisch bessern.

Montag, Januar 24, 2005

Essen 2: Gestern habe ich fuer ein Stueck Butter 4,99$ bezahlt

Viele Dinge sind hier nicht so schrecklich, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das Brot schon. Und: Blaubeer-Muffins in dem nichts von einer Blaubeere drin ist, sondern nur mit kuenstlichem Blaubeeraroma versetzte blau gefaerbte Fetzen von ich-will-nicht-wissen-was. Und: Kartoffeln, deren Schale zur Konservierung mit Petroleum ueberzogen ist, keine Milch ohne Vitamin D Zusatz, Tiefkuehlspinat der Geschmacksrichtung altes Stroh mit braunen Stoecken drin...

Und SALZ SALZ SALZ. Das macht mich irre. Cracker, die so versalzen sind, dass mir noch Stunden danach die Zunge brennt und ich mich vergiftet fuehle. Eine Chinesische Kollegin meinte: Ist das nicht eigenartig. Ich komme von einem Entwicklungsland (China) in ein hochentwickeltes Land (USA) und aber die Lebensmittelqualitaet in China ist so viel hoeher. O.k., Anne, Du protestierst, aber wir reden jetzt mal nicht von ekelhaften Zubereitungsweisen von Mahlzeiten sondern den sogenannten frischen Zutaten. Im namibischen Busch hab ich besser gegessen... Naja, geringfuegig... Vielleicht hat auch einfach nur die Sonne mehr geschienen und ich war nachsichtiger...

Irdische und himmlische Freuden

Grade habe ich das Hotel in New York klargemacht:
Hotel 31
120 East 31st Street
New York NY 10016
USA212-685-3060
www.hotel31.com

87$ fuer ein Doppelzimmer und wenn wir Glueck haben sogar mit Blick aufs Empire State Building. Ich kann Euch sagen, ich habe hier vielleicht eine harte Zeit. Diese ganzen Vergnuegungen immer. Gestern hatten wir mittags zwei Gaeste zum Essen, dann hab ich nachmittags Brot gebacken um es abends auf eine kleine Party von Kollegen mitzunehmen...

Oh und auf dem Weg dahin bin ich beinahe der Erleuchtung teilhaftig geworden. In der U-Bahn traf ich einen Mann dem Gott aufgetragen hatte, mich anzusprechen! Ist das nicht super. Von allen Menschen grade mich. Ich bin auserwaehlt. Ich ahnte es ja schon eine ganze Weile. Nur wollte ich Euch nie etwas davon erzaehlen, weil ich fuerchtete, Ihr wuerdet mich fuer ueberheblich halten...

Das einzige was mich ein wenig enttaeuscht hat, ist dass Gott mir nichts wichtigeres und irgendwie, naja, erleuchteteres und weltbewegenderes mitzuteilen hatte als: Gib diesem Mann 10 Dollar. Wenn die Botschaft so banal ist wie ein Aldi-Prospekt, bekomm ich sicher Rabatt. Und wenn er mit dem einen Dollar, den ich John gegeben hab nicht zufrieden ist, muss er mich halt nochmal anrufen.

Freitag, Januar 21, 2005

Kroenungszeremonie

Gestern habe ich den ganzen Tag haarscharf neben den Orten verbracht, an denen Geschichte (naja) gemacht wird. Dabei hab ich mich wirklich bemueht. Zwei Stunden lang habe ich unter tausend Demonstranten und siebzehn (oder so) Republikanern in der Menschenmenge gestanden, die darauf wartete, durch den Sicherheits-Check zur Inauguration-Parade gelassen zu werden. In dieser Zeit ist die Menschenmenge drei Meter vorangekommen und ich vermute, das lag an denen, die weiter vorne standen und frueher aufgaben. Naja, den Praesidenten hab ich also nicht gesehen, dafuer war ich aber unter lauter Demokraten... Was ich an den Plakaten um mich herum unschwer erkennen konnte: War begins with W (Krieg beginnt mit W), You are not my President (Du bist nicht mein Praesident), Fush Buck und Con-job beats blow-job - impeach Bush (Betrug ist schlimmer als Oralsex - Amtsenthebungsverfahren fuer Bush). Heute in der Kaffeepause erzaehlte ein Kollege von seinen Erfahrungen mit Traenengas und Pruegeleien auf der anderen Seite der Security und ich denke das zeigt nur, dass es wichtig ist, zu wissen, wann man aufgeben und einen Kaffee trinken gehen sollte. Ein Glueck, dass sie mich nicht reingelassen haben...

Abends hab ich meine politische Landeskunde fortgesetzt in der Buchhandlung Politics and Prose, die direkt um die Ecke liegt. Da gibt es jeden Abend Autorenlesungen und zur Feier des Tages waren die Autoren von Newsweek eingeladen, die nach jeder Wahl ein Buch zum Wahlkampf veroeffentlichen. Schon wieder mitten unter Demokraten. Eine Frau hinter mir erzaehlte ihrer Freundin: "Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir die Vereidigung des Praesidenten nicht angeschaut habe."

Was hier ganz anders ist als in Deutschland, ist das Ausmass in dem die Oeffentlichkeit politisiert ist und in dem ganz eindeutig klar ist, wer zu welchem Lager gehoert. Hier faellt mir erst auf, wie sehr Politik in Deutschland als Small Talk verboten ist. Aber bei uns kann man die Parteigaengershaft ja auch nicht an der Art der Ohringe erkennen, die jemand traegt oder am Cowboyhut zum Smoking und dem Preis der Frisur. Was ebenfalls anders ist, ist dass selbst die linksten Linken alle Patrioten sind und das auch permanent sagen und zeigen.

Als ich nach Hause kam, hatte Regina im Internet einen Inauguration Ball gefunden und schlug vor da hin zu gehn. Gleich hatte sie sich in ein super-chickes rotseidenes Ballkleid und doppelte Perlenkette geworfen und ich verfluchte meine Unfaehigkeit beim Kofferpacken. Als wir schliesslich losgingen, sah ich neben ihr aus wie Aschenputtel bevor sie das Erbsensortieren an die Tauben outgesourct hatte. Ein Ball! Im Flodderrock von H&M! Mit Plastikjuwelen!

Naja, als wir ankamen sahen wir, dass man das Wort Ball sehr weit auslegen kann und dass ich mit meinem Flodder durchaus angemessen gekleidet war. Und wenn man es sich recht ueberlegt, ist nur eines schlimmer als underdressed: overdressed.

Den bescheuertsten Scheissjob des Abends hatte uebrigens der Bill Clinton Imitator. Schlimm genug, als geringfuegig aehnlicher Imitator des Praesidenten fuer Geld auf Parties die Leute nerven zu muessen - aber ein geringfuegig aehnlicher Imitator des ehemaligen Praesidenten...

Montag, Januar 17, 2005

Ankommen 1: Washington

... dass ich Freitag 12 Stunden damit verbracht habe, zum US Konsulat in Frankfurt zu fahren und dort endlos auf die Mittteilung zu warten, dass ich kein Visum bekomme und vor lauter Wut und Erschöpfung etwa 3 Liter Tränen zu vergießen, werde ich nun einfach vergessen angesichts der Tatsache, dass dieser ganze Aufwand komplett unnötig war und ich absolut problemlos eingereist bin. Hahahahaha. Kann ich da nur leicht hysterisch lachen.

Glücklicherweise nur noch leicht hysterisch, denn heute ist in den Staaten Feiertag (Martin Luther King day) und ich sitze hier schön gemütlich bei leiser Klaviermusik in Nancys Haus und hole die Entspannung nach, die mir in den letzten Wochen irgendwie nicht gelungen ist. Heute morgen habe ich den Tag langsam begonnen, indem ich mich erstmal dazu gezwungen hab, länger zu schlafen, als mein Körper, der noch mitteleuropäisch tickt, sich das vorstellte. Dann bin ich in klirrender Kälte bei Sonnenstein und Schneestaub zwei Stunden durch die Straßen spaziert und habe nicht viel mehr gemacht als: Einatmen, ausatmen.

Bislang bin ich hier nur mit Regina, die das Haus bewohnt, während Nancy in Rom lebt. Heute abend kommt Nancy für vier Tage zurück, um als meine Chefin dabei zu sein, wenn ich anfange für IFPRI zu arbeiten. Und jetzt werd ich weitermachen: Ausatmen. Einatmen. Ausatmen.

Mittwoch, Januar 12, 2005

Umzieher

Morgen früh um elf kommen die Umzieher. Heute wollte der Spediteur mit mir einen Termin abmachen, um sich die Bude mal anzusehen und dann ein Angebot zu schreiben, über das mein Arbeitgeber dann zu befinden hätte. Als er erfuhr, dass er morgen nix angucken sondern anpacken und einpacken soll, hat er geschluckt, sich meine Ladung am Telefon beschreiben lassen und schließlich diagnostiziert: Sie brauchen keinen Kontainer, da reichen zwei Kisten. Womit er recht hat, wenn diese Kisten jeweils 5 Kubikmeter haben. Also morgen darf ich den starken Männern befehlen: Das kommt mit, das nicht. Ihnen beim Verpacken und Schleppen zuschaun. Und mich als Prinzessin fühlen. Super. Und ganz ohne Erbse

Dienstag, Januar 11, 2005

Visa oder was

So, ich hatte ja wirklich fest vor, keine Zeit mehr mit dem Schreiben neuster Entwicklungen zu verschwenden, bis ich nicht tatsächlich sicher wäre, alles geschafft zu haben, was bis zu meiner voraussichtlichen Abreise Sonntag (oder so) noch zu schaffen wäre. Aber, meine Güte, erstens bin ich grade einen großen Schritt weitergekommen und zweitens habe ich mich so aufgeregt, dass die Alternative wäre, einen von Euch anzurufen, das lang und breit zu erzählen und schließlich eine Stunde zu telefonieren, was ja auch nicht besser wäre...

Eine meiner Aufgaben bei diesem Projekt ist es ja, die interkontinentale Kommunikation zu gewährleisten und ich denke in dem dafür nötigen Lernprozess sind wir gestern einen Schritt weitergekommen. Aufgrund von Missverständnissen (das war nicht der Ärger, der Ärger kommt weiter unten) auf allen Seiten haben sich sowohl meine Arbeitgeber als auch ich um ein Ghanaisches Visum gekümmert aber das Amerikanische links liegen gelassen, um dann gestern Abend zu realisieren, dass es ja doch benötigt wird. Wo leider grade mein Reisepass mit Expressmail mein Haus Richtung Ghanaische Botschaft Berlin verlassen hatte.

Also heute: US Konsulat in Frankfurt anrufen. Nach kostenpflichtigem Gespräch für 15,28 € rausfinden, dass ich ohne Passnummer keinen Termin ausmachen kann. Ghanaische Botschaft in Berlin anrufen (60 Cent, so kommen die nie zu was), wo man mich schon kennt. "Eva, Du hast uns die falsche Adresse gegeben. Wir brauchen Deine Adresse in Deutschland, nicht in Ghana..." Mein Pass ist schon im Umschlag für die Rückreise, Juhuu, ich nehme alle Vorurteile gegen afrikanische Bürokratie zurück. Passnummer durchsagen lassen. Für 6,10 € eine Runde in der Warteschleife des US Konsulats gedreht, die damit endete, ich solle vielleicht doch später nocheinmal versuchen. Die wissen wie man's macht. Dann für 10, 27 € einen Termin für Freitag 9:30 abgemacht. Davon waren etwa 2 €, dass der freundliche Mitarbeiter mir lang und breit erklärt, dass ich außer durchsichtigen Plastikhüllen mit Papieren nichts ins Konsulat mitnehmen darf. Keine Kinderwagen, Waffen, undurchsichtige Plastikhüllen. Für alle, die so langsam rechnen wie ich und sich gemeinsam mit mir wundern wollen: 31,65! Und: Nein, leider sind wir nicht via email zu erreichen.

Kleiner Tipp: NIEMALS, wenn Ihr auch nur einen Fetzen Englisch sprecht, die Option "deutschsprachig" wählen, da ist die Warteschleife etwa 5 € länger. Und vorher alles zum Buchstabieren aufschreiben.

Da bin ich richtig dankbar, dass meine Impfstelle, wo ich heute die letzten Spritzen abgeholt habe, mir erlaubt, ihnen die 258,60 € zu überweisen. Womit ich dann wohl warten werde, bis ich mein relocation benefit bekommen habe, was nach Aussage meines relocation assistants etwa eine Woche nach Arbeitsbeginn sein soll. Männo, ich hatte doch geplant, mit diesem Job reich zu werden und nicht arm!!! Manchmal fürchte ich, das Armwerden klebt mir an den Füßen wie Kuhfladen... Hilfäää!

Montag, Januar 10, 2005

Zwischenstand Bibliothek

Die Bibliothek wächst und wächst. Beim Kistenpacken ergab die letzte Zählung: 153 Bücher. Und in meinem Vertrag habe ich heute gelesen, dass mein Arbeitgeber 75 lb Übergewicht (im Gepäck natürlich) für meinen Flug nach Ghana bezahlt. Also werden auch nach Abfahrt des Containers losgeschickte Bücher gut ankommen...

Dienstag, Januar 04, 2005

Essen 1: Brot

Ich weiß, dass meine Leser ein ganz unterschiedliches, jedenfalls leidenschaftliches Verhältnis zum Thema Essen haben - zwischen leidenschaftlichem Interesse und leidenschaftlichem Ekel. Deshalb werde ich die Artikel, in denen es nur ums Essen geht entsprechend kennzeichnen, zum Finden oder Überspringen.

Als Teil meiner Reisevorbereitungen habe ich nun den Selbstversuch Brotbackmischung begonnen und bin positiv überrascht. "Küchenmeister Backmischung Landbrot", mein erster Versuch, schmeckt lecker sauerteigig und roggenherzhaft und deutsch. Juhuu. Nun werde ich also in Michaels wasserdichte Kisten, in denen vorher Optiken transportiert wurde, Brotbackmischungen dicht an dicht packen und bin gespannt, ob Felixens Vorhersage eintrifft. Dass nämlich, wie in dem Roman, den er grade gelesen hat und der vor über hundert Jahren spielt, alles faulig wird, egal ob mit oder ohne Box. Dann hieße es doch Fufu essen bis der Arzt kommt ("...ein Brei von kleisterartiger Konsistenz", wie mein Reiseführer sagt).

Samstag, Januar 01, 2005

Vorläufige Reisedaten

Vorläufige Reisedaten

Diejenigen von Euch, mit denen ich mich in den letzten Wochen über meine Reisepläne unterhalten habe, wissen, dass ich zu der Frage nach dem Anfangstermin eine ganz eindeutige Antwort hatte (18. Januar, 9:00 h, IFPRI front desk), aber nur eine vage Ahnung, was danach wann und wo passiert.

Nancy, eine der beiden Projektverantwortlichen, hat mir nun eine mail mit folgenden Daten geschickt:

Ankunft in Washington DC: 17. Januar
Ankunft in Bonn: 7. Februar
Ankunft in Accra, Ghana: 13. Februar
Ankunft in Bolgatanga: 20. Februar oder so.

In Washington werde ich in Nancys Haus wohnen, das grade von meiner deutschen Kollegin Regina bewohnt wird, da Nancy in Rom ist. Die Abfahrt nach Bolga ist noch ein wenig unklar, da ich mit einem meiner ghanaischen Kollegen, Felix oder Winston, rauffahren soll, damit sie mich am Händchen halten und alles Organisatorische gemeinsam mit mir regeln können. Und diese beiden müssen noch mitteilen, wann sie denn Zeit zum Babysitten haben.